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the Nazi influence on the German language

66 Antworten    
Kommentar
I'm reading a memoir by a friend who grew up in Potsdam during the Nazi era. She writes:

The German language was full of French sounding words, like Serviette, Sauce, Praline, etc., until Hitler forbade the use of them, replacing them with Mundtuch, Tunke, and Konfekt. Eventually Hitler succeeded to impoverish the language to a degree of stalling the development of German literature in contrast to other countries of this time.

I'm particularly interested in her comment on Hitler's influence on the language by discouraging use of foreign words. I'd be interested in knowing more about this. Is her comment accurate? Were there other ways in which the Nazi regime influenced the language? Where can I read more about this?

Thanks.
Verfassereric (new york) (63613) 19 Apr 17, 03:03
Kommentar
I have read quite a bit about that time, books by both German and non-German authors, and this is the first time I have encountered this claim. I do not recall reading anything about this in my grandfather's and great-grandfather's memoirs, or ever hearing anybody mention it who lived through those times.

That does not mean it did not happen, of course.
#1VerfasserNorbert Juffa (236158) 19 Apr 17, 04:22
Kommentar
The Wikipedia article on Deutscher Sprachpurismus disputes the claim.

Here's the relevant section of the article, starting with the speech purity movement of the 19th century:

19. Jahrhundert
1885 wurde der Allgemeine Deutsche Sprachverein gegründet. Der Generalpostdirektor Heinrich von Stephan fand Verdeutschungen für die Fachwörter der Sprache der Post, die bisher alle französisch waren. Beispiele dafür sind ‚postlagernd‘ für poste restante oder ‚Anschrift‘ für Adresse. Von Stephans Bildungen wurden teilweise nur im offiziellen Sprachgebrauch der Post verwendet, in der Alltagssprache blieb es bei den französischen Fremdwörtern, so etwa frankieren statt ‚freimachen‘ oder Telefon statt ‚Fernsprecher‘.

Als Stephans Pendant bei der Eisenbahn kann der Ingenieur Otto Sarrazin gelten. Er engagierte sich beim Allgemeinen Deutschen Sprachverein und veröffentlichte 1886 ein Verdeutschungswörterbuch. Bei der Bahn setzte er zum Beispiel die Begriffe ‚Abteil‘ (statt Coupé), ‚Bahnsteig‘ (statt Perron), ‚Fahrkarte‘ (statt Billet) und ‚Rückfahrkarte‘ (statt Retourbillet) durch.[4]

Zeit des Nationalsozialismus
Während der NS-Zeit lebte diese Tradition fort, obwohl bei der Führung Bedenken bestanden, ein zu starker Purismus könnte zur Rückständigkeit führen. Der Allgemeine Deutsche Sprachverein löste sich danach auf.

Im deutschsprachigen Raum denken manche Menschen bei dem Wort Sprachpurismus mitunter an die Sprachpolitik der Nationalsozialisten. Dabei wurde in einem Erlass vom 19. November 1940 „die künstliche Ersetzung längst ins Deutsche eingebürgerter Fremdworte“ ausdrücklich missbilligt.[5] In „Mein Kampf“[6] schreibt Hitler:

„Wenn irgend etwas unvölkisch ist, dann ist es dieses Herumwerfen mit besonders altgermanischen Ausdrücken, die weder in die heutige Zeit passen noch etwas Bestimmtes vorstellen, sondern leicht dazu führen können, die Bedeutung einer Bewegung im äußeren Sprachschatz derselben zu sehen. Das ist ein wahrer Unfug, den man aber heute unzählige Male beobachten kann.“


(edit) PS: The text referred to in citation #4 above, Erfolge und Misserfolge des lexikalischen Purismus in Deutschland zur Zeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins und heute, is actually available on line.

#2VerfasserMartin--cal (272273) 19 Apr 17, 05:00
Kommentar
#0
" Hitler succeeded to impoverish the language"

Das glaube ich nicht, denn die drei zitierten Wörter (Serviette, Sauce, Praline) sind weiterhin im Schwange. "Mundtuch" habe ich bisher gar nicht gekannt; die WB bezeichnen es als "veraltend". Die "Sauce" ist schon seit dem 15. Jahrhundert (in der Form "Sooß") im Deutschen heimisch, jetzt als "Soße"; "Konfekt" ist zumindest in Süddeutschland, AT und CH nicht identisch mit "Praline" (es gibt Konfekt, das keine Praline ist).
#3VerfasserMiMo (236780) 19 Apr 17, 06:20
Kommentar
#0
" Hitler succeeded to impoverish the language"

Without commenting on whether the statement is true, I would at least like to propose a change: "Hitler succeeded in impoverishing the language" -- but maybe that's just my preference.
#4Verfasserpatman2 (527865) 19 Apr 17, 07:21
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Das Nazi-Regime, besser sollte man aber Nazi-Zeit sagen, hat natürlich auch die Sprache beeinflußt, aber sicher nicht in dem Sinne, wie die Freundin von eric es unterstellt. Es gab zahlreiche Wortschöpfungen, teils von staatlicher Seite, teils der Zeit (und ihren Nöten) geschuldet, wie das immer so ist, heute mit allgegenwärtiger pc vielleicht mehr als damals.
#5Verfasserjudex (239096) 19 Apr 17, 07:41
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Eine kurze aber informative Beschreibung der Sprachlenkung im Dritten Reich findet man hier (Bundeszentrale für politische Bildung):

#6VerfasserNorbert Juffa (236158) 19 Apr 17, 08:06
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Noch ein Buchtipp dazu: LTI (Lingua Tertii Imperii) von Victor Klemperer: https://de.wikipedia.org/wiki/LTI_%E2%80%93_N...
Ist schon Jahre her, dass ich das gelesen habe. Ich hatte das Buch leider nur geliehen und ganz artig zurückgegeben, leider, aber es lohnt sich.

Ebenso lesenwert wie seine Tagebücher - die aus der Hitlerzeit und aus der DDR.
#7Verfasserwupperwolf (411909) 19 Apr 17, 08:08
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LTI ist natürlich das Standardwerk schlechthin zum Thema. Aber auch dort findet sich meiner Erinnerung nach nichts über das vom OP angesprochenen Phänomen.
#8VerfasserNorbert Juffa (236158) 19 Apr 17, 08:14
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Da hast du recht - Klemperer lässt sich zum Beispiel über den Begriff "total" aus. Aber gerade das ist ein Hinweis darauf, dass die Nazis die Sprache zwar prägten, aber eben anders, als im #0 angesprochen.
Jedenfalls gehört der Hinweis auf LTI in diesen Faden, falls Eric noch nicht von dem Buch gehört hat.
#9Verfasserwupperwolf (411909) 19 Apr 17, 08:17
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Es ärgert mich immer fürchterlich, wenn von "Hitler tat dies, Hitler tat jenes" die Rede ist. Das ist doch dumm - und geschichtsverfälschend. Als wäre er für alles allein verantwortlich... das hätten vor allem wir Österreicher gerne, jaja. Die Deutschen sind da sorgfältiger.
Vielen Dank an alle Poster vor mir, die die Aussage im OP schon ins rechte (haha) Licht gerückt haben!
(Aber wupperwolf, bitte sag nicht "Hitlerzeit". Das ist auch so eine Schlamperei.)

Zu einer Diktatur gehören Sprachregelungen wohl immer dazu. Ein allmächtiger Staat mit starker Propagandaausrichtung möchte naturgemäß auch die Sprache seiner Bürger lenken und kontrollieren.
Die NS-Diktatur mit ihrer überbordenden Bürokratie ist da besonders weit gegangen, aber es muss kein absoluter Verbrechensstaat sein, der bestrebt ist, eine Nationalsprache "rein" zu halten: Man denke nur an Atatürks Reformen, die das Türkische ent-arabisiert haben, oder die nach wie vor sehr starken Reinhaltungsbestrebungen für das Französische in Frankreich.
#10Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 10:20
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Der Gedanke ist älter als das zweite oder dritte Reich:


Zesen erfand für zahlreiche Fremdwörter Verdeutschungen, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, wie Anschrift (für das Fremdwort Adresse),...
#11VerfasserGerd (236410) 19 Apr 17, 10:23
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Natürlich ist der Gedanke älter, gerade weil Deutschland als Nationalstaat so spät dran war in seiner Entwicklung, im Vergleich zu anderen europäischen Staaten.
Das österreichische Standarddeutsch enthält zum Beispiel noch deutlich mehr französische Fremd- und Lehnwörter, weil sie sich im sicheren Schoß der Habsburgermonarchie ganz selbstverständlich erhalten haben. :-)

Aber zum OP:
Ich glaube, die Memoirenschreiberin erinnert sich vielmehr an die radikale Änderung der offiziellen Sprache, die vielen neuen Fachausdrücke, die die NS-Bürokratie erfunden hat, die Euphemismen, die Vorschriften zur Sprachverwendung - sicher ganz extrem im Bildungsbereich.
Normalerweise geht so ein Wandel langsamer und ohne Druck vonstatten, das ist das Unnatürliche, an das sie sich so eindrücklich erinnert.
#12Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 10:29
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Interessante Diskussion. Ich möchte auch noch mal LTI und die Klemperer-Tagebücher generell empfehlen. Sehr lesenswert.
#13VerfasserJenna2708 (36198) 19 Apr 17, 10:46
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Martin-cal hat ja in #2 ein entscheidendes Zitat aus "Mein Kampf" kopiert.
Wenn ich tigger auch voll und ganz zustimme, dass man den Nationalsozialismus nicht auf die Person Hitler verengen darf (Dämonisierung) so ist doch eines bemerkenswert:

Hitler selbst wahr wohl wesentlich politischer in dem Sinn, dass er genauer die politischen Bruchlinien erkannte und weit weniger ideologischer Sektierer war, als z.B. Himmler.
Ein interessantes Beispiel ist auch die Abschaffung der "deutschen Schrift", also der Fraktur als Erlaß aus dieser Zeit. Ironsicherweise, wenn man sich die heutigen Assoziationen zur Fraktur anschaut.

Wie auch immer, Sprachpurismus im Sinne der Ausmerzung von Fremdworten war nicht die Sache der Nazis. Dafür haben sie uns Worte wie "gottgläubig" und viele Wortungeheuer hinterlassen. Mein Eindruck: langsam erholt sich die Sprache davon.
#14VerfasserUljae (831733) 19 Apr 17, 10:53
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#10: Oh ja, die Franzosen. Man stelle sich vor, in Deutschland empfähle eine Kommission, nicht mehr E-Mail (da englisch) zu sagen, sondern nur noch elektronische Post oder abgekürzt Elpost. Ein Aufschrei, das würde man als Quatsch mit Tunke bezeichnen und in die Nazi-Ecke rücken.

Da kennen die Franzosen aber kein Pardon und sagen konsequent courrier électronique oder un courriel.
#15VerfasserHarri Beau (812872) 19 Apr 17, 10:57
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Das stimmt, Uljae. Rund um Hitler gab es sozusagen viel fanatischere Nazis als ihn selber... Dazu gibt es doch bestimmt auch ein gescheites Buch? (Oder man müsste mehrere Biographien lesen, wenn man sich das denn antun will. Ich möchte mich nicht so intensiv mit diesem Menschen auseinandersetzen, muss ich zugeben.)

RE #15: Die Franzosen machen sich schon auch lustig über ihre Académie, und die schafft es ja auch nicht immer, neumodisches Fremdwortzeugs fernzuhalten. Aber so ist eben auch die nationale Einstellung: Versuchen wir doch einfach mal, ein eigenes Wort zu finden. Und die Académie gibt auch nur demokratisch diskutierbare Empfehlungen ab und macht keine diktatorischen Vorschriften.
#16Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 10:59
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Da kennen die Franzosen aber kein Pardon und sagen konsequent courrier électronique oder un courriel.

Aber auch nur in der Theorie. In der Praxis hört man genau so oft "Tu peux me contacter par e-mail."
#17VerfasserJanZ (805098) 19 Apr 17, 11:02
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Wie auch immer, Sprachpurismus im Sinne der Ausmerzung von Fremdworten war nicht die Sache der Nazis

Dafür haben sie viele Worte in einer Art und Weise und für Dinge verwendet, dass zumindest ich diese Worte heute vermeide, da sie für mich eine direkte Nazi-Konnotation haben. "Ausmerzen" gehört dazu, und "Selektion", und natürlich offensichtliche wie "Vergasung".
(wir hatten einen Lehrer in der Grundschule, d.h. in den 70er Jahren, dessen Lieblingsspruch war "wir machen etwas bis zur Vergasung". Das sagt einem als 8jährigen erst mal nichts, aber anscheinend ist es mir doch im Kopf geblieben als irgendwie seltsam).
#18VerfasserQual der Wal (877524) 19 Apr 17, 11:32
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Oh, das haben wir schon disktiert bei LEO: "Bis zur Vergasung" kommt wirklich aus dem chemischen Bereich und bezeichnet den Prozess bis zur Änderung des Aggregatzustandes, das hat gar nichts mit dem Holocaust zu tun, sondern ist älter.
Ähnlich bei der Selektion und sogar der Ausmerzung: Das sind Fachausdrücke der Biologie.

- Und das ist das eigentlich Schlimme am Nationalsozialismus: Dass er vorhandene Begriffe umgedeutet hat, so dass sie uns nun verleidet sind und wir sie nicht mehr im eigentlichen Sinne verwenden können.
- Und das ist das nicht so Schlimme am Nationalsozialismus: Die eigens erfundenen Begriffe können wir in der Mülltonne der Geschichte entsorgen. Wir brauchen tatsächlich kein Wort für "Umvolkung" in einem anderen als dem NS-Sinn.
#19Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 11:38
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Aber auch nur in der Theorie. In der Praxis hört man genau so oft "Tu peux me contacter par e-mail." - Auch das wurde (nebenan) schon mehrfach diskutiert ... wie auch "le weekend" ...
#20Verfasserno me bré (700807) 19 Apr 17, 13:11
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Hätte da die Académie gerne, dass man "fin de semaine" sagt? Das ist für das Wochenende m.W. nur in Kanada gebräuchlich, während in Frankreich "fin de semaine" das Ende der Arbeitswoche ist.
#21VerfasserJanZ (805098) 19 Apr 17, 13:15
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Tunke für Soße und Dampfobst für Kompott ist älter als das Nazireich.

Da machte sich schon der Hofkoch Theodor Hierneis drüber lustig, als er vom bayerischen an den preusischen Hof gewechselt ist. Zu hören in den letzten Minuten dieses Films
#22Verfasserbluesky (236159) 19 Apr 17, 13:25
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Week-end, fin de semaine, ist doch jetzt wurscht.
Fällt euch nicht noch was zum Thema ein? Habt ihr Erinnerungen? Von meiner Großmutter fällt mir jetzt nur "nachtmahlen" ein, aber ich bin sicher, dass in unserer Familie nie jemand "dinieren" gesagt hätte vor der NS-Zeit. :-)
#23Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 13:26
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Schon klar, daß es in der Alltagssprache nicht immer Akademiemäßig zugeht. In Frankreich handeln sie in solchen Dingen aber offiziell viel rigoroser, als "Hitler" es jemals (angeblich) tat. In Deutschland ist eine "Deutsche Sprachakademie" heute völlig undenkbar. Man fühlt sich direkt an etwas erinnert, aber an was eigentlich?
#24VerfasserHarri Beau (812872) 19 Apr 17, 13:30
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Nun ja, es gibt immer mal wieder Ewiggestrige:
Der UP des verlinkten Threads hat einige Wochen/Monate lang sein Unwesen dort getrieben, indem er immer wieder die mangelnde Sprachreinheit von Beiträgen kritisierte (was nebenbei den Effekt hatte, dass viele User mit Fleiß nach Fremdwörtern suchten, auch wenn sie sie sonst nicht benutzt hätten).
#25Verfasserthisismyknick (1117613) 19 Apr 17, 14:01
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Hier ein Artikel über die widersprüchliche Haltung während der Nazi-Zeit zu fremden bzw. sogar "feindlichen" Kulturen:
#26VerfasserEarlGreyHey (1188618) 19 Apr 17, 14:06
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Es ist nicht so, als hätten die Nazis das Monopol auf von oben verordneten Sprachgebrauch... Wie war das mit der geflügelten Jahresendfigur in der DDR?

Die Beispiele aus dem OP überzeugen mich zudem alle nicht. Ein Mundtuch kenne ich nicht, sehr wohl lege ich beim Tischdecken aber auch Servietten hin. Tunke ist für mich eher abwertend, zum Braten schätze ich eine gute Sauce (oder auch die Sauce Hollandaise zum Spargel, da möchte ich auch keine holländische Tunke auf den Teller bekommen ;o)), und außer im Lied "Ich will keine Schokolade" kenne ich Konfekt vor allem als Eiskonfekt, Lakritzkonfekt oder Stollenkonfekt, da sind Pralinen schon etwas ganz anderes. Auch Forrest Gump wurde mit "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen" synchronisiert und nicht mit "das Leben ist wie eine Konfektschachtel". Es mag durchaus Begriffe geben, die erst durch Hitler und seine braune Bande in die deutsche Sprache eingeführt wurden, oder solche, die derart zweckentfremdet wurden, dass sich nicht jeder bei ihrer Verwendung wohlfühlt, z.B. "bis zur Vergasung" oder "Jedem das Seine" (von letzterem weiß ich erst seit ein paar Jahren, dass es auf dem Tor des KZ Buchenwald stand, vorher war mir nur "Arbeit macht frei" ein Begriff; ich benutze das trotzdem weiterhin, denn der Ausspruch an sich ist viel älter, den haben die Nazis nicht erfunden). Aber in der Regel dürften die bereits eingeführten und vorher verwendeten Begriffe weiter überlebt haben, so dass die deutsche Sprache eher nicht verarmt ist.
#27VerfasserDragon (238202) 19 Apr 17, 14:09
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In Deutschland ist eine "Deutsche Sprachakademie" heute völlig undenkbar. Man fühlt sich direkt an etwas erinnert, aber an was eigentlich?

An Philipp von Zesen und seine nur teilweise erfolgreichen Eindeutschungsversuche? Mir scheint, die Deutschsprachigen (die ja auch nicht alle Deutsche sind) haben sich noch nie gerne in ihre Sprache hereinreden lassen, dazu brauchte es keine Nazis.

Etwas, was das Thema berührt, sind auch Eindeutschungen von ausländischen Nachnamen. Unter den Nazis war diese möglich, sofern der neue Name mit demselben Buchstaben anfing. Mein Großonkel hat das machen lassen, während mein Opa, obwohl sonst Kämpfer für das Deutsche, stolz auf seinen polnischen Namen war und ihn behielt (er war auch in seiner Heimatstadt als Kaufmann bekannt).
#28VerfasserJanZ (805098) 19 Apr 17, 14:13
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Der in #25 verlinkte Thread ist ja großartig!!
#29VerfasserDragon (238202) 19 Apr 17, 14:20
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Das wundert mich jetzt, denn das Mundtuch kenne ich sehr wohl (DWDS bezeichnet es als "gehoben, veraltend"), auch das Konfekt als eine Art Eispraline aus der Kinowerbung, und die Tunke ist mir ebenfalls bekannt, allerdings wie Dragon als etwas Unerwünschtes, eine Art dicke braune Soße, keine feine Sauce. Es war mir allerdings nicht bewußt, dass diese Begriffe aus der Nazizeit stammen (sollen).
#30Verfasserpenguin (236245) 19 Apr 17, 14:24
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Schillers Glocke ohne Fremdworte:
#31VerfasserEarlGreyHey (1188618) 19 Apr 17, 14:31
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Zurück zum Thema: "Eventually Hitler succeeded to impoverish the language to a degree of stalling the development of German literature in contrast to other countries of this time."

Das kann ich so nicht stehen lassen. Thomas Mann: "Wo ich bin, ist die deutsche Kultur" - es gab in dieser finsteren Zeit eine sehr reichhaltige deutsche Literatur und auch Literaturentwicklung, vor allem natürlich im Exil.


@27 Ausgerechnet die Sump(stil)fblüte "Geflügelte Jahresendzeitfigur" mit den Begriffsbildungen der Nazis zu vergleichen -- naja, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Und wer glaubt, dass es im Westen keine Sprachverordnung gegeben hätte, sogar noch immer gibt, der irrt. Aber das ist genausowenig Thema wie der verordnete französische Sprachpurismus.


Nochmal zu Tunke und Co: Es gab z.B. im Deutschen Sprachverein etliche Übereifrige und 150%ige, die davon träumten die Sprache zu reinigen und Tunke statt Sauce vorzuschreiben, vielleicht auch Gesichtserker statt Nase und all solchen Quatsch. Das wurde aber, wie bereits mehrfach gesagt, nie nationalsozialistische Praxis und das aus gutem Grund: Es wäre kontraproduktiv gewesen.

Abgesehen von seinen drei Konstanten: Nationalismus, Antisemitismus und Antikommunismus war der NS ideologisch und theoretisch oft nichts als Flickschusterei, wesentlich uneinheitlicher als wir uns das heute oft vorstellen.
#32VerfasserUljae (831733) 19 Apr 17, 14:52
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#19: Und das ist das eigentlich Schlimme am Nationalsozialismus: Dass er vorhandene Begriffe umgedeutet hat, so dass sie uns nun verleidet sind und wir sie nicht mehr im eigentlichen Sinne verwenden können.

This is an example of Gresham's Law (originally defined in economics): the bad drives out the good.


#33Verfassereric (new york) (63613) 19 Apr 17, 15:45
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Here's an interesting article on this subject: "Die deutsche Sprache und Fremdwörter im 3. Reich":


#34Verfassereric (new york) (63613) 19 Apr 17, 15:49
Kommentar
#19ff: Ich finde es ebenfalls schlimm, bestimmten Gruppierungen die Deutungshoheit über Begriffe und Formulierungen zu überlassen. Das geht bei Autokennzeichen los http://www.fr.de/politik/rechtsextremismus/ns... und endet bei eigentlich ganz harmlosen Begriffen, z.B. "Einnorden", was gar nichts mit "nordischer Rasse" zu tun hat, sondern eigentlich das Ausrichten des Kompasses bezeichnet und sich auch auf die Anpassung neuer Mitglieder einer Gruppe beziehen kann. So gesehen, gibt es schon eine gewisse Verarmung, wenn bestimmte Begriffe vermieden werden.
#35VerfasserRaudona (255425) 19 Apr 17, 15:54
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"Einnorden"? Bitte welcher Trottel... *seufz* Ja ich weiß, es gibt für jedes Wort einen Trottel, der es falsch verstehen will.

Statt "jedem das seine" kann man übrigens wie die alten Römer "suum cuique" sagen, was, nebenbei bemerkt, nicht "das Schwein quiekte" heißt. :-)
#36Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 16:00
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Ich erinner mich gerade an eine Fernsehsendung mit Hans Rosenthal die ich vor vielen hundert Jahren mal geshen habe, ich weiß nicht mehr, ob er dort als Gast oder Gastgeber war, jedenfalls kam die Rede auf die NS-"Kraft durch Freude" und jemand echauffierte sich über die vermeintliche Absurdität des Ausdrucks.
Daraufhin meinte Rosenthal recht nüchtern, der Ausdruck allein sei doch nicht unverständlich, denn wenn jemandem etwas Freude bereite, dann gäbe das auch Kraft.

Und so ist es wohl auch, wir haben sicher eine gewisse Übersensibilität entwickelt, die uns allzuoft auf den Kontext vergessen läßt. Und so ist es auch mit "Jedem das Seine". Ich mochte diesen Spruch noch nie leiden, weil er mMn bestenfalls eine Plattitüde darstellt und wer will schon beurteilen, wem was zusteht? In Buchenwald wurde der alte Spruch aber zum Ausdruck äußersten Zynismus.
#37VerfasserUljae (831733) 19 Apr 17, 16:24
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Heutzutage könnte man auch einfach "jedem Tierchen sein Pläsierchen" sagen, denn so ist es ja fast immer gemeint.
#38Verfassertigger (236106) 19 Apr 17, 17:54
Kommentar
Ich habe mit "jedem das Seine" gar kein Problem, vielleicht, weil meine Eltern das auch schon ganz selbstverständlich verwendet haben. Ich habe das als Jugendliche dann manchmal ergänzt durch "und mir das Meiste!".
#39VerfasserRaudona (255425) 19 Apr 17, 17:58
Kommentar
As has been pointed out, the attempts to eradicate (mostly) French words from German long predate the Nazi period. The Nazis were not exactly linguistic or cultural purists. Poland under German occupation was the 'Generalgouvernement', and the German satrap in occupied Prague was the 'Reichsprotektor'. Himmler ordered the execution of the communist leader Thälmann with the words: 'Thälmann. Ist zu exekutieren'. And it was Hitler who abolished the public use of Fraktur and German handwriting. While I'm sure that romantic Deutschtümelei was widespread among Nazi supporters, I think the leadership had little patience with it.
#40Verfasserescoville (237761) 19 Apr 17, 18:15
Kommentar
Heutzutage könnte man auch einfach "jedem Tierchen sein Pläsierchen" sagen, denn so ist es ja fast immer gemeint.

Ebend. Und gegen die Verwendung vom suum cuique als "Einem jeden, was ihm zusteht" ist auch gar nichts einzuwenden.

Aber leider verwenden es die meisten eben anders. Und dagegen hab ich was. Sogar ziemlich viel.
#41Verfasserbluesky (236159) 19 Apr 17, 18:40
Kommentar
#35: "Einnorden" wird in der Amateurastronomie ganz unbefangen verwendet, wenn es darum geht, die Drehachse seines Teleskops auf den Himmelsnordpol auszurichten.

#42VerfasserCuauhtlehuanitzin (1009442) 19 Apr 17, 20:01
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Anfragen wie diese haben etwas, das ich nicht verstehe: Warum wird von Deutschen erwartet, jederzeit über alle möglichen Aspekte der Hitlerzeit Auskunft geben zu können?

Macht sich (fast) keiner klar, dass die allerjüngsten, die noch bewusste Erinnerungen an diese Zeit haben, mindestens 80 Jahre alt sind?

Zum Vergleich: Ich bin eine mehrfache Großmutter. Meine erste bewusste Erinnerung an ein Ereignis aus der Politik ist "schulfrei wegen der Beerdigung Adenauers". An die Nazizeit haben meine Eltern nur rudimentäre Erinnerungen.
#43VerfasserEifelblume (341002) 21 Apr 17, 12:26
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ed. gelöscht. Egal...

Ich verstehe nur nicht, was du sagen willst. Erics Frage war eine zu sprachlichen Aspekten jener Zeit und da gibt es eine Menge, wenn auch nicht in dem Sinn, den er oder seine Bekannte vermuteten.

Warum willst du soche Diskussionen nicht? Niemand erwartet von Detuschen über "alle Aspekte" bescheid zu wissen -- aber manche interessiert es halt.
#44VerfasserUljae (831733) 21 Apr 17, 12:50
Kommentar
Der Kommunalpolitiker mit der "Jedem das Seine"-Tätowierung ( Siehe auch: - ¡soıɹnʞ ʇɥɔǝ - - - ¡soıɹnʞ ʇɥ... - #153 ff) muss jedenfalls für acht Monate hinter Gittern. Nicht für den Spruch an sich, nur für die Verbindung mit der KZ-Silhouette. Die hat er jetzt durch Max-und-Moritz-Figuren übermalen lassen.


Jedem das Seine ist ja ein häufig gehörter Kurzkommentar bei ausgefallenen Tattoos. Hätte mir bei einer Max-und-Moritz-Tätowierung auf jemandes Oberarm auch rausrutschen können.
#45VerfasserHarri Beau (812872) 21 Apr 17, 13:21
Kommentar
Und was machen deutsche Behörden, wenn z.B. ein Amerikaner mit Swastika-Tattoos in einem Schwimmbad "auffällt"? Was ist mit der Gruppe KISS, die zumindest zeitweise auch Runen verwendete?

Manche Ausdrücke unterlagen während des 3. Reiches wohl auch einem "Gesinnungswandel" oder wurden ironisch(?) verwendet, siehe Gesichtserker oder Viertopfzerknalltreibling.
#46Verfasserwaltherwithh (554696) 21 Apr 17, 14:04
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Gesichtserker oder Viertopfzerknalltreibling.

Das ist alles älter und geht bis ins 19. Jh. zurück, wie ich bereits in #22 dargelegt habe. Das hat mit der Nazizeit nichts zu tun.
#47Verfasserbluesky (236159) 21 Apr 17, 14:10
Kommentar
KISS musste in Deutschland auf die Runen verzichten (zumindest zeitweise). Und der Sänger Raf bekam in Deutschland ein zweites f verpasst - auch linker Terror führt ja zur Tabuisierung bestimmter Symbole.

Die Frage, ob wir Deutschen wirklich "alles" über die NS-Zeit wissen müssen, möchte ich mit einem Erlebnis beantworten: Als 14-Jährige war ich auf Schüleraustausch in der Nähe von Coventry, und wir waren zusammen mit unseren englischen AustauschpartnerInnen in einer Jugenddisco. Ein englischer Junge, der mit unserer Gruppe nichts zu tun hatte, sprach mich recht freundlich an, vergewisserte sich, dass ich Deutsche sei, und fragte (zumindest war es das, was ich verstand): "Do you like the juice?" Ich hielt das für ein etwas seltsam formuliertes Angebot, mir etwas zu trinken zu spendieren, und bejahte. Der Engländer: "Do you like shooting them?" ... Gut, das ist 30 Jahre her; aber populäre Kriegsfilme u.ä. sorgen dafür, dass die Erinnerung an diese Zeit auch außerhalb Deutschlands wachgehalten wird. Schon allein deshalb ist es wichtig, dass sich auch weitere Generationen mit dem Thema beschäftigen.

Es bleibt das Problem der Deutungshoheit.
#48VerfasserRaudona (255425) 21 Apr 17, 14:15
Kommentar
Mir fällt ein, daß die Nazis Wert darauf legten, daß statt (Chef)redakteur der Begriff (Haupt)schriftleiter verwendet wurde. Das haben sie aber nicht mit allen Fremdwörtern so gemacht. Hier ging es wohl um die Abgrenzung zur (nach Nazi-Darstellung) "jüdisch dominierten" Presse der "Systemzeit".

Und ein weiteres wichtiges Anliegen war ihnen, die Terminologie der Kriegsberichterstattung so zu verändern, daß sie anders klang als im Ersten Weltkrieg. So wurde z.B. der Tank zum Panzer.

Wann die deutschen Begriffe im Fußball anstelle der englischen (Ecke statt Corner usw.) eingeführt wurden, weiß ich nicht.
#49Verfassermbshu (874725) 21 Apr 17, 14:44
Kommentar
eric ist dieser Ignoranz ja wohl völlig unverdächtig. Und er erwartet bestimmt auch keine erschöpfende Auskunft.

Eifelblume, was machen wir, wenn bald alle Zeitzeugen gestorben sind? Zu den Akten geben? Nicht mehr drüber reden? Dünnes Eis....
#50Verfassertigger (236106) 21 Apr 17, 14:45
Kommentar
Oft wird "vergessen" mit "sich schuldig fühlen" verwechselt.
#51VerfasserHarri Beau (812872) 21 Apr 17, 14:52
Kommentar
Wann die deutschen Begriffe im Fußball anstelle der englischen (Ecke statt Corner usw.) eingeführt wurden, weiß ich nicht.

Interessant, vielleicht liegt hier der Grund dafür, dass im österr. Deutsch meist diese alten Begriffe (Corner, Referee usw) erhalten geblieben sind. Schließlich hat das Tausendjährigereich hier nur sieben statt 11,5 Jarhe gedauert.

---

Ansonsten geht es bei der Beschäftigung mit jener Zeit ja nicht darum sich besser zu fühlen oder um das Ansehen im Ausland -- sondern schlicht um uns selbst und unsere Zukunft. Ich will keine Wiederholung dieser Zeit, nicht einmal in einer Soft-Version. So einfach.

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Aber die Menschen sind halt manchmal komisch. Ein Erlebnis, das ich vor einigen Jahren hatte und gar nichts mit der Nazizeit zu tun hatte:

Tief in Frankreich auf einem Zeltplatz sind wir in Streit mit einem tschechischen Reisebus, bzw dessen Fahrer geraten. Daraufhin ist er immer wollte er immer nur wissen, wo ich eigentlich her käüme -- bestimmt aus "Ostdeutschland", womit er die DDR meinte. Ich hab es darauf angelegt und gefragt, was das denn bitte mit dem Problem zwischen uns zu tun habe... aber er wollte davon nicht heruntersteigen. Wo sind sie her, sie sind bestimmt aus Ostdeutschland, sie brauchen uns gar nichts sagen.

So zog sich das bestimmt fünf Minuten lang hin, bis es mir zu dusslig wurde und sagte: Na schauen Sie halt auf unser Autokennzeichen.

Ja was, Ihr seid's aus Wien?? Wir sind nämlich von Brünn, da sind wir ja Nachbarn.... ach, was solls, kommen Sie trinken wir was und reden drüber.


Ja, so sind manche Menschen.

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Es ist übrigens so, dass heute wieder etliche Begriffe mit spezifischer Konnotation verstärkt auftauchen: Lügenpresse, Systemparteien ... gehört heute wieder zum Sprachgebrauch bestimmter Kräfte.
#52VerfasserUljae (831733) 21 Apr 17, 15:03
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Offensichtlich habe ich mich wieder einmal missverständlich ausgedrückt.

Ich bin nicht aufgebracht und lehne die die Diskussion auch nicht ab. Außerdem kenne ich eric als einen aufgeschlossenen User, der sich wirklich für die Dinge interessiert und bestimmt nicht provozieren will. In einem Sprachforum hat er auch gute Chancen, jemanden zu finden, der sich mit der Sprache vor 100 Jahren auskennt (um Veränderungen vor 80 Jahren zu beurteilen, muss man wissen, was davor war, deshalb 100 Jahre).

Ich wollte eigentlich wissen, ob Nicht-Deutschen bewusst ist, dass sie Geschichtswissen abfragen.
Raudonas Erfahrungsbericht aus England ist kein Einzelfall. Auch ich wurde in Italien (vor ca. 40 Jahren) und Frankreich (vor ca. 25 Jahren) öfters zu einer Stellungnahme zu Themen des 3. Reiches aufgefordert. Die Fragenden waren regelmäßig erstaunt zu hören, dass ich dazu nur erzählen kann, was ich im Geschichtsunterricht gelernt habe.

Würde man mit derselben Selbstverständlichkeit erwarten, dass ein US-Amerikaner jederzeit aus dem Stand Auskunft über Sklaverei geben kann?
#53VerfasserEifelblume (341002) 21 Apr 17, 15:13
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11,5 Jahre? Ich komme eher auf 12,5 Jahre (genauer auf 12,27 Jahre).
Oder war das das tausenjährige Reich schon im Sommer 1944 am Ende? (Ich weiß, dass es wahrscheinlich noch früher am Ende war).
#54Verfassereineing (771776) 21 Apr 17, 15:17
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Du hast zweifellos recht. Anfang 33 bis Mai 45 macht zirka 12,5 Jahre.
#55VerfasserUljae (831733) 21 Apr 17, 15:25
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eric titled the thread with 'the Nazi influence on the German language'. Their influence was not so much that they attempted to introduce 'German' words to replace foreign ones, as that they put their own stamp on certain words, thus 'staining' them and making them hazardous or impossible to use in polite discourse. I'm thinking of words like 'gleichschalten' and 'entartet'. Also, obviously, one has to be wary of anything to do with 'Volk'. These days, people speak, mostly jocularly I think, of 'Biodeutsche'. But this means 'deutsche Volksangehörige' (as opposed to 'Staatsangehörige').
#56Verfasserescoville (237761) 21 Apr 17, 16:49
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Ja, Biodeutsche ist schon sehr ironisch.

OT: Entartet -- degenerated, so verwenden wir das heute noch in der Physik, beispielsweise sprechen wir von entarteten Energieniveaus usw. Auf Englisch degenerated, was es im Deutschen als degeneriert kaum besser machen würde.
#57VerfasserUljae (831733) 21 Apr 17, 17:07
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Still OT: No, in English the word is degenerate; also in physics ("degenerate energy levels".)
#58VerfasserMartin--cal (272273) 21 Apr 17, 17:32
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aber als Partizip? Wie sind die Zustände... ? degenerate?
#59VerfasserUljae (831733) 21 Apr 17, 17:38
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"degenerate" kann auch ein Adjektiv sein: Siehe Wörterbuch: degenerate
#60VerfasserRaudona (255425) 21 Apr 17, 17:52
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(Teils vorübergehende) Spuren der Nazis in der deutschen Sprache sind Schöpfungen wie u.a.:
"kurzer Prozess", "Mutterkreuz", "Ostmark", "Winterhilfswerk", "Führerprinzip", "Blut und Ehre", "Heim ins Reich", "Optanten", "Westwall" und dergl. mehr.
#61VerfasserMiMo (236780) 21 Apr 17, 20:15
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Röhrich, "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten", führt zu "kurzer Prozess" ein Zitat aus Grimmelshausens "Simplicissimus" (1668) an.
#62VerfasserNorbert Juffa (236158) 21 Apr 17, 21:31
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Und bei "Ostmark" denke ich an DDR-Geld - eben Ostmark vs. Westmark, auch als DeMark bekannt. Oder assoziiere ich hier flasch?
#63VerfasserAGB (236120) 21 Apr 17, 22:27
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Ich verwende selbst auch eher nur noch ungern das Wort "Führer", selbst in vollkommen unbedenklichen Kontexten.
Und etwas "bis zur Vergasung" tun, kommt mir auch nicht mehr so schnell über die Lippen und gilt wohl ja allgemein mittlerweile als verpönt. Als Kind und Jugendlicher habe ich diese Formulierung oft verwendet, aber durchaus lange ohne mir über den zeitgeschichtlichen Kontext bewusst zu sein. Die Formulierung stammt übrigens ursprünglich nicht erst aus der Zeit der KZs, sondern wurde schon im Ersten Weltkrieg geprägt, als man begann, Giftgas einzusetzen, das behauptet zumindest die wikipedia:

#32 - Dass die Nazi-Ideologie entgegen ihrer Propagierung von "reinem Deutschtum" eine hybride Angelegenheit war, würde ich auch so sehen, sie war aber auch nicht immer reine Flickschusterei, sondern es stand auch oft Methode dahinter. Zu Beginn der Nazi-Zeit wurde z.B. Widukind heroisiert, der Sachse, der sich gegen die Christianisierung gewehrt hat, später, als man an der Macht war, wurde dann Karl der Große heroisiert, der Gegner und Bezwinger Widukinds. Das habe ich so jedenfalls einmal in einem Vortrag eines Historikers gehört. Und die architektonischen Pläne für Berlin nach dem "Endsieg" erinnern dann ja vollends an römische Vorbilder, nicht zuletzt auch der vorgesehene neue lateinische Name für Berlin: Germania!
#64VerfasserEarlGreyHey (1188618) 21 Apr 17, 22:38
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Dahinter steckte ein Konkurrenzdenken in Bezug auf Mussolini, der sich ja gerne auf die römischen Kaiser berief, während Hitler nur die fellbewehrten Urwaldgrunzer des damaligen Germanenbildes als Vorlage hatte.
#65VerfasserCuauhtlehuanitzin (1009442) 22 Apr 17, 12:39
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#66 - Die von Speer geplante Architektur erinnerte aber doch wirklich an das Alte Rom und nicht etwa an komfortable, etwas überdimensionierte Fachwerkhäuser! :-)
#66VerfasserEarlGreyHey (1188618) 22 Apr 17, 13:15
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