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leo-ende

Topicfachfremde Übersetzer175 replies    
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Meine ich das nur oder gibt es immer mehr Übersetzer, die keine Ahnung von dem Fachgebiet haben, das sie übersetzen?

Immer wieder sehe ich Anfragen, bei denen die Anfragenden sagen: "Ich weiß nicht, was es bedeutet, ich muss es nur übersetzen..."

Ist das ein allgemeiner Trend bei Fachübersetzungen, jemanden zu nehmen, der das Fachgebiet nicht kennt oder war das schon immer so?
Authormordnilap (835133) 07 Feb 12, 18:25
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Wenn es darum ging, eine Übersetzung billig zu bekommen, war das schon immer so ...
#1AuthorDr. Dark (658186) 07 Feb 12, 18:31
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Es ist wohl auch eher ein Trend, gar keine Übersetzer zu nehmen, sondern es einem Mitarbeiter auf den Schreibtisch zu werfen, der gerade Zeit hat. Es sind ja nicht nur Fachbegriffe, sondern auch oft einfach Sätze, die sinnfrei oder unklar sind. Wenn mir so etwas nicht klar ist, frage ich nach, das ist Teil dessen, wie ich meinen Job verstehe, und auch in den allgemeinen Aufwand einkalkuliert, aber wenn ich eigentlich Buchhalter wäre und gegen meinen Willen dazu verdonnert würde, würde ich mir vermutlich auch nicht viel Mühe geben.
#2AuthorGibson (418762) 07 Feb 12, 18:40
Comment
Bin keine Übersetzerin, aber ich meine, dass ein Teil des Problems auch die fortschreitende Ausdifferenzierung der Fachgebiete ist.
Etwa: Fachgebiet Biologie. Der Übersetzer mit guter Erfahrung in Botanik und Ornithologie wird sich mit Fachtexten aus der Biochemie oder der Neurobiologie sehr schwertun.
Da kann man u.U. Bahnhof verstehen.
Ebenso in der Medizin, der Technik, der Chemie ... zumal hier viel passiert und Einflüsse interdisziplinär erfolgen.
Sehr anspruchsvoll, dieser Beruf; meine Hochachtung haben gerade die, die sich permanent sprachlich/wissenschaftlich auf dem Laufenden halten.
#3AuthorBraunbärin (757733) 07 Feb 12, 19:14
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Ich glaube auch nicht, dass es sich hier um einen neuen Trend handelt- man bekommt es nur vielleicht stärker mit, dadurch, dass man zunehmend Anfragen von solchen Übersetzern im Internet findet...

#4AuthorRichard (236495) 07 Feb 12, 19:30
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Ja, es ist ein Trend. Ich bekomme oft Anfragen von Leuten, die einfach keine fachlich qualifizierten Übersetzer für ihren Bereich finden können - oder wenn sie so qualifiziert sind, dass sie den Quelltext verstehen, dann sind sie in der Zielsprache nicht stil- und grammatiksicher genug - und wenn sie beides beherrschen, dann wissen sie auch, was sie dadurch wert sind, aber dann winkt die kaufmännische Abteilung des Auftraggebers ab. Mir ist es schon des öfteren passiert, dass ich einen Auftrag abgelehnt habe mit dem Hinweis, dass ich für diesen Bereich nicht kompetent sei, und dann kam es in weinerlichem Tonfall: "Es muss doch auch gar nicht hieb- und stichfest sein, es ist ja nur für den internen Gebrauch." Nach dem Motto: Unseren Mitarbeitern können wir jeden Billigschrott zumuten.
#5AuthorRestitutus (765254) 07 Feb 12, 19:40
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I totally agree, Restitutus

I have an ex-colleague, an excellent freelance translator who has worked in the industry for years. He is not cheap, but way cheaper than an agency would be. A while back he did a job for a company (direct client). They were very happy with his work, but he never heard from them again. When he followed up, he was told - we don't really need such good quality (ie, cheaper is better - garbage in, garbage out)
#6AuthorRES-can (330291) 07 Feb 12, 20:30
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Ich kriege keine fachfremden Übersetzungen, weil ich einen fachspezifischen Preis berechne- wer keine spezialisierte Übersetzung braucht, zahlt das nicht.

Zum Thema Preise: http://www.linkedin.com/share?viewLink=&sid=s873540791&url=http%3A%2F%2Fpierrefu...
#7AuthorRichard (236495) 07 Feb 12, 20:33
Comment
#6: he was told - we don't really need such good quality

LOL!
#8AuthorKinkyAfro (587241) 07 Feb 12, 21:14
Comment
@7 love it
I think some people unfortunately really have a problem with saying no for fear that they will lose clients, but I'd rather lose a client than face hassle or worse when they find out that I have no idea of micro-biology and that my translation is a load of crap (apart from all the sentences I got the nice people at LEO to translate for me!!!!!).
Like Richard I quote exorbitant rates for areas I'm not really sure about (because of all the additional research I would have to do) and therefore don't get the work (which is the point of the exercise, I'd rather not have the work because it would be very time-consuming, if I do get the contract at least it's financially worth it, but I still wouldn't accept anything that I know nothing about NOR translations into German or any language apart from my native language (unlike some other people here unfortunately).
#9AuthorConfused GB (268858) 08 Feb 12, 08:36
Comment
we don't really need such good quality

Das habe ich auch schon zu hören bekommen.
#10Authorpenguin (236245) 08 Feb 12, 08:45
Comment
Das ist nicht nur ein Übersetzer-Problem. "Das können wir uns nicht leisten" ist auch in meinem Beruf ein vielgehörter Ausruf. Meinetwegen, dann sparen sie mal eben 500 Eu, um einen draufschauen zu lassen, der was davon versteht, und hinterher kostet sie die Chose dann 20.000 Eu, weil's scheiße geworden ist.
#11AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 08 Feb 12, 08:48
Comment
When I used to teach, I drew a diagram on the blackboard:

Language #1 -> world -> Language #2 Good
Language #1 -> Language #2 Bad

I.e. until you've understood L1, you can't translate into L2.

I once edited a translation of a book on Impressionism in which, in the first paragraph, the translator had rendered 'im Freien' as 'in freedom', thus showing that he knew nothing about Impressionism and couldn't really speak German. The thing about this is that if he had known about Impressionism, that would have been more important, because it would have taught him a new German expression.
#12Authorescoville (237761) 08 Feb 12, 08:50
Comment
Nr. 11: OK, es kostet sie 20000 €, aber die Verantwortung dafür hat dann ein anderer. Und darauf kommt es an.

NOR translations into German or any language apart from my native language (unlike some other people here unfortunately).


Beifälliges Kopfnicken. Aber wer eine Familie zu ernähren hat, muss sich auch nach der Decke strecken. Wie gesagt: Es ist ja nur für den internen Gebrauch - außerdem ist der Quelltext sowieso schon "irgendwie" eine Ausgeburt des PISA-Schocks, also warum sollte der Zieltext "irgendwie" besser sein müssen?
#13AuthorRestitutus (765254) 08 Feb 12, 09:02
Comment
Just this morning I got an email from someone claiming to have "experience in all areas"- a bold claim.

However, this was somewhat qualified on their website, where they merely claimed: "22 years of experience in all the areas except literature, old English and idioms."...


#14AuthorRichard (236495) 08 Feb 12, 09:34
Comment
@14:

Well, "experience" doesn't really say anything about quality, does it?

It just means they have dabbled in "all areas" - some of these experiences may actually have been quite disastrous ...



Es kann sich halt hierzulande jeder nach Belieben "Übersetzer(in)" nennen - ungeachtet jeglicher Qualifikation und Erfahrung.

Außerdem herrscht noch immer vielerorts die Ansicht, übersetzen könne prinzipiell jeder, der die betreffende Sprache mal gelernt hat und (im Idealfall) irgendein Wörterbuch besitzt - man müsse ja schließlich immer nur ein Wort der Sprache A durch das entsprechende Wort der Sprache B ersetzen ...
#15AuthorWoody 1 (455616) 08 Feb 12, 10:07
Comment
Ach Woody,

Man braucht schon den professionellen Übersetzer, mit Übersetzersoftware. Der kann dann nämlich einfach auf den "Übersetzen"Knopf drücken und fertig ist die Übersetzung...
#16AuthorRichard (236495) 08 Feb 12, 10:12
Comment
Bin keine Übersetzerin, aber ich meine, dass ein Teil des Problems auch die fortschreitende Ausdifferenzierung der Fachgebiete ist.
Etwa: Fachgebiet Biologie. Der Übersetzer mit guter Erfahrung in Botanik und Ornithologie wird sich mit Fachtexten aus der Biochemie oder der Neurobiologie sehr schwertun.
Da kann man u.U. Bahnhof verstehen.
Ebenso in der Medizin, der Technik, der Chemie ... zumal hier viel passiert und Einflüsse interdisziplinär erfolgen


Ich bin auch keine ausgebildete Übersetzerin, habe aber während meiner Promotionszeit nebenher für eine einigermaßen renommierte chemische Fachzeitschrift Veröffentlichungen ins Englische übersetzt. Nach Ausführung einer Probeübersetzung wurde ich in den Pool der freien Übersetzer übernommen und durfte dazu auch einen Fragebogen ausfüllen. Unter anderem wurde abgefragt, welche Teilgebiete man abdecken könne, ich habe dann z.B. Organische chemie, Biochemie, Metallorganik angekreuzt, Spektroskopie, Physikalische Chemie oder Theoretische Chemie dagegen nicht (kann auch sein, dass die Gebiete in der Abfrage feiner ausdifferenziert waren, ist schon einige Jahre her). Und dann bekam ich auch nur Texte aus diesen Bereichen zum Übersetzen. Hätte ich mich nach der Uni dafür entschieden, das zu meinem Beruf zu machen, wäre es hoffentlich dabei geblieben, dass ich nur in bestimmten Teilbereichen meines Fachs übersetzerisch tätig werde.

Vermutlich wäre ich als Chemikerin schon in der Lage, auch Fachtexte aus anderen Teilbereichen zufriedenstellend zu übersetzen, vielleicht sogar aus verwandten Fächern wie Pharmazie, Biologie oder Physik (bei letzterem aber sicher nur Schulbücher, populärwissenschaftliche Texte u.ä.), es wäre aber mit Sicherheit mit einem höheren Zeitaufwand verbunden, so dass das entweder zu teuer für den Auftraggeber oder zu unrentabel für mich wäre...

Ich staune aber auch darüber, wie viele Anfragen hier von offensichtlich überforderten Übersetzern kommen - entweder bezüglich des Fachgebiets oder weil sie in eine Zielsprache übersetzen, die sie zwar ganz ordentlich beherrschen, aber mehr eben auch nicht.
Manche dieser Anfragen sind sicher der Tatsache geschuldet, dass entweder der Doktorvater meint, die Veröffentlichung müsse in einer englischsprachigen Fachzeitschrift erfolgen, so dass der Student (der gerade in naturwissenschaftlich-technischen Fächern vielleicht nicht so sehr durch besondere Sprachbegabung auffällt) als Übersetzer tätig werden muss, oder aber der Chef seinem Mitarbeiter einen Text zuwirft, nach dem Motto "Sie waren doch mal in den USA, dann haben Sie wohl Englisch drauf, das bräuchte ich bis 16 Uhr..." Diese "Übersetzer", die eigentlich keine sind, dürfen sicher mit größerer Hilfsbereitschaft rechnen als diejenigen Fragenden, die damit tatsächlich ihre Brötchen verdienen, weil sie eben alles übersetzen, was ihnen vor die Flinte kommt, auch wenn sie überhaupt keine Ahnung haben. Vielleicht bin ich zu perfektionistisch, aber ich würde mich als Übersetzer dermaßen unwohl fühlen, wenn ich wüsste, dass ich das eigentlich nicht drauf habe, dass ich das lieber bleiben ließe.
#17AuthorDragon (238202) 08 Feb 12, 10:14
Comment
weil sie eben alles übersetzen, was ihnen vor die Flinte kommt, auch wenn sie überhaupt keine Ahnung haben

Und weil genau das viel zu oft passiert, weil sich manche Übersetzer nicht leisten können, einen angebotenen Auftrag abzulehnen, hat die Branche teilweise einen so schlechten Ruf (und werden immer niedrigere Honorare bezahlt).
#18Authorpenguin (236245) 08 Feb 12, 10:26
Comment
...so dass sich die Übersetzer erst recht nicht leisten können, einen angebotenen Auftrag anzunehmen, etc.

Klar, ein Teufelskreis, und ich habe natürlich leicht reden, da ich einen anderen gut bezahlten Job habe und nicht mit Übersetzungen eine mehrköpfige Familie über Wasser halten muss.
#19AuthorDragon (238202) 08 Feb 12, 10:29
Comment
true, money is so often a factor. A well-known German coffee company had a Spätzle machine on offer, in the English instructions the suggested recipe required (and I kid you not)
400g flower
When I contacted the company and offered to correct that and the other mistakes I was informed that they had paid good money for the translation and were not prepared to pay more!
#20AuthorConfused GB (268858) 08 Feb 12, 10:37
Comment
@20: Ouch!
Pity they didn't accept your offer.



Wie gesagt, vielleicht bin ich auch zu perfektionistisch. Wenn ich weiß, dass ich ein Sachgebiet nicht beherrsche, übersetze ich keine Texte, die sich mit diesn Gebieten befassen, auch wenn ich Ziel- und Quellsprache noch so gut beherrsche, denn mir fehlt sowohl das Verständnis als auch das Wissen über Zusammenhänge als auch das Fachvokabular. Und wenn ich weiß, dass ich eine Sprache nicht auf (nahezu) muttersprachlichem Niveau beherrsche, übersetze ich allenfalls intern, aber lasse mich dafür gewiss nicht bezahlen. Damit würde ich mich einfach unwohl fühlen.
#21AuthorDragon (238202) 08 Feb 12, 10:46
Comment
Nun, "Fachgebiet" ist ja auch schon eine Frage der Definition: Das kann man mit dem Beispiel "Technik" definieren, das sich allerdings in sehr viele Themengebiete untergliedert, wie z.B. Elektrotechnik, Industrietechnik, Automobiltechnik usw. usf.
Wer Technikübersetzer ist, muss nicht gleichzeitig alle "Unterfachgebiete" kennen... Aber es wäre unrealistisch, dass ein Übersetzer nur auf ein oder zwei solche "Unterfachgebiete" spezialisiert ist - einmal, weil dann der Auftragsumfang zu gering zum Überleben wäre (zumindest auf dem freien Markt) und zudem, weil manche Kunden dann einen Stamm von mindestens 20 verschiedenen Übersetzern für jedes "Unterfachgebiet" bräuchte. Also sollte man sich auch in neue Themengebiete einarbeiten. Dass man dann ab und zu Fragen hat, ist doch ganz normal - manchmal sind Themen so speziell und sehr oft brandneu, dass man sie eben in der Fremdsprache noch nicht so intus hat - selbst Muttersprachler oft nicht. Ein Austausch spricht doch eigentlich nur für den Übersetzer (wenn es nicht gerade um den Urschleim geht).
Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen. Und da trennt sich schon die Spreu vom Weizen. Das (schlechte) Übersetzen in die Fremdsprache kann man den Wissenschaftlern überlassen, die damit auch noch einer sich entwickelnden deutschen Wissenschaftssprache entgegenwirken. Frei nach dem Motto: "I can English!".
Wer gleichzeitig Rechtstexte, Belletristik und medizinische Texte übersetzt, ist natürlich nicht gerade vertrauenswürdig, denn das sind nun wirklich sehr verschiedene Gebiete...
Amen!
#22AuthorLost In Translation (842615) 08 Feb 12, 11:27
Comment
Ich hatte mal über eine Agentur einen Dolmetschtermin, wo man mir partout nicht die Firma des Kunden mitteilen wollte. Auf mein Drängen hin (ich muss doch wissen, auf welches Fachgebiet ich mich vorbereiten soll) wurde mir, ohne Spaß, für einen vierstündigen, einmaligen Termin mitgeteilt, die Fachgebiete wären Elektronik und Metallkunde. Da ist ein Tagessatz von 500 Euro noch geschenkt, für diese zwei vollen Studiengänge, die ich mal eben schnell in zwei Tagen erledigen sollte.

Es stellte sich dann heraus, dass die Firma elektronisch geschützte Schlüsselkästen für öffentliche Gebäude herstellte. Ha! Und von den achtmillionen Worpaaren für die verschiedenene Metalle / Legierungen, die ich extra auswendig gelernt hatte, brauchte ich natürlich kein eines... Und das weite Reich der Elektronik beschränkte sich in diesem Fall auf Halbleitertechnik.

Nie wieder, schwor ich mir damals, nie wieder tue ich mir das an.
#23AuthorSpinatwachtel (341764) 08 Feb 12, 11:40
Comment
Haben wir zwar schon öfter besprochen, aber eine Gruppe von 'Übersetzern' habt ihr noch vergessen: Fremdsprachenkorrespondentinnen. Die sind zwar oft wirklich sehr gut in Geschäftskorrespondenz, aber natürlich keine Übersetzerinnen. Fast alle wissen das auch, werden aber von ihren Arbeitgebern nur absolut weisungsgebunden beschäftigt. Wenn der Chef sagt, übersetz das, macht die FK das. Und holt sich für die schwierigsten Stellen Hilfe hier im Forum, ist ja nicht blöd. Denn wenn der Chef merkt, dass das Ergebnis nicht gut ist, fliegt sie raus, bevor sie 'unfair' rufen kann.

- Als ich noch als FK angestellt war, musste ich mich gegenüber einem deutschen Rechtsanwalt (!) weigern, einen Vertragstext ins Englische zu übersetzen. Er hat es erst nach 10minütiger Diskussion verstanden. (Und beschäftigt jetzt, man höre und staune, eine staatlich geprüfte Übersetzerin, inhouse.)
#24Authortigger (236106) 08 Feb 12, 11:45
Comment
tigger, immerhin hast Du erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet. Das gelingt nicht immer.
#25Authorpenguin (236245) 08 Feb 12, 12:23
Comment
M.E. spiegelt es nur das allgemeine Qualitätsbewusstsein wider.

Wenn ich völlig unverständliche englischsprachige Bedienungsanleitungen von einer kanadischen Firma erhalte (bitte, nicht für einen DVD-Player aus Fernost, sondern für unsagbar teuere Industrieanlagen) und dann höre 'Für unsere Bedienungsanleitungen ist jemand verantwortlich, der kürzlich aus Ungarn eingewandert ist, er spricht schlecht Englisch und hat keine Ahnung von der Materie' - wie soll ich daraus einen Lehrgang für deutsche Techniker machen?

Wenn ein Weltmarktführer aus Deutschland Ausschreibungsunterlagen (auf Deutsch) für ein Projekt, dass hunderte von Millionen Euro kostet, ausgibt, die viele Fragen offen lassen (Sätze unvollständig, passagenweise unverständlich) und auf Nachfragen dann sagt: 'Gute Frau, Sie sind doch vom Fach, denken Sie sich doch etwas aus dazu!!' dann kann ich auch den Google-Übersetzer drüber laufen lassen.

Und das bezieht sich nicht nur auf Texte, die Maschinen, Autos und ähnliches lassen vielfach heute genauso an Qualität zu wünschen übrig.

#26Authorkrazy_mom (D) (238333) 08 Feb 12, 12:31
Comment
even a tinker like me can only wonder whether to marvel at so much misplaced hubris or cry over people's sad overestimation of their own abilities... recent flooding of the forum by certain nicks are not only annoying to register,,,,
#27Authornoli (489500) 08 Feb 12, 13:02
Comment
Da hier (aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen) auf Wissenschaftlern herumgehackt wurde, vielleicht einige Klarstellungen:

(1) In den Naturwissenschaften ist Englisch die lingua franca. Man mag das bedauern, aber es ist nun einmal so. Wenn jemand in einer englischsprachigen Zeitschrift veröffentlicht, dann nicht, weil der Doktorvater das toll findet, sondern weil es die einzige Möglichkeit ist, dass die Arbeit auch wahrgenommen wird. In meinem Fachgebiet gibt es keine einzige deutschsprachige Fachzeitschrift. Eine europäische Zeitschrift hat bis etwa in die 80er Jahre auch Artikel auf französisch und deutsch akzeptiert, bis es irgendwann zu schwierig wurde, kompetente Referees dafür zu finden. An deutschsprachigen Instituten sind mindestens die Hälfte der wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht deutscher Muttersprache, sodass vom Seminar bis zur Unterhaltung beim Mittagessen alles auf Englisch stattfindet.

(2) Sicherlich fallen Wissenschaftler nicht unbedingt durch besondere Sprachbegabung auf. Wissenschaftliche Texte müssen aber wissenschaftlich verständlich sein und nicht den Literaturnobelpreis gewinnen. Wenn das Englisch also nicht perfekt ist, tut das nicht notwendigerweise dem Inhalt Abbruch. Außerdem haben die meisten Zeitschriften ein language editing. (Im übrigen tu ich mich mit Artikeln und Vorträgen von native speakers oft schwerer als von Nicht-native-speakern!)

(3) Ich kenne keinen Kollegen, der einen Text zuerst in seiner Muttersprache verfasst und dann ins Englische übersetzt. Das wäre auch Unsinn. Man schreibt den Text von vornherein auf englisch. Auch wenn mich jetzt die Übersetzer wieder hauen werden: Ich finde das sogar einfacher als auf deutsch, wo einem die ganzen Fachbegriffe und Phrasen fehlen.
#28AuthorRE1 (236905) 08 Feb 12, 14:13
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die Übersetzer wieder hauen werden ...
Ich bin kein Übersetzer, aber auf die Gefahr hin dass ich von Wissenschaftlern verhaut werde, bräuchten diese wohl oft Übersetzer in die eigene Muttersprache... mit dem fachlichen Können bleibt so manches Mal die Kommunikation auf der Strecke... dazu kommt oft noch die Verwechslung von überflüssig kompliziert und akademisch...
#29Authornoli (489500) 08 Feb 12, 14:24
Comment
@noli: Völlig richtig, einen wissenschaftlichen Sachverhalt allgemein verständlich auf deutsch wiederzugeben, ist eine hohe Kunst, auf die sich beileibe nicht jeder Wissenschaftler versteht.
#30AuthorRE1 (236905) 08 Feb 12, 14:32
Comment
@RE1: Als ich noch an der Uni war, also im letzten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts, gab es in meinem Fach, nämlich Chemie, durchaus noch deutschsprachige Fachzeitschriften. Die weitaus meisten waren natürlich englischsprachig, und ich glaube, es gab auch noch vereinzelt welche, die Artikel auf Französisch akzeptierten. Und an meinem Institut waren zwar nicht ausschließlich deutsche Muttersprachler, aber bis auf den gelegentlichen indischen Postdoc konnten alle deutsch, so dass Seminare, Gespräche beim Mittagessen etc. durchaus in deutscher Sprache abliefen. Wenn eine Veröffentlichung in einer englischsprachigen Zeitschrift vorgesehen war, wurde sie zwar im Prinzip direkt auf Englisch verfasst, aber bei sprachlichen Unsicherheiten wurde dann eben doch erst der deutsche Satz gebildet und dann versucht, diesen ins Englische zu übersetzen. Und nicht jede Zeitschrift hatte ein nennenswertes Lektorat. Diplom- und Doktorarbeiten wurden ausschließlich in deutscher Sprache verfasst. Wer sich anschließend im Ausland bewarb, musste dann für die Bewerbung natürlich den Titel der Arbeit und ggf. die Zusammenfassung übersetzen.

Vielleicht hat sich das inzwischen geändert, ich bin ja schon länger aus dem Wissenschaftsbetrieb raus. Aber es mag durchaus auch noch Fachbereiche geben, sowohl auf geisteswissenschaftlichen Gebiet als auch z.B. bei den Ingenieuren, in denen noch nicht alle Fachpublikationen zwangsläufig auf Englisch erfolgen müssen, da kenne ich mich nicht aus.

Im übrigen war es keineswegs meine Absicht, auf Wissenschaftlern herumzuhacken, schon gar nicht auf Naturwissenschaftlern, es tut mir leid, wenn Du das so aufgefasst haben solltest. Aber die meisten Naturwissenschaftler studieren nun einmal nicht deswegen eine Naturwissenschaft, weil ihre außergewöhnliche Sprachbegabung sie langweilt ;o)
#31AuthorDragon (238202) 08 Feb 12, 14:33
Comment
Wenn es darum geht, einen komplexen wissenschaftlichen Sachverhalt richtig darzustellen, kann beides ins Auge gehen:

ohne Übersetzer: wenn der nicht-muttersprachliche Wissenschaftler nicht merkt, dass sein englischer Satz inhaltlich missverständlich ist

mit Übersetzer: wenn der muttersprachliche Übersetzer nicht merkt, dass sein Satz zwar schön idiomatisches Englisch ist, aber den Sachverhalt unpräzise wiedergibt.

#32AuthorBirgila/DE (172576) 08 Feb 12, 15:40
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@ #28 "(3) Ich kenne keinen Kollegen, der einen Text zuerst in seiner Muttersprache verfasst und dann ins Englische übersetzt. Das wäre auch Unsinn. Man schreibt den Text von vornherein auf englisch. Auch wenn mich jetzt die Übersetzer wieder hauen werden: Ich finde das sogar einfacher als auf deutsch, wo einem die ganzen Fachbegriffe und Phrasen fehlen."

...genau das meinte ich - das spiegelt genau die aktuelle Verarmung der deutschen Sprache wider: es fehlt einfach immer mehr an deutschen Fachbegriffen, da oft gar nicht mehr auf Deutsch geschrieben wird. Das geht zum Teil sogar so weit, dass auf Kongressen, bei denen ausschließlich Deutsche anwesend sind, Englisch gesprochen wird. Wo bleibt unser Selbstbewußtsein? Genau das führt oft zum schlechten Ruf der Übersetzer: "Wer braucht die noch?!"
#33AuthorLost In Translation (842615) 08 Feb 12, 15:48
Comment
@Dragon: Ich hätte nicht die ganzen Naturwissenschaften vereinnahmen dürfen, wie es in der Chemie ist, weiß ich nicht, von meinem Einblick in die Welt der Biologen und Geowissenschaftler kann ich aber Ähnliches wie für die (Astro-)Physik berichten. In meiner Arbeitsgruppe ist das Verhältnis von Nichtdeutschsprachigen zu Deutschsprachigen 13:10, ich bin der einzige deutschsprachige Postdoc. Eine deutschsprachige Dissertaion ist mir schon lange nicht mehr untergekommen, eine deutschsprachige Diplomarbeit gelegentlich. In anderen Fachgebieten, insebsondere in den Geisteswissenschaften, schaut es (noch) anders aus, und wenn etwa Germanisten auf englisch publizieren, finde ich das auch befremdlich.

@Birgila: Genau, den Idealfall gibt es nicht. Aber wenn der Inhalt missverständlich ist, sollte das dem Referee bzw. dem Gutachter einer Diplomarbeit/Dissertation auffallen, das ist seine Aufgabe.

@Lost In Translation: Wie gesagt, man kann das bedauern, aber zumindest als Wissenschaftler muss man den Tatsachen ins Auge schauen. Und wer, außer irgendwelchen Sprachpatrioten, hat etwas davon, wenn Deutsch (oder Französisch, Russisch...) als Wissenschaftssprache wiederbelebt werden? Der Zug ist seit fünfzig Jahren abgefahren. Was das allerdings mit Übersetzern zu tun hat, ist mir nicht klar. Mag sein, dass der eine oder andere Übersetzer durch eine einheitliche Wissenschaftssprache arbeitslos ist, aber das ist doch nicht das Problem der Wissenschaft. Ich glaube das außerdem gar nicht, schließlich wurde in früheren Zeiten (oder heute in anderen Fachgebieten) auch nicht übersetzt, sondern jeder verstand (bezogen auf sein Fachgebiet) die gängigen Sprachen und schrieb selber in der ihm vertrautesten.
Die Diskussionen, dass man doch wenigstens auf nationalen Tagungen deutsch sprechen sollte, und nicht-deutschsprachige Doktoranden und Postdocs gefälligst deutsch lernen sollen, kenne ich zur Genüge. Nur: Wer weiß, dass er nach zwei Jahren wieder weg ist, und in diesen zwei Jahren mindestens 24 Stunden am Tag arbeiten muss, um überhaupt Chancen auf einen Verbleib in der Wissenschaft zu haben, hat vielleicht nicht die allergrößte Motivation, deutsch zu lernen. Das kann ich verstehen. Am Ende meines einjährigen Postdocaufenthalts im fremdsprachigen Ausland konnte ich mich einigermaßen passabel im Alltag verständigen ("Uma cerveja, por favor"), für eine wissenschaftliche Diskussion hätte es nie und nimmer gereicht.
#34AuthorRE1 (236905) 08 Feb 12, 16:29
Comment
...genau das meinte ich - das spiegelt genau die aktuelle Verarmung der deutschen Sprache wider: es fehlt einfach immer mehr an deutschen Fachbegriffen, da oft gar nicht mehr auf Deutsch geschrieben wird.

Wenn sich als Wissenschaftssprache Englisch durchsetzt (so wie früher Latein - da fand man das auch nicht verarmt), dann ist das praktisch, nicht schade.

Wenn es keine deutschen Romane, Zeitungen und Lieder mehr gäbe, DAS fände ich schade - in der Wissenschaft ist's mir egal.
#35AuthorBirgila/DE (172576) 08 Feb 12, 16:32
Comment
Na klar ist es praktisch, dass Englisch die Lingua franca ist, daran besteht kein Zweifel, aber gerade das bremst doch die Entwicklung der Vielfalt einer Sprache und nimmt ihr die ganze Tiefgründigkeit... Das hat schon sehr viel mit den Übersetzern zu tun und ist ein beliebtes Thema, aber ist an dieser Stelle nun doch eine große Klammer, die ich gern schließe ;-) Und dabei bin ich gar kein übermäßiger Sprachpatriot - aber ich lebe nun schon eine Weile im Ausland und merke - und finde es irgendwie traurig - dass wir eines der wenigen Länder sind, in denen man die eigene Sprache nicht pflegt. Im Land der Dichter und Denker.
#36AuthorLost In Translation (842615) 08 Feb 12, 16:44
Comment
Tröste dich, das Land der Dichter und Denker schreibt wissenschaftliche Abhandlungen über seine geisteswissenschaftlichen Erkundungen nach wie vor hauptsächlich auf Deutsch. Ein Biochemiker muss kein Deutsch können, ein Kulturwissenschaftler mit einschlägigem Forschungsgebiet durchaus.
(A propos, unlängst im TV gesehen: Illuminati. Meinen die das ernst, dass der hochwohlgebildete Professor mit Spezialgebiet europäische Symbolistik kein Latein oder Italienisch kann? Dem Drehbuchautor würd ich gern was um die Ohren hauen.)
#37Authortigger (236106) 08 Feb 12, 17:00
Comment
Hehe, ich wurde in meiner Firma sogar schon gebeten, Übersetzungen ins Niederländische und Italienische zu machen...dabei spreche ich diese Sprachen gar nicht ;-)

Naja, "Übersetzungen" ist in diesem Zusammenhang vielleicht etwas großspurig, es ging vor allem um allgemeine Phrasen in der Benutzeroberfläche eines Programms...Programm beenden, Druckauftrag abbrechen, Reiter wechseln...

Aber auf die Originalfrage:
Ich glaube ja eher, LEO wird immer populärer...es spricht sich einfach herum, dass es hier für fast jedes Fachgebiet einen S(pr)achkundigen gibt, der helfen kann.
In gewisser Weise sind solche Anfragen also auch ein Lob für LEO...
#38AuthorYora Unfug (694297) 08 Feb 12, 17:05
Comment
@32: und auch: wenn der muttersprachliche Wissenschaftler nicht merkt, dass sein englischer Satz inhaltlich missverständlich ist und den Sachverhalt unpräzise wiedergibt.
#39AuthorNomis8 (597361) 08 Feb 12, 17:15
Comment
#40AuthorRichard (236495) 08 Feb 12, 17:30
Comment
Wieso denn, Richard, vielleicht muss er nur ein Abstract auf Englisch abgeben. (Die Sitte englischer Abstracts finde ich übrigens sehr praktisch, ich will nämlich nicht jedesmal tausende Euro zahlen, um ein ganzes japanisches Patent übersetzt zu haben, von dem ich erst nachher weiß, ob es relevant ist.)
#41Authortigger (236106) 08 Feb 12, 17:32
Comment
Na klar ist es praktisch, dass Englisch die Lingua franca ist, daran besteht kein Zweifel, aber gerade das bremst doch die Entwicklung der Vielfalt einer Sprache und nimmt ihr die ganze Tiefgründigkeit...

Entwickelt sich die Vielfalt einer Sprache denn ausgerechnet in wissenschaftlichen Texten??? Mir reicht es, wenn sich die in Belletristik, Poesie und Philosophie zeigt. Bei einer Abhandlung über DNA-Polymerase brauch ich sie eigentlich nicht...
#42AuthorBirgila/DE (172576) 08 Feb 12, 17:50
Comment
Wie oft liest Du denn naturwissenschaftliche Fachtexte, Birgila?
#43AuthorDragon (238202) 08 Feb 12, 17:59
Comment
touché! :-)))

Aber im Ernst, ich kann wirklich nicht glauben, dass eine Sprache in ihrer Gesamtheit leidet, wenn die Fachsprache eine andere ist. Wie gesagt, früher war die Wissenschaftssprache Latein, jetzt halt Englisch.

#44AuthorBirgila/DE (172576) 08 Feb 12, 18:10
Comment
Ich finde daß heutzutage die meisten wissenschaftlichen Arbeiten ziemlich langweilig geschrieben sind.
#45AuthorWachtelkönig (396690) 08 Feb 12, 19:03
Comment
Hm - wenn ich diese beiden zweifellos wahren Aussagen vereine:

1: Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen. Und da trennt sich schon die Spreu vom Weizen.

2: Wenn sich als Wissenschaftssprache Englisch durchsetzt (so wie früher Latein - da fand man das auch nicht verarmt), dann ist das praktisch, nicht schade.

Dann lautet die Schlussfolgerung, dass Fachübersetzen in zwanzig Jahren ein befremdlich exotisches Berufsbild sein wird, das nur noch eine Handvoll sonderbarer Angelsachsen ausüben. Und so kommt zur sprachlichen auch die kulturelle Verarmung der übrigen Welt.


I can English:
Ich hatte einmal mit einem Niederländer zu tun, der deutsche Quellen auf Englisch kompiliert und sich das ins Deutsche übersetzen lassen wollte (fragt mich nicht...). Das Englisch war so miserabel, dass ich ihm behutsam vorschlug, die künftigen Dokumente lieber auf Niederländisch zu schreiben und professionell ins Englische übersetzen zu lassen, bevor wir ans Deutsche gehen. Nein, er bevorzugt einen anderen Weg: Er will weiter schlechtes Englisch schreiben, auf Deutsch übersetzen lassen und dann das Deutsche irgendwo in gutes Englisch rückübersetzen lassen. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, kann ich nur sagen...
#46AuthorRestitutus (765254) 08 Feb 12, 22:08
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Sollte eigentlich in den Beitrag darüber mit eingehen...

Dieser Faden liefert einen schönen Beitrag zum Thema: related discussion: identity of talent
Zwanzig Seiten lang hatte ich mit diesen Datenschutzanweisungen überhaupt keine Probleme, da ging es um Server und Laptops, Firewalls, Wechseldatenträger usw., alles Bereiche, in denen ich mich auskenne. Dann, auf der letzten Seite, stoße ich plötzlich auf so etwas: Insiderchinesisch aus einer Branche, von der ich überhaupt keine Ahnung habe. Und schon häufen sich die Anfragen bei LEO, und man kommt in Verruf als "fachfremder Übersetzer".

#47AuthorRestitutus (765254) 08 Feb 12, 22:33
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Was Restitutus gerade beschrieben hat, passiert mir auch regelmäßig. Ich übersetze hauptsächlich Dienstleistungsverträge. Es kommt aber auch immer mal wieder vor, dass nicht nur die Dienstleistung, um die es geht, detailliert beschrieben wird, sondern auch das Produkt an dem sie erbracht wird. Im Bereich Maschinenbau kenne ich mich relativ gut aus, wenn aber IT ins Spiel kommt, bin ich ziemlich verloren. Da bin ich wirklich absolut fachfremd und verstehe meist nur "Chinesisch", trotzdem kann ich einen Auftrag nicht ablehnen, nur weil einem Vertrag eine fachfremde Anlage beigefügt ist.

Zum Glück gibt es dieses Forum, da findet sich ja meistens kompetente Hilfe.
#48AuthorSilvia(D) (320521) 08 Feb 12, 22:52
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Dann lautet die Schlussfolgerung, dass Fachübersetzen in zwanzig Jahren ein befremdlich exotisches Berufsbild sein wird, das nur noch eine Handvoll sonderbarer Angelsachsen ausüben. Und so kommt zur sprachlichen auch die kulturelle Verarmung der übrigen Welt.

Ich verstehe immer noch nicht, warum eine einheitliche Wissenschaftssprache (NB: es geht bei all meinen Ausführungen um die Naturwissenschaften, oder einen Teil davon) den Untergang des Abendlandes darstellt. Die gemeinsame Wissenschaftssprache Latein hat in meinen Augen die Blüte und nicht den Untergang desselben gefördert, warum sollte das beim Englischen so anders sein? Und, wie schon oben gesagt, ich sehe nicht, was das mit Übersetze(r)n zu tun hat. Im Wissenschaftsbetrieb wurde und wird wenig übersetzt. Im Umfeld, etwa im populärwissenschaftlichen Bereich, wird es hingegen auch in zwanzig Jahren noch genug Arbeit für Übersetzer geben.

Ansonsten kann ich Birgila nur zustimmen. Warum sich die Vielfalt und Tiefgründigkeit einer Sprache ausgerechnet in - naturgemäß eher nüchternen und schematischen - naturwissenschaftlichen Texten zeigen soll, erschließt sich mir auch nicht.
#49AuthorRE1 (236905) 09 Feb 12, 00:59
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Die gemeinsame Wissenschaftssprache Latein da gab es aber keine Muttersprachler, die dadurch einen unlauteren Vorteil gehabt hätten.
Wann hat denn das letzte Mal ein deutscher Wissenschaftler oder eine deutsche Wissenschaftlerin international von sich reden gemacht? Selbst beim Nobelpreis, der ja wahrscheinlich nur einen winzig kleinen Teil des Standes der Forschung abbildet, sind's immer Amerikaner, oder?
#50AuthorSpinatwachtel (341764) 09 Feb 12, 08:00
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Schauen wir mal in die letzten zehn Jahre, Spinatwachtel:
Theodor Hänsch, Nobelpreis für Physik, 2005
Gerhard Ertl, Nobelpreis für Chemie, 2007
Peter Grünberg, Nobelpeis für Physik, 2007
Harald zur Hausen, Nobelpreis für Medizin, 2008

Um noch mal darauf zurückzukommen:
1: Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen. Und da trennt sich schon die Spreu vom Weizen.

Wo finde ich eigentlich einen lateinischen Muttersprachler?
#51AuthorRestitutus (765254) 09 Feb 12, 08:59
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Sorry, Spinatwachtel, aber der Nobelpreis liegt nun wirklich nicht an der Muttersprache des Preisträgers. Dass so viele amerikanische Forschungseinrichtungen so brilliant sind, hat etwas mehr Gründe. (Zumal nicht wenige Preisträger einen Migrahigru haben.)

Welche Verarmung es sein soll, wenn wie z.B. in meiner Firma (Biotechnologie) Leute aus Österreich, Deutschland, Schweiz, USA, Kanada, Ungarn, Finnland, Guatemala und weiß der Teufel woher zusammen forschen, weiß ich auch nicht. Umgangssprache ist naturgemäß Englisch.
#52Authortigger (236106) 09 Feb 12, 09:10
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#2 aber wenn ich eigentlich Buchhalter wäre und gegen meinen Willen dazu verdonnert würde, würde ich mir vermutlich auch nicht viel Mühe geben
Es geht in diesen Fällen nicht unbedingt darum, daß sich die Leute keine Mühe geben, sondern es durchaus nach bestem Wissen und Gewissen machen.

Ich bin nur Englisch Anwender mit Schulenglisch und "Erfahrung", habe entsprechend schon mehrfach vorgeschlagen, daß doch bitte Fachleute beauftragt werden sollen.
Ende vom Lied, es wurde von einem Kollegen gemacht, der seine Sprachkenntnisse besser einschätze als ich meine.
Unsere Webseite ist ein Graus, er wird bewundert.
#53AuthorMasu (613197) 09 Feb 12, 09:36
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Den gleichen Eindruck hat eine Kundin von mir, die ihre Webseite von einem Muttersprachler übersetzen ließ, treu nach Wörterbuch. Vermittlung von Aufträgen = mediation of jobs? Sie bleibt bei der Meinung, dass da etwas nicht stimmen kann...
#54AuthorRestitutus (765254) 09 Feb 12, 10:28
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eine Frage an die Wissenschaftler/innen - würdet ihr denn einen auf Deutsch radebrechenden Wissenschaftler ernst nehmen können, oder eine mit Grammatikfehlern gespickte Abhandlung?
Der Weltall im Licht von neuer Betrachtungen - ein Precis vom Jack Stargazer?

Englisch ist keine gemeinsame Sprache - ein Teil der Wissenschaft kann es, der andere meint das nur.

Süß übrigens auch, wie natürlich laut Wissenschaftlern ihre Wissenschaft, die immer Naturwissenschaft oder Technik ist, von Laien überhaupt nicht zu durchdringen ist, und jeder, der vermessen genug ist, das zu meinen, sich einfach nur lächerlich macht - bei Sprachwissenschaften aber eine völlige Entspanntheit an den Tag gelegt wird. Englisch kann doch jeder! Und wenn's ein bisschen schief ist, na und? Ist doch allen eh klar, was gemeint ist...


#55AuthorSpinatwachtel (341764) 09 Feb 12, 10:42
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Dann lautet die Schlussfolgerung, dass Fachübersetzen in zwanzig Jahren ein befremdlich exotisches Berufsbild sein wird, das nur noch eine Handvoll sonderbarer Angelsachsen ausüben. Und so kommt zur sprachlichen auch die kulturelle Verarmung der übrigen Welt.

Das halte ich für Unsinn, da es ja nur um die Kommunikation von Wissenschaftler zu Wissenschaftler geht. In dem Fall finde ich den Umweg über Übersetzungen auf Dauer zu zeitaufwendig und unnötig kompliziert.

Es wird jedoch weiterhin den Bedarf geben, wissenschaftliche Erkenntnisse für Nicht-Wissenschaftler aufzubereiten und zugänglich zu machen. Und da sind gute Übersetzer nach wie vor gefragt.

edit: ich mag mich irren, aber ich denke, dass man in der Wissenschaftswelt gegenüber Englischfehlern der Kollegen tolerant ist (Schließlich macht man selbst auch Fehler). Glaubt ihr nicht?
#56AuthorBirgila/DE (172576) 09 Feb 12, 10:46
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um noch einmal zu verdeutlichen, was ich meine: Ihr habt doch bestimmt alle die schöne Rede von Oettinger auf youtube gesehen, damals als er EU Kommissar wurde? Der dachte auch, Hauptsache Wirtschaft und Politik gelernt, Englisch ist ja babyeinfach...
#57AuthorSpinatwachtel (341764) 09 Feb 12, 11:11
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Re #28 Wissenschaftliche Texte müssen aber wissenschaftlich verständlich sein und nicht den Literaturnobelpreis gewinnen. Wenn das Englisch also nicht perfekt ist, tut das nicht notwendigerweise dem Inhalt Abbruch. Außerdem haben die meisten Zeitschriften ein language editing. (Im übrigen tu ich mich mit Artikeln und Vorträgen von native speakers oft schwerer als von Nicht-native-speakern!)

Ich erlebe ich es nicht selten, dass ich englische wissenschaftliche Texte, die von Nicht-Muttersprachlern geschrieben wurden, ins Deutsche übersetzen soll und nicht verstehe, was gesagt werden soll. Und das liegt nicht an meiner fehlenden Fachkenntnis, sondern daran, dass das Englisch eben nicht gut genug beherrscht wird. Bei deutschen Autoren kann ich dann manchmal raten, was gemeint ist, weil ich den Fehler eher nachvollziehen kann als z. B. bei asiatischen oder französischen Autoren.

Das Language Editing von Fachzeitschriften ist deshalb sehr wichtig, wird aber leider nicht von allen und nicht überall gleich engagiert durchgeführt. Ich stand selbst mal mit auf einer Veröffentlichung, die vom Editor wg. mehrerer Sachen, u. a. sprachlicher Schwächen, zur Überarbeitung zurückgeschickt wurde. Der Hauptautor ergänzte die fachlichen Sachen, ließ die Sprache unverändert, schickte die Arbeit so zurück und die Arbeit wurde dann so veröffentlicht.

Englische Vorträge von EN-Muttersprachlern waren für mich in der Regel eine Wohltat, während südeuropäische oder asiatische Vortragende auf Englisch oft sehr anstrengend bis vollkommen unverständlich waren.
#58AuthorMattes (236368) 09 Feb 12, 11:40
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Und zum Ursprungsthema: "Fachübersetzer" oder "spezialisiert auf X" kann sich ja jeder nennen, das regt ja so manche Fachleute auf. So wie sich auch jeder "Übersetzer" nennen kann, das regt ja so manche Diplomübersetzer/innen auf. Und klar, wenn sich eine Übersetzerin auf Mikroelektronik vorbereiten kann, kann sich eine andere Übersetzerin auch auf immunologische Medikamente vorbereiten oder sich allgemein auf Medizin spezialisieren. Allerdings sollte dann diese Vorbereitung und Spezialisierung auch stattfinden, z. B. durch Lektüre und Verstehen einiger Lehrbücher, wobei man dann eventuell auch merkt, dass einem das Fachgebiet überhaupt nicht liegt, und erst dann sollte man sich entsprechend vermarkten. Auch entsprechende Lexika oder Fachwörterbücher sollten vorhanden sein, und/oder man sollte wissen, wo man im Internet zum Fachgebiet recherchieren kann. Das scheint allerdings häufig (immer häufiger?) nicht so zu sein. Nach dem Motto "Die Pharmaindustrie zahlt gut, also 'spezialisiere' ich mich auf Pharma".
#59AuthorMattes (236368) 09 Feb 12, 11:54
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Ich erlebe ich es nicht selten, dass ich englische wissenschaftliche Texte, die von Nicht-Muttersprachlern geschrieben wurden, ins Deutsche übersetzen soll und nicht verstehe, was gesagt werden soll.


Siehe meinen Niederländer weiter oben. Allerdings habe ich auch die umgekehrte Erfahrung gemacht mit Muttersprachlern, die im Zielland sitzen und, vielleicht mangels kulturellen Hintergrundes, einen von einem Muttersprachler geschriebenen deutschen Quelltext nicht verstehen. Und wenn dann der gleiche Quelltext in 20 Sprachen übersetzt wird und acht der 20 Muttersprachler mir aus dem Kaltgerätestecker am Drucker einen Kühlschrankstecker machen ("freezer plug" und was ich da alles zu lesen bekam!), dann denke ich mir, das wäre einem Deutschen, der in die Fremdsprache hinein übersetzt, wahrscheinlich nicht passiert!
#60AuthorRestitutus (765254) 09 Feb 12, 12:55
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acht der 20 Muttersprachler mir aus dem Kaltgerätestecker am Drucker einen Kühlschrankstecker machen ("freezer plug" und was ich da alles zu lesen bekam!)

Ein tolles Beispiel für fehlenden fachlichen Hintergrund, finde ich: Erstens war das deutsche Fachwort "Kaltgerätestecker" nicht bekannt (kenne ich auch nicht) und zweitens hielt es der englische Übersetzer für vorstellbar, dass an einem Drucker ein freezer plug angebracht ist.
#61AuthorMattes (236368) 09 Feb 12, 13:02
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@Spinatwachtel
eine Frage an die Wissenschaftler/innen - würdet ihr denn einen auf Deutsch radebrechenden Wissenschaftler ernst nehmen können, oder eine mit Grammatikfehlern gespickte Abhandlung?

Ich habe einen englischen Kollegen, der relativ gut deutsch kann, und der bisweilen auch versucht, nicht nur den Small Talk, sondern auch wissenschaftliche Gespräche auf deutsch zu führen. Mein Englisch ist alles andere als perfekt, warum sollte ich mich also über sein Deutsch lustig machen? Sicher kann österreichisches, italienisches oder indisches Englisch manchmal etwas schwer zu verstehen sein, aber wenn es einen fachlich interessiert, gibt man sich auch Mühe, den anderen zu verstehen. Kommunikation ist ja immer eine zweiseitige Angelegenheit. Und Sprache ist in der Wissenschaft (und in anderen Bereichen) Mittel zur Kommunikation und kein Selbstzweck.

Süß übrigens auch, wie natürlich laut Wissenschaftlern ihre Wissenschaft, die immer Naturwissenschaft oder Technik ist, von Laien überhaupt nicht zu durchdringen ist, und jeder, der vermessen genug ist, das zu meinen, sich einfach nur lächerlich macht - bei Sprachwissenschaften aber eine völlige Entspanntheit an den Tag gelegt wird. Englisch kann doch jeder!

Niemand hat Naturwissenschaften mit Wissenschaft gleichgesetzt. Dass sich diese Diskussion um die Naturwissenschaften dreht hat mit der Natur der Sache und meiner Person zu tun. Natürlich gibt es nach wie vor Wissenschaftler im Elfenbeinturm, die am liebsten mit dem gemeinen Volk nie in Kontakt kommen - die gibt es in allen Fachgebieten. Aber gerade in meinem Fachgebiet, der Astrophysik, gibt es sehr viele engagierte Personen (Wissenschaftler und andere), die sich um die Vermittlung ihrer Erkenntnisse an die Allgemeinheit bemühen, es gibt populärwissenschaftliche Zeitschriften, öffentliche Vorträge, Führungen auf Sternwarten etc. Öffentlichkeitsarbeit war noch nie so wichtig wie heute. Aber natürlich ist es einfacher, sich über die vermeintlich elitären Wissenschaftler zu echauffieren, als sich zu informieren.
Und was hat die Anwendung einer Fremdsprache im Alltag mit Sprachwissenschaft zu tun?

Spinatwachtel, was ist denn dein Vorschlag für den Wissenschaftsbetrieb, wenn es denn so schrecklich ist, wenn das Englisch gelegentlich "ein bisschen schief ist"? Zig Dolmetscher an jedem Institut und bei jeder Tagung? Zeitschriften und Bücher, die in zig Sprachen übersetzt und zigfach gedruckt werden, weil jeder nur in seiner Muttersprache kommunizieren darf? Esperanto als Wissenschaftssprache? Oder ein Ende jeglicher internationaler Zusammenarbeit? Besten Dank, die Zeiten von "deutscher Physik" und ähnlichem Unfug sind gottseidank vorbei.
#62AuthorRE1 (236905) 09 Feb 12, 13:36
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#56: "Es wird jedoch weiterhin den Bedarf geben, wissenschaftliche Erkenntnisse für Nicht-Wissenschaftler aufzubereiten und zugänglich zu machen. Und da sind gute Übersetzer nach wie vor gefragt."


Und wer schreibt die "Vorlage" dazu? Nur EN-muttersprachliche Wissenschaftler?

Die Verständigung untereinander kann in manchen Fällen sicher auch auf Formeln beschränkt bleiben, aber schon bei interdisziplinären Fragestellungen etc. ist eine verständliche und gut zu lesende Darstellung doch ganz hilfreich.
#63Authorcorbie (745439) 09 Feb 12, 13:52
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@Mattes, Nr. 61: Er und sieben seiner Kollegen. Wobei ich nicht weiß, was der Japaner, der Chinese und der Indonesier fabriziert haben mögen. Dafür weiß ich gut, wie das zustande kam. All diese 20 arbeiteten für ein großes und branchenbekanntes Übersetzungsbüro, und zwar grundsätzlich mit TRADOS (ich konnte diese Spezis immer daran erkennen, dass alle vorgegebenen Begriffe mit großen Anfangsbuchstaben mitten im Satz standen, wie sie halt aus der Terminologieliste kamen - wie? Korrekturlesen? Ei, des zahlt doch keener!). Da der Kaltgerätestecker aber nicht im Translation Memory war, wurde halt ohne Einschalten des Hirns der nächstbeste Vorschlag angeklickt, wird schon passen, für's Denken werde ich ja nicht bezahlt. So hielt es auch die polnische Übersetzerin, die "Anlage" (in der Fußzeile eines Dokuments, nach dem letzten Kapitel) als "industrija" übersetzte und dann pampig meinte: Wieso denn nachbessern? Das sei doch aus dem Kontext nicht ersichtlich gewesen. Und der Muttersprachler, der nicht diesen Zwanzig angehörte, aber dennoch Gleichstrom als "equal voltage" übersetzte, bekam gleich von unserem Endkunden selber den Kopf gewaschen. Ich hatte ihm ja begründen müssen, warum ich ihm das nicht termingerecht liefern mochte.

Das Ende vom Lied: Das Übersetzungsbüro setzte eigens für meinen Chef die Wortpreise drastisch herauf, weil sein Lektor immer so übermäßig hohe Ansprüche stelle. Tja, das hatten wir davon. Zumindest für die Stammsprachen hatten wir eingespielte Leute, die auch solide und korrekt arbeiteten - aber die Kaufleute beim Endkunden waren ja nur froh, wieder mal ein paar Euros "gespart" zu haben...


Esperanto als Wissenschaftssprache?

Latein! Was denn sonst? Noch immer die solideste Wissenschaftssprache, die es gibt.
#64AuthorRestitutus (765254) 09 Feb 12, 13:53
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Ja, TRADOS und Konsorten vernebeln die Sinne und sind meist ein Garant für schlechte Qualität, sieht man von einigen wenigen immer gleichbleibenden Textorten wie technische Bedienungsanleitungen oder Formularen ab. Die Wiedererkennungsquote ist schon bei kleinen Abweichungen in der Formatierung oder Formulierung des neuen Textes minimal und die Vor- und Nachbereitung frisst massiv Zeit. Die Vorstellung, so eine Software müsse um jeden Preis die Effizient steigern, führt dazu, dass sich die Nutzer auf die Blechtrottel-Vorschläge verlassen statt ihre eigenen grauen Zellen anzustrengen, für die sie ja eigentlich bezahlt werden.
#65AuthorM-A-Z (306843) 09 Feb 12, 14:09
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Schön, dass hier auch einige "richtige" (d.h. geschulte) Übersetzer an der Diskussion teilnehmen, denn die haben naturgemäß oft andere Sicht auf die Dinge.

"Auch entsprechende Lexika oder Fachwörterbücher sollten vorhanden sein, und/oder man sollte wissen, wo man im Internet zum Fachgebiet recherchieren kann."

Klar - ein "richtiger" Übersetzer muss nicht nur Kompetenzen der Quell- und v. a. der Zielsprache (der Muttersprache) haben. Weiterhin müssen ausdrücklich Recherchekompetenzen vorhanden sein, ein gutes Gespür in jederlei Hinsicht. Verantwortungsbewusstsein! Und auch da trennt sich die Spreu vom Weizen! Fachliteratur, Weiterbildungen, Netzwerke... bilden die Basis.

"Ich erlebe ich es nicht selten, dass ich englische wissenschaftliche Texte, die von Nicht-Muttersprachlern geschrieben wurden, ins Deutsche übersetzen soll und nicht verstehe, was gesagt werden soll. Und das liegt nicht an meiner fehlenden Fachkenntnis, sondern daran, dass das Englisch eben nicht gut genug beherrscht wird. Bei deutschen Autoren kann ich dann manchmal raten, was gemeint ist, weil ich den Fehler eher nachvollziehen kann als z. B. bei asiatischen oder französischen Autoren."

Geht mir auch so, v.a. bei Patentübersetzungen, denn Patentanwälte sind i. A. auch Techniker, aber keine geschulten Linguisten - zum Großteil geht es auch gut, aber eine winzige grammatikalische Ungenauigkeit kann völlig sinnentstellend sein - das merkt ein Fremdsprachler niemals, und sei er noch so ein Crack - da kann man von Glück reden, wenn das dann dem Übersetzer auffällt, ansonsten kann der daraus entstehende Schaden in die Tausenden gehen.
#66AuthorLost In Translation (842615) 09 Feb 12, 14:15
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Dafür bezahle ich Patentübersetzer aber auch. Und zwar nicht zu knapp - wer da nicht rückfragt, wenn etwas unklar ist, kann kein Guter sein.
#67Authortigger (236106) 09 Feb 12, 14:19
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Na klar, so sollte es sein, aber das kann man auch ganz einfach auf andere Bereiche übertragen.
#68AuthorLost In Translation (842615) 09 Feb 12, 14:23
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@Birgila: ich mag mich irren, aber ich denke, dass man in der Wissenschaftswelt gegenüber Englischfehlern der Kollegen tolerant ist (Schließlich macht man selbst auch Fehler). Glaubt ihr nicht?

Absolut. Normalerweise ist das kein Problem, dass das Englisch des Gegenüber genausowenig perfekt wie das eigene ist. (Ein Problem scheint das nur für Leute zu sein, die überhaupt nichts damit zu tun haben, wie hier im Forum.) Ich habe schon heftige fachliche Diskussionen erlebt, in denen sich die Kontrahenten fast an die Gurgel gegangen wären, aber ich habe nie erlebt, dass jemand für sein Englisch lächerlich oder niedergemacht wurde. Bestenfalls wird nachgefragt, wenn es unverständlich war, oder freundlich korrigiert, wenn es missverständlich war.
#69AuthorRE1 (236905) 09 Feb 12, 14:29
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Ich glaube, dass hier einfach viele Meinungen (das ist auch gut so) exisitieren, die vielleicht nur in Schwarz oder Weiß gruppiert werden. Ich bin Übersetzerin, und bin trotzdem für sprachliche Vielfalt; ich finde Englisch als Wissenschaftssprache gar nicht schlecht, als Schriftsprache aber gefährtlich, weil sie(verständlicherweise) zu Missverständnissen führen kann. Ich mache in den Fremdsprachen auch Fehler und finde es ganz normal, wenn auch andere dies beim Sprechen oder Schreiben tun (wenn dies privat geschieht). Wer aber (nicht private) Übersetzungen übernimmt, sollte dies nur tun, wenn er dafür ausgebildet oder nachweislich Erfahrungen hat (und damit komme ich zur ursprünglichen Frage zurück), denn nicht umsonst ist dies ein eigenständiger Beruf, dessen Handwerk gelernt sein will.
#70AuthorLost In Translation (842615) 09 Feb 12, 14:40
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Ich erlebe ich es nicht selten, dass ich englische wissenschaftliche Texte, die von Nicht-Muttersprachlern geschrieben wurden, ins Deutsche übersetzen soll und nicht verstehe, was gesagt werden soll. Und das liegt nicht an meiner fehlenden Fachkenntnis, sondern daran, dass das Englisch eben nicht gut genug beherrscht wird...
This happens to me all the time, mainly with texts translated into English by German scientists, or written by them in English, which I have to proof read. As someone already mentioned, because I can "re-construct" the German sentence structure underlying the English, I am able to understand and amend the text as necessary, but a non-German speaker simply would not understand it at all.
#71AuthorJaymack (805011) 09 Feb 12, 14:49
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Ich habe aber auch schon gedruckte Bücher gelesen, und zwar von renommierten deutschen Buchverlagen, bei denen ich mir immer wieder sinnlose Sätze gedanklich ins Englische rückübersetzen musste, um darauf zu kommen, was der Autor gemeint haben könnte. Nun frage ich mich: Wenn die schon keine "richtigen" qualifizierten Übersetzer beschäftigen, wer tut es dann eigentlich?

@M-A-Z:
Ja, TRADOS und Konsorten vernebeln die Sinne und sind meist ein Garant für schlechte Qualität, sieht man von einigen wenigen immer gleichbleibenden Textorten wie technische Bedienungsanleitungen oder Formularen ab.

Dabei waren es Bedienungsanleitungen, die wir da haben übersetzen lassen. Aber das ging eben tatsächlich nach dem Motto: Wozu Hirn, wenn man TRADOS hat? Als wir auf meine Beanstandungen hin immer wieder die Ausrede bekamen: "Ja, in TRADOS sieht man halt den Kontext nicht", gingen wir dazu über, die Quelltexte zu Referenzzwecken als formatierte PDFs beizustellen. Gebessert hat sich nichts. Denn diese Profis haben uns offen gesagt: "Ihr könnt doch nicht erwarten, dass ich da auch noch reinschaue! Ich werde nach Zeilen bezahlt! Das geht von meinem Geld ab!"
#72AuthorRestitutus (765254) 09 Feb 12, 20:55
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@Masu #53: Ich weiß, und ich habe das überhaupt nicht böse gemeint. Hier sind auch viele unfreiwillige Übersetzer, die sich sehr viel Mühe geben - aber im OP ging es ja ausdrücklich um Kommentare wie 'Ich muss das nicht verstehen, nur übersetzen', was einen gewissen Mangel an Enthusiasmus ausdrückt. Und darauf bezogen wollte ich nur sagen, dass ich diese Lustlosigkeit niemandem übelnehme, der zu dem Job gezwungen wurde.
#73AuthorGibson (418762) 09 Feb 12, 21:19
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Ich habe im vergangenen Jahr zweimal englische Texte bekommen, die aus dem Italienischen übersetzt worden waren. Von verschiedenen Auftraggebern. Beide Texte waren dermaßen unverständlich, dass ich nach einigem Hin und Her die italienischen Ausgangstexte bekommen habe, und, obwohl mein Italienisch aus der Schule und Verdi-Opern stammt, nun endlich verstehen konnte, was gesagt werden sollte und das dann auch in verständliches Deutsch bringen konnte. Bezahlt hat mir das (leider) keiner.

Leute, die ihre Texte nicht korrekturlesen, kann ich gar nicht verstehen - ich lese alles, jede eMail, z.T. sogar zweimal. Wobei Kundenwünsche, v.a. TagEditor und Across einem wirklich jede Möglichkeit nehmen, den Zusammenhang mitzubekommen - v.a., wenn man dann nicht mal eine pdf- oder Word-Datei zum Parallelesen bekommt. Und wenn doch, dann soll man auf diese Mehrarbeit noch Nachlässe geben!
#74Authorkrazy_mom (D) (238333) 09 Feb 12, 21:32
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Kundenwünsche? Wen interessieren denn Kundenwünsche? Wir hatten eines Tages ein Meeting zwischen meinem Boss und mir, den beiden Chefinnen des Übersetzungsbüros und einem Abteilungsleiter des Kunden mit den 20 Übersetzungen, der endlich wissen wollte, warum die Qualität einfach nicht besser wurde. Die Damen erklärten uns höchst ausführlich, wie das bei ihnen standardgemäß funktionierte: Quelldatei rausspielen nach TRADOS, Terminologieliste importieren, TRADOS-Datei an den Übersetzer geben (die Quelldatei bekam der überhaupt nicht zu sehen), fertige Übersetzung aus TRADOS ins Ursprungsformat reinspielen, in die DTP-Abteilung geben, um das verkorkste Layout geradezuziehen, flüchtig gegenlesen und dann das Ergebnis zu mir zum Lektorat geben.

Der Abteilungsleiter wurde währenddessen auf seinem Sessel immer unruhiger. Schließlich platzte er laut lachend heraus: "Und ich dachte, Sie machen einfach die Quelldatei auf und schreiben da rein!"
#75AuthorRestitutus (765254) 09 Feb 12, 22:34
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Ich bin auch eine der Fremdsprachensekretärinnen, die alles übersetzen dürfen.

Allerdings habe ich einen vernünftigen Chef. Bei technischen Texten gesteht man mir zu, dass ich nicht alles zweifelsfrei herausbekomme; dann schreibe ich eben eine Anmerkung, dass ich die entsprechende Passage selbst nicht verstehe. Manchmal ersetzt auch ein Bildchen aus Guhgel das nicht auffindbare Wort. Die vom Chef selbst ausgegebene Devise ist: Lieber unverständlich, sodass der Ingenieur fragt, als eindeutig verständlich und falsch.

Meine Texte sind aber sämtlich Übersetzungen ins Deutsche für den internen Gebrauch. Wenn ich manchmal an einer Serie Leo-Postings sehe, dass da jemand mit weit schlechteren Sprach- und Fachkenntnissen als ich verantwortlich in die Fremdsprache übersetzt, dann wird mir klar, warum manche Bedienungsanleitungen so herrlich unverständlich sind.
#76AuthorEifelblume (341002) 10 Feb 12, 08:46
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@Restitutus: Dein Chef hat Recht - so mache ich das am liebsten, wenn ich denn eine Word-Datei bekomme und mein Kunde nicht andere Vorstellungen hat. Ich habe durchaus Endkunden, die ganz bestimmte Programme vorgeben - egal wie gut oder schlecht für mich, damit sie mir bein nächsten Mal weniger bezahlen müssen, indem sie mein TM zu eigenen Zwecken verwenden. Das Ergebnis bekomme ich dann beim nächsten Mal als Vorlage...

Noch besser sind die, die mir pdf-Dateien geben, damit ich keine Änderung daran vornehmen kann!

Ich habe auch einen Kunden, dessen schriftliche Ergüsse ewig lang und völlig unverständlich sind. Ich pflücke das dann auseinander, mache eine Nacherzählung draus und dann wird's schön. Neulich ruft der Mensch an und sagt, der Lektor habe das Manuskript wegen sprachlicher Mängel zurückgeschickt. Ich blicke darauf und da hat doch der Mensch darin herumgefuhrwerkt, Singular und Plural nicht zu einander bekommen, jede Veränderung ein Fehler. Und ich soll das reparieren, kostenlos natürlich, weil es ja meine Übersetzung war...

Hat Dein Abteilungsleiter mal gefragt, wieviel Geld die Übersetzerinnen pro Wort/Zeile bekommen? Ein international durchaus gängiger Satz liegt zwischen 4 und 6 US-cent pro Wort. Um damit überleben zu können, muss man so arbeiten. Jede Untervergabe (und da gibt es oft 2 bis 3) kostet Geld, und das fehlt. Besser ist es, qualifizierte Übersetzer direkt zu beauftragen, bei 20 Sprachen ist das natürlich ein Problem, aber ich kenne keine Agentur, die einen nach eigenem Ermessen arbeiten lässt.
#77Authorkrazy_mom (D) (238333) 10 Feb 12, 09:09
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krazy_mom, in dieser Welt, in der ich mich damals bewegte, war das alles viel komplizierter. Die Firma, für die ich arbeitete, schrieb Bedienungsanleitungen für den Konzern, aus dem der Abteilungsleiter kam. Mein Boss kassierte einen Unterauftragnehmerzuschlag für die Aussteuerung der Übersetzer, war aber gezwungen, alle Aufträge dieses Kunden an dieses Büro zu vergeben, weil die kaufmännische Abteilung des Konzerns mit den Damen feste Preise vereinbart hatte, die unter denen unserer freien Stammübersetzer lagen. Es war ein Knebelvertrag für alle und löste auf allen Seiten Unzufriedenheit aus: bei meinem Boss und mir, weil wir ständig Sachen wie "data coach" (Datenbus) serviert bekamen, dem Übersetzungsbüro, weil es ständig auf eigene Kosten nachbessern musste, und beim Kunden, weil die vereinbarten Liefertermine niemals eingehalten wurden. Fein raus waren nur die Kaufleute, weil die sich ans Revers hefteten, dass sie zugunsten des Konzerns wieder mal ein paar Mark gespart hätten.
#78AuthorRestitutus (765254) 10 Feb 12, 09:42
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Restitutus, das sage ich ja immer - die Erbsenzähler führen zum Untergang des christlichen Abendlandes, so wie wir es kennen *wegduck*

Die Firmen, die mir im Laufe meiner mittlerweile recht langen Tätigkeit begegnet sind, bei denen die Kaufleute das Sagen hatten/bekamen, gibt es fast alle nicht mehr. Von einigen Großkonzernen abgesehen. Bei inhabergeführten Unternehmen sieht das völlig anders aus, da geht es darum, dass Entscheidungen langfristig sinnvoll sind, da sieht jeder, wie sehr sich der Chef einbringt und niemand predigt Wasser und trinkt Wein.
#79Authorkrazy_mom (D) (238333) 10 Feb 12, 10:10
Comment
Spinatwachtel, was ist denn dein Vorschlag für den Wissenschaftsbetrieb, wenn es denn so schrecklich ist, wenn das Englisch gelegentlich "ein bisschen schief ist"? Zig Dolmetscher an jedem Institut und bei jeder Tagung?[\i]

Das ist sicher keine Lösung.
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit in einer Konferenz zu sitzen, in der ein Deutscher einen Vortrag auf englisch hielt. Das Englische wurde simultan nach deutsch übersetzt und von dort simultan in tschechisch, spanisch, schwedisch, niederländisch.
Der Vortrag sollte den Simultanübersetzern vorher bekannt gewesen sein, trotzdem hab ich relativ schnell die Kopfhörer abgesetzt und dem englischen zugehört, weil es wesentlich mehr Informationen enthielt als die deutsche Simultanübersetzung, die leider z.T. auch noch falsch war. Bei den Übersetzungen von D in die anderen 4 Sprachen ist sicherlich noch mehr verloren gegangen.
Mein Vorteil war, das ich den Inhalt des Vortrags bereits kannte und mir daher erlaube, dies beurteilen zu können.
Simultanübersetzen ist natürlich eine Kategorie für sich und nMn ein Vielfaches schwieriger.
Trotzdem schade für die 12 Personen, die auf die Übersetzungen der Übersetzungen angewiesen waren.


@Gibson hatte ich auch nicht angenommen.
#80AuthorMasu (613197) 10 Feb 12, 11:12
Comment
Fängt dieses blöde Übersetzerproblem nicht schon in der Schule an, wo lustlose Schüler dazu gezwungen werden ganze Texte zu übersetzen, die sie sowieso nicht blicken und sie dann einfach vom Google-Übersetzer übersetzen lassen?

Ich, der sich als einer der besten Schüler in meiner Klasse innerhalb des Englischunterrichts bezeichnen darf, gebe mir richtig Mühe beim Übersetzen. Eine richtige "Belohnung" erhalte ich dafür leider nicht. Als Dank bekommt man von den Lehrern eher einen geschockten Blick, weil kein einziger in meiner Klasse weiß, was "chain" (= in dem Fall: Schneekette) auf Deutsch bedeutet, obwohl dir das Wort im ganzen Schulleben - nicht mal in diesem Schuljahr - in keiner Vokabelliste begegnet ist; selber aber rennt sie auch oft zum Wörterbuch, weil sie einige (simple) englische Begriffe nicht übersetzen kann. (Das Wort war übrigens in einer Abschlussprüfung geschrieben, war verpflichtet übersetzt zu werden, damit man die Frage richtig beantworten konnte und steht nicht einmal im Schulwörterbuch - das in der Abschlussprüfung benutzt werden darf - drin).

Wieso sollte das im Beruf nicht anders sein?
#81Authornaka-naka (629692) 12 Feb 12, 16:00
Comment
weil kein einziger in meiner Klasse weiß, was "chain" bedeutet, obwohl dir das Wort im ganzen Schulleben - nicht mal in diesem Schuljahr - in keiner Vokabelliste begegnet ist;

Wenn das Wort noch nie vorgekommen ist, ist es aber doch verständlich, dass es keiner kennt. Ich kann dir nicht folgen (und finde den Beitrag auch sonst nicht übermäßig klar...).
#82AuthorGibson (418762) 12 Feb 12, 16:34
Comment
Ja, ist nicht so klar.

weil kein einziger in meiner Klasse weiß, was "chain" (= in dem Fall: Schneekette) auf Deutsch bedeutet, obwohl dir das Wort im ganzen Schulleben *** "obwohl" sollte weil sein? Warum "dir"?

selber aber rennt sie auch oft zum Wörterbuch * warum "aber"?

Das Wort war übrigens in einer Abschlussprüfung geschrieben, war verpflichtet übersetzt zu werden *** Das Wort war verpflichtet übersetzt zu werden? Gemeint ist hier vielleicht, "man war verpflichtet, das Wort zu übersetzen".

Wieso sollte das im Beruf nicht anders sein? *** Sollte wohl heissen "Wieso sollte das im Beruf anders sein?"


Versuche dich in den Leser hineinzuversetzen, der deinen Gedankengang noch nicht kennt. Würdest du deinen Text verstehen?
#83Authormordnilap (835133) 12 Feb 12, 16:49
Comment
Dann eben nochmal:

Ich selbst wusste das Wort "chain" auch nicht. Die Lehrerin war extrem geschockt, dass wir davon keine Ahnung hatten, obwohl ihr klar sein muss, dass das Wort in den ganzen Jahren nie in den Vokabellisten der Englischbücher und auch nicht im Schulwörterbuch drinstehen. Woher soll das also jemand wissen?

Sie selbst - sollte das Fach eigentlich sehr gut beherrschen - rennt gern mal bei extrem einfachen Wörtern zum Schulwörterbuch.

"Gemeint ist hier vielleicht, "man war verpflichtet, das Wort zu übersetzen"."

Gemeint war, dass man das Wort übersetzen musste, damit man ankreuzen konnte, welche Aussage gestimmt hat.

Wieso sollte das im Beruf nicht anders sein, heißt eben, dass einem als unqualifizierter Schüler genauso viel verlangt wird zu wissen und es perfekt zu übersetzen, obwohl selbst die Lehrer manchmal von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.
#84Authornaka-naka (629692) 12 Feb 12, 17:08
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Zum zweiten Mal: Der Satz 'Wieso sollte es im Beruf nicht anders sein' ergibt keinen Sinn. Auch der restliche Beitrag ist wieder voller Fehler. Wenn du hier in einem Sprachforum schreibst, gib dir doch bitte mehr Mühe (vor allem auch damit, die Kommentare zu verstehen, statt einfach das Gleiche noch mal zu schreiben).
#85AuthorGibson (418762) 12 Feb 12, 17:20
Comment
Ich gebe öfter Texte weg zum Übersetzen und sage dann dem Menschen, dass er die ihm nicht geläufigen Fachausdrücke unübersetzt lassen soll (weil sowieso Mist rauskommt, wenn er von dem Fachgebiet nicht soviel versteht wie ich). Es ist aber nicht immer einfach für ihn, sich dran zu halten (bzw. die Fachausdrücke zu identifizieren)...
#86AuthorStarost (825755) 12 Feb 12, 18:11
Comment
Ich gebe öfter Texte weg zum Übersetzen und sage dann dem Menschen, dass er die ihm nicht geläufigen Fachausdrücke unübersetzt lassen soll (weil sowieso Mist rauskommt, wenn er von dem Fachgebiet nicht soviel versteht wie ich). Es ist aber nicht immer einfach für ihn, sich dran zu halten (bzw. die Fachausdrücke zu identifizieren)...
#87AuthorStarost (825755) 12 Feb 12, 18:11
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In deinen Augen ergibt es eventuell keinen Sinn. Vielleicht rede ich einfach zu sehr im Dialekt. Ich gebe mir so viel Mühe wie nur möglich. Ein Jugendlicher kann sich im Durchschnitt eh nicht so gut artikulieren wie ein Erwachsener. Und sowas sollte man auch in einem "Sprachforum" ein wenig akzeptieren. Aber für eine weitere Diskussion darüber bin ich gerne für Privatnachrichten bereit.
#88Authornaka-naka (629692) 12 Feb 12, 18:18
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Naja, noch nicht ganz bereit, da Du sie erst noch aktivieren musst :-)
#89AuthorLady Grey (235863) 12 Feb 12, 18:27
Comment
Ein Jugendlicher kann sich im Durchschnitt eh nicht so gut artikulieren wie ein Erwachsener.

Ob das stimmt, lasse ich mal dahingestellt, aber es wird sich bestimmt nicht ändern, so lange der fragliche Jugendliche sich gar nicht verbessern will. Du hast nichts von dem angenommen, was mordnilap und ich gesagt haben, sondern redest dir lieber ein, der Unfug, den du schreibst, sei Interpretationssache, und offenbar bist du auch an den erneuten Fehlern nicht interessiert. Das fällt bei mir nicht unter 'gebe mir so viel Mühe wie nur möglich'.

Und ja, für die PMs wäre eine Aktivierung eine gute Idee.
#90AuthorGibson (418762) 12 Feb 12, 18:43
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Ist die Übersetzung von "chain" als Kette und in bestimmtem Kontext als Schneekette nicht völlig trivial?
#91AuthorWachtelkönig (396690) 12 Feb 12, 18:52
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OT
naka-naka, Du hast ja beeindruckend viele Mütter.
#92AuthorSelima (107) 12 Feb 12, 19:08
Comment
@92: *gg* stimmt!

@91: Hätte ich auch angenommen. Das Wortpaar "chain-Kette" dürfte, selbst wenn es tatsächlich nie in einem Schulbuch vorgekommen sein sollte, spätestens im Wörterbuch stehen (sofern zweisprachig, was wir niemals benutzen durften; im "Oxford Learner's", den wir in Klassenarbeiten verwenden durften, steht aber zumindest "chain" ganz sicher drin, zusammen mit einer verständlichen Definition). Und dann aus dem Kontext heraus darauf zu schließen, dass es sich bei den Ketten in diesem Fall um Schneeketten handelt, sollte keine allzugroßen intellektuellen Klimmzüge erfordern.
In den Jahrgangsstufen, in denen einsprachige Wörterbücher in der Klassenarbeit erlaubt waren, gab es bei uns allerdings auch keine Ankreuzfragen. In welcher Jahrgangsstufe und auf was für einer Schule ist das denn gewesen, naka-naka?
#93AuthorDragon (238202) 13 Feb 12, 10:42
Comment
Ich sehe es so, dass bei Übersetzungen, wie bei allem anderen auch, der Preis ausschlaggebend ist, solange der Zahler die Qualität nicht vergleichen kann.

Wenn ich einen Übersetzer für einen Fachtext suche und entsprechende Angebote erhalte, wird auch bei mir derjenige den Zuschlag erhalten, bei dem es mich am wenigsten kostet.

Wäre ich in der Lage, die Qualität der Übersetzung zu prüfen, könnte ich auch selber übersetzen. Warum sollte ich einem Übersetzer 5000,- EUR zahlen, wenn ein anderer mir die Übersetzung für 2500,- EUR anbietet?

Klar, wenn ich 5 Angebote erhalte, davon 4 in ähnlicher preislicher Region und 1 um die Hälfte günstiger, würde ich dort sicher nachfragen, ob dieser Übersetzer auch über die entsprechenden Qualifikationen verfügt und ggf. Referenzen benennen kann.
#94AuthorPete (236888) 13 Feb 12, 11:30
Comment
#85: Das "nicht" stammt aus dieser Konstruktion:

Warum sollte es im Beruf nicht genauso sein?
#95Authorcorbie (745439) 13 Feb 12, 11:38
Comment
@Pete: Manchmal kann ich die Qualität durchaus prüfen. Wenn ich einen Fachtext aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzen lasse, kann ich überprüfen, ob die Übersetzung (a) korrektes und idiomatisches Deutsch ist, und (b) fachlich Sinn ergibt (wenn nicht, kann natürlich auch der Ausgangstext Murks sein, aber dann würde ich mir von einem fachlich bewanderten Übersetzer einen Hinweis erwarten). In die andere Richtung ist es natürlich schwieriger. Bei Übersetzungen in eine mir geläufige Sprache kann ich zumindest noch (b) überprüfen, bei mir unbekannten Sprachen bin ich natürlich dem Übersetzer auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
#96AuthorRE1 (236905) 13 Feb 12, 11:57
Comment
Wäre ich in der Lage, die Qualität der Übersetzung zu prüfen, könnte ich auch selber übersetzen. Glaub ich nicht. Aktive und passive Sprachbeherrschung sind bekanntlich ein wenig unterschiedlich - bei den meisten Menschen.
#97Authortigger (236106) 13 Feb 12, 12:16
Comment
Klar, wenn ich 5 Angebote erhalte, davon 4 in ähnlicher preislicher Region und 1 um die Hälfte günstiger, würde ich dort sicher nachfragen, ob dieser Übersetzer auch über die entsprechenden Qualifikationen verfügt und ggf. Referenzen benennen kann.


Referenzen besagen nichts. Ich hatte mal mit einer netten Dame zu tun, die einen in Amerika erworbenen PhD vorweisen konnte - aber dann den Auftrag ohne Absprache und ohne es zuzugeben untervermittelt hat, so dass dennoch ein zwar preisgünstiger, aber augenfälliger Murks herauskam.
#98AuthorRestitutus (765254) 13 Feb 12, 12:18
Comment
#97 Kommt auch drauf an, in welche Richtung: wenn ich als Kunde die Quellsprache zwar einigermaßen verstehe, aber nicht selbst übersetzen könnte, kann ich eine schlechte Übersetzung in die eigene Sprache erkennen (zum Beispiel allein daran, dass sie übersetzt klingt).
Wenn ich eine Übersetzung in die Fremdsprache in Auftrag gebe, ist das schwieriger.
#99AuthorLady Grey (235863) 13 Feb 12, 12:50
Comment
Wäre ich in der Lage, die Qualität der Übersetzung zu prüfen, könnte ich auch selber übersetzen.

Sind meine Kunden z.T. durchaus - sie haben nur nicht die Zeit dazu.
#100Authorkrazy_mom (D) (238333) 13 Feb 12, 12:56
Comment
Das meine ich ja, Lady Grey: Ich kann vielleicht beurteilen, ob das Ergebnis gut ist, aber deswegen hätte ich es noch lange nicht vollständig selber machen können, wie Pete in #94 meint.
#101Authortigger (236106) 13 Feb 12, 13:29
Comment
Huch, da habt ihr natürlich das Recht auf eurer Seite. Natürlich kann ich Übersetzungen in meine Muttersprache prüfen. Ich meinte eine Übersetzung in eine Fremdsprache. Die kann ich nicht auf ihre Qualität prüfen. Selbst mit meinen durchaus geschäftstauglichen Englischkenntnissen würde ich einen Fachtext zwar verstehen, aber ob die Übersetzung im Sinne eines Muttersprachlers gut oder bestenfalls mittelmäßig ist, könnte ich nicht mit Sicherheit sagen.

@Restitutus: Was hat der im Amerika erworbene PhD mit Referenzen zu tun? Ich verstehe Dein Argument leider nicht. :-( Es soll auch Leute mit Prof.Dr.Dr.-Titel geben, die nicht unbedingt "helle" im Köpfchen sind. ^^
Für mich wäre eine Übersetzungs-Referenz z.B. ein anderes Unternehmen, für welches der Übersetzer bereits tätig war. Klar, wenn der Auftrag untervermittelt wurde, sagt die Referenz u.U. nichts aus, es sei denn, mein Auftrag würde zum gleichen Übersetzer "untervermittelt". :P

Woher soll ich als Unternehmer denn wissen, ob der angebotene Preis gerechtfertigt ist? Er könnte auch völlig überzogen sein, "Gauner" gibt es auf allen Seiten. Und bevor ich da auf "Gut Glück" mehrere tausend Euro für eine Übersetzung raushaue, würde ich schon intensive Bemühungen anstellen, um herauszufinden, ob die Forderung für die zu erledigende Übersetzung gerechtfertigt ist.

Und noch eine kurze Anmerkung zu meiner Aussage "Wäre ich in der Lage, die Qualität der Übersetzung zu prüfen, könnte ich auch selber übersetzen.":
Wenn meine Fähigkeiten so gut wären, eine hervorragende Übersetzung von einer guten Übersetzung zu unterscheiden, bin ich sicher in der Lage, diese Übersetzung auch selber zu machen. Schwarz/Weiß kann ich unterscheiden, aber ob es dann auch für die unterschiedlichen Grautöne ausreicht bezweifle ich. :-)
#102AuthorPete (236888) 13 Feb 12, 14:51
Comment
Woher soll ich als Unternehmer denn wissen, ob der angebotene Preis gerechtfertigt ist? Er könnte auch völlig überzogen sein, "Gauner" gibt es auf allen Seiten. Und bevor ich da auf "Gut Glück" mehrere tausend Euro für eine Übersetzung raushaue, würde ich schon intensive Bemühungen anstellen, um herauszufinden, ob die Forderung für die zu erledigende Übersetzung gerechtfertigt ist.

Ach, es gibt verschiedene Wege so etwas zu überprüfen... ;)

related discussion: Übersetzung Drehbuch


Das Muttersprachlerprinzip ist hier schon mehrfach angeklungen, wobei es auch dabei m.E. darauf ankommt, was für eine Übersetzung man anfertigt. So ist mir zum Beispiel bei juristischen Fachtexten ein Übersetzer lieber, der in die Fremdsprache übersetzt, dafür aber die Quellsprache fehlerfrei versteht und eine Übersetzung erstellt die zwar ab und zu etwas holprig klingt, aber dafür fehlerfrei (was Sachfehler angeht) und verständlich ist, als einer der in die Muttersprache übersetzt (von mir aus auch hervorragende Fachkenntnisse in der Muttersprache hat), der aber leider (weil seine Fremdsprache eben doch etwas schlechter ist als seine Muttersprache) den Quelltext fehlversteht und mir eine wunderschön zu lesende, elegante Fehlübersetzung abliefert.

In anderen Bereichen halte ich das Muttersprachlerprinzip durchaus für vernünftig, aber gerade bei Fachübersetzungen bin ich nicht davon überzeugt, dass es die einzige akzeptable Variante ist.
#103AuthorRichard (236495) 13 Feb 12, 15:20
Comment
Oiso ohne, dass ich jetzt alles gelesen habe:
Ich glaube, dass der Hang zum Perfektionismus auch auf Fremdgebieten immer größer wird. Ich bspw. beschäftige mich intensiv mit Whisky, durchaus auch rein theoretisch *g*. Lese (mit mehr oder weniger Erfolg ;o) ) auch wissenschaftliche Arbeiten, welche weit über das Allgemeinwissen zum Thema hinausgehen.

Lese ich etwas selber, muss ich es nicht perfekt übersezten um es grob zu verstehen. Anders ist's wenn ich etwas übersetze und weitergebe, da ist dann der Ehrgeiz schon so groß, dass der Text so gut als möglich sein soll.

Da lande ich dann hier und begründe meine Korrekturwünsche durchaus auch mit "habe von Chemie keine Ahnung".

Aber dafür sind doch diese Seiten auch da, oder nicht?

dankt allen geduldigen Geistern hier
WFL
#104AuthorWFL (137066) 13 Feb 12, 15:32
Comment
#103: So ist mir zum Beispiel bei juristischen Fachtexten ein Übersetzer lieber, der in die Fremdsprache übersetzt, dafür aber die Quellsprache fehlerfrei versteht und eine Übersetzung erstellt die zwar ab und zu etwas holprig klingt, aber dafür fehlerfrei (was Sachfehler angeht) und verständlich ist, als einer der in die Muttersprache übersetzt (von mir aus auch hervorragende Fachkenntnisse in der Muttersprache hat), der aber leider (weil seine Fremdsprache eben doch etwas schlechter ist als seine Muttersprache) den Quelltext fehlversteht und mir eine wunderschön zu lesende, elegante Fehlübersetzung abliefert.

I understand what you're saying, though if you leave the text in that state ("ab und zu etwas holprig klingt"), it should be borne in mind that the reader may only see/understand the target text and will make his/her judgement on that basis.
#105AuthorKinkyAfro (587241) 13 Feb 12, 15:51
Comment
Kinky,

Obviously the ideal is someone who is completely bilingual and familiar with both legal systems (even if I do say so myself ;) ) but that is, unfortunately, a fairly rare occurrence.

If in doubt, in a legal setting, I'd rather have something that's clumsy but correct, than something that's elegant and wrong. Particularly with some of the more convoluted legalese, where it is hard enough for native speakers to understand what on earth is meant, non-natives often struggle, or misunderstand (and here I don't mean that they don't understand, but rather that they think they do but are mistaken. For example misunderstanding the relationship between two parties, and ending up with the wrong party being under an obligation). If it is then transferred into elegant target language terminology, no one is going to notice (unless it is manifestly nonsense).

You are absolutely right, of course, that the reader may only see that target text and make his/her judgement on that basis. Here it will depend on who the reader is. If it is a judge, because a matter is going to be litigated on, it is unlikely to be all that relevant. If the target reader is a potential customer who is put off by the poor phrasing, then the text should certainly also be revised by a native speaker. However, in a context where accuracy is of paramount importance, elegance tends to be a bonus, rather than an overriding consideration.

Let's take an example I've made up on the spot:

"The Principal agrees that the agent shall be held harmless and indemnified against all claims that may arise out of any action by the Principal that is grossly negligent, or negligent act in the case of a subcontractor of the Principal."

Now, if I translated that as "Der Auftraggeber stimmt zu, dass der Auftragnehmer nicht dafür verantwortlich ist wenn der Auftraggeber grob fahrlässig handelt ("grossly negligent action") oder wenn einer der Subunternehmer des Auftraggebers fahrlässig handelt ("negligent act")", that is not going to win any prizes for elegance, but would be understood and not misleading. If, on the other hand, I translated it as: "Der Auftraggeber hält den Auftragnehmer schadlos und stellt ihn von jeglichen Ansprüchen Dritter frei die sich aus der Fahrlässigkeit des Auftraggebers oder eines seiner Subunternehmers ergeben", that would perhaps be a more elegant version (although I'm sure someone might disagree... ;) ) but it would be misleading and potentially leave the Principal open to considerably more substantial claims for damages than originally intended.
#106AuthorRichard (236495) 13 Feb 12, 17:01
Comment
@ WFL
Danke für den Kommentar ; )
Ich finde Leo super - das ist ein Miteinander und ein Super-Austausch und das sollte man auch erhalten.
Mein Englisch ist gut, da kann ich auch mal jemand weiter helfen.
Mein Französisch ist rudimentär, aber ich arbeite dran und bekomme super Unterstützung im Französisch-Forum. Also ist es Geben und Nehmen - ich denke das geht den meisten so.
Und wenn die Profis sich hier austauschen: es hat halt nicht jeder das Glück, in einem großen Büro mit Kollegen zu sitzen. Viele hocken allein zu Hause im Kammerl. Da ist so ein bißchen zweite Meinung auch mal nett, oder ; )
In diesem Sinne - let´s be nice to each other

#107Authorigolo (838198) 13 Feb 12, 17:45
Comment
Das Muttersprachlerprinzip ist hier schon mehrfach angeklungen, wobei es auch dabei m.E. darauf ankommt, was für eine Übersetzung man anfertigt.


Dann gibt es keinen Menschen auf der Welt, der befugt ist, einen Text ins Lateinische oder in Esperanto zu übersetzen? Denn um die Muttersprachler beider abzuzählen, ist ein Daumen noch zu viel.
#108AuthorRestitutus (765254) 13 Feb 12, 22:34
Comment
Restitutus,

Ich habe eigentlich das genaue Gegenteil gesagt, nämlich dass das Muttersprachlerprinzip teilweise sicherlich vernünftig ist, aber nicht als allgemeingültig & verpflichtend angesehen werden sollte. Das habe eher andere behauptet (e.g. Lost in Translation "Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen. Und da trennt sich schon die Spreu vom Weizen." etc.).

#109AuthorRichard (236495) 14 Feb 12, 11:04
Comment
Dieser Tage wurde ich unfreiwillig Zeuge einer Unterhaltung zweier Geschäftsleute in der U-Bahn in deren Verlauf sich der eine darüber beklagte, warum man denn überhaupt Übersetzer beschäftige, wo doch heutzutage jeder mindestens drei Jahre Schulenglisch genossen habe.
Angesichts derartiger "Wertschätzung" verschlägt's einem glatt die Sprache!

"Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen." Dann verstehe ich umso weniger, warum z. B. viele deutsche Großunternehmen in der Übersetzungs- und Vertragsabteilung ausschließlich englische Muttersprachler einstellen, dann aber ins Stellenangebot schreiben, dass vorrangig aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt werden soll.

Fragen an die 'alten Hasen' unter euch Übersetzern:
Wie löst man denn das 'Stammgast-Paradoxon', also das Problem, dass nur Stammgäste Zutritt haben, man diesen Status aber nicht erreichen kann, weil man nicht eingelassen wird. Oder - übertragen aufs Übersetzen: Wie kommt man an die ersten Aufträge, um die bei Auftragsvergabe geforderten Referenzen vorlegen zu können?

Welche Voraussetzungen sind eigentlich in Bayern nötig, um vereidigter Übersetzer zu werden, wenn man bereits einen Uni-Abschluss als Anglist, Lehrer oder Literaturübersetzer hat? Die Informationen sind ziemlich widersprüchlich.
#110AuthorLeseratz (238114) 16 Feb 12, 11:02
Comment
(OT an Restitutus: EIN Daumen reicht: Für das Kind [zweiter Mensa-Mitglieder] aus meinem Bekanntenkreis, das in Esperanto aufgezogen wurde. Die Eltern hatten eine Klatsche, das Kind wahrscheinlich inzwischen auch.)
#111AuthorCorduli [de] (7520) 16 Feb 12, 11:52
Comment
"Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen." Dann verstehe ich umso weniger, warum z. B. viele deutsche Großunternehmen in der Übersetzungs- und Vertragsabteilung ausschließlich englische Muttersprachler einstellen, dann aber ins Stellenangebot schreiben, dass vorrangig aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt werden soll.

Aus Angst, dass ein Nichtmuttersprachler das nichtmuttersprachliche Denglisch nicht verstehen könnte, das die Konstrukteure an die Übersetzungsabteilung senden.
#112AuthorRestitutus (765254) 16 Feb 12, 12:55
Comment
Das wäre ein seltsamer Schluss - warum sollten Engländer/Amerikaner besser Denglisch verstehen als Deutsche? Und das D-Muttersprachler besser D schreiben, sollte klar sein ...
#113AuthorLady Grey (235863) 16 Feb 12, 13:08
Comment
#112 war sarkastisch gemeint, oder?
#114AuthorMattes (236368) 16 Feb 12, 13:10
Comment
#113: Und das D-Muttersprachler besser D schreiben, sollte klar sein ...

;-)
#115AuthorKinkyAfro (587241) 16 Feb 12, 13:14
Comment
Welche Voraussetzungen sind eigentlich in Bayern nötig, um vereidigter Übersetzer zu werden, wenn man bereits einen Uni-Abschluss als Anglist, Lehrer oder Literaturübersetzer hat?

Kürzlich sind in einigen Bundesländern die Bestimmungen zur Ermächtigung von Übersetzern verschärft worden, u.a. in NRW. Man muß jetzt u.a. Kenntnisse der deutschen Rechtssprache nachweisen.

Hier das Portal für NRW, in Bayern wird es ähnlich sein:
http://www.jm.nrw.de/Gerichte_Behoerden/anschriften/dolmetscher__u_uebersetzer/i...

Es gibt Seminare zum Thema, zum Beispiel vom BDÜ und von privaten Anbietern.
Am besten fragst Du den bayerischen Landesverband:
http://www.bdue-bayern.de/
oder http://www.vbdu.de/
#116Authorpenguin (236245) 16 Feb 12, 13:17
Comment
Touché, Kinky!
#117AuthorLady Grey (235863) 16 Feb 12, 13:17
Comment
Nachtrag zu #116: Hier dürftest Du alles finden, was Du brauchst:
http://www.vbdu.de/Service.htm
#118Authorpenguin (236245) 16 Feb 12, 13:25
Comment
"Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen." Dann verstehe ich umso weniger, warum z. B. viele deutsche Großunternehmen in der Übersetzungs- und Vertragsabteilung ausschließlich englische Muttersprachler einstellen, dann aber ins Stellenangebot schreiben, dass vorrangig aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt werden soll."


Weil genug deutsche Muttersprachler/Korrekturleser vor Ort sind, so dass beide Schritte (Verstehen des evtl. merkwürdigen Englisch und Optimieren der deutschen Übersetzung) gegeben sind?
#119Authorcorbie (745439) 16 Feb 12, 13:29
Comment
Hallo Leseratz,

Angesichts derartiger "Wertschätzung" verschlägt's einem glatt die Sprache!

Einfach mal gegenfragen wofür man denn studierte Ingenieure/Chirurgen/Kernphysiker braucht, schließlich hat doch jeder ein paar Jahre Mathe/Biologie/Physik in der Schule gehabt...


"Die Berufsethik eines guten Übersetzers lautet sowieso, immer in die Muttersprache zu übersetzen." Dann verstehe ich umso weniger, warum z. B. viele deutsche Großunternehmen in der Übersetzungs- und Vertragsabteilung ausschließlich englische Muttersprachler einstellen, dann aber ins Stellenangebot schreiben, dass vorrangig aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt werden soll.

Die Einstellung zum Muttersprachlerprinzip ist von Land zu Land verschieden- ganz vehement wird es z.B. in England verteidigt, wo es unter anderem in den Berufsordnungen der Berufsverbände festgeschrieben ist- beim ITI zum Beispiel hier: "4.1.1 Subject to 4.4 and 4.5 below, members shall
translate only into a language which is either (i) their
mother tongue or language of habitual use, or (ii) one
in which they have satisfied the Institute that they have
equal competence. They shall translate only from those
languages in which they can demonstrate they have the
requisite skills.
"
http://www.iti.org.uk/pdfs/newPDF/20FHConductIn_%2806-11%29.pdf

In Deutschland ist es viel verbreiteter auch aus der Muttersprache in die Fremdsprache zu übersetzen (und auch an den Universitäten, bzw. für Übersetzungsprüfungen wird in Deutschland erwartet, dass man in beide Richtungen übersetzt).

Fragen an die 'alten Hasen' unter euch Übersetzern:
Wie löst man denn das 'Stammgast-Paradoxon'


Verschiedene Möglichkeiten- Eine Möglichkeit ist, zunächst als angestellter Übersetzer in einer Firma zu arbeiten, eine andere wäre es direkt als Freiberufler anzufangen und hoffen, dass man doch einige Kunden davon überzeugen kann einem Übersetzungen zu geben. Persönliche Kontakte sind natürlich hilfreich (ich hatte meine ersten Aufträge von meiner alten Kanzlei bekommen), oder man kann was Gutes tun und zum Beispiel für wohltätige Zwecke kostenlose Übersetzungen anfertigen (im Gegenzug hat man dann Erfahrung vorzuweisen).

Welche Voraussetzungen sind eigentlich in Bayern nötig, um vereidigter Übersetzer zu werden, wenn man bereits einen Uni-Abschluss als Anglist, Lehrer oder Literaturübersetzer hat?


http://www.ab-uebersetzer.de/service.html#dolmetschergesetz
#120AuthorRichard (236495) 16 Feb 12, 13:35
Comment
Hallo penguin, corbie und Richard, 1000 Dank für die umfassende Auskunft.



#121AuthorLeseratz (238114) 16 Feb 12, 15:29
Comment
Nr. 120: "Language of habitual use" ist natürlich ein Gummiparagraph, der alles offen lässt. Ist es schon "habitual use", wenn ich jeden Tag englischsprachige Emails schreiben muss? Wenn ich mit angeheirateten Verwandten Englisch rede? Reicht es, "Eastenders" von Anfang bis Ende anzuschauen?
#122AuthorRestitutus (765254) 16 Feb 12, 19:30
Comment
@ #122:
Note the exact wording of the extract in #120: "their ... language of habitual use".
#123AuthorKinkyAfro (587241) 16 Feb 12, 19:42
Comment
Restitutus,
"their language of habitual use" Bezieht sich auf die Sprache die regelmäßig gesprochen wird. Es handelt sich nicht um eine Sprache die man regelmäßig spricht sondern um die Sprache in der man hauptsächlich kommuniziert. Zum Beispiel wenn man seit 30 oder 40 Jahren in einem anderen Land lebt und dort täglich die andere Sprachen spricht, ist es gut möglich (und oft der Fall), dass man diese Sprache deutlich besser beherrscht als die eigentliche, ursprüngliche, Muttersprache.

Ich würde mich zum Beispiel zwar als Muttersprachler von sowohl Englisch als auch Deutsch bezeichnen, allerdings übersetze ich lieber ins Englische, weil ich in England studiert und dort auch die meiste Arbeitserfahrung gesammelt habe. Nichtsdestotrotz sehe ich auch Deutsch als meine Muttersprache an, da ich in Deutschland geboren wurde und auch die ersten Jahre und Schuljahre dort verbracht habe.

Allerdings geht für mich aus der Berufsordnung eigentlich recht deutlich hervor, dass jegliche Übersetzungen in eine Sprache die nicht die Muttersprache ist eine ganz kleine Ausnahme darstellen und alles andere als die Norm sind.
#124AuthorRichard (236495) 16 Feb 12, 20:12
Comment
Dann frage ich mich allerdings, wozu die staatliche Übersetzerprüfung hierzulande grundsätzlich beide Sprachrichtungen abfragt.

#125AuthorRestitutus (765254) 16 Feb 12, 22:40
Comment
Reicht es, "Eastenders" von Anfang bis Ende anzuschauen?
Ist das in einer Lebenszeit überhaupt möglich? ;-)
#126AuthorLady Grey (235863) 16 Feb 12, 22:53
Comment
Ich sehe ehrlich gesagt die Ausnahme vom Muttersprachlerprinzip in #120 nicht, denn da steht:

or (ii) one in which they have satisfied the Institute that they have equal competence.

Der Übersetzer, egal welcher Sprache, sollte also in eine Sprache übersetzen, in der er muttersprachliche Kompetenzen besitzt, egal, wo er herkommt. Und nur darum geht's doch, und nicht um den richtigen Pass. Es gibt Millionen von Muttersprachlern, die ich nicht mal in die Nähe einer Übersetzung lassen würde.
#127AuthorGibson (418762) 16 Feb 12, 23:04
Comment
Restitutus,

Vgl. meinen Kommentar in #120: Die Einstellung zum Muttersprachlerprinzip ist von Land zu Land verschieden- ganz vehement wird es z.B. in England verteidigt, wo es unter anderem in den Berufsordnungen der Berufsverbände festgeschrieben ist ... In Deutschland ist es viel verbreiteter auch aus der Muttersprache in die Fremdsprache zu übersetzen (und auch an den Universitäten, bzw. für Übersetzungsprüfungen wird in Deutschland erwartet, dass man in beide Richtungen übersetzt).

In Deutschland wird eben erwartet, dass in beide Richtungen übersetzt werden kann, in England ist das nicht der Fall.


Gibson,

Da steht aber auch "...either (i) their mother tongue or language of habitual use, or (ii) one in which they have satisfied the Institute that they have equal competence...". Das widerspricht dem Muttersprachlerprinzip insofern, als das Muttersprachlerprinzip eigentlich davon ausgeht, dass man ausschließlich in seine Muttersprache übersetzen sollte (und damit implizit die Möglichkeit ausschließt, dass jemand eine andere Sprache genauso gut oder besser als seine Muttersprache beherrscht- nicht, dass das meine Meinung wäre).

Was Muttersprachler angeht die man nicht in die Nähe einer Übersetzung lassen möchte stimme ich Dir natürlich zu...
#128AuthorRichard (236495) 17 Feb 12, 12:11
Comment
#125: Dann frage ich mich allerdings, wozu die staatliche Übersetzerprüfung hierzulande grundsätzlich beide Sprachrichtungen abfragt.

Translating into a foreign language can be a useful academic exercise if nothing else.

Richard, do your students translate into a foreign language?
#129AuthorKinkyAfro (587241) 17 Feb 12, 12:42
Comment
Hier ist ein, wie ich finde, sehr ausgewogener Aufsatz zum Für und Wider des Übersetzens in die Mutter- oder Fremdsprache:

http://www.carstensinner.de/Lehre/uebersetzungswissenschaft/dossiers2008/13_Uebe...
#130AuthorRestitutus (765254) 17 Feb 12, 13:24
Comment
Kinky,

No they don't. (Well, not on the course, anyway...)

I gather that in Poland it is quite common for translators to translate out of their native language (because, as a colleague told me, there are virtually not English native speakers who can also speak Polish...)
#131AuthorRichard (236495) 17 Feb 12, 14:52
Comment
Man kann natürlich auch davon ausgehen, dass gerade die Angelsachsen das Muttersprachlerprinzip so heilig halten, weil sie die schärfste Konkurrenz aus dem Ausland zu fürchten haben. "Englisch kann doch jeder..."
#132AuthorRestitutus (765254) 17 Feb 12, 19:00
Comment
#132: weil sie die schärfste Konkurrenz aus dem Ausland zu fürchten haben.

The longer I live, the less I have to fear, I must say! :-)
#133AuthorKinkyAfro (587241) 17 Feb 12, 19:06
Comment
:-D Guter Witz, Restitutus.
#134AuthorLady Grey (235863) 17 Feb 12, 19:07
Comment
#132: weil sie die schärfste Konkurrenz aus dem Ausland zu fürchten haben.

In fairness, though, I do see some very good non-native translations into English on LEO.
#135AuthorKinkyAfro (587241) 17 Feb 12, 19:13
Comment
It's probably the other way around, that English native speakers just can't get their heads around the idea of anyone being able to learn a foreign language well enough to actually write in it... ;)
#136AuthorRichard (236495) 17 Feb 12, 19:57
Comment
Ziemlich viele Themen in einem Topf hier - aber um mal zum Ausgangsthema zurück zu kehren: heutzutage haben wir, egal in welcher Berufsgruppe, alle mit der Geiz-ist-geil-Mentalität zu kämpfen.
Der 16-jährige Sohn vom Chef schiebt am PC die Werbeanzeigen zusammen, die Lohn-Buchhalterin kann doch auch gleich noch die Korrespondenz übersetzen, Schüler schlagen in ihrer Freizeit Webseiten für nen Hunni pauschal zusammen ... alles Beispiele aus dem echten Leben.
Ich weiß, dass das manchmal ein wenig schwer erträglich ist und uns allen auch unser (in meinem Fall freiberufliches) Leben nicht einfacher macht. Und dass man natürlich vergrätzt ist, wenn gute Arbeit nicht ohne Gemurre und Geknurre einfach mit gutem Geld honoriert wird.
Dies muß leider nicht verwundern in einer Gesellschaft, die nur dem Mammon frönt, in der alles auf "Profitoptimierung" ausgelegt ist - gerne und ganz bewußt zu Lasten der Qualität - und alles nur noch genau so gut sein muß, dass man gerade eben mal damit durch kommt.
Auf diesem Hintergrund hat es aber wenig Wert, über die armen Seelen herzufallen, die gezwungen sind, sich hier und da noch einen Euro dazu zu verdienen oder die - innerbetrieblich oder als Freie - überfordert und ausgenutzt werden.
Wenn man das Geld braucht, nimmt man den Auftrag eben an, auch wenn man ihn grad noch so zwingt - tuts doch nicht alle so erhaben!!!
Und der ganze Brotneid (siehe Diskussion über fachfremde Übersetzer / Muttersprachler versus nicht-Muttersprachler) hat auch noch keinen einzigen Auftrag mehr ins Haus gebracht.
Das ganze Konkurrenz-Verhalten dient doch nur wieder den Preisdrückern.
Mehr bringen würde es, wenn sich nicht alle immer so mit den Preisen unterlaufen würden - das wäre mal was Konkretes. Und dann wären wir auch wieder so weit, dass die Qualität entscheidet und nicht das 5erl weniger.
#137Authorigolo (838198) 20 Feb 12, 16:52
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igolo,

Siehe auch meinen Kommentar in #7- das gegenseitige preisliche Unterbieten ist ein Problem. Ein weiteres Problem ist die Beschädigung des Berufsbildes. Wenn ich den Praktikanten in meiner Firma bitte meine Website zu übersetzen weil der mal in Spanien Urlaub gemacht hat, wundere ich mich evtl. nicht sonderlich wenn die Übersetzung Mängel aufweist. Wenn ich aber einen Übersetzer für teuer Geld anstelle meine Seite zu übersetzen, das dann aber fehlerhaft ist, dann liegt die Schlussfolgerung nah, dass es sich nicht lohnt Übersetzer zu beauftragen, weil die auch nur Murks produzieren.

In dem Fall macht der fachfremde Übersetzer nicht nur durch das preisliche Unterbieten, sondern durch die schlechte Qualität den anderen Übersetzern das Geschäft kaputt.

Zugegebenermaßen kann das auch andersrum funktionieren, wenn Kunden katastrophale Arbeit von einem (billigen) Kollegen bekommen haben, wissen sie auf einmal warum sie dann bei einem Fachmann mehr zahlen sollten (und dass sich das durchaus lohnt).

Ich kritisiere es auch nicht, wenn hier Arbeitnehmer eine Übersetung suchen, weil sie eben doch etwas auf Englisch schreiben müssen, etc. Was mich allerdings doch etwas irritiert, ist wenn professionelle Übersetzer (zumindest der Definition nach, dass diejenigen die dafür Geld verlangen "professionell" sind...) hier deutlich an den Tag legen, dass ihnen das Gebiet das sie Gerade übersetzen völlig fremd ist.
#138AuthorRichard (236495) 20 Feb 12, 18:52
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Igolo, möchtest du einen gesetzlichen Mindestlohn für Übersetzer anregen? Das halte ich für eine sehr vernünftige Idee.

In dem Fall macht der fachfremde Übersetzer nicht nur durch das preisliche Unterbieten, sondern durch die schlechte Qualität den anderen Übersetzern das Geschäft kaputt.

Richard, denkst du auch, dass versierten Anstreichern oder Schreinern durch die schlechte Qualität der Billigkonkurrenz das Geschäft kaputt gemacht wird? Oder sind es die bösen Heimwerker, die eben mal für 'n Kasten Bier Nachbarschaftshilfe machen und selber anstreichen?

Was mich allerdings doch etwas irritiert, ist wenn professionelle Übersetzer (zumindest der Definition nach, dass diejenigen die dafür Geld verlangen "professionell" sind...) hier deutlich an den Tag legen, dass ihnen das Gebiet das sie Gerade übersetzen völlig fremd ist.

Du weißt aber nicht, aus welchen Gründen sie das tun, sondern urteilst einfach nur herablassend deren Fähigkeit ab. Ich habe schon das Beispiel von dem IT-Text gebracht, in dem ich mich 20 Seiten lang auskannte, bis auf der letzten Seite jemand in Insiderchinesisch aus der Filmbranche zu schwelgen begann, die mir völlig fremd ist. Soll ich deswegen nun den fast abgeschlossenen Auftrag zurückgeben und den Zeilenpreis und gleich den Kunden in den Wind schlagen? Hast du etwas dagegen, wenn ich es vorziehe, mich schlau zu machen und dennoch ein so solides Ergebnis abzuliefern wie möglich?
#139AuthorRestitutus (765254) 20 Feb 12, 19:05
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related discussion: Gute deutsche Übersetzung für "Governance, Risk and E...
http://www.dimensiondata.com/AboutUs/GovernanceRiskAndEthics/Pages/Home.aspx

Schönes oder eher schlimmes Beispiel, wenn es so ist, wie es scheint, daß dort so nebenbei kostenlos ohne professionelle Hilfe eine Unternehmens-website übersetzt werden soll.

Da versteht man schon die zunehmende Verärgerung von LEOs, deren Beruf das ist.
#140AuthorAdvohannes (785343) 21 Feb 12, 09:30
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Restitutus,

Das Problem (bzw. ein Problem) das ich beim Übersetzen sehe, ist eben genau die oftmals kritisierte Auffassung, dass das doch jeder kann der mal in der Schule eine Fremdsprache gelernt hat. Bei anderen Berufen wird eher akzeptiert, dass jemand der das professionell macht auch was kostet. Das bedeutet aber auch, dass bei einem inkompetenten Schreiner eher vermutet wird, dass es eben ein inkompetenter Schreiner war (also die Ausnahme & nicht die Regel), als dass der Rückschluss gezogen wird, dass man es halt doch lieber selber macht, da die Qualität bei den Professionellen ja auch nicht besser ist. Bei Übersetzern kommt dann schneller mal der Kommentar, dass die es ja auch nicht besser können (mein ehemaliger Chef z.B. hatte alle Übersetzungen von den Anwälten selbst machen lassen, weil er mal schlechte Erfahrungen mit Übersetzern hatte und dann pauschal meinte, dass man das doch selber besser könne).

Es geht auch nicht um die "bösen Heimwerker" (oder deren übersetzerisches Gegenstück)- noch geht es um Übersetzer die Anfragen stellen, weil sie einen Aspekt einer Übersetzung nicht verstehen und diesen recherchieren (wenn Du bei meinen Artikeln guckst wirst Du sehen, dass ich oft Anfragen stelle, weil mir gewisse Aspekte unklar waren). Insofern ging es mir auch nicht darum herablassend über die Fähigkeiten anderer zu urteilen- ABER wenn ich sehe, dass eigentlich eine komplette Übersetzung eingestellt wird (so ziemlich Satz für Satz, teilweise mit Lösungsansätzen die jegliches Fachverständnis vermissen lassen) und wenn man dann noch mitbekommt, dass es sich bei dem Fragesteller um einen professionellen Übersetzer handelt, dann bin ich doch der Ansicht, dass so etwas unprofessionell ist und dem Berufsstand schadet.

#141AuthorRichard (236495) 21 Feb 12, 11:54
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Das Problem (bzw. ein Problem) das ich beim Übersetzen sehe, ist eben genau die oftmals kritisierte Auffassung, dass das doch jeder kann der mal in der Schule eine Fremdsprache gelernt hat. Bei anderen Berufen wird eher akzeptiert, dass jemand der das professionell macht auch was kostet.


Ein frommer Wunsch! Schließlich gewinnt bei öffentlichen (und dank Internet nun auch privaten) Projektausschreibungen jeder Art nicht der Beste, sondern der Billigste. Und wenn mir der teure Schreiner Murks macht, ich aber dem Nachbarn dabei zusehe, wie er seine Wände in Eigenleistung fast makellos holzverschalt, dann wende ich mich vermutlich auch lieber an diesen. Das ist doch dann das eigentliche Äquivalent zu den unprofessionellen Übersetzern, oder?

ABER wenn ich sehe, dass eigentlich eine komplette Übersetzung eingestellt wird (so ziemlich Satz für Satz, teilweise mit Lösungsansätzen die jegliches Fachverständnis vermissen lassen) und wenn man dann noch mitbekommt, dass es sich bei dem Fragesteller um einen professionellen Übersetzer handelt, dann bin ich doch der Ansicht, dass so etwas unprofessionell ist und dem Berufsstand schadet.

Gut, da bin ich deiner Meinung, der hätte diesen Auftrag gar nicht erst übernehmen sollen. Allerdings muss man da oft auch die möglichen Abhängigkeitsverhältnisse berücksichtigen. Einer, der weisungsgebunden ist, kann sich nicht immer so leicht darauf berufen, dass er gar nicht kompetent ist, den Wunsch des Auftraggebers zu erfüllen. Auch darüber haben wir schon einiges bei LEO gehört.

Beim Bund geht das genau so. Morgens beim ersten Rekrutenappell: "Wer von Ihnen kann Schreibmaschine tippen?" - Mein Vater meldet sich kühn (hat er mal gemacht, langsam und mit zwei Fingern). - "Gut! Ab in die Schreibstube!" Wo er fortan eine ruhige Kugel schiebt und den Kameraden beim Schlammrobben zusieht.
#142AuthorRestitutus (765254) 21 Feb 12, 14:59
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Es ist doch überall gleich. Jeder will die beste Qualität und möglichst wenig dafür zahlen. Und da reicht ein einziges Unternehmen, um den Preis für den gesamten Markt zu zerstören.
Die potentiellen Auftraggeber könnten sich natürlich die Mühe machen und bisherige Leistungen auf ihre Qualität hin beurteilen. ABER: Das kostet Zeit, die ja niemand hat. Ergo fällt die Wahl auf das günstigste Angebot. Man hat es ja mit einem Fachmann bzw. einer Fachfrau zu tun, also verlasse ich mich mal darauf, dass diese zu dem benannten Preis auch die Qualität liefert, die man von einer Person von Fach erwartet.

Das ist das Problem mit der freien Marktwirtschaft und betrifft alle Branchen, ob jetzt Übersetzer, Maschinenbaufirma, Softwarefirma etc...

Als Firma kann man den Preis dann selber bestimmen, wenn man sich einen entsprechenden Ruf erarbeitet hat. Siehe z.B. Microsoft oder Apple. Vergleichbar mit den Automobilherstellern, bei denen ein vergleichbares Fahrzeug 10.000,- EUR teurer ist, nur weil vorne ein bestimmtes Emblem am Kühlergrill montiert ist.

Im Falle der Übersetzungen ist es natürlich noch schwieriger, denn außer bei Büchern wird wohl niemand den Namen des Übersetzers unter seine Firmentexte schreiben. Und selbst wenn, erfüllt dies keinerlei Prestigeaussage... Ob der Text nun von Hinz oder Kunz übersetzt wurde ist egal, wichtig ist nur die Qualität der Übersetzung. Und diese Qualität fällt zurück auf das Unternehmen (beispielsweise!), welches den Text z.B. in einer Broschüre veröffentlicht.

So habe ich daheim Bedienungsanleitungen diverser Gerätschaften, da krempelt es einem die Zehennägel auf, wenn man sich die grottenschlechten Übersetzungen anschaut. Aber da stehen Unternehmen wie SONY, NOKIA, SAMSUNG, etc... dahinter. Kaum zu glauben, aber scheinar haben diese Unternehmen einen entsprechend unumstößlichen Ruf am Markt, dass die sich sowas leisten können...

Auf der anderen Seite muss natürlich gesagt werden: Reich wird der, der sparen kann. Und somit sind wir wieder genau am Ausgangspunkt angelangt: Das günstigste Angebot gewinnt...
#143AuthorPete (236888) 21 Feb 12, 15:31
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I notice there is a thread Grabinschriften ...
so mancher Text wird statt umgesetzt - beigsetzt ...
#144Authornoli (489500) 21 Feb 12, 15:44
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Da uns gerade Kiezdeutsch als legitimer Dialekt angedienert wird ( related discussion: Kiezdeutsch - neuer Dialekt? ), frage ich mich, was denn nun eigentlich noch so schlimm daran ist, wenn der Chef eben mal den Azubi die Firmenhomepage in "Kiezenglisch" übersetzen lässt...

#145AuthorRestitutus (765254) 22 Feb 12, 09:02
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#145 you gets what you pays for
#146Authornoli (489500) 22 Feb 12, 09:20
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Was Preisdrückerei angeht, scheint es mehr schwarze Schafe zu geben als man denkt.
Eine Bekannte erzählte, sie sei gebeten worden, doch bitte zunächst einmal eine unbezahlte Probeübersetzung von 30 (!) Seiten anzufertigen, auf dieser Basis werde man über die Auftragserteilung sprechen. Sie habe dann abgelehnt und später zufällig erfahren, dass in dem Fall wohl ernsthaft versucht wurde, ein komplettes Werk durch Arbeitsproben kostenlos übersetzt zu bekommen.
(Das erinnert mich doch stark an die Zeiten der elektrischen Schreibmaschine, lange bevor auch nur die Idee eines Internet entstand, zu denen Berufsanfängerinnen im Sekretariat bzw. 'Schreibpool' bei Behörden die Anschläge/Minute durch Prüfungszeugnis und Vorführung beim Bewerbungsgespräch nachweisen mussten und auf dieser Basis eingruppiert wurden.)

Bei anderer Gelegenheit wollte ein Unternehmen mit einem Bekannten einen festen Stundensatz vereinbaren und gleichzeitig eine maximale Stundenzahl vorgeben, die der Übersetzer inkl. der Überarbeitung und Recherche brauchen darf. Einen technischen Fach-Übersetzer könne man sich nicht leisten und auch nicht mehr Stunden bezahlen.(!)
Angeblich ging es um das hochtechnische Handbuch einer Industrieanlage und die Vorlage war selbst schon eine Übersetzung aus einer asiatischen Sprache. Wer haftet denn in einem solchen Fall, wenn aufgrund mangelnder Fachkenntnisse irgendwo zwischen Original und x-ter Übersetzung wichtige Sicherheitshinweise durch den Rost fallen?

#147AuthorLeseratz (238114) 22 Feb 12, 12:00
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Hallo Leseratz:
Zu Deiner Frage:
"Wer haftet denn in einem solchen Fall, wenn aufgrund mangelnder Fachkenntnisse irgendwo zwischen Original und x-ter Übersetzung wichtige Sicherheitshinweise durch den Rost fallen?"
Diese Frage ist tatsächlich sehr wichtig.
Man sollte sich hier dringend absichern - es ist unmöglich, für jede Art von Anlage / Gerät, für die man die TEKDOC übersetzt, das nötige Know-How anzusammeln.

1 - vertraglich sollte man die Haftung für technisch richtige Widergabe der Inhalte und daraus eventuell entstehende Schaden dem Auftraggeber zuweisen. Meist haben die ohnehin jemanden für die Prüfung. Diese Person ist normalerweise auch während der Übersetzung schon der/die AnsprechterIn für eventuell auftauchende Fragen.
Das liegt auch in deren Eigeninteresse: die haben nichts davon, wenn ihre Produkte schlecht abschneiden, weil die Übersetzung hinkt. Und im Schadensfall ist beim Übersetzer eh nichts zu holen.
2 - Alternativ kann man anbieten, es selbst durch eine/n entsprechende/n Fachmann/frau prüfen zu lassen, der/die dann auch dafür die Haftung übernimmt. Dies muß dann mit der betreffenden Fachkraft vertraglich geregelt und den Auftraggebern in Rechnung gestellt werden. Normalerweise nimmt der Auftraggeber aber dieses Angebot eher nicht an - also geht es weiter mit Modell 1

Im reinen Consumer-Bereich wird natürlich von den Auftraggebern her viel schlampiger gearbeitet. Hier kann ich nur empfehlen: Haftung vertraglich an den Auftraggeber abweisen.

Sollte sich das so nicht regeln lassen, kann ich nur empfehlen: Finger weg!


Liebe Grüße
#148Authorigolo (838198) 02 Mar 12, 12:46
Comment
Lieber Restitutus,
erst mal danke - ich finde Du schreibst sehr vernünftig und praxisbezogen. (Kommentar 139)
Oft erhält man vorab Probetexte, die weit weniger komplex sind, als das Ganze. Das weiß man zwar irgendwie, aber man kann es nicht vorweg nehmen. Man beginnt auch oft schon zu übersetzen, wenn noch nicht mal die ganze TEKDOC in der Ausgangssprache steht.
Außerdem gibt es ständig technische Neuerungen, in die man sich nur über das Übersetzen überhaupt einarbeitet.
Und ich gebe Dir vollkommen recht: ich habs auch nicht so dicke, dass ich es mir leisten kann, immer ganz und gar bei meinen Leisten zu bleiben (was sicher weniger stressig wäre).

----------
WEGEN DES MINDESTLOHNS:
tja, schöne Träume. Wir kriegen es in dieser Republik ja nicht mal hin, dass Tariflöhne durchgängig fü Berufe bezahlt werden, in denen es solche gibt.
Aber man kann schon einiges tun (auch wenn man finanziell unter Druck ist), weil wenn ein Auftrag daran scheitert, dann gäbe es soweiso hundert pro Probleme mit der Bezahlung:

1) Angebote kostenpflichtig machen. Dies beinhaltet: Vortreffen, Vorab-Briefings, das vorab Evaluieren der Texte, Probe-Übersetzungen. Ich schreibe: Bei Auftragserteilung wird der Preis für die Angebotserstellung, etc. (was ich eben konkret mache, bevor das Angebot wirklich erteilt wird) auf das Gesamt-Honorar angerechnet. So schützt Ihr Euch davor, dass jemand bei allen mal "shoppen geht" und Ihr umsonst gearbeitet habt.

2) Deutlich festlegen, wieviele Korrekturstufen das Angebot inkludiert (ich mache üblicherweise zwei) und zu welchem Stundensatz weitere Korrekturstufen abgerechnet werden. So schützt Ihr Euch davor, dass Ihr ändert und ändert und nichts dafür bekommt.

3) Deutliche den Angebotsumfang definieren und wo die Korrekturstufe endet und die Neu-Übersetzung beginnt. Manche haben das Problem vielleicht nicht, aber bei technischem Kram und auch bei werblichen Texten aus dieser Ecke wird gerne noch am Ausgangstext geändert, während die Übersetzung schon läuft. So schützt Ihr Euch davor, umsonst neue Textversionen zu übersetzen.

4) In die Vorgespräche deutlich einfließen lassen, dass das Gesamt-Honorar auch vom Augtraggeber abhängt und dass folgende Faktoren die Übersetzung deutlich günstiger machen: - eindeutige Kommunikation / - Vermeidung sinnloser Korrekturstufen / Hin-und-Her Korrekturen / zu viele Köche am Auftraggeber-Ende. So schafft Ihr schon mal das Bewußtsein, dass nicht immer Ihr "schuld" seid, wenn sich was hinzieht oder mehr kostet als erwartet.

5) Nicht vergessen, Kosten für all die Arbeiten ins Angebot hineinzurechnen, die Ihr erledigen müßt, auch wenn sie nicht direkt auf Übersetzungszeit drauf gehen: - Kontaktkosten / - Reisekosten & zeit (auch innerstädtisch)/ Buchhaltung, Rechnungserstellung / Akquisekosten & zeit.
Einiges davon kann man direkt beziffern (z.B. Kontaktkosten), anderes muß man reinrechnen. Wenn Ihr Auftraggeber habt, die das nicht schlucken, erwähnt es nicht dezidiert, erstellt Euer Angebot und schlagt einfach pauschal 10% drauf. Das ist ein guter Erfahrungswert.

6) Nicht vergessen: Wer als Freier / Selbstsständiger in dieser Branche 8 Tage pro Monat wirklich übersetzt, dann ist man ausgelastet. Davon muß man leben können. Der Rest der Zeit geht für den unter 5 beschrieben Kram drauf. Das ist ganz normal und anders funktioniert es nicht. Man muß seine Sätze also so berechnen, dass man von 8 Tagen sauber hinkommt (inkl. Rücklagen für den Krankheitsfall, entsprechende Versicherung, etc.). Viele Anfänger machen den Fehler, zu glauben, eine Auslastung würde 22 Übersetzer-Tage im Monat bedeuten. Aber die haben dann keine Zeit für Akquise oder machen Ihre Buchhaltung am Wochenende.

Vielleicht ist das für die meisten alter Käse - aber für manche vielleicht trotzdem eine Hilfe. Und es würde uns schon weiter bringen, wenns alle zumindest probieren würden, es so zu machen. Natürlich bin ich keinem bös, der mal kurz alles über Bord schmeißt, was er eh schon besser weiß, weil er pleite ist ; )

Ich grüß Euch alle und wünsch Euch was ;)
#149Authorigolo (838198) 02 Mar 12, 12:52
Comment
Ich sehe da noch ein generelles Problem: Wenn mein Auto aus der Werkstatt kommt und links hinten immer noch klappert, weiß ich, dass da nicht ordentlich gearbeitet wurde, obwohl meine eigenen Fähigkeiten in Sachen Auto kaum ausreichen, um den richtigen Reifendruck herzustellen.
Aber wie soll ich als Auftraggeber eine Übersetzung prüfen, wenn ich Quell- oder Zielsprache nicht einmal ansatzweise beherrsche?
#150AuthorEifelblume (341002) 02 Mar 12, 13:05
Comment
Vor dem Problem stand ich, als unsere Softwareanleitungen ins Chinesische und Japanische übersetzt wurden. Was wir halt taten, war, zu prüfen, ob die Bildunterschriften zu den abgebildeten Bildschirmmasken und den darin zu sehenden Menüpunkten passten, nach dem Motto: "Wer findet die zehn Unterschiede?" (Da die Menüpunkte auch in diesen Sprachen immer zwischen erkennbaren Anführungszeichen standen, waren sie sogar für unsereins identifizierbar.)
#151AuthorRestitutus (765254) 03 Mar 12, 20:23
Comment
Hallo Igolo,
vielen Dank für die ausführlichen, hilfreichen Tipps und Anregungen.
Jetzt bräuchte es 'bloss noch' die nötigen Aufträge... :-)

#152AuthorLeseratz (238114) 05 Mar 12, 10:53
Comment
Ich würde es etwas weiter fassen: Text steht bei Firmen nicht hoch im Kurs. Während man viel Geld ausgibt für Layout und Design, weil da jeder meint mitreden zu können, und es den Leuten mehr Spaß macht sich damit zu befassen, spart man am Text. Und zwar nicht nur an den Übersetzungen, sondern auch an den Ausgangstexten, die oft - im Mittelstand sogar in der Regel - grottenschlecht sind. Hier werden (interne) Leute rangesetzt, die es einfach nicht können.
#153Authormagic77wand (665524) 06 Mar 12, 16:47
Comment
Ein Kollege schrieb einmal: "Technische Dokumentation ist das, was man rausschiebt, bis keiner mehr etwas weiß, und das am Ende keiner machen will."
#154AuthorRestitutus (765254) 06 Mar 12, 21:51
Comment
Gibt es eigentlich Stellenvermittlung, Headhunter, Zeitarbeitsfirmen, etc. im Großraum München, die auf Lehrer, Dozenten, Sprachwissenschaftler, Übersetzer, Fremdsprachen-Sektetärin etc. spezialisiert sind? Bisher bin ich nämlich nicht fündig geworden.
#155AuthorLeseratz (238114) 07 Mar 12, 10:02
Comment
Gibt es überhaupt Headhunter, die sich mit solchen Peanuts-Berufen wie unseren aufhalten?
#156AuthorLady Grey (235863) 07 Mar 12, 10:49
Comment
Dies kam mir soeben wieder in den Sinn:

related discussion: Wenn jemand der mit Mühe kaum... - Even if anyone cra... ð

Mit einer kleinen Abwandlung:

Wenn jemand
der mit Mühe schnell
die Webseite macht für ein Hotel
schon meint, dass er ein Übersetzer wär,
so irrt sich der.
#157AuthorPuppengesicht (807439) 07 Mar 12, 11:21
Comment
:-) Sehr schön, Puppengesicht!
#158AuthorLady Grey (235863) 07 Mar 12, 11:25
Comment
#157 Schön, aber das Versmaß holpert noch etwas.

Wenn jemand
der mit Mühe schnell
die Website macht für ein Hotel
schon meint, er wär ÜbersetzER*
so irrt sich der.

;-)

*Betonung auf letzter Silbe
#159AuthorMöwe [de] (534573) 07 Mar 12, 11:30
Comment
# Schön, aber die Betonung holpert etwas ;)

...
Meint, dass er Übersetzer wär,
So irrt sich der
#160AuthorRichard (236495) 08 Mar 12, 11:20
Comment
:-)
#161AuthorMöwe [de] (534573) 08 Mar 12, 11:30
Comment
Nicht speziell Übersetzer, aber generell (in echt, nicht nur im CV) mehrsprachiges Personal sucht z.B. eurolondon.de.

Richard, lass doch aus lyrischen Gründen das "dass" weg, dann holpert es noch weniger:
...meint, er Übersetzer wär,
so irrt sich der.
#162Authortigger (236106) 08 Mar 12, 11:37
Comment
Wieso, tigger? Klappt doch:

Meint, dass er Übersetzer wär
x 'x x 'x x 'x x 'x
jambisch

hingegen
meint, er Übersetzer wär
'x x 'x x 'x x 'x -
trochäisch

Wenn man die ersten beiden Zeilen als eine schreibt, dann sind in Richards Version alle Zeilen jambisch. Deine Variante hat allerdings den Vorteil, dass das von der Aussage her wichtige Wort "meint" die Betonung trägt, nicht das Funktionswort "dass".
#163AuthorCro-Mignon (751134) 08 Mar 12, 12:34
Comment
Wenn einer,
der auf Denglisch schnell
die Website bringt für ein Hotel,
schon meint, dass er Translator wär,
so irrt sich der.
#164AuthorRestitutus (765254) 08 Mar 12, 13:40
Comment
@ Leseratz
ich glaube, Du bist Berufsanfänger?
Falls ja fährst Du anfänglich, denke ich, besser mit einer Festanstellung. Zumindest bis Du ein paar eigene Kunden hast.
Die meisten Freien, die ich kenne, leben zu 80% von einem großen Kunden und zu 20% von kleineren Aufträgen.
-- schau doch mal bei http://www.dasauge.de im Stellenmarkt, die sind zwar mehr Design-lastig, aber es werden auch immer wieder Übersetzer gesucht - dort gibt es Angebote für Freelancer und für Festanstellungen

Recht viel Werbung machen "Designerdock", aber die kannst Du knicken - riesig Vorlauf und keine Aufträge

Falls Du unbedingt frei arbeiten willst:
-- versuch doch mal, ein paar eingesessene Agenturen anzusprechen - vielleicht brauchen die niemanden fest, aber können Dir paar Aufträge zuschanzen, wenn sie Arbeitsspitzen haben
-- außerdem könntest Du auch Design- / Grafik- / Web- / Image-Film- Agenturen kontaktieren. Die haben immer weider mal einen Kunden, für den auch übersetzt werden soll und geben das dann außer Haus

Zeitarbeit würd ich nur als Übergangslösung machen - die zahlen meist weit schlechter als bei Direktanstellung.

@magic77wand
stimmt aus meiner Erfahrung nicht. Wir haben hier eine kleine Full-Service-Agentur und der Angang det Kunden ist in allen Bereichen gleich, egal ob Design / Prog / Text / Übersetzung / Filmschnitt / Mastering. Entweder sind es gute Kunden, die gute Arbeit auch honorieren und langfristig mit derselben Agentur zusammen arbeiten wollen, oder es sind Preisdrücker, die eh jedes mal neu shoppen gehen.
#165Authorigolo (838198) 20 Mar 12, 16:58
Comment
Ich kann sogar eine Firma benennen, die immer wieder qualifizierte Leute sucht, weil sie immer wieder feststellt, dass die, die sie bereits hat, es nicht bringen. Siehe auch Nr. 164.


#166AuthorRestitutus (765254) 20 Mar 12, 18:42
Comment
Ich will den Faden nicht kapern, habe aber eine Frage zu den erwaehnten Uebersetzer-Festanstellungen (aber nicht bei Uebersetzungsagenturen). Falls sich jemand mit solchen Dingen auskennt, koennt sie oder er mir bitte eine PM schicken? Das waere super.
#167AuthorJools (432226) 20 Mar 12, 19:15
Comment
@igolo:
Danke für Deine - wie immer - konstruktiven und hilfreichen Infos, Du bist sicher Jurist, zumindest wenn man nach Deinen Ausführungen über Verträge geht.
Was das speziell Übersetzen angeht hast Du recht, auf anderen Gebieten habe ich allerdings jahrzehntelange Berufserfahrung. Näheres schick' ich Dir gerne als PM.
Wegen Zeitarbeit habe ich nur gefragt, weil viele große Firmen ihre Mitarbeiter neuerdings erst einmal als Leiharbeiter anstellen und bei Übernahme dann nochmals die Probezeit durchlaufen lassen. Im Übrigen kenne ich Zeitarbeit aus eigener Erfahrung; Festanstellung wäre mir bedeutend lieber.

Jools' Bitte um Info schließe ich mich an.

@Restitutus:
Würdest Du die Firma in einer PM auch nennen?
#168AuthorLeseratz (238114) 21 Mar 12, 15:04
Comment
Ich habe jetzt den Faden nicht von vorne bis hinten gelesen. Wenn ich mir so manche Schaufensterwerbung in Deutschland ansehe, bekomme ich den Eindruck, dass jemand dahintersteckt, der sich gesagt hat, "I can English. Not so good - but it goes!"
Da bekommt man schon das nackte Grausen.
Wenn es dann noch um fachliche Übersetzungen geht, die dann daneben gehen, wird es noch schlimmer.

Ich erinnere mich an einen Fall aus den 70er Jahren, den mir ein (englischer) Übersetzer schilderte. Es ging um gemahlene Nussschalen, die für irgendeinen Zweck in der Metallindustrie benötigt wurden ("ground nutshells"). Daraus wurden dann "Erdnussschalen", die für den Prozess völlig unbrauchbar waren, weil sie zu weich waren.
#169AuthorWolfman (236211) 23 Mar 12, 00:38
Comment
Tja, die Gründlichkeit der Deutschen - der Übersetzer konnte sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass jemand so unpräzise sein und einfach nur "nut" schreiben könnte, und wo "groundnut" nun mal Erdnuss heißt ...
#170AuthorLady Grey (235863) 23 Mar 12, 00:41
Comment
Nr. 168: Joh.

Ich habe jetzt den Faden nicht von vorne bis hinten gelesen. Wenn ich mir so manche Schaufensterwerbung in Deutschland ansehe, bekomme ich den Eindruck, dass jemand dahintersteckt, der sich gesagt hat, "I can English. Not so good - but it goes!"
Da bekommt man schon das nackte Grausen.


Ja, ja, aber wie wir in einem anderen Faden gelesen haben, ist Englisch die lingua franca, das kann jeder, und solche Überflüssigkeiten wie Deutsch sollen wir bitte schön einfach aufgeben. related discussion: Is there any point in studying German at an academic ...
#171AuthorRestitutus (765254) 23 Mar 12, 12:07
Comment
...ist Englisch die lingua franca, das kann jeder, und solche Überflüssigkeiten wie Deutsch sollen wir bitte schön einfach aufgeben.
I'd take another look at that other thread if I were you. You apparently haven't understood what other people have been writing.
#172AuthorSD3 (451227) 23 Mar 12, 13:50
Comment
Aushang Nr. 126 habe ich allerbestens verstanden. Was gab es da auch misszuverstehen?
#173AuthorRestitutus (765254) 23 Mar 12, 14:14
Comment
#173: I suspect that anyone who reads the thread you linked to with an open mind will get a pretty good idea of where the emotive polemics are coming from. However, that has nothing to do with this thread, so I have no intention of engaging in further conversation with you here.
#174AuthorSD3 (451227) 23 Mar 12, 14:46
Comment
Liebe Leseratz,
vielen Dank für Deinen netten Kommentar.
Nein - ich bin keine Juristin ; ) - aber ich habe mich über die Jahre eingearbeitet.
Wenn etwas wirklich aus dem Ruder läuft haben wir einen Medienanwalt unseres Vertrauens, von dem wir auch schon sehr viel gelernt haben. Es ist RA Holger von Hartlieb, den ich an dieser Stelle nur allerwärmstens empfehlen kann.
Wer in der IHK ist, kann auch dort die kostenfreie Rechtsberatung in Anspruch nehmen. Die JuristInnen dort sind sehr kompetent.
Für gewerkschaftlich Organisierte gibt es auch die Möglichkeit, sich bei der IG Medien rechtlich beraten zu lassen. Hier waren unsere Erfahrungen personenbezogen sehr wechselhaft, aber das Angebot besteht immerhin.

Wenn Du noch andere Standbeine hast, würde ich diese auf keinen Fall aufgeben. Ich selbst mache TekDok, technische Übersetzungen, Pressetext, Grafik, Filmschnitt, und DVD-Authoring (über die Jahre ist was zusammen gekommen). In irgendeinem Bereich ist immer totale Flaute, dafür geht dann in einem anderen Bereich was.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viele nette Aufträge und sorgenfreies Schaffen.

Pseudonymer Gruß
Igolo
#175Authorigolo (838198) 02 Apr 12, 13:54
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