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TopicLuxemburgisch - a language or a dialect?
Comment
Is this a linguistic question or a political question?

I've read the humorous principle "A language is a dialect with an army and navy" (http://en.wikipedia.org/wiki/A_language_is_a_dialect_with_an_army_and_navy)

Is there a general consensus in linguistics of when a dialect is considered a language? Or does it remain fundamentally a political question?
Author eric (new york) (63613) 05 Mai 13, 17:58
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Das hängt davon ab, wenn Du fragst ... für die Luxemburger ist es eine Sprache ... für Nicht-Luxemburger, die es erst lernen müssen, sicherlich auch ... für Leute, die in der (deutschen, französischen bzw. belgischen) Grenzregion zu Luxemburg leben, ist das nur ein leicht anderer Dialekt als, der, den sie selbst reden ... und unter Linguisten ... ???

related discussion: German dialects
#1Author no me bré (700807) 05 Mai 13, 18:12
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Meines Wissens ist die Frage tatsächlich insofern keine linguistische, als sie nicht durch die gegenseitige Verständlichkeit der Idiome untereinander, sondern eher durch den Verwendungsbereich entschieden wird: Gibt es eine normierte Schriftsprache? Wird sie durch die Verwaltung, in der Werbung, in Tageszeitungen etc. benutzt? Für Luxemburgisch ist das zumindest zum Teil der Fall, während es meines Wissens keine Zeitungen (abgesehen von Anzeigen) auf Schweizerdeutsch gibt. Trotzdem unterscheidet sich Luxemburgisch nicht mehr vom (Hoch-)Deutschen als Schweizerdeutsch.
#2Author JanZ (805098) 05 Mai 13, 18:38
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Vor Jahren als ich an der Uni ein Seminar zu Sprachpolitik hatte, meinte der Prof auch sinngemäß, dass "Sprache" in solchen Fällen vor allem eine politische Kategorie ist. Ich glaube, dass es natürlich auch eine linguistische Definition von "Sprache" gibt, aber wo die jeweilige Grenze gezogen wird, ist sicher umstritten. Ein Kritierium ist die "mutual intellegibility". Wenn sich also norddeutsche und niederländische Sprecher untereinander verstehen, ohne die "Sprache" des anderen gelernt zu haben oder selber zu sprechen, dann ist das ein guter Hinweis darauf, dass es sich um unterschiedliche Dialekte handelt. Nun versteht sich ein Norddeutscher vielleicht überhaupt nicht mit einem Bayern, aber da sagen wir trotzdem, dass es sich um Dialekte handelt, weil sie alle "Deutsch" sprechen. Also linguistisch gesehen wäre es Unsinn eine Sprachgrenze zwischen dem Holländer und dem Norddeutschen zu ziehen, während zwischen dem Norddeutschen und dem Bayern keine gezogen wird. Insofern hat politische Grenzziehung, nationale Identität etc. einiges dabei mitzureden. Generell gilt: Sprachen und Dialekte bewegen sich in einem Kontinuum. Die Extreme lassen sich auch linguistisch voneinander abgrenzen, in der Mitte wird es dann umstrittener und künstlicher.
#3Author Zora [de] (593998) 05 Mai 13, 18:43
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@Janz: Meines Wissens ist die Frage tatsächlich insofern keine linguistische, als sie nicht durch die gegenseitige Verständlichkeit der Idiome untereinander, sondern eher durch den Verwendungsbereich entschieden wird: Gibt es eine normierte Schriftsprache? Wird sie durch die Verwaltung, in der Werbung, in Tageszeitungen etc. benutzt?


But aren't those questions of linguistics?
#4Author eric (new york) (63613) 05 Mai 13, 18:45
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Bin zwar nicht JanZ, erlaube mir dennoch zu antworten, weil meine Ausführungen in die gleiche Richtung gehen.

Ich meinte mir "linguistisch", dass es sich aus dem Sprachsystem und der Sprachgeschichte selbst erklären lässt. Sicher beschäftigen sich Teilbereiche der Linguistik auch mit solchen Fragen. Das Seminar, das ich besuchte, lief z.B. unter Soziolinguistik.
#5Author Zora [de] (593998) 05 Mai 13, 18:52
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It's clear that the question of language or dialect is a socio-political question. Like any issue that people care about, people have strong feelings and disagreements.

What I wonder is whether professional linguists have a simpler, straightforward answer to this question. Does a linguist answer the language/dialect question in the same way as a non-professional? Or does a linguist agree that it's a socio-political issue?

Or perhaps professional linguists do not even pose this question in this simple way. It might be that linguists do not categorize things as dialects or languages, and do not ask the question of whether a certain speech community can be considered one or the other.
#6Author eric (new york) (63613) 05 Mai 13, 19:06
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Ich meinte mir "linguistisch", dass es sich aus dem Sprachsystem und der Sprachgeschichte selbst erklären lässt.

Ja, genau so meinte ich es auch, ich weiß aber nicht, ob das wissenschaftlich haltbar ist (bin kein Linguist, sondern Logistiker).

Zu Erics Fragen muss ich passen, aber sicher gibt es ja genug Leute hier, die da weiter helfen können.
#7Author JanZ (805098) 05 Mai 13, 19:13
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What I wonder is whether professional linguists have a simpler, straightforward answer to this question.

Es gibt, wie bereits gesagt, Kriterien, nach denen Sprachen von Dialekten unterschieden werden und die zumindest Studierenden der Sprachwissenschaft beigebracht werden. Die dürften aber trotzdem nicht unumstritten sein und ob sie auf ein bestimmtes Sprachpaar zutreffen, ist sicher auch nicht immer eindeutig. Sonst hätten die WissenschaftlerInnen ja nichts mehr zu tun ;-)
http://en.wikipedia.org/wiki/Mutual_intelligibility

Does a linguist answer the language/dialect question in the same way as a non-professional?

Wieder eine Frage, wen du mit "non-professional" meinst. Aber ich würde schon sagen, dass Linguisten die Frage anders, komplexer beantworten.

Or does a linguist agree that it's a socio-political issue?

Ja, aber eben nicht nur.
#8Author Zora [de] (593998) 05 Mai 13, 19:20
Comment
Ich hatte zu Studienzeiten etliche luxemburgische Kommilitonen. Wenn die sich unterhalten haben, habe ich so in etwa mitgekriegt worum es geht, aber wirklich komplett verstanden habe ich sie nicht. Ich habe das deshalb schon als Fremdsprache empfunden (aber doch etwas näher am Deutschen als z.B. Niederländisch).
Ein weiterer Kommilitone war Deutscher aus Rheinland-Pfalz, der sich mit seinen luxemburgischen Kumpels völlig problemlos unterhalten konnte, und ich konnte auch keinen Unterschied heraushören.
Aber der sprach selbstverständlich keine Fremdsprache sondern seinen Dialekt ;). Der Dialekt nennt sich - glaube ich - Moselfränkisch.
#9Author eineing (771776) 05 Mai 13, 19:53
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What I wonder is whether professional linguists have a simpler, straightforward answer to this question.
Du kennst sie schon: "A language is a dialect with an army and navy." ;-)

Zumindest gilt das bei Sprachen mit so fließenden Grenzen, wie sie die germanischen Sprachen am Festland haben. In der Hinsicht sind heutige Linguisten* sehr pragmatisch: Sie behandeln das Sprache-Dialekt-Problem als socio-political-issue wie du schon schreibst und können dadurch genauso unkompliziert antworten wie der Otto-Normalphilosoph, zumindest das ist allgemein akzeptiert.

Wenn sie höhere linguistische Ziele verfolgen, kommen natürlich andere Kriterien ins Spiel (mutual intelligibility als Standardbeispiel), aber dann stimmen die Ergebnisse in der Einteilung (wie du anscheinend eh schon vermutest) so ganz und gar nicht mit der Alltagsverwendung überein, dass sie kaum irgendwo zum Einsatz kommen.

*alle mir bekannten, nicht dass es halbkorrekt wird...

edit: http://de.wikipedia.org/wiki/Streitkr%C3%A4fte_Luxemburgs
Es stellt sich wohl eher die Frage: Ab welcher Größe gelten Army und Navy als solche? ;-)
#10Author anonymchen (242645) 05 Mai 13, 20:08
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#11Author Valeriana Ebonstar (894625) 05 Mai 13, 20:17
Comment
Thanks for the information and your thoughts.
#12Author eric (new york) (63613) 05 Mai 13, 22:00
Comment
Wird sie durch die Verwaltung, in der Werbung, in Tageszeitungen etc. benutzt? Für Luxemburgisch ist das zumindest zum Teil der Fall, während es meines Wissens keine Zeitungen (abgesehen von Anzeigen) auf Schweizerdeutsch gibt.
#2Verfasser JanZ

But aren't those questions of linguistics?
#4Verfasser eric (new york)


Dictionary: Letzeburgesch

1984 sah man in L'bg praktisch nur LKWs mit Reklameaufschriften auf deutsch oder französisch. Heute beherrscht Letzeburgesch die Oberflächen von Lieferwagen und Bussen.

http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/Luxemburgisch-bleibt-Nummer-eins-21453...

Sprachen-Statistik
25. April 2013 14:05

Luxemburgisch bleibt Nummer eins
LUXEMBURG – Luxemburgisch ist die meistgesprochene Sprache im Alltag hierzulande, gefolgt von Französisch und Deutsch. Das ergab eine von Statec durchgeführte Studie.

Die L'burger Zeitungen veröffentlichen verstärkt Leserbriefe auf Letzeburgesch.

Ab und an gibt es dann Artikel von unterbeschäftigten und hoch bezahlten Lehrern zu überzeitlichen Themen, wie "Die Springprozession durch den Nationalismus", auf Letzeburgesch.

Nichtdeutsche Ausländer, die Letzeburgesch gelernt haben, erkennen nur einen unwesentlichen Unterschied zu den deutschen Dialekten im Raum Bitburg oder Trier.
#13Author Pachulke (286250) 05 Mai 13, 22:07
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