| Comment | Meine Muttersprache ist Russisch, allerdings kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, wie Deutsch für mich klang - ich glaube, mich störte extrem, dass es kein vernünftiges "r" darin gab, nur irgendwelche hässlichen Abwandlungen davon. Allerdings hatte ich eine Zeit lang kein Russisch gesprochen und gehört und danach wieder und habe mich über den Klang meiner eigenen Muttersprache sehr gewundert - viel melodievoller als Deutsch, aber auch viel härter und direkter. Ich glaube, dass die Mentalität sich in irgend einer Weise in der Sprache niederschlägt und dass dies aber auch ein rückgekoppelter Prozess ist, d.h. auch die Sprache formt die Mentalität. (Das ist kein Grund, einzelne Menschen nach ihrer Muttersprache zu beurteilen, sondern vielleicht viel mehr nur ein Anhaltspunkt dafür, wie der "Durchschnitt" der Leute in einem so-und-so-sprechenden Land denn ist.) Allerdings ist in meinen Ohren Deutsch keine harte Sprache, sie ist eher melodielos und sehr zurückhaltend/distanziert. Ich glaube, die Art und Weise, wie wir eine Sprache sehen, hängt sehr davon ab, was unsere erste Sprache ist, was genau für ein Dialekt dieser Sprache der unsere ist, was wir für Vorstellungen von "schön" haben (dieser Aspekt mag durch weitere Sinne wie Schmecken, Riechen usw beeinflusst sein) und ja vielleicht sogar, welche Worte wir in unserer allerfrühsten Kindheit am häufigsten gehört haben.
Es ist vielleicht interessant, das Verhältnis von Sprache und Mentalität zu unterschen; aber es ist unsinnig, eine Sprache als "hässlich" einzustufen, und zwar nicht nur deshalb, weil es sehr subjektiv ist und wir leider aus unserer Haut nicht können, um es objektiv zu betrachten (dafür müssten wir alle unsere Vorstellungen über Sprache erstmal aufgeben), sondern weil eine Sprache auch ein MITTEL zur Kommunikation ist - jede Sprache hat ihre Eigenheiten, die man wunderbar benutzen kann, um feinste Nuancen der Bedeutung zu erzeugen. Daher ist _jede_ Sprache schön und wertvoll - eben weil sie so viele _nur_ dieser Sprache eigenen Möglichkeit bietet, feine Nuancen der Bedeutung zu bilden. |
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