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BetrifftGedichteecke - l'angolo della poesia (3)300 Antworten    
Kommentar
Auf Anregung von ceto setze ich diesen Artikel gerne fort. Ich wünsche mir, dass einige Freunde der Poesie großzügig beitragen und die stillen Leser ihren Spaß dabei haben.

Hier noch einmal die einleitenden Worte von Fen, die seinerzeit die Idee hatte:
Nach dem Vorbild des Französisch-Forums möchte ich hier einen Raum für italienische und deutsche Gedichte schaffen, natürlich auch für Übersetzungen aus anderen Sprachen (gerne mit dem jeweiligen Original). Ob Klassiker, Unbekanntes oder Kindheitserinnerungen - eure poetische Ader ist gefragt!

Bitte beachtet das Urheberrecht: Gedichte, deren Urheber seit mindestens 70 Jahren verstorben ist, können gepostet werden. Für alle anderen Gedichte gilt: Bitte nur den Titel nennen/den Anfang und dann einen Link setzen. Vielen Dank ;->

Siehe auch: Gedichteecke - l'angolo della poesia (2)
VerfasserClaus (243211) 14 Mär 11, 22:32
Kommentar
Es muss nicht immer Petrarca sein. A propos Kindheitserinnerungen -- ich erinnere mich gerade mal an zwei bis drei Fernsehsender...

http://www.youtube.com/watch?v=JRL5Z1k60tg
#1VerfasserClaus (243211) 14 Mär 11, 22:44
Kommentar
Atom-Fan...

http://dichtelei.wordpress.com/


Ronald Henss
Limerick vom 15.03.2011
#2VerfasserClaus (243211) 15 Mär 11, 20:11
Kommentar
Claus, wo ist denn das Gedicht von Lessing hin ? Ich kannte es noch nicht und fand es recht niedlich.
#3VerfasserPotzig (623105) 15 Mär 11, 20:45
Kommentar
Auch heute überschlagen sich die Ereignisse in der Welt und so auch hier, seit man seine Kommentare überarbeiten kann.
Warum aber nicht auch etwas Niedliches?!


Die Biene

Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schäferlustbarkeiten
Auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Göttern
Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
wo es sonst Honig holte, schlief.
Durch diesen Stich ward Amor klüger,
der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mädchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus, und stach.


Gotthold Ephraim Lessing
#4VerfasserClaus (243211) 15 Mär 11, 21:12
Kommentar
Unter #2 wechseln wohl täglich die Kostproben, die der Verkaufsförderung dienen. Hier noch einmal ein Link, aus aktuellem Anlass. Es geht hier wohl nicht um konkrete Personen, sondern um Figuren und Attitüden auf der politischen Bühne.

http://dichtelei.wordpress.com/2011/03/15/atom-fan-mappus/

Demnächst wieder etwas Entspanntes, vielleicht von euch anderen.
#5VerfasserClaus (243211) 16 Mär 11, 22:34
Kommentar
Ein Wiesel saß auf einem Kiesel inmitten Bachgeriesel. Warum es das tat?
Das Mondkalb verriet es mir im Stillen: Das gute Tier tat's um des Reimes Willen.

Christian Morgenstern
#6VerfasserClaus (243211) 24 Mär 11, 19:58
Kommentar
Fra un dolce deliro
Son lieta e sospiro:
quel volto mi piace
ma pace non ho.
Di belle speranze
Ho pieno il pensiero.
E pur quel ch`io spero
Conoscer non so.

Aus: L`isola disabitata (Metastasio/Haydn)
#7Verfasserceto (646680) 26 Mär 11, 10:47
Kommentar
Romance de los pelegrinitos

Hacia Roma caminan dos pelegrinos,
a que los case el Papa, mamita,
porque son primos, niña bonita,
porque son primos, niña.

Sombrerito de hule lleva el mozuelo
y la pelegrinita, mamita,
de terciopelo, niña bonita,
de terciopelo, niña.

Le ha preguntado el Papa cómo se llaman.
Él le dice que Pedro, mamita,
y ella que Ana, niña.
Le ha preguntado el Papa que si han pecado.
Él le dice que un beso, mamita,
que le había dado, niña.

Y ha respondido el Papa desde su cuarto:
‘ Cásate, pelegrina, corriendo,
que él es un santo, y hoy no hay paredes
de cal y canto.’ ¡Niña!

Las campanas de Roma ya repicaron,
porque los pelegrinos ya se casaron.
Un paso entre dos besos
hace el camino corto. ¡Niña!


Federico Garcia Lorca



Romance of the little pilgrims

Towards Rome travel two pilgrims
for the Pope to marry them, mother,
because they are cousins, my sweet one,
because they are cousins, my sweet.

. . .
. . .
http://musical.uncg.edu/uncgrr/pdfs/comp/01/COMP01678.pdf

Unknown



Lust auf Englisch, Deutsch und Englisch-Deutsch?

Siehe auch: The poetry corner - Vol. 4
#8VerfasserClaus (243211) 26 Mär 11, 17:48
Kommentar
Die blauen Frühlingsaugen

Die blauen Frühlingsaugen
Schau'n aus dem Gras hervor;
Das sind die lieben Veilchen,
Die ich zum Strauß erkor.

Ich pflücke sie und denke,
Und die Gedanken all,
Die mir im Herzen seufzen,
Singt laut die Nachtigall.

Ja, was ich denke, singt sie
Lautschmetternd, daß es schallt;
Mein zärtliches Geheimnis
Weiß schon der ganze Wald.


Heinrich Heine (1797 – 1856)



Gli occhi azzurri della primavera

Gli occhi azzurri della primavera
guardano dall'erba,
sono le care, care violette,
che io raccolgo in un mazzetto.

. . .
. . .
http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=36030


Amelia Maria Imbarrato (2008)
#9VerfasserClaus (243211) 27 Mär 11, 17:28
Kommentar
Weiß Gott, ein inspirierendes Gedicht.
#10Verfasserceto (646680) 28 Mär 11, 16:17
Kommentar
Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert,flimmert,vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern,flimmern,vergehn.

Hermann Hesse
#11VerfasserClaus (243211) 28 Mär 11, 20:13
Kommentar
wunrderschön Claus... danke, ich lese immer wieder gerne "deine" Gedichte...

Farfalla Azzurra

Piccola, azzurra aleggia
una farfalla, il vento la agita,
un brivido di madreperla
scintilla, tremola, trapassa.
Così nello sfavillio d'un momento,
così nel fugace alitare,
vidi la felicità farmi un cenno
scintillare, tremolare, trapassare.
#12Verfasservioletta_1 (662324) 28 Mär 11, 20:51
Kommentar
Ist diese Übersetzung von dir selbst, violetta, oder gab rs die schon ? Sehr schön und poetisch,
#13VerfasserPotzig (623105) 28 Mär 11, 22:04
Kommentar
nein.. war schon auf dem Netz...hätte ich sie selbst gemacht, hätte ich nicht azzurra sondern celeste für blau genommen.

Adoro le farfalline..perciò.. ecco:

“Sono qui per stupirmi”, afferma un verso di Goethe... Bisogna essere ciechi o estremamente aridi se, alla vista di una farfalla, non si prova gioia, fanciullesco incanto, un brivido dello stupore goethiano...

La farfalla, infatti, è qualcosa di particolare, non è un animale come gli altri, in fondo non è propriamente un animale ma solamente l’ultima, più elevata, festosa e vitalmente importante essenza di un animale... La farfalla non vive per cibarsi e invecchiare, vive solamente per amare, e per questo è avvolta in un abito mirabile... Tale significato della farfalla è stato avvertito in tutti i tempi e da tutti i popoli...

È un emblema sia dell’effimero, sia di ciò che dura in eterno... È un simbolo dell’anima...
#14Verfasservioletta_1 (662324) 29 Mär 11, 08:40
Kommentar
Die Tulpe

Dunkel
war alles und Nacht.
. . .
. . .

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/20472892


Josef Guggenmos
#15VerfasserClaus (243211) 30 Mär 11, 20:37
Kommentar
Daffodils

I wandered lonely as a cloud
That floats on high o'er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host, of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
And twinkle on the milky way,
They stretched in never-ending line
Along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
Tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
In such a jocund company:
I gazed--and gazed--but little thought
What wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.


William Wordsworth



Narzissen

Der Wolke gleich, zog ich einher,
die einsam zieht hoch übers Land,
als unverhofft vor mir ein Meer
von goldenen Narzissen stand.

. . .
. . .
. . .
http://myweb.dal.ca/waue/Trans/Wordsworth-Cloud-Bertram.html


Übersetzung: Bertram Kottmann
#16VerfasserClaus (243211) 04 Apr 11, 00:57
Kommentar

Sometime we see a cloud that`s dragonish
A vapour sometime like a bear or lion,
A tower`d citadel, a pendant rock,
A forked mountain, or blue promontory
With trees upon`t that nod onto the world,
And mock our eyes with air. Thou hast seen these signs,
They are black vesper`s pageants.

Wer anders als W.S.
(Antony and Cleopatra; IV, xiv.)
#17Verfasserceto (646680) 04 Apr 11, 16:28
Kommentar
Shakespeares Sonette

Inhaltlich wenden sich die Sonette 1 bis 126 an einen „young man“, ein völlig neuer Einfall in der Geschichte der lyrischen Tradition seit Petrarca. War in dieser Art des Dichtens immer eine engelschöne unerreichbare Frau Gegenstand sowohl der liebenden Verehrung wie der daraus entstehenden Gedichte, so beendete Shakespeare diese Konvention durch eine Provokation, deren Sprengkraft bis heute wirkt, d.h. einen Teil der fortgesetzten Wirkung dieses Zyklus bis heute erklärt.

Shakespeares „fair boy“ ist zugleich scheinbarer homoerotischer Geliebter als auch, wie die „madonna angelicata“, ein Liebesziel, das sexuell gar nicht erreicht werden soll. In den Sonetten 1 bis 17 gehen die Appelle an den jungen Mann dahin, einen Nachkommen zu erzeugen, um so seine "Schönheit" weiterzugeben und gleichsam „unsterblich“ zu werden; sie werden deshalb auch die „Prokreations“-Sonette genannt. Diese Unsterblichkeitsidee wird im Sonett 18, dem bekanntesten von allen, auch programmatisch an die Tätigkeit des Dichters geknüpft.

http://de.wikipedia.org/wiki/Shakespeares_Sonette


Sonnet XVIII

Shall I compare thee to a summer's day?
Thou art more lovely and more temperate:
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer's lease hath all too short a date,

Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimmed,
And every fair from fair sometime declines,
By chance, or nature's changing course, untrimmed.

But thy eternal summer shall not fade,
Nor lose possession of that fair thou ow'st,
Nor shall death brag thou wander'st in his shade,
When in eternal lines to time thou grow'st.

So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee.


William Shakespeare (1564 – 1616)



Sonett 18

Soll ich vergleichen einem Sommertage
Dich der du lieblicher und milder bist?
Des Maien teure Knospen drehn im Schlage
Des Sturms und allzukurz ist Sommers Frist.

Des Himmels Aug scheint manchmal bis zum Brennen,
Trägt goldne Farbe die sich oft verliert,
Jed Schön will sich vom Schönen manchmal trennen
Durch Zufall oder Wechsels Lauf entziert.

Doch soll dein ewiger Sommer nie ermatten:
Dein Schönes sei vor dem Verlust gefeit.
Nie prahle Tod, du gingst in seinem Schatten . . .
In ewigen Reimen ragst du in die Zeit.

Solang als Menschen atmen, Augen sehn
Wird dies und du der darin lebt bestehn.


Übertragung: Stefan George

http://www.deutsche-liebeslyrik.de/europaische_liebeslyrik/shakespeare/shakespea...


. . .
. . .

So lang wie Menschen atmen, Augen sehn,
So lang lebt dies, so lang wirst du bestehn.


Übertragung: Hanno Helbling

http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=224177
#18VerfasserClaus (243211) 04 Apr 11, 22:14
Kommentar

Like as the waves make towards the pebbled shore…
Weary with toil I haste me to my bed…

Ich blättere im Inhaltsverzeichnis durch die Gedichtanfänge.

When I do count the clock that tells the time…
How oft when thou, my music play`st….
Jeder in meinen Ohren wie ein Fanfarenstoß zu einem barocken Präludium.

Ich entscheide mich für 130:

My mistress` eyes are nothing like the sun;
Coral is far more red than her lips´ red:
If snow be white, why then her brests are dun*;
If hairs be wires, black wires grow on her head:
I have seen roses damasked, red and white.
But no such roses see I in her cheeks;
And in some perfumes is there more delight
Than in the breath that from my mistress reeks.
I love to hear her speak, yet well I know
That music hath a fare more pleasing sound;
I grant, I never saw a goddess go;
My mistress when she walks treads on the ground.
And yet, by heaven, I think my love as rare
As any she belied with false compare.

* der Anlass, der manche vermuten läst, diese Geliebte des WS sei eine Farbige in einer Hafenkneipe sagen wir mal in z.B. Plymouth gewesen…


Die armseligen Übertagungsversuche der R.A. Schröders, St. Georges, H.M. Enzensbergers, sie kommen an den authentischen, (man ist versucht zu sagen: autochtonen) OT des WS nicht heran. Der kluge Goethe, der die Sonette sicher(?)gekannt hat, hat bemerkenswerter dazu Weise geschwiegen. („Worüber man nicht reden kann, muss man schweigen“)




#19Verfasserceto (646680) 06 Apr 11, 06:41
Kommentar
In einer deutschen Übersetzung:

Der liebsten Aug' ist nicht wie Sonnenschein,
Nicht wie Korallen rot der Lippen paar,
Gilt Schnee als weiß, muß braun ihr Busen sein,
Sind Haare Draht, ist schwarzer Draht ihr Haar.
Weiß sind und rot die Rosen an dem Strauch,
Doch solche Rosen sind nicht ihre Wangen,
Von Wohlgerüchen strömt ein süßrer Hauch,
Als meines Mädchens Atem hat empfangen.
Ich höre gern sie sprechen, doch gegeben
Ist der Musik noch angenehmrer Klang,
Ich sah zwar niemals eine Göttin schweben,
Doch auf der Erde ruht der liebsten Gang.
Und doch beim Himmel ist sie mir so wert
Wie jede, die verlognes Gleichnis ehrt.


(Unbekannt)
#20VerfasserClaus (243211) 07 Apr 11, 00:06
Kommentar
Il gelsomino notturno
E' s'aprono i fiori notturni,
nell'ora che penso a' miei cari.
Sono apparse in mezzo ai viburni
le farfalle crepuscolari.
Da un pezzo si tacquero i gridi:
là sola una casa bisbiglia.
Sotto l'ali dormono i nidi,
come gli occhi sotto le ciglia.
Dai calici aperti si esala
l'odore di fragole rosse.
Splende un lume là nella sala.
Nasce l'erba sopra le fosse.
Un'ape tardiva sussurra
trovando già prese le celle.
La Chioccetta per l'aia azzurra
va col suo pigolio di stelle.
Per tutta la notte s'esala
l'odore che passa col vento.
Passa il lume su per la scala;
brilla al primo piano: s'è spento . . .
È l'alba: si chiudono i petali
un poco gualciti; si cova,
dentro l'urna molle e segreta,
non so che felicità nuova.

Giovanni Pascoli
http://skuola.tiscali.it/appunti-italiano/giovanni-pascoli/il-gelsomino-notturno...
#21Verfasservioletta_1 (662324) 07 Apr 11, 19:36
Kommentar
Sonetto LXVIII

Erano i capei d'oro a l'aura sparsi
Che 'n mille dolci nodi gli avolgea,
E 'l vago lume oltra misura ardea
Di quei begli occhi ch'or ne son sì scarsi;

E 'l viso di pietosi color farsi,
Non so se vero o falso, mi parea:
I' che l'esca amorosa al petto avea,
Qual meraviglia se di subito arsi?

Non era l'andar suo cosa mortale
Ma d'angelica forma, e le parole
Sonavan altro che pur voce umana;

Uno spirto celeste, un vivo sole
Fu quel ch'i' vidi, e se non fosse or tale,
Piaga per allentar d'arco non sana.


Francesco Petrarca


Sonett 68

Zerstreut im Wind die goldnen Locken waren,
Zu tausend süßen Knoten aufgewunden,
Und mildes Licht ward ohne Maß entbunden
In Augen, die damit so karg nun sparen.

Und Mitleid schien ihr Blick zu offenbaren;
Ich weiß nicht, ob ich's wahr, ob falsch erfunden.
Der Liebeszunder drinnen ich empfunden, -
Was Wunder, wenn ich schnelle Gluth erfahren?

Ihr Gang war nicht, wie andre Erdensache,
Sondern von Engelart, und ihrem Munde
Entstiegen Worte, nicht wie Menschensprache;

Ein Himmelsgeist, ein Bild lebend'ger Sonnen
War, was ich sah. Und war' es auch zerronnen;
Ob schwächern Bogens heilet keine Wunde.


Übertragung: Karl August Förster
#22VerfasserClaus (243211) 08 Apr 11, 22:27
Kommentar
Il croco

I
O pallido croco,
nel vaso d'argilla,
ch'è bello, e non l'ami,
coi petali lilla
tu chiudi gli stami
di fuoco:
le miche di fuoco
coi lunghi tuoi petali
chiudi nel cuore
tu leso, o poeta
dei pascoli, fiore
di croco!
Vuoi l'acqua di polla
ravvivi, o viole,
non chi la sua zolla
rivuole !

II
Ma messo ad un riso
di luce e di cielo,
per subito inganno
ritorna il tuo stelo
colà donde l'hanno
diviso:
tu pallido, e fiso
nel raggio che accora,
nel raggio che piace,
dimentichi ch'ora
sei esule, lacero,
ucciso:
tu apri il tuo cuore,
ch'è chiuso, che duole,
ch'è rotto, che muore,
nel sole!


Giovanni Pascoli

http://digilander.libero.it/interactivearchive/pascoli_croco.htm
#23VerfasserClaus (243211) 10 Apr 11, 19:12
Kommentar
Die alten, bösen Lieder

Die alten, bösen Lieder,
Die Träume schlimm und arg,
Die laßt uns jetzt begraben,
Holt einen großen Sarg.

Hinein leg ich gar manches,
Doch sag ich noch nicht was;
Der Sarg muß sein noch größer
Wie 's Heidelberger Faß.

Und holt eine Totenbahre,
Von Brettern fest und dick;
Auch muß sie sein noch länger,
Als wie zu Mainz die Brück'.

Und holt mir auch zwölf Riesen,
Die müssen noch stärker sein
Als wie der heil'ge Christoph
Im Dom zu Köln am Rhein.

Die sollen den Sarg forttragen
Und senken ins Meer hinab,
Denn solchem großen Sarge
Gebührt ein großes Grab.

Wißt ihr, warum der Sarg wohl
So groß und schwer mag sein?
Ich legt auch meine Liebe
Und meinen Schmerz hinein.


Heinrich Heine
#24VerfasserClaus (243211) 11 Apr 11, 22:48
Kommentar

Träumt er zur Erde, wen
Sagt mir, wen meint er?
Schwillt ihm die Thräne, was,
Götter, weint er?
Bebt er, ihr Schwestern, was,
Redet, erschrickt ihn?
Jauchzt er, o Himmel, was
Ist`s, was beglückt ihn?

Etwas zum Nachdenken.
Das jemand so etwas so hat mal schreiben können…
Und wer war`s?
#25Verfasserceto (646680) 13 Apr 11, 18:58
Kommentar
ahahha, ceto , trovato..
#26Verfasservioletta_1 (662324) 13 Apr 11, 20:11
Kommentar
Re #25
Frau Lehrer, ich weiß es!


Mädchenrätsel

Heinrich von Kleist
#27VerfasserClaus (243211) 13 Apr 11, 22:07
Kommentar
Ihr seid einfach zu gut!
#28Verfasserceto (646680) 14 Apr 11, 09:58
Kommentar
Radiosonetto

il mio libro sei tu, mio vecchio amore:
. . .
. . .
http://preciseparole.splinder.com/post/5485171


Edoardo Sanguineti



Radiosonett
. . .
http://www.poetenladen.de/stelen/edoardo-sanguineti.htm


Übersetzt von Stefanie Golisch
http://www.stefaniegolisch.net/
#29VerfasserClaus (243211) 16 Apr 11, 14:36
Kommentar
Chanson : Bonjour, Suzon...

Bonjour, Suzon, ma fleur des bois !
Es-tu toujours la plus jolie ?
Je reviens, tel que tu me vois,
D'un grand voyage en Italie.
Du paradis j'ai fait le tour ;
J'ai fait des vers, j'ai fait l'amour.
Mais que t'importe ? (Bis.)
Je passe devant ta maison ;
Ouvre ta porte.
Bonjour, Suzon !

Je t'ai vue au temps des lilas.
Ton cœur joyeux venait d'éclore.
Et tu disais : " Je ne veux pas,
Je ne veux pas qu'on m'aime encore. "
Qu'as-tu fait depuis mon départ ?
Qui part trop tôt revient trop tard.
Mais que m'importe ? (Bis.)
Je passe devant ta maison ;
Ouvre ta porte.
Bonjour, Suzon !


Alfred de Musset


emg (454352) 16 Apr 11 11:32
#30VerfasserClaus (243211) 16 Apr 11, 20:35
Kommentar
Was bedeutet: emg (454352) 16 Apr 11 11:32?
éclore mußte ich erst einmal im franz. Forum aufrufen. Trotzdem: sehr hübsch!
#31Verfasserceto (646680) 17 Apr 11, 10:37
Kommentar
#32VerfasserClaus (243211) 17 Apr 11, 19:45
Kommentar
Tolle Seite, vor allem auch graphisch! Bin beeindruckt
#33Verfasserceto (646680) 17 Apr 11, 20:03
Kommentar
Das ist’s, was an der Menschenbrust
mich oftmals läßt verzagen,
daß sie den Kummer wie die Lust
vergißt in wenig Tagen.

Und ist der Schmerz, um den es weint,
dem Herzen noch so heilig -
der Vogel singt - die Sonne scheint,
vergessen ist er eilig.

Und war die Freude noch so süß -
ein Wölkchen kommt gezogen,
und vom geträumten Paradies
ist jede Spur verflogen.

Und fühl ich das, so weiß ich kaum,
was weckt mir tiefern Schauer,
daß gar zu kurz der Freude Traum,
oder so kurz die Trauer?
(Emanuel Geibel, 1815 bis 1884)

#34Verfassermoustique (308708) 17 Apr 11, 21:51
Kommentar
Der Frühling

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.


Friedrich Hölderlin
#35VerfasserClaus (243211) 18 Apr 11, 20:48
Kommentar
Artig sitzen in der Runde, Hasenkinder, groß und klein.
Lehrer Lampe hält die Stunde, "ruhig", sagt er "sollt ihr sein".

Von wem ist das?
#36VerfasserClaus (243211) 20 Apr 11, 19:40
Kommentar
@ Claus: Die Häschenschule von Fritz Koch-Gotha und den Versen von Alfred Sixtus

Dieses Bilderbuch liebte ich heiss und mag es noch heute........:-)
#37Verfassermoustique (308708) 20 Apr 11, 20:51
Kommentar
Aha, moustique, das habe ich wirklich nicht gewusst. (-:

B3-de Tastat4r!


Im ersten angolo hatten wir einige citaziones, vor allem auch italienische.
Siehe auch: Gedichteecke - l'angolo della poesia

Zitate und Sprichwörter sind ja gemeinfrei, d.h. nicht copy right-geschützt. Geistreich, launisch, sentimental oder cool...
Warum nicht auch hier?
#38VerfasserClaus (243211) 20 Apr 11, 21:26
Kommentar
B3-de Tastat4r!
Was heißt das nun wieder? Könnt Ihr mich nicht mal einweihen?

#39Verfasserceto (646680) 21 Apr 11, 09:56
Kommentar
Blöde Tastatur. Auf meiner Notebook-Tastatur sind einige Zeichen ausgefallen und mit anderen belegt. Daher kopiere ich die richtigen Buchstaben von anderswoher ein. Aber morgen wird das hoffentlich in Ordnung gebracht.
#40VerfasserClaus (243211) 22 Apr 11, 12:18
Kommentar
echter Code also. Diese verdammten Maschienen.
#41Verfasserceto (646680) 22 Apr 11, 17:08
Kommentar
Claus, danke für das Wiesel (#6). Allerdings hat das Bachgeriesel bei Dir ein bißchen Sand angeschwemmt, daher hier noch einmal die korrekte Fassung:

Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-
te Tier
tat's um des Reimes willen.
#42VerfasserPierrot (236507) 23 Apr 11, 15:43
Kommentar
Ostern

Da ist nun unser Osterhase-!
Er stellt das Schwänzchen in die Höh
und schnuppert hastig mit der Nase
und tanzt sich einen Pah de döh!
Dann geht er wichtig in die Hecken
und tut, was sonst nur Hennen tun.
Er möchte sein Produkt verstecken.
um sich dann etwas auszuruhn.
Das gute Tier-! Ein dicker Lümmel
nahm ihm die ganze Eierei
und trug beim Glockenbammelbimmel
sie zu der Liebsten nahebei.
Da sind sie nun. Bunt angemalen
sagt jedes Ei: "Ein frohes Fest!"
Doch unter ihren dünnen Schalen
liegt, was sich so nicht sagen lässt.
Iss du das Ei! Und lass dich küssen
zu Ostern und das ganze Jahr ...
Iss nur das Ei! und du wirst wissen
was drinnen in den Eiern war-!


Kurt Tucholsky
#43VerfasserClaus (243211) 24 Apr 11, 11:48
Kommentar
Es interessiert wahrscheinlich "kein Schwein", aber meine Tastatur ist wieder in Ordnung. Wie die Shift-Taste aus kleinen Buchstaben große macht, machte bei mir die Num-Taste einige Buchstaben zu anderen, unbrauchbaren Zeichen.


Gedichte für die Grundschule und auch danach:
http://www.schulzens.de/Grundschule/Allgemeines/Gedichte_1/gedichte_1.html


Der Sperling und die Schulhofkinder

Ein Sperling, der von ungefähr
zu einem Schulhof kam,
erstaunte über das, was er
auf diesem Hof vernahm.

. . .
. . .

James Krüss

Auch: moustique (308708) 09 Feb 11 21:17
#44VerfasserClaus (243211) 26 Apr 11, 23:03
Kommentar
@ Claus: :-)) Jeder trägt sein Kreuz........(ich meine wegen der Tastatur;-)

Beim obigen Gedicht von James Krüss fühle ich mich immer an die Pausen auf dem Schulhof zurückversetzt. Auch Josef Guggenmos mag ich sehr gerne, seine Gedichte würden es verdienen in voller Länge gezeigt zu werden........"seufz"

Hier ein Spruch aus meinem "Poesiealbum" (ja, sowas hatten wir früher noch.....;-), damals ganz zuerst am Anfang).......

Rosen
Tulpen
Nelken
alle Blumen welken
nur das eine Blümlein nicht
und das heisst "Vergissmeinnicht"
(unbekannt)
#45Verfassermoustique (308708) 28 Apr 11, 09:05
Kommentar
Ich muß mal suchen, ob ich was passendes von Janka finde. Aber vielleicht kennt Ihr ja eines...
#46Verfasserceto (646680) 28 Apr 11, 10:28
Kommentar
Zum x-ten Mal, weil ich es so gut finde:

I shot an arrow into the air,
It fell to earth, I knew not where;
For, so swiftly it flew, the sight
Could not follow it in its flight.
I breathed a song into the air,
It fell to earth, I knew not where;
For who has sight so keen and strong,
That it can follow the flight of song?
Long, long afterward, in an oak
I found the arrow, still unbroke;
And the song, from beginning to end,
I found again in the heart of a friend.

H.W.Longfellow
#47VerfasserPotzig (623105) 28 Apr 11, 10:59
Kommentar
#47: Das ist wirklich schön........
#48Verfassermoustique (308708) 29 Apr 11, 15:51
Kommentar
______L'Arca

La tempesta di primavera ha sconvolto
l'ombrello del salice,
al turbine d'aprile
. . .
. . .
http://www.club.it/autori/grandi/eugenio.montale/poesie.html


Eugenio Montale
#49VerfasserClaus (243211) 29 Apr 11, 21:02
Kommentar
Ich meinte doch nicht Janka, sondern Ernst Jandl.
Hier eines von ihm, wohl sein bekanntestes:

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum!
#50Verfasserceto (646680) 30 Apr 11, 16:46
Kommentar
Just arrived in Venice. Streets full of water. Please advise.
Bin eben in Venedig angekommen. Straßen voller Wasser. Bitte um Rat.

Robert Benchley
#51VerfasserClaus (243211) 02 Mai 11, 19:33
Kommentar
______de Venise

À Saint-Blaise, à la Zucca
Vous étiez bien aise
À Saint-Blaise, à la Zucca
Nous étions bien là.

Mais de vous en souvenir,
Prendrez-vous la peine?
Mais de vous en souvenir
Et d'y revenir?

À Saint-Blaise à la Zucca,
Dans les prés fleuris cueillir la verveine,
À Saint-Blais, à la Zucca
Vivre et mourir là!

Alfred de Musset


Les jardins de la poésie, premier jardin 244 Autor oopsy (491382) 02 May 11 15:38
#52VerfasserClaus (243211) 03 Mai 11, 20:37
Kommentar

Hilfe Claus : cosa vuol dir` : Saint-Blaise à la Zucca, was heißt das, wo ist das ?

#53Verfasserceto (646680) 04 Mai 11, 08:40
Kommentar
ceto, fürs erste:

Saint-Blaise ist der frühere deutsche Name für Sankt Blasien in der Schweiz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Blaise_NE

à la Zucca könnte ein Restaurant sein (hinzugefügt 23:25).
Siehe auch: à la Zucca


Und aus aktuellem Anlass:

___Putting a Face on Evil

Raymond A. Foss
Wednesday, May 04, 2011
http://www.raymondafoss.blogspot.com/
#54VerfasserClaus (243211) 04 Mai 11, 22:18
Kommentar
Cane non mangia cane. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.


– Italienische Sprichwörter und Redensarten

http://www.reise-nach-italien.de/italienische-sprichwoerter.html
#55VerfasserClaus (243211) 09 Mai 11, 11:52
Kommentar
interessante Adresse
#56Verfasserceto (646680) 09 Mai 11, 19:01
Kommentar
Finde ich auch.
#57VerfasserClaus (243211) 12 Mai 11, 21:14
Kommentar
In der Früh

Die Sonn ist aufgegangen,
Ich steh im Tau der Flur,
Die Glockenblumen prangen
Und schillern im Azur.

Die süßen Strahlen scheuchten
Die lange schwarze Nacht,
Und Wald und Wiesen leuchten
Wie funkelnder Smaragd.

Die Frühlingsnelken blühen
Wie glühender Rubin,
Wie Diamanten sprühen
Die Tropfen im Jasmin.

Und von den Wasserfällen
Die Perle glänzend rollt,
Es blitzet aus den Quellen
Wie Silber und wie Gold.

O Liebste, wie beschenk ich
Mit all dem Schmuck dich gleich?
Durch dieses Liedchen denk ich
Mach ich mein Liebchen reich!
(Ludwig Eichrodt, gest. 1892)
#58Verfassermoustique (308708) 14 Mai 11, 10:58
Kommentar
____Ein Taschenkrebs und ein Känguruh

Ein Taschenkrebs und ein Känguruh,
Die wollten sich ehelichen.
Das Standesamt gab es nicht zu,
Weil beide einander nicht glichen.

Da riefen sie zornig: "Verflucht und verdammt
Sei dieser Bürokratismus!"
Und hingen sich auf vor dem Standesamt
An einem Türmechanismus.


Joachim Ringelnatz
#59VerfasserClaus (243211) 28 Mai 11, 21:46
Kommentar
Dauer

Als eine weiße Schneebeere
Möchte ich dein letztes Wort sein.
Niemand spricht es mehr aus.
Aber die weiße Schneebeere am Haus
Wird noch dort sein
Jahrein jahraus.

Georg von der Vring (Brake an der Unterweser, 1889- 1968)
#60Verfasserceto (646680) 06 Jun 11, 17:51
Kommentar
#61VerfasserClaus (243211) 07 Jun 11, 20:20
Kommentar
Nei vostri dolci baci
Dell`api è il dolce mele,
e vi è il morso dell` api anco crudele,
dunque addolcito, e punto,
da voi parto in un punto.

Torquato Tasso (1544-1595)

Die letzte Rose ist nicht nach meinem Geschmack...
#62Verfasserceto (646680) 13 Jun 11, 10:24
Kommentar
La bicicletta

I
Mi parve d'udir nella siepe hören;
la sveglia d'un querulo implume.
Un attimo . . .Intesi lo strepere
cupo del fiume.
Mi parve di scorgere un mare
dorato di tremule messi.
Un battito . . . Vidi un filare
di neri cipressi.
Mi parve di fendere il pianto
d'un lungo corteo di dolore.
Un palpito . . . M'erano accanto
le nozze e l'amore.
dlin . . . dlin . . .

II
Ancora echeggiavano i gridi
dell'innominabile folla;
che udivo stridire gli acrìdi
su l'umida zolla.
Mi disse parole sue brevi
qualcuno che arava nel piano:
tu, quando risposi, tenevi
la falce alla mano.
Io dissi un'alata parola,
fuggevole vergine, a te;
la intese una vecchia che sola
parlava con sè.
dlin . . . dlin . . .

III
Mia terra, mia labile strada,
sei tu che trascorri o son io ?
Che importa? Ch'io venga o tu vada,
non è che un addio!
Ma bello è quest'impeto d'ala,
ma grata è l'ebbrezza del giorno.
Pur dolce è il riposo . . . Già cala
la notte: io ritorno.
La piccola lampada brilla
per mezzo all'oscura città.
Più lenta la piccola squilla
dà un palpito, e va. . .
dlin... dlin...


Giovanni Pascoli (1855 – 1912)
#63VerfasserClaus (243211) 13 Jun 11, 20:17
Kommentar
Die Nacht holt heimlich

Die Nacht holt heimlich
durch des Vorhangs Falten
aus deinem Haar
vergessnen Sonnenschein.
Schau, ich will nichts,
als deine Hände halten
und still und gut
und voller Frieden sein.

Da wächst die Seele mir,
bis sie in Scherben
den Alltag sprengt;
sie wird so wunderweit:
An ihren morgenroten
Molen sterben
die ersten Wellen
der Unendlichkeit.

(Rainer Maria Rilke)
#64Verfasserinara (662793) 16 Jun 11, 22:55
Kommentar
Das Rosen-Innere

Wo ist zu diesem Innen
ein Außen ? Auf welches Weh
legt man solches Linnen ?
Welche Himmel spiegeln sich drinnen
in dem Binnensee
dieser offenen Rosen,
dieser sorglosen, sieh :
wie sie lose im Losen
liegen, als könnte nie
eine zitternde Hand sie verschütten.
Sie können sich selber kaum
halten; viele ließen
sich überfüllen und fließen
über von Innenraum
in die Tage, die immer
voller und voller sich schließen,
bis der ganze Sommer ein Zimmer
wird, ein Zimmer in einem Traum.

(Rainer Maria Rilke,gest. 1926)

http://img.fotocommunity.com/photos/6983935.jpg
#65Verfassermoustique (308708) 24 Jun 11, 10:08
Kommentar
Abschied

Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

(R. M. Rilke, gest. 1926)

.....immer verbunden mit Trauer, Nichtverstehen, Verlust und Rückzug in sich selbst, ein tragischer Unfall kann solche Gefühle noch verstärken.
#66Verfassermoustique (308708) 01 Jul 11, 11:37
Kommentar
RAINER MARIA RILKE

Come ho patito ciò che ha nome addio.
E ancora so: un oscuro, implacabile, un crudele
qualcosa, che una forma in armonia composta
mostra ancora una volta e porge e lacera.
Come indifeso la guardavo mentre
lasciandomi partire mi chiamava e restava
quasi fosse tutte le donne in una,
ma bianca e piccola e non più che questo:
un saluto già non più a me rivolto,
replicato in silenzio – quasi già
inesplicabile: un susino forse,
onde un cuculo spiccò brusco il volo.

http://www.culturaesvago.com/rainer-maria-rilke/

#67Verfasservioletta_1 (662324) 01 Jul 11, 13:21
Kommentar
Lieb und Leid im leichten Leben
Sich erheben, abwärts schweben,
Alles will das Herz umfangen,
Nur Verlangen, nie erlangen,

In dem Spiegel all ihr Bilder
Blicket milder, blicket wilder
Jugend kann doch nichts versäumen
Fort zu träumen, fort zu schäumen.

Frühling soll mit süßen Blicken
Sie entzücken und berücken,
Sommer mich mit Frucht und Myrten,
Reich bewirten, froh umgürten.

Herbst du sollst mich Haushalt lehren,
Zu entbehren, zu begehren,
Und du Winter lehr mich sterben
Mich verderben, Frühling erben.

Wasser fallen um zu springen,
Um zu klingen, um zu singen,
Schweig ich stille, wie und wo?
Trüb und froh, nur so, so!
(Clemens Brentano, gest. 1842)
#68Verfassermoustique (308708) 04 Jul 11, 18:45
Kommentar
Der Mensch sowie der Baum erträgt unendlich viel mehr als er glaubt denn das Leben geht weiter.....

Der verwundete Baum

Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler - hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!
Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!

(C.F. Meyer, gest. 1898)
#69Verfassermoustique (308708) 15 Jul 11, 09:49
Kommentar
Schön, moustique , geht mir unter die Haut.
#70VerfasserPotzig (623105) 15 Jul 11, 09:53
Kommentar
Von C.F. Meyer mag ich besonders "2 Segel".......Alles Gute
#71Verfassermoustique (308708) 15 Jul 11, 10:37
Kommentar
Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!
Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.
Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.


Conrad Ferdinand Meyer


Siehe auch: Gedichteecke - l'angolo della poesia (2)
#72VerfasserClaus (243211) 18 Jul 11, 21:12
Kommentar
Ballata delle donne

Quando ci penso, che il tempo è passato,
le vecchie madri che ci hanno portato,
poi le ragazze, che furono amore,
e poi le mogli e le figlie e le nuore,
. . .
. . .
http://www.pensieriparole.it/poesie/poesie-d-autore/poesia-40760


Edoardo Sanguineti
#73VerfasserClaus (243211) 21 Jul 11, 22:16
Kommentar
Oft versteht man die Welt nicht mehr, findet auf vieles keine Antwort. Dann hilft ein Spaziergang durch den Wald um mit sich wieder ins Reine zu kommen und den Kopf klar zu kriegen......

Mittag

Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch, es klingt, als ström' ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.
(Theodor Fontane, gest. 1898)

http://mit-engeln-unterwegs.de/wp-content/uploads/2011/06/jonathan-engel-blumen....
#74Verfassermoustique (308708) 30 Jul 11, 17:21
Kommentar
Lessing

Lob der Faulheit

Faulheit, itzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen.
O wie sauer wird es mir,
Dich nach Würden zu besingen!
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.
Höchstes Gut! wer dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben
Ach! ich gähn ich werde matt
Nun so magst du mirs vergeben,
Dass ich dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran.
#75VerfasserPotzig (623105) 17 Aug 11, 16:32
Kommentar
Venetian Glass

As one who sails upon a wide, blue sea
Far out of sight of land, his mind intent
Upon the sailing of his little boat,
On tightening ropes and shaping fair his course,
Hears suddenly, across the restless sea,
The rhythmic striking of some towered clock,
And wakes from thoughtless idleness to time:
Time, the slow pulse which beats eternity!
So through the vacancy of busy life
At intervals you cross my path and bring
The deep solemnity of passing years.
For you I have shed bitter tears, for you
I have relinquished that for which my heart
Cried out in selfish longing. And to-night
Having just left you, I can say: "'T is well.
Thank God that I have known a soul so true,
So nobly just, so worthy to be loved!"


Amy Lowell (1874 – 1925)
#76VerfasserClaus (243211) 25 Aug 11, 09:20
Kommentar
Wasserrauschen

In Roma war es meine Lust
Allnächtlich zu belauschen
Der reichen Wasser Murmelton,
Der vielen Brunnen Rauschen,
Und lehnt’ an meinem Fenster ich,
So kam von allen Seiten
Aus dunklen Gärten mir der Duft
Von Lenzesüppigkeiten
Mir war, als ob der Kreis, der einst
Von hier beherrschten Erde,
Mir war, als ob der Kreis der Welt
Zum Blumenkelche werde.
Die Brunnen aber rauschten fort
Erquicklich durch die Schwüle
Und legten auf die heiße Stirn
Mir einen Tau der Kühle


Conrad Ferdinand Meyer
#77VerfasserClaus (243211) 26 Aug 11, 13:46
Kommentar
Sehr hübsch.
Wie ging noch mal die Römische Fontäne?

Ein Becken,eins das andere übersteigend
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend…
mehr will mir nicht einfallen
#78Verfasserceto (646680) 26 Aug 11, 17:56
Kommentar
Ceto, guckst du hier

Römische Fontäne

Borghese



Zwei Becken, eins das andre übersteigend

aus einem alten runden Marmorrand,

und aus dem oberen Wasser leis sich neigend

zum Wasser, welches unten wartend stand,



dem leise redenden entgegenschweigend

und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,

ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend

wie einen unbekannten Gegenstand;



sich selber ruhig in der schönen Schale

verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,

nur manchmal träumerisch und tropfenweis



sich niederlassend an den Moosbehängen

zum letzten Spiegel, der sein Becken leis

von unten lächeln macht mit Übergängen.

#79VerfasserPotzig (623105) 26 Aug 11, 23:05
Kommentar
Hallo Potzig, das war`s. Danke!
#80Verfasserceto (646680) 27 Aug 11, 10:14
Kommentar
I wonder who knows. The secretary of John Milton - the capitals of whose name are the same as those of his master - wrote a poem that consisted of a sort of dialogue between himslf and his mistress...
#81Verfasserceto (646680) 29 Aug 11, 09:51
Kommentar

O Brunnen-Mund, du gebender, du Mund,
der unerschöpflich Eines, Reines, spricht, —
du, vor des Wassers fließendem Gesicht,
marmorne Maske. Und im Hintergrund

der Aquädukte Herkunft. Weither an
Gräbern vorbei, vom Hang des Apennins
tragen sie dir dein Sagen zu, das dann
am schwarzen Altern deines Kinns

vorüberfällt in das Gefäß davor.
Dies ist das schlafend hingelegte Ohr,
das Marmorohr, in das du immer sprichst.

Ein Ohr der Erde. Nur mit sich allein
redet sie also. Schiebt ein Krug sich ein,
so scheint es ihr, daß du sie unterbrichst.


Rainer Maria Rilke
#82VerfasserClaus (243211) 29 Aug 11, 10:54
Kommentar
Wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen,
der findet nie, was ihm genügt.
Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden,
der sich an seine Seele schmiegt.
(Christoph August Tiedge, gest. 1841)

.........denn sie erreichen unser Herz
#83Verfassermoustique (308708) 30 Aug 11, 09:42
Kommentar
@ ceto: Searching the web, I have come across the following names of Milton's secretaries.


Andrew Marvell (1621-1678)
http://www.hsomnibus.com/The_Christian_Omnibus/News/Entries/2011/2/23_PQFTD__17t...
John Philips (1631-1706)
Thomas Ellwood (1639–1713)

Joseph Meyers (??) -- J.M.
http://www.google.de/#q=%22joseph+meyers%22+%22milton's+secretary%22&hl=de&prmd=...


And yet, it is not quite clear whether Joseph Meyers was a contemporary of Milton.
#84VerfasserClaus (243211) 31 Aug 11, 14:01
Kommentar
A Dialogue Between The Soul And Body


Soul
O Who shall, from this Dungeon, raise
A Soul inslav'd so many wayes?
With bolts of Bones, that fetter'd stands
In Feet ; and manacled in Hands.
Here blinded with an Eye ; and there
Deaf with the drumming of an Ear.
A Soul hung up, as 'twere, in Chains
Of Nerves, and Arteries, and Veins.
Tortur'd, besides each other part,1
In a vain Head, and double Heart.

Body
O who shall me deliver whole,
From bonds of this Tyrannic Soul?
Which, stretcht upright, impales me so,
That mine own Precipice I go;
And warms and moves this needless Frame:
(A Fever could but do the same.)
And, wanting where its spight to try,
Has made me live to let me dye.
A Body that could never rest,
Since this ill Spirit it possest.

Soul
What Magic could me thus confine
Within anothers Grief to pine?
Where whatsoever it complain,
I feel, that cannot feel, the pain.
And all my Care its self employes,
That to preserve, which me destroys:
Constrain'd not only to indure
Diseases, but, whats worse, the Cure:
And ready oft the Port to gain,
Am Shipwrackt into Health again.

Body
But Physick yet could never reach
The Maladies Thou me dost teach;
Whom first the Cramp of Hope does Tear:
And then the Palsie Shakes of Fear.
The Pestilence of Love does heat :
Or Hatred's hidden Ulcer eat.
Joy's chearful Madness does perplex:
Or Sorrow's other Madness vex.
Which Knowledge forces me to know;
And Memory will not foregoe.
What but a Soul could have the wit
To build me up for Sin so fit?
So Architects do square and hew,
Green Trees that in the Forest grew.


Andrew Marvell


Siehe auch: spight
#85VerfasserClaus (243211) 31 Aug 11, 14:10
Kommentar
Sorry, again one of my too frequent mistakes. I thought of John or somesthing Marvell, it was Andrew however. And the poem I was thinking of was “To my coy lady”. Well, people will have to forgive me.
#86Verfasserceto (646680) 04 Sep 11, 17:01
Kommentar
Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.
Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein -
und er sank - und ward nimmer gesehen.
(Christian Morgenstern, gest. 1914 in Meran)

........und viel später in der Nacht, meine Gedanken an


Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,


ein a formierend und ein z –


dass keiner groß zu denken hätt’.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
(Christian Morgenstern, gest. 1914 in Meran)
#87Verfassermoustique (308708) 04 Sep 11, 18:34
Kommentar
La musica è una chiave per aprire una porta che nessuna ha mai chiuso veramente...

R. Cotroneo, e nemmeno un rimpianto
#88Verfasservioletta_1 (662324) 05 Sep 11, 19:04
Kommentar
Frühherbst

Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen
steht nun der Herbst am Stoppelfeld,
. . .
. . .
http://www.handmann.phantasus.de/gh_fruehherbst.html


Agnes Miegel (1879 - 1964)
#89VerfasserClaus (243211) 08 Sep 11, 17:29
Kommentar
Krieg und Friede

Der Welt hat Krieg geführt weit über zwanzig Jahr.
Nunmehr soll Friede sein, soll werden wie es war.
Sie hat gekriegt um das, o lachenswerte Tat,
Was sie, eh sie gekriegt, zuvor besessen hat.

Friedrich von Logau (1604 – 1655)
#90Verfasserceto (646680) 10 Sep 11, 10:51
Kommentar
The Summer Sun Shone Round Me

The summer sun shone round me,
The folded valley lay
In a stream of sun and odour,
That sultry summer day.

The tall trees stood in the sunlight
As still as still could be,
But the deep grass sighed and rustled
And bowed and beckoned me.

The deep grass moved and whispered
And bowed and brushed my face.
It whispered in the sunshine:
"The winter comes apace."


Robert Louis Stevenson
#91VerfasserClaus (243211) 10 Sep 11, 12:52
Kommentar
Die Liebe ist vor allem ein Lauschen im Schweigen.
(Antoine de Saint-Exupéry)
http://www.mein-herbst.de/p/wp-content/uploads/2008/10/08oktober013.jpg
#92Verfassermoustique (308708) 16 Sep 11, 15:48
Kommentar
L’amour est avant tout audience dans le silence. Aimer, c’est contempler.

Antoine de Saint-Exupéry
#93VerfasserClaus (243211) 18 Sep 11, 15:33
Kommentar
@ Claus: Schön, das französische Original.......

Jemanden lieben heißt als einziger ein für die anderen unsichtbares Wunder sehen.
(Francois Mauriac)

........und weil es Sonntagabend ist, noch ein böser.......;-)

Frauen möchten in der Liebe Romane erleben, Männer Kurzgeschichten.
(Daphne du Maurier)
#94Verfassermoustique (308708) 18 Sep 11, 19:26
Kommentar
ein böser zwar, aber zum Schmunzeln
#95Verfasserceto (646680) 19 Sep 11, 09:47
Kommentar
Bei dieser Kälte zur Aufmunterung "einen" den ich ganz besonders mag

Ein Kuss ist wenn zwei Lippenlappen, in Liebe aufeinander klappen
und dabei ein Geräusch entsteht, als wenn ne Kuh durch Matsche geht......;-)

und nach diesem "geräuschvollen Schmatzer" zur Abkühlung nun der

Totentanz

Der Türmer, der schaut zumitten der Nacht
Hinab auf die Gräber in Lage;
Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht;
Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.
Da regt sich ein Grab und ein anderes dann:
Sie kommen hervor, ein Weib da, ein Mann,
In weissen und schleppenden Hemden.

Das reckt nun, es will sich ergetzen sogleich,
Die Knöchel zur Runde, zum Kranze,
So arm und so jung und so alt und so reich;
Doch hindern die Schleppen am Tanze.
Und weil hier die Scham nun nicht weiter gebeut,
Sie schütteln sich alle, da liegen zerstreut
Die Hemdelein über den Hügeln.

Nun hebt sich der Schenkel, nun wackelt das Bein,
Gebärden da gibt es vertrackte;
Dann klippert's und klappert's mitunter hinein,
Als schlüg man die Hölzlein zum Takte.
Das kommt nun dem Türmer so lächerlich vor;
Da raunt ihm der Schalk, der Versucher, ins Ohr:
"Geh! hole dir einen der Laken."

Getan wie gedacht! und er flüchtet sich schnell
Nun hinter geheiligte Türen.
Der Mond und noch immer er scheinet so hell
Zum Tanz, den sie schauderlich führen.
Doch endlich verlieret sich dieser und der,
Schleicht eins nach dem andern gekleidet einher,
Und husch! ist es unter dem Rasen.

Nur einer, der trippelt und stolpert zuletzt
Und tappet und grapst an den Grüften;
Doch hat kein Geselle so schwer ihn verletzt;
Er wittert das Tuch in den Lüften.
Er rüttelt die Turmtür, sie schlägt ihn zurück,
Geziert und gesegnet, dem Türmer zum Glück,
Sie blinkt von metallenen Kreuzen.

Das Hemd muss er haben, da rastet er nicht,
Da gilt auch kein langes Besinnen,
Den gotischen Zierat ergreift nun der Wicht
Und klettert von Zinne zu Zinnen.
Nun ist's um den armen, den Türmer getan!
Es ruckt sich von Schnörkel zu Schnörkel hinan,
Langbeinigen Spinnen vergleichbar.

Der Türmer erbleichet, der Türmer erbebt,
Gern gäb er ihn wieder, den Laken.
Da häkelt - jetzt hat er am längsten gelebt -
Den Zipfel ein eiserner Zacken.
Schon trübet der Mond sich verschwindenden Scheins,
Die Glocke, sie donnert ein mächtiges Eins,
Und unten zerschellt das Gerippe.
(Johann Wolfgang von Goethe, gest. 1832)
#96Verfassermoustique (308708) 19 Sep 11, 11:42
Kommentar
Von Hugo Wolf vertont ein Lied aus seinem italienischen Liederbuch nach Paul Heyse

Ich hab' in Penna einen Liebsten wohnen.
In der Maremmeneb'ne einen andern
Einem im schönen Hafen von Ancona.
Zum vierten muss ich nach Viterbo wandern.
Ein andrer lebt in Casentino dort.
Der nächste lebt mit mir am selben Ort.
und wieder einen in Mangione.
Vier in La Fratta.
Zehn in Casti(hil)glione.

Ein sehr hübsches Lied von H.W.
#97VerfasserSchmuckmeier (814719) 19 Sep 11, 20:43
Kommentar
Ich wollt’, ich wär’ ein Fisch,
So hurtig und frisch;
Und kämst du zu anglen,
Ich würde nicht manglen.
Ich wollt’, ich wär’ ein Fisch,
So hurtig und frisch.

Ich wollt’, ich wär’ ein Pferd,
Da wär’ ich dir werth.
O wär’ ich ein Wagen,
Bequem dich zu tragen.
Ich wollt’, ich wär’ ein Pferd,
Da wär’ ich dir werth.

Ich wollt’, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold;
Und thätst du was kaufen,
Käm’ ich wieder gelaufen.
Ich wollt’, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold.

Ich wollt’, ich wär’ treu,
Mein Liebchen stets neu;
Ich wollt’ mich verheißen,
Wollt’ nimmer verreisen.
Ich wollt’, ich wär’ treu,
Mein Liebchen stets neu.

Ich wollt’, ich wär’ alt
Und runzlig und kalt;
Thätst du mir’s versagen,
Da könnt’ mich’s nicht plagen.
Ich wollt’, ich wär alt
Und runzlig und kalt.

Wär’ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich’;
Hätt’ was dich verdrossen,
So macht’ ich dir Possen.
Wär’ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich’.

Wär’ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav;
Hätt’ Augen wie’s Lüchschen,
Und Listen wie’s Füchschen.
Wär’ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav.

Was alles ich wär’,
Das gönnt’ ich dir sehr;
Mit fürstlichen Gaben,
Du solltest mich haben.
Was alles ich wär’,
Das gönnt ich dir sehr.

Doch bin ich, wie ich bin,
Und nimm mich nur hin!
Willst du bessre besitzen,
So laß dir sie schnitzen.
Ich bin nun, wie ich bin;
So nimm mich nur hin!
(J. W. von Goethe, gest. 1832)

....evtl. ein Dorsch, der macht den Mund auch auf und zu wie ein ehemaliger Arbeitskollege von mir bei seinen Vorträgen. Dieses Gedicht erinnert mich immer an ihn;-)......
#98Verfassermoustique (308708) 21 Sep 11, 17:51
Kommentar
Hallo mousticque, laß das man nicht Deinen Arbeitskollegen wissen!
Übrigens, ich glaube es war Lisa della Casa, die einst fabelhafte Sängerin, die in einem Interview mal geäußert hat, ich wollt`ich wäre der Hund meines Mannes… wegen der entgangenen Zärtlichkeiten.
#99Verfasserceto (646680) 21 Sep 11, 18:39
Kommentar
Guten Abend ceto, ich würde mich hüten.......ich habe dazumal öfters die verschiedenen Charaktere in Fische eingeteilt, so konnte ich sie problemlos auseinanderhalten.....

Vermutlich kannte Lisa della Casa dieses Zitat von Winston Churchill:
"Hunde sehen zu uns herauf. Katzen sehen auf uns herab. Schweine sehen uns als ebenbürtig an."

Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.
(Wilhelm Busch, gest. 1908)
#100Verfassermoustique (308708) 21 Sep 11, 19:40
Kommentar
O Brunnen-Mund, du gebender, du Mund

O Brunnen-Mund, du gebender, du Mund,
der unerschöpflich Eines, Reines, spricht, —
du, vor des Wassers fließendem Gesicht,
marmorne Maske. Und im Hintergrund

der Aquädukte Herkunft. Weither an
Gräbern vorbei, vom Hang des Apennins
tragen sie dir dein Sagen zu, das dann
am schwarzen Altern deines Kinns

vorüberfällt in das Gefäß davor.
Dies ist das schlafend hingelegte Ohr,
das Marmorohr, in das du immer sprichst.

Ein Ohr der Erde. Nur mit sich allein
redet sie also. Schiebt ein Krug sich ein,
so scheint es ihr, daß du sie unterbrichst.


Rainer Maria Rilke
#101VerfasserClaus (243211) 22 Sep 11, 14:32
Kommentar
Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.
Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein –
und er sank – und ward nimmer gesehen.
(Christian Morgenstern, gest. 1914)

....in seinem Gedenken, "Stracciatella" auf der Zunge zergehen lassend;-)
#102Verfassermoustique (308708) 23 Sep 11, 13:16
Kommentar
Aim ’Iehbe ’nieser ’Bliehser
’Ai ron ’Bliehsers ’Aisskriehm ’Stohr
’Dera ’fleiwers in mai ’friehser
. . .


Bleezer's Ice Cream

http://www.poemhunter.com/poem/bleezer-s-ice-cream/

Jack Prelutsky (* 1940)
#103VerfasserClaus (243211) 27 Sep 11, 18:35
Kommentar
#104Verfasserinara (662793) 27 Sep 11, 19:06
Kommentar
Im Herbst

Der Wald wird falb, die Blätter fallen,
wie öd und still der Raum!
Die Bächlein nur gehen durch die Buchenhallen
lind rauchend wie im Traum,
und Abendglocken schallen
fern von des Waldes Saum.

Was wollt ihr mich so wild verlocken
in dieser Einsamkeit?
Wie in der Heimat klingen diese Glocken
aus stiller Kinderzeit -
ich wende mich erschrocken,
ach, was mich liebt, ist weit!

So brecht hervor nur, alte Lieder,
und brecht das Herz mir ab!
Noch einmal grüß ich aus der Ferne wieder,
was ich nur Liebes hab,
mich aber zieht es nieder
vor Wehmut wie ins Grab.
(Joseph Freiherr von Eichendorff, gest. 1857)
#105Verfassermoustique (308708) 27 Sep 11, 20:06
Kommentar
Inara: Die von Dir angegebene Webadresse ist in der Tat in ergiebiger Platz
#106Verfasserceto (646680) 28 Sep 11, 10:13
Kommentar
@ ceto: Das Gedicht "Meine Hoffnung" von Heinz Kahlau zählt zu meinen Lieblingsgedichten und ist mir gerade aus aktuellem Anlass wieder eingefallen - gestern hat mein Enkel seinen ersten Geburtstag gefeiert... :)))
#107Verfasserinara (662793) 28 Sep 11, 10:30
Kommentar
Inferenza........(statt eines Gedichtes)

Liebe ist nur ein Wort.
(im Jahre 1963 Titel eines Romans von Johannes Mario Simmel und 1968 Titel eines Songs von Bob Dylan "Love ist just a four letter word)

Es ist einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen,
als vor der eigenen Türe zu fegen.
(umgangssprachlich)
#108Verfassermoustique (308708) 29 Sep 11, 09:13
Kommentar
Love Is Just A Four letter Word

http://lyricskeeper.de/de/bob-dylan/love-is-just-a-four-letter-word.html

Bob Dylan

_______
to meow: miauen
#109VerfasserClaus (243211) 03 Okt 11, 11:46
Kommentar
Vielen Dank Claus für die Lyrics.....

Wie sagte einst Rilke im Oktober 1924........Evtl. war das Wetter damals ähnlich wie heute, neblig, vielleicht aber auch golden..........

Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub,
den wir atmen, herüber;
auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied.
(Rainer Maria Rilke, - Muzot)
#110Verfassermoustique (308708) 04 Okt 11, 09:28
Kommentar
Sonnet On Hearing The Dies Irae Sung In The Sistine Chapel

Nay, Lord, not thus! white lilies in the spring,
Sad olive-groves, or silver-breasted dove,
Teach me more clearly of Thy life and love
Than terrors of red flame and thundering.
The hillside vines dear memories of Thee bring:
A bird at evening flying to its nest
Tells me of One who had no place of rest:
I think it is of Thee the sparrows sing.
Come rather on some autumn afternoon,
When red and brown are burnished on the leaves,
And the fields echo to the gleaner's song,
Come when the splendid fulness of the moon
Looks down upon the rows of golden sheaves,
And reap Thy harvest: we have waited long.


Oscar Wilde (1854 – 1900)



Als ich das Dies Irae in der Sixtinischen Kapelle hörte

Nein, Gott, nicht so! Lenzfrohes Knospenspringen,
Olivenhain, der Taube Silberbrust
Zeigt klarer deiner Liebe Sein und Macht
Als Flammenschreck und Donnerkeulenschwingen.

Die roten Reben dein Gedenken bringen;
Ein Vogel, der des Abends westwärts fliegt,
Sagt mir von Ihm, den niemals Rast gewiegt;
Von dir, ich weiß es, alle Vögel singen.

Nein, komm nicht so! Komm in des Herbsttags Stille,
Wenn rot und braun entflammt die Blätter sind
Und über Wäldern echot Schnittersang.

Komm, wenn des runden Mondes Glanz und Fülle
Auf goldne Ährenbündel nieder rinnt,
Und ernte deine Frucht: wir harrten lang.


(Unbekannt)

http://www.onlinekunst.de/herbstlyrik/wilde_oscar.html
#111VerfasserClaus (243211) 04 Okt 11, 13:22
Kommentar
Wirf deine Gedanken wie Herbstblätter in einen blauen Fluss,
schau zu, wie sie hineinfallen und davontreiben,
und dann vergiss sie.
(Zen-Weisheit)
#112Verfassermoustique (308708) 07 Okt 11, 10:26
Kommentar
Sera d’ottobre

Lungo la strada vedi su la siepe
ridere a mazzi le vermiglie bacche:
nei campi arati tornano al presepe
:::::::::::::::::::::::::tarde le vacche.

Vien per la strada un povero che il lento
passo tra foglie stridule trascina:
nei campi intuona una fanciulla al vento:
:::::::::::::::::::::::::Fiore di spina!…


Giovanni Pascoli (1855 - 1912)
#113VerfasserClaus (243211) 07 Okt 11, 11:23
Kommentar
Ich dachte.....

Ich dachte, du hast Gefühle für mich
Ich dachte, ich könne dir mein Herz anvertrauen
Ich dachte, dass es vielleicht einen Sinn hat
Ich dachte, du wüsstest das
(.......gelesene Gedanken)
#114Verfassermoustique (308708) 07 Okt 11, 11:51
Kommentar
moustique, ist es das hier?


Ich dachte.....

ich dachte meine liebe reicht für uns beide...
ich dachte zumindest unsere liebe wäre für die ewigkeit..
. . .
http://www.e-stories.de/gedichte-lesen.phtml?99326


Aurangzaib Akhtar
#115VerfasserClaus (243211) 14 Okt 11, 14:26
Kommentar
Merci Claus, ja, diese Zeilen meinte ich, der Autor sinniert über das Leben, die Liebe, vielschichtige Gedanken, die doch alles ihn Bewegende ausdrücken, sein Herz offenlegen...........

Ein Mosaik kleiner Momente des Glücks, des Leids, des Schmerzes, der Wünsche und Hoffnungen. Diese Zeilen sagen mir, dass man niemals seine Gedanken zurechtbiegen sondern sein Herz öffnen sollte.....

Eine Mini-Geschichte, frei nach Rudolf Kirsten....

"Ach, nun bin ich zu gar nichts mehr nütze!", klagte ein Blatt, als es im Herbst zur Erde fiel. Da kam ein Käferchen vorbei u. schnappte sich das Blatt um darunter seinen Winterschlaf zu halten. Und beim Einschlummern dachte es: "Ein schöneres Dach könnte ich mir nicht wünschen!"
#116Verfassermoustique (308708) 14 Okt 11, 20:28
Kommentar
Sonetto XLVII

Benedetto sia ‘l giorno e’l mese e l’anno
Benedetto sia 'l giorno, et 'l mese, et l'anno,
et la stagione, e 'l tempo, et l'ora, e 'l punto,
e 'l bel paese, e 'l loco ov'io fui giunto
da'duo begli occhi che legato m'ànno;
et benedetto il primo dolce affanno
ch'i' ebbi ad esser con Amor congiunto,
et l'arco, et le saette ond'i' fui punto,
et le piaghe che 'nfin al cor mi vanno.
Benedette le voci tante ch'io
chiamando il nome de mia donna ò sparte,
e i sospiri, et le lagrime, e 'l desio;
et benedette sian tutte le carte
ov'io fama l'acquisto, e 'l pensier mio,
ch'è sol di lei, sí ch'altra non v'à parte


Francesco Petrarca
#117VerfasserClaus (243211) 17 Okt 11, 13:00
Kommentar
Sonett 47

Sei gesegnet immerdar von allen Tagen,
Du holder Lenzestag und deine guten Stunden;
Ihr schönen Fluren, da wurde ich gefunden
Von zweien Augen und in Bann geschlagen.

O, sei gesegnet, erstes süßes Zagen,
Mit dem die Liebe mich an sich gebunden,
Ihr Liebespfeile, all ihr tiefen Wunden,
Deren Schmerz so gern mein Herz getragen.

Seid gesegnet, ihr heißen Träume,
Laute Rufe, die ihr wolltet sie ereilen,
Meine Seufzer und du mein endlos Sehnen;

Und seid gesegnet auch ihr, ihr wohlgereimten Zeilen,
Durch die Ruhm ihr erworben mein sinnend Wähnen,
Das sie allein, ja, wer noch sollt’ es teilen!


Francesco Petrarca
In Übersetzung von Peter Cornelius
#118VerfasserClaus (243211) 17 Okt 11, 13:01
Kommentar
Es wird Stille sein und Leere.
Es wird Trauer sein und Schmerz.
Es wird dankbare Erinnerung sein,
die wie ein heller Stern die Nacht erleuchtet, bis weit hinein in den Morgen......
(Ein Abschiedsgedicht? Ein Trauergedicht? Jedenfalls ehrliche Worte....)
#119Verfassermoustique (308708) 17 Okt 11, 19:46
Kommentar
Baum im Herbst

Noch ringt verzweifelt mit den kalten
Oktobernächten um sein grünes Kleid
mein Baum...
. . .
http://www.tokado.at/index.html?http://www.tokado.at/hesse_n1.htm

Hermann Hesse
#120VerfasserClaus (243211) 23 Okt 11, 16:16
Kommentar
Es tut mir leid (würden wir/ich sagen...), die Ungarn setzen noch einen drauf....

Es tut mir leid, daß ich lebe, es wird nie wieder vorkommen!
(Klospruch)
#121Verfassermoustique (308708) 27 Okt 11, 19:39
Kommentar
Welkes Blatt

http://www.gedichte-garten.de/forum/ftopic52-15.
. . .
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.


Hermann Hesse
#122VerfasserClaus (243211) 28 Okt 11, 18:14
Kommentar
Glücklich, wer liebt und nicht wünscht, deshalb geliebt zu werden !
Glücklich, wer ehrt und sich nicht wünscht, deshalb geehrt zu werden.
Glücklich, wer dient und nicht wünscht, deshalb bedient zu werden.
Glücklich, wer andere gut behandelt und nicht wünscht,
deshalb gut behandelt zu werden.
(Aegidius von Assisi)
#123Verfassermoustique (308708) 30 Okt 11, 21:29
Kommentar
There are only two tragedies in life: one is not getting what one wants, and the other is getting it.

Oscar Wilde
#124VerfasserClaus (243211) 31 Okt 11, 11:24
Kommentar
Auch wenn ich nicht mit einem eigenen Beitrag glänze, verfolge ich doch immer noch mit Gewinn und Vergnügen den Faden.

#125Verfasserceto (646680) 01 Nov 11, 09:37
Kommentar
Zur Abwechslung mal ein paar Stilblüten.....

- Das Rossbief ist ein besonders gutes Stück vom Pferd......

- Der Landwirtschaftsminister ließ die Bauern zusammenkommen, denn die Schweine frassen zu viel.

- Alle Welt horchte auf, als Luther 1642 seine 95 Prothesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug.

- Cäsars Legionen machten das Lager voll und jeder stand stramm bei seinem Haufen.

- Wenn Sie sich mal an den Kopf greifen, merken Sie, wo Sie genau der Schuh drückt.

- Ein Kreis ist ein rundes Quadrat.

- Gartenzwerge haben rote Mützen, damit sie beim Rasenmähen nicht überfahren werden.

- Meine Eltern kaufen nur das graue Klopapier, weil das schon mal benutzt wurde und gut für die Umwelt ist.

- Jeder Mensch will sich selbst verwirklichen, das heißt, er will seine Invalidität entwickeln.

- Aus Ärger über den Weihnachtsmissbrauch würde sich Jesus im Grabe umdrehen, wenn er nicht auferstanden wäre.

- Siegfried hatte an seinem Körper eine besondere Stelle, die er aber nur der Kriemhild zeigte.

#126Verfassermoustique (308708) 02 Nov 11, 11:44
Kommentar
Caro Ceto, non solo tu!!
#127VerfasserSchmuckmeier (814719) 03 Nov 11, 10:56
Kommentar
Ich verstehe schon ein bisschen, aber mein Italienisch ist noch nicht ganz auf dem heutigen Stand...


Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.
Cato

Tu quoque, Brute, fili mi!
Gaius Julius Cäsar
#128VerfasserClaus (243211) 06 Nov 11, 23:28
Kommentar
ich verstehe meine Anmerkung und die von Schmucki als Ermunterung für Euch Aktivisten so weiter zu machen.
#129Verfasserceto (646680) 07 Nov 11, 09:28
Kommentar
Sein Herz zu verlieren an irgendwen oder irgendwas
ist oft die schönste Art festzustellen,
dass man eins hat.
(.........gelesen)
#130Verfassermoustique (308708) 08 Nov 11, 10:12
Kommentar
zu dir
mich schauen

ich
ging

und meine
ich träume

ernst jandl
#131Verfasserceto (646680) 12 Nov 11, 09:46
Kommentar
Die Sorge, sie schleicht sich durchs Schlüsselloch ein.
(Johann Wolfgang von Goethe, Werke - Hamburger Ausgabe Bd. 3, Dramatische Dichtungen I, Faust II)

Am Abend wird man klug für den vergangenen Tagen, doch niemals klug für den, der kommen mag.
(Friedrich Rückert)
#132Verfassermoustique (308708) 15 Nov 11, 10:08
Kommentar
.....und zum WE

Liebe ist ein leichter Regen, der sanft herab rieselt,
aber dennoch die Flüsse über die Ufer treten lässt.
(Afrikanisches Sprichwort)
#133Verfassermoustique (308708) 18 Nov 11, 16:25
Kommentar
L’infinito

Sempre caro mi fu quest’ermo colle,
e questa siepe, che da tanta parte
dell’ultimo orizzonte il guardo esclude.
Ma sedendo e mirando, interminati
spazi di là da quella, e sovrumani
silenzi, e profondissima quiete
io nel pensier mi fingo; ove per poco
il cor non si spaura. E come il vento
odo stormir tra queste piante, io quello
infinito silenzio a questa voce
vo comparando: e mi sovvien l’eterno,
e le morte stagioni, e la presente
e viva, e il suon di lei. Così tra questa
immensità s’annega il pensier mio:
e il naufragar m’è dolce in questo mare.


Giacomo Leopardi (1798 - 1837)
#134VerfasserClaus (243211) 24 Nov 11, 22:48
Kommentar
Ad 134

Die Unendlichkeit

Immer lieb war mir dieser einsame
Hügel und das Gehölz, das fast ringsum
ausschließt vom fernen Aufruhn der Himmel
den Blick. Sitzend und schauend bild ich unendliche
Räume jenseits mir ein und mehr als
menschliches Schweigen und Ruhe vom Grunde der Ruh.
Und über ein Kleines geht mein Herz ganz ohne
Furcht damit um. Und wenn in dem Buschwerk
aufrauscht der Wind, so überkommt es mich, dass ich
dieses Lautsein vergleiche mit jener endlosen Stillheit.
Und mir fällt das Ewige ein
und daneben die alten Jahreszeiten und diese
daseiende Zeit, die lebendige, tönende. Also
sinkt der Gedanke mir weg ins Übermaß. Unter-
gehen in diesem Meer ist inniger Schiffbruch.


Aus dem Italienischen: Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)
#135VerfasserClaus (243211) 27 Nov 11, 23:22
Kommentar
Fog

The fog comes
on little cat feet.
. . .
. . .
http://www.poemhunter.com/poem/fog/

Carl Sandburg



Nebbia

La nebbia arriva
su zampine di gatto.
S'accuccia e guarda
la città e il porto
sulle silenziose anche
e poi se ne va via.
#136VerfasserClaus (243211) 04 Dez 11, 22:45
Kommentar
The Turn Of A Friendly Card

There are unsmiling faces and bright plastic chains
And a wheel in perpetual motion
And they follow the races and pay out the gains
With no show of an outward emotion

. . .
. . .
http://www.songtextemania.com/the_turn_of_a_friendly_card_songtext_alan_parsons....


Alan Parsons (b. 1948) und Eric Woolfson (b. 1945)
#137VerfasserClaus (243211) 14 Dez 11, 23:06
Kommentar
Unruhige Nacht

Heut ward mir bis zum jungen Tag
Der Schlummer abgebrochen,
Im Herzen ging es Schlag auf Schlag
Mit Hämmern und mit Pochen.
Als trieb sich eine Bubenschar
Wild um in beiden Kammern,
Gewährt hat, bis es Morgen war,
Das Klopfen und das Hammern.
Nun weist es sich bei Tagessschein,
Was drin geschafft die Rangen;
Sie haben mir im Herzensschrein
Dein Bildnis aufgehangen!
(Conrad Ferdinand Meyer, 1825-1898)
#138Verfassermoustique (308708) 15 Dez 11, 11:08
Kommentar
Schön moustique, danke !
#139VerfasserPotzig (623105) 15 Dez 11, 11:23
Kommentar
Ja, so kann`s einem gehen, auch ohne Bildnis.
#140Verfasserceto (646680) 15 Dez 11, 12:24
Kommentar
Auch ganz besonders der Gedanke an eine verlorene Träne im Ozean.......

Der Himmel hat eine Träne geweint

Der Himmel hat eine Träne geweint,
Die hat sich ins Meer verlieren gemeint.
Die Muschel kam und schloß sie ein:
Du sollst nun meine Perle sein.
Du sollst nicht vor den Wogen zagen,
Ich will hindurch dich ruhig tragen.
O du mein Schmerz, du meine Lust,
Du Himmelsträn’ in meiner Brust!
Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte
Den reinsten deiner Tropfen hüte.
(Friedrich Rückert, 1788-1866)
#141Verfassermoustique (308708) 16 Dez 11, 09:20
Kommentar
Der Dank geht zr Hälfte an die Finder-(e)in und zuHälfte an den Dichter.
veramente una trovata. Diese Arabisten können auch anders, manchmal...
#142Verfasserceto (646680) 16 Dez 11, 17:07
Kommentar
#141/142:-)), ja, manchmal ceto.......

Ich liebe vergessene Flurmadonnen

Ich liebe vergessene Flurmadonnen,
die ratlos warten auf irgendwen,
und Mädchen, die an einsame Bronnen,
Blumen im Blondhaar, träumen gehn.

Und Kinder, die in die Sonne singen
und staunend groß zu den Sternen sehn,
und die Tage, wenn sie mir Lieder bringen,
und die Nächte, wenn sie in Blüten stehn.
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)
#143Verfassermoustique (308708) 16 Dez 11, 17:36
Kommentar
ein schönes Sommergedicht für den Winter
#144Verfasserceto (646680) 17 Dez 11, 09:46
Kommentar
Das war mein momentaner Gedanke an Wärme beim Fallen der Schneeflocken ceto. Hier, speziell für Dich was Passendes für die Jahreszeit........

Es treibt der Wind

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Heiligkeit.
(auch von von R. M. Rilke, 1875-1926)

.......und noch ein Zitat

Manche Menschen versuchen, von ihren Fehlern abzulenken,
indem sie auf die Fehler anderer hinweisen.
Leider funktioniert diese Taktik meistens.
(Roland Spindler)
#145Verfassermoustique (308708) 17 Dez 11, 11:15
Kommentar
Ich hoffe sehr, dass das Zitat von Spindler nicht gerade das ist, was Du speziell für mich bestimmt hast…
Schönes WE!
#146Verfasserceto (646680) 17 Dez 11, 16:58
Kommentar
Honi soit chi mal y pense !
Gleichfalls schönes Wochenende
#147VerfasserPotzig (623105) 17 Dez 11, 17:02
Kommentar
Nein, ich meinte natürlich das Gedicht ceto.....

Honni soit qui mal y pense: Findest du? Darin sehe ich nichts Schelmenhaftes!

Das Zitat drückt meine Stimmung aus, die Machtlosigkeit. Es ist meine Art u. Weise mit Gedanken u. Gefühlen umzugehen. Entweder stelle ich mich alldem oder ich..........was auch immer, das ist privat;-) Auch ein schönes WE!
#148Verfassermoustique (308708) 17 Dez 11, 17:08
Kommentar
Nein, nein moustique ! Ceto hatte gewisse Zweifel - er wäre dann der Schelm. :))
#149VerfasserPotzig (623105) 17 Dez 11, 20:04
Kommentar
Nach dem Motto "Was bin ich wieder für ein Schelm"?..........Oder etwa ein solcher Schelm?

Schelm von Bergen

Im Schloß zu Düsseldorf am Rhein
Wird Mummenschanz gehalten;
Da flimmern die Kerzen, da rauscht die Musik,
Da tanzen die bunten Gestalten.

Da tanzt die schöne Herzogin,
Sie lacht laut auf beständig;
Ihr Tänzer ist ein schlanker Fant,
Gar höfisch und behendig.

Er trägt eine Maske von schwarzem Samt,
Daraus gar freudig blicket
Ein Auge, wie ein blanker Dolch,
Halb aus der Scheide gezücket.

Es jubelt die Fastnachtsgeckenschar,
Wenn jene vorüberwalzen.
Der Drickes und die Marizzebill
Grüßen mit Schnarren und Schnalzen.

Und die Trompeten schmettern drein,
Der närrische Brummbaß brummet,
Bis endlich der Tanz ein Ende nimmt
Und die Musik verstummet.

"Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Ich muß nach Hause gehen – "
Die Herzogin lacht: Ich laß dich nicht fort,
Bevor ich dein Antlitz gesehen.

"Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Mein Anblick bringt Schrecken und Grauen – "
Die Herzogin lacht: Ich fürchte mich nicht,
Ich will dein Antlitz schauen.

"Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Der Nacht und dem Tode gehör ich – "
Die Herzogin lacht: Ich lasse dich nicht,
Dein Antlitz zu schauen begehr ich.

Wohl sträubt sich der Mann mit finsterm Wort,
Das Weib nicht zähmen kunnt er;
Sie riß zuletzt ihm mit Gewalt
Die Maske vom Antlitz herunter.

Das ist der Scharfrichter von Bergen! so schreit
Entsetzt die Menge im Saale
Und weichet scheusam – die Herzogin
Stürzt fort zu ihrem Gemahle.

Der Herzog ist klug, er tilgte die Schmach
Der Gattin auf der Stelle.
Er zog sein blankes Schwert und sprach:
Knie vor mir nieder, Geselle!

Mit diesem Schwertschlag mach ich dich
Jetzt ehrlich und ritterzünftig,
Und weil du ein Schelm, so nenne dich
Herr Schelm von Bergen künftig.

So ward der Henker ein Edelmann
Und Ahnherr der Schelme von Bergen.
Ein stolzes Geschlecht! es blühte am Rhein.
Jetzt schläft es in steinernen Särgen.
(Heinrich Heine, 1797-1856)
#150Verfassermoustique (308708) 17 Dez 11, 23:18
Kommentar
Most people ignore most poetry because most poetry ignores most people.

Doctor rat explains
http://www.redpepper.org.uk/Shadow-on-the-sun/ (noch in der oberen Hälfte)


Adrian Mitchell (1932 – 2008)
Englischer Schriftsteller
#151VerfasserClaus (243211) 18 Dez 11, 23:41
Kommentar
Aufhebung - von Erich Fried

Sein Unglück
ausatmen können

tief ausatmen
so daß man wieder
einatmen kann

http://matthias-kaldenbach.de/fried.htm
(zu finden von der Mitte nach unten)
#152Verfassermoustique (308708) 20 Dez 11, 11:22
Kommentar
moustique, das gefällt mir sehr gut, so knapp und treffend, wie das ist.

Dem Kenner reichen wenige Worte.
(Italienisches Sprichwort)


An ceto, Potzig et al. - Wie seine Vorgänger ist das wieder ein ganz bunter Faden geworden.
Kommt demnächst vielleicht wieder etwas Italienisches, kleine Häppchen Dichtkunst oder Aphorismen im Original?
#153VerfasserClaus (243211) 21 Dez 11, 23:26
Kommentar
Le quattro stagioni - Antonio Vivaldi, Sonetto

L’Inverno

Agghiacciato tremar tra nevi algenti
al servero spirar d’orrido Vento,
correr battendo i piedi ogni momento,
e pel soverchio gel batter i denti;

passar al foco i di quieti e contenti
mentre la pioggia fuor bagna ben cento.
Caminar sopra ‘l ghiaccio, e passo lento
per timor di cader girsene intenti;

gir forte, sdrucciolar, cader a terra
di nuovo ir sopra ‘l ghiaccio e correr forte
sin che ‘l ghiaccio si rompe, e si desserra;

sentir uscir dalle ferrate porte
siroco, Borea e tutti i Venti in guerra.
Quest’é l’Verno, ma tal che gioia apporte.
#154Verfassermoustique (308708) 26 Dez 11, 16:41
Kommentar
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.


Rainer Maria Rilke
#155VerfasserClaus (243211) 28 Dez 11, 13:41
Kommentar
Um Einschlafen zu sagen

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

(Aus dem Buch der Bilder, von Rainer Maria Rilke, 1875-1926)
#156Verfassermoustique (308708) 28 Dez 11, 21:08
Kommentar
Selbstaussage

Ich mach mir nichts aus Marschmusik,
ich mach mir nichts aus Schach.
Die Marschmusik macht mir zuviel,
das Schach zu wenig Krach.

Robert Gernhardt
#157Verfasserceto (646680) 29 Dez 11, 09:54
Kommentar
Geschieden ist die Sonne,
Kein Blümlein mehr mag blüh'n,
Und nur des Epheus Blätter
Schmückt noch ein sanftes Grün.

Und freudig uns're Seele
Darauf die Hoffnung baut,
Dass es nach ödem Winter
Den Frühling wieder schaut. -

So wird der bangen Seele
Die tiefer Schmerz erfüllt,
Im Lebensgrün der Hoffnung
Ein neuer Trost enthüllt.

Ein Frühling lacht ihr wieder,
Und Blumen pflückt die Hand,
Fällt manche Wehmutsträne
Auch auf des Kelches Rand.

Und wie der Epheu innig
Sich Rank' an Ranke schmiegt,
So wird die Seele stiller
An Freundes Herz gewiegt.

(Luise Büchner 1821-1877)
#158Verfassermoustique (308708) 29 Dez 11, 17:14
Kommentar
Nur durch Dunkelheit ist das Licht hell:
nur durch Trauer ist Freude schön.
(Sabine Lilienthal)

anders ausgedrückt......

Es muss nicht immer sonnig sein, auch Regentropfen können manchmal streicheln......

Ein frohes Neues Jahr!
#159Verfassermoustique (308708) 30 Dez 11, 11:11
Kommentar
Die Burschen, eh sie ihre Mädchen legen
Versichern sich, und sie tun gut daran
Ob sich die Lippen öffnen und die Brüste regen
Damit sie wissen: Was und Wann?
Prüfend, wie da alles steht
Wie der Wind weht.

Ihr Staatenlenker, wenn ihr Pläne schmiedet,
stellt euch nicht furchtsam an:
Der darf nicht Kampf scheu`n, der befriedet!
Doch immer prüfet: Was und Wann?
Auf die Strasse geht und seht:
wie der Wind weht.

Brecht
#160Verfasserceto (646680) 30 Dez 11, 17:22
Kommentar
Spruch in der Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
. . .
http://www.gedichte.vu/?spruch_in_der_silvesternacht.html


Erich Kästner
#161VerfasserClaus (243211) 31 Dez 11, 12:15
Kommentar
Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
doch vor allen Dingen
Das, worum du dich bemühst
möge dir gelingen.


Wilhelm Busch
#162VerfasserClaus (243211) 01 Jan 12, 14:30
Kommentar
Neujahrsspruch.........

Das beste Mittel, jeden Tag neu zu beginnen,
ist beim Erwachen daran zu denken,
ob man nicht wenigstens einem Menschen
an diesem Tage eine Freude machen könnte.

(Friedrich Nietzsche 1844-1900)
#163Verfassermoustique (308708) 01 Jan 12, 17:15
Kommentar
Der alte Mann im Frühling


Ach, in meinen Jugendjahren
War der Frühling schöner noch als heut.
Dass die schönen Mädchen schöner waren
Ist das letzte, was uns Alte freut.

Deine Mutter sagt es auch seit Jahren
Alter macht das Urteil erst gescheit.
Denn wir Alten haben viel erfahren:
Aber dieses war die schönste Zeit.

Dass die Wiesen nicht und nicht die Aehren
Wie dereinst so golden und so grün
Muss wohl so sein; denn wenn sie noch so wären
Könnt ich doch nie mehr zu ihnen hin.

Aber dass die Sonne immer kälter
Wo sie doch dereinst so herrlich war –
Ist nicht gut, denn wird man merklich älter
Liebt man Sonne mehr mit jedem Jahr.

Und Gedichte, Liebende und Leben
Ist nun anders als es früher war –
Und nur wir sind immer gleich geblieben.
Denn man hasst die Änderung im grauen Haar.

Brecht





#164Verfasserceto (646680) 04 Jan 12, 10:38
Kommentar
Der alte Bert spricht mir wieder mal aus dem Herzen.
#165VerfasserPotzig (623105) 04 Jan 12, 10:55
Kommentar
Erfolg im Leben ist etwas Sein, etwas Schein und sehr viel Schwein.
(Philip Rosenthal)

Ich würde es abändern:

..............*****und vor allem EIN SCHWEIN ZU SEIN!!!

#166Verfassermoustique (308708) 06 Jan 12, 11:19
Kommentar
Du bist fertig, Staatsmann
Der Staat ist nicht fertig.
Gestatte, dass wir ihn verändern
Nach den Bedingungen unseres Lebens.
Gestatte, dass wir Staatsmänner sind, Staatsmann.
Unter deinen Gesetzen steht dein Name.
Vergiss den Namen.
Achte auf deine Gesetze, Gesetzgeber.

Lass dir die Ordnung gefallen, Ordner.
Der Staat braucht dich nicht mehr
Gib ihn heraus.

Brecht (Auszug, 1248)

#167Verfasserceto (646680) 07 Jan 12, 11:13
Kommentar
Aus einem Songtext.......

Genug ist genug, die Menschen können es nicht mehr ertragen.
Genug ist genug, mehr geht leider nicht!
#168Verfassermoustique (308708) 07 Jan 12, 12:05
Kommentar
Aus einem anderen Songtext (von Konstantin Wecker):

Genug ist nicht genug,
ich laß mich nicht belügen.
Schon Schweigen ist Betrug,
genug kann nie genügen.

:-)
#169VerfasserIbnatulbadia (458048) 07 Jan 12, 14:01
Kommentar
Findest Du? #169.........Schon die Bibel wusste:

"Es gibt eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden"
(Prediger 3:7)

und genau da liegt das Problem, denn ...........

Es ist besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden,
als zu reden und dadurch den Beweis anzutreten.
(Abraham Lincoln)

#170Verfassermoustique (308708) 07 Jan 12, 15:36
Kommentar
Nein, moustique , zu bestimmten Dingen darf man nicht schweigen um sich nicht mitschuldig zu machen.Die Bibel überläßt dir ja auch die Entscheidung , ob es Zeit zu schweigen ist oder Zeit zu reden.(Wie immer im Leben - die Entscheidung liegt allein bei dir !)
#171VerfasserPotzig (623105) 07 Jan 12, 15:56
Kommentar
Mitschuldig? An was soll ich denn (mit)schuldig sein? Das ist mir zu hoch!

........vermutlich muss ich mich eindeutig und definitiv unter die Idioten einreihen!! Als rein private QZ-Userin im LEO sind mir Eure Gebräuche hier wohl fremd, tut mir leid.....
#172Verfassermoustique (308708) 07 Jan 12, 16:13
Kommentar
It is better to remain silent and be thought a fool than to open one's mouth and remove all doubt.

Abraham Lincoln
(Der Kontext ist völlig unklar - die Augen vor etwas verschließen, wegsehen oder einfach sich nicht zu allem äußern, nicht immer mitreden können müssen.)


Wenn die Menschen nur von dem sprächen, was sie verstehen, dann würde gar bald ein großes Schweigen auf der Erde herrschen.

Aus China
#173VerfasserClaus (243211) 07 Jan 12, 16:59
Kommentar
Aber wer kennt wirklich den Kontext !?

Das ist des Pudels Kern.Ich dachte eher an eine persönliche moralische (ethische) Grundhaltung und weniger an eine (belanglose) Diskussion hier im Forum.
Moustique ich wollte dich nicht angreifen.Kannst du dir eine Situation vorstellen, bei der Schweigen Zustimmung ist ? Wo Schweigen zum Beispiel auch durch Wegsehen geschieht ? In diesem Sinne wollte ich die Aussage zurechtrücken.Ist mir wohl nicht gelungen.Sacco di patate io.
#174VerfasserPotzig (623105) 07 Jan 12, 18:05
Kommentar
Ist dies wohl eine Situation, zu der in erster Linie alle Politiker Stellung beziehen müssten?
Wer das nicht tut, billigt schweigend das Geschehene und nimmt unausgesprochen dieselben Verhaltensweisen für sich in Anspruch.
Wir Deutschen haben, anders als die Italiener, scheint`s wenig Glück mit unseren Präsidenten. In der Vergangenheit hat der eine (Hindenburg) geholfen, der Weimarer Republik den Garaus zu machen, und der andere? Il signor Napoletano invece è d` altera roba. Wann immer er den Mund aufgemacht hat, habe ich ihm geglaubt was er sagte, und die Italiener ein bischen beneidet um ihren Altkomunisten, der immer das Wohl des Staates im Auge zu haben scheint, weniger sein persönliches.
#175Verfasserceto (646680) 08 Jan 12, 11:56
Kommentar
Lass mich ein Engel sein, flehte die Raupe –
da erschuf Gott den Schmetterling.
(Birgit Hopstock-Bänsch)
#176Verfassermoustique (308708) 11 Jan 12, 20:24
Kommentar

Dunque torniamo alla poesia

Sonett 285

Giunto è già `l corso della vita mia,
con tempestoso mar, per fragil barca,
al commun porto, ov`a render si varca
conto e ragion d`ogni opra trista e pia.

Onde l`affettuosa fantasia
Che l`arte mi fece idol e monarca
Conosco or ben com`era d`error carca
E quel c`a mal suo malgrado ogn`uom desia.

Gli amorosi pensier, già vani e lieti
Che fien (fare) or, s`a duo morte m`avvicino?
D`una so `l certo, e l`altra mi minaccia.

Nè pinger nè scolpir fie (fare) più che quieti
L`anima, volta a quell`amor divino
C`aperse, a prender noi, `n croce la braccia.


M.Buonarotti

#177Verfasserceto (646680) 13 Jan 12, 10:11
Kommentar
Michelangelo Buonarroti

(auch als Michelangelo bekannt :-)
#178VerfasserIbnatulbadia (458048) 13 Jan 12, 10:34
Kommentar

Al cognome di Michelangelo

Non ho saputo finora
che dentro il suo cognome
dimora
-beninteso-
un bel pazzo tedesco,
che fa parte di te.
E te la ride
dentro di se.
Intendiamoci.


Poeta sconosciuto
#179Verfasserceto (646680) 14 Jan 12, 09:51
Kommentar
Wintersonne

Es geht ein Licht vom Himmel wie Rosenmilch.
Geht durch die leeren Bäume über den Schnee, über das Schilfdach einer Hütte,
über einen kauernden blauen Mann und eine gelbe ziehende Herde.

Der Schnee in blauen Scherben auf dem Hüttendach,
um die Hütte in gelben Meerschaumwellen.
Vergissmeinnichtblüten und Rosa in den Schneegruben.
Der Schnee knistert fiebernd wie Seide.
Seiden die Luft, goldweiss und goldrosig gestrählt.

Opalfarben schweben über den Schnee, kaum hörbar,
zart wie der Atem der Perlen.

Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguss aus weissem Kern.
Steht in weissem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold,
und blüht entfaltet wie eine Blume.

Es wird lebendig der Schnee.
In blauglimmenden Schatten steigen Flammen und aus Kristallbrüchen
Gase, blaue und rosige weiten die Luft.
Mit ihnen summende violette Dämpfe, rauschen unter der Hütte,
fangen sich im Baumgeäst hoch.
Die kahlen Bäume stehen in der Luft,
wie die rosigen Adern auf durchsichtigen Blütenblättern.

Es geht aus allem eine nadeldünne Kühle,
eine streichelnde Weichheit,
wie die Schiller auf kühlen Muschelschalen und Perlmutter.

Der blaue Mann steht gebeugt im Licht.
An ihm vorbei zieht die Schafherde aus der Hütte und breitet sich über den Schnee.

Es geht warmer Lichtfriede über den kalten Schnee.
Auf Engelfittichen eine kinderlallende Andacht.
Im schmeichelnden Giessen von Düften
das Entfalten einer Taube auf rosigem Silbergrund.
Das wispernde Beten ganz kleiner runder Engel
mit Veilchenaugen und Blütenstaub im Haar und Daunenflügel am Nacken.
Und Musik von elfenbeinernen Harfen.

(Max Dauthendey, 1867-1918)
#180Verfassermoustique (308708) 14 Jan 12, 16:01
Kommentar
Mondschein

Wie eine seltne Gegend ist dein Herz,
Wo Masken, die mit Bergamasken schreiten,
Zum Tanze spielen voll geheimem Schmerz
Im Truggewand, mit dem sie bunt sich kleiden.

Obgleich in weichem Ton sie singen, wie
Der Liebe Sieg dem Lebensglück sich eine,
So glauben doch nicht an die Freude sie,
Und ihr Gesang fließt hin im Mondenscheine.

Im kalten Mondenschein, des trübe Pracht
Die Vögel träumen läßt auf ihren Zweigen,
Und der die Wasserstrahlen weinen macht,
Die schlank aus weißen Marmorschalen steigen.


Graf Wolf von Kalckreuth (1887 – 1906)
#181VerfasserClaus (243211) 15 Jan 12, 13:51
Kommentar
Um Mitternacht

Gelassen stieg die Nacht an Land,
lehnt träumend an der Berge Wand;
ihr Auge sieht die goldne Waage nun
der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn.
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
vom Tage,
vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied -
sie achtet's nicht, sie ist es müd;
ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
der flücht'gen Stunden gleichgeschwungenes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
es singen die Wasser im Schlafe noch fort
vom Tage,
vom heute gewesenen Tage.

Eduard Möricke (1804 - 1875)
#182VerfasserSchmuckmeier (814719) 15 Jan 12, 19:48
Kommentar
Über die Winde......

"Ist das vielleicht der SCIROCCO?" Die Frage war durchaus vernünftig. Wenn dieser heisse Wind aus Afrika "acqua alta" (Hochwasser) bringen konnte, warum sollte er dann nicht auch die Temperatur in seinem Dienstzimmer steigen lassen können."
("Acqua alta" von Donna Leon, spielt sich in Venedig ab........)

BORA, der kalte Fallwind an der Adriaküste, wühlt das Meer und die Lagune auf, zersprengt die Wolken und dringt eisig bis in die hintersten Winkel der Stadt (Venedig)."
("Die Welt des Mittelmeeres" von Fernand Braudel, französischer Geschichtswissenschaftler)

Und dann fing er an Geschichten zu erzählen, von damals, endlos. ...; von der Tochter eines Hugenotten im Esterel, die vom Lavendelduft berauscht ihm zu Willen gewesen sei; von einem Waldbrand, den er dabei um ein Haar entfacht und der dann wohl die gesamte Provence in Brand gesteckt hätte, so sicher wie das Amen in der Kirche, denn es ging ein scharfer MISTRAL;.... "
("Das Parfüm - Die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind)

Der Himmel war reingefegt, doch hatte der Regen keine Lockerung gebracht. Der FÖHN lag immer noch über den Dörfern und Wäldern, brauste heran in großen weichen Stössen. Die unnatürliche schwere Wärme machte die Menschen böse, reizbar, ungeduldig."
("Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt)
#183Verfassermoustique (308708) 19 Jan 12, 09:40
Kommentar

Vittoria Colonna
Ca 1492 – 1547)
(amica o amante di M.Buonarroti)


Quanta invidia al mio cor, felici e rare
Anime, porge il vostro ardente e forte
Nodo, che l`ultime ore a voi di morte
Fe`dolci, che son sempre agli altri amare!

Non furo ai bei desir le parche (Parzen) avare
In filar, nè più lunghe nè pi`u corte
Le vostre vite; ond`or con egual sorte
Sete vive nel ciel, nel mondo chiare.

Se `l fuoco sol d` amor legar può tanto
Due voglie, or quanto a voi natura e amore,
i corpi quella e questo l`alma cinse (cingere)

d`immortal fiamma? Oh benedette l`ore
del viver vostro! E più quel lume santo
che sì bel nodo indissulubil strinse! (stringere)

#184Verfasserceto (646680) 19 Jan 12, 10:55
Kommentar
# 183

Il piccolo Exkurs dei venti è molto divertente.
Però, non butta un ranocchio all'aqua!
#185VerfasserSchmuckmeier (814719) 19 Jan 12, 14:10
Kommentar
non butta un ranocchio all'aqua
locuzione piuttosto per il filo "modo di dire"
#186Verfasserceto (646680) 20 Jan 12, 11:52
Kommentar
Caro Ceto,
in questo caso: non! Volevo fare dello spirito.
Ti consiglio leggere il libro "Das Parfüm" von Patrick Süskind e # 183. Non ti annoierai.
Buono divertimento
#187VerfasserSchmuckmeier (814719) 20 Jan 12, 21:17
Kommentar
#183: Entschuldigung, ich werde keine literarischen "Ausflüge" mehr in diese (Wind)Richtung unternehmen um etwelche zukünftige Kontroversen zu vermeiden......

Die Menschen sind wie bunte Glasfenster:
Sie funkeln und leuchten, wenn die Sonne scheint;
doch nach Anbruch der Dunkelheit wird ihre wahre Schönheit nur offenbar,
wenn sie ein inneres Licht haben.

(Elisabeth Kübler-Ross)
#188Verfassermoustique (308708) 23 Jan 12, 10:37
Kommentar
Für "Schmuckmeier" passend zu den "grenouilles".....

Sitzen zwei Frösche am See und da fängt es an zu tröpfeln.
Sagt der eine Frosch zum Andern: "Komm, springen wir lieber ins Wasser, bevor wir noch nass werden.........."

Fink und Frosch

Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein Pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
Bis auf des Baumes Blätterdach
Und bläht sich auf und quakt: »Jaja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!«
Und wie der Vogel frisch und süß
Sein Frühlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.
»Juchheija heija !« spricht der Fink.
»Fort flieg' ich flink!«
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.
»Wat!« ruft der Frosch. »Dat kann ick och!«
Macht einen ungeschickten Satz,
Fällt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat für ewig ausgequackt.
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär',
So irrt sich der.

(Wilhelm Busch, 1832-1908)
#189Verfassermoustique (308708) 24 Jan 12, 09:32
Kommentar
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär',
So irrt sich der.

Wir haben verstanden; ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
#190Verfasserceto (646680) 24 Jan 12, 17:37
Kommentar
Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten,
Sanfte Reden, Embrassieren -
Ach, wenn sie nur Herzen hätten.!

Herzen in der Brust, und Liebe,
Warme Liebe in dem Herzen -
Ach, mich tötet ihr Gesinge
Von erlognen Liebesschmerzen.

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen.

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.

Lebet wohl, ihr glatten Säle!
Glatte Herren! Glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf euch niederschaun.

Heinrich Heine 1824

#191VerfasserSchmuckmeier (814719) 24 Jan 12, 21:29
Kommentar
Der Affe

Im Zirkus Bimsky lebt ein Affe,
Höchst kultiviert und abendländsch,
Er trinkt den Wein aus der Karaffe,
Und raucht Zigarren wie ein Mensch.

Und es erlauben seine Mittel
Ein Dutzend Smokings ihm im Spind;
Er trägt voll Stolz den Konsultitel
Wie andre mehr, die sonst nichts sind.

Er legt zuweilen gar die Pfoten
Auf ein geduldiges Klavier,
Dann phantasiert er ohne Noten -
Kurzum, ein wundervolles Tier.

Und daß im Urwald seine Vettern
Auf Java oder Telebes
Noch smokinglos auf Bäumen klettern,
Vergaß der Gentleman. - Indes

Zuweilen denkt er seiner Eltern
In weiten Maisfelds grüner Ruh',
Und aus den hohen Zimmetwäldern
Weht ihm die Sehnsucht Grüße zu.

Dann spürt im seelischen Zerwürfnis
Er seine doppelte Natur
Und fühlt das dringende Bedürfnis,
Tief zu verachten die Kultur.

Er schreitet ernst in Smokinghosen
Dann an die Logenbrüstung dicht
Und spuckt dem nächsten seelenlosen
Kulturprotz mitten ins Gesicht...


Rudolf Presber (1868-1935)
#192VerfasserClaus (243211) 25 Jan 12, 16:18
Kommentar
Titel,Name,Geld,Befrackung sind zum Zwecke der Verpackung !
Schale gilt nicht - sondern Perle: Wichtig ist allein der Kerle !

August Lämmle
#193VerfasserPotzig (623105) 25 Jan 12, 16:41
Kommentar
Wieder mal einige Zitate aus Kinderaufsätzen.......

Unter der Woche wohnt Gott im Himmel. Nur Sonntag kommt er in die Kirche.

Die Nordhalbkugel dreht sich entgegengesetzt zur Südhalbkugel.

Wenn man Kinder haben will, muss man entweder Sex machen oder heiraten.

Wenn Frauen zuviel Männersamen abbekommen, wachsen Ihnen kleine Bärte.

Kühe dürfen nicht schnell laufen, damit sie ihre Milch nicht verschütten.

Regenwürmer können nicht beißen, weil sie vorne und hinten nur Schwanz haben.

Neben Prunksälen hatten die Ritter auch heizbare Frauenzimmer.

Graf Zeppelin war der erste, der nach verschiedenen Richtungen schiffte ......

Dort wo jetzt die Trümmer ragen, standen einst stolze Burgfräuleins und warteten auf ihre ausgezogenen Ritter.

Die Pferde trugen Rosetten in den Landesfarben am Kopf, am Geschirr und an den Schwänzen. Jeder Mann war ähnlich geschmückt.

Am Wochenende ist Papa Sieger bei der Kaninchenschau geworden.
#194Verfassermoustique (308708) 25 Jan 12, 17:03
Kommentar
Vor lauter Lachen traue ich mich schon fast nicht mehr!

Giovanni Meli(1740 – 1815)

L` occhi

U Chiuzzi niuri,
Si taliati,
Faciti cadiri
Casi e Citati;

Jeu(?) muru daboli
Di petri, e taju (?),
Considiratilu,
Si allora caju!



Kleines Rätsel, ich denke für Claus diesmal: Kaum zu glauben, jedenfalls für mich, das Gedichtlein hat so sehr fasziniert, dass es nachgedichtet wurde…
#195Verfasserceto (646680) 25 Jan 12, 19:04
Kommentar
Einige Zitate aus Schreiben an Versicherungen........

Beim Heimkommen fuhr ich versehentlich in eine falsche Grundstücksauffahrt und rammte einen Baum, der bei mir dort nicht steht.

Und dann brannte plötzlich der Weihnachtsbaum. Die Flammen griffen auf den Vorhang über. Mein Mann konnte aber nicht löschen, weil er wie ein Verrückter nur die Hausrat-Police suchte......

Einnahmen aus der Viehhaltung haben wir keine. Mit dem Tod meines Mannes ging das letzte Rindvieh vom Hof.

Ich bin ferner mit meinen Nerven am Ende und habe es erst noch mit einer schweren Kastritis zu tun.........

Ich bitte hiermit, das Kind zu streichen, da es ein Versehen des Bürgermeisters war.

Ich bin von Beruf Schweisser. Ihr Computer hat natürlich wieder an der falschen Stelle gespart und bei meinem Beruf das w weggelassen.

Ich habe gestern abend auf der Heimfahrt einen Zaun in etwa 20 Meter Länge umgefahren. Ich wollte Ihnen den Schaden vorsorglich melden, bezahlen brauchen Sie nichts, denn ich bin unerkannt entkommen.....

Ich habe mir den rechten Arm gebrochen, meine Braut hat sich den Fuß verstaucht - ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben.......

Ich will meinen Georg nicht impfen lassen. Mein Freundin Lotti hat ihr Kind auch impfen lassen, dann fiel es kurz danach aus dem Fenster.....

Mein Auto fuhr einfach geradeaus, was in einer Kurve allgemein zum Verlassen der Strasse führt.

Mein Dachschaden wurde wie vorgesehen am Freitag morgen behoben.

Meine Frau hat die Scheidung eingereicht, und sicher werden Sie verstehen, dass ich sie unter diesen Umständen nicht gegen Unfall und Krankheit versichern möchte.

Wer mir das Portemonnaie gestohlen hat, kann ich nicht sagen, weil aus meiner Verwandtschaft niemand in der Nähe war......

Alles, was von meinem Mann übrig geblieben ist, schicke ich Ihnen hiermit zu.

Auf Ihre Anfrage teilen wir mit, dass die Genannte viele Verhältnisse, aber kein Arbeitsverhältnis unterhält.

Hiermit übersende ich Ihnen zwei Rechnungen von meiner Frau und den zwei Kindern, die gestern eingegangen sind.

Ich bin Zoologe und glaube deshalb, den Zustand meiner Frau sachverständig beurteilen zu können...

Die Heirat mit meinem Mann war ein Risiko. Er ist auf und davon, der kommt nicht wieder. Sie können mir also die Risikoversicherung
auszahlen...
#196Verfassermoustique (308708) 26 Jan 12, 11:45
Kommentar
Also die Nachdichtung - wie könnte es anders sein - ist von
J.W.Goethe

Ihr schwarzen Aeugelein!
Wenn ihr nur winket,
Es fallen Haeuser ein,
Es fallen Staedte;
Und diese Leimenwand (-n-?)
Vor meinem Herzen -
Bedenk` doch nur einmal –
Die sollt`nicht fallen?


#197Verfasserceto (646680) 28 Jan 12, 10:04
Kommentar
Der Schneemann

Seht, da steht er, unser Schneemann!
Das ist ein Geselle!
Stehet fest und unverzagt,
Weicht nicht von der Stelle.

Schaut ihm in die schwarzen Augen!
Wird euch denn nicht bange?
In der linken Hand da hat er
Eine lange Stange.

Einen großen Säbel hält er
Fest in seiner Rechten.
Kommt heran! Er wird sich wehren,
Wird mit Allen fechten.

Über ihn kann nur der Frühling
Einen Sieg gewinnen:
Blickt ihn der nur an von ferne,
Wird er gleich zerrinnen.

Aber halt dich tapfer, Schneemann!
Lass dir offenbaren:
Stehst du morgen noch,
so wollen Wir dich Schlitten fahren.

(Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874)
#198Verfassermoustique (308708) 31 Jan 12, 08:41
Kommentar
Kinderreim:

Ein kleiner Matrose umsegelte die Welt.
Er liebte ein Mädchen, das hatte gar kein Geld.
Das Mädchen musste sterben, und wer war schuld daran?
Ein kleiner Matrose in seinem Liebeswahn.

#199Verfasserceto (646680) 31 Jan 12, 16:34
Kommentar
Will sehen was ich weiß Vom Büblein auf dem Eis

Gefroren hat es heuer
noch gar kein festes Eis;
das Büblein steht am Weiher
und spricht so für sich leis:
Ich will es einmal wagen,
das Eis, es muss doch tragen.-
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket
mit seinem Stiefelein,
das Eis auf einmal knacket,
und Krach! Schon brichts hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
als wie ein Krebs und zappelt
mit Schreien.

O helft, ich muss versinken
in lauter Eis und Schnee! O helft, ich muss ertrinken
im tiefen, tiefen See!
Wär nicht ein Mann gekommen,
der sich ein Herz genommen,
o weh!

Der packt es bei dem Schopfe
und zieht es dann heraus,
vom Fuß bis zu dem Kopfe
wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
der Vater hat's geklopfet
zu Haus

Friedrich Güll (1812-1879)

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_G%C3%BCll
#200VerfasserSchmuckmeier (814719) 31 Jan 12, 21:04
Kommentar
#200: So herzig, dieses "vorwitzige" Büblein........

Deine Hand

Wenn du die kleine Hand mir gibst,
die soviel Ungesagtes sagt;

http://www.beepworld.de/members31/vivance/hesse.htm
(Mitte nach unten......)

(Hermann Hesse)
#201Verfassermoustique (308708) 31 Jan 12, 21:41
Kommentar
# 201
Un buono indirizzo.

Hornung

Noch hett de Winter us tau packen
Puust kolt us noch de Ost in'n
Nacken,
un dat he sik mal sinnig dreiht,
dor maakt he sik eerst gor nien Maiht.

Den Sneekeerl buten in n'Goorn
Is all de Wuddelnääs verfrorn.
Wat aver lang noch nich bedütt, üdat
he dorüm eün Traan vergütt.
He kann nich lachen, steiht blots stief,
hett nich eenmal 'n Hart in't Lief.
Doch liekers höög ik mi doran,
an dissen putzig witten Mann.

Maria von Höfen
#202VerfasserSchmuckmeier (814719) 02 Feb 12, 20:57
Kommentar
#202: Diese Adresse hatte ich rein zufällig entdeckt.....

Dein eingestelltes Gedicht ist Plattdeutsch nicht wahr? Nun, könnte mir wohl jemand sagen ob ich es begriffen habe? Danke....

Februar

Noch weiss der Winter uns zu packen
Bläst kalt uns noch den Ostwind in den Nacken
und dass er sich mal langsam dreht
dazu macht er sich erst gar nicht die Mühe

Dem Schneemann gebaut in einem Garten
ist die ganze Wurzelnase verfroren
was aber lange noch nicht bedeutet
dass er darüber eine Träne vergiesst
Er kann nicht lachen steht bloss steiff
hat nicht einmal ein Herz im Leben
Doch gerade freu ich mich daran
an diesem putzig weissen Mann.
#203Verfassermoustique (308708) 03 Feb 12, 08:59
Kommentar
Ganz und gar nicht schlecht, moustique!

mir fallen nur drei kleine Verständnisfehlerchen auf:

ist schon die Wurzelnase verfroren [vgl. already]

... Herz im Leib

liekers = dennoch [im Kontext mit 'doch' vielleicht auch umso mehr]
#204VerfasserPierrot (236507) 03 Feb 12, 09:26
Kommentar
Vielen herzlichen Dank Pierrot......:-)
#205Verfassermoustique (308708) 03 Feb 12, 10:06
Kommentar
#206VerfasserSchmuckmeier (814719) 04 Feb 12, 21:39
Kommentar
#206: Das ist ja ein super link, merci Schmuckmeier!!

Wer es nicht der Mühe wert findet bessere Zeiten herbeiführen zu helfen,
der ist auch nicht gut genug für bessere Zeiten.

(Jeremias Gotthelf)

......ging mir gerade durch den Kopf beim Anblick von Emmentaler Käse...;-)
#207Verfassermoustique (308708) 05 Feb 12, 11:52
Kommentar
Essen hält Leib und Seele beisammen!
Trinken gehört dazu. Deswegen setze ich mich jetzt in meinen Sessel und labe mich an ein-zwei Gläselein Vino.
#208VerfasserSchmuckmeier (814719) 05 Feb 12, 21:07
Kommentar
Nochmal ein Sprichwort zum Thema Essen, eins aus Italien......

Ein Mann ohne Frau ist wie Spaghetti ohne Parmesan........
#209Verfassermoustique (308708) 06 Feb 12, 16:34
Kommentar
Cielo d'Alcamo (XIII secolo)
«Rosa fresca aulentis[s]ima ch’apari inver’ la state,
le donne ti disiano, pulzell’ e maritate:
tràgemi d’este focora, se t’este a bolontate; per te non ajo abento notte e dia,
penzando pur di voi, madonna mia».

Die Fortsetzung steht bei:

"http://it.wikisource.org/w/index.php?title=Rosa_fresca_aulentissima_(Einaudi)&ol... Verdanke ich Lunanueva
#210Verfasserceto (646680) 06 Feb 12, 17:17
Kommentar
Demain, dès l'aube...

Demain, dès l'aube, à l'heure où blanchit la campagne,
Je partirai. Vois-tu, je sais que tu m'attends.
J'irai par la forêt, j'irai par la montagne.
Je ne puis demeurer loin de toi plus longtemps.

Je marcherai les yeux fixés sur mes pensées,
Sans rien voir au dehors, sans entendre aucun bruit,
Seul, inconnu, le dos courbé, les mains croisées,
Triste, et le jour pour moi sera comme la nuit.

Je ne regarderai ni l'or du soir qui tombe,
Ni les voiles au loin descendant vers Harfleur,
Et quand j'arriverai, je mettrai sur ta tombe
Un bouquet de houx vert et de bruyère en fleur.


Victor Hugo
#211VerfasserClaus (243211) 07 Feb 12, 14:01
Kommentar
eine Transscription von "Rosa fresca e aulentissima" (Cielo d`Alma)für Interessierte findet sich unter

http://www.classicitaliani.it/intro_pdf/contra1.pdf
wie Marco herausgefunden hat.
#212Verfasserceto (646680) 09 Feb 12, 18:04
Kommentar
eine Transscription von "Rosa fresca e aulentissima" (Cielo d`Alcamo)für Interessierte findet sich unter

http://www.classicitaliani.it/intro_pdf/contra1.pdf
wie Marco herausgefunden hat.
#213Verfasserceto (646680) 09 Feb 12, 18:05
Kommentar
Verloren Robert Sare (1895 - 1984)

Einst träumte still am roten Bache,
So an die hundert Jahre alt,
Ein schlankes Türmchen auf dem Dache,
Ein Schloss im grünen Wald und Park.

Der Gräfte dunkler Wasserspiegel,
Darauf der Blick so oft geruht,
Umfloss die morschen, grauen Ziegel
Mit seiner abendkühlen Flut.

Der Räume buntgemalte Wände
Erzählten von dem Grandbaron
Und seinen Späßen ohne Ende,
Vererbt bis auf den jüngsten Sohn.

Nur eine Stunde hat genügt:
Hin waren Traum und Märchenland,
Das Schloss zerstört, der Park zerpflüget
Und die Ruinen ausgebrannt.

O Stätte glücklichen Erlebens,
Mit dir auch starb die Heimatstadt.
Ein ganzes Volk verlor vergebens,
Was einst in ihm geklungen hat.

Archiv Willi Garth

Als Kind meiner Zeit kann ich nicht umhin, dieses Gedicht zu senden. Morgen ist der 13. Februar, das Datum an dem Dresden vor 67 Jahren zerbombt wurde. Das Gedicht bezieht sich auf ein Schloss im Ruhrgebiet.
#214VerfasserSchmuckmeier (814719) 12 Feb 12, 21:49
Kommentar
Ich geh dahin und lass die Welt zurück im Streit
Und hatt von hundert Perlen doch kaum eine aufgereiht.-
Unausgesprochen blieb so manches tiefe Wort,
weil’s doch niemals verstanden hätte meine Zeit.

Omar der Zeltmacher (gest. 1123)
Persien, schrieb auf Arabisch
#215Verfasserceto (646680) 13 Feb 12, 17:55
Kommentar
Hallo Ceto,

Du hast ein wunderbares Gedicht gesendet. Mein Mann und ich sind sehr angetan davon, gehören wir doch zu den sehr alten Semestern.
#216VerfasserSchmuckmeier (814719) 13 Feb 12, 19:53
Kommentar
#217VerfasserSchmuckmeier (814719) 16 Feb 12, 20:21
Kommentar
Quello che è

Non ha senso
dice la ragione
È quello che è
dice l'amore
...................
http://www.erichfried.de/quello%20che%20e.htm

Erich Fried (übersetzt von Tobias Grove)
#218Verfassermoustique (308708) 23 Feb 12, 10:29
Kommentar
Der ist der Herr der Erde,

Wer ihre Tiefen mißt,

Und jeglicher Beschwerde

In ihrem Schoß vergißt.

5 Wer ihrer Felsenglieder

Geheimen Bau versteht,

Und unverdrossen nieder

Zu ihrer Werkstatt geht.

Er ist mit ihr verbündet,

10 Und inniglich vertraut,

Und wird von ihr entzündet,

Als wär sie seine Braut.

Er sieht ihr alle Tage

Mit neuer Liebe zu

15 Und scheut nicht Fleiß und Plage,

Sie läßt ihm keine Ruh.

Die mächtigen Geschichten

Der längst verfloßnen Zeit,

Ist sie ihm zu berichten

20 Mit Freundlichkeit bereit.

Der Vorwelt heilge Lüfte

Umwehn sein Angesicht,

Und in die Nacht der Klüfte

Strahlt ihm ein ewges Licht.

25 Er trifft auf allen Wegen

Ein wohlbekanntes Land,

Und gern kommt sie entgegen

Den Werken seiner Hand.

Ihm folgen die Gewässer

30 Hülfreich den Berg hinauf;

Und alle Felsenschlösser,

Tun ihre Schätz ihm auf.

Er fährt des Goldes Ströme

In seines Königs Haus,

35 Und schmückt die Diademe

Mit edlen Steinen aus.

Zwar reicht er treu dem König

Den glückbegabten Arm,

Doch frägt er nach ihm wenig

40 Und bleibt mit Freuden arm.

Sie mögen sich erwürgen

Am Fuß um Gut und Geld;

Er bleibt auf den Gebirgen

Der frohe Herr der Welt.

Novalis (1772-1801)

http://www.nzz.ch/2006/09/02/li/articleEDTFG.html
#219VerfasserSchmuckmeier (814719) 23 Feb 12, 21:50
Kommentar
Wir nennen es "zu weit gegangen",
wenn uns jemand zu nahe getreten ist.

(Marie von Ebner-Eschenbach)
#220Verfassermoustique (308708) 24 Feb 12, 09:21
Kommentar
Ich fragte die Welt, die alte,
Was sie als Bestes enthalte
In ihrem großen Gebäude.
Sie sagte: Des Herzens Freude.

Omar Khayyám
#221VerfasserSchmuckmeier (814719) 24 Feb 12, 11:28
Kommentar
Der Reifen eines Rades wird gehalten von den Speichen,
aber das Leere zwischen ihnen ist das Sinnvolle beim Gebrauch.
Aus nassem Ton formt man Gefäße,
aber das Leere in ihnen ermöglicht das Füllen der Krüge.
Aua Holz zimmert man Türen und Fenster,
aber das Leere in ihnen macht das Haus bewohnbar.
So ist das Sichtbare zwar von Nutzen,
doch das Wesentliche bleibt unsichtbar.

(Laotse, 6. Jh. v.Chr.)
#222Verfassermoustique (308708) 09 Mär 12, 19:34
Kommentar
Theology

"No, the serpent did not
Seduce Eve to the apple.
. . .
http://famouspoetsandpoems.com/poets/ted_hughes/poems/13808

Ted Hughes (1930-1998)
#223VerfasserClaus (243211) 21 Mär 12, 16:55
Kommentar
In italiano si canta,
in inglese si fa poesia,
in tedesco si fanno gli affari,
in francese si ama ,
in spagnolo si prega

(aus Hape Kerkeling "Vado a fare due passi"
#224Verfasserceto (646680) 23 Mär 12, 08:40
Kommentar
ich zitiere, hoffentlich richtig, aus einem lied, gesungen in italienisch....

Io senza te cosa farei? Io non respiro se tu non ci sei
Io senza te cosa sarei? Una farfalla che non vola piu........

evtl. stellt das hapes theorie doch ein wenig auf den kopf - smile -
#225Verfassermoustique (308708) 23 Mär 12, 08:55
Kommentar
Semplicemente : se un italiano è originario della Francia, allora fà l'amore cantando !

Se Hape K. sapesse parlare l'italiano, farebbe buoni affari coll'amore.....

In Inghilterra le damigelle sono deluse, perchè gli uomini - invece di fare l'amore - si mettono a fare delle poesie.

Fantastico ! La poesia quì sopra è veramente geniale !
#226Verfassersurmsekl (734382) 23 Mär 12, 09:19
Kommentar
L`ho trovato notevole, al meno pensarne un pocchettino.
#227Verfasserceto (646680) 23 Mär 12, 16:52
Kommentar
Sonetto XLVII

Benedetto sia ‘l giorno e’l mese e l’anno
Benedetto sia 'l giorno, et 'l mese, et l'anno,
et la stagione, e 'l tempo, et l'ora, e 'l punto,
e 'l bel paese, e 'l loco ov'io fui giunto
da'duo begli occhi che legato m'ànno;
et benedetto il primo dolce affanno
ch'i' ebbi ad esser con Amor congiunto,
et l'arco, et le saette ond'i' fui punto,
et le piaghe che 'nfin al cor mi vanno.
Benedette le voci tante ch'io
chiamando il nome de mia donna ò sparte,
e i sospiri, et le lagrime, e 'l desio;
et benedette sian tutte le carte
ov'io fama l'acquisto, e 'l pensier mio,
ch'è sol di lei, sí ch'altra non v'à parte

Francesco Petrarca (1304-1374)



Sonett 47

Sei gesegnet immerdar von allen Tagen,
Du holder Lenzestag und deine guten Stunden;
Ihr schönen Fluren, da wurde ich gefunden
Von zweien Augen und in Bann geschlagen.

O, sei gesegnet, erstes süßes Zagen,
Mit dem die Liebe mich an sich gebunden,
Ihr Liebespfeile, all ihr tiefen Wunden,
Deren Schmerz so gern mein Herz getragen.

Seid gesegnet, ihr heißen Träume,
Laute Rufe, die ihr wolltet sie ereilen,
Meine Seufzer und du mein endlos Sehnen;

Und seid gesegnet auch ihr, ihr wohlgereimten Zeilen,
Durch die Ruhm ihr erworben mein sinnend Wähnen,
Das sie allein, ja, wer noch sollt’ es teilen!


In Übersetzung von Peter Cornelius
#228VerfasserClaus (243211) 25 Mär 12, 17:48
Kommentar
.......zur abwechslung mal wieder ein zitat.....

Die bittersten Worte, die Menschen einander sagen,
wirken selten so entzweiend
wie die ungesprochenen,
die der eine vom anderen vergeblich erwartet.

- Hans Carossa -
#229Verfassermoustique (308708) 25 Mär 12, 19:22
Kommentar
Und zur Erinnerung:

Lob der Faulheit

Faulheit, itzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen.
O wie sauer wird es mir,
Dich nach Würden zu besingen!
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.
Höchstes Gut! wer dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben
Ach! ich gähn ich werde matt
Nun so magst du mirs vergeben,
Dass ich dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran. Lessing
#230VerfasserPotzig (623105) 26 Mär 12, 09:37
Kommentar
zum thema verletzt sein.......

zu den steinen hat man gesagt:
seid menschlicher.....
die steine haben gesagt:
wir sind noch nicht hart genug........

(erich fried)
#231Verfassermoustique (308708) 27 Mär 12, 20:05
Kommentar
moustique: Du bringst einen zum Nachdenken.
#232Verfasserceto (646680) 28 Mär 12, 10:23
Kommentar
nicht ich ceto - smile - erich fried..................er schreibt tolle gedichte und ab und zu finde ich auch ein zitat von ihm...............

und weil es so schön zu diesen frühlingshaften temperaturen passt, ausnahmsweise......

primavera in anticipo - von laura pausini zusammen m. james blunt

http://www.youtube.com/watch?v=wELimmLWyyo
#233Verfassermoustique (308708) 28 Mär 12, 11:34
Kommentar
Was tun? spricht Zeus. (Schiller, 1795)


Sachliche Romanze von Erich Kästner ( 1929 )

Als sie einander acht Jahre lang kannten
( und man darf sagen: sie kannten sich gut ),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter,
da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
#234VerfasserSchmuckmeier (814719) 14 Apr 12, 13:10
Kommentar
5 Lieder nach Rückert (vertont von Gustav Mahler)

III - Ich bin der Welt abhanden gekommen Ormai non mi ha piu' il mondo, mi ha perduto
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben quel mondo dove ho distrutto gran tempo;
Sie hat so lange nichts von mir vernommen, tanto a lungo di me nulla ha saputo,
Sie mag wohl glauben ich sei gestorben! che credere ben può ch'io mi sia spento!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen, E penso, poi: nulla m'importa, in fondo,
Ob sie mich für gestorben hält. su come morto esso mi fa bandire.
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen, E non posso neppure smentire,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt. perché sono davvero morto al mondo.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel Io sono morto al mondano frastuono,
Und ruh' in einem stillen Gebiet! sono in pace in un luogo silenzioso!
Ich leb' allein in meinem Himmel Nell'alto del mio cielo vivo solo,
In meinem Lieben, in meinem Lied. nel mio amore, nel mio canto in riposo.

eine weitere ital. Übersetzung habe ich hierzu gefunden, die mich allerdings auch nicht
sehr befriedigt:

Straniero al mondo sono diventato,
al mondo che tanto del mio tempo mi ha tolto,
da tempo ormai nulla di me ha saputo,
e forse crederà che sia ormai morto

E pure nulla me ne può importare
se mi considera come se fossi morto,
e non ho proprio niente da obiettare
perché davvero al mondo io sono morto

Io sono morto al mondano frastuono,
E ormai in un luogo tranquillo resto a riposare!
E nel mio cielo vivo tutto solo,
e pure nei miei canti e nel mio amore.

Sono andato perduto al mondo - ich bin der Welt abhanden gekommen - käme das nicht dem Gedicht/Lied viel näher? Hat ein Poesiefreund vielleicht noch einen Tipp wie ich an andere Übersetzungen kommen kann? Vielleicht (bei meinen geringen ital.-Kenntnissen) kommt aber eines der zitierten Übersetzungen dem Rückert-Gedicht doch nahe?

Danke im Voraus den Poesiefreunden -ital-deutsch-ital
#235Verfasserfiluo2 (768913) 18 Apr 12, 11:12
Kommentar
Also, wenn schon keinen besseren Vorschlag, so verdient das Gedicht zumindest eine Rückmeldung. Dieser sehr kenntnisreiche, gebildete Rückert ist gewiss zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten. Hat er doch neben italienischer Poesie auch arabische ins Deutsche übersetzt.
Die vorgestellte Übersetzung finde ich zumindest akzeptabel. Manches würde ich anders sagen, aber ob das dann besser ist die Frage.
#236Verfasserceto (646680) 21 Apr 12, 15:27
Kommentar
sehr gerne mag ich die gedichte von hans winkler.....

zeilen aus - il mio messaggio - die botschaft -

Ci obbliga
solo
la voce
del cuore
e questa vale
senza riserva

oder in deutsch

Wir sind nur
der Stimme
des Herzens
verpflichtet
und diese gilt
ohne Beschränkung.

http://www.poesie-italiane.de/index.html
#237Verfassermoustique (308708) 23 Apr 12, 11:37
Kommentar
Wie wahr, Moustique!
#238VerfasserIbnatulbadia (458048) 23 Apr 12, 12:33
Kommentar
wie schön, dass du mir zustimmst........

ein mini gute n8 gedicht, denn n8 wird es ja immer wieder.....

Der Mond, der auch nicht recht mehr munter,
hüllt sich in Wolken und geht unter.

- Wilhelm Busch -
#239Verfassermoustique (308708) 23 Apr 12, 16:08
Kommentar
........und zum we noch ein zitätchen, einfach weil die sonne scheint und der frühling endlich einzug hält.....

der kuss ist ein schlau erfundenes verfahren,
welches das reden stoppt, wenn worte überflüssig sind.

- oliver herford, 1863 - 1935 -
#240Verfassermoustique (308708) 27 Apr 12, 15:17
Kommentar
Il mare, Giovanni Pascoli
M'affaccio alla finestra, e vedo il mare:
vanno le stelle, tremolano l'onde.
Vedo stelle passare, onde passare:
un guizzo chiama, un palpito risponde.

Ecco sospira l'acqua, alita il vento:
sul mare è apparso un bel ponte d'argento.

Ponte gettato sui laghi sereni,
per chi dunque sei fatto e dove meni?

Erklärungen:
http://it.answers.yahoo.com/question/index?qid=20080212082725AABybrA
#241Verfasservioletta_1 (662324) 28 Apr 12, 17:24
Kommentar
mit all dem geschriebenen aus dem gedicht kann ich mich nicht identifizieren, mit den folgenden zeilen allerdings schon........

Traurigkeit die jeder kennt

http://www.sternenfall.de/Kaestner--Traurigkeit_die_jeder_kennt.html

man weiss, die trauer ist sehr bald behoben.
sie schwand noch jedes mal, so oft sie kam.
mal ist man unten, und mal ist man oben.
die seelen werden immer wieder zahm.

- erich kästner, 1899-1974 -
#242Verfassermoustique (308708) 30 Apr 12, 11:22
Kommentar

Für viele

Wieviel Schönheit ist auf Erden
unscheinbar verstreut;
möchte ich immer mehr des inne werden.
Wieviel Schönheit, die den Taglärm scheut,
in bescheidnen alt und jungen Herzen!
Ist es auch ein Duft von Blumen nur,
macht es holder doch der Erde Flur,
wie ein Lächeln unter vielen Schmerzen.

Melancholie, 1906

Christian Morgenstern (1871 - 1914)




Sehnsucht

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. -

#243VerfasserSchmuckmeier (814719) 30 Apr 12, 22:05
Kommentar
Poesie der besonderen Art - einige Grabsteininschriften.......
sie sind übrigens auf dem Kuriositätenfriedhof in Kramsach in Tirol im Original zu besichtigen........

Allzu früh den Seinigen mähte der Herr
den Lebensstengel dieses Mannes ab.
Axams

Hier liegt begraben mein Weib, Gott sei
Dank, Sie hat ewig mit mir gezankt:
D`rum lieber Erlöser! geh weg von hier,
Sonst steht sie auf und zankt mit dir.
Hall in Tirol

Er starb zum größten Leidwesen seiner
Gemeinde eines seligen Todes.
Grabstein des Pfarrers von Kematen

Hier ruht Michael Wiesner und zwar nur
bis zum Tag der Auferstehung.
Aldrans

Hier liegt Nothburga Stöger.
Sie starb versehen mit den K. u. K. Sterbesakramenten.
Zierl

Hier liegt der Messner Krug Der Kinder, Weib und Orgel schlug.
Wiesing, Tirol

Hier ruhet der ehrsame Johann Missegger,
auf der Hirschjagd durch einen
unvorsichtigen Schuss erschossen,
aus aufrichtiger Freundschaft von seinem
Schwager Anton Steger.
Lavanttal
#244Verfassermoustique (308708) 01 Mai 12, 16:53
Kommentar
Jemanden lieben,
das heisst als einziger ein für die anderen unsichtbares Wunder sehen.

- Francois Mauriac -

Katzen wurden in die Welt gesetzt, um das Dogma zu widerlegen,
alle Dinge seien geschaffen, um den Menschen zu dienen.

PAUL GRAY, BRITISCHER BASSIST
#245Verfassermoustique (308708) 02 Mai 12, 15:21
Kommentar
Oh dieser Abend, welch ein Abend!
Es fließt der Strom so sanft und rein.
O diese Stunden, was für Stunden!
Ich darf mit ihm im selben Boote sein.

- Dschou-Dynastie, 1050-256 v.u.Z., übersetzt v. Richard Wilhelm -
#246Verfassermoustique (308708) 23 Mai 12, 17:07
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danke moustique

mi piaceva tanto...
Giacomo Leopardi
La quiete dopo la tempesta
http://balbruno.altervista.org/index-799.html
#247Verfasservioletta_1 (662324) 23 Mai 12, 17:25
Kommentar
guten abend violetta_1, ein wunderschönes italienisches gedicht, ich kannte es bislang nicht.......hier auch eines das mich immer wieder berührt.....

Wie soll ich meine Seele halten,
daß sie nicht an deine rührt?
Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle,
die nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Aus: Neue Gedichte (1907)
#248Verfassermoustique (308708) 23 Mai 12, 17:32
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.....und dieses eine von pablo neruda, mega kurz und darum ok, so hoffe ich.....

Meine Liebe diene als Flug
Dein ganzes Leben diene als Blau
Ich diene als Vogel
#249Verfassermoustique (308708) 26 Mai 12, 18:07
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Seliges Vergessen

Im Winde fächeln,
Mutter, die Blätter,
Und bei dem Säuseln
Schlummre ich ein.

Über mir schwanken
Und spielen die Winde,
Wiegen so linde
Das Schiff der Gedanken,
Wie wenn ohne Schranken
Der Himmel mir offen,
Daß still wird mein Hoffen
Und Frieden ich finde,
Und bei dem Säuseln
Schlummre ich ein.

Erwachend dann sehe,
Als ob sie mich kränzen,
Rings Blumen ich glänzen,
Und all meine Wehen
Verschweben, vergehen,
Der Traum hält sie nieder,
Und Leben gibt wieder
Das Flüstern der Blätter,
Und bei dem Säuseln
Schlummre ich ein.

Joseph Freiherr von Eichendorff
#250VerfasserSchmuckmeier (814719) 03 Jun 12, 21:03
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http://www.sterneck.net/literatur/poe-dream/index.php
http://www.edgarallanpoe.it/poesie/un-sogno-dentro-un-sogno/
(1849)
Un sogno dentro un sogno
Accetta sulla tua fronte questo mio bacio!
E, allontanandomi da te ora,
permetti ch’io confessi-
non hai torto a pensare
che la mia vita sia stata un sogno;
e sebbene la speranza sia sfumata
in una sola notte, in un sol giorno,
attraverso una visione oppure nel nulla,
non si è certo per questo meno dissolta.
Tutto ciò che vediamo o a cui rassomigliamo
è soltanto un sogno dentro un sogno.

Rimango nello strepitìo
di una sponda aggredita dalla risacca,
trattenendo in mano
granelli di sabbia dorata-
così pochi! E come strisciano
fra le mie dita per riversarsi in mare
mentre piango- sebbene piango!
Oh mio Dio! Non potrei afferrarne qualcuno
con una stretta più forte?
Oh Dio! Non potrei salvarne
uno dalla spietata onda?
Tutto ciò che vediamo o a cui rassomigliamo
è soltanto un sogno dentro un sogno?

EIN TRAUM IM TRAUME

Auf die Stirn nimm diesen Kuß!
Und da ich nun scheiden muß,
Laß mich dir gestehn zum Schluß:
Die ihr wähntet, daß ein Traum
Meine Tage, irrtet kaum.
Wenn die Hoffnung sich zerschlug
- Wann und wo sie auch entflohn,
Ob bei Nacht im Schattenflug,
Ob am Tage, als Vision -
War sie darum weniger Trug?
Was sich uns erfüllt, was nicht,
Ist im Traum ein Traumgesicht.

Wo die Welle, weiß von Gischt,
Um den Brandungsfelsen zischt,
Steh ich, und vom goldnen Sand
Halt ich Körner in der Hand.
Wenige! Doch selbst diese, ach!
Gleiten in die Flut gemach,
Und ich weine ihnen nach.
O Gott! wie halt ich sie in Haft,
Daß nicht alle mir entrafft!
O Gott! Kann ich nicht eins der Flut
Entziehn in meine sich´re Hut?
Ist alles, was wir kaum
Zu eigen nannten, Traum im Traum?


A DREAM WITHIN A DREAM

Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow-
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand-
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?

(1827; Übersetztung: Hedda Moeller-Bruck und Hedwig Lachmann, 1914.)
#251Verfasservioletta_1 (662324) 04 Jun 12, 18:40
Kommentar
amor che muove il sole e le altre stelle......

in deutsch: die liebe bewegt die sonne und die anderen sterne....

- ........gelesen -
#252Verfassermoustique (308708) 04 Jun 12, 19:02
Kommentar

Ich wusste bislang nicht, dass E.E.Poe ein so gutes Gedicht gemacht hat. Im Italienischen aber fast besser als auf Englisch, denke ich.
#253Verfasserceto (646680) 05 Jun 12, 09:01
Kommentar
es freut mich, dass es Dir gefällt.. ich kenne nicht sehr viele Gedichte.. aber manchmal stosse ich auf eines....
übrigens: Neue Gedichte von moustique.. hat mir sehr gut gefallen...
#254Verfasservioletta_1 (662324) 05 Jun 12, 13:54
Kommentar
C'era una volta....

D O R T M U N D

von HERMANN LÖNS
Schwarzgrün war der dürren Gebüsche Laub
Und schwarz war der Himmel bezogen,
Ein schwarzer, wildwirbelnder Kohlenstaub
Kam über die Felder geflogen.

Die Sonne ging aus und es nahte die Nacht,
Es glühten mit flackerndem Brande
Die Hochöfenfeuer in magischer Pracht
Irrlichternd am Himmelsrande.

Ich ging an den schwarzen Fabriken einher,
Dampfschnauben erklang durch die Fenster,
Aus den Schornsteinen wälzten sich wuchtig und schwer
Des Rauches verworr'ne Gespenster.

Es flog auf das Herz mir der häßliche Staub,
Und es schrumpften die Hoffnungsgrünblätter,
Die Ideale – der Altklugheit Raub,
Zertrümmerte Griechenlandsgötter.

Ich genoß den berauschenden, brennenden Trank,
Den fressenden Weltschmerzfusel,
Ich trank mich elend und schwelgte mich krank
Im lebenvergiftenden Dusel.

Am Bahnhof, im kribbelnden Menschengewühl,
Im Donnern und Schnauben und Pfeifen,
Da fühlt' ich ein schluchzendes Stöhnen mir kühl
An die trauernde Seele greifen.

An die Mauer gelehnt ein Mädchen dort stand
Im schwarzen, schlechtsitzenden Kleide,
Das blasse Gesicht in der kräftigen Hand:
»Was tat man dir, Mädchen, zuleide?«

Und schüchtern, wie Ostwind das Röhricht durchzieht,
So erzählte sie schluchzend und leise
Ein uraltschön Proletarierlied
In modern komponierter Weise:

»Unsern Vater, den brachten sie neulich nach Haus,
Vom Rade in Stücke gerissen,
Da ging unsrer Mutter die Lebenskraft aus,
Es hat sie aufs Bett hingeschmissen.

Und der Fritz, mein Bruder, wie'n wildes Tier« –
Ihre Lippen zuckend sich schlossen,
»Den haben die Hunde vorgestern hier
Beim Streikkrawalle erschossen.

Sechs kleine Geschwister, die hungern zu Haus,
Und ich hab' kein Geld für die Reise«
Ihr Kopf sank herab – das Epos war aus –
Sie weinte bitter und leise.

Ich gab ihr das Geld in die schwielige Hand,
Nie werd' ich ihr Lächeln vergessen,
Sie hielt meine Finger festklammernd umspannt
Mit ungläubigdankbarem Pressen.

Fort dampfte der keuchende, jappende Zug
Mit Donnern und Blitzen und Rasen,
Der Weltschmerzgedanken verschrobener Flug
Zerstob wie vom Sturme zerblasen.

Ich sah den verglimmenden Glutaugen nach,
Belächelnd mein trauriges Herzlein –
Was war gegen Jammer von diesem Schlag
Mein rührend Poeten-Schmerzlein?

Münster, September 1890
#255VerfasserSchmuckmeier (814719) 10 Jun 12, 20:34
Kommentar
#254: dann freut es mich auch violetta_1.......

auch eine besonders schöne Erinnerung

Es wecket meine Liebe
Die Lieder immer wieder!
Es wecken meine Lieder
Die Liebe immer wieder!
Die Lippen, die da träumen
Von deinen heißen Küssen,
In Sang und Liedesweisen
Von dir sie tönen müssen!
Und wollen die Gedanken
Der Liebe sich entschlagen,
So kommen meine Lieder
Zu mir mit Liebesklagen!
So halten mich in Banden
Die Beiden immer wieder!
Es weckt das Lied die Liebe!
Die Liebe weckt die Lieder!

(Vertont von Gustav Mahler)
Richard von Volkmann, (1830 - 1889)
#256Verfassermoustique (308708) 11 Jun 12, 11:50
Kommentar


Leuchtende Tage.
Nicht weinen, dass sie vorüber.
Lächeln, dass sie gewesen!

Konfuzius
#257VerfasserSchmuckmeier (814719) 12 Jun 12, 20:29
Kommentar
Glück ist wie Blütenduft

Glück ist wie Blütenduft,
der dir vorüber fliegt ...
Du ahnest dunkel Ungeheures,
dem keine Worte dienen -
schließest die Augen,
wirfst das Haupt zurück -
und, ach!
vorüber ist's.

(Christian Morgenstern, 1871-1914)
#258Verfassermoustique (308708) 15 Jun 12, 22:30
Kommentar
Il bene, la felicità, la fortuna..
dovrebbe essere un stato d'animo che duri per sempre :-))
Ich musste mal schauen, wie Glück definiert ist..
In den Gedichten ist es meist von kurzer Dauer..
http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck

http://www.youtube.com/watch?v=_Av6uHPnfKM LA FELICITA'.... letta da Fabio Volo
"piccoli scintilli allo stomaco"... proprio ben'detto
#259Verfasservioletta_1 (662324) 16 Jun 12, 08:41
Kommentar
# 259

Glück ist von überaus kurzer Dauer sagen die Glücks-Experten, und ich glaube sie haben Recht. Etwas völlig anderes ist es mit der Erinnerung an Glück. Sie hält ein Leben lang. Wieder etwas Anderes hat es mit der Erinnerung an (vermeintlich?) lange Glücksperioden im Leben auf sich: sie werden vielfach, während sie dauern, nicht als solche wahrgenommen und überhaupt erst in der Rückschau erkannt.
#260Verfasserceto (646680) 16 Jun 12, 18:35
Kommentar
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

(J. W. von Goethe, 1749-1832)
#261Verfassermoustique (308708) 17 Jun 12, 19:41
Kommentar
@ 260 ceto: Ich gebe dir recht...


„Poesie ist die große Kunst der Konstruktion der transzendentalen Gesundheit. Der Poet ist also der transzendentale Arzt.“

„Man sucht mit der Poesie, die gleichsam nur das mechanische Instrument dazu ist, innre Stimmungen, und Gemälde oder Anschauungen hervorzubringen – vielleicht auch geistige Tänze etc.“

„Poesie = Gemüterregungskunst.“

http://www.lyrik.ch/lyrik/spur3/novalis/novalis1.htm

Novalis - Inno alla Notte

Quale vivente,
dotato di sensi,
non ama tra tutte
le meravigliose parvenze
dello spazio che ampiamente lo circonda,
la più gioiosa, la luce
coi suoi colori,
coi raggi e con le onde;
la sua soave onnipresenza
di giorno che risveglia?
Come la più profonda
anima della vita
la respira il mondo gigantesco
delle insonni costellazioni,
e nel suo flutto azzurro
nuota danzando -
la respira la pietra scintillante,
che posa in eterno,
la pianta sensitiva che risucchia,
l'animale multiforme,
selvaggio e ardente -
ma più di tutti
il maestoso viandante
con gli occhi pieni di profondi sensi,
col passo leggero, e con le labbra
ricche di suoni
dolcemente socchiuse.
Quale regina
della natura terrestre
chiama ogni forza
a mutamenti innumerevoli,
annoda e scioglie vincoli infiniti,
avvolge ogni essere terrestre
con la sua immagine celeste. -
La sua sola presenza manifesta
il meraviglioso splendore
dei reami del mondo.


Da lei mi distolgo e mi volgo
verso la sacra, ineffabile
misteriosa notte.
Lontano giace il mondo -
perso in un abisso profondo -
la sua dimora è squallida e deserta.
Malinconia profonda
fa vibrare le corde del mio petto.
Voglio precipitare
in gocce di rugiada
e mescolarmi con la cenere. -
Lontananze della memoria,
desideri di gioventù,
sogni dell'infanzia,
brevi gioie e vane speranze
di tutta la lunga vita
vengono in vesti grigie,
come nebbie della sera
quando il sole è tramontato.
In altri spazi
piantò la luce le festose tende.
Mai più ritornerà
ai suoi figli che l'attendono
con fede d'innocenti?
Che cosa a un tratto zampilla
grondante di presagi
sotto il cuore
e inghiottisce la molle brezza
della malinconia?

Da noi derivi a tua volta piacere,
o buia notte?
Quale cosa tu porti sotto il manto
che con forza invisibile
mi penetra nell'anima?
Delizioso balsamo
stilla dalla tua mano,
dal mazzo di papaveri.
Le gravi ali dell'anima tu innalzi.
Noi ci sentiamo oscuramente
e ineffabilmente turbati -
con gioioso spavento
vedo un volto severo
che su di me si china
dolce e devoto,
e svela tra i riccioli
senza fine intrecciati
la cara giovinezza della madre.
Come infantile e povera
mi sembra ora la luce -
come grato e benedetto
l'addio del giorno -
Solo perché la notte distoglie
e allontana da te i tuoi fedeli,
tu seminasti per gli spazi immensi
le sfere luminose, ad annunziare
l'onnipotenza tua -
il tuo ritorno -
nel tempo della tua lontananza.
Più divini
delle stelle scintillanti
ci sembrano gli occhi infiniti
che in noi la notte dischiude.
Vedono oltre
le più pallide gemme
di quelle schiere innumerevoli -
non bisognosi di luce
frugano nel profondo
di un'anima amante -
voluttà ineffabile
colma uno spazio più alto.
Lode alla regina del mondo,
alta annunziatrice
di mondi santi,
custode del beato amore,
che a me ti manda -
tenera amata -
amabile sole notturno, -
ed ora veglio -
sono Tuo e Mio -
la notte mi annunziasti come vita -
mi hai fatto uomo -
consuma con l'ardore
dell'anima il mio corpo,
perché lieve nell'aria
con te più strettamente io mi congiunga
e duri eterna
la notte nuziale.

Novalis
Hymnen an die Nacht



Von den "Hymmen an die Nacht" sind zwei Fassungen überliefert: eine mehrfach überarbeitete Handschrift in freien Versen und die Fassung in rhythmischer Prosa, die erstmals 1800 in der von August Wilhelm und Friedrich Schlegel herausgegebenen Zeitschrift "Athenäum" veröffentlicht wurde.

Literarisches Vorbild der Hymnen ist das Gedicht "The Complaint, or Night-Thoughts on Life, Death and Immortality" (dt. "Klagen oder Nachtgedanken über Leben, Tod und Unsterblichkeit") von Edward Young (1683-1765), ein Werk in elegischen Versen, das auf fast die gesamte europäische Romantik gewirkt hat.

Entscheidender Anlaß für diese Dichtung ist jedoch die tiefe Erschütterung über den frühen Tod seiner Braut Sophie von Kühn. Der persönliche Schmerz findet in den Hymnen einen tiefpoetischen Ausdruck. Im Symbol der Nacht sucht Novalis die eigentlich "menschliche Zeit", Liebesleid wird zur christlich-romantischen Todessehnsucht, die dem Leben und dem Diesseits entgegengestellt wird. Es sind im ganzen sechs sich steigernde Hymnen, die aber gleichzeitig eine Abwendung von der aufklärerischen Mission der Poesie sind.

„Poesie ist Darstellung des Gemüts – der innern Welt in ihrer Gesamtheit.“
von Novalis...
#262Verfasservioletta_1 (662324) 20 Jun 12, 12:53
Kommentar

Zu Recht sagt man über Witze, in der Kürze liegt ihre Würze.
Für mich gilt das leider auch mit Blick auf Gedichte. Nur selten habe ich die Geduld, lange Episteln zu Ende zu lesen. Mein Fehler, Violetta, ich gebe es zu.
#263Verfasserceto (646680) 21 Jun 12, 17:21
Kommentar
ahaha, ceto.. es hat mir eben gefallen :-)
zum Glück habe ich nicht den Ring der Nibelungen genommen :-))))
#264Verfasservioletta_1 (662324) 21 Jun 12, 17:57
Kommentar

Quello che il bruco chiama fine del mondo,
il resto del mondo chiama farfalla.
LAO-TZE
#265Verfasserceto (646680) 22 Jun 12, 16:26
Kommentar
Blauer Schmetterling

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse

http://www.searchcanvas.com/images?sid=66&q=Schmetterlinge+In+Mitteleuropa+






#266VerfasserSchmuckmeier (814719) 22 Jun 12, 20:52
Kommentar
Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling.
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu.

(Hans Christian Andersen)
#267Verfassermoustique (308708) 24 Jun 12, 20:46
Kommentar
Du hast mich beiseite gestellt, abgeschoben, angelogen,
mich dumm dargestellt und im Stich gelassen....
es interessierte dich nicht denn all das war nur banal
aber für mich beinhaltete es oft Qual.

(.....anonym)

Geschichte ist nichts anderes als die Unfallchronik der Menschheit.

(Charles Maurice de Talleyrand)
#268Verfassermoustique (308708) 02 Jul 12, 08:13
Kommentar
Geschichte: wie wahr sind die Darstellungen. Sicher, die großen Ereignisse stimmen wohl. Mein Mann beschäftigt sich intensiv mit noch nicht lange verganger Geschichte einer besonderen Sparte. Immer wieder stellt man fest, dass Geschichte nach ganz persönlichen Vorstellungen interpretiert wird. Je nach Akzeptanz wird selbst erlebte Geschichte längst nicht immer der ' gefühlten' vorgezogen. Das macht mich bis zu einem bestimmten Grad skeptisch gegenüber geschichtlichen Darstellungen.


Was nützt`s, daß du die Schlacht gewinnst, wenn du am Vortage den Geschichtsschreiber beleidigt hast

gefunden in :

http://www.geschichtsforum.de/f7/gedichte-zur-geschichte-3464/

#269VerfasserSchmuckmeier (814719) 02 Jul 12, 19:43
Kommentar
Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit.
Schade, dass sie leicht und leer ist,
denn ich wollte lieber Klarheit
über das, was voll und schwer ist.

Wilhelm Busch, Spruchweisheiten & Gedichte
#270Verfassermoustique (308708) 05 Jul 12, 15:10
Kommentar
Dieser Mann wird in seiner Qualität deutlich unterschätzt, wie man auch seinen leider viel zu wenigen Ölbildern entnehmen kann. Sie sind von einer frappierenden Einfachheit, aber auch Eindringlichkeit, wie das von Dir zitierte Gedicht eben. Ich habe den Verdacht, er war nur zu faul, um mehr davon zu machen.
#271Verfasserceto (646680) 05 Jul 12, 17:07
Kommentar
Vielleicht ceto:-)), wer weiss........
#272Verfassermoustique (308708) 05 Jul 12, 17:59
Kommentar
Mittlerweile ist schon so viel Gras über viele Dinge gewachsen,
dass man keiner Wiese mehr trauen kann.

[John Ment]

..........ich habe schlechte Laune heute!
#273Verfassermoustique (308708) 06 Jul 12, 10:10
Kommentar
das tut mir leid ! Laß einfach Gras darüber wachsen !
#274VerfasserPotzig (623105) 06 Jul 12, 10:12
Kommentar
;-), das dauert so seine Zeit mit dem drüber wachsen und ja, mir tut es auch leid aber ich denke an einen Regenbogen, symbolisch gesehen etwa im Stil von....

Wer einen Regenbogen haben will,
muss den Regen akzeptieren

(Dolly Parton)
#275Verfassermoustique (308708) 06 Jul 12, 10:27
Kommentar
# 274 :
Beiß in's Gras, dann liegst du drunter,
aber :wie wird man dann wieder munter ?
Daher lechze nicht zu sehr nach Gras,
gedulde dich und trink' manch' Glas.
#276Verfassersurmsekl (734382) 06 Jul 12, 11:29
Kommentar
Im Prinzip richtig, Surmsekl , aber immer hilft saufen auch nicht. Da ist die Regenbogenmethode eine echte Alternative.Finde ich sehr ansprechend, moustique.
#277VerfasserPotzig (623105) 06 Jul 12, 11:38
Kommentar
# 271 : Er war sicher nicht zu faul, er hatte kein leichtes Leben, war früh an Typhus erkrankt,mußte sein Studium abbrechen,fand in keine Partnerschaft,wurde von seiner Schwester und ihrer Familie betreut,war introvertiert, fiel öffentlich sogar durch Alkoholismus auf .........

Mich erinnert das an die Biographien von berühmten Clowns, die im Privatleben sehr tiefsinnig und ernst, fast kontaktscheu waren !

#278Verfassersurmsekl (734382) 06 Jul 12, 11:53
Kommentar
Wiedensahl ist eine Reise wert! Wesertal, Steinhuder Meer, Kloster Loccum usw. Nienburg und Bremen. Eine besinnliche Landschaft, die man im Sommer mit gutem Wetter bereisen sollte.

Ein hübsches kleines Bild von W.B. hängt bei uns an der Wand. Ich liebe diese Sommerlandschaft.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch
#279VerfasserSchmuckmeier (814719) 06 Jul 12, 18:56
Kommentar
Der Schmerz ist der grosse Lehrer der Menschen.
Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen.

(Marie von Ebner-Eschenbach)
#280Verfassermoustique (308708) 12 Jul 12, 09:28
Kommentar
Klingt gut, aber ich widerspreche ! Diese Art von Trost hat mir noch nie gefallen.
Mit der gleichen Geisteshaltung versuchten religiöse Fanatiker durch Geiselung Gott näher zu kommen.
#281VerfasserPotzig (623105) 12 Jul 12, 09:51
Kommentar
Nun, mir gefällt sie auch nicht aber manchmal muss man ihn (Schmerz) ertragen, ohne dass man gefragt wurde ob man es auch will und damit meine ich nicht Fanatismus im religiösen Sinne sondern puren Schmerz........
#282Verfassermoustique (308708) 12 Jul 12, 10:04
Kommentar
Schon richtig, aber mich lehrt dieser Schmerz nicht, meine Seele zu entfalten.Vielleicht verändert sich durch den Schmerz meine Einstellung zu mir selbst und zu meiner Umwelt - vielleicht, aber eine Entfaltung der Seele ?
#283VerfasserPotzig (623105) 12 Jul 12, 10:15
Kommentar
Für mich sind die Gefühle und das Geistige gemeint. In diesem "erweiterten" Sinne ist es etwa gleichwertig mit "Psyche" und durch diese bewusste Auseinandersetzung mit mir selbst verändere ich mich auch, meine Einstellung, meine Ansicht usw.......Andere, vor allem Philosophen oder auch stark religiöse Menschen würden das vermutlich anders sehen denn sie verstehen auch unter dem Wort "Seele" etwas anderes aber dazu äussere ich mich nicht.....
#284Verfassermoustique (308708) 12 Jul 12, 11:18
Kommentar
D'accord !
#285VerfasserPotzig (623105) 12 Jul 12, 11:42
Kommentar
Bei manchen Gedichten muss ich tief durchatmen, weil ich den Scherz spüren kann.....
#286Verfasservioletta_1 (662324) 12 Jul 12, 14:20
Kommentar
Bei welchen, bitte ein Beispiel?
#287Verfassermoustique (308708) 12 Jul 12, 14:27
Kommentar
mmmh, es gibt schon einige.. auch im älteren Faden..
z.B. 66, 105, 115, 119, 155
warum? Ich kann mich allerdings nicht sehr gut mir Worten ausdrücken.. ich würde Musik vorziehen:
Chopin - Valentina Igoshina - Nocturne in C Minor, http://www.youtube.com/watch?v=-MzrAGZHDvo
#288Verfasservioletta_1 (662324) 12 Jul 12, 15:01
Kommentar
Violetta, du meintest sicher Schmerz ? Hat hier Freud seine Hände im Spiel ?
#289VerfasserPotzig (623105) 12 Jul 12, 15:14
Kommentar
@ Violetta_1/#288: Jetzt hast Du mich verstanden.........Wunderschöne Musik übrigens
#290Verfassermoustique (308708) 12 Jul 12, 16:30
Kommentar
:-), weiss ich ....
c-moll ist eine meiner Lieblingstonarten.. und diese Nocturne entstand, weil Chopin während einem Gewitter in einer Kirche in Paris zuflucht suchte.. da entstand sie....

Philip Glass, The poet acts, http://www.youtube.com/watch?v=cjtjwsgYqPY
für die Poeten hier... gegensätzlicher könnte Musik nicht sein... trotzdem.. wunderschön

mmh, zum Glück habe ich keinen schwerwiegenderen Tippfehler begannen, Potzig :-)
Die, welche mir manchmal beim Lesen passieren... wenigstens kann ich dann Lachen:-)
#291Verfasservioletta_1 (662324) 12 Jul 12, 16:48
Kommentar
Eine mögliche Antwort in Worten zu Philip Glass Violetta_1......

Träume sind Brücken zwischen Himmel und Erde.

(Andreas Tenzer)
#292Verfassermoustique (308708) 13 Jul 12, 09:41
Kommentar
ja... das denke ich auch...übrigens: wunderschön gesagt...

oder die Brücke zwischen dem Unterbewusstsein und dem Bewusstsein... aber:
a volte i sogni non bastano per accontentare né l'anima né i desideri
#293Verfasservioletta_1 (662324) 13 Jul 12, 10:13
Kommentar
Es wird immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.

(Hermann Hesse)

....manchmal findet man aber die Worte auch nicht um etwas auszusprechen oder
man wagt etwas nicht auszusprechen.....
#294Verfassermoustique (308708) 14 Jul 12, 11:21
Kommentar
ja, wenigstens für mich - stimmt das...

Dein Lachen

Nimm mir das Brot weg, wenn Du es willst,
nimm mir die Luft weg, aber lass mir dein Lachen.
Lass mir die Rosenblüte, der Spritzstrahl, den du versprühst,
dieses Wasser, das plötzlich aufschiesst in deiner Freude, .
die jähe Pflanzenwoge, in der du selbst zur Welt kommst.

Mein Kampf ist hart, und manchmal komme ich heim
mit müden Augen, weil ich die Welt gesehn, die sich ändert,
doch kaum trete ich ein,
steigt dein Lachen zum Himmel, sucht nach mir
und erschliesst mir alle Türen des Lebens.

Meine Liebe, auch in der dunkelsten Stunde
lass dein Lachen aufsprühn,
und siehst du plötzlich
mein Blut als Pfütze auf den Steinen der Strasse,
so lache,
denn dein Lachen wird meinen Händen wie ein
frisch erglänzendes Schwert sein.

Und am herbstlichen Meer soll deines Lachens Sturzflut
gischend himmelwärts steigen, und im Frühling, du Liebe,
wünsche ich mir dein Lachen als Blüte, lang erwartet,
blaue Blume, die Rose meines klingenden Landes.

Lache über die Nacht,
über den Tag,
den Mond,
lache über die krummen Gassen unserer Insel,
lache über den Burschen, den Tolpatsch, der dich liebt,

aber wenn ich die Augen öffne, wenn ich sie schliesse,
wenn meine Schritte fortgehn,
wenn sie dann wiederkommen,

nimm mir das Brot,
die Luft,
nimm mir das Licht, den Frühling,

aber niemals dein Lachen,
denn sonst würde ich sterben

Pablo Neruda
#295Verfasservioletta_1 (662324) 14 Jul 12, 16:18
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wirklich sehr schön. Und wahr.
#296Verfasserceto (646680) 14 Jul 12, 17:22
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Was für ein wunderschönes Gedicht, es sind tiefgründige Worte und du bist sehr hellhörig......Neruda wohnte ja in der "Casa de las Flores" als er Konsul in Madrid war und kämpfte gegen Faschismus.....Es gefällt bestimmt nicht nur mir sehr, merci dafür......

Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurch finden zu den großen Gedanken, die einen stärken.

(Dietrich Bonhoeffer)
#297Verfassermoustique (308708) 14 Jul 12, 17:32
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Das (Wohnsitz von Neruda) wusste ich nicht... zu scheinst sehr belesen zu sein...und auch sehr sensibel...
#298Verfasservioletta_1 (662324) 14 Jul 12, 19:26
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:-).....zitiert aus einem anderen Gedicht von Pablo Neruda....

Mariposa de sueño, te pareces a mi alma,
y te pareces a la palabra melancolía.......

in etwa, ich bin kein Poet.....

Falter wie aus Träumen erscheinst du in meiner Seele
und erscheinst wie das Wort Melancholie......
#299Verfassermoustique (308708) 15 Jul 12, 11:16
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Schmetterling
wie wunderschön poetisch gesagt... eines meiner "Lieblingstiere"

Nach Aeppli Gleichnis einer eigenen seelischen Wandlung, die sich folgerichtig aus der Entwicklung eines Schmetterlings (Ei, Raupe, Puppe) ergibt. Die Griechen stellten die Psyche, den Lebenshauch oder die Seele, als zartes Mädchen mit Schmetterlingsflügeln dar (sie galt übrigens als Geliebte des Eros). Nicht nur in Griechenland, sondern auch bei vielen primitiven Völkern, gilt er als Symbol für die Seele.
aus: http://www.traumdeuter.ch/texte/8114.htm
Melanchonie hört sich für mich so an:

Bolet - Chopin Nocturne Op. 55 No. 1
http://www.youtube.com/watch?v=B2yoZQCLoSY
#300Verfasservioletta_1 (662324) 15 Jul 12, 13:12
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