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TopicDas Dieadem der Königin Cam vom See
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Edmund Dantes Opus X.
Wie viele hier wissen, ist Edmund Dantes schon mit einigen sehr schönen Fortsetzungsgeschichten hier hervorgetreten. Die meisten in den *nnn*-Quasselfäden, dieser hier folgende kommt aus den Zählfäden. Das mit "Opus X" hab' ich ungenau gelassen, mangels Info über die exakte Anzahl.
Auf vielseitigen Wunsch soll diese poetische Geschichte hier in einem eigenen Thread vorliegen, Wert ist sie es ganz sicher.
Wir sind auch alle schon gespannt auf die Fortsetzungen und dann auf das Ende.
Dass Edmund derzeit gleich zwei Geschichten in der Schwebe hält, ist besonders zu bewundern!
Authorad.joe21 Dec 04, 09:08
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Das Diadem der Königin Cam vom See

Es war einmal….So fangen die Geschichten aus alter Zeit immer an. Und hier wird eine Geschichte aus uralten Zeiten erzählt. Also: Es war einmal eine Burg, die an einem See lag. Die Burg gehörte einem alten Geschlecht. Wer die Burg gegründet hatte? Es war Fian, der Bucklige. Ihm folgte Santon, der Faule. Und dann war da noch Ingrim, der Einfältige. Und, und, und. Und der Vater der Königin, von der wir hier erzählen, hieß Hungold der Taugenichts. Warum er den Beinamen ‚Taugenichts’ trug? Ganz einfach. Er taugte zu nichts! Er hielt den Haushalt nicht in Ordnung, ließ die Dienstboten machen, was sie wollten. In Handarbeiten war er eine absolute Niete. Meist lief er schlampig herum. Und ebenso vernachlässigte er seine Familie. Seine Frau Camaletta dagegen, eine exquisite Schönheit, stand täglich ihre Frau. Sie ging keiner Queste aus dem Weg. Bei allen Raufhändeln stand sie in vorderster Front. Soff die anderen Frauen unter den Tisch. Holte Preise beim Armdrücken, Karten kloppen und Bogenschießen. Und die Dienstboten kuschten, wenn sie in tiefster Nacht grölend nach Hause kam und die Möbel gerade rückte. Kaum war sie von der kleinen Camalia entbunden, als sie auch schon wieder in den Kampf zog. Und so stieg Camaletta in ihre Rüstung, sattelte ihr Pferd und ritt mal wieder gegen Unholde, Trolle, Drachen und andere unliebsame Gesellen, während die kleine Camalia beim alten Diener Harrod großgezogen wurde, der sie kurz Cam nannte.Fortsetzung folgt!

(Edmond Dantes (+Lady Julietta) Fri Dec 17 06:59:47 2004)
#1Authorad.joe21 Dec 04, 10:28
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Irgendwie ging Camaletta bei einer ihrer Questen verloren. Ob sie im Kampf gefallen oder in den Armen eines Schönlings (der sie im wortwörtlichen Sinne bestrickte) den günstigsten Augenblick für die Heimkehr verpasste, wir wissen es nicht.
Auf jeden Fall ließ sie sich auf der Burg am See nicht mehr blicken. In Folge dessen versank Hungold immer mehr in Melancholie. Und eines Nachts ruderte er auf den See hinaus (besser gesagt, er ließ den Nachen treiben, zum rudern war er viel zu faul). Und am nächsten Morgen fanden Bedienstete das leere Boot.
So wurde die kleine Cam, die jetzt schon fast erwachsen war, die Herrin der Burg.
Und der treue Harrod stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Aber er verzog die Kleine sehr, denn er war auch immer Hungold treu ergeben gewesen und hatte dessen Sorglosigkeit sehr geschätzt. Die Frauen im Haushalt neckten Cam, denn sie träumte oft vor sich hin, besaß keinen Sinn für Kämpfe und Raufereien. Lieber saß sie mit einer Handarbeit (diese Kunst hatte sie von Harrod abgeschaut) am Feuer, stickte Blumen und heraldische Embleme auf Tücher, während der alte Diener von Hexen, Feen und Elfen erzählte. Diese Geschichten weckten Sehnsüchte in dem Kind. Besonders gefiel ihr die Geschichte über den See, an dessen Ufer die Burg stand. Fortsetzung folgt!
(E, 17:08)
#2Authora21 Dec 04, 10:30
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Und die ging so: Die Königin von Fabulien (so hieß das Land, in dem unsere Geschichte spielt), wurde eines Tages von einer Horde Amazonen bis zum See getrieben. Ihre Begleiterinnen waren gefallen oder schwer verwundet und so stand die Königin gegen eine Übermacht. Mit ihren Beidhänder ‚Blutbeißer’ riss sie zwar eine Schneise in die Phalanx ihrer Angreifer, aber es war hoffnungslos. Irgendwann musste sie sich wohl der Übermacht beugen und die Waffe strecken. Doch ihr Diadem, das Zeichen ihrer Königinnenwürde und ihrer Macht wollte sie nicht in die Hände ihrer Feinde fallen lassen. Ihr eigenes Leben war ihr gleichgültig. So dachte sie: soll doch das Königreich von den Herzoginnen geführt und regiert werden, aber Königin wird nur diejenige, die das Diadem aus dem Reich der Wassernixen zurückerobern kann. Und ehe sie ihr Herz einem heranschwirrenden Pfeil anbot, warf sie mit Schwung das Diadem in den See. Klatschend schlug das Seewasser über dem Diadem zusammen, das sofort auf den unermesslich tiefen Grund sank.

Während die Königin das Schlachtfeld mit ihrem Blut netzte und ihr Leben aushauchte. Das Land war ohne Herrscherin.
Seit dem bewachen die Wassernixen das Kronjuwel. Jetzt:
(E)
#3Authora21 Dec 04, 10:32
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Der Heldenmut der Königin und ihr Kampf waren nicht die Punkte, die Cam an dieser Geschichte so sehr faszinierten, es war das Diadem und die Wassernixen, die Cams Interesse weckten. Sie wollte von Harrod wissen, wie das Diadem aussieht. Und was das für Wassernixen sind. Hier ließ der alte Diener oft seine Phantasie spielen, denn er hatte mal hier, mal da etwas gehört. Eben Sagen und Märchen, sowie Geschichten, die an den Kochfeuern erzählt wurden, während in den Kesseln die Suppe brodelte und das Holz im Kamin knisterte. Oder die den Kindern vor dem Einschlafen erzählt wurden. Manchmal kam auch eine Bardin auf die Burg, in deren Liedern die Gerüchte und Begebenheiten in gediegenen Versen und prosaischen Worten zu mal romantischer, mal fröhlich-wilder Musik, verarbeitet waren. Die Burgfrauen standen mehr auf die Sauf- und Rauflieder, schätzen auch gepfefferte, zweideutige Gassenhauer, die sie, besonders zu später Stunde, mitlallten. Die Männer bevorzugten die träumerischen Lieder, die von inniger Zuneigung und zarter Liebe erzählten, von fremden Völkern und Ländern, Magiewesen, Zauberern und so weiter. Von alle dem war die kleine Cam gefangen und spann solche Abenteuer in ihren Tagträumen fort, während die anderen Mädchen in ihrem Alter als Knappinnen dienten, Hornsignale einübten und interpretierten, den Ritterinnen die Waffen und Schilde trugen, mit allerlei geschmiedeten Handwaffen unter der Anleitung einer erfahrenen Kämpferin auf Strohpuppen und Pfähle eindroschen und die hohe Kunst der Kriegsführung zu Fuß und zu Pferde erlernten. Fortsetzung folgt!
(E)
#4Authora21 Dec 04, 10:35
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Sie verkroch sich auch oft zur alten Demarra, die in einem Schwertkampf schwer verwundet wurde. Seit dem war Demarras linkes Bein steif und so versorgte die Frau das Burgarchiv, in der alte Handschriften und Urkunden verwahrt wurden. Hier waren die Hüter von Haus und Hof verzeichnet, obwohl die eigentliche Verantwortung in den Händen einer Marschallin lagen oder bei der Gutsverwalterin.
Doch die eingenommenen Pachtzinsen, die Zu- und Abgänge der Dienstboten, die Menge der geschlachteten oder verkauften Ferkel, die Anzahl der geschlagenen Bäume oder das eingebrachte Korn nahmen nur einen geringen Raum ein. Die Taten der Burgherrin waren viel wichtiger. Jeder Sieg, jede Niederlage war dokumentiert. Und noch mehr Raum nahmen die Ligen ein. Jede Burg, jedes Dorf, jeder Weiler nahmen daran Teil. Da kämpften zum Beispiel die ‚rosaroten Furien’ gegen die ‚gefleckten Teufelinnen’, in allen Waffengattungen. Die Knappinen verdienten ihre ersten Sporen beim Ringstechen, Tauziehen oder Weitwurf. Es gab Mannschafts- und Einzelkämpfe. Und natürlich wurden Wetten abgeschlossen. Selbst das ‚schwache Geschlecht’, die Männer, die bei solchen Vergnügungen keinen Zutritt hatten, bis auf wenige Ausnahmen, wetteten, klatschten und tratschten darüber in ihren Räumen. Die alte Soldatin mied solche Turniere so weit es ging. Fortsetzung folgt!
(e, 20.12., 6:52)
#5Authora21 Dec 04, 10:38
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Und irgendwie hatte die Alte auch vom Kampf die Nase voll, denn eigentlich bedeutete Queste Suche, doch gesucht wurde nur der Kampf um Ruhm und Ehre. Aber es ging nur um den Ruhm und die Ehre der Herrscherin. Außer diesem Posten, einigen Münzen und dem steifen Bein hatte es Demarra nichts eingebracht. Nur, dass sie viel in der Welt herum gekommen war. Darum erzählte sie Cam von den Ländern, die sie bereist hatte, von den Zopf- und Turbanträgerinnen, die ohne Waffe kämpften, nur mit der bloßen Hand. Die mit einem Tritt der Ferse, dem man kaum mit den Augen folgen konnte, gleichzeitig drei Ritterinnen entwaffneten. Von Magierinnen, die einen Trupp von 100 Frauen vermittels Illusionen zur Umkehr brachten. Von Zauberinnen, an deren ausgestrecktem Zeigefinger Funken tanzten, die sich zu einem großen Feuerball formten, der anschließend durch die Luft flog und mitten unter den Feinden landete. Von den Messertänzerinnen, mit kahl geschorenen Köpfen, die fast nichts am nackten Körper trugen, außer mit dem Pinsel aufgebrachte farbige Zeichen und Ornamenten, aber mit Wurfmessern jonglierend durch die Reihe ihrer Feinde liefen und keine einzige Wunde davon trugen, dafür die Reihen ihrer Widersacher lichteten, als ob sie Stroh schnitten. Dabei stießen sie schrille, hohe Kreischlaute aus und lachten höhnisch.
Aber eben auch von seltsamen und unbekannten Wesen, mit mehr oder weniger magischer Natur. Und von Tieren, die eigentümliche Auswüchse, Gliedmaßen und Eigenschaften besaßen. So saß dann Cam zusammengekauert auf einem weichen Teppich (nein, es war keiner aus der Manufaktur der Sultana von Konstantina. Von der man behauptete, sie hielte sich in ihrem Harem 365 Liebhaber. Sie hielt sich 1000 und einen. Nur mussten die armen Sklaven Teppiche knüpfen und weben!) zu Füßen der alten Frau, sperrte Mund und Ohren auf, ließ sich faszinieren.
(e)
#6Authora21 Dec 04, 10:39
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Eines heißen Sommertages verbrachte Cam ihre Zeit am See, träumte von all den Gestalten aus den Erzählungen von Demarra und Harrod. Die Sonne zauberte wunderschöne Farbspiele auf dem Wasser. Manchmal kräuselte sich die Oberfläche, wenn ein Frosch mutig in die See hüpfte, eine Entenschule am Ufer gründelte oder ein Fisch seine Glotzaugen über die Wasserlinie hob. Cam spielte mit den Zehen im Sand, dann prüfte sie das Nass auf seine Temperatur. Ein Reiher pfeilte heran und erwischte beinahe den glotzenden Fisch, der im letzten Moment auf Tauchstation ging. Vom Schnabel des Reihers perlten noch Wassertropfen und vor Enttäuschung schüttelte er den Kopf, flog auf einen Felsen zu und bezog dort Posten, wartete auf eine neue Gelegenheit für einen Imbiss. Der dicke Frosch, der gerade auf ein schwankendes Seerosenblatt geklettert war und vom Schilf gedeckt wurde, zeigte ein breitmäuliges Grinsen, ob des Reihers Pech.

Die Entengruppe watschelte über das Ufer und wackelte mit den Bürzeln. Die Mama ging mit hoch erhobenem Kopf, während die Kleinen interessiert die Schnäbel in jede Windrichtung reckten. Dabei stießen sie sich gegenseitig an, tanzten aus der Reihe und liefen auch manchmal auf Mama auf, die mit ihrem Schnabel den Pechvogel hackte oder mit dem Flügel klapste und zur Ordnung schnatterte. Doch kaum war der eine wieder ordentlich in die Reihe integriert, fing der Nächste das gleiche Spielchen an.
(e)
#7Authora21 Dec 04, 10:41
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Cam schüttelte ihre lange Mähne im Wind und warf sich in das kühlende Nass.
Während sie so durch die Fluten schwamm, bemerkte sie ein seltsames Aufblitzen in der Tiefe. Natürlich konnte das in keinem Fall das Diadem sein. Vielleicht das Blinken von großen Nixenschuppen? Sie fühlte sich sofort an die Geschichte der Königin erinnert. Mutig tauchte sie unter und suchte mit offenen Augen unter Wasser das auffällige Glitzern. Da, da war es wieder, diesmal jedoch an einer anderen Stelle. Sie tauchte tiefer. Der Druck auf Lunge und Ohren wurde immer stärker, doch Cam ließ nicht locker. Doch dann verlor sie den Glitzerschein aus den Augen und strebte mit kräftigen Schwimmzügen an die Oberfläche. Aufgetaucht schnappte sie nach Luft. Sie hatte sich etwas zu viel zugemutet. So paddelte sie, auf dem Rücken liegend, erst einmal ans Ufer und ruhte sich aus. Aber in ihrem Kopf kreisten ihre Gedanken immer nur um das Diadem und dieses eigenartige Glitzern. War sie einer Täuschung aufgesessen? Hatten Licht und Wasser ihr einen Streich gespielt? Nein, da war etwas gewesen! Nur was? Es ließ Cam keine Ruhe. Wieder schwamm sie auf den See hinaus, atmete sie tief durch, pumpte ihre Lungen zum Bersten voll und tauchte noch einmal an der bewussten Stelle. Sie spähte hier, lugte da, bemerkte, wie ihr die Luft ausging. Sie stieß den verbrauchten Lungeninhalt aus und verschaffte sich so noch einige Sekunden. Jetzt musste sie nach oben. Es ging nichts mehr. Fortsetzung folgt!
(e 21.12.)
#8Authora21 Dec 04, 10:43
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Mit kräftigen Fußstößen bewegte sie sich hinauf. Und kollidierte an der Oberfläche mit dem dummen Reiher, der sich diesmal einen zu großen Happen zugemutet hatte. Der Reiher trollte sich endgültig und schüttelte im Fluge seinen lädierten Schnabel, klagte im Geiste über sein Jagdpech. Leider hatte der Vogel Cam so unglücklich an der Schläfe erwischt, dass sie bewusstlos im See versank. Die Entenmama und ihre Kleinen waren schon lange verschwunden. Nur der dicke Frosch sah Cams Missgeschick und quakte Alarm, doch niemand vernahm seine eindringliche Klage.
Cam war ganz ekelhaft zu Mute. Brechreiz plagte sie. Jetzt schlug sie die Augen auf. Und befand sich in einer zauberhaften Märchenwelt. Da waren große Muscheln, in denen riesige Perlen leuchteten und die Umgebung in einen rosigen Schimmer tauchten. Cam lag in einer Höhle. Auf einer kleinen Insel. Und um die Insel tanzten im Wasser grünhäutige Mädchen mit zartem Blondhaar, deren schlanker Unterkörper geschuppt war und in einer Flosse auslief. Hunderte von Leuchtfischchen, die an ihren Mäulern bunte, hauchzarte Laternchen an feinen, kaum sichtbaren Fäden trugen, umspielten die Nixen. Die Wasserfrauen lachten perlend und gluckernd, als sie sahen, wie Cam wieder zu sich kam.
(e)
#9Authora21 Dec 04, 10:45
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Cam glaubte sich tot, sie musste ertrunken sein und ihre Sinne spielten ihr wohl einen Streich. Als aber eine Nixe mit der Flosse heftig flappte und ein Wasserschwall sich über sie ergoss, war ihr klar, dass sie noch lebte. Doch wo war sie? Wie kam sie hierher? Und waren das wirklich die Nixen aus den Sagen und Märchen? Stimmte die Geschichte vom Diadem der Königin und bewachten die Wasserwesen das Kleinod noch immer? Sollte es ihr gegeben sein, das Diadem zu erringen? Wie sollte sie sich verhalten? Konnte sie mit den Wasserwesen sprechen?
Sie erhob sich von ihrem steinigen Lager und winkte in die Runde.
Sofort schnellte eine der Nixen auf das Inselchen zu und legte eine Hand auf die Felskante, während sie mit dem Unterkörper die Stellung hielt. Die anderen Wasserfrauen hielten sich etwas im Hintergrund, winkten aber freundlich zurück.
„Hallo, ich bin Niniorde. Und das sind meine Freundinnen. Wer bist du?“
Cam sagte ihren Namen und erzählte, was sie ins Wasser gelockt hatte. Vom Diadem sagte sie nichts.
(e)
#10Authorad.joe21 Dec 04, 10:48
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„Der kugelrunde und glänzende Lunafisch hat dich genarrt. Er hat dich mit seinem Glitzern verführt, denn damit will er seine Putzefische anlocken, die jetzt an der Oberfläche laichen. Du hattest Glück, dass wir dich gefunden und auf die Insel gebracht haben. Es ist schon lange her, dass sich jemand in unser Reich verirrt hat. Meine Mutter Niniane hat mir erzählt, dass sie vor Jahren einen Menschen auf ähnliche Weise gerettet hat. Aber er ist in den Armen meiner Mutter in die andere Welt übergegangen. Als er noch einmal die Augen aufschlug und meine Mutter sah, rief er:‚ Da bist du ja, meine schöne Camaletta, endlich bist du wieder bei mir! Wie habe ich mich nach deinen starken Armen gesehnt!’ Und mit einem Lächeln auf den Lippen erlosch sein Lebenslicht! Er hat seine letzte Ruhe in einer Korallenbank gefunden, denn er kam ja in unser Reich um Frieden zu finden. Darum haben meine Leute ihn nicht der Oberwelt zurückgegeben.“
Während Niniorde dies erzählte, schluchzte Camalia auf, anschließend kullerten dicke Tränen ihre Wangen hinab. Einen Moment hielt sie ihren Kopf gesenkt, dann hatte sie sich etwas gefasst, blickte auf und sprach:„Ich bin euch zu ewigem Dank verpflichtet, denn ich bin Camalia, die Tochter von Camaletta und Hungold. Deine Mutter Niniane hat meinen Vater gerettet. Mein Vater war traurig, als meine Mutter von einer ihrer Reise nicht zurückkehrte. Darum hing er wohl nicht mehr am Leben. So wuchs ich die letzten Jahre als Waise auf. Die Leute auf unserer Burg haben sich um mich gekümmert, besonders meine Freunde Harrod und Demarra. Aber ich hätte eine Bitte, dürfte ich die Grabstätte meines Vaters besuchen? Und anschließend deine Mutter Niniane kennen lernen, um ihr für alles zu danken?“
#11AuthorEdmond Dantes21 Dec 04, 12:03
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Die Nixe verabschiedete sich kurz mit einem Nicken und tauchte unter, ihre Freundinnen machten es ebenso. Cam dachte über das nach, was Niniorde ihr eben erzählt hatte, doch nach wenigen Minuten war die Nixe wieder da und reichte Cam eine Alge und sprach: „Meine Freundinnen holen Verstärkung, damit wir dich ziehen können, denn der Weg ist weit. Aber du kannst im Wasser nicht atmen, darum musst du auf Stückchen dieser Alge kauen. Immer wenn du merkst, du bekommst keine Luft mehr, kaue ein neues Stück! Eine andere Freundin holt meine Mama, die auf uns wartet, wenn wir hierher zurückkehren!“ Kaum hatte sie dies gesprochen, als eine Nixengruppe auftauchte, von denen eine ein Tritonshorn an die Lippen setzte.
Der Ton der großen, trompetenförmigen Muschel dröhnte tief durch die Höhle. Kurz darauf tauchte etwas aus dem Wasser auf.
Eine dreieckige Rückenflosse, die auf einem lang gestreckten Fischkörper saß, ragte aus dem Wasser. Und Niniorde bat Cam, die gerade ins Wasser glitt, sich gut daran fest zu halten. Cam schob sich ein Algenstück in den Mund. Und schon ging die wilde Fahrt los. So etwas hatte Cam noch nie erlebt, die Geschwindigkeit war enorm.
Am Grabmal, das die Korallen so fleißig errichtet hatten, hielt Cam einige Zeit inne. Anschließend kehrte sie mit den Wasserfrauen auf dem gleichen Weg zurück.
Als sie am Felseninselchen auftauchte, sah sie sich einer Frau gegenüber, die sie im ersten Moment für ihre Mutter hielt. Doch dann entdeckte sie die augenfälligen Unterschiede. Das Haar war länger und von goldener Farbe, die Augen blau, wie das Meer und die Haut besaß eine dunklere Tönung. Aber sie empfand die gleichen Gefühle, wie für ihre Mutter Camaletta. Als die Frau ihre Arme öffnete, warf sich Cam an die Brust der Unbekannten und weinte noch einmal heftig. Die Nixe drückte sie an sich, strich ihr sanft durchs Haar, murmelte beruhigende Worte. Diese Gesten erinnerten Cam aber eher an ihren Vater Hungold, der ihr immer auf die gleiche Art Trost gespendet hatte. Es tat ihr mehr als gut.
#12AuthorEdmond Dantes21 Dec 04, 12:07
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Plötzlich sprudelte alles aus Cam heraus, sie erzählte auch die Geschichte vom Diadem, welches sie zu finden hoffte um damit ihre Welt zu ändern.
„Diese sinnlosen Kriege und Questen! Wenn ich Königin wäre, ich würde mit diesem Unsinn ein Ende machen. Und Männer sind auch stark, nur eben auf eine andere Art und Weise. Es gibt auch harte Frauen wie Demarra, die ein weiches Herz haben!“
Da sprach Niniane zärtlich: „Meine Tochter, das wird ein schwieriges Unterfangen! Meine Urgroßmutter Nimphäa fing damals das Diadem. Sie wollte es gut und sicher verstecken. Doch leider wurde sie von einem bösen Raubfisch verfolgt und verlor das Diadem. Es geriet in das Netz der Sulala. Die Sulala ist ein eigensinniger Charakter. Sie ist nicht richtig böse, nur eigensinnig und egoistisch. Aber was will man schon von einer einzigartigen Wasserspinne verlangen? Sie bewegt ihren fast zweieinhalb Ellen dicken Körper kaum. Obwohl sie noch immer flinke Beine besitzt. Und sie hat einen giftigen Stachel am Unterleib, mit dem sie die Lebewesen betäubt, die sich in ihrem riesigen Netz verfangen. Nein, die Stränge sind nicht so dick wie Taue, aber die fingerdicken Seile genügen. Als Bewacher war die Sulala ideal. So dachte zumindest Nimphäa, als sie sah, wo das Diadem gelandet war. Nämlich genau in der Mitte des Spinnennetzes. Hier war das Kleinod dem Zugriff der Menschen sicher entzogen. Du hast dir das Diadem verdient und wir werden dir helfen, dich nach Kräften unterstützen!“ Die Nixen berieten sich und fassten einen Plan.
#13AuthorEdmond Dantes21 Dec 04, 12:09
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#14Authorâ ➔ ♪ Þ » » µ ® © Œ œ Ÿ Ϟ&#99... 21 Dec 04, 22:35
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Als erstes besorgten die Wasserfrauen eine Säge. Na klar, es war das abgeworfene Hornstück eines Sägefisches. Dann tauchten sie alle bis fast auf den Grund, wo Sulala ihr Netz gespannt hatte. Cam tauchte vermittels der Alge natürlich auch mit. Und hielt die Säge in der Hand, mit der das Diadem aus dem Spinnennetz herausgelöst werden musste. Cams Herz pochte heftig, wie mochte dieses Abenteuer wohl ausgehen? Sie unterdrückte ihre Angst und wusste die freundlichen Nixen unter der Führung von Niniane in ihrer Nähe. Was sollte da wohl schief gehen?
Cam legte sich auf einer von den Wasserfrauen angewiesenen Austernbank auf die Lauer. Hier war sie etwas schräg oberhalb des Netzes. Und zum ersten Mal erblickte sie Sulala. Da war ihr schon etwas gruselig zu Mute. Aber ein fester Händedruck von Niniorde sorgte für etwas Aufmunterung. Zum Glück war es der Wasserspinne auch nicht möglich, nach oben zu schauen. Hätte Cam der Spinne in die Augen blicken müssen, ihr Herz wäre vor Angst zersprungen! Niniorde entschwand zu ihren Freundinnen. Und gemeinsam mit Niniane und den anderen Nixen (die sich alle mit Tang getarnt hatten, damit die Sulala nicht wusste, wer ihr da den bösen Streich spielte) sorgte sie jetzt für das entsprechende Ablenkungsmanöver. Die Wasserwesen verteilten sich rund um das Netz und zupften an den äußersten Fäden. Obwohl, um das Gewebe in Schwingungen zu versetzen und die Spinne zu locken war schon richtig Kraft nötig. Darum nahmen die grünhäutigen Mädels das Vorhaben paarweise in Angriff.
#15AuthorEdmond Dantes22 Dec 04, 06:33
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Erst reagierte die alte Spinne überhaupt nicht. Sie saß gemächlich und fett in ihrem Netz. Doch dann wurde es ihr zu bunt. Sie kroch mal in die eine, dann in die andere Richtung, konnte sich nicht entscheiden. Die Nixen setzten das Spielchen noch einige Zeit fort. Dann konzentrierten sie sich auf eine Stelle, die genau entgegengesetzt dem Punkt war, von dem Cam eingreifen sollte. Die beobachtete von ihrem Ausguck alles ganz genau. Jetzt bewegte sich Sulala vom Zentrum fort und ging der Störung ihrer Siesta nach. Insgeheim freute sich die Spinne schon auf eine leckere Mahlzeit. Denn das musste ein dicker Brocken sein, der ihr da ins Netz gegangen war. Und siehe da, alle Trägheit fiel von ihr ab, die Beinchen, die fast Mühe hatten, den fetten Körper zu tragen, bewegten sich mit einer Schnelligkeit, der das Auge kaum folgen konnte. Jetzt oder nie, dachte Cam und sprang von der Austernbank. Noch nie war Cam so schnell geschwommen. Zwar hielt sie ihr Ziel genau im Blick, doch sie schielte auch ab und in die Richtung, in der die Sulala verschwunden war. Cam befand sich genau über dem Zentrum des Netzes. Wo war das Diadem? Aber da glitzerte nichts! Wo hatte Sulala das Kleinod versteckt?
#16AuthorEdmond Dantes22 Dec 04, 06:34
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Aber da, da war ein Haufen Unrat, ein rostiges Schwert, eine Armschiene, jede Menge anderer Schrott. Wie sollte sich Cam da jetzt hindurcharbeiten? Die Zeit wurde knapp, denn irgendwann musste die Spinne merken, dass sie genarrt worden war.
Mit zittrigen Fingern fühlte Cam herum. Da, da war doch etwas. Aber das Ding hing fest im Netz. Also die Säge angesetzt. Nur nutzte das scharfe Hornwerkzeug fast nichts, die fingerdicken Seile verklebten die Sägezähne. Und so riss, zog und zerrte Cam immer wieder, hieb mehr mit ihrem Werkzeug, war froh als sie endlich einen Strang zerfasert hatte. Leider bemerkte sie durch ihr Tun nicht, dass Sulala wieder ihren gewohnten Platz aufsuchen wollte. Gerade zog das Mädchen ihre Beute aus der Verschlingung und versuchte zu fliehen, als sie die Berührung eines Spinnenbeines spürte. Aber ehe die Spinne die Möglichkeit nutzte, sich auf ihre Beute zu stürzen und den gemeinen Dieb zu strafen, griffen die Nixen beherzt ein.

#17AuthorEdmond Dantes22 Dec 04, 06:36
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Auf dem Weg zurück zum Treffpunkt an der Austernbank deckten sich die Nixen vorsichtshalber mit einigen Harpunenorchideen ein. Die Pflanzen trugen im Kelch Samenkapseln und wenn man auf eine Verdickung darunter drückte, schossen aus der Blüte die Kapseln. Sobald die Kapseln auf einen Widerstand trafen, zerplatzen sie und gaben klitzekleine Pfeilchen mit noch kleineren Widerhaken frei. Damit malträtierten sie die Spinne, als sie Cams Notlage sahen. Die Sulala besaß aber solch eine dicke Haut, dass die kleinen Harpunchen kaum Schaden anrichteten.
Doch sie kitzelten die Wasserspinne. Und das mochte sie nun gar nicht. Sie legte einen Tanz hin, der einer Tarantel zur Ehre gereicht hätte (es war aber keine italienische Tarantella, was ich an dieser Stelle ausdrücklich feststellen möchte!).
Der Angriff der Nixen verfehlte jedoch nicht seinen Sinn. Die Sulala war dermaßen mit ihrer solistischen Darbietung beschäftigt, dass sie die Diebin vergaß, die schon fast den Giftstachel in ihrem Rücken erwartete. Wie der Blitz schoss Cam mit ihrer Beute davon. Die Spinne machte noch eine zeitlang mit ihrem Tanz weiter, verknotete dabei beinahe ihre vielen Bein. Dann sank sie ermattet in ihr Spinnenetz. Doch kein Applaus folgte. Nur ihr Magen knurrte heftig. Egal, irgendein Dummkopf würde ihr schon noch ins Netz gehen. Sie konnte warten. Sie hatte Zeit. Viel Zeit.
Sie inspizierte ihr Lebenswerk, bemerkte den losen Strang und die anderen Beschädigungen, konzentrierte sich auf Wartung und Reparatur. Ruhig und bedächtig, wie es halt ihre Art ist, machte sie sich ans Werk. Das Diadem vermisste sie nicht! Auch an den versuchten Diebstahl erinnerte sie sich nicht mehr. Es war halt ihr Alter, da macht sich schon hie und da eine gewisse Vergesslichkeit bemerkbar.
#18AuthorEdmond Dantes22 Dec 04, 11:03
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„Puh, das wäre geschafft! Liebe Nixen, ich danke euch von ganzem Herzen!“
Cam lag etwas ausgelaugt wieder auf der kleinen Felseninsel in der Höhle. Sie konnte es noch gar nicht fassen, dass sie das Diadem errungen hatte. Niniane und Niniorde blieben noch etwas bei Cam, die anderen Wasserfrauen grüßten noch einmal und tauchen ab. Niniane sagte: „Du musst jetzt schleunigst an die Oberfläche und in dein Bett. Zu lange darf man die Algen nicht benutzen. Wir wünschen dir viel Glück für die Zukunft. Aber vergiss uns nicht. Niniorde hat noch eine Überraschung für dich!“ Die hob eine Hand aus dem Wasser und reichte Cam das Tritonshorn.
„Damit kannst du uns immer rufen. Wenn du uns brauchst und wir dir helfen können, wir sind immer für dich da! Auch wenn du in der Ferne weilst, egal ob Fluss, Teich oder See, ein Wasserbewohner wird sich bei dir melden und eine Nachricht an uns weitergeben. Wir drücken dir die Daumen!“ Da musste Cam noch einmal heftig schlucken. Sie reichte den beiden Nixen die Hand und mache sich in Begleitung der Wasserfrauen hinauf an die Oberfläche, in ihrem Haar steckte das Diadem und über die Schulter hing, an einem aus Seegras geflochtenem Band, das Tritonshorn. Kaum durchstieß das Trio den Wasserspiegel, als sie auch schon laute Rufe vernahmen. Überall liefen am Ufer Menschen mit Fackeln entlang, denn es war tiefschwarze Nacht. Die beiden Nixen tauchten schnell wieder unter, drückten Cam noch einmal kurz die Hände, denn die vielen Menschen machten sie nervös und ihnen Angst.
Jetzt hörte Cam auch, das die Leute ihren Namen riefen. Sie machte sogar die Stimmen von Harrod und Demarra aus. Und so zeigte sie sich mit ihrer Beute.
#19AuthorEdmond Dantes22 Dec 04, 11:04
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Die ersten Fackeln beleuchteten ihr Gesicht. Den Leuten entfuhr ein Raunen und Stöhnen. Überall wurde geflüstert und die Unruhe pflanzte sich fort. Egal, ob Ritterin, Knappin oder Dienstbote, alle fielen vor Cam auf die Knie, als sie des Diadems ansichtig wurden: „Die Königin! Hoch lebe die Königin! Hurra, endlich kann die Königin Cam den Thron von Fabulien rechtmäßig in Anspruch nehmen!“
Keine der anwesenden Ritterinnen verweigerte Cam den Treuschwur. Und so wurde sie unter Beifall und Hochrufen zur Burg geleitet, natürlich mit ihren treusten und besten Freunden Harrod und Demarra an ihrer Seite. Obwohl sie todmüde war und gestützt werden musste, verlangte ihre Gefolgschaft eine Rede. Sie brachte die nächsten Stunden irgendwie hinter sich, endlich schafften ihre Freunde sie zu Bett, während das ganze Burgvolk feierte. Und dann träumte sie noch mal vom Tanz der grünhäutigen Nixen und der Wasserspinne Sulala. Und natürlich von ihren Eltern.
Für den großen Tag in der Hauptstadt bereiteten Harrod und Demarra die neue Königin gut vor. Es war ein Triumphzug. Das Volk jubelte in den Straßen. Ein noch viel größerer Erfolg war ihrer Thronrede beschieden. Sie verkündete das, was sie gemeinsam mit Demarra und Harrod erarbeitet hatte. Der ganze Ritterspuk sollte ein Ende finden.
#20AuthorEdmond Dantes23 Dec 04, 06:52
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Die guten Seiten in einer ordentlichen Rechtsprechung münden (manche Herzogin war froh, diese Sorge los zu sein). Die bösen und traurigen Seiten abgeschafft. Genauso verkündete sie das Ende der Ungleichheit von Mann und Frau. Zwar murrten einige der Ritterinnen, doch das Volk liebte sie dafür. Also fügte sich auch die Ritterschaft. Denn Cam machte mal subtil, manchmal aber auch heftig Druck und setzte das Programm ihrer Regentschaft durch. So brachte sie auch ihre ärgsten Kritiker zum Verstummen. Die wurden zu ihren Verbündeten und Freunden.
Die Ligen blieben, aber es gab keine blutigen Kämpfe mehr. Und jeder hatte zu den Ritterspielen Zutritt. Ihre Popularität stieg und stieg, was nicht nur an ihrem Charme und ihrem Liebreiz lag, oder gar am Diadem. Sie verkündete nicht nur hohle Worte, sie ließ umgehend die Tat folgen. Die Burg am See blieb ihr Domizil in der Urlaubszeit, hier ruhte sie sich aus. Und in der Nacht besuchte Cam oft die Nixen vom See. Unternahm auch, von Demarra und Harrod begleitet, viele Reisen, erlebte spannende Abenteuer und knüpfte Freundschaften in anderen Ländern und mit anderen Herrschern. Eines Tages fand sie auch einen netten Mann. Doch damit fängt schon eine neue Geschichte an, aber die wird ein anderes Mal erzählt. ENDE
#21AuthorEdmond Dantes23 Dec 04, 06:54
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Königin Cam und die Löwin von Roer

Im Lande Germanica gab es eine Region, in der sich die ‚kleinen Leute’ gerne ansiedelten. Sie gruben in der Erde und förderten die phantastischsten Schätze, wie Gold, Kohle und Eisen zu Tage. Die ‚kleinen Leute’, das waren die Erdtrolle. Sie kamen vornehmlich aus dem hohen Norden. Viele emigrierten aber auch aus dem Süden und Osten. Regiert wurde die Region, in der die Trolle gut und gerne lebten, von Pandita Lionesse. Der Großherzogin des Löwenordens. Ihr zur Seite standen die Obristinnen Dysia und Hanseha, sowie der Magier Adjoles. Der Löwenorden sorgte für Ruhe in der Region um den Fluss Roer. Seine Macht reichte sogar bis zum Rhin. Als der Magier Adjoles eines Tages in seine Kristallkugel blickte, verhieß das, was er da sah, nichts Gutes. Die Trolle würden bald in einen unbefristeten Streik treten. Damit wäre dann Schluss mit Macht, Einfluss und Ruhe an Rhin und Roer. Und warum wollten die Trolle streiken? Die ‚kleinen Leute’ lebten unter dem Schutz von Pandita Lionesse. An keinem Ort der Welt genossen die Trolle solche Freiheiten und die vollen Bürgerrechte. Anderswo wurden sie gejagt und verfolgt. Und Pandita wusste, was sie tat, denn die Region lebte vom Fleiß der Trolle, und dem, was sie unter Lebensgefahr zu Tage förderten. Woher die Idee zum Streik kam, wo das Problem lag, zeigte die magische Kugel Adjoles nicht. Aber es hing irgendwie mit den Trollen von Iseland zusammen. Und Iseland gehörte zum Machtbereich von Königin Cam. Adjoles beriet sich sofort mit Pandita. Und natürlich waren Dysia, die ruhig und bedächtig zuhörte, sowie Hanseha, dabei. Hanseha spielte mit einer Haarlocke und knabberte daran herum. Sie tat dies immer unbewusst, besonders wenn sie angespannt nachdachte. Fortsetzung folgt!


#22AuthorEdmond Dantes03 Jan 05, 10:34
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Nach eingehender Beratung beschloss man, Königin Cam einen Besuch ab zu statten. Der Magier rief nach der Majordomina, die hier den Haushalt organisierte und gerade von ihrer Base besucht wurde.
Er sagte, als die Majordomina ins Beratungszimmer trat: „Sorg mir doch mal den Brian her!“
Die vorwitzige Base, die hinter der Türe gelauscht hatte, verstand so etwas wie ‚Prianair’! Sie dachte bei sich, dass dies auch ein schöner Name für ein gewinnträchtiges Unternehmen sei. Sie hatte nämlich gerade von einem durchreisenden Händler ein dutzend Orientteppiche gekauft. Fliegende Teppiche (es war ja auch ein ‚fliegender Händler’!)! Die Ware war zwar etwas fadenscheinig und besaß auch einige Mottenlöcher, doch die Dinger flogen, wenn auch manchmal etwas bockig. Als ihr die Majordomina später auch noch von den guten Beziehungen zu Königin Cam und dem Land Fabulien flüsterte, war die entsprechende Geschäftsidee geboren. Für 10 Eumel gab es einen Flug von der Roer oder vom Rhin (der Startplatz am Rhin hieß bezeichnenderweise ‚Wahn’!) zur Hauptstadt Fabuliens. Zwar intervenierte der MÜV (Magie-Überwachungs-Verein), doch ohne Erfolg (ein Prüfer murmelte etwas von dem fehlerhaften Verhältnis von Kette und Schuss, die Teppiche wären nicht magisch, alles andere wäre Stuss), trotzdem machte die clevere Base ihren Reibach. Selbst als andere Geschäftsleute die Idee kopierten, war die ‚Prianair’ die Nummer Eins und flog schon mit echten Isfahanläufern! Plus Gratisimbiss! Natürlich für unter 5 Eumel!
Aber wir schweifen zu weit ab in die Zukunft, beschäftigen wir uns mit den Reisevorbereitungen von Pandita Lionesse und ihren Freunden.
#23AuthorEdmond Dantes04 Jan 05, 06:30
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Brian war der persönliche Stallmeister von Adjoles. Und Brian war auch der einzige, neben Adjoles, der seinem sonderbaren Reittier nahe kommen durfte. Es war ein Roc. Kennt ihr den Roc? Natürlich, der komische Riesenvogel kommt doch in den Geschichten aus tausend und einer Nacht vor. Nur ist solch ein Vogel eine biologische Unmöglichkeit! Warum? Ach, was weiß ich. Es ist halt so. Nur werdet ihr jetzt sagen, der Adjoles hat doch solch einen Vogel! Ja schon, aber eben nicht den aus dem Märchen! Also nicht echt! Eine Fälschung? Na, halt ein gut gemachter Nachbau! Äh…??? Ähem…, Adjoles hat natürlich auch mal die Geschichten um Sindbad und den Aladin gelesen. Und fraß am Roc einen Narren! So schraubte er sich den Roc mit Metall und Draht zusammen. Außen herum natürlich Federn, wie es sich gehört. Und innen drin, da steckte etwas ganz besonderes! Die von Adjoles entworfene Maschinerie trieb ein ‚Stein der Weisen’ an! Wo der Magier den her hatte? Den luchste er dem Alexander Graf von Cagliostro ab. Der
Giuseppe Balsamo (so nannte sich der Herr mit bürgerlichem Namen), war ein berüchtigter Glücksritter und ein Jünger der Göttin Hekate. Er beschäftigte sich mit Zauberei und Giftmischerei. Bezirzte die Herzen einiger Gräfinnen und Herzoginnen. Und die Geschmeide und Dukaten, die er den Damen aus der Schatzkammer stahl oder durch seine angenehme Gestalt und Tändelei erzielte, verprasste er beim Kartenspiel. Und als er auf unseren Adjoles traf, fand der Graf seinen Meister. Und verlor auch diesen berühmten Stein, hinter dem alle Magier und Alchemisten her waren! Damit, und nur damit, war so etwas wie der Roc überhaupt möglich!
#24AuthorEdmond Dantes05 Jan 05, 06:51
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Der seltsame Paradiesvogel war fast fünf Meter hoch, ohne die separate Passagiergondel, die über die Pseudokrallen angedockt werden konnte. Wenn der Vogel flog, spotzte und spuckte die gesamte Maschinerie, was natürlich etwas unästhetisch klang, aber es funktionierte prima. Begleitet wurde das ganze Schauspiel auch von einer aromatischen, etwas schwefligen Abgaswolke. Also war der Geruch auch nicht ganz ohne, aber die Fluggäste bekamen in der hermetisch verschlossenen Gondel davon nichts mit. Für maximal fünf Personen war genügend Platz. Und die Flügelspannweite von fast acht Metern brachte die Reisenden gut voran (und wenn jetzt jemand sagt, was erzählt der da für einen Quatsch. So ein Ding kann unmöglich fliegen! Noch viel weniger als der tierische Roc in Aladin, der soll mal aus dem Fenster und in Richtung Himmel schauen! Hoch! Nach oben! Und…? Also!!! Unsere Urgroßeltern haben auch gesagt: Geht nicht! Gibt es nicht!).
Auf jeden Fall flogen Pandita, Dysia, Hanseha (die schon wieder in ihren Haaren spielte!)und Adjoles nach Fabulien. Zwar ohne den Brian. Dafür aber vor ‚Prianair’!
Gerade setzte der Vogel Roc zur Landung im schönen Garten der Burg am See an, in der Cam sich zu dieser Zeit von den Amtsgeschäften in der Hauptstadt erholte.
Kurz darauf wurden die Gäste der Königin Camaletta gemeldet, die nun die Ankömmlinge von der Roer zur Audienz im Gobelinsaal bat. Natürlich trug sie ihr Diadem. Und war von Demarra und Harrod flankiert. Freudig wurden die Gäste aus Germanica begrüßt. Aber als die Frage nach Iseland auftauchte, musste Cam passen.
#25AuthorEdmond Dantes06 Jan 05, 06:40
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Woher der Name Iseland kam, ob vom Eis oder vom Eisen, wusste niemand so richtig. Menschen lebten dort nicht, nur die eigensinnigen und sturen Eistrolle, die so gar nichts mit ihren Schwestern und Brüdern aus dem Roergebiet gemeinsam hatten.
Zwar gehörte Iseland zum Königreich von Fabulien, aber nur nominell. Die Eistrolle zahlten keine Steuern, keinen Tribut. Auch der Handel war eine recht eigenartige Angelegenheit. Denn sie bezahlten mit Eisen. Und wollten nur Schnaps. Ein einziges Handelskontor von Fabulien wickelte diese Geschäfte mehr recht als schlecht ab.
Pandita stupste Adjoles in die Seite: „Frag doch mal deine Zauberkugel was die Presse so schreibt!“ Adjoles zauberte unter seinem Umhang die magische Kugel hervor. Dann konzentrierte er sich. Da war auch schon die Schlagzeile der BIST (Berichte, Informationen, Sport für Trolle): Lass dich nicht verars…BIST kämpft für dich! In der GATZ (Germanicas allgemeine Tageszeitung): Seid solidarisch, helft den kleinen Leuten! Und in der ROZ (Ritter-Orden-Zeitung): Können wir die Trolle noch weiter in unserem Land dulden? Siehe auch den aktuellen Kommentar von …….
Die Leute aus Germanica schauten sich entsetzt an. Was war da los? Warum bekam der Ritterorden das nicht in den Griff? Die Kugel unterlag leider einigen astronomischen Störungen, darum zeigte sie weder den kompletten Artikel der jeweiligen Zeitung, noch das Datum. Nur weil wieder ein paar Planeten, von deren Existenz hier niemand was wusste, stur irgendwelchen Bahnen folgten, die noch keiner berechnet hatte. Sonst wäre es auch für Adjoles ein Klacks gewesen, einen entsprechenden Entstörsatz in die Kugel ein zu bauen. Aber die Informationshäppchen reichten auch so, um die Stimmung weiter zu drücken!
#26AuthorEdmond Dantes07 Jan 05, 06:52
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Cam hatte eine Idee. Und sie wollte es sich auch nicht nehmen lassen, einmal mit dem Roc zu fliegen. Denn die staunenden Burgbewohner flüsterten schon im ganzen Gemäuer von dem seltsamen Vogel. So ließ sie denn von Demarra und Harrod ein Picknickkörbchen mit leckeren Dingen packen, verabschiedete sich von den treuen Freunden und machte sich mit den Gästen erst auf in die Lüfte, dann zum Burgsee. Natürlich hatte Cam auch das Tritonshorn eingepackt, mit dem sie nun nach den Nixen rief. Da es immer etwas dauerte, bis die Wasserfrauen auf den Ruf reagierten, bereitet Cam den kleinen Imbiss vor. Aus einer fein geschnittenen Jadedose entnahm sie die edelsten Teeblätter, ein persönliches Geschenk von ihrer liebsten Freundin, der Maharani Reshma von Pune. Und dazu reichte sie feinste Honigbrötchen und andere Leckereien. Die Gäste griffen hungrig zu. Während Cam noch einmal die Eindrücke ihres ersten Fluges Revue passieren ließ und Adjoles ob seines Wundervogels lobte. „Hallo, lasst mir auch etwas übrig! Es duftet so lecker nach Tee und Honigbrötchen!“ Es war Niniane, die gerade aus dem See auftauchte und ihre wilde Mähne schüttelte, dass die Tropfen nur so flogen. Cam eilte ihr entgegen, ein zierliches Tässchen mit duftendem Tee in der Hand. Anschließend stellte Cam ihre Gäste vor und schilderte deren Problem. „Da könnt ihr mit eurem Fluggerät nicht hin, die Iselandtrolle zeigen sich nicht an der Oberfläche. Aber ihre Verwandten, die Wassertrolle können helfen. Da müssen wir hin!“
#27AuthorEdmond Dantes10 Jan 05, 07:05
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Cam schaute Adjoles fragend an: „Kann die Kugel auch tauchen?“ „Kein Problem, aber wie kommen wir voran?“ Niniane meldete sich.
„Dafür kann ich sorgen. Die Sulala ist jetzt auf unserer Seite. Verzeih Cam, aber der Diebstahl war nicht so ganz in Ordnung. Die Sulala hat unser Nixenherz gerührt. Darum haben wir sie mit Pflanzen und Früchten versorgt. Seit sie nun auf die neue Diät gesetzt ist und auf Fleisch verzichtet, hat sich ihr Charakter gewandelt. Sie hilft uns bestimmt, dafür sorge ich mit meinen Freunden. Ihr werdet sehen!“
Niniane und Adjoles sprachen sich ab, dann tauchte Niniane weg.
Adjoles bat die Damen an Bord der Kugel. Dann brachte er den Roc über dem See in Position. Der Magier spähte durch die Glasfront und wartete, während die Damen sicher in ihren Reisesitzen saßen. Ah ja, da war die Nixenfrau und wies Adjoles ein. Als die Wasserfrau ein Handzeichen gab, positionierte der Magier den Vogel genau auf den Punkt. Die Gondel schwebte etwas über der Wasserfläche. Niniane machte sich aus der Gefahrenzone ab in Richtung Ufer. Anschließend klinkte Adjoles die Gondel aus, die nun auf dem See schwamm. Den Roc dirigierte Adjoles mit der Fernsteuerung ins Schilf. Da war der Vogel wenigstens etwas gedeckt. Aber er sicherte den Roc auch, mit einem Knopfdruck. Wer immer dem Fabeltier zu nahe kam, würde sein blaues Wunder erleben!
#28AuthorEdmond Dantes12 Jan 05, 06:50
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An einem Punkt unterhalb der Glasscheibe drückte der Magier einen kleinen Drahtkorb auf Seite, darunter zeigte sich ein roter Zugschalter. Als Adjoles diesen bewegte, versiegelte sich die Gondel. Gleichzeitig lief die Sauerstoffversorgung an. Als ein Zeigerinstrument auf dem Pult in den grünen Bereich pendelte, drückte der Magier den Zugschalter auf dem Schaltbrett in eine andere Position. Es rauschte vernehmlich. Denn die Zwischenräume der Doppelwände wurden geflutet. Die Gondel versank im See.
Inzwischen war auch Niniane wieder näher gekommen und winkte den Insassen durch die Frontscheibe zu. Mit den Fingern zeigte sie auch das bekannte Zeichen, denn die Tauchkugel sank genau auf die richtige Position zu. Und wo landete die Gondel? Genau im Netz der Wasserspinne Sulala. Adjoles regulierte die Fluttanks so, dass die Gondel etwas über dem Grund schwebte. Dann drapierte eine große Gruppe von Nixen das Spinnennetz die eine Hälfte des Netzes über der Kugel. Mit einer Muschel, die an Cams Tritonshorn ähnelte, rief Niniane weitere Helfer heran.
Eine riesige Armada von Krebsen, Hummern und Langusten erschien. Aber es waren nicht die üblichen Schalentiere, die im Kochtopf landen. Die Tiere besaßen die Größe von ausgewachsenen Schäferhunden. Sie packten die Enden des Netzes und auf ein weiteres Signal von Niniane zogen die Tiere an. Die Unterwasserfahrt stand dem Flug des Vogel Roc in nichts nach. Im Gegenteil!
#29AuthorEdmond Dantes13 Jan 05, 06:47
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Was zog da alles an Cam, Pandita, Dysia, Hanseha und Adjoles vorbei? Phantastische Fische, seltsame Muscheln, natürliche und künstliche Bauwerke und Paläste. Von einem versunkenen Schiff grüßten Piraten, natürlich als Skelett, aber zum Teil noch mit Bekleidungsfetzen und Hut versehen, mit der Waffe in der Hand. Auch wenn einzelne Kanonen auf die Tauchkugel gerichtet waren, es drohte von den verrosteten Dingern keine Gefahr. Aber sie zeugten von einer verwegenen Vergangenheit. Das Piratenschiff war ein echter Gigant unter den Windjammern.
Da zog ein unbekannter grauer Riesenfisch in der Ferne vorbei, eine große Schar von kleinen Begleitern folgte ihm. Eigenartige Gewächse, bei denen nicht so ganz klar war, ob sie nun zur Fauna oder Flora gehörten, streckten Auswüchse nach vorbeiziehenden Fischen aus. Und das Auge konnte kaum folgen, so schnell wurden sie in den Blütenkelch oder das Maul gestopft. Schatztruhen lagen mit geöffnetem Deckel auf dem Grund. Aus ihnen quollen Goldstücke, Perlen und Geschmeide. Wasserlebewesen bauten ihre Nester darin. Manche schauten recht böse, wollten nicht gestört oder vertrieben werden. Es war wie im Traum. Die Insassen der Tauchkugel drückten sich an den Fenstern die Nasen platt und staunten mit offenen Mündern. Selbst Adjoles, der Magier, der schon viel von der Welt gesehen und viele Länder bereist hatte, war total gefangen. Aber da sollte noch etwas folgen. Denn vor der Kugel tauchte ein bizarres Bauwerk mit filigranen Türmchen auf.
#30AuthorEdmond Dantes14 Jan 05, 06:40
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Wie aus Mosaiksteinchen erbaut leuchtete es mal hier, mal da, in unterschiedlichen und ungesehenen Farben. Die bunte Pracht, die durch das Wasser verstärkt wurde, verwirrte die Sinne der Kugelinsassen.
Ihre Zugtiere hielten geradewegs darauf zu. Ohne dass die Insassen jemand erblickten, öffnete sich ein riesiges Glastor, mit dunkler Tönung. Ein großer Innenhof erwartete die Gäste. Der Innenhof, der mit einer glänzenden Kuppel abschloss, war mit Wassertrollen angefüllt. Die Trolle bewegten sich in mehreren Ebenen, es sah alles sehr geordnet aus. Denn für die seltsame Kutsche wurde ein Weg frei gehalten. Die Insassen sahen an der Innenwand des Gebäudes Wohnungen in mehreren Etagen, die alle einen Balkon besaßen, aber ohne Gitter. Es waren die Zugänge der Wohnungen. Während Pandita und ihre Freunde fleißig beobachteten, schirrten einige Trolle die Zugtiere aus und entfernten das Netz, während Niniane fleißig Zeichen gab. Adjoles interpretierte die Handzeichen richtig und hielt die Kugel auf ihrem Niveau. Dann zog eine unsichtbare Kraft die Kugel durch ein großes Portal in einen Gang. Jetzt taucht die Kugel in ein riesiges Becken, dem langsam das Wasser entzogen wurde, bis die Tauchkugel im Trockenen stand. Adjoles prüfte die Instrumente und öffnete dann die Türe. Der erste Teil ihrer Reise zu den Iselandtrolle lag hinter ihenen. Was mochte sie bei den Wassertrollen erwarten?
#31AuthorEdmond Dantes17 Jan 05, 06:52
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Livrierte Wachen führten die Gäste in einen Raum, in dem Niniane genussvoll in einem Bassin schwamm. Das Bassin war aus einem einzigen großen Aquamarin geschnitten. An den Wänden hingen bunte Ampeln aus Muscheln, die ein mildes Licht ab strahlten. Dazwischen waren wunderschöne Wandteppiche drapiert, die Szenen mit Fabelwesen zeigten, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Adjoles studierte die Bilder genau, schüttelte ab und zu den Kopf. Einige Wesen waren doch zu phantastisch. Eine bisher unsichtbare Tür öffnete sich und eine schlanke, zarte Frau betrat den Raum. Zwar gehörte sie unverkennbar dem ‚kleinen Volk’ an, war dafür aber sehr hoch gewachsen. Ihre Haut besaß einen bläulichen Schimmer, ihr Haar schien keine eindeutige Farbe zu besitzen. Silber kam jedoch sehr häufig vor.
„Das ist Kirsten Kindsdottir, sie wird euch zu den Leuten von Iseland bringen. Ich werde euch nicht begleiten. Hier ist es gemütlich und ich kann alte Freundschaften auffrischen.“ Kirsten verneigte sich bei der Vorstellung und bat Cam und ihre Begleiter, ihr zu folgen. Der Raum, den die Gruppe nun betrat, ähnelte einem Spiegelkabinett. In der Mitte beherrschte eine Gigantenauster den Raum. Was mochte wohl darin für eine Perle gewesen sein? Kirsten machte ein ganz feierliches, ernstes Gesicht und sprach: „Was ihr hier seht, darf nie der restlichen Menschheit zur Kenntnis gelangen! Niniane hat für euch gebürgt. Cam und Pandita haben unter den ‚kleinen Leuten’ einen guten Namen. Für die Hilfe, die euch mein Volk angedeihen lässt, verlangen wir nur, dass dieses Geheimnis gewahrt bleibt!“
#32AuthorEdmond Dantes18 Jan 05, 06:36
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Die Oberflächenbewohner verneigten sich tief und signalisierten damit ihr Einverständnis. Die Trollfrau nahm die Zustimmung schweigend zur Kenntnis. Wandte sich der Auster zu und konzentrierte sich, mit ernstem Gesichtsausdruck.
Kirsten Kindsdottir murmelte seltsame Worte in einer unbekannten Sprache. Dazu bewegte sie ihre schlanken Hände anmutig und beschwörend in der Luft. Das Licht im Raum verlosch. In den Spiegeln entstanden einzelne Lichtpunkte im jeweiligen Zentrum. Die Punkte schwollen etwas an. Dann verbanden sich Lichtbahnen, von Spiegel zu Spiegel, mit der Auster in der Mitte. Erst zeigte sich nur ein Schimmer an der Nahtstelle der Muschelhälften. Dann wurde das Leuchten intensiver. Langsam fuhr das Austeroberteil nach oben. Dazwischen ein unirdisches Gleißen. Gebannt starrten Pandita und ihre Freunde auf die eigenartige Erscheinung. Im Gleißen ließen sich kleine Blitze und leuchtende Punkte erkennen. Die Blitze und Punkte, die sich erst ungeordnet bewegt hatten, bewegten sich nur langsam von oben nach unten.
Kirsten bat ihre Begleiter, in die seltsame Erscheinung zu treten. Cam und die anderen folgten der Aufforderung. Als die gesamte Gruppe in der Auster stand, wechselte das bisher helle Licht in Richtung blau. Wurde intensiver. Dann verschwand das Licht. Die Austernhälften waren leer und fuhren wieder zusammen.
#33AuthorEdmond Dantes19 Jan 05, 06:48
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Der Übergang kam sehr abrupt und plötzlich. Gerade noch im Palastraum, mit der Auster und dem seltsamen Licht und jetzt in einer viel zu warmen, kaum erleuchteten Höhle, mit grau-blauen, bemoosten Felswänden. Na klar, die Iselandtrolle liebten die Wärme. Sie hatten sich die unterirdischen, heißen Quellen zunutze gemacht, die Geysire angezapft. Besaßen damit ein unerschöpfliches Heizsystem. Die kleine Gruppe stand in einem gemauerten Kreis. Ihre Augen hatten sich gerade an das Zwielicht gewöhnt, wollten den Steinkreis verlassen, als eine Gestalt in den dem Raum auftauchte, wie aus dem Boden gewachsen. Ein Krieger in martialischer Lederkluft, das Gesicht durch einen Lederhelm verdeckt und geschützt. Die Faust, in der eine gefährlich aussehende Obsidianaxt steckte, zum Angriff erhoben. Die Neuankömmlinge griffen an ihre Hüften, zu den mitgeführten Klingen. Als jedoch hinter Cam und Pandita Kirsten auftauchte und einen Gruß in einer unbekannten Sprache murmelte, stoppte der Krieger seinen Angriff. Er senkte die Axt und zog mit einer eleganten Bewegung den Lederhelm vom Kopf. Das Gesicht der hübschen Trollfrau war von Sorgen gezeichnet. In ihrer archaisch klingenden Sprache tauschten sich die Trollfrauen eine zeitlang aus. Anscheinend erklärte Kirsten auch ihre Begleitung und ihr Anliegen. Denn kurz darauf wechselte die Kämpferin in die Amtssprache von Fabulien. Natürlich neigte die Trollfrau erst einmal ihr Haupt tief in Richtung Camalia, die nominell die Herrscherin über Iseland, also auch über die Trolle, war. Dann fing sie stockend und mit Trauer in der Stimme an zu erzählen.
#34AuthorEdmond Dantes20 Jan 05, 12:03
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Sie war die Chefin dieser Trollsektion. Ihr Name lautete Bon Ody. Die ganze Insel wurde von einem ekelhaften Froschmonster bedroht. Es trieb die Trolle hier zu Schichten, rund um die Uhr an. Und allen Schnaps, den die Trolle für die geförderten Erze und Schätze erhielten, soff das Monster den Trollen weg, die doch selber so gerne tranken. Und um die Trolle hier unter Kontrolle zu halten, nahm das riesige Froschwesen die Trollmänner als Geiseln. Jetzt hielt es in einem besonders tiefen und kaum zugänglichen Schacht die Männer gefangen. Mit den Schnapsrationen war das Biest immer unzufrieden, es wollte immer mehr und wurde nicht voll. Trieb alle Leute immer wieder zur Arbeit an. Und drohte mit weiteren bösen Aktionen. Woher das Untier kam, wusste Bon Ody nicht, es war plötzlich da und machte Rabatz. Obwohl die Trollkämpferinnen gewitzt und clever waren, gegen das Froschbiest besaßen sie nicht den Hauch einer Chance. Es ahnte irgendwie ihre Aktionen voraus. Es war am ganzen Körper blau, besaß vier muskulöse Waffenarme, mit rasiermesserscharfen Klingen an den Enden. Es bewegte sich unheimlich schnell, trotz den Schwimmfüßen und der fehlenden Hüfte. War mehr als doppelt so groß wie ein ausgewachsener Troll.
#35AuthorEdmond Dantes21 Jan 05, 06:36
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Dazu ein riesiges Maul, in dem der gute Schnaps verschwand. Die fleißigen Trollmänner in den Stollen hatten das Vieh zuerst entdeckt. Erst hatte das Untier einfach da gelegen. Und einer der Männer hat an seine Hüfte gegriffen, da wo der Schnapsschlauch hängt und dem Untier etwas eingeflößt. Erst wurde das Froschwesen wach, dann rabiat. Und wollte immer mehr Schnaps. Egal, mit welchen Waffen und Tricks die Trollfrauen es auch versuchten, der Erfolg stellte sich nicht ein. Es war einfach mächtig, irrsinnig und abgrundtief böse. Natürlich versuchten die Kämpferinnen, das Biest zu besiegen, wagten mutig mehrere Vorstöße, doch das Vieh ließ ihnen keine Chance. Bon Ody wurde bei der Erzählung von wilden Krämpfen geschüttelt, als hätte sie ein schlimmes Fieber, selbst ihre Stimme setzte manchmal aus. Sie redete sich endlich mal den Frust von der Seele.
„Wenn es eure Anwesenheit bemerkt, sind unsere Geiseln geliefert!“ Mutlos sanken Bon Odys Schultern herab. Etwas beschämt wendete sie ihr Gesicht ab.
Da trat Adjoles vor: „Ich habe hier einen besonderen Zauber, der unsere geistige Ausstrahlung für das Monster nicht bemerkbar macht!“ Mit diesen Worten zog der Magier dünne Haarnetze aus seinem Umhang. „Hoffentlich sind wir noch nicht aufgefallen!“ Die beiden Trolle verneinten das, denn die Empfangstation würde geistige Strömungen überlagern. Dies läge in der Natur dieser Transportfelder.
So zogen dann die Fremden die fein gesponnenen Haarnetze über. Wie ein Spinnenetz legten sie sich über die Häupter. Ob die Dinger etwas nutzen würden?
#36AuthorEdmond Dantes24 Jan 05, 06:31
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Pandita nickte Cam und den anderen Begleitern zu. „Dann nehmen wir das Problem mal in Angriff. Wir müssen uns einen Plan zu überlegen. Es gibt da noch einige Fragen an Kirsten und Bon Ody.“ Pandita erkundigte sich genau nach den Örtlichkeiten und man beriet mehrere Möglichkeiten. Bon Ody schilderte die Stollen und Gänge, während Kirsten auf einer der Wände eine Art Plan aufzeichnete.
Langsam kristallisierte sich ein Aktionsplan heraus. Denn auch Cam, Dysia und Hanseha steuerten fleißig Ideen dazu bei. Adjoles überlegte, wie er die Männer in einem parallelen Unternehmen retten konnte, ohne das Biest darauf aufmerksam zu machen. Dafür mussten die Iselandtrolle etwas Vorarbeit leisten. Adjoles wartete mit einigen speziellen Fragen zum Heizsystem, den Geysiren und der Lage einzelner Stollen auf. Wenn man eine bestimmte Wand durchbrach, konnte man das Monster aus der Höhle locken, die dem Gefängnis der Trollmänner vorgelagert war. Die Damenriege sollte sich dann, von vier Seiten, über das Froschwesen her machen, während Adjoles mit einer Gruppe Trolle die Trollmänner über einen anderen Stollen befreite. Außerdem hatte der Magier noch einige andere Tricks auf Lager. Pandita und ihre Begleiterinnen nickten den Plan ab. Auf dem von Kirsten gezeichneten Plan prägten sich alle noch einmal die Örtlichkeiten ein. Kirsten und Bon Ody sorgten für die reibungslose Kommunikation. Wobei Bon Ody auch die Trollhelfer organisieren und instruieren sollte. So ging denn Adjoles mit Bon Ody ab. Die andere Gruppe bezog ihre Posten an der entsprechenden Kreuzung. Bisher hatte das Monster sich nicht gerührt, denn es war kurz zuvor noch einmal ordentlich mit einem Fass Schnaps versorgt worden.
#37AuthorEdmond Dantes25 Jan 05, 06:39
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Obwohl Bon Ody die Wände an dem Leitungssystem über der Monsterhöhle als sehr dünn bezeichnete und die Trolle fleißig hackten, dauerte es einige Zeit, bis der Durchbruch gelang. Aber Adjoles hatte genau gerechnet, ein ultraheißer Wasserschwall trieb das Froschvieh mit Macht aus seiner Behausung.
Total verwirrt torkelte es auf den Gang und lief genau auf die bewusste Kreuzung zu.
Dysia stockte einen Augenblick der Atem, doch schon hatte sie ihr Rapier in der Hand. Auch Hanseha sah das Vieh kommen und die berühmte Fechterin, die schon so manchen Kampf hinter sich gebracht hatte, wischte sich mit einer eleganten Bewegung eine Locke aus der Stirn und präsentierte dem Untier ihren tödlichen Degen. Cam, die an der Seite ihr Tritonshorn trug, fasste das alte Kampfschwert ihrer Sippe fester. Und Pandita stand da, fest wie eine Burg, ihr berühmtes, an Rhin und Roer bekanntes Breitschwert zum Schlag erhoben. Es blitzten die Klingen, Stahl schlug auf Stahl. Funken stieben. Kampfschreie erfüllten die unterirdischen Gänge.
Panditas Schlag hätte dem Vieh einen der klingenbewehrten Arme abtrennen müssen. Doch ihr Schwert glitt einfach ab. Und die Monsterklinge wetzte sogar eine Scharte in Panditas Schwert. Dysia konzentrierte sich auf die Körpermitte des Monsters. Sie täuschte an, wirbelte herum und stieß zu. An der seltsamen Haut des Wesens rutschte die Klinge ab. Fast wäre ihr die Waffe aus der Hand geglitten.
#38AuthorEdmond Dantes26 Jan 05, 07:08
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Hanseha erging es nicht besser. Ihr Degen rutschte auf einem der Arme zu Froschkopf hinauf. Der jetzt etwas kraftlose Streich hätte jedem andren Kämpfer tiefe Schnittwunden beigebracht. Doch das Monster schüttelte sich nur und torkelte unkoordiniert weiter. Cam versuchte es mit einem Trick. Denn sie beobachtete genau, was den anderen Kämpferinnen vor ihr passiert war. Sie stellte dem Untier ein Bein. Zwar stolperte das Froschmonster, doch es kam sofort wieder auf die Beine. Aber Pandita konnte nachsetzen. Mit der flachen Klinge verpasste sie dem Tier eins aufs Haupt. Auch Dysias Klinge klatschte auf den Monsterkopf. Und Hanseha versah das Vieh mit einem herrlichen Tritt in den breiten Hintern. Ausgeschaltet war das Untier damit nicht. Im Gegenteil. Es wurde nur dadurch mehr gereizt. Die bisher torkelnden Bewegungen änderten sich. Anscheinend war der Alkohol daran schuld gewesen. Und die Angriffe hatten das Biest mit einem Schlag nüchtern gemacht. Die Schutznetze von Adjoles verhinderten zumindest, das es dem Monster gelang, die Angriffe zu erahnen. Tschak, wieder versuchte Dysia einen Angriff. Der wurde durch eine Klingenklaue abgewehrt. Klonk. Im hohen Bogen flog ihre Waffe davon. Schutzlos war sie dem Monster ausgeliefert. Hanseha sprang dazwischen. Todesmutig zog sie ihre Füße hoch und stießen dem Untier vor die Brust, wirbelte mit einem Salto durch die Luft. Cam und Pandita zielten mit ihren Waffen auf die Knie. Schon glaubten die Kämpferinnen, den Sieg in der Tasche zu haben, als das Froschtier sich etwas absacken ließ um dann mit einem irren Sprung aus der Kampfzone zu hüpfen. Jetzt befand sich das Monster im Rücken der Kämpferinnen. Blitzschnell wendeten sich die Freundinnen um. Ihre Köpfe liefen heiß. Mit welcher Taktik konnte man das Untier erledigen? Gab es eine verwundbare Stelle? Oder einfach frontal drauf los? Für große Überlegungen blieb keine Zeit.
#39AuthorEdmond Dantes27 Jan 05, 06:44
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Denn das Riesenvieh reagierte sofort und griff an. Rannte einfach los. Die gefährlichen Klauen zu einer liebevollen, aber tödlichen Umarmung, vorgestreckt.
Adjoles erledigte mit seiner Gruppe den ersten Punkt prompt und in der anvisierten Zeit. Er hoffte, seine Begleiterinnen würden sich wacker schlagen und dem Monster Paroli bieten. Der nächste Teil des Planes gestaltete sich etwas schwieriger. Trotzdem, die Trolle kamen gut voran. Leider war an der passenden Stelle das Gestein von einer etwas widerstandsfähigeren Sorte. Die Trolle rackerten und ackerten, bis man auf eine etwas porösere Schicht traf. Dann ging es flotter voran.
Der Magier überwachte die ersten Aktionen der Geiselrettung, als das alles ohne Probleme lief, verließ er mit Bon Ody den Bereich und machte sich in Richtung der Kameradinnen auf. Unterwegs tragen die beiden auf Kirsten, die vom ersten Aufeinandertreffen mit dem Monster berichtete. Adjoles schüttelte den Kopf, das sah nicht besonders gut aus. Auch wenn Kirsten vom tapferen Widerstand der Kämpferinnen berichtete. Wenigstens hatten Adjoles Schutznetze etwas gebracht.
Als er mit seinen Begleiter am entsprechenden Platz erschien, war der furchtbare Kampf auf seinem Höhepunkt. Der Magier überlegte kurz, wie er eingreifen konnte. Pandita klebten die schweißnassen Haare im Gesicht. Cam, Dysia und Hanseha erging es nicht besser. An einigen Stellen hatten die Klauenklingen des Monsters schon Kleidung und Haut geritzt, aber das Glück war den Kämpferinnen bisher wenigstens dahin gehend hold, das es noch nicht zu großen Verletzungen gekommen war. Aber eigentlich lag das eher am Kampfesgeschick der Damen. Nur fanden sie kein Mittel, keine geeignete Taktik, um das Tier in die Knie zu zwingen.
#40AuthorEdmond Dantes28 Jan 05, 07:00
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Die mutigen Trolle griffen schon in das Getümmel ein. Bon Ody schwang ihre große, gefährliche Axt. Und Kirsten zog mehrere kleine Wurfmesser aus ihrem Gewand. Wie durch Zauberei flogen die vielen kleinen Messer, die niemand an Kirsten vermutet hätte, auf das Untier zu. Gleichzeitig stieß Bon Ody einen überlauten Kampfschrei aus. Doch es passierte genau das, was die Iselandtrollin zuvor berichtet hatte. Das Monster pflückte die Messerchen einfach aus der Luft. Wehrte gleichzeitig die Obsidianaxt, die wie ein Bumerang auf das Froschwesen zu flog, mit einer lässigen Klauenbewegung ab. Die beiden Trollfrauen waren waffenlos. Ehe die Gefährten von der Oberfläche eingreifen konnten, warf das Untier die Trollfrauen gegeneinander. Bewusstlos sanken sie zu Boden. Adjoles probierte etwas Feuerzauber und warf ein paar Flammenbällchen aus seinem Umhang. Die verpufften hoch in der Luft und stifteten nur für Sekunden etwas Verwirrung. Sorgten für eine kurze bengalische Beleuchtung in der zwielichtigen Höhle, ehe sie erloschen. Verbissen drangen Pandita und ihre Begleiterinnen weiter vor. Nur zeigte sich noch immer kein Erfolg. Im Gegenteil. Die Kämpferinnen ermüdeten langsam. Das irrsinnige Gefecht zehrte an ihren Kräften, verlangte ihnen alles ab. Die Hieb- und Stichwaffen wurden immer schwerer in ihren Händen. Die Muskeln spielten nicht mehr lange mit. Auch die Konzentration ließ weiter nach. Schon stolperte eine der Damen über ihre eigenen Füße. Adjoles zog die beiden Trollfrauen aus dem Getümmel und belebte sie mit einem Trunk. Es waren nur einige blaue Flecken, die sie aus dieser Begegnung mitnahmen. Der Magier wies beide an, für Verstärkung zu sorgen.
#41AuthorEdmond Dantes31 Jan 05, 06:35
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Aber ob eine größere Masse von Trollkämpfern etwas ausrichten konnte?
Adjoles Gehirn lief auf Hochtouren. Mit was konnte man das böse Froschvieh bezwingen? Welche Möglichkeiten besaß man, um das Tier zu überlisten? Als einzige ‚Waffe’ gab es noch das Tritonshorn von Cam. Ob man damit etwas ausrichten konnte? Ein Versuch war es jedenfalls wert. Also gab er Cam ein Zeichen, während Pandita, Dysia und Hanseha weiter sinnlos auf das Monster eindroschen. Der Magier sprach mit Cam, die sich aus dem direkten Kampf entfernt hatte. Sie nickte und griff an ihre Schulter. Dann hob sie das große Muschelhorn an die Lippen.
Schon die ersten Töne genügten. Die Wirkung war kolossal, einfach enorm. Cam brachte das übliche Signal für die eröffnete Jagd zu Gehör. Erst sah es für Adjoles und Cam so aus, als wäre das Gefecht für einen Moment eingefroren. Die Zeit stand in der unmittelbaren Umgebung des bösartigen Monsters still.
Dabei vollzog sich mit dem Riesenfrosch eine seltsame Verwandlung. Das Untier schrumpfte. Wurde kleiner und kleiner. Gerade besaß es noch die Größe der Oberflächenbewohner, jetzt war es nur noch annähernd Trollgröße. Währendessen standen Pandita, Dysia und Hanseha weiterhin als unbelebte Statuen, noch immer mit den Waffen in Angriffsstellung. Cam und Adjoles waren von diesem eigenartigen Phänomen nicht betroffen. Der Prozess lief weiter, auch als Cam das Horn absetzte.
Das Riesenuntier besaß nun die Größe einer Ameise. Und schrumpfte weiter. Für die Beobachter kaum noch zu sehen. Es war verschwunden. Spurlos. Ohne einen Laut.
#42AuthorEdmond Dantes01 Feb 05, 06:39
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Doch noch immer bewegten sich die berühmten Kämpferinnen von der Roer nicht.
An der Stelle, an der das Schrumpfmonster verschwunden war, zeigte sich jetzt ein kleiner Punkt. Der sich langsam vergrößerte. Es war ein eigenartiger Nebel, der wuchs und wuchs. Und jetzt Pandita, Dysia und Hanseha berührte. Die aus ihrer Starre erwachten und zu wuchtigen Hiebe austeilten. Als wäre nichts passiert.
Ihre Augen und ihr Gehirn reagierten zu spät auf die Verwandlung. Als ihre Waffen auf den Nebel trafen, wurden ihnen die Angriffswerkzeuge aus den Händen geprellt.
Dies brachte die Frauen endgültig in die Realität zurück, denn sie spürten jeweils einen kräftigen Rückprall in ihrem Waffenarm, der als schmerzhaft Schlag durch ihren ganzen Körper fuhr. Benommen wichen sie dem seltsamen Nebel aus. In dem sich etwas bewegte. Krampfhaft versuchten alle zu erkennen, was in dem Nebel geschah. Ein dunkler Ball. Der sich im oberen Teil des Nebels festsetzte. Es tat sich etwas. Etwas geschah mit dem Ball. Es war…ein Auge. Ein tiefrotes Auge, das die Kameraden anstarrte. Dieser Blick ging ihnen durch und durch. Sendete eisige Kälte in die Herzen. Zerrte an der Seele. Raubte die letzte Kraft. Und etwas sog sie an und ein. Jeder Widerstand war zwecklos. Gerade erreichte ein Trupp Trolle den Kampfplatz. Doch vor ihren Augen verschwanden die Kämpfer und der Nebel. Auch Cam und Adjoles.

#43AuthorEdmond Dantes02 Feb 05, 06:45
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Die Damen und Adjoles waren in einer engen Sphäre gefangen. Der geringe Platz ließ sie kaum aufrecht stehen. Hanseha und Dysia probierten ihre Waffen an den Wänden aus. Nur stießen ihre Klingen wie in Pudding. Als sie mit den Händen tasteten, fühlte sich die schimmernd rote Wand hart und kalt an. Sie war absolut undurchsichtig. An Atemluft mangelte es niemand. Waren sie in dem Auge, das sie zuvor im Nebel erblickt hatten? Sie spürten keinerlei Bewegung. Auch ihr Zeitgefühl ließ sie im Stich. Dann spürten sie einen Aufprall. Hörten einen scharfen Knall.
Und dann nichts mehr. Ihre Sinne schwanden.
Wasser an ihren Füßen weckte sie. Wasser, so weit das Auge reichte. Und sehr salziges Wasser, wie Hanseha kurz darauf mit verzogenem Gesicht feststellte.
Sie lagen auf einem Sandstrand. Hinter dem Strand ein spärlich bewachsenes Land.

Die ganze Truppe fand sich auf einer unbekannten kleinen Insel wieder, die kaum Bewuchs zeigte. Dafür aber in der Mitte einen hohen Berg aufwies, der von einer Art Tempel gekrönt war. Da sonst nichts Interessantes zu sehen war, blieb nur ein Ziel. Und so marschierten die Freunde vom Ufer der Insel zum zentral gelegenen Berg.
Nach Stunden erreichten sie den Berg und staunten nicht schlecht, denn in das Gestein waren Stufen eingeschlagen. Breit und gut zu begehen. Doch der Aufstieg wurde lang und ermüdend. Sie legten eine Rast ein. Leider hatten sie nichts an Speis und Trank dabei, nur Adjoles zauberte wieder etwas unter seinem Umhang hervor. Der magische Trank half und so stiegen sie nach einiger Zeit gestärkt weiter.
#44AuthorEdmond Dantes03 Feb 05, 06:46
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Die Sonne brannte heiß vom Himmel. Aber die Fernsicht war eingeschränkt. Genau wie zuvor am Ufer, sahen sie nur Wasser und Nebel. Endlich, nach Stunden, erreichten sie den Tempel. Nur fanden sie an dem glatten, weißen Gebäude keinen Zugang. Die Freunde wanderten einmal um das Gebäude herum, doch so sehr sie auch starrten, da war kein Eingang. Wieder war es der Magier, der das Problem löste. Plötzlich hatte er einen taubeneigroßen Stein in der Hand und hielt das Ding konzentriert vor sein linkes Auge. Begutachtete die Wände ganz genau. Er winkte den Damen, ihm zu folgen. Und so umrundete die Gruppe das Gebäude noch einmal, während Adjoles weiter durch den Stein blickte. Der Magier blieb auf einmal stehen und nickte. „Auf den ‚Stein der Wahrheit’ kann man sich verlassen! Hier ist der Eingang. Auch wenn es etwas unhöflich ist, gehe ich schon mal vor!“
Und so verschwand Adjoles in der Wand. Die Damen folgten ihm auf dem Fuße.
Vorsichtig und mit gezückten Waffen. Als die Damen Adjoles folgten und in den Raum traten, war der Magier schon fleißig beschäftigt. Mit seinem Wahrheitsstein untersuchte er jede Ecke. Nur nutzte es nichts. Hier schien nichts versteckt. Und seit dem Eintritt der ganzen Gruppe war der Eingang verschwunden. Einen Ausgang schien es auch nicht zu geben. Wände, Boden und Decke schien wie aus Quecksilber. Da war eine ständige Bewegung. Sonst war nichts in dem Raum. Außer vier Würfeln, die aus demselben Material wie der Rest des Raumes waren. Die glatten Würfel, die sich fast in den äußersten Raumecken befanden, waren eins mit dem Boden.
#45AuthorEdmond Dantes04 Feb 05, 06:36
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Als Pandita hinter einen der Blöcke trat, bewegte sich dieser von ihr fort.
Dysia und Hanseha probierten das auch aus. Immer wenn man genau hinter einen der Würfel trat, bewegte er sich in die entgegen gesetzte Richtung weg. Adjoles dachte nach. Ob man die Würfel irgendwie in eine besondere Position bringen musste, damit sich ein Ausgang öffnete? Aber wie? Und wo? Noch einmal untersuchte er den Raum, besonders den Boden. Und jetzt offenbarte das Wahrheitsauge eine Markierung auf dem Boden. Wahrscheinlich durch die erste Bewegung des Würfels von Pandita ausgelöst. Die Damen traten also hinter die Würfel und trieben sie auf die entsprechenden Markierungen zu, die der Magier ihnen anwies. Die Würfel, die sich nicht mehr bewegen ließen, sobald sie in der Richtigen Position waren, lagen jetzt alle innerhalb der Markierung. Und schon fand Adjoles, als er sich die Wände durch den Stein besah, den Ausgang.
Diesmal war es ein Raum ganz aus schwarzem Marmor. Als die kleine Gruppe ganz im Raum war, verschwand der Eingang. Und wieder gab es auch keinen Ausgang.In der Mitte stützten drei Säulen den Raum. Die schwarzen Marmorsäulen besaßen als Verzierung jeweils ein dickes, breites Silberband. Auf den Silberbändern entdeckte Adjoles Symbole. Jeweils ein Dreieck, ein Quadrat, noch ein Dreieck und ein Kreis. Die silbernen Bänder ließen sich drehen. Der Magier probierte etwas herum. Als die Dreiecke auf den Bändern eine imaginäre Linie bildeten, fand sich wieder ein Ausgang.

#46AuthorEdmond Dantes07 Feb 05, 06:39
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Sie wurden erwartet. Und fanden sich einer Armee gegenüber. Einer Spielzeugarmee. Die fast hüfthohen Holzpuppen wurden von einem grimmigen, schnauzbärtigen Turbanträger angeführt. Taktisch waren in dem Zimmer kleine Bogenschützen hinter Kisten und Stoffballen verteilt und so gut gedeckt. Ebenso waren zwei Reitertrupps vorhanden. Eine Gruppe zu Pferde, die andere auf Kampfelefanten. Die feindliche Artillerie und Kavallerie griff gemeinsam an, als der Schnauzbart mit seiner Sarazenenklinge einen Wink gab. Die kleinen Pfeile der Bogenschützen durchdrangen zwar die Kleider von Pandita und ihren Kameraden nicht, nervten aber sehr. Auch die hölzernen Waffen der angreifenden Reiter schmerzten kaum und richteten wenig Schaden an. In einer Ecke stand sogar eine kleine Bronzekanone. Die Mannschaft lud einen glänzenden Ball und versuchte gerade die Lunte zu entzünden, als Pandita und Cam die komplette Gruppe von den Beinen fegte. Hanseha trat nach dem Kanonenrohr. Der Tritt genügte und das Teufelsding war ramponiert und außer Funktion. Aber als Schlummerrolle für die ehemaligen Kanoniere perfekt. Schon schlugen sich Pandita und ihre Begleiter an neuen Brennpunkten. Durch mehrere Hiebe von Dysia verwandelte sich so seine Waffe vom Schaschlikstab zum Zahnstocher, dann zum Streichhölzchen. Pandita räumte bei den Elefantenreitern auf, die Reiter waren jedoch das kleinere Problem, die purzelten schnell von den Tierrücken, die Reittiere liefen unbeirrt weiter und die Freunde mussten den scharfen Stosszähnen ausweichen. Adjoles konnte sich der Übermacht kaum mit Händen und Füßen erwehren, er kam nicht dazu, ein paar Feuerbälle gezielt einzusetzen, denn der Raum war zu klein und überall lag brennbares Material.
#47AuthorEdmond Dantes08 Feb 05, 06:44
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Aus einer mit Eisenbändern umreiften großen Truhe rückten immer wieder neue Kämpfer nach, marschierten in geschlossener Front auf die menschlichen Kämpfer zu. Der Vorrat an Holzpuppen schien unerschöpflich. Dazwischen immer wieder die herrenlosen hölzernen Reittiere, die irritiert durch den Raum liefen. Der Schnauzbärtige verlor durch einen Hieb von Cam seinen mit bunten Glasperlen verzierten Turban. Da griff die Puppenarmee noch heftiger an. Hanseha hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Bogenschützen zu entwaffnen. Dies gelang ihr auch sehr gut. Doch die kleinen Holzkerle ließen nicht locker, versammelten sich in einer Ecke. Dort lag ein Springseil und weiterer Krimskrams. Während eine Gruppe von Bogenschützen Hanseha in die Falle lockten, brachten die anderen sie mit dem Springseil zu Fall. Mit einigen farbigen Stofffetzen fesselten und knebelten die Bogenschützen ihr Opfer. Im ganzen Getümmel ging die Überrumpelung von Hanseha völlig unter. Dysia und Pandita kämpften jetzt Rücken an Rücken, die Puppen zogen den Ring um die beiden immer enger. Von außen setzten Cam und Adjoles nach. Und dann war der ganze Spuk plötzlich vorbei. Der bärtige Anführer, der sich seinen Turban zurück erobert hatte und der jetzt etwas schief auf seinem Holzkopf saß, ordnete den Rückzug an. Der Strom der nachrückenden Puppen aus der Truhe war schon lange versiegt. Die Holzkrieger verschwanden durch eine bisher nicht erkannte, versteckte Tapetentüre. Pandita und ihre Getreuen atmeten durch. Der Kampf hatte Kraft und Nerven gekostet. Alle ließen sich erst einmal auf dem Boden nieder. Und dann, ….
#48AuthorEdmond Dantes09 Feb 05, 06:44
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Dann bemerkten sie erst das Unglück: Hanseha fehlte. Unbemerkt entführten die Spielzeugkrieger die Gefährtin. Blitzschnell waren die Freunde wieder auf den Beinen und hasteten zur Tapetentüre. Die war nun verschlossen. Und natürlich kein passender Schlüssel zur Hand. Lange rüttelten die Freunde nicht an der Türe, es hatte keinen Sinn. Hier half nur rohe Gewalt. Das Türschloss widerstand den kräftigen Hieben der stählernen Waffen nur kurze Zeit. Adjoles warnte vor einer Falle, öffnete die Türe nur ein kleines Stück, schaute er erst einmal vorsichtig durch den Türspalt. Sirrr, fast steckte als Zierschmuck ein Pfeil in der Magiernase. Schnell warf der Zauberer ein paar Feuerbälle und durch den Qualm gedeckt, drangen die Freunde durch die Türe. Aber die Holzpuppen waren weg. Und mit ihnen Hanseha.
Ein verwirrendes Labyrinth bot sich den Freunden dar. Von der Puppenarmee war niemand zu sehen. Wo waren die Holzmänner mit Hanseha? Drei Wege boten sich an. Doch welcher war der Richtige? Cam und die anderen berieten sich. Die Gruppe aufteilen? Dagegen erhob Adjoles Einspruch, er trug vernünftige Gründe vor. Also lauschten sie erst einmal in jeden der Gänge hinein. In einem Gang war absolut nichts zu hören. Dafür aber das Tappen von Schritten in den beiden anderen. Und endlich erlauschten sie auch ein menschliches Stöhnen. Dies konnte nur Hanseha sein. Pandita und Cam bildeten die Vorhut. Adjoles ging in der Mitte und Dysia machte den Abschluss.
#49AuthorEdmond Dantes10 Feb 05, 06:38
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Pandita legte ein flottes Tempo vor. Die Angst um ihre gute Freundin beflügelte sie, setzte ungeahnte Kräfte und Reserven frei. Damit zog Pandita die ganze Gruppe mit. Vorsichtig schlichen sie weiter. Immer wieder unterbrachen sie ihr Vordringen kurz, um zu lauschen. Aber sie vernahmen nichts, so sehr sie sich auch anstrengten, zum Glück gab es auch keine anderen Gänge und Kreuzungen, nur war der Gang nicht gerade, machte Kurven und scharfe Knicks. Eigentlich hätten sie doch endlich mal etwas von ihren Feinden oder von Hanseha sehen müssen. Unerwartet stoppte Camaletta, sie hielt Pandita am Arm zurück. Etwas hatte Cam sehr beunruhigt, im ersten Moment wusste sie selbst nicht, was. Dann deutete sie vor ihre Füße. Der Boden vor ihnen erschien Cam eigenartig. Er bestand aus großen, eingefassten Platten. Und genau das fand Cam merkwürdig. Sie rief Adjoles, beriet sich mit dem Magier und der untersuchte den Boden durch sein Wahrheitsauge. Er fand hier nichts Besonderes oder Außergewöhnliches.
Trotzdem behagte dem Magier der Fußboden nicht, so untersuchte er weiter, auch wenn sie dadurch viel langsamer vorankamen. Nach einiger Zeit änderte sich der Boden. Hier gab es einen durchgehenden, dunklen Belag. Dem Magier fiel nichts Ungewöhnliches auf, er prüfte noch ein Stück weiter voraus, dann nickte er den Damen zu. Hier drohte wohl keine Gefahr mehr vom Untergrund und die Truppe legte einen Schritt zu, denn das vorsichtige Vorantasten hatte Zeit gekostet. Kaum wagte sich das Grüppchen weiter vor, schwankte der Boden und ihre Füße traten ins Leere, die Falltüre hatte ihren Zweck erfüllt. Sie waren in eine versteckte, gut getarnte Falle geraten. Ehe sich Cam, Dysia, Pandita und Adjoles versahen, verschwanden sie in einem finsteren Loch. Über ihnen schloss sich augenblicklich die Falltüre.
#50AuthorEdmond Dantes11 Feb 05, 06:38
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Der Schacht schien kein Ende zu nehmen, ihr Fall ins bodenlose ging immer weiter. Mit einem Ruck landeten sie ungewöhnlich sanft in einem großen Sandhügel. Ehe sie sich versahen, waren sie schon wieder in einen Kampf verwickelt. Obwohl, ein Kampf war es nicht, eher ein vorsichtiger Rückzug. Diesmal waren es Giganten. Die vier Kämpfer reichten den beiden turmhohen Gestalten nur bis an die Fußknöchel. Ein Tritt mit den stiefelbewehrten Füßen der Überriesen hätte genügt um Pandita und ihre Freunde aus zu löschen. Mit Grausen dachte Pandita auch daran, wie es wäre, unter die Stiefel zu geraten. Dann würde sie, wie ein Insekt, zerquetscht. Zum Glück bewegten sich die Giganten sehr langsam. Auch schienen sie die vier Menschen nicht richtig zu sehen. Denn die vier besaßen für das riesige Duo die Größe von Mäusen. Aber ehe sich die kleine Gruppe ihrer Umgebung bewusst wurde, bebte neben ihnen die Erde. Eine riesige Axt spaltete den Boden. Der Magier, der etwas entfernt von den Damen stand, manipulierte an seinem Wahrheitsauge. Dann drehte er die Linse um. An den beiden Giganten war ihm etwas bekannt vorgekommen. Adjoles war so beschäftigt und auf einen der Giganten fixiert, dass er die Riesenhand nicht bemerkte, die ihn einzufangen drohte. Ein Warnschrei von Dysia riss ihn aus seiner Betrachtung und da bemerkte der Magier die drohende Gefahr und gab Fersengeld. Dabei bekam er noch eine ordentliche Portion Rückenwind von der Megahand mit, die ihn fangen wollte. Dadurch hätte der Magier beinahe seinen Kopf verloren, denn der Wind trieb ihn etwas aus seiner Fluchtbahn und fast erwischte ihn die Riesenaxt des anderen Giganten.
#51AuthorEdmond Dantes14 Feb 05, 06:47
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Auch seine drei Begleiterinnen gerieten mehrfach in Nöte. Sie kamen einfach nicht dazu, einen sinnvollen Angriff mit taktischen Finessen ein zu leiten. Es war eine allgemeine Flucht. Aber unkoordiniert. Den Freunden blieb auch keine Sekunde zum durchatmen oder um sich ab zu sprechen. Die Giganten machten ihre Langsamkeit durch die großen Schritte wett. Sie tapsten herum, wie schlecht angelernte Tanzbären. So kam es jedenfalls den kleinen Menschlein vor. Egal in welche Richtung Pandita, Dysia, Cam und Adjoles sich auch wendeten, immer war da ein viel zu großer Fuß im Wege. Adjoles, sah eine Chance, sprintete los und entkam für einige Zeit aus dem größten Getümmel. Er überlegte mit faltiger Stirne. Zog dann wieder sein Glas vor das Auge. Es nutzte ihm sehr wenig, denn plötzlich fühlte keinen Boden mehr unter den Füßen und wie an einem Lasthaken in den Himmel gehoben. Dabei hielt er noch immer das Wunderglas vor sein Auge. Und strampelte sinnlos in der Luft herum.
Seine Augen wurden immer größer. Das war doch unmöglich. Konnte es nicht geben! Eine gewisse Zeit bekam er kein Wort heraus, sperrte nur den Mund auf.
„Das soll mich doch…, es ist Bon Ody! Dann kann der andere Gigant nur Kirsten sein!“ Kaum waren dem Magier diese Worte über die Lippen gekommen, da schrumpften die beiden Trolle auf ihre normale Größe zurück. Sie schüttelten sich, als wären sie gerade aus einem irren Traum aufgewacht. Genauso abrupt veränderte sich die Umgebung, sie standen, diesmal verstärkt durch die Trolle, im wohlbekannten Gang, hörten jetzt Hansehas Kampfgebrüll. Da brauchte es keine große Aufforderung, geschlossen stürmte die Gruppe mit erhobenen Waffen voran.
#52AuthorEdmond Dantes15 Feb 05, 06:38
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Hanseha war eine Weile benommen. Als sie wieder voll bei Sinnen war, fühlte sie sich aufgehoben und weg getragen. Ihr war sehr heiß. Wie ein Paket war sie fest verschnürt, die Arme und ihr Degen eng an den Körper gepresst. Auch das atmen fiel ihr schwer, aber irgendwie verrutschte der Knebel ein Stück, dann half sie mit der Zunge nach und es ging besser. Die Holzpuppen trabten frisch drauflos. Hanseha wurde kräftig gerüttelt und geschüttelt. Wenigstens hatte diese Behandlung zum verrutschten Knebel geführt. Dann fingerte sie an ihren Fesseln herum. Es dauerte einige Zeit bis sie ihre Finger in einer günstigen Position hatte. Anschließend schloss sie die Augen und arbeitete konzentriert. Anscheinend waren die Holzköpfe etwas zu hastig aufgebrochen, hatten die Fesseln nicht noch einmal überprüft. Jetzt war es fast zu einfach. Endlich, geschafft. Sie wartete auf eine günstige Gelegenheit. Und die kam, als die Holzpuppen wieder einmal ihre Beute absetzten und nach den Verfolgern lauschten.
Wie ein Schachtelteufel entledigte sich Hanseha den dekorativ um sie drapierten Stoffbahnen und sprang mit erhobenem Degen zwischen ihre Entführer. Und die tanzten auf ihren Holzschühchen eine zünftige Polka. Einige rutschten auch auf den Stoffbahnen aus und schlidderten über den Boden, warfen einige Kameraden um, die wie beim Kegelspiel durch die Luft wirbelten, was Hanseha sehr zu statten kam. Auch Hansehas Pirouetten waren nicht zu verachten. Und erst ihre eleganten Sprünge. Mitten in diesem wilden Getümmel tauchten die Freunde auf.
#53AuthorEdmond Dantes16 Feb 05, 06:47
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Da hatte noch ein Stückchen gefehlt: Verstärkt durch die beiden Trolle. Damit hatte der Spuk ein schnelles Ende. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Holzpüppchen verschwanden lautlos, lösten sich, genau wie der Gang, in Luft auf.
#54AuthorEdmond Dantes16 Feb 05, 06:51
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Sie befanden sich im Tempelgebäude, die Menschen und die Trolle.
An den Seitenwänden befanden sich nun offene Ausgänge.
Und mitten im Raum, auf einem niedrigen Marmorpodest, stand ein, nur mit einem Hüfttuch bekleideter, steinerner Jüngling. Während die Gruppe auf die unbelebte Statue zuschritt, vollzog sich die Verwandlung. Der Jüngling erwachte aus seiner Starre und kam von dem Podest herunter. Stumm schritt er auf die Gruppe zu und fasste an sein Hüfttuch und hielt einen Stoffbeutel in der Hand. Mit der andren Hand bedeutete er Dysia, die ihm am nächsten stand, die Hände vor zu strecken und hohl zu machen. Dysia hielt die Hände vor und der Jüngling schüttete bunte Murmeln hinein. Anschließend zeigte er auf den Boden, der Strichmarkierungen und Kuhlen aufwies. So versah er die ganze Gruppe mit den bunten Kugeln. Und schon ging das Spiel los. Egal, wie sich Cam, Dysia, Hanseha und Pandita auch anstrengten, gegen den Jüngling verloren sie alle Murmeln. Adjoles versuchte zwar einige magische Tricks und Beschwörungen, doch auch er sah seinen Murmelvorrat schwinden. Dagegen entpuppten sich die Trolle als fast gleichwertige Gegner. Sie brauchten einige Zeit, um ins Spiel zu finden, aber dann legten sie so richtig los. Trotzdem verloren auch sie letztendlich ihre Murmeln an den Jungen.
Ein herrliches Lachen erfüllte den Raum.
Es war sogar in den Köpfen der kleinen Gruppe. Dann eine kindliche Stimme.
„So, jetzt hab ich meinen Spaß gehabt und euch ein bisschen an der Nase herumgeführt.“
Währendessen ging mit dem Jungen eine Verwandlung vor. Er verschwamm vor den Augen der Anwesenden, nur die Umrisse blieben deutlich. Es war, als wäre der Körper aus Rauch. Nur die dunklen Augen blieben sichtbar.

#55AuthorEdmond Dantes17 Feb 05, 06:42
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Auch das Marmorpodest verwandelte sich. Und zwar in eine bauchige, längliche Flasche. Erst besaß sie die Größe des Podestes. Dann wurde sie immer kleiner. Und verschwand ganz.
„So, jetzt seht ihr mich in meiner wahren Gestalt. Ich bin ein Flaschengeist! Und dies ist mein Reich, meine kleine Insel. Ihr befindet euch in der Flasche. Eigentlich gehöre ich Ben Harad, dem großen Zauberer. Er hat gewisse Experimente gemacht und dabei bin ich aus meiner Zeit gefallen. Es lag wohl an einer Raumfalte. Oder an einer Verzerrung der temporären Struktur des feinstofflichen Raumes. So fand ich mich dann als Monster in den Trollhöhlen wieder. Erst euer beherztes Eingreifen hat mich aus dieser Situation erlöst. Leider klappte die Befreiung noch nicht ganz. Darum wurdet ihr in die Sphäre gesogen und damit auf meine Insel verbracht. Nach so langer Zeit habe ich mich über euren Besuch gefreut und etwas mit euch gespielt. Ihr nehmt mir das hoffentlich nicht übel. Da ich nun nicht mehr zu meinem Herren zurück kann, bin ich euch zu Diensten. Sagt mir eure Wünsche. Und so weit es in meiner Macht steht, werde ich sie erfüllen.“ Leider stellte sich dann aber heraus, dass die magischen Fähigkeiten des Flaschengeistes in der neuen Umgebung sehr beschränkt waren. Ob es an der Zeit oder am Raum lag, keiner wusste es. Auch Adjoles nicht, der von solchen Dingen einige Kenntnisse besaß. Wo der Knoten in der Zeitschleife war und wer ihn da hinein geknüpft hatte, blieb allen verborgen. Auf jeden Fall blieb der Flaschengeist bei den Iselandtrollen und half ein bisschen das Chaos zu entwirren, das er dort angerichtet hatte. Ansonsten verstand er sich mit den Iseländern gut, teilte ihren Sinn für Humor und ihre Späße.
#56AuthorEdmond Dantes18 Feb 05, 06:42
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Pandita und ihre treuen Freunde reisten nun in umgekehrter Reihenfolge zurück, holten Niniane bei den Wassertrollen ab und tauchten nach langer Fahrt wieder am See, an dem Camalettas Burg stand, auf. Die Freundschaften wurden vertieft und man erzählte sich noch einige Tage am knisternden Kamin von den Abenteuern. Hin und wieder gab es auch ein Picknick am See mit den Wassernixen. Und nach einer Woche wurde der Roc bereit gemacht und es ging zurück an Rhin und Roer. Da war inzwischen wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt. Die kleinen Leute gingen wieder fröhlich und fleißig ihrer Arbeit nach. Aber es ist ja bekannt, dass die Ruhe nie lange anhält. Vielleicht wartet an der nächsten Ecke schon ein neues Abenteuer. ENDE
#57AuthorEdmond Dantes18 Feb 05, 06:43
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Die kleine Nachteule

Wenn man in den Zauberwald kommt, steht ganz vorne links ein alter, hohler Baum. Und darin lebte eine kleine, zerzauste Nachteule. Wenn sie nicht gerade auf Nahrungssuche war, verschlief sie den Tag. Oder lauschte auf die Geschichten, die sich die Tiere in ihrer Umgebung erzählten und giggelte leise vor sich hin. So verliefen Tage, Wochen und Jahre.
Doch eines Tages fuhr auf einem breiten Weg, der durch den Zauberwald führte, eine Kutsche. Darin saß die Hofdame Daisy. Sie war sehr traurig und weinte. Schon seit vielen Jahren war die kleine Königin verschwunden. Und zwar hier im Zauberwald. Die leere Kalesche war ohne Kutscher und Diener zum Schloss zurückgekehrt. Und auch ohne die kleine Königin.
Immer wieder durchkämmten von diesem Tage an Bedienstete des Schlosses den Wald. Doch von der kleinen Königin fand sich nie eine Spur. Seit diesem Tag hatte Daisy es immer vermieden, durch den Wald zu fahren. Die traurigen Erinnerungen an den schwarzen Tag, als die kleine Königin verschwand, raubten ihr fast den Verstand, machten ihr Herz schwer. Ihr Gejammer war so laut, dass es die kleine Nachteule weckte. Mit schnellem Flügelschlag folgte die Nachteule der Kutsche. Ein Fenster des Wagenschlages stand etwas offen und so flog die Eule in das Innere. Im ersten Moment fuhr Daisy erschrocken zurück. Doch als sie die kleine, total zerzauste Eule sah, versiegte der Strom der Tränen und sie musste lächeln.
Aus großen und klugen Augen sah die kleine Nachteule der Hofdame ins Gesicht.
„Ach du liebe Eule, hast du meine Klage vernommen? Die kleine Königin war mein Augenstern. Hast du sie nicht gesehen?“ Die Nachteule schüttelte ihren Kopf.
Fortsetzung folgt!
#58AuthorEdmond Dantes04 Mai 05, 13:02
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„Mein Mann hat für die Ehre der kleinen Königin in der Welt gekämpft und ist nun endlich zurückgekehrt. Während er seiner hehren Aufgabe nachging, betreute ich die kleine Königin. War ihre Zofe und Gesellschafterin. Und gerade, als sie ins heiratsfähige Alter kam und ich sie gerne in den Armen eines hübschen Prinzen gesehen hätte, verschwand sie. Noch immer mache ich mir große Vorwürfe, denn eigentlich wollte ich sie an diesem Tag auf ihrem Ausflug begleiten. Doch genau an diesem verfluchten Morgen bin ich mit dem falschen Fuß aufgestanden. Als ich zum Frühstück mit der Königin wollte, verstauchte ich mir böse den Knöchel. Und so ließ ich das arme Kind alleine losfahren.“
Wie verständnisvoll schaute das Eulchen Daisy an und ließ die Flügel hängen. Da streckte Daisy vorsichtig ihre Finger aus und streichelte die Flügel. „Du bist ein hübscher Zausel!“
Direkt danach plusterte die kleine Nachteule ihr Gefieder auf. Von einer so großen und hübschen Dame war sie noch nie vorher gestreichelt worden.
Während die beiden in der Kutsche saßen, trieb der Kutscher die Pferde fleißig weiter an und so nahte man sich dem kleinen Gut, das Daisy und ihrem Mann Edward gehörte. Der Zauberwald lag schon lange hinter den Fahrgästen.

Vor dem länglichen Gutshaus standen eine grob gezimmerte Bank und ein schmaler Tisch. Daran saßen drei Männer. Es waren der alte Verwalter Werner, sowie die beiden Kampfgefährten von Ritter Edward, Austria Joe und Vikunja. Die Männer hatten Humpen mit Apfelmost vor sich und waren in ein angeregtes Gespräch vertieft.
Als die Kutsche nahte, sprangen die jüngeren Männer auf und halfen Daisy beim aussteigen.
Freundlich begrüßte sie die Männer. Doch dann umwölkte sich ihr Blick.
„Wo ist er?“ Die Männer wiesen zu den Pferdeställen. Das kleine Nachteulchen hatte sich dezent im Hintergrung gehalten und flog Daisy zu den Stallungen nach. Fortsetzung folgt!
#59AuthorEdmond Dantes06 Mai 05, 05:44
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Im Pferdestall sah die kleine Nachteule einen Mann in geflickten alten Hosen, der gerade über den Vorderhuf eines nachtschwarzen Hengstes gebeugt war und ihn mit einer Bürste reinigte. Sie hielt ihn für einen Knecht. Etwas entfernt stand in einer anderen Box ein weiteres Pferd, das leise wieherte. „Ruhig, Schneekrönchen, gleich bist du dran. Lass mich erst Dante versorgen!“ Doch Schneekrönchen fing nun an, unruhig zu tänzeln. Da richtete sich der Mann auf. Er war mittelgroß und besaß etwas zu kurze Beine. Die alte Jacke spannte sich über einem beachtlichen Bauch. Braunes, etwas zu langes Haar bedeckte sein Haupt. Jetzt drehte er seinen Kopf, das eckige und bartlose Gesicht hellte sich auf, denn er sah Daisy. Seine blauen Augen strahlten. Er breitete die Arme aus. Doch was musste das Eulchen nun hören?
„Du Schuft, du hinterlistiger Halunke!“ Mit diesen Worten ging Daisy auf den Mann los, trommelte mit ihren kleinen Fäusten auf seine breite Brust. Der Mann schien gar nicht böse, versenkte sein Gesicht in Daisys duftigem Haar, drückte sie fest an sich. „Du…“, stammelte Daisy leise, den Rest konnte das kleine Nachteulchen nicht verstehen. Als Ritter Edward den Kopf etwas anhob, zwinkerte er dem Eulchen zu, das inzwischen einen Platz auf einer Leine gefunden hatte, über der Pferdedecken zum trocknen hingen. Irgendwie kam dem Eulchen dieser Mann seltsam vor. Das sollte der Held vieler Schlachten sein? Zwei- oder dreimal hatte sie ihn durch den Zauberwald reiten sehen, in voller Rüstung. Da kam er ihr größer und prächtiger vor. Nur schienen es zwei völlig verschiedene Männer zu sein, denn der Gutsherr Edward hatte nichts von einem Helden an sich. Eher besaß er etwas von einem Bären. Einem tapsigen (und er ging auch so, wie das Eulchen später bemerkte) und gutmütigen. Jetzt brummte er auch, genau wie ein Bär. Daisy löste sich sanft aus den Armen ihres Mannes.
„Du musst die kleine Königin finden. Du bist der einzige, der das kann! Du musst! Hörst du!“
#60AuthorEdmond Dantes09 Mai 05, 05:40
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Edward führte Daisy zu Schneekrönchen. „Erst musst du einmal Schneekrönchen und Dante begrüßen. Schneekrönchen hat sich als Begleitpferd auf der Reise gut gemacht! Und anschließend machen wir uns frisch. Essen etwas. Danach dann können wir darüber reden!“
Während Daisy die Pferde begrüßte, fasste Edward in sein Wams und trat vorsichtig auf die Leine zu, auf der das Eulchen saß. Er bot ihr auf der flachen Hand eine Leckerei an.
„Das ist nur eine Vorspeise. Gleich bekommst du mehr. Du bleibst doch zum Essen?“
Das ließ sich die kleine Nachteule nicht zweimal sagen. Und damit war natürlich eine neue Freundschaft besiegelt!
Fortsetzung folgt!
#61AuthorEdmond Dantes09 Mai 05, 05:41
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Nach dem Essen, an dem auch Werner, Austria Joe und Vikunja teilnahmen, wurde beratschlagt. Das kleine Eulchen trippelte auf dem Kaminsims hin und her, verfolgte die Gespräche mit großem Interesse. Zwischendurch nahm sie immer noch einen Bissen von dem Teller, den ihr Edward persönlich offeriert hatte. Natürlich stand auch ein Näpfchen mit Milch daneben. Werner verabschiedete sich aus der Runde, er liebte die Bücher und wollte die letzten Erträge des Hofes eintragen. Edward räusperte sich. „Du weißt doch, wie ich all den höfischen Tand und Firlefanz hasse. Darum bin auch nicht zum Schloss gekommen, um dich zu holen. Wenn die kleine Königin da gewesen wäre, hätte ich natürlich meinen Antrittsbesuch gemacht. Und dann hätte ich mich auch bei dir entschuldigt. Mir ist damals die Decke auf den Kopf gefallen. Landleben gut und schön. Aber mich hat das Abenteuer gelockt. Und so bat ich die kleine Königin heimlich um einen Auftrag. Das es dann eine so lange Abwesenheit nach sich zog, konnte ich doch nicht wissen!“ Daisy nahm seine Hand.
„Hättest du doch etwas gesagt, damals. Ich habe doch immer Verständnis für dich und deine Eskapaden. Aber das wollen wir gar nicht mehr weiter darüber diskutieren. Es geht um die kleine Königin. Die Tatsachen sind dir wohl schon zur Genüge bekannt. Nur, was können wir tun?“
„Habt ihr nicht mal bei der alten Muhme Nobody nachgefragt? Du kennst doch die alte Frau, die jeder Tante nennt, die an der Bachmühle wohnt. Sie besitzt das zweite Gesicht! Oder so etwas ähnliches.“ „Da sind wir gar nicht drauf gekommen!“ „Na ja, sie ist auch manchmal etwas starrsinnig. Es ist halt ihr hohes Alter!“
#62AuthorEdmond Dantes09 Mai 05, 10:58
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So machten sich Daisy, die jetzt ihre höfische Garderobe abgelegt und sie mit salopper Reitkleidung vertauscht hatte, zusammen mit ihrem Gemahl auf den Weg zur alten Bachmühle. Daisy ritt auf der schönen braunen Stute Schneekrönchen, die ihren Namen von einer schneeweißen Stirnblesse in Form einer kleinen Krone hatte. Edward saß natürlich auf Dante, dem schwarzen Hengst. Und das Nachteulchen flog mit den beiden mit.
Sehr schnell erreichten die drei den Bach und die daran gelegene alte Mühle.
Und da war auch schon die windschiefe Kate, in der die alte Muhme Nobody wohnte.
Um die Alte wohl zu stimmen, hatten die Gutsbesitzer diverse Spezialitäten aus dem Keller und der Räucherkammer mitgebracht. Und als sie durch die etwas morsche Pforte traten, schnüffelte Nobody schon in der Luft herum. Sie saß auf einem wackligen Schaukelstuhl.
„Ah, welch ehrenwerte Gäste in meiner trüben Klause. Sagt bloß, ihr habt mal an die greise Nobody gedacht, ihr mal eine kleine Aufmerksamkeit vorbei gebracht. Oder habt ihr ein besonderes Anliegen? Tretet nur näher! Damit meine trüben Augen euch besser sehen!“
#63AuthorEdmond Dantes09 Mai 05, 10:59
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Der Ritter ging einige Schritte auf die Alte zu, während seine Gattin das Körbchen überreichte. Die Düfte, die feinen Aromen, die aus dem Weidenkorb aufstiegen, weckten die Lebensgeister der Greisin. Während sie zuvor noch etwas zusammengekauert und gekrümmt in ihrem Schaukelstuhl gesessen hatte, streckte und reckte sie sich, in ihrem Gesicht machte sich auch ihre frühere, aparte Schönheit bemerkbar. Sie blühte förmlich auf. Mit den trüben Augen hatte die Alte maßlos übertrieben, so wache und klare Augen hatten die Besucher noch nie gesehen. „ Nur heraus mit der Sprache! Sagt doch endlich, womit euch die alte Nobody helfen kann!“ Und so bat Ritter Edward in seinem Namen und dem seiner Frau, ob sie etwas unternehmen könne, damit man eine Spur von der kleinen Königin finden konnte.
Die Muhme wies die Anwesenden an, etwas von ihr ab zu rücken. Vorsichtig trippelte auch die kleine Eule zurück, die sich bisher hinter Ritter Edward etwas versteckt gehalten hatte.
Die Frau im Schaukelstuhl murmelte einige Worte in einer fremden Sprache. Auch Ritter Edward, der schon viel herum gekommen war, konnte davon absolut nichts verstehen.
Und dann geschah es. Die Alte vor ihnen verwandelte sich in ein Mädchen von etwa 20 Jahren. Gleichzeitig formte sich ein Glutball in ihrer Hand. Etwas kleiner, als eine Faust.
„Ach Neutrino, da bist du ja. Nun lasse mich mal in der Vergangenheit sehen, was damals im Zauberwald geschah. Und …, die kleine Nachteule darf auf meine Schulter kommen und mitschauen!“ Bisher war die Energiekugel milchig gewesen, jetzt wurde sie klar und durchsichtig. Trotzdem sahen Daisy und Edward nichts. Dafür aber das kleine Nachteulchen, das natürlich erst etwas ängstlich auf die Schulter der wundersamen Nobody geflogen war.
Die Zeit schien still zu stehen. Edward und Daisy wagten kaum, zu atmen. Und dann..
Dann war dieser magische Moment vorbei. Die Energiekugel war verschwunden. Und im Schaukelstuhl saß wieder eine Greisin, die jetzt auch nicht mehr einen volltönenden Alt besaß, wie kurz zuvor.
#64AuthorEdmond Dantes09 Mai 05, 11:20
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Mit ihrer zittrigen Stimme hub sie nun an zu sprechen. „Der Schlüssel zu der ganzen Geschichte ist die kleine Nachteule, sie wird euch führen. Gerade hat sie gesehen, was kein Mensch sehen darf. Bei der Lösung eures Problems kann nur die H.H. helfen. Sie wohnt im Zauberwald. Aber unsichtbar. Zur nächsten Vollmondnacht reitet ihr, Edward mit Daisy und deinen beiden Waffengefährten, dreimal um den Zauberwald. Dafür müsst ihr eure Häupter mit besonderen Kräuterkränzen zieren. Die kleine Eule wird euch die speziellen Kräuter zeigen. Du Daisy, wirst die Kränze mit drei Haaren aus deinem Haupthaar, sowie aus jeweils drei Schweifhaaren euren vier Reitpferde winden. Habt ihr den Zauberwald entsprechend umrundet, müsst ihr alle dreimal ‚Aisatnaf’ sagen und genau an Eulchens hohlem Baum rückwärts in den Waldpfad einbiegen. Dies natürlich pünktlich zu Mitternacht. Wenn ihr in der Mitte des Waldes anlangt, erscheint euch die HH, die HEIMLICHE HERRSCHERIN!
Sie ist die Herrin des Waldes. Und nur sie kann den ‚Kessel des roten Teufels’ öffnen. Wenn ihr den Grund des teuflischen Kessels erreicht habt, seid ihr auf das Eulchen, sowie euren Mut und euer Geschick angewiesen. Später werden euch noch kleine Hexen, ganz kleine Küken und die Schar der Scheinzwerge begegnen. Nehmt nur leichte, aber gute Waffen mit. Auch du Daisy. Aber du kannst, wie ich weiß, sehr gut mit dem Bogen umgehen! Damals warst du noch bei der ‚wilden Horde’, die reiche Kaufleute ausraubte und die Beute anschließend an die Armen verteilte. Und eines Tages hielt doch die ‚wilde Horde’ den Ritter Edward gefangen und wollte ein Lösegeld erpressen. Dabei war er nur alleine in den Wald geritten, um Freunde zu besuchen. Damals gab es den Gutshof noch nicht. Doch was machte der kühne Ritter? Er floh in der Nacht und raubte der Horde ihren schönsten Schatz! Und schickte der restlichen Bande am Tag später noch Gold als Lösegeld. Dafür hatte ja auch ein Juwel geraubt! Da brauchst du gar nicht rot zu werden, liebe Daisy.
#65AuthorEdmond Dantes10 Mai 05, 05:38
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Dein Mann hat dich da weg geholt und du wirkst nun Gutes an seiner Seite und am Hof der kleinen Königin. Also schäme dich nicht. Ritter Edward ist stolz auf dich! Und es bleibt doch unter uns! Leider kann und darf ich nicht noch mehr verraten. Habt Dank für die Geschenke und ich wünsche euch viel Glück. Folgt dem Eulchen und euren Herzen, dann wird alles gut und ihr werdet die kleine Königin finden. Und wenn ihr zurückkommt, dann besucht mal die alte Muhme Nobody und erzählt von euren Abenteuern. Und auch wenn ihr wieder solch feine Leckereien für eine arme, alte Frau habt, seid ihr Willkommen!“ Mit diesen Worten nickte die Muhme in ihrem Schaukelstuhl ein, den Fresskorb fest umklammert. Leise entfernten sich die Besucher aus dem Raum. Ritten zum Gut zurück. Das Nachteulchen folgte mit fleißigem Flügelschlag. Fortsetzung folgt!
#66AuthorEdmond Dantes10 Mai 05, 05:39
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Auf dem Hofgut angekommen, informierten sie ihre Freunde. Austria Joe und Vikunja freuten sich schon auf das neue Abenteuer. Sie trafen alle entsprechenden Vorbereitungen. Und in der nächsten Vollmondnacht verabschiedeten sie sich vom alten Verwalter Werner, der noch immer Zahlen und Daten vor sich hin murmelte, die Finger voller Tinte. Er hatte sogar einzelne Tintenspritzer im Gesicht! Solch ein Federfuchser war der Werner! Oder hatte er sich wieder mit der Feder hinter den Ohren gekratzt? Irgendwie bekam er vor lauter Rechnerei und all den langen Zahlenkolonnen gar nicht richtig mit, das sein Herr mit der Herrin und den beiden Gefährten in ein neues und gefährliches Abenteuer aufbrach. Er murmelte etwas von einem gemeinsamen Essen und ging in seine Stube, wo das berühmte Stehpult stand. Und seine geliebten Kladden. So brachen die Gefährten auf. Geführt vom Nachteulchen und mit den gewundenen Kränzen auf den Häuptern, ritten Edward und sein Gefolge dreimal um den Wald. Man bog rückwärts an Eulchens Hausbaum ein und murmelte das Zauberwort entsprechend. Die kleine Nachteule achtete auf das richtige Timing. Und rückwärts fliegen brauchte das kleine Eulchen nicht, der Rückwärtsgang galt nur für ihre Begleiter. Ebenfalls konnte nur die Nachteule den exakten Mittelpunkt des Zauberwaldes in der Nacht finden. Mit entsprechenden Geräuschen ließ sie den Reitertross stoppen. Auf dem Waldboden, mitten im Unterholz, erschien ein Abbild der bleichen Mondscheibe, obwohl kein Mondlicht durch die dichten Kronen der Bäume dringen konnte. Dann fing die Scheibe an zu rotieren. Immer schneller. Und wie aus zarten Lichtfäden gewoben, entstand in der Mitte der Scheibe eine Frau. Sie war nicht wirklich. Mehr ein Traum. Die HEIMLICHE HERRSCHERIN. Sie sprach nicht. Sie vollführte einen Tanz. Bewegte die Beine. Die Arme. Die Hände. Zu einer Musik, die nur sie alleine hörte. Ihr Gesicht sah niemand.
#67AuthorEdmond Dantes11 Mai 05, 05:39
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Zwar glaubten die Anwesenden, ab und zu einen Blick aus tiefgründigen Augen zu erhaschen oder einen verlockenden Mund zu sehen, aber ständig war ihr Gesicht durch ihr langes Haar verdeckt. Von ihren Fingerspitzen gingen Strahlen aus. Von der linken Hand silberne, goldene von der rechten. Die Reitergruppe stand ihr genau gegenüber. In der Mitte hielt sich das Nachteulchen in der Luft. Die Strahlen aus den Fingern der HEIMLICHEN HERRSCHERIN sammelten sich bei den Eindringlingen. Die goldfarbenen Strahlen zielten auf die Herzen. Die silbernen gingen auf die Köpfe. Zum Schluss vereinigten sich die Strahlen und umtanzten die bekränzten Häupter der Reiter, während Eulchens Körper in einem Strahlenschauer gebadet wurde. Langsam verblassten Gold und Silber. Auch die HEIMLICHE HERRSCHERIN wurde erst durchscheinend und verschwand dann ganz. Einige Augenblicke standen die Reiter wie erstarrt. Dann weckten sie eigenartige Geräusche aus ihrer Erstarrung. Fortsetzung folgt!
#68AuthorEdmond Dantes11 Mai 05, 05:41
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Es war das Stöhnen der Erde. Als sie sich herumdrehten, war der gewohnte Waldboden verschwunden. Dafür gab es einen riesigen Krater. Um den unheimliche, dunkle Nebel wallten. Es war der Kessel des roten Teufels. Von ihrem Standort war der Grund nicht aus zu machen. Und daran hinderte nicht nur der Nebel. In der teilweisen Schwärze gab es Bewegung. Von schwarzen Geistern? Da waren auch Augen. Zumindest spürten die Reiter unheimliche Blicke. Es war beängstigend! Allen lief eine Gänsehaut über den Rücken, als ob der Hauch des Todes sie berührt hätte. Nur das kleine Nachteulchen flog munter zum Kesselrand. Jetzt flog es auf und ab, gab den Reitern ein Zeichen. Edward ritt auf das Eulchen zu. Jetzt sah auch er das schmale Band, das in einem Wendel in die unergründliche Tiefe führte. Daisy, Joe und Vikunja folgten. Der Weg zog sich hin, die Pferde mussten Acht geben, denn sie hatten kaum Platz, so schmal war der Weg, der an einer Seite eng an der glatten Wand entlang führte. Auf der anderen Seite genügte ein Fehltritt und es ging hinab in die Tiefe. Zudem verstärkte sich der Gestank nach Pech und Schwefel. Die Reiter bedeckten schon Nase und Mund mit ihren Taschentüchern. Ob ganz unten wirklich der Gehörnte hauste? Der Höllenfürst mit den Bocksbeinen? Endlich schien der Grund erreicht, der Boden war mit glühendem Gestein bedeckt. Seltsam war, dass wenn man genau hinsah, unter den Pferdehufen die Steine für kurze Zeit ihr Glühen verloren. Dies fiel Edward auf. Lag es an einem besonderen Schutz durch die HEIMLICHE HERRSCHERIN? Oder an den behandelten Kräuterkränzen? Auf jeden Fall sagte er den Begleitern, sie sollten auf keinen Fall absitzen. Noch immer bildete das kleine Nachteulchen die Spitze des Zuges. Ihr Flug war nicht durch den heißen Boden behindert. Doch jetzt legte sie den Rückwärtsgang ein. Fortsetzung folgt!
#69AuthorEdmond Dantes12 Mai 05, 05:41
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Der Freund da vorne, der da so hoch aufragte, der war etwas für einen erfahrenen Ritter, wenn überhaupt! Die Pferde waren besonders nervös. Schneekrönchen wollte überhaupt nicht weiter, dadurch blieb Daisy etwas zurück. Aber sie redete ihrer Stute gut zu und schloss auf.
Auch wenn Edward und seine Gefährten schon einiges gewohnt waren, hier stockte ihnen doch der Atem und gefror das Blut in den Adern. Da stand doch tatsächlich der Herr der Finsternis. Oder zumindest einer aus der näheren Verwandtschaft. Und grinsen tat der auch noch. Er war tatsächlich rot. Feuerrot. Sein Körper war ein Fanal. Ein ewiges Feuer, das nie erlosch. Der arme Teufel musste wirklich Höllenqualen leiden. Aber sein Gesichtsausdruck widersprach der Annahme. Denn trotzdem grinste er breit. Und er sprach auch von oben herab! „Entweder gebt ihr mir ein reines Herz, oder euer Weg endet hier!“ Mit Grabesstimme verlangte der rote Teufel Tribut! Austria Joe und Vikunja wollten beide mit ihren Pferden vorpreschen, doch Ritter Edward hielt sie zurück. Er ritt neben Daisy und gab ihr einen langen und innigen Kuss, legte seine Hand auf ihre Schulter, grüsste noch einmal seine Freunde, trieb dann Dante auf den Teufel zu. Sein Ruf: „Für die kleine Königin!“ hallte noch nach, als der rote Teufel mit niederträchtigem Lachen in Brust des Ritters griff. Aber der Dämon zuckte wie vom Blitz getroffen zurück. Ein Schrei, wie von tausend gequälten Seelen, entrang sich der Teufelkehle. Jetzt zeigte der dunkle Fürst auch eine richtige, verzerrte Dämonenfratze.
„NEIN!!! Ich kann nicht! Etwas hindert mich. Ihr steht unter dem Schutz einer höheren Macht! Ich muss euch ziehen lassen. Es gibt keine Erlösung durch ein reines Herz für mich!“
Ein feuriger, doppelt mannshoher Bogen erschien an einer Wand hinter dem roten Teufel. War es die Höllenpforte? Wohin mochte das Tor die Freunde führen?
Fortsetzung folgt!
#70AuthorEdmond Dantes 13 Mai 05, 05:36
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Das kleine Nachteulchen flog los, der Ritter und seine Begleiter folgten, während sich der rote Teufel in Dampf auflöste. Es prickelte allen Reiter im Nacken, als sie durch das Tor zogen. Auch das Eulchen bemerkte einen seltsamen Kitzel und ihr Gefieder sträubte sich.
Und dann waren sie durch. In einer völlig veränderten Umgebung fanden sie sich wieder. Vögel zwitscherten. Die Sonne schien. Wiesen, bunte Blumen, sowie in der Nähe ein kleines Gewässer, alles in der Ferne von hohen Gebirgen begrenzt. Die Landschaft lud zur Rast ein. Doch zuerst blickten die Reiter zurück. Aber da war nichts. Nur eine glatte, bemooste Felswand. Die kleine Nachteule war schon wieder weit voraus geflattert. Jetzt drehte sie aber wieder ab, weil sie bemerkte, dass die Reiter ihr nicht folgten. Ihre Kameraden waren erschöpft. Zwar hatten die Reiter auf schwere Rüstungen bei der Abreise verzichtet, trugen also nur derbe Reitkleidung, die durch leichte Kettenhemden ergänzt war, aber das genügte vollauf. Sie waren verschwitzt und brauchten dringend eine Pause. Am Gewässer angelangt, versorgten die Reiter ihre Pferde. Dann wuschen sie sich, anschließend nahmen sie etwas vom Proviant aus den Packtaschen zu sich. Selbstverständlich bekam auch das Nachteulchen seinen Anteil ab. Ehe die Gruppe der Müdigkeit anheim fiel, gab Ritter Edward das Zeichen zum Aufbruch. Ihnen begegnete kein Wild. Ab und zu strich ein Vogel durch die Luft. Die kleine Eule erspähte auch keine Maus. Dafür tauchten Insekten in Schwärmen auf. Fortsetzung folgt!
#71AuthorEdmond Dantes17 Mai 05, 05:31
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Aber auch diese Plage ging vorüber. Dann verdunkelte sich schlagartig der Himmel. Es regnete in Strömen. Blitz und Donner gesellten sich hinzu. Als Daisy hoch blickte, gewahrte sie aus Norden eine wabernde Masse, die sie zuerst für eine Wolke hielt. Nur trieb die Masse genau quer zur Wolkenformation. Dafür aber genau auf die Gruppe zu. Auch ein von Edward angeordnetes Ausweichmanöver nutze nichts. Wie von einem Magneten angezogen hielt die Masse auf die Freunde zu. Wie ein selbständig denkendes Wesen. Was mochte das wohl sein? Dem Ritter und seinen Begleitern war so etwas noch nie begegnet! Jeder Ausweichversuch wurde sofort von der dunklen Masse vereitelt. Und dann war keine Flucht mehr möglich. Die Masse hüllte die Gruppe mit den Pferden ein. Auch das kleine Eulchen wurde verschluckt. Alle spürten etwas schwammartiges, klebriges, wie Sirup. Bewegung war nicht möglich. Gerade dachten alle, es wäre aus und vorbei, sie würden elendiglich Ersticken, hörten sie Stimmen. Hohe, weibliche Stimmen. Erst war es ein seltsamer, monotoner Gesang. Die Worte konnten die Freunde nicht verstehen. Dann verstummten die Stimmen kurz. Und ein Streit begann. „Hihihi, warst du das?“ „Natürlich, wer denn sonst!“ „Nein, ich war das!“ „Das bildet ihr euch doch nur ein. Ich würde so etwas locker schaffen. War es aber nicht!“ „Ach, ihr lasst mich doch nie, wie ich will! Immer muss ich alles heimlich probieren!“ „Was hast du probiert? Bei dir funktioniert eh nie etwas!“ „Na, die schwarze Wolke. Die kann nur ich zaubern!“ „Red doch keinen Unsinn, du bist über Mäuse und Kröten nie hinaus gekommen!“ „Ja, genau. Du kannst Suppen machen. Kräutersud. Das war es dann aber auch!“ „Aber du? Du kannst noch nicht mal mit einen Strohhalm mit den bloßen Fingern in Brand setzen!“ „Ätschi! Aber du, was?“ „ Na warte, dich lasse ich richtig tanzen und werfe Blitze!“ „Kannst du doch überhaupt nicht. Da ist doch nur ein bisschen Glimmen und ein kleines Wölkchen!“ Fortsetzung folgt!
#72AuthorEdmond Dantes18 Mai 05, 05:34
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„Passe bloß auf. Ich und keine Blitze zaubern. Sogar mit Donner in allen Tonlagen. Und …!“
Die Freunde, die in der schwarzen Masse festsaßen, wurden durch den Widerschein heller und kräftiger Blitze geblendet. Im nächsten Augenblick gab die Masse ihre Opfer frei. Und wer tanzte da mit bloßen Füßen und Reiserbesen? Drei junge, hübsche Hexchen. Deren Wortwechsel ging fröhlich weiter, während sie um ein Hexenzeichen auf dem Gras ihren Ringelreihen veranstalteten. Die Neuankömmlinge beachteten sie kein bisschen.
„Sag mal Hexelinchen, wie lautete der Spruch?“ „Omnibus Maximus! Ist doch wohl klar!“
„Aber das ist nicht der Spruch, der einen Feuerdrachen erscheinen lässt!“ „Der Spruch lautet: Renault Espace“, meldete sich da eine leicht näselnde Stimme. „Ach, was weißt denn du schon Schüsselchen. Dein Auslandsaufenthalt hat dir nicht gut getan. Du bist verbildet. Und deine Aussprache ist total daneben!“ „Warum sagst du eigentlich immer Schüsselchen zu ihr?“ „Aber sie heißt doch ‚Petite Sorciere’ und das ist für mich ein kleines Schüsselchen, Hexlein!“ „Übrigens, Renault Espace ist ein Omnibus Minimum! Eure Zaubereien sind Superstuss, viel zu krumm!“ Bei der ganzen Quasselei funkelten sich die kleinen Hexen manchmal böse, manchmal ironisch an, drohten mit den Besen. So ging das noch eine ganze Zeit hin und her. Die kleine Schüssel wehrte sich, mal laut, mal leise. „Aber das habe ich doch alles so im Institut bei Madame Rechaud gelernt. Wer da falsch memoriert hat, wurde auf kleiner Flamme geröstet!“ Die beiden anderen Hexen quittierten den Ausspruch mit Gelächter. „Irgendetwas muss jetzt passieren. Mal sehen, was mir für ein guter Spruch einfällt, damit ich euch überzeugen kann, wer die bessere Hexe ist.“ „Na dann lass mal sehen.“ „Ja, zaubere uns was vor. Wir sehen dir so gerne dabei zu!“ Das wurde natürlich von Feixen begleitet. Und von wilden Grimassen. Funkelnden Augen. Fortsetzung folgt!
#73AuthorEdmond Dantes18 Mai 05, 11:07
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Da Ritter Edward gern simple Reime mochte, fand er für die nachstehenden Ereignisse folgende Worte (später von Joe und Vikunja vertont, sehr gelungen und oft in den Abendstunden von Lady Daisy mit lieblicher Stimme gesungen): „Horus Bogus, eins, zwei, drei, Simsalasara Simsalasei.“ Und zwischen den tanzenden Hexen landete ein riesiges Ei.
Kaum stand das blendend weiße Ei da in seiner Pracht, hat es knicke-knacke gemacht. Die Schale zeigte in der oberen Region feine Risse und Zacken, bekam auf der ganzen Fläche immer mehr Macken. Jetzt lugte ein Kopf hervor, dann ein Schnabel, da stand ein Wesen aus der Fabel. Ein Horus-Falke, ein wahrer Gigant, da plötzlich zwischen den staunenden Hexchen stand. Erst sperrten die den Mund auf und wollten lamentieren, doch sollte noch etwas ganz anderes passieren. Joe und Vikunja preschten vor, zogen ihre Waffen, den kleinen Hexen blieb nur verwirrtes Gaffen. Auch Ritter Edward zog sein Schwert, das war in dieser Situation sein Gewicht in Gold wert. Die hübschen Hexen retteten sich hinter die Reiter, vorne ging der Schwertkampf weiter. Die Reiter wichen den Falkenkrallen aus, fühlten sich gegenüber dem Vogel so klein wie eine Maus. Es blinkten die Schneiden, es flogen die Federn, die gute Daisy verschickte Pfeile aus dem Holz der Zedern. Auch unsere kleine Nachteule krallte und hackte, so immer mehr den Falken die Wut packte. Da zeigte das Eulchen mit seiner Schwinge auf den Mund, in den Schnabel muss der Pfeil, genau in den Schlund. Daisy zielte, leider etwas daneben, sie musste den Bogen noch etwas heben. Sie ließ sich Zeit, gab den Augen Ruh, ihr Geschoß strebte genau auf den Schnabel zu.
#74AuthorEdmond Dantes19 Mai 05, 05:32
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Im Moment war dieser fest verschlossen, das Geschoß kam nicht hinein, da fiel dem Nachteulchen eine Finte ein. Sie flatterte dem Falken genau unters Kinn, kitzelte mit dem Federkleide und es haute hin. Wollte der Falke was sagen, oder wurde es ihm zu bunt, auf jeden Fall, er öffnete den Mund. Der Pfeil flog hinein und es tat einen Knall, für den Riesenvogel hieß es: Hochmut kommt vor dem Fall! Fortsetzung folgt!
#75AuthorEdmond Dantes19 Mai 05, 05:34
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So war die Geschichte (oder besser, der von Edward verdichtete Teil), die aber noch nicht vorbei ist. Die kleinen Hexen staunten und versprachen, zukünftig in der Hexenschule besser auf zu passen und ihre Sprüche ordentlich zu lernen. Dann standen sie noch eine Weile etwas verlegen herum. Starrten auch auf den Platz, an dem der herbei gezauberte Falke explodiert war. Da war nix zu sehen. Selbst Krallen und Federn waren spurlos verschwunden. Nur lag da auf einmal ein winziges, sehr winziges Ei. Eulchen hatte es erspäht. Und daraus schlüpfte gerade ein kleines, putziges Küken. Und was machte das kleine, frisch geschlüpfte Küken? Es zog einen magischen Kreis auf der Erde. Stippte mit seinem Schnäbelchen Zeichen hinein. Flatterte hoch hinauf in die Luft. Und…der Kreis weitete sich aus. Wurde immer größer. Dann entstanden schroffe, bemooste Felsen. Wuchsen einfach so aus dem Boden. Dicke Mauern erschienen. Türme, Wehrgänge und Burgzinnen. Trutzig und trotzig. Dunkel und unheimlich. Der Aufgang zu der Burg wand sich steil in die Höhe. War aber für Pferd und Reiter zu schaffen. Und das kleine Küken, das die Beobachter fast aus den Augen verloren hatten, flog sehr flink voraus. Das kleine Nachteulchen hinterher. Dann folgten Edward und seine Begleiter. Nur die kleinen Hexen, die hatten anderweitig zu tun, schwangen sich auf ihre fliegenden Reiserbesen und trollten sich. Kaum waren die Hexen fort, passierte noch etwas. An der der Stelle, wo die Hexen eben noch getanzt hatten, gab es eine kleine Verpuffung. Eine Kugel erschien. Das war doch der Freund von Muhme Nobody, was wollte der denn hier? Ja, genau, das war doch Neutrino. Ob er eine Nachricht für jemand hatte? Oder war er mit einer speziellen Aufgabe betraut? Auf jeden Fall orientierte sich die kleine Energiekugel kurz und folgte dann den anderen den Weg hinauf zur dunklen, uralten und verlassen erscheinenden Trutzburg. Fortsetzung folgt!

#76AuthorEdmond Dantes20 Mai 05, 05:39
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Neutrino schoss unbemerkt an dem Zug der Reiter vorbei und wartete vor der Burg. Wo ihn das Nachteulchen entdeckte. Freudig flog es auf die Energiekugel zu. Das Eulchen hockte sich vor Neutrino und schaute in die Kugel. Dann krächzte sie etwas dem kleinen Küken zu. Das kleine Küken zuckte mit den Flügelchen, als wollte es damit zum Ausdruck bringen: wenn es so ist, dann ist es halt so, macht ihr nur, ich hab von solchen Dingen keine Ahnung! Hatte die Eule einen Tipp bekommen, wie Edward und sein Gefolge die Burg entern konnten? Denn die Reiter hatten natürlich jetzt die Energiekugel bemerkt, standen aber ratlos vor dem Burggraben, der nicht zu überwinden war. Die Zugbrücke lag fest am Gemäuer an und versperrte den Zutritt. Der Graben war tief und weit, außerdem mit sehr dunklem Wasser gefüllt, dem ein furchtbarer Geruch entstieg. Das kleine Küken schüttelte noch immer das Köpfchen, aber das Eulchen und Neutrino flogen über den Wehrgang und dann auf den linken Kettenkasten der Zugbrücke zu. Die kleine Eule musste eine Sperre lösen, die Neutrino ihr zeigte. Es war etwas kompliziert, aber das kleine Eulchen besaß ein helles Köpfchen, erledigte die Aufgabe schnell. Für Neutrino wäre es nicht möglich gewesen. Gleichzeitig klemmte sich die Energiekugel als Sperre in das rostige Kettenrad, damit kein Unglück geschah. Jetzt konnte die Eule die Sperre auf die gleiche Art auf der Gegenseite lösen. Und damit das alles richtig ablief, wartete Neutrino auf einen Eulenschrei, damit er das Rad freigeben konnte. Denn es musste zur gleichen Zeit passieren, ansonsten hätte die ungleiche Be- oder Entlastung die Zugbrücke zerstört und die Ritter kämen dann nicht in die Burg. Aber es funktionierte alles perfekt. Die Räder liefen gleichzeitig los, die Ketten rasselten und mit einem dumpfen Knall fiel die Brücke über den Graben, wirbelte Staub auf, der die Reiter husten ließ. Auch wenn der Aufschlag heftig war, die dicken Bohlen hielten. Endlich war der Zugang zur Burg frei. Fortsetzung folgt!
#77AuthorEdmond Dantes23 Mai 05, 05:41
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Ritter Edward deutete gegenüber Eulchen und Neutrino auf seinem Pferd eine Verbeugung an. Die kleine Nachteule und die Energiekugel schwebten im Torbogen am Ende der Zugbrücke. „Das habt ihr prima gemacht!“ Die Nachteule giggelte verlegen und schwebte eine Runde um die Reiter. Neutrino blieb stumm und verharrte in seiner Position. Jetzt machte er Platz, während die Reiter in den Burghof einritten. Was sahen die Reiter? Nur Ruinen und Zerstörung. Niedergebrannte Stallungen und verfallene Handwerkerhütten. Dieser Anblick begleitete sie ein ganzes Stück. Dies war aber nur der erste Vorhof. Denn da war schon wieder eine dicke Mauer. Auch brandgeschwärzt. Das Tor darin hing schief in den Angeln. Es war nicht verriegelt. Ein Flügel ließ sich, nach anfänglichen Problemen, weit genug öffnen. Links und rechts standen robuste Steingebäude. Aber auch hier überall Verfall. Eingeschlagene Fenster. Aufgebrochene Türen. Alles leer und tot. Hier war kein Leben zu erwarten. Nur der Wind spielte mit einem Fensterflügel, der sich quietschend bewegte. Zentral, fast genau in der Mitte gelegen, ein trockener Brunnen. In dem eine steinerne Figur stand. Aber das war doch…Nein, das konnte nicht sein! Das kleine Nachteulchen flog an der Figur auf und ab, als wollte es den Verdacht der Reiter bestätigen. Ja, es war der rote Teufel. Oder eine sehr exakte Nachbildung in Stein, die hier ihren Dienst als Wasserspeier (momentan außer Betrieb) versah. Ritter Edward und seine Begleiter ritten näher heran. Wie ein Kugelblitz kam die kleine Energiekugel aus der Ferne heran und umrundete die Steinfigur. Dann flog sie mit einer enormen Geschwindigkeit genau auf die Mitte der Teufelsstirne zu. Fortsetzung folgt!

#78AuthorEdmond Dantes24 Mai 05, 05:31
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Gerade kam das kleine Küken um die Ecke gewackelt. Das kleine Küken hatte ein bisschen getrödelt und sich umgesehen. Denn es war sehr neugierig. Und für das Küken war alles neu und sehr interessant. Jetzt fiel es fast auf ihr weit aufgesperrtes Schnäbelchen. Denn die teuflische Steinfigur im Brunnen erwachte zum Leben. Ein ganz klein wenig zitterte das kleine Küken. Aber nur ein ganz klein wenig. Dies fiel aber niemand auf, denn das Küken stand im Moment nicht so im Licht des allgemeinen Interesses. Aber wenn einer der Reiter zu dem kleinen Küken geschaut hätte, wäre dem Beobachter nur das heftige Schlagen der Flügelchen aufgefallen. Und der weit offene Schnabel. Die Reiter schauten alle gebannt zum Brunnen. Aus dem geöffneten Mund der Figur ergoss sich ein großer Wasserschwall. Jetzt war die Teufelfigur in der Lage, zu sprechen. „Schnell, einer muss sofort seine Feldflasche mit diesem Wasser füllen, ehe es im Abfluss des Brunnens versickert!“ Zum Glück stoppte einiger Unrat den all zu schnellen Abfluss. Und so sprang Joe schnell herbei, leerte seine Feldflasche von Resten und füllte sie am Brunnen ab. Kaum war dies geschehen, passierte etwas in der Nähe. Da stand, wie da hin geträumt, die HEIMLICHE HERRSCHERIN. Sie gab dem roten Teufel einen Wink und der kam von seinem Podest herunter, auf die HEIMLICHE HERRSCHERIN zu. Wieder war es den Freunden nicht vergönnt, das Antlitz der HEIMLICHEN HERRSCHERIN zu sehen. Denn sie offenbarte es nur dem roten Teufel. Für ihn schob sie ihr Haar aus dem Gesicht. Und verschmolz mit dem roten Teufel in einem herzhaften, innigen und lange andauernden Kuss. Mit dem Zeigefinger ihrer linken Hand lockte die HEIMLICHE HERRSCHERIN Neutrino. Und kurz darauf war das Trio verschwunden. Fortsetzung folgt!
#79AuthorEdmond Dantes24 Mai 05, 11:00
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Das kleine Küken war wirklich vornüber gepurzelt. Die Ereignisse hatten das kleine Flügeltierchen wohl zu arg mitgenommen. Und jetzt war da auch noch eine Stimme. Aus dem Nirgendwo. Oder Irgendwo. Es war die Stimme des roten Teufels. Sie klang weicher und sanfter. „Jetzt bin ich erlöst! Danke euch!“ Und da war noch ein Lachen. Süß und lockend. Bestimmt von der HEIMLICHEN HERRSCHERIN. Denn es klang nach Wiesen, Wälder und Blumen. Und nach Bächen, Teichen und Seen. Da konnte das kleine Küken, das sich wieder erhoben hatte, nur das kleine Köpfchen schütteln. Sie hatte auch auf ein erfrischendes Bad im Brunnen gehofft. Aber der war schon wieder trocken. Trotzdem nahm sie den Brunnen etwas näher in Augenschein. Da gab es im Unrat viel zu entdecken. Vielleicht gab es auch einige Dinge, mit denen man sich ein hübsches Nest bauen konnte. Auf jeden Fall gab es genug an sinnvoller Beschäftigung. Damit bekam das Küken aber nicht mit, was bei den Reitern passierte. Daisy war von Schneekrönchen abgestiegen und vertrat sich die Füße. Ihr treues Pferd trippelte etwas vor. Genau an die Stelle, wo Joe etwas Brunnenwasser verschüttet hatte. Sie leckte gierig die Tropfen auf. Und fing an zu schwanken, ihr Oberkörper wankte hin und her. Als ob das Pferd ein Fass Dünnbier intus hatte. Ebenfalls setzte langsam und unmerklich ein Schrumpfungsprozess ein. Als Daisy zu ihrem Pferd blickte, verschwammen die Umrisse der hübschen Stute. Und Daisy sah da jemand, der auf Händen und Füßen kniete. Dann war der Pferdekörper nicht mehr da. Und ein hübscher, stattlicher Mann lag am Boden. In Jagdkleidung. Und neben ihm lag Schneekrönchens Zaumzeug und Sattel. Der Mann war noch einen Augenblick erstarrt. Kurz stierte er auf seine Hände. Dann sprang er mit einem Jauchzer auf. Fortsetzung folgt!
#80AuthorEdmond Dantes25 Mai 05, 05:50
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Mit einer galanten Verbeugung vor Daisy, sowie einem Gruß an die anderen Reiter, stellte sich der Mann vor. „Ich bin Holger von den Finnmarken. Und war vom Grafen Betze vom Berg in eine schöne Stute verzaubert worden. Der Graf hat immer mit dem Bösen paktiert. Eines Tages, als ich zufällig in den Zauberwald kam, wo ich ein wunderhübsches Mädchen sah, kam ich dem Grafen in die Quere. Und da hat er mich verwandelt. Alle die Wesen, die er verzaubert hat, können nur durch das Brunnenwasser des roten Teufels erlöst werden. Und jetzt ist er durch euch erlöst worden. Der rote Teufel ist der Graf. Denn bei einer magischen Beschwörung hat er seine Burg vernichtet. Seine Leute konnten gerade noch fliehen. Seine bösen Freunde machten ihn zum roten Teufel. Weil er nicht die Seelen seiner Leute den teuflischen Mächten ausgeliefert hat. Und er musste als Brunnenfigur sein Dasein fristen. Nur zu bestimmten Zeiten und in besonderen Nächten durfte er sich in Teufelsgestalt durch den Zauberwald bewegen. Dann war auch manchmal die Burg sichtbar. Als Graf hat er mich in Pferdegestalt an einen Bauern vom nahen Dorf verkauft. Und so kam ich dann in den Besitz von Ritter Edward und Daisy. Für eure gute Behandlung und meine jetzige Errettung will ich euch von Herzen danken. Mein Königreich in den Finnmarken habe ich sicher verloren. Was mir bleibt, ist die Suche nach dem schönen Mädchen aus dem Zauberwald. Und bis dahin möchte ich mich eurer Gesellschaft anschließen. Auch wenn ich leider Lady Daisy um ihr Reitpferd gebracht habe!“ Fortsetzung folgt!
#81AuthorEdmond Dantes25 Mai 05, 06:04
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Die ganze Zeit über war die kleine Nachteule verschwunden gewesen. Die Rückverwandlung von Schneekrönchen hatte sie nicht mitbekommen. Dafür begrüßte sie Holger mit heftigen Flügelschlägen und giggelte. Möglicherweise hatte sie mal wieder alles in der kleinen Energiekugel Neutrino vorher gesehen. Dafür lockte sie jetzt die Freunde an eine bestimmte Stelle, an der verkohlte Holzbohlen lagen. Sie machte so lange Rabatz, bis alle Männer in die Hände spuckten und die Bohlen zur Seite räumten. Nach einiger Zeit legten die Männer einen Eingang frei. Glitschige, ausgetretene Stufen führten in die Tiefe. Unten angelangt fanden Daisy und ihre Freunde schaurige Verliese. In einigen Räumen lagen angekettete Skelette auf dem blanken Boden. Und dann hörten sie es. Ein leises Wimmern. Von mehreren Stimmen. Aber sie sahen niemand. Sie schauten in jede Ecke. In jedes Verlies. Manche Zellen waren mit Gittern versehen. Andere mit dicken Türen, in denen eine kleine Klappe einen Einblick in die jeweilige Zelle erlaubte. Darum sahen sie die kleinen Wesen auch erst nicht. Für einen Augenblick hielten die Reiter die Wesen eher für Ratten oder Mäuse. Denn es raschelte im vermodernden Stroh. Auch die Stimmen klangen eher wie ein mehrstimmiges Fiepen. Aber dann sangen da Wesen ein Lied: „Wir sind die Zwerge, aber nur zum Schein. Der rote Teufel sperrte uns ein. Früher waren wir groß, doch jetzt sind wir klein. Niemand erlöst uns von der Pein. Wir dienten einer Königin, sanft und zart. Der rote Teufel bestrafte uns hart. Sie wollte nicht werden sein holdes Weib. Darum verwandelte der Teufel ihren Leib. Auch wir, ihre treuen Helferlein, verwandelte er in Zwerge, zum Schein!“ Auch wenn gerade diese Zellentüre einen verrotteten Eindruck machte, sie hielt den Versuchen der Ritter stand. Ohne den Schlüssel für das große Schloss in der Zellentüre ging nichts. Aber wo war der Schlüssel? Fortsetzung folgt!


#82AuthorEdmond Dantes25 Mai 05, 11:04
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Dies sollten die Freunde nur zu schnell erfahren. Die kleine Nachteule stieß einen durchdringenden Schrei aus. Ritter Edward und seine treuen Begleiter wichen von der Zellentüre zurück. Die Skelette, die zuvor noch in den Zellen gelegen hatten, standen nun mit Schwertern und Schilden in dem engen Gang. Eulchen flüchtete hinter die Männer, die sich schützend vor Daisy gestellt hatten. Der Gang ließ nur zu, dass immer nur ein Mann gegen ein Skelett kämpfte. Aber den Knochenmänner war auch einzeln nicht bei zu kommen. Da hatte Holger eine Idee. Jeder der Verteidiger sollte sich auf einen Arm oder ein Bein konzentrieren. Vielleicht war das die Lösung des Problems. Und so fochten die Männer diesen ungewöhnlichen Kampf auf diese Weise aus. Vikunja nahm sich den linken Arm vor. Joe den auf der rechten Seite. Holger ein linkes Bein. Dann war Ritter Edward an der Reihe. Und tatsächlich. Es funktionierte. Der erste Knochenmann zerfiel zu Staub. Daisy begleitete den Kampf mit einem stillen Gebet. Sowohl für ihre Freunde, als auch für die Skelette, deren Ungeist endlich zur ewigen Ruhe kam. Jetzt war auch der letzte Knochenmann überwunden. Es klirrte auf dem Steinboden des Ganges. Da lag der dicke, rostige Schlüssel. Wie der Blitz war das kleine Nachteulchen über dem metallenen Teil. Als wollte es zu den Freunden sagen, macht mal voran, die Scheinzwerge müssen befreit werden. Da stand auch schon Holger neben ihr und hob den Schlüssel auf, ging zur Zellentüre und führte den Schlüssel ins Schloss. Welche Mühe und Kraft der hübsche Recke aus den Finnmarken aufwenden musste. Lag noch immer ein besonderer Zauber auf der Türe? Der Schlüssel ließ sich nicht drehen! Oder musste eine andere Person da heran? Vielleicht die holde Lady Daisy? Fortsetzung folgt!
#83AuthorEdmond Dantes27 Mai 05, 05:38
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Anscheinend besaß sie das richtige Händchen dafür. Der Sperrriegel knackte und die Türe sprang auf. Was jubelten die Scheinzwerge. Die Kraft der Männer um Ritter Edward reichte, um die Ketten zu sprengen und die Scheinzwerge von ihren Fesseln zu lösen. Endlich waren die Zwerge frei. Um die das Nachteulchen nervös herumflatterte. Joe offerierte Lady Daisy seine Feldflasche. Und Holger von den Finnmarken nickte, genau wie Ritter Edward. Die zu Grimassen verzerrten Gesichter der Zwerge, verschmutzt und von vor erlittener Pein gezeichnet, waren nicht deutlich zu erkennen. Trotzdem kamen den Freunden die Gesichter bekannt vor. Daisy begab sich zum ersten Zwerg. Holger sagte schnell: „Aber nur einen ganz kleinen Schluck, sonst reicht es nicht!“ Der Scheinzwerg hatte geschluckt. Aber es passierte nichts. Aber als dann die Verwandlung einsetzte, bekam Lady Daisy fast einen Schlag. Denn da stand Bronchi. Der nächste Zwerg war Pandy. Und so tauchten nach und nach Lehmi und Narfi auf, da war auch Lopi und Eli, da Joy und Jay. Alles die Begleiter der kleinen Königin. Der Kutscher, Diener, Kammerzofen und Hofdamen. Sie waren alle damals in der Kutsche gewesen. Wie groß war die Freude, als die so lange vermissten Freunde wieder da waren. Als die vormaligen Zwerge wieder sprechen konnten, wurden sie natürlich von allen genau befragt. Nur wusste niemand etwas vom Verbleib der kleinen Königin. Dafür kam das kleine Küken um die Ecke. Ganz zaghaft sah man da erst ein kleines Schnäbelchen im Türrahmen. Dann lugte ein Äugelchen herein. Da es in der Zelle nun etwas zu eng war und das kleine Küken sich nicht weiter traute, flog die Nachteule schnell zu ihrer Freundin hin. Fortsetzung folgt!
#84AuthorEdmond Dantes27 Mai 05, 06:09
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Das kleine Küken zeigte mit seinem vorwitzigen Schnäbelchen penetrant auf die zerzauste Nachteule. Und da begriff Holger. Sollte vielleicht auch …? Nein! Oder doch? Bittend sah Holger Lady Daisy an. Aber die schüttelte nur traurig ihren Kopf. Die Feldflasche von Joe war leer bis auf den Grund. Auch Vikunja, der die Flasche in seine starken Hände nahm, bekam kein einziges Tröpfchen aus ihr heraus gepresst. Zum Brunnen zu gehen hatte keinen Zweck. Da war auch nichts mehr vom Zauberwasser zu holen. Da öffnete das kleine Küken ihr Schnäbelchen. Und eine klare Flüssigkeit bildete eine Lache auf dem Boden. Sollte das putzige Küken noch einen kleinen Rest gefunden haben, um ihre Freundin zu retten? Die zauselige Nachteule tunkte ihren Schnabel in die Lache. Und Sekunden später gab es einen Aufschrei unter den versammelten Leuten. Da stand doch tatsächlich eine wunderhübsche junge Dame. Die kleine Königin. Alle freuten sich und jubelten. Ganz besonderes Lady Daisy. Aber noch jemand bekam große Augen. Der kühne Recke aus Finnmarken. Denn da stand doch die hübsche Frau, die er einst im Zauberwald gesehen hatte. Obwohl Holger ein kühner und mutiger Recke war, überwältigte ihn fast eine Ohnmacht. Dies passierte tatsächlich einigen der ehemaligen Scheinzwerge. Aber das war alles von kurzer Dauer. Holger trat gefasst vor die zauberhafte Frau, deren Haare noch immer etwas zauselig und wirr waren. Aber genau das mochte der Holger so an ihr. Zudem besaß sie die Weisheit der Eule. Und das können nicht alle schönen und jungen Frauen von sich sagen! „Du musst meine Frau werden! Natürlich nur, wenn du es von Herzen willst!“ Dabei kniete er sich vor seine Herzdame und bat galant um ihre Hand. Und was sagte die kleine Königin? Natürlich: „Ja! Ich will!“ Das allgemeine Hurra war unbeschreiblich. So waren alle glücklich und froh. Fortsetzung folgt!
#85AuthorEdmond Dantes27 Mai 05, 08:50
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Die kleine Königin bedankte sich bei allen Beteiligten, sowohl für die Errettung, als auch für die guten Wünsche zur kommenden Hochzeit. Natürlich hatte sie auch das kleine Küken nicht vergessen. Doch noch nicht mal ein Federchen war von dem kleine Tierchen zu sehen. Als die große Gruppe aus dem Verlies kam und am Brunnen nachschaute, saß das kleine Küken, mit sich und der Welt zufrieden, im frisch gebauten Nest. Die kleine Königin wollte aus Dankbarkeit dem Küken ein besonderes Geschenk machen. Aber was? Da spürte die kleine Königin noch zwei flaumige Eulenfedern hinter ihrem Ohr. Die überreichte sie dem kleinen Küken. Dabei schwoll die Brust des kleinen Federtieres, das sie beinahe platzte. Schnell verarbeitete das kleine Küken die Federn in ihrem Nest. Sie bekamen einen Ehrenplatz. Denn genau zwei Federn hatten an dem perfekten Nestchen gefehlt. Anschließend thronte das Küken sehr königlich in seinem Nest. Ein bisschen trug das kleine Küken ab diesem Zeitpunkt den kleinen Schnabel etwas hoch. Aber, wer will dem kleinen Tierchen das verdenken? Ritter Edward überlegte gerade, wie man denn wieder in heimatliche Gefilde zurückkehren könnte. Da zeigte sich am Horizont ein riesiger Ballon. Er hatte die Form eines Delfins. Unter dem Ballon war eine Gondel. Und darin Menschen. Als der Ballon näher kam, war darauf in großen, bunten Lettern zu lesen: „MAGICAL MYSTERY TOURS“. Ein Anker an einer langen Leine landete kurz darauf in einem nahen Schutthaufen. Und es war das Knacken einer Winde zu hören. Langsam und majestätisch senke sich der Ballon in den Burghof. Und man hörte die Stimmen von drei jungen Frauen aus der Gondel. „Frau Iruka, wo sind wir hier?“ „Frau Buffy, Frau Steffal, wir landen gerade im Hof der Burg des Grafenb Betze vom Berg, dem roten Teufel. Besonders bekannt ist der Brunnen mit dem Wassers..!“ Fortsetzung folgt!
#86AuthorEdmond Dantes27 Mai 05, 10:55
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Die nette Fremdenführerin war sprachlos. Denn statt der teuflischen Brunnenfigur saß da nur ein kleines Küken. „Ähem, ah, anscheinend hat man mir die falsche Flugroute angegeben. Aber das kann doch gar nicht sein!“ „Aber wir haben doch bei MM-Tours alles inklusive gebucht! Da gehört dann auch ein vollständiger Brunnen zu!“ Selbst auf ein dargereichtes Nutellabrot wollten sich die beiden Urlauberinnen nicht beruhigen. Frau Buffys Augen funkelten drohend. Und Frau Steffal sagte: „Schau, hier sind auch noch so viele Leute!“
Frau Iruka funkelte Frau Buffy an: „Für die Vollständigkeit von Ruinen übernimmt MM-Tours keine Haftung!“ „MM-Tours hatte doch unbekannte und mysteriöse Orte versprochen! Hätte ich gewusst, das hier so viele Touristen sind, hätte ich gar nicht mit Steffal die Reise gebucht!“ So gerieten die Damen in der Gondel in einen heftigen Disput. Und bekamen das mysteriöse Wunder überhaupt nicht mit, was sich da auf dem Platz abspielte. Ritter Edward erspähte sie zuerst. Die drei kleinen Hexchen. Die riefen von ihren Besen herab, sie hätten jetzt brav ihre Lektionen gelernt. Und so wurde die ganze Gruppe ordentlich und wie es sich gehört nach Hause gezaubert. Die ganze Truppe fand sich an dem Punkt wieder, wo die kleine Geschichte ihren Anfang nahm. Am hohlen Baum im Zauberwald. Wo man ab und zu das Kichern der HEIMLICHEN HERSCHERIN hören kann. Die natürlich Neutrino zur Hochzeit des kleinen Nachteulchens, ähem .. der kleinen Königin schickte. Und auch die alte Muhme Nobody war mit von der Partie. Und alle anderen Freunde! ENDE
#87AuthorEdmond Dantes27 Mai 05, 11:03
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Der Tag, als Lyri kam

Diese Geschichte spielt in einem Jahrhundert, als es noch auffiel, wenn jemand besonders hoch gewachsen war. Denn die meisten Menschen waren kleinwüchsig. Aber der Mann, der da so weit ausschritt, der war ein Riese. Denn unter jedem Türstock musste er sich tief bücken. Aber er nahm das hin. Und es kam ihm auch entgegen. Nein, nicht die Bücklinge. Seine Größe. Sie verschaffte ihm in den Dörfern, Weilern und Städten die nötige Aufmerksamkeit. Wenn sich dann genügend Volk um ihn versammelt hatte, welches dann auch noch seinen geckenhaften Aufzug aus der Nähe bewundern konnte, nahm er die Laute vom Rücken und trug mit klarer Stimme romantische Lieder vor, manchmal auch lyrische Gedichte und wundersame Geschichten, gerade so, wie ihm zu Mute war. Wenn er dann den Hut herum gehen ließ, klingelten darin genug Münzen, die ihm für zwei oder drei Tage ein Bett in einer guten Herberge oder einem Gasthof verschafften, sowie ein gutes und ausreichendes Essen. Und es blieb auch etwas übrig für guten Wein. Einige Münzen hielt er auch für schlechte Zeiten zurück und die wanderten in die Geldkatze, die er unter dem Ledergürtel trug. Sollte aber ein Dieb eine Beutelschneiderei versuchen, so gab es am Gürtel auch einen spitzen Degen. Der lange Barde wusste ihn sicher zu führen. Aber er war ein friedliebender Mensch, darum blieb die Waffe meist im Gürtel. Seine eigentlichen Waffen waren sein Kopf, in dem ein heller und umtriebiger Geist wohnte, sein manchmal etwas vorlauter Mund und seine Laute.
#88AuthorEdmond Dantes29 Jun 05, 13:44
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Oft genug hatte er in Kneipen und Tavernen einen aufkommenden Streit geschlichtet. So manche zarte Romanze ging auf seine Tanzlieder und Melodien zurück, er brachte sie erst richtig zum blühen. Münder und Hände fanden zueinander und manchmal passierte auch etwas unter den Schanktischen. Selbst auf den Tod verfeindete Nachbarn schüttelten sich unter Tränen die Hände, wenn er nachdenkliche und traurige Weisen vortrug. Zänkische Frauen stimmte er mit seinem Gesang milde. Säufer unterbrachen ihre Gelage und lauschten versonnen. Gingen früher als üblich heim zu Frau und Kind. Und ließen den Hausrat an seinem Platz. In seinem Kopf purzelten gerade wieder Worte und Bruchstücke von Melodien durcheinander, veranstalteten einen bunten Reigen. Langsam formte sich aus dem Chaos ein neues Lied. Und seine Hand griff schon zur Laute, um das neue Werk in die Welt zu holen, da fiel ihm eine sauber beschnittene Hecke auf. Und dahinter sah er den gebeugten und sehr bezaubernden Rücken einer Frau. Eigentlich hatte er sich gerade noch ein bisschen geärgert. Über sich selber. Und seine Sparsamkeit. Denn er war nicht in dem Dorf vorhin eingekehrt. Ihm war nach freier Luft. Die inspirierte ihn.
Aber die Landstraße war staubig und zog sich lang dahin. Der Mund war trocken, die Zunge klebte am Gaumen. Seine Augen ruhten weiterhin auf der hübschen Rückfront der Dame. Fortsetzung folgt!
#89AuthorEdmond Dantes29 Jun 05, 13:46
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Ob sie wohl auch ein schönes Gesicht besaß? Die Lady erhob sich gerade, ihr Ohr vernahmen wohl seine sich nähernden Schritte. Und was das für ein zauberhaftes Antlitz war, das die Lady ihm nun zuwandte. Der junge Musikus lüpfte den Federhut und verneigte sich tief.
Die wunderschöne Dame schenkte ihm ein Lächeln, für das der Musiker seine Seele dem Teufel überlassen hätte. Und dann sprach sie, mit einer Stimme, die jedem wie das Singen einer Nachtigal im Ohr schallte. „Hallo, einsamer Wanderer, wollt ihr nicht auf einen Trunk oder vielleicht auch eine kräftige Brotzeit in unsere Stube treten? Gerade habe ich meine Beete versorgt. Und ich bin vollkommen kaputt. Der Rücken…! Geht noch ein Stück, bis ans Gatter, sagt dem Verwalter Lady Daisy hätte euch in die Stube gebeten. Vergesst aber nicht den Brunnen im Hof, wo ihr euch den Staub aus dem Gesicht wischen könnt. Bis gleich!“ Und mit dem verheißungsvollsten Lächeln, welches der Musikus je gesehen hatte, verschwand die schöne Lady in eine der Stallungen und winkte noch charmant mit der Hand.
Es ist ja wohl klar, dass der Lautenspieler dieses Angebot unter keinen Umständen ausgeschlagen hätte. Und irgendwie kam ihm jetzt eine neue Melodie in den Sinn. Denn es war zwar eigentlich nur die hübsche Lady in seinem Kopf, doch er konnte so etwas sofort in Musik umsetzen. Und so trat er pfeifend ans Gatter und pfiff zum ersten Mal das Lied vom Gänseblümchen ‚Lady Tausendschön’. Unter diesem Titel ging es in die Geschichte ein.
Fortsetzung folgt!
#90AuthorEdmond Dantes30 Jun 05, 05:35
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Der Musikus fand das Gatter. Verschlossen. Weit und breit kein Verwalter. Also setzte er über den Zaun. Der Brunnen war schnell gefunden. Tat das gut. Anschließend marschierte er weiter auf das Hauptgebäude zu. Davor saßen drei Männer beim Kartenspiel. Direkt wurde er in die Runde eingeladen. Der älteste der Männer goss ihm einen Becher ein. Er nahm einen Schluck und das Getränk war der beste Tropfen, der ihm je die Kehle herunter gelaufen war.
Der ältere Mann lächelte. „Das ist ein Zaubertrank, was? Meine Freunde Joe und Vikunja haben da eine ganz besondere Destille. Wir haben die Ansammlung von seltsamen Röhren, Kolben und Brennern bei einem Magier im Norden gefunden. Der arme Kerl hatte Mist gebaut. Er wollte wohl, so seine kaum entzifferbaren Aufzeichnungen stimmen, das Wasser des Lebens finden. Aqua Vitae oder in der Sprache seiner Heimat ‚Uskebaugh’. Aber er war blind, wie ein Maulwurf. Denn die Zauberdestille sollte mit Zucchini gefüttert werden. Ihr kennt doch dieses vorzügliche Gemüse. Nur, wenn man es anbaut, dann gibt es nach der Ernte dieses Gewächs in millionenfachen Variationen auf den Tisch. Bis es einem an den Ohren heraus kommt. Und er hat die beste Möglichkeit der Welt gefunden, diesen Missstand aus der Welt zu schaffen. Nämlich, das Zeug vernichten und dann einem höheren Zweck zu führen. Leider hat der Arme die Wundermaschine mit Zichorien gefüttert.
#91AuthorEdmond Dantes04 Jul 05, 11:00
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Und das entstandene Wässerchen hat ihm das Lebenslicht aus gelöscht. Vik und Joe haben die Destille zerlegt und hier wieder aufgebaut. Mit Hilfe der Aufzeichnungen des Magiers. Doch so ganz hat das Experiment nicht geklappt. Sagen Vik und Joe. Ich sehe das vollkommen anders. Für mich ist das der beste Schnaps auf der Welt. Dieser Marillenbrand ist einfach himmlisch. Und darum erhebe ich meinen Becher auf das Wohl des alten Magiers. Und natürlich auf meine beiden Freunde Vikunja und Joe. Aber auch auf meine geliebte Daisy. Die es nicht versäumt hat, das für die Maschine immer genug Grundstoff zur Verfügung steht!“ Dabei lachte der Mann so herzhaft, dass seine Freunde mit einstimmten. Und auch Lyri konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Dann hob er den Becher zum Toast. Trotzdem dachte er bei sich, dass der Mann ihn mit der Geschichte hoch genommen hatte. Aber unser Musikus mochte eine gute Geschichte. Und natürlich so einen guten Tropfen. Gleich nahm er noch einen Schluck und prostete den Tischnachbarn zu. Kaum hatte der letzte Schluck den Magen gewärmt, rief der Verwalter zum Essen. Fortsetzung folgt!
#92AuthorEdmond Dantes04 Jul 05, 11:01
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#93Author(ad.)joe08 Jul 05, 10:53
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Das Essen war schon lange vorüber. Lyri bedankte sich für die Einladung auf seine Weise. Er spielte einige lustige Lieder auf der Laute. Seine Zuhörer bedankten sich artig. Und dann machte Lady Daisy einen Vorschlag. „Wir sind doch zu Nachteulchen ins Schloss eingeladen. Bestimmt freut sie sich, wenn ein Musiker etwas zur Unterhaltung beiträgt.“ Und so wurden am späten Nachmittag die Pferde gesattelt und die Gruppe ritt zum Eulchen-Schloss.
Mit großer Freude wurden die Ankömmlinge im Schloss begrüßt. Da waren all die lieben Freunde, die kleine Königin, auch Nachteulchen genannt, Pandy und Eli, Narfi und Lehmi, Lopi, Bronchi, Joy und Jay. John Doe, Draca und Rehlein weilten auch als Gäste im Schloss.
Nur der Prinz von Finnmarken war nicht zugegen. Er war für einige Wochen in seine Heimat zurückgekehrt. Er wollte in seinem alten Reich mal nach dem Rechten schauen.
Als Lyri die erste Runde mit melancholischen Liedern bestritt, hatten alle Tränen in den Augen. Dem Sänger wurde eine kurze Pause gegönnt, man bewirtete ihn mit Bier und kleinen Leckerbissen, dann musste er wieder ans Instrument. Erst gab es einige zarte Weisen, dann lustige Lieder und fesche Tänze. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Da knallte es heftig vor dem Schloss. Alle rannten nach draußen. Was mochte dort geschehen sein? Das Gefährt, das gerade im Schlosshof eine Bruchlandung gemacht hatte, das kannte man doch! Der fliegende Delfin sah furchtbar aus. Heftig mitgenommen, zerfetzt. Wo waren die Insassen?
Man rief in die Dämmerung, doch niemand antwortete. Aber dann drang ein leises Wimmern an die Ohren der Freunde. Man lauschte und folgte dem leisen Ton. Tatsächlich. Da lagen zwei Personen im Gras. Und noch ein ganz kleines Tierchen, das die Freunde beinahe übersehen hatten.
Fortsetzung folgt!
#94AuthorEdmond Dantes08 Jul 05, 11:00
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Das kleine Küken hüpfte und flatterte gerade auf. Königin Nachteule besah sich ihre Freundin genau. Das kleine Küken schien aber munter zu sein. Die beiden anderen Personen waren Buffy und Steffal. Sie schienen aber nur ohnmächtig. Als sie ihre Augen aufschlugen, war die erste Frage: „Wo ist Iruka? Bitte?“ Und dann erzählten sie ihre Geschichte: Sie waren noch immer auf ihrer Weltreise zu mystischen Orten. Und dann war ihr Luftschiff in einen Sturm geraten. Es war aber kein normaler Sturm. Es waren Luftgeister. Jemand hatte ihnen gesteckt, an Bord des Luftschiffes wäre die kleine Meerprinzessin Iruka. Und die sollten sie, für reichen Lohn, vernichten. Aber Iruka wusste gar nicht, das sie eine Meerprinzessin war. Als kleines Mädchen war sie an einem Strand aufgewacht und konnte sich an nichts erinnern. Nette Bauersleute hatten das süße Mädel groß gezogen. Und so war sie später zu ‚MAGICAL MYSTERY TOURS’ gekommen. Iruka hatte alles versucht, doch es nutzte nichts. Ihr Luftschiff trotzte den wilden Angriffen der Luftgeister, so gut es ging. Auch ihre hervorragenden Steuerkünste brachten nicht den nötigen Erfolg. Buffy und Steffal unterstützten Iruka, so gut sie konnten, waren aber der erfahrenen Kapitänin mehr im Weg, als eine echte Hilfe. Dann verloren alle die Besinnung. Und gleichzeitig sank das Luftschiff rasant der Erde zu. Und da kam das kleine Küken ins Spiel. Es machte gerade seine ersten Flugversuche. Sah das abstürzende Luftschiff. Flog an Bord. Versuchte die Reisenden zu wecken, schaffte es aber nur bei Iruka. Da traf ein kleines Metallstück den Kopf des Kükens. Fortsetzung folgt!
#95AuthorEdmond Dantes11 Jul 05, 05:40
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Natürlich erzählte das kleine Küken dies alles nicht. Es zeichnete es flott mit seinen Krallchen in den Sand. Buffy und Steffal waren schnell wiederhergestellt, ein paar Prellungen und blaue Flecken wurden vorsichtig verarztet. Und als sie dann auch noch mit gutem Essen und Getränken versorgt wurden, waren sie wieder voll auf dem Damm. Es wurde hin und her diskutiert, da laut, dort leise. Doch, wo sollte man Iruka suchen? Aber was war das, da draußen, vor dem Schloss? Lautes Hufgetrappel! Eine Kutsche nahte. Doch ehe die Kutsche in den Hof einlief, kam etwas durch die Luft geflogen. Das war doch Neutrino, das Energiekügelchen. Funkelnd und blinkend kam es auf Königin Nachteule zu, die genau wie ihre Freunde in den Hof gelaufen war. Das Energiekügelchen schlug Kapriolen, vollführte dreifache und vierfache Loopings, gebärdete sich wie toll. Endlich kam auch die Kutsche zum Stillstand. Der erschöpfte Kutscher war im Schloss wohlbekannt, denn er kam aus dem kleinen Mühldorf. Dann öffnete sich der Schlag der Kutsche. Es war Nobody. Aber nicht als verehrungswürdige Muhme. Sondern als wunderhübsche junge Frau. „Ihr müsst helfen! Nur ihr könnt Iruka finden!“ Etwas atemlos kam sie auf die versammelte Gruppe zu. Auch sie war völlig erschöpft, hatte sie doch den Kutscher zur Eile an gehalten. Man bat die Ankömmlinge ins Schloss, während sich einige Leute um die Pferde und die Kutsche kümmerten. Nobody verlangte nur nach Wasser, während der Kutscher einem Humpen Bier nicht abgeneigt war und das schäumende Getränk in sich hineingoss, als hätte er monatelang in der Wüste ohne Wasser verbracht. Auch Nobody leerte den gereichten Becher gierig und verlangte nach mehr. Fortsetzung folgt!
#96AuthorEdmond Dantes13 Jul 05, 06:25
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Endlich fing Nobody an zu erzählen, was sie so eilig in Eulchens Schloss getrieben hatte. Natürlich war das kleine Energiekügelchen daran schuld. Aber was heißt Schuld? Etwas hatte Neutrino getrieben. Was es war, konnte das kleine Energiekügelchen nicht sagen. Nur hatte Neutrino Nobody aus ihrem tiefen Nachmittagsschlaf geweckt und dann einiges gezeigt. Und Nobody war entsetzt. Sie hatte so laut geschrieen, dass die Kinder, die am Mühlbach gespielt hatten, an gelaufen kamen. Sie suchte in ihrer Schürze und fand ein glänzendes Goldstück. Gab es dem Ältesten der Kinder und bat, man möge in der Poststation eine Kutsche für sie bestellen. Zum Eulchen-Schloss. Natürlich durften sich die Kinder, bevor sie die alte Kate verließen, aus der geheimnisvollen Kiste der Muhme bedienen, in der immer allerlei Back- und Zuckerwerk gehortet war. Aber dann scheuchte die ehrwürdige Muhme die Kinder zur Poststation. Während der Postillon die Kutsche zur Kate der Muhme lenkte, vollzog sich die Verwandlung. Und der Kutscher kannte Nobody gut, fiel fast von seinem Kutschbock, als er die bildhübsche junge Frau sah, die erst gar nicht abwartete, bis er den Schlag öffnete, sondern während der Fahrt auf das Trittbrett aufsprang und noch ein paar Anweisungen brüllte, ehe sie sich endlich durch den Schlag ins Innere des Gefährtes gezwängt hatte. Immer wieder, während der rasenden Fahrt zum Schloss, rief Nobody dem Fahrer zu, er solle sich eilen. Trotzdem, die Wege waren zwar nicht übel, aber auch nicht gerade komfortabel, aber ein wenig musste der Postillion auch Pferde und Gefährt so führen, dass alle heil und gesund am Zielort ankamen. Was nutzte es, wenn ein Deichsel- oder Achsbruch, zerstörte Speichen und lahmende Pferde die zügige Ankunft vereitelten? Trotzdem schwante Nobody nichts Gutes! Fortsetzung folgt!
#97AuthorEdmond Dantes18 Jul 05, 12:50
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Das, was Nobody in der kleinen Energiekugel sah, war nicht immer unbedingt die Zukunft, wie sie dann auch tatsächlich eintrat. Sie hatte den Unfall des Luftschiffes gesehen. Aber in der von Neutrino gezeigten Version war das Luftschiff zwar lädiert, aber reparabel und in den wichtigen Teilen intakt. Doch das Delfinschiff war noch nicht einmal von Grinch, dem hünenhaften, findigen und bärenstarken Dorfschmied, zu richten. Die Hülle war aufgeplatzt, wie eine überreife Frucht. Überall standen verbogene Streben hervor. Wahrscheinlich würde das Luftschiff sich nie mehr in die höheren Sphären erheben, war nur noch ein Haufen Schrott. Leider war die gezeigte Alternativzukunft auch eine, in der Iruka es bis zum Schloss von Königin Nachteule geschafft hatte. Und dieser Umstand machte Nobody noch viel mehr Kopfzerbrechen. Neutrino, die kleine Energiekugel blieb auf weitere Anfragen von Nobody leider dunkel. Wie sollte man die kleine Meerprinzessin finden? Wo war Iruka? Nobody hatte eine Idee. Sie hypnotisierte Buffy und Steffal. Doch auch diese Aktion brachte kein Licht ins Dunkel. Nobody hatte auf einen Fingerzeig gehofft, den die beiden Passagiere unbewusst aufgenommen hätten. Aber leider Fehlanzeige. Das einzige, was Nobody wusste, sie musste unbedingt mit Nachteule und den Freunden zu einer Vulkaninsel im weiten Ozean. Doch ohne Iruka machte das alles keinen Sinn. Kurze Zeit später fing Neutrino an, wild durch die Luft zu zischen, schlug Kapriolen. Die Kugeloberfläche blieb zwar für Nobody trübe und undurchsichtig, aber eine flimmernde Aureole umtanzte schillernd Neutrinos Oberfläche. Dann zog sich das Kügelchen in eine Ecke zurück, beschrieb einen Kreis und blieb dann in der Luft stehen. Das kleine Küken tapste in der Nähe des Kreises herum. Als das kleine Federtier jedoch in den Kreis treten wollte, hüpfte es, wie von der Tarantel gestochen, zurück. Fortsetzung folgt!
#98AuthorEdmond Dantes19 Jul 05, 06:02
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In der Luft schillerte etwas, wie bleiches Mondlicht. Wie die Ringe des Planeten Saturn war da wirklich ein Lichtkreis geblieben, an der Stelle, die das kleine Energiekügelchen eben beschrieben hatte. Im Kreis tanzten auf einmal Nebelschleier, in denen bunte Staubkörnchen auf und ab strömten. Irgendwo, aus dem Nirgendwo, vernahmen die Leute im Schloss einen zarten, aber sehr kurzen Glockenton. Schemenhaft bildete sich aus den Staubschlieren ganz langsam eine menschliche Gestalt heraus. Dann erkannten die Freunde, wer da auf Besuch kam. Es war die HEIMLICHE HERRSCHERIN. Wieder war ihr Antlitz durch die sehr langen Haare verborgen. Genauso hüllte ihr Haar den ganzen Körper ein. Und dann ertönte ihre liebliche Stimme. „Hallo, meine lieben Freunde, ich grüße euch. Leider kann ich nicht viel zu der neuen Geschichte beitragen. Aber sobald die Uhr Mitternacht schlägt, sende ich euch einen guten Freund und Helfer. Wenn der letzte Ton der Turmuhr verklungen ist, wird er ans Schlosstor klopfen. Aber nun muss ich euch wieder verlassen. Ihr werdet auch diese Abenteuer hinter euch bringen, vielen Gefahren begegnen, aber lasst euch von eurem Herzen leiten, dann wird alles gut…“ Das Wörtchen ‚gut’ war nur noch ein leiser Hauch, da war auch schon der Lichtkreis wieder leer und die HEIMLICHE HERRSCHERIN entschwunden. Das kleine Küken hatte vorhin, vor lauter Erschrecken eine kleine Flaumfeder verloren. Und die lag jetzt da, wo eben noch die HEIMLICHE HERRSCHERIN gestanden. Nur war die Feder jetzt von einem goldenen Glanz überzogen. Das kleine Küken nahm die besondere Feder mit dem Schnäbelchen auf und verschwand ganz schnell mit ihrer Beute. Alle rätselten nun, wer den wohl um Mitternacht ans Schlosstor klopfen würde. Ja, wer mochte der unbekannte oder bekannte neue Gast sein? Wer konnte überhaupt helfen, eine Spur von Iruka zu finden? Fortsetzung folgt!
#99AuthorEdmond Dantes20 Jul 05, 06:27
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Je näher der Zeitpunkt rückte, umso leiser wurden die Gespräche, sanken auf ein kaum vernehmbares Wispern und Flüstern heran. Jeden Moment musste doch die Turmuhr schlagen. Selbst der Schein der Fackeln, Ampeln und Kerzen hatte sich, so schien es zumindest, der Stimmung angepasst. Alles war gedämpft. Gerade wollte Königin Nachteule etwas sagen, da… gab es draußen einen furchtbaren Schlag, der das Eulchenschloss in seinen Grundfesten erschütterte. Wieder gab es einen mächtigen Schlag. Und noch einen. Ein Erdbeben? Der Weltuntergang? Jetzt erhellten himmlische Lichter den Raum. Fahle, sehr lange, gezackte Blitze. Der Wind heulte um die Ecken des Schlosses. Fensterläden klapperten (teilweise auch die Zähne der Schlossgäste), Türen knallten, Fenster klirrten. Der Schrei einer Eule klang vom Wald herüber. Königin Nachteule antwortete prompt, es steckte halt in ihr drin. Pferde wieherten. Ein Hund jaulte lange und laut. Dann antworteten seine Brüder und Schwestern. Von überall her. In der Schlossküche krachten gerade ein paar Porzellanschüsselchen zu Boden. Dann ein Klatschen, sowie das Geschrei und Gejammer des Küchenjungen. Dem Küchenchef war mal wieder die Hand ausgerutscht. Es hätte doch schon lange Mitternacht schlagen müssen? Oder war das in dem ganzen Lärm untergegangen? Da war doch was an der Türe? Ein Geräusch? Derjenige, der da auf den Schlosssaal zukam, besaß aber einen eigenartigen Schritt! Und dann…bewegte sich etwas durch die geschlossene Saaltüre. Er war es. Er war es wirklich. Brauchte noch nicht einmal die Türe zu öffnen. Das dunkle Cape, der Hut mit der Feder, der goldene Zierdegen, auf dessen Knauf eine sonderbare und haarige Hand ruhte. Er lüpfte den Hut, neigte sich leicht in der Hüfte. Mit einem lässigen Schwung, verbunden mit einem bizarren Lächeln, grüßte er in die versammelte Runde. Fortsetzung folgt!
#100AuthorEdmond Dantes21 Jul 05, 14:02
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Lyri stand etwas abseits. Aber seine Augen waren überall, ihnen entging nichts. Nach seinem umjubelten Auftritt hatten sich die Ereignisse überschlagen. Er war nur Hausgast. Durch die Einladung von Lady Daisy. Was er bisher schon alles erlebt hatte. Ganz etwas anderes als die üblichen Wirtshausschlägereien, die Zänkereien zwischen Eheleuten und Liebespaaren. Selbst die Begegnungen mit all den Strauch- und Tagedieben, den Beutelschneidern, den Betrügern und Großmäulern war nichts gegen diese magischen und mysteriösen Vorkommnisse, die er hier erleben durfte. Was würde er darüber für Verse und Lieder schreiben können. So eine Fülle von Stoff. Aber der Auftritt von IHM, der war kaum noch zu überbieten. Als Er durch die Türe trat, tatsächlich durch die geschlossene (!) Türe, hatte Lyrie überhaupt nicht gemerkt, das da im geschwenkten Hut im Abstand von etwa der Breite einer Männerfaust zwei Löcher drin waren. Jetzt wusste er auch, wozu die Löcher dienten! Denn da stand der Gehörnte. Auch die Geräusche vor der Türe erklärten sich. Der Gang der Bocksbeine. Na klar. Im Zwielicht war die Hautfarbe nicht zu erkennen gewesen. Rot. Da stand der rote Teufel. Und grinste verzerrt. Die charmante Gastgeberin des kleinen Schlossfestes trat auf den roten Teufel zu. Gerade streckte sie die Hand zum Gruße aus, da kam ihr der Gehörnte zuvor und winkte ab. „Liebste Königin Nachteule, leider darf ich euren Gruß so nicht annehmen und erwidern. Es würde euch nicht wohl bekommen. Darum nehmt noch einmal meine Verbeugung als Freundschaftsbeweis. Ein wenig näher dürft ihr herantreten. Aber nur ein kleines Stück. Ansonsten würde euch mein inneres Feuer vernichten. Leider vermag auch die HEIMLICHE HERRSCHERIN es nicht, mir in dieser Gestalt meine Höllenqualen zu nehmen.“ Fortsetzung folgt!
#101AuthorEdmond Dantes26 Jul 05, 07:02
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Der rote Teufel erzählte weiter: „ Aus einem bestimmten Grund hat mich die HEIMLICHE HERRSCHERIN zu euch geschickt. Ihr ist es leider nur gegeben, im Zauberwald für Ordnung zu sorgen. Und ein ganz klein wenig darüber hinaus. So wie hier. Oder im Mühldorf. Es liegt, soweit ich das weiß, an den unterirdischen Wasser- und Erzadern. In die Luft können wir nicht, denn da haben sich die Luftgeister gegen uns verschworen. Und noch jemand, der sie dazu angestiftet hat. Wir müssen über Land und Meer. Nur so können wir Iruka finden und ihr zu ihrem Reich verhelfen. Dazu darf ich jetzt erst einmal alle Anwesenden vor das Schloss bitten. Für unsere Reise, besser gesagt, für unsere Rettungs- und Suchaktion, müssen wir an ein geeignetes Fahrzeug kommen. Und mir ist die Macht gegeben, solch ein Fahrzeug zu finden. Und es zu lenken!“ Mit diesen Worten griff der rote Teufel an seinen Degenknauf, der in einem rubinroten Edelstein endete. Der rote Teufel drehte und zog. Dann hatte er einen Gegenstand in der Hand, der einem ca.15 cm langen Spitzkegel entsprach. Vor dem Schlosstor richtete der Teufel die Spitze nach vorne und zur Erde geneigt. Der Edelstein glühte in sanftem Feuer. Langsam ließ der rote Teufel die Spitze nach links, dann nach rechts wandern. Als der Teufel den äußersten rechten Punkt erreicht hatte, flammte der rubinrote Stein in einem unirdischen Feuer. Der Teufel murmelte jetzt archaisch Worte, in einer unheimlich kehligen Sprache. Und die Freunde um Königin Nachteule warteten gespannt, was in den nächsten Minuten passieren würde. Erst einmal rührte sich absolut nichts. Dann erzitterte die Erde. Dumpfes Grollen drang an die Ohren der Wartenden. Doch in der Dunkelheit zeigte sich nichts. Fortsetzung folgt!
#102AuthorEdmond Dantes28 Jul 05, 09:47
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Aus der Ferne kam etwas groß, dunkel und unheimlich heran. Dann schälten sich langsam Umrisse aus der Finsternis. Aber,…konnte das sein? War es tatsächlich der Weltenwurm, der aus den tiefen der Erde kam? Der Schlangenhals. Der schmale Kopf, der ein wenig an einen Drachen erinnerte. Seltsam leuchtende, irisierende Augen, die trotzdem irgendwie leblos und starr wirkten. Dann schien das langhalsige Wesen einen sehr gedrungenen, breiten Körper zu besitzen. Erdbrocken spritzen die versammelten Beobachter voll. Sie wichen verschreckt zurück. Schneller als ein durchgehender Vollblüter kam das Untier heran. Außer den Geräuschen der umher fliegenden Erdkrume war nichts zu hören. Dann stoppte das Vieh so plötzlich, als wäre es gegen eine unsichtbare Wand geprallt. Es war nicht der Weltenwurm. Kein Urzeitdrache. Kein Monster. Es war ein Schiff. Ein Schiff, das über Land fuhr. Nun erkannten es auch einige der Anwesenden. Es war ein Drachenboot. So eines, mit denen die Wikinger über die Meere schipperten. Das Boot schien intakt. Nur das breite, gestreifte Segel fehlte. Die leuchtenden Augen im grob geschnitzten Drachenkopf entpuppten sich als bunte Steine. Der Rumpf ragte vor den Freunden hoch auf. Aber mit einigen Haken und Seilen war das Drachenboot schon geentert. Die durchgehenden Ruderbänke waren leer. Niemand an Bord. Schnell schaffte man aus Küche und Keller Vorräte für die Reise heran. Der rote Teufel drängte auf baldige Abreise. Auch Lyri ging mit den anderen an Bord, denn dieses Abenteuer wollte er sich nicht entgehen lassen. In seinem Taschentuch als Nestersatz war sicher das kleine Küken an seinen Gürtel gebunden, nur das vorwitzige Schnäbelchen schaute hervor. Alle fanden ausreichend Platz auf den breiten Bänken. Der rote Teufel stand neben dem Mast und setzte nun den Spitzkegel in den Mastbaum. Mit der Spitze nach vor. Dazu murmelte er leise. Und schon setzte sich das Boot langsam in Bewegung. Wurde schneller. Noch schneller. Fortsetzung folgt!
#103AuthorEdmond Dantes01 Aug 05, 09:28
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Sie waren schon mehrere Tage unterwegs. Sowohl über Wasser, wie über Land. Das stabile Wikingerboot fuhr ohne Segel und Ruder. Aber auch ohne Kompass. Der rote Teufel beobachtete den Edelstein im Spitzkegel sehr genau. Immer wieder nickte er und murmelte vor sich hin. Waren es Beschwörungen? War ein Geist im Edelstein? Oder besaß das Boot eine Seele? Bisher war die Reise ohne Probleme verlaufen. Aber anscheinend näherte sich das Schiff einem wichtigen Zielpunkt, denn es verlangsamte stetig seine Geschwindigkeit. Im Moment ging es durch einen dichten Wald. Das war aber weiter kein Hindernis. Selbst die dicksten Bäume bogen sich wie Schilfstangen. Hinter dem Boot richteten sich die Bäume wieder in ihre ursprüngliche Position auf. Lyri beobachtet zusammen mit Lady Daisy und der Königin Nachteule alles ganz genau. Es war ein faszinierender und sehr seltsamer Anblick. Die restliche Besatzung saß noch auf den Ruderbänken und verzehrte ein vorzügliches Frühstück. Dann stoppte das Boot so plötzlich, dass einige beinahe von den Bänken purzelten.
Es war ein Kreuzweg, mit einem verwitterten Richtungsschild. Wohin die ausgetretenen Pfade führten, war nicht zu erkennen. Da ertönte hinter den Bäumen ein Vogelgezwitscher. Das fröhliche Tirilieren wurde von einer hellen Mädchenstimme begleitet. Sie sang ganz wunderbar. „In Neut, in Neut, da haben die Leute Freud. Da wird das beste Bier gebraut, nicht nur wenn man dort Hochzeit hält. Da fließt das Bier, wie aus einer Quell, für die einen dunkel, für die andren hell. Auch der Zubiss ist famos, die Schinken sind besonders groß. Und siehst du erst das leckere Brot, dann weißt du: in Neut herrscht keine Not. Neut liegt am blauen See, juchheißa und juchhe, da rudert man hin mit einem Boot, in Neut herrscht keine Not!“ Fortsetzung folgt!
#104AuthorEdmond Dantes01 Aug 05, 09:29
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Die Sängerin und die Pfeiferin, denn es waren zwei junge Damen, die da hinter den Bäumen an der Wegkreuzung auftauchten, staunten nicht schlecht. Denn das Wikingerboot dümpelte auf dem Waldboden genau wie in einem Hafen vor sich hin, obwohl das Wasser fehlte. Der rote Teufel hatte sich dezent in den Hintergrund verzogen, er wollte die beiden Wanderer mit seinem außergewöhnlichen Anblick nicht erschrecken. Er vermutete aber, dass diese Begegnung für ihre Reise ungeheuer wichtig war. Ansonsten hätte das Drachenboot bestimmt nicht hier gehalten. Ob das Städtchen Neut am See der nächste Zielort war und sie auf der Suche nach der Meeresprinzessin Iruka weiter brachte? Man würde schon sehen…
So begrüßte also Königin Nachteule von der Reling herab die beiden Mädchen. Da der rote Teufel ihr zuvor einen entsprechenden Wink gab, stellte sie Fragen nach dem Lied über Neut, nachdem die eine der beiden Frauen sich als Trottele und ihre Begleiterin als Lady_Bird vorgestellt hatte. Trottele kannte die Stadt Neut am See auch nur aus dem überlieferten Lied. Sie wusste die ungefähre Richtung. Dieses Geheimnis entlockte sie einem Großonkel, der auch immer dieses Lied gesungen hatte. Denn in der Stadt, da wo die Ruine einer verfallenen Burg steht, hauste der Magier La.Ktho. Er war der einzige Mensch auf Erden, der Lady_Bird von ihrem Fluch erlösen konnte. Als kleines Kind spottete Lady_Bird einmal über eine arme Frau, die krumm und bucklig war, auf deren etwas erhöhter linken Schulter ein Rabe saß.
Fortsetzung folgt!
#105AuthorEdmond Dantes04 Aug 05, 10:54
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Da sprach die Hexe, denn es war eine richtige Hexe: „Du sollst die Sprache der Menschen verlieren, weil du gespottet hast. Nur noch die Sprache der Vögel sollst du beherrschen, tirilieren und pfeifen. Verstehen sollst du meine gefiederten Freunde nicht. Und die Menschen werden ob deiner Rede den Kopf schütteln. Da wirst du am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, ein Unikum zu sein! Wenn du aber den Magier La.Ktho aufsuchst, von dem ich dir nicht sage, wo er zu finden ist, kann er dich, wenn er mag, von diesem Fluch erlösen!“ Schon war es passiert. Seit diesem Tag konnte Lady-Bird zwar die Menschen in ihrer Umgebung verstehen, aber nicht mit ihnen reden. Dafür pfiff sie, wie eine Amsel, ein Rotkehlchen oder wie eine Nachtigall. Manchmal krächzte sie auch wie ein Rabe oder schimpfte wie ein Rohrspatz. Und hatte schon manchen Vogel in Wald und Flur damit irritiert. Trottele war die beste Freundin von Lady_Bird und bekam nach langen Forschungen heraus, wo der Magier zu finden war. Eben im Städtchen Neut am See. Königin Nachteule drehte sich herum und suchte die Augen des roten Teufels im Hintergrund. Der zwinkerte ihr zu. „Wenn ihr wollt, könnt ihr mit uns reisen. Falls ihr keine Angst vor unserem Gefährt habt.“ Auf das Angebot von Königin Nachteule ließen sich die beiden Frauen gerne ein, denn eine weite Wegstrecke lag schon hinter ihnen. Ihre Arme waren zerkratzt, die Füße waren wund und das Schuhwerk zerfetzt. Auch ihre Mägen knurrten, die Reisezehrung hatte nicht lange vor gehalten, so dass nur Beeren, Wurzel und Quellwasser in den letzten Tagen ihre einzige Nahrung waren. Die Männer ließen Seile herab und halfen den Frauen an Bord. Und schon setzte sich das Wikingerboot wieder langsam in Bewegung. Während die beiden Frauen mit einigen guten Bissen versorgt wurden. Ging die Reise jetzt wirklich nach Neut am blauen See? Was erwartete die Freunde dort? Wohnte da tatsächlich der Magier La.Ktho? Und konnte, wollte der Magier der verfluchten Lady_Bird helfen? Hoffentlich fand sich auch eine Spur von Iruka!
#106AuthorEdmond Dantes04 Aug 05, 10:55
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Das Wikingerboot machte gute Fahrt. Jetzt ging es schon einige Zeit über weißen Sand. Sand, Sand und noch mal Sand. Sonst nichts. Und dann kam eine weite, tiefblaue und endlos scheinende Wasserfläche. Die Wellen waren flach und träge. Das Boot schwankte ganz leicht, als ob es tatsächlich in der Dünung schwamm. In Wirklichkeit war aber zwischen Boot und Wasser nichts, außer einem Streifen Luft. Die Mitfahrer genossen die Fahrt, natürlich litt niemand an der Seekrankheit. Gerade brachte Lyri ein paar neue Lieder zum Vortrage, die er aus den Ereignissen auf dem Schloss von Königin Nachteule komponiert und getextet hatte. Selbst der rote Teufel, der sich über einige Stellen im Liedtext, die sich auf sein Auftauchen bezogen, köstlich amüsierte, konnte ein Grinsen nicht unterlassen. Diese Unterfangen misslang natürlich völlig. Der rote Teufel war eben der rote Teufel. Da gehörte eben auch die besondere Physiognomie dazu. Seltsamerweise nahm Lady_Bird den roten Teufel gelassen hin. Aber ein anerkennender Pfiff kam aus ihrem schönen Mund, als sie seiner ansichtig wurde. Ihre Freundin Trottele hielt sich auffallend zurück. Einmal stand sie am Bug und blickte sehnsüchtig in die Ferne, da trat der rote Teufel hinzu. So weit es ihm möglich war. Und er sagte etwas, das nur ihre Ohren verstehen konnten. Ab da waren die beiden Freunde. Auch an dem Tag, von dem jetzt berichtet werden soll, standen die beiden wieder vorn, nah am geschnitzten Drachenkopf. Trottele sah es zuerst, denn der rote Teufel, mit etwas Abstand hinter ihr, war in eine innige Betrachtung der hübschen, jungen Dame vertieft. „Eine weiße Wand. Da, vor uns. Unser Boot hält geradewegs darauf zu. Sie wird uns verschling…!“ Schon war das Boot in die Wand eingedrungen. Fortsetzung folgt!
#107AuthorEdmond Dantes05 Aug 05, 10:23
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Der rote Teufel versuchte noch, zum Mast, in dem der Rubin steckte, herüber zu springen, doch der beherzte Versuch war ohne Sinn. Zu spät…Wie eine erhitzte Messerklinge ohne Widerstand durch Butter gleitet, genau so glitt das Wikingerboot durch weiße Masse. Die undurchsichtige Masse, die kein Nebel war, aber einige später wie verdickte, klebrige Milch beschrieben, verschluckte alle und alles. Niemand konnte sich bewegen. Oder sprechen. Auch die Seh- und Denkfähigkeit setzte aus. Ob es nun eine kleine Ewigkeit war oder Bruchteile von Sekunden dauerte, wusste später niemand zu sagen. Alle spürten nur die Fortbewegung des Bootes, das unbeirrt am eingeschlagenen Kurs festhielt. Und jedem stach eine kalte Nadel ins Herz. Selbst der rote Teufel, der vor innerem Feuer glühte und anstatt des Herzens etwas völlig unbegreifliches trug, verspürte die intensive Kälte. Dann war das Boot hindurch. Eine veränderte Landschaft bot sich den Augen der Reisenden dar. Eine weite Ebene mit saftigem Gras. Niedrige Hügel und Wälder in der Ferne. Menschenleer. Wilde Pferde sprengten in einer kleinen Gruppe herum. Auch Hasen verschwanden schnell aus dem Blickfeld der Reisenden, als die Mümmelmänner den Schatten des Wikingerbootes bemerkten. Später tauchen große Schafherden auf, die ruhig weideten, während Hunde die Herde bewachten und für Ordnung sorgten. Kein Schäfer. Nirgendwo. Keine Menschenseele. Dann tauchte der See auf. Im tiefblauen Wasser schwammen silbernen, goldenen und bunt schillernden Fische. Mitten im See eine riesige Insel. Gebäude. Die von der Sonne, die von einem klaren, unbedeckten Himmel herunter schien, in zauberisches Licht getaucht wurden. Die Häuser besaßen alle einen glasartigen Überzug. Auch die Straßen und Plätze. Und die Brunnen.
#108AuthorEdmond Dantes08 Aug 05, 11:04
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Was war das für eine Stadt? War es Neut. Das Boot glitt weiter durch die menschenleeren Straßen. Alle hatten mit belebten Straßen und Plätzen gerechnet. Mit städtischem Getriebe. Zumindest jetzt, wo das Boot an den prächtigen Bürgerhäusern vorbeischaukelte, hätte sich doch in den Häusern etwas regen müssen. Niemand zeigte sich an den bunten Fenstern oder auf den verzierten Balkonen. Teilweise waren die Läden und die Fenster offen. In den gut eingerichteten Wohnungen sah man hübsche, gediegene Möbel, nur keine Bewohner. Wo waren die Einwohner dieser Stadt? Alles machte den Eindruck, als wären die Bürger mal kurz irgendwohin gegangen. Nur, wo hin? Seltsam war aber auch, hier gab es keine Haustiere. Kein Hund lief durch die Gassen, keine Katze sonnte sich auf dem Dach, kein Hahn lief gackernd durch einen Hof und jagte die Hennen. Keine Ente watschelte herum. Kutschen oder Pferdewagen waren nicht zu sehen. Auch kein Ochsengespann. Noch nicht einmal die Spitze eines Mauseschwänzchens zeigte sich. Vorher konnten die Reisenden auf der Ebene Vögel beobachten. In der Stadt keine Tauben, die gurrten. Oder sich streitende Spatzen. Mitten auf dem zentralen Platz der Stadt, wo gemauerte Marktbuden standen, blieb das Boot stehen. Obwohl Ritter Edward zur Vorsicht gemahnte und erst einen Erkundungstrupp aussenden wollte, denn die ganze Sache war ihm nicht geheuer, wurde er von den Mitreisenden überstimmt. Trotzdem setzte er durch, dass diejenigen, die mit einer Waffe ausgestattet waren und damit umgehen konnten, die Vor- und Nachhut übernahmen und die Gruppe zusammen blieb. Fortsetzung folgt!
#109AuthorEdmond Dantes08 Aug 05, 11:04
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Sie durchsuchten Wohnungen, Ladengeschäfte, Wirtshäuser und Stallungen. Jeder der Gruppe rief: „Hallo, jemand da?“, „Juhu, ist da wer zu Hause?“ oder „Meldet euch doch!“ Der eine Pfiff schrill, der nächste trommelte auf Türen und Fensterläden. Keine Antwort. Es rührte sich einfach nichts. Jeder Raum, jedes Haus war menschenleer. Zwar waren in den Privathäusern nicht noch Töpfe und Pfannen auf dem erkalteten Herd, alles war ordentlich und sauber, aber trotzdem hatte man den Eindruck, die Bewohner wären nur mal gerade eben zum Nachbarn hinüber auf ein kleines Schwätzchen. Nur sah es beim Nachbarn ebenso aus. Niemand schien hier überhastet verschwunden zu sein. Nirgendwo lagen Gegenstände unordentlich herum. Da man auch in den Nebenstraßen und kleinen Gässchen nicht fündig wurde, zog sich die Gruppe wieder zum Marktplatz zurück. Ein sehr hohes und reich verziertes Haus mit einer Freitreppe stellte bestimmt das Bürgerhaus dar. Darin fanden sich auch verlassene Schreibstuben. Die Pulte machten aber ebenfalls einen aufgeräumten Eindruck. Im Ratssaal, denn etwas anderes konnte der Raum nicht darstellen, fanden sich auch keine Hinweise über den Verbleib der Bürger. Nur bewiesen mehrere Urkunden und Schriftstücke unzweifelhaft, dass man in Neut gelandet war. Eine Seltsamkeit war aber überall der glasartige Überzug auf allem, egal ob auf Holz, Metall oder Stein. Wo Klopfer an der Türe waren, ließen sich diese nicht betätigen. Klingeln und Läutwerke funktionierten ebenfalls nicht. Nur in den Häusern, wenn sie denn verschlossene Fenster hatten, fand sich dieser Überzug nicht. Da wo der Wind hinein pfeifen konnte, war dieser Belag auch auf Tischen, Stühlen, Betten, auf allen Gegenständen. Auch die gepflasterte Hauptstraße wies diesen eigentümlichen Belag auf. Er war sehr glatt und rutschig. Keiner der Reisenden hatte so etwas je zuvor gesehen! Fortsetzung folgt!
#110AuthorEdmond Dantes09 Aug 05, 05:35
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Die gesamte Mannschaft zog sich erst wieder einmal auf das Wikingerboot zurück und nahm eine Mahlzeit aus den mitgebrachten Vorräten ein. Der rote Teufel probierte mit dem Edelstein am Mast herum, nur rührte sich das Boot keinen Millimeter von der Stelle. Hier war wohl noch nicht alles erledigt. Während des Essens sinnierte eine Gruppe um Edward, Austria Joe und Vikunja über das weitere Vorgehen. Da Lady Daisy mit Trottele und Lady_Bird nahe bei war, wies Lady Daisy noch einmal explizit auf das besondere Problem von Lady_Bird hin, die junge Dame kommentierte diesen Einwurf mit einen Triller. Ritter Edward befragte jetzt Trottele eingehend, was sie über Neut, die Ruine und dem Magier La.Ktho noch wusste. Aber da kam leider nicht viel zusammen. Bisher war auch niemand von den Reisenden etwas von einer Burgruine aufgefallen. Vom Wikingerboot aus hatte keiner bei der Ankunft etwas von einer verfallenen Burg in der Umgebung bemerkt. Vielleicht, so Ritter Edward, müsste man noch einmal das Bürgerhaus genauer unter die Lupe nehmen, da dürfte sich doch bestimmt irgendwo ein Hinweis über die Burg in den Unterlagen finden. Aber einer in der Gruppe, der etwas größer als seine Mitreisenden war, ließ seine Augen nicht von einem bestimmten Punkt in der Ferne. Und er besaß nicht nur sehr gute Augen. Im Bürgerhaus hatte Lyrie vorher zufällig in einem alten Dokument eine kleine Karte entdeckt. Und sich die Geländemerkmale genau eingeprägt. Seit der Rückkehr zum Boot beobachtete er unablässig, ließ seinen Blick nicht von einer bestimmten Hügelgruppe. Und nun wurde seine Mühe belohnt. In nordöstlicher Richtung war über einem der Hügel ein dünner Rauchfaden zu erkennen. Und wo Rauch ist, da ist nicht nur ein Feuer, da sind wahrscheinlich auch Menschen. Fortsetzung folgt!
#111AuthorEdmond Dantes11 Aug 05, 10:14
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Ritter Edward stellte einen kleinen Stoßtrupp zusammen. Vorsicht war geboten. Falls es der Magier La.ktho war, musste er nicht unbedingt begeistert auf die Besucher reagieren. Es konnten Bürger von Neut sein. Oder auch diejenigen, die für das Verschwinden der Bürger verantwortlich waren. Austria Joe und Vikunja, die alten Kampfgefährten, waren natürlich mit von der Partie. Auch Lyri, der Entdecker, ließ es sich nicht nehmen, dabei mit zu machen. Daisy eröffnete eine Charmeoffensive, der Ritter Edward prompt erlag. So pirschte sich das Quintett etwas später langsam durch das Unterholz an die Feuerstelle heran. Niemand war zu sehen. Doch die Dinge, die da im Gras lagen, ließen nur auf wenige Personen schließen. So gab Ritter Edward, in Absprache mit seinen Begleitern, die Deckung auf und zeigte sich. Kaum war Edward hinter ein paar dichten Sträuchern aufgetaucht, fing er sich einige saftige Wangenküsse ein. Verdutzt schaute er zu der hübschen Frau hin, die ihn da so hinreißend und liebevoll begrüßte. Ehe er sich versah, busselte die Maid weiter. Die zärtlichen Liebkosungen nahmen kein Ende. Das trieb endlich auch Lady Daisy aus dem Gebüsch heraus. Fast gleichzeitig tauchte eine weitere Frau auf, die während ihres Laufes rief: „Gerettet! Endlich! Wie schön! Menschen!“ Als sie bei Daisy angelangt war, nahm sie die Lady in die Arme und begrüßte sie herzhaft. „Unsere Retter! Dem Himmel sei Dank!“ Später stellte sich die Frau als MickeMuh bei Lady Daisy vor. Sie war mit ihrer Freundin Nick, so hieß die Hübsche, die Edward so stürmisch begrüßt hatte, zum Kräutersammeln unterwegs gewesen. Denn MickeMuh war in Neut berühmt für ihre auf ganz besondere Art gewürzten Speisen. Ihre Freundin Nick versah am Tage den Dienst als Feuerwehrfrau. Nebenher bekleidete sie noch den Posten des Nachtwächters. Als sie an dem bewussten Morgen aufbrachen, war Neut noch ein normales Städtchen. Als sie von ihrem Ausflug heimkehrten, war die Katastrophe geschehen. Alle Bürger verschwunden. Und alles mit diesem glasartigen Überzug versehen.
#112AuthorEdmond Dantes11 Aug 05, 10:15
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Austria Joe, Lyri und Vikunja waren mittlerweile auch aus dem schützenden Dickicht hervor gekommen. Jetzt tauchte auch wieder die Frage nach der Burg und dem Magier La.ktho auf. MickeMuh und Nick kannten natürlich die Burgruine. Aber von einem Magier La.Ktho hatten sie noch nie etwas gehört. Die Ruine war nicht weit weg und so machte sich die kleine Gruppe auf den Weg dahin. Eine Besonderheit konnten die beiden Neuterinnen trotzdem hervorheben. Es war der ehemalige Ostturm der Burg, der ganz aus Metall gewesen sein soll. Doch der war auch verschwunden. Dafür befand sich an der Stelle nur noch ein See, der den Turmkeller füllte. Das besondere, der See war aus Quecksilber. Und mitten im See wuchs ein Dornbusch. Da die kleine Frau Nick den Ritter Edward nicht aus ihrer innigen Umarmung ließ, schnappte sich Lady Daisy die beiden Kampfgefährten Joe und Vikunja, während Lyri galant der netten MickeMuh seinen Arm anbot. Die Mauern der Burg waren verfallen und teilweise von Efeu und anderer Flora überwuchert. Der Westturm zur Hälfte eingestürzt. Nichts stand mehr von den Wohngebäude und Stallungen, aber man konnte noch Umrisse erkennen. Hier konnte kein Magier wohnen! Endlich erreichte die Gruppe die Stelle, an der einst der Ostturm gestanden hatte. Und tatsächlich, hier war ein kreisrunder, silbern schimmernder See. Und da war auch der hüfthohe Dornbusch in der Mitte. Der war ebenfalls silbern, aber mit einigen roten Blüten versehen. Als Lyrie näher an den See trat, bemerkte er ganz leichte Wellen auf der Oberfläche. Dann rief er leise: „La.Ktho? Wo bist du?“ Mehrmals. Es rührte sich nichts. Fortsetzung folgt!
#113AuthorEdmond Dantes18 Aug 05, 11:12
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MickeMuh und ihre Begleiter bekamen beinahe Stielaugen, denn im See zeigten sich erst eigentümliche Wirbel, dann bildeten sich Buchstaben, die sich dann endlich zu lesbaren und verständlichen Worten formten. WER STÖRT LA.KTHO HAT MAN DENN NIEMALS SEINE RUHE WAS WOLLT IHR, stand da deutlich zu lesen, wenn auch leicht verschwommen. Der Magier war gefunden. Ob er wirklich helfen konnte? Ehe einer aus der Gruppe antworten konnte, raschelte es im Dornbusch, den jetzt ein heftiges Zittern durchlief. Die Blüten waren so gruppiert, dass sie in etwa einem stilisierten Gesicht entsprachen. Das bemerkte aber erst nur Lyri, der ein hervorragender Beobachter war. Er wies seine Begleiter darauf hin. Da, wo dann die Augen sein mussten, öffneten sich am Dornbusch die beiden Blüten und drehten sich zu den Anwesenden hin. Die mittlere Blüte, die wohl den Platz der Nase einnahm, wurde etwas gerümpft (so kam es den Freunden zumindest vor), war sehr lang, gekrümmt und hing stark nach unten. Ein Tautropfen zierte die Spitze. Die allergrößte der Blüten, sehr schmal, etwas wulstig und lang, die quer unter der Nasenblüte lag, bewegte sich, öffnete sich aber nicht. Dann erklang ein vernehmliches Räuspern, das anschließend in einen grollenden Husten überging. Jetzt schmatzten die Blütenlippen. „Hrrmmm, öch, grrrm, ach, ruuuuuch“ So, oder ähnlich entrangen sich den Lippen eigentümliche Geräusche. Kurz blieben die Lippen geschlossen. Dafür tat sich aber etwas dahinter. Wieder räuspern. Endlich öffneten sich die Blütenlippen.
„So, hrm, hrrm, jetzt dürfte es gehen, ich bin das seit Ewigkeiten nicht mehr gewohnt!“ Fortsetzung folgt!
#114AuthorEdmond Dantes18 Aug 05, 11:14
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Gerade wollte Lyri anfangen zu erzählen und natürlich auch einige Fragen stellen, als im Hintergrund rauschte und raschelte. La.Kthos Blütenaugen quollen fast aus dem Busch, starrten riesig hervor und der Blütenmund blieb vor Staunen weit offen stehen, als sich das Wikingerboot durch den Wald Bahn bracht. Obwohl das eigentlich falsch ausgedrückt ist, denn die Bäume und Büsche neigten sich nur sanft zur Seite. Endlich hielt das Boot in der Nähe von Lyri und seinen Begleitern, in einiger Entfernung vom Quecksilbersee und der rote Teufel sprang elegant und schwungvoll vom Deck, berichtete kurz. Eigentlich war aber nicht viel zu berichten. Die Mannschaft wartete ungeduldig auf die Rückkehr des Erkundungstrupps. Doch es tat sich nichts. Der rote Teufel versuchte, die aufkeimenden Diskussionen zu unterdrücken. Denn irgendwie war es der Mannschaft langweilig an Bord. In Neut tat sich überhaupt nichts. Und die Freunde kamen nicht zurück. Und der rote Teufel hatte verboten, weiter das Städtchen zu erkunden. Oder einen weiteren Trupp hinter Edward und seinen Begleitern her zu schicken. In diesem Punkt wurde er kräftig von Königin Nachteule unterstützt. Aber eines nervte doch, Lady_Bird war unruhig, trällerte, tirilierte, pfiff und zwitscherte, brachte Unruhe in die Gruppe, die sich bisher doch so gesittet verhalten hatte. Ihrer Freundin Trottele gelang es nicht, das verzauberte Mädchen zu beruhigen. Und in einem unbeobachteten Moment, als Trottele schon dachte, sie hätte es endlich geschafft, Lady_Bird ruhig zu stellen und sie ein Getränk für ihre Freundin holen wollte, war es dem verhexten Mädchen beinahe gelungen, unbemerkt von Bord in Richtung Wald zu flüchten.
#115AuthorEdmond Dantes22 Aug 05, 11:01
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Buffy und Steffal sahen zufällig den Fluchtversuch von Lady_Bird. Mit lauten Rufen gelang es ihnen, den roten Teufel darauf aufmerksam zu machen. Dem roten Teufel, sowie einigen anderen aus der Mannschaft gelang es buchstäblich in letzter Sekunde, die junge Frau zurück zu halten, ehe sie im dichten Unterholz verschwunden war. Um für diese Aktion die Hände frei zu haben, steckte der rote Teufel den Rubin in den Mast. Als dann die Mannschaft wieder vollzählig an Bord war, setzte sich das Wikingerboot selbsttätig in Bewegung. Und folgte der Spur von Ritter Edward und seinen Getreuen. „Ihr könnt keine Bürger von Neut sein!“, stellte die Stimme aus dem Busch fest. Dies sorgte für einige Verwirrung bei der Bootsbesatzung. So musste Lyri erst einmal erklären und stellte La.Kto vor. Verwirrt stammelte der Blütenmund im Dornbusch: „Ihr, …ihr seid durch den ‚Wall der Träume’ gedrungen? Ja, hab mal davon gehört, da gibt es Strömungen, die man mit Magie überwinden kann. Der Bürgermeister von Neut hat sich da mit ein paar Luftgeistern zusammen getan. Die kamen auch von Drüben. Helmfried, so sein Name, ist sehr gierig. Und dann haben die Neut zugeschlagen. Helmfried dachte, er könnte sich die Schätze der Neut unter den Nagel reißen. Der wollte immer mehr. Doch die Neut haben sich das nicht gefallen lassen. Sie haben in der Nacht die Bürger der Stadt in ihre Höhlen geholt und alles versiegelt. Habt ihr es nicht bemerkt? Die Versiegelung stößt tierisches Leben ab, um die ganze Stadt ist ein weiter Kreis gezogen. Wenn die Neuter Bürger ihre Strafe abgesessen haben, und das Jahrhunderte dauern, können sie wieder in das unveränderte Städtchen Neut ziehen. Leider sind die Neut sehr stur, nur wegen Helmfried müssen alle büßen!“ Fortsetzung folgt!
#116AuthorEdmond Dantes22 Aug 05, 11:02
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