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BetrifftKindergedichte294 Antworten    
Kommentar
Es gibt sehr schöne Kindergedichte. Einen Kinderreim-Faden hatten wir ja bereits. Aber Kindergedichte wohl noch nicht. Wer also kennt ein schönes Kindergedicht, das ihr (ihm) besonders gut gefällt und das sie (er) hier beitragen kann? Ein Beispiel:

Kindersand

Das schönste für Kinder ist Sand,
Ihn gibt's immer reichlich.
Er rinnt unvergleichlich
Zärtlich durch die Hand.

Weil man seine Nase behält,
Wenn man auf ihn fällt,
Ist er so weich.
Kinderfinger fühlen,
Wenn sie in ihm wühlen,
Nichts und das Himmelreich.

Denn kein Kind lacht
Über gemahlene Macht.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)


VerfasserHeinz H (243376) 03 Feb 09, 22:29
Kommentar
Hallo Heinz H. Eine schöne Idee, Kindergedichte zu sammeln. Eins hab ich für dich gefunden.

Es schneit

Der erste Schnee, weich und dicht,
Die ersten wirbelnden Flocken.
Die Kinder drängen ihr Gesicht
Ans Fenster und frohlocken.

Da wird nun das letzte bisschen Grün
Leise, leise begraben.
Aber die jungen Wangen glühn,
Sie wollen den Winter haben.

Schlittenfahrt und Schellenklang
Und Schneebälle um die Ohren!
- Kinderglück, wo bist du? Lang,
Lang verschneit und erfroren.

Fallen die Flocken weich und dicht,
Stehen wir wohl erschrocken,
Aber die Kleinen begreifens nicht,
Glänzen vor Glück und frohlocken.

Gustav Falke (1853-1916)
#2Verfasserlyri (236943) 05 Feb 09, 19:47
Kommentar
Guten Abend Heinz,
ja, irgendwie ist es schwierig mit den Kindergedichten.

Ich stelle Dir hier mal einige Links zusammen, denke aber, das meiste davon kennst Du bereits.

http://www.gedichte-fuer-alle-faelle.de/kindergedichte/
http://www.beepworld.de/members/nostalgie/kindergedichte.htm
http://www.kindergedichte.de/

Ich bin nicht sicher, ob es das ist, was Du suchst.
Vielleicht ist ja das Ein oder Andere dabei, was Dir gefällt.

Ein Rätsel, das ich in besonders guter Erinnerungen habe, schreibe ich mal hier raus:

Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879)

Nusssäcklein

Wer will mir mit seinen Backen
Hier das Säcklein Nüsse knacken?
Beißt nur, dass die Schale kracht,
Doch nehmt nur den Kern in acht. -
Welcher Kopf hat keine Nase,
Welche Stadt hat keine Straße,
Welcher laden hat keine Türe,
Welches Netz hat keine Schnüre,
Welcher Flügel hat keine Feder,
Welche Mühle hat keine Räder,
Welcher Mantel hat keinen Kragen,
Welcher Bauer hat keinen Wagen,
Welches Wasser hat keine Quelle,
Welcher Schneider hat keine Elle,
Welcher Hut hat keinen Rand,
Welcher König hat kein Land,
Welche Nadel hat kein Öhr,
Welche Mühle hat kein Wehr,
Welches Pferd hat keinen Huf,
Welcher Hahn hat keinen Ruf,
Welches Pflaster hat keinen Stein,
Welcher Stern hat keinen Schein,
Welches Schiff hat keinen Mast,
Welcher Baum hat keinen Ast,
Welches Fass hat keinen Spund,
Welches Haus hat keinen Grund,
Welcher Mann hat keine Frau,
Welcher Fuchs hat keinen Bau,
Welcher Schimmel hat keinen Stall,
Welche Büchse gibt keinen Knall,
Welche Glocke gibt keinen Schall,
Welcher Acker trägt kein Getreid,
Welche Jungfer trägt kein Geschmeid,
Welcher Mann hat nie ein Kleid?
So, nun packt und knackt gescheit.

(Schönen Gruß von meinem Opa, ich glaube, Du kennst ihn schon :-))

Viel Spaß beim Sichten und Lichten - wollte nicht erschlagend wirken :-(

#3VerfasserChaostranslater (459860) 05 Feb 09, 20:13
Kommentar
Doch, doch, es interessiert schon, hallo zusammen:-)

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
"Heut in der Stadt, da wirst du gaffen,
Wir fahren hin und sehn die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schiefzulachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter,
Wie rechte Bösewichter,
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Pass auf, das siehst du heute."

"O Vater", rief der Knabe,
"Sind Affen denn auch Leute?"

Der Vater sprach: "Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah."
(Die Affen, Wilhelm Busch)
#4Verfassermoustique (308708) 05 Feb 09, 20:54
Kommentar
Na bitte, geht doch. Danke euch. Aber die eingestellten Gedichte betrachte ich nicht als für mich gedacht, sondern zur allgemeinen Erbauung und Freude. Es gibt in diesem Bereich sehr schöne Gedichte. Hier ein weiteres:

Wiegenlied an ein Mädchen

Noch schlinget dich die süße Ruh
In ihren Arm. Vergnügt,
Mein kleines Püppchen, schlummerst du,
Wenn dich die Amme wiegt.

Auf deinen Wangen keimet schon
Ein sanftes Morgenrot,
Das, wenn 12 Lenze dir entflohn,
Mit schönen Fesseln droht.

Um deine jungen Blicke schwebt
Ein Lächeln, welches bald
Dem Stutzer goldne Netze webt,
Der dir entgegenwallt.

Dann öffnen hundert Fenster sich,
Wenn du am Fenster stehst,
Und Blick auf Blick verfolget dich,
Wenn du zur Kirche gehst.

Man lobt, von warmer Lieb entbrannt,
Bald deinen kleinen Fuß,
Bald dein Gesicht, bald deine Hand,
Und wünscht sich deinen Kuss.

Du aber, holder als der Mai,
Der sich in Blüten hüllt,
Mein Püppchen, bleib der Unschuld treu,
Die jetzt dein Herz erfüllt.

Es wimmre der Insektenchor
Des Stutzervolks sich heisch!
Leih nie dein jungfräuliches Ohr
Dem summenden Geräusch.

Die Tugend, die der Himmel minnt,
Schätz über Gold und Rang.
Dann sing ich dir, mein schönes Kind,
Noch einst den Brautgesang.

Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776)

Chaostranslater, wie sollte ich deinen Opa kennen??? grübel, grübel, grübel*
Tolle Links übrigens. Dennoch sollten diese den Faden hier nicht ersetzen. Persönliche Favoriten sind zu bevorzugen.
#5VerfasserHeinz H (243376) 05 Feb 09, 22:04
Kommentar
Lieber Heinz H

mein Opa hat Dich in den 'Herbstgedichten' beeindruckt.
Von die Bäume fall'n die Blätter ...
(Was mich eigentlich überrascht hatte - weil du sonst alles kennst)

Mal sehen, welche Kindergedichte hier noch auftauchen. Langsam werde ich richtig neugierig. Leider bin ich mit meinem Latein - oder meinen Kindergedichten - am Ende :-(

#6VerfasserChaostranslater (459860) 05 Feb 09, 22:28
Kommentar
Der Faden gefällt mir auch, da ich bald Papa werde...

Seid leise...

Seid leise!
Er ist müde von der Reise.
Er kommt von weit her,
vom Himmel übers Meer.
Vom Meer den dunklen Weg ins Land,
bis er die kleine Wiege fand.
Seid leise!
Paula Dehmel (1862-1918)


#7Verfasserwulle (456007) 06 Feb 09, 08:49
Kommentar
......Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt, sagte:
Sprich uns von den Kindern.

Und er sagte: Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht,
sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid der Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und
Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt Er auch den Bogen,
der fest ist.

(aus Khalil Gibran: Der Prophet)
#8Verfassermoustique (308708) 06 Feb 09, 08:52
Kommentar
Ich finde die Gedichte für Kinder von James Krüss wunderbar, zB Der Zauberer Korinte und die ABC-Gedichte. Er fällt aber noch unters Copyright, deshalb kann ich sie hier leider nicht einstellen.
#9VerfasserLiese (238947) 06 Feb 09, 08:55
Kommentar
Die beiden Fliegen

Die Stechfliege
Was schwärmst du denn immer?
Unhöflicher Gast!
Du fällst hier im Zimmer
Entsetzlich zur Last!
Viel Unlust erleiden
Die Menschen durch dich.
So sei doch bescheiden
Und sittsam wie ich!

Die Brummfliege

O bleib mir zu Hause
Mit deiner Moral!
Was macht mein Gesause
Dem Menschen für Qual?
Ihm wär' es erfreulich,
Wenn du mir nur glichst;
Du lebest so heilig,
So ehrbar, und - stichst!

August Friedrich Ernst Langbein (1757-1835)

Chaostranslater, da muss ich doch demnächst mal in den Herbstgedichten schauen, wer dein Opa war. Die angeführte Zeile kommt mir bekannt vor, nur kann ich sie im Moment an niemand bestimmtem festmachen. Übrigens: Ich weiß, dass ich nix weiß. Wenn man wirklich wüsste, was man alles nicht weiß, es würde einen in den Wahnsinn treiben. Bleiben wir also in begrenztem Maße unwissend und wahnsinnsfrei.
Hey wulle, toll. Dann für die werdende Mutter alles Gute!
Liese, James Krüss finde ich auch super. Meine Töchter (besonders die eine) haben ihn auch gerne gelesen.
#10VerfasserHeinz H (243376) 06 Feb 09, 09:34
Kommentar

An das Baby

Alle stehn um dich herum:
Fotograf und Mutti
und ein Kasten, schwarz und stumm,
Felix, Tante Putti ...
Sie wackeln mit dem Schlüsselbund,
fröhlich quietscht ein Gummihund.
»Baby, lach mal!« ruft Mama.
»Guck«, ruft Tante, »eiala!«

Aber du, mein kleiner Mann,
siehst dir die Gesellschaft an ...
Na, und dann – was meinste?
Weinste.

Später stehn um dich herum
Vaterland und Fahnen;
Kirche, Ministerium,
Welsche und Germanen.
Jeder stiert nur unverwandt
auf das eigne kleine Land.
Jeder kräht auf seinem Mist,
weiß genau, was Wahrheit ist.

Aber du, mein guter Mann,
siehst dir die Gesellschaft an ...
Na, und dann – was machste?
Lachste.

Kurt Tucholsky (1890-1935)
#11VerfasserLiese (238947) 06 Feb 09, 10:09
Kommentar
Die mag ich besonders gerne....

Kindergebetchen

Erstes:
Lieber Gott, ich liege
Im Bett. Ich weiß, ich wiege
Seit gestern fünfunddreißig Pfund.
Halte Pa und Ma gesund.

Ich bin ein armes Zwiebelchen,
Nimm mir das nicht übelchen.

Zweites:
Lieber Gott, recht gute Nacht,
Ich hab noch schnell Pipi gemacht,
Damit ich von dir träume.
Ich stelle mir den Himmel vor
Wie hinterm Brandenburger Tor
Die Lindenbäume.

Nimm meine Worte freundlich hin,
Weil ich schon so erwachsen bin.

Drittes:
Lieber Gott mit Christussohn,
Ach schenk mir doch ein Grammophon.
Ich bin ein ungezognes Kind,
Weil meine Eltern Säufer sind.
Verzeih mir, daß ich gähne.
Beschütze mich in der Not,

Mach meine Eltern noch nicht tot
Und schenk der Oma Zähne.

(alle von Joachim Ringelnatz)
#12Verfassermoustique (308708) 06 Feb 09, 13:18
Kommentar
moustique, da bist du mir zuvor gekommen, was aber kein Vorwurf, sondern lediglich eine Feststellung sein soll, sozusagen als Bestätigung der Freude darüber, dass auch andere diese kleinen Juwelen von Ringelnatz schätzen.

Ausfahrt

Schlitten vorm Haus
Steig ein, kleine Maus,
Zwei Kätzchen davor,
So geht's durch's Tor,
Zwei Kätzchen dahinter
So geht's durch den Winter.

Hinein ins Feld,
Wie weiß ist die Welt,
Auf einmal, o weh,
Kleine Maus liegt im Schnee
Kleine Maus liegt im Graben,
Wer will sie haben?

Schlitten vorm Haus,
Wo blieb kleine Maus?
Die Kätzchen, miau,
Die wissen's genau:
Hat nicht still gesessen,
Da haben wir sie gefressen.*

Gustav Falke (1853-1916)

*Das war aber nicht nett!




#13VerfasserHeinz H (243376) 06 Feb 09, 14:33
Kommentar
Das Huhn und der Karpfen

Auf einer Meierei
Da war einmal ein braves Huhn,
Das legte, wie die Hühner tun,
An jedem Tag ein Ei
Und kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob`s ein Wunder sei!

Es war ein Teich dabei,
Darin ein braver Karpfen saß
Und stillvergnügt sein Futter fraß,
Der hörte das Geschrei:
Wie`s kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte,
Als ob`s ein Wunder sei.

Da sprach der Karpfen: Ei!
Alljährlich leg ich `ne Million
Und rühm mich des mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
Mirakelte,
Spektakelte
Was gäb`s für ein Geschrei!

Heinrich Seidel (1842 - 1906)
#14VerfasserRhabarber (425989) 06 Feb 09, 16:36
Kommentar
@ Heinz H
Was für ein Zufall, Gedichte mochte ich schon immer. Sie lenken Einem auf amüsante Weise ab und man wird wenigstens für kurze Zeit in eine andere Welt entführt.....

Zur Taufe

Bedenk es wohl, eh du sie taufst!
Bedeutsam sind die Namen;
Und fasse mir dein liebes Bild
Nun in den rechten Rahmen.
Denn ob der Nam' den Menschen macht,
Ob sich der Mensch den Namen,
Das ist, weshalb mir oft, mein Freund,
Bescheidne Zweifel kamen;
Eins aber weiß ich ganz gewiß:
Bedeutsam sind die Namen!
So schickt für Mädchen Lisbeth sich,
Elisabeth für Damen;
Auch fing sich oft ein Freier schon,
Dem Fischlein gleich am Hamen,
An einem ambraduftigen,
Klanghaften Mädchennamen.

(Theodor Storm, 1817-1888)
#15Verfassermoustique (308708) 07 Feb 09, 11:07
Kommentar
Rhabarber hat uns ein sehr schönes Gedicht von Heinrich Seidel angeboten. Dieser Herr hat überhaupt sehr viele schöne Kindergedichte geschrieben, wie ich wieder einmal in meinem Buch "Die schönsten deutschen Kindergedichte" feststellen konnte. Deshalb jetzt ein weiteres:

Das Schwesterchen

Mein Gretchen ist so kugelrund
Und hat ein stumpfes Näschen
Und einen roten Kirschenmund
Und läuft als wie ein Häschen.

Und Locken hat es seidengleich
Und einen weißen Nacken
Und kleine Händchen sammetweich
Und apfelrote Backen.

Nun lauf hinaus in's grüne Gras,
du kleine, liebe Grete,
Doch fall mir nicht ins Regenfass
Und tritt nicht auf die Beete.

Und patsche mir in's Nasse nicht
Mit deinen kleinen Füßen,
Und wenn du Nachbars Katze siehst,
So sag' ich lass sie grüßen!

Heinrich Seidel (1842-1906)

Chaostranslater , ich habe in den Herbstgedichten gestöbert und wurde natürlich fündig. Kein Wunder, kam mir die Zeile bekannt vor. Toller Opa, den du hattest. Hoffentlich bin ich das meinen Enkelkindern auch. Wieso kamst du übrigens nach dem "Nusssäcklein" auf deinen Opa zu sprechen? Der Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879) kann es doch wohl eher nicht gewesen sein. "Von die Bäume..." deutet das "die" auf Berliner Redensweise hin? Wenn ich dir jedoch zu neugierig sein sollte...
#16VerfasserHeinz H (243376) 07 Feb 09, 13:46
Kommentar
Der Herr, der schickt den Jockel aus...

Der Herr, der schickt den Jockel aus:
Er soll den Hafer schneiden.
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Pudel aus.
Er soll den Jockel beißen.
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Prügel aus,
Er soll den Pudel schlagen.
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr das Feuer aus,
Es soll den Prügel brennen.
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr das Wasser aus,
Es soll das Feuer löschen.
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Ochsen aus,
Er soll das Wasser saufen.
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Schlächter aus,
Er soll den Ochsen schlachten.
Der Schlächter schlacht' den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Henker aus,
Er soll den Schlächter hängen.
Der Henker hängt den Schlächter nicht,
Der Schlächter schlacht' den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockei nicht,
Der Jockei schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Teufel aus,
Er soll den Henker holen.
Der Teufel holt den Henker nicht,
Der Henker hängt den Schlächter nicht,
Der Schlächter schlacht den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockei nicht,
Der Jockei schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da geht der Herr nun selbst hinaus
Und macht gar bald ein Ende draus.
Der Teufel holt den Henker nun,
der Henker hängt den Schlächter nun,
Der Schlächter schlacht' den Ochsen nun
Der Ochse säuft das Wasser nun,
Das Wasser löscht das Feuer nun,
Das Feuer brennt den Prügel nun,
Der Prügel schlägt den Pudel nun,
Der Pudel beißt den Jockel nun,
Der Jockel schneidt den Hafer nun,
Und kommt auch gleich nach Haus.


#16 Heinz H
Natürlich bist Du nicht zu neugierig - ich hab's ja irgendwie herausgefordert. :-)
Allerdings sind wir hier in einem offenen Forum, so dass ich nur sehr zurückhaltend antworten kann.

Ich bin zeitweise bei meinem Opa aufgewachsen und ohne ihn wäre ich nicht das, was ich heute bin.

Das Nusssäcklein ebenso wie der Jockel sind einerseits ganz tolle Erinnerungen, andererseits aber zeigen sie auch den Leistungsdruck, dem ich ausgesetzt war - ich musste das alles auswendig lernen (als Erstklässler wohlgemerkt). Mein Opa war klasse - aber eben kein Pädagoge.

Vielleicht habe ich auch deshalb ein gespaltenes Verhältnis zu Kindergedichten. Kindergedichte von Heinrich Seidel, Theodor Strom, Ringelnatz etc. sind total an mir vorbeigegangen.

Ich freue mich auf die vielen tollen Gedichte, die hier noch auftauchen werden. (Dann kann ich meine Bildungslücke schließen). Bei mir setzt es dann erst wieder bei James Krüss, Astrid Lindgren, Enid Blyton ... ein

Ach so, Berlin ist die ganz falsche Richtung :-). Mein Opa war ein bodenständiger Mann mit einem sehr starken Charakter. Die gibt's nicht nur in Berlin.

Schönes (verregnetes?) Wochenende !





#17VerfasserChaostranslater (459860) 07 Feb 09, 14:52
Kommentar
Wie wärs denn mal mit dem Klassiker angeblich von Morgenstern:

Dunkel wars der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Auto blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
und mit fürchterlichem Krach
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ne alte Schachtel,
zählte kaum erst sechzehn Jahr,
und sie aß ein Butterbrot,
das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
und der graue Tag erschien.
#19VerfasserDodolina (379349) 08 Feb 09, 03:38
Kommentar
Und noch eins von Rosemarie Neie:

Was hat Frau Pumpel eingekauft?

Sie geht gebückt, sie keucht und schnauft
Ein dicker, prall gefüllter Sack
wippt auf dem Rücken, huckepack.
Sechs Kilometer Hühnerklein,
zwei Schaufeln Muskatellerwein,
zehn zentimeter Erdbeereis,
ein Hektoliter Puddingreis,
Drei Bogen Zucker, Pfeffer, Salz
und senf in Tüten ebenfalls.
Und siebzehn tropfen Räucherlachs
und reizehn Tafeln Bohnerwachs
und zwanzig Röllchen Kräutertee
und fünfzehn Stangen Malzkaffee.
Zwei Literflaschen Sahnequark,
neunzehn Schachteln Tomatenmark,
verschiedene Scheiben Erdnussöl,
und hundert Tuben Weizenmehl.
Vier Löffel Käse, frisch gezapft,
und sieben Ballen Apfelsaft,
und Vollmilch, an die dreißig Pfund,
und Eier, etwa fünfzig Bund.
Und Blütenhonig, sechzehn Stück,
zwölf Dosen eingekochtes Glück
und Zahncreme, vierundzwanzig Paar,
und acht Minuten Kaviar
und ganz am Ende, ganz am Schluss
drei Wochen Schokoladenguss.
#20VerfasserDodolina (379349) 08 Feb 09, 03:50
Kommentar
Zwiegespräch

Guten Morgen, Fräulein Huhn!
Guten Morgen, Herr Hahn!
Was gedenken Sie zu tun?
Das geht Sie nichts an.
Wollen wir etwas promenieren?
Danke ich kann alleine spazieren.
Sie haben wohl heute nicht gut geruht?
Oder macht's Ihnen böses Blut,
Dass Sie noch keinen Regenwurm fanden?
Offen gestanden,
Ich finde, Sie sind sehr aufdringlich, Sie!
Dumme Gans! Kikeriki.

Gustav Falke (1853-1916)


Dodolina, hier findet man ziemlich viel Information über den beliebten Klassiker: http://de.wikisource.org/wiki/Dunkel_war’s,_der_Mond_schien_helle

Sehr schön, die Frau Pumpel :-)
#21VerfasserHeinz H (243376) 08 Feb 09, 11:44
Kommentar
kleiner Nachtrag zu #19

... wird verschiedentlich Goethe, Lewis Carroll oder Christian Morgenstern zugeschrieben, dies aber ohne jeden Beleg. Wahrscheinlich stammt es aus dem sächsischen Volksmund aus der Zeit um 1850. Das Spottgedicht ist ein Sprachspiel, das von Oxymora und Paradoxien lebt.

Die letzte Strophe ist die schönste, wie ich meine. Wegen dieser Strophe lesen und lernen Kinder das Gedicht besonders gern - oder ?

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und die Morgenzeitung las.

#22VerfasserChaostranslater (459860) 08 Feb 09, 12:10
Kommentar
#21 Heinz H
Ich habe zu spät Deinen Link gesehen, mit dem du auf # 19 verweist.

Tschuldigung :(
#23VerfasserChaostranslater (459860) 08 Feb 09, 12:16
Kommentar
Wir haben ein ganzes Buch mit Gedichten für Kinder, da sind noch mehr schöne drin, nur leider habe ich es nicht greifbar. Meine persönlichen Favoriten konnte ich im Internet leider nicht finden, Frau Pumpel war erst dritte Wahl.

Falls die jemand findet, Autoren mir leider unbekannt:
Erste Wahl wäre "Marmelade, Schokolade......" gewesen
Zweite Wahl "Im Zauberländchen umgekehrt"
#25VerfasserDodolina (379349) 08 Feb 09, 16:38
Kommentar
Motetto, als der erste Zahn durch war

Victoria! Victoria!
Der kleine weiße Zahn ist da.
Du Mutter! komm, und groß und klein
Im Hause! kommt, und kuckt hinein,
Und seht den hellen weißen Schein.

Der Zahn soll Alexander heißen.
Du liebes Kind! Gott halt ihn Dir gesund,
Und geb Dir Zähne mehr in Deinen kleinen Mund,
Und immer was dafür zu beißen!

(Matthias Claudius, 1740-1815)
#26Verfassermoustique (308708) 08 Feb 09, 18:13
Kommentar
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn."

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit,
Da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen "Jesus meine Zuversicht",
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
"He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?"

So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Misstrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wusste genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprössling sprosst heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ich gew di 'ne Birn."

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane (1819-1898)

Als ich dieses Gedicht gerade wiederentdeckt habe, fiel mir ein, was mich in meiner Kindheit über das Ende der Sommerferien hinweggetröstet hat: Die Ausgabe der Bücher für das neue Schuljahr. Die meisten habe ich freiwillig nicht angerührt, nur das Lesebuch habe ich sofort durchgeschmökert, vorwärts, rückwärts, immer wieder ...

#27VerfasserRhabarber (425989) 08 Feb 09, 21:28
Kommentar

An das Baby

Alle stehn um dich herum:
Fotograf und Mutti
und ein Kasten, schwarz und stumm,
Felix, Tante Putti...
Sie wackeln mit dem Schlüsselbund,
fröhlich quietscht ein Gummihund.
"Baby, lach mal!" ruft Mama.
"Guck", ruft Tante, "eiala!"
Aber du, mein kleiner Mann,
siehst dir die Gesellschaft an...
Na, und dann - was meinste?
Weinste.

Später stehn um dich herum
Vaterland und Fahnen;
Kirche, Ministerium,
Welsche und Germanen.
Jeder stiert nur unverwandt
auf das eigne kleine Land.
Jeder kräht auf seinem Mist,
weiß genau, was Wahrheit ist.
Aber du, mein guter Mann,
siehst dir die Gesellschaft an...
Na, und dann - was machste?
Lachste.

Kurt Tucholsky (1890-1935)
#28Verfasserwulle (456007) 09 Feb 09, 08:55
Kommentar
@ Heinz H: Vielen Dank, ich werds ausrichten!
#29Verfasserwulle (456007) 09 Feb 09, 08:56
Kommentar
Der Nachtschelm und das Siebenschwein
oder
Eine glückliche Ehe


Der Nachtschelm und das Siebenschwein,
die gingen eine Ehe ein,
o wehe!
Sie hatten dreizehn Kinder, und
davon war eins der Schluchtenhund,
zwei andre waren Rehe.


Das vierte war die Rabenmaus,
das fünfte war ein Schneck samt Haus,
o Wunder!
Das sechste war ein Käuzelein,
das siebte war ein Siebenschwein
und lebte in Burgunder.


Acht war ein Gürteltier nebst Gurt,
neun starb sofort nach der Geburt,
owehe!
Von zehn bis dreizehn ist nicht klar; -
doch wie dem auch gewesen war,
es war eine glückliche Ehe!

Christian Morgenstern (1871-1914)
#30VerfasserHeinz H (243376) 09 Feb 09, 11:20
Kommentar
Damit wir den Überblick behalten, habe ich die bisher eingestellten Gedichte (mit Positionsangaben) nach Autoren sortiert erfasst:

Autor unbekannt - Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
Autor unbekannt - Dunkel war's, der Mond schein helle 19
Brecht, Bertolt - Was ein Kind gesagt bekommt 24
Busch, Wilhelm - Die Affen 4
Claudius, Matthias - Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Dehmel, Paula - Sprich leise 7
Falke, Gustav - Es schneit 2
Falke, Gustav - Ausfahrt 13
Falke, Gustav - Zwiegespräch 21
Fontane,Theodor - Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Gibran, Khalil - Sprich uns von den Kindern 8
Guggenmoos, Josef - Die Tulpe 18
Güll, Friedrcih Wilhelm - Nusssäcklein 3
Hesse, Hermann - Deine Hand 1
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich - Wiegenlied an ein Mädchen 5
Langbein, August Friedrich Ernst - Die zwei Fliegen 10
Morgenstern, Christian - Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Neie, Rosemarie - Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Ringelnatz, Joachim - Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim - Kindergebetchen 12
Seidel, Heinrich - Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich - Das Schwesterchen 16
Storm, Theodor - Zur Taufe 15
Tucholsky, Kurt - An das Baby 11, 28
#31VerfasserHeinz H (243376) 09 Feb 09, 11:53
Kommentar
Der tugendhafte Hund

Ein Pudel, der mit gutem Fug
Den schönen Namen Brutus trug,
War vielberühmt im ganzen Land
Ob seiner Tugend und seinem Verstand.
Er war ein Muster der Sittlichkeit,
Der Langmut und Bescheidenheit.
Man hörte ihn loben, man hörte ihn preisen
Als einen vierfüßigen Nathan den Weisen.
Er war ein wahres Hundejuwel!
So ehrlich und treu! eine schöne Seel'!
Auch schenkte sein Herr in allen Stücken
Ihm volles Vertrauen, er konnte ihn schicken
Sogar zum Fleischer. Der edle Hund
Trug dann einen Hängekorb im Mund,
Worin der Metzger das schöngehackte
Rindfleisch, Schaffleisch, auch Schweinefleisch packte. -
Wie lieblich und lockend das Fett gerochen,
Der Brutus berührte keinen Knochen,
Und ruhig und sicher, mit stoischer Würde,
Trug er nach Hause die kostbare Bürde.

Doch unter den Hunden wird gefunden
Auch eine Menge von Lumpenhunden
- Wie unter uns, - gemeine Köter,
Tagdiebe, Neidharde, Schwerenöter,
Die ohne Sinn für sittliche Freuden
Im Sinnenrausch ihr Leben vergeuden!
Verschworen hatten sich solche Racker
Gegen den Brutus, der treu und wacker,
Mit seinem Korb im Maule, nicht
Gewichen von dem Pfad der Pflicht. -

Und eines Tages, als er kam
Vom Fleischer und seinen Rückweg nahm
Nach Hause, da ward er plötzlich von allen
Verschwornen Bestien überfallen;
Da ward ihm der Korb mit dem Fleisch entrissen,
Da fielen zu Boden die leckersten Bissen,
Und fraßbegierig über die Beute
Warf sich die ganze hungrige Meute. -
Brutus sah anfangs dem Schauspiel zu,
Mit philosophischer Seelenruh';
Doch als er sah, dass solchermaßen
Sämtliche Hunde schmausten und fraßen,
Da nahm auch er an der Mahlzeit teil
Und speiste selbst eine Schöpsenkeul'.

Moral

Auch du, mein Brutus, auch du, du frisst?
So ruft wehmütig der Moralist.
Ja, böses Beispiel kann verführen;
Und, ach! gleich allen Säugetieren,
Nicht ganz und gar vollkommen ist
Der tugendhafte Hund - er frisst!

(Heinrich Heine (1797-1856)




#33Verfassermoustique (308708) 09 Feb 09, 14:06
Kommentar
Der tugendhafte Hund

Ein Pudel, der mit gutem Fug
Den schönen Namen Brutus trug,
War vielberühmt im ganzen Land
Ob seiner Tugend und seinem Verstand.
Er war ein Muster der Sittlichkeit,
Der Langmut und Bescheidenheit.
Man hörte ihn loben, man hörte ihn preisen
Als einen vierfüßigen Nathan den Weisen.
Er war ein wahres Hundejuwel!
So ehrlich und treu! eine schöne Seel'!
Auch schenkte sein Herr in allen Stücken
Ihm volles Vertrauen, er konnte ihn schicken
Sogar zum Fleischer. Der edle Hund
Trug dann einen Hängekorb im Mund,
Worin der Metzger das schöngehackte
Rindfleisch, Schaffleisch, auch Schweinefleisch packte. -
Wie lieblich und lockend das Fett gerochen,
Der Brutus berührte keinen Knochen,
Und ruhig und sicher, mit stoischer Würde,
Trug er nach Hause die kostbare Bürde.

Doch unter den Hunden wird gefunden
Auch eine Menge von Lumpenhunden
- Wie unter uns, - gemeine Köter,
Tagdiebe, Neidharde, Schwerenöter,
Die ohne Sinn für sittliche Freuden
Im Sinnenrausch ihr Leben vergeuden!
Verschworen hatten sich solche Racker
Gegen den Brutus, der treu und wacker,
Mit seinem Korb im Maule, nicht
Gewichen von dem Pfad der Pflicht. -

Und eines Tages, als er kam
Vom Fleischer und seinen Rückweg nahm
Nach Hause, da ward er plötzlich von allen
Verschwornen Bestien überfallen;
Da ward ihm der Korb mit dem Fleisch entrissen,
Da fielen zu Boden die leckersten Bissen,
Und fraßbegierig über die Beute
Warf sich die ganze hungrige Meute. -
Brutus sah anfangs dem Schauspiel zu,
Mit philosophischer Seelenruh';
Doch als er sah, dass solchermaßen
Sämtliche Hunde schmausten und fraßen,
Da nahm auch er an der Mahlzeit teil
Und speiste selbst eine Schöpsenkeul'.

Moral

Auch du, mein Brutus, auch du, du frisst?
So ruft wehmütig der Moralist.
Ja, böses Beispiel kann verführen;
Und, ach! gleich allen Säugetieren,
Nicht ganz und gar vollkommen ist
Der tugendhafte Hund - er frisst!

(Heinrich Heine (1797-1856)




#34Verfassermoustique (308708) 09 Feb 09, 14:06
Kommentar
Mon Dieu, jetzt habe ich echt eine mittlere bis grössere Krise....Warum z.Teufel das 3mal kommt, ist mir unerklärlich???
Ich bitte um Entschuldigung.:-(
#35Verfassermoustique (308708) 09 Feb 09, 14:12
Kommentar
Heinz, kannst du mir den Gefallen tun, meine Titel in eine Wunschliste aufzunehmen?

Erste Wahl wäre "Marmelade, Schokolade......" gewesen
Zweite Wahl "Im Zauberländchen umgekehrt"

Ich krieg die nicht zusammen, würde mich aber freuen, wenn die jemand findet und hier reinstellt.
Und bei der Buchführung könnte man ja auch eine Wunschliste mitführen.
#36VerfasserDodolina (379349) 09 Feb 09, 15:08
Kommentar
Pinguine

Auch die Pinguine ratschen, tratschen,
Klatschen, patschen, watscheln, latschen,
Tuscheln, kuscheln, tauchen, fauchen
Herdenweise, grüppchenweise
Mit Gevattern,
Pladdern, schnattern
Laut und leise.
Schnabel-Babelbabel-Schnack,
Seriöses, Skandalöses, Hiebe, Stiche.
Oben: Chemisette mit Frack.
Unten: lange, enge, hinderliche
Röcke. - Edelleute, Bürger, Pack,
Alte Weiber, Professoren.
Riesenvolk, in Schnee und Eis geboren.
Sie begrüßen herdenweise
Ersten Menschen, der sich leise
Ihnen naht. Weil sie sehr neugierig sind.
Und der erstgesehene Mensch ist neu.
Und Erfahrungslosigkeit starrt wie ein kleinstes Kind
Gierig staunend aus, jedoch nicht scheu.

Riesenvolk, in Schnee und Eis geboren,
Lebend in verschwiegener Bucht
In noch menschenfernem Lande.
Arktis*-Expedition. - Revolverschuss -:
Und das Riesenvolk, die ganze Bande
Ergreift die Flucht.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)
* In meinem Buch steht tatsächlich "Arktis"

Dodolina, ich habe deinen Eintrag erst eben entdeckt. Wenn die von dir erwähnten Gedichte hier auftauchen, werde ich sie selbstverständlich in die Liste (die ich ab und zu ergänzen werde) aufnehmen. Ich selbst habe sie bisher leider auch noch nicht finden können.
#38VerfasserHeinz H (243376) 09 Feb 09, 15:31
Kommentar
Ein schwarzer Montag u. es ist mir wirklich oberpeinlich, jetzt kann ich nicht mal mehr auf 3 zählen.....

Rumpumpels Geburtstag

Kräht der Hahn früh am Morgen,
krähet laut, krähet weit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Guckt das Eichhörnchen runter:
Wenig Zeit, wenig Zeit!
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Kommt das Häschen gesprungen,
macht Männchen vor Freud:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Steht der Kuchen auf dem Tische,
macht sich dick, macht sich breit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Und Vater und Mutter,
alle Kinder, alle Leut'
schreien: Hoch der Rumpumpel,
sein Geburtstag ist heut!
(Paula Dehmel, 1862-1918)
#39Verfassermoustique (308708) 09 Feb 09, 17:43
Kommentar
Meine Idee war mehr, dass wir neben der Statistik auch eine Wunschliste aufmachen koennten.

Es haben doch sicher noch andere irgendwelche Fragmente im Kopf, finden aber nicht das ganze Gedicht. Dann koennten wir alle suchen, was einer nicht findet.
#40VerfasserDodolina (379349) 09 Feb 09, 20:36
Kommentar
@#40 Dodolina

Ich heiße zwar nicht Heinz H., möchte aber trotzdem kurz etwas dazu sagen:
Wir können hier keine Gedichte einstellen, die unter das Urheberrecht fallen. Das würde dazu führen, dass der Faden geschlossen würde. Rutscht mal das ein oder andere Gedicht dazwischen, ist das sicherlich ärgerlich. (Wie z. B. Josef Guggenmoos, Rosemarie Neie).
Das Urheberrecht ist übrigens auch der Grund, weshalb sich manche Gedichte nicht ergoogeln lassen.
Wenn ich Deine Wunschgedichte richtig einordne, sind sie noch nicht freigegeben - oder vertue ich mich da ?

Hier also noch einmal der Hinweis, den Neutrino uns dankenswerterweise gab:

^^
Guten Morgen. Wahrscheinlich oute ich mich jetzt wieder als Spaßbremse, aber könntet Ihr bitte darauf achten, dass Ihr keine Gedichte einstellt, deren Autor nicht mindestens seit 70 Jahren tot ist? Erst nach Ablauf dieser Zeit erlischt das Urheberrecht.

Es wäre doch schade, wenn dieser schöne Faden deswegen gelöscht würde, oder?

Links können dagegen gesetzt werden, auch auf Seiten, auf denen Gedichte stehen, deren Veröffentlichung hier gegen das Urheberrecht verstoßen würde.
^^
Wenn wir dies beachten, kann der Faden so schön weitergehen, wie er begonnen wurde. Ich finde ihn übrigens einfach nur klasse. <:+)<br/>



#41VerfasserChaostranslater (459860) 09 Feb 09, 21:24
Kommentar
Der kleine Nimmersatt

Ich wünsche mir ein Schaukelpferd,
´ne Festung und Soldaten
und eine Rüstung und ein Schwert,
Wie sie die Ritter hatten.

Drei Märchenbücher wünsch' ich mir
Und Farbe auch zum Malen
und Bilderbogen und Papier
Und Gold- und Silberschalen.

Ein Domino, ein Lottospiel,
Ein Kasperletheater,
Auch einen neuen Pinselstiel
Vergiss nicht, lieber Vater!

Ein Zelt und sechs Kanonen dann
Und einen neuen Wagen
Und ein Geschirr mit Schellen dran,
Beim Pferdespiel zu tragen.

Ein Perspektiv, ein Zootrop,
´ne magische Laterne,
Ein Brennglas, ein Kaleidoskop -
Dies alles hätt' ich gerne.

Mir fehlt - ihr wisst es sicherlich -
Gar sehr ein neuer Schlitten,
Und auch um Schlittschuh' möchte ich
Noch ganz besonders bitten.

Um weiße Tiere auch von Holz
Und farbige von Pappe,
Um einen Helm mit Federn stolz
Und eine Flechtemappe.

Auch einen großen Tannenbaum,
Dran hundert Lichter glänzen,
Mit Marzipan und Zuckerschaum
Und Schokoladenkränzen.

Doch dünkt dies alles euch zu viel,
Und wollt ihr daraus wählen,
So könnte wohl der Pinselstiel
Und auch die Mappe fehlen.

Als Hänschen so gesprochen hat,
Sieht man die Eltern lachen:
"Was willst du, kleiner Nimmersatt,
Mit all den vielen Sachen?

Wer so viel wünscht" - der Vater spricht's -
"Bekommt auch nicht ein Achtel -
Der kriegt ein ganz klein wenig Nichts
In einer Dreierschachtel."
(Heinrich Seidel, 1842-1906)
#42Verfassermoustique (308708) 10 Feb 09, 08:10
Kommentar

Gottes Rätsel

Kinder sind Rätsel von Gott und schwerer, als alle, zu lösen,
Aber der Liebe gelingt's wenn sie sich selber bezwingt

Friedrich Hebbel (1813-1863)
#43Verfasserwulle (456007) 10 Feb 09, 08:34
Kommentar
Bei Goldhähnchens

Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast!
Sie wohnen im grünen Fichtenpalast
In einem Nestchen klein
Sehr niedlich und sehr fein.

Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
Mückensalat und Gnitzenbrei
Und Käferbraten famos -
Zwei Millimeter gross.

Dann sagt' ich: "Adieu!" und: "danke sehr!"
Sie sprachen: "Bitte, wir hatten die Ehr',
Und hat uns mächtig gefreut!"
Es sind doch reizende Leut'!

Heinrich Seidel (1842-1906)
#44VerfasserHeinz H (243376) 10 Feb 09, 10:26
Kommentar
Bin heute im wahrsten Sinne des Wortes hierüber gestolpert:

Staatsereignis

Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, jetzt geht er!
Kuck, ganz alleinechen
setzt er die Beinechen,
ganz wie zur Reichstagswahl,
wie Onkel Wackelpfahl!
Aua, Geschrei:
bautz, vorbei!

(Richard Dehmel, 1863-1920)

#45VerfasserChaostranslater (459860) 10 Feb 09, 18:49
Kommentar
Kind und Buch

Komm her einmal, du liebes Buch;
Sie sagen immer, du bist so klug.
Mein Vater und Mutter, die wollen gerne,
Daß ich was Gutes von dir lerne;
Drum will ich dich halten an mein Ohr;
Nun sag mir all' deine Sachen vor.

Was ist denn das für ein Eigensinn,
Und siehst du nicht, daß ich eilig bin?
Möchte gern spielen und springen herum,
Und bleibst du immer so stumm und dumm?
Geh, garstiges Buch, du ärgerst mich,
Dort in die Ecke werf' ich dich.
(Wilhelm Hey, 1789-1854)
#46Verfassermoustique (308708) 11 Feb 09, 08:42
Kommentar


Stimme des Kindes

Ein schlafend Kind! o still! in diesen Zügen
Könnt ihr das Paradies zurückbeschwören;
Es lächelt süß, als lauscht es Engelchören,
Den Mund umsäuselt himmlisches Vergnügen.

O schweige, Welt, mit deinen lauten Lügen,
Die Wahrheit dieses Traumes nicht zu stören!
Lass mich das Kind im Traume sprechen hören
Und mich, vergessend, in die Unschuld fügen!

Das Kind, nicht ahnend mein bewegtes Lauschen,
Mit dunklen Leuten hat mein Herz gesegnet,
Mehr als im stillen Wald des Baumes Rauschen;

Ein tiefres Heimweh hat mich überfallen,
Als wenn es auf die stille Heide regnet,
Wenn im Gebirg die fernen Glocken hallen.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

#47Verfasserwulle (456007) 11 Feb 09, 08:48
Kommentar
I'm not sure I understand the difference between a Kinderreim and a Kindergedicht, or which category includes songs. And I won't mention anything by A. A. Milne, since this thread seems to be all German.

But if songs count, I might suggest this one, which I learned as a young child in English and only much later came to know in German. I don't think it requires a literal belief in angels or heaven, it's just a quiet, comforting image.

Abends, will ich schlafen gehn,
vierzehn Englein um mich stehn,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken,
zweie, die mich weisen
zum Himmelsparadeisen.


I have to confess that I have no idea why it's 'zu meinen Häupten' -- does the child have two heads, or what am I missing?

#48Verfasserhm -- us (236141) 11 Feb 09, 08:56
Kommentar
@ # 48 hm -- us

Schön, dass Du diesen Faden gefunden hast. Du hast hier deutsche Kinderreime und -gedichte gefunden, weil sich bis jetzt nur deutsche Muttersprachler hier tummeln (o.k. bei moustique bin ich mir nicht so ganz sooooo sicher :-).

' And I won't mention anything by A. A. Milne' - warum nicht? Wäre für uns alle interessant.

-I have to confess that I have no idea why it's 'zu meinen Häupten' -

Äußerst interessant. Darüber habe ich nie nachgedacht. :(

Versuch einer Erklärung:

Etwas zum Haupte des Bettes legen.
= veralteter Plural 'zu den Häupten'; ersetzt den Singular,
- Und er nahm einen Stein und legte ihn zu seinen Häupten, 1 Mos. 28, 11, 18. Da neigete sich Israel auf dem Bett zun (zu den) Häupten, Kap. 47, 31.'-

oder, auch möglich

ein Archaismus, der von einem humanistisch gebildeten Dichter aus der lateinischen Lyrik in die deutsche Sprache gebracht wurde. Dort ist es nämlich gar nicht so selten, dass von der Bedeutung her nur im Singular mögliche (und keineswegs als pluraletantum übliche) Wörter für den Rhythmus in den Plural gesetzt werden:

Implicuitque suos circum mea colla lacertos
(Sie legte ihre Arme um meine Hälse)
(Ovidius)

Ob eine dieser Erklärungen es wirklich trifft, weiß ich nicht. Sicher ist, es eine sehr alte Sprache.
Und auch damals lief bestimmt niemand mit zwei Köpfen herum. <:+)<br/>





#49VerfasserChaostranslater (459860) 11 Feb 09, 10:24
Kommentar
hm -- us, why not a "Kindergedicht" in Englisch? I know that there are quite a lot of beautiful poems concerning children or for children. Or you could open a thread of English children poetry. How about it?
A "Kinderreim" is mostly a short piece of poetry which little children memorize or like to listen to.
Here two examples:
Hoppe, hoppe Reiter,
wenn er fällt, dann schreit er,
fällt er in den Graben,
fressen ihn die Raben.
or
Messer, Gabel, Schere, Licht,
taugt für kleine Kinder nicht.

The beautiful "Abends wenn ich schlafen geh" is from the opera "Hänsel und Gretel" by Engelbert Humperdinck. "Zu meinen Häupten" is to be seen as a trick of the author to make it fit for the text, since the singular "Haupt" (which has a more poetic note than "Kopf") just wouldn't meet the rhythm and feeling of the verse.


Rabe

Was ist das für ein Bettelmann?
Er hat ein kohlschwarz Röcklein an
und läuft in dieser Winterszeit
vor alle Türen weit und breit,
ruft mit betrübtem Ton: "Rab! Rab!
gebt mir doch auch einen Knochen ab."

Da kam der liebe Frühling an,
gar wohl gefiel's dem Bettelmann;
er breitete seine Flügel aus
und flog dahin weit übers Haus.
Hoch aus der Luft so frisch und munter:
"Hab Dank! hab Dank!" rief er herunter.

Wilhelm Hey (1798 - 1854)

Nachträglich: Habe gerade erst die interessanten Erklärungen von Chaostranslater gelesen.


#50VerfasserHeinz H (243376) 11 Feb 09, 10:54
Kommentar
@ Chaostranslater
.....und sie ward umhüllt vom Mantel des Schweigens:-)))

Ein Wiesel sass auf einem Kiesel
Inmitten Bachgeriesel.
Wisst ihr weshalb?
Das Mondkalb verriet es mir im stillen:
Das raffinierte Tier
tat's um des Reimes willen.
(Christian Morgenstern 1871-1914)

Ein Federchen flog durch das Land;
Ein Nilpferd schlummerte im Sand
Die Feder sprach: "Ich will es wecken!"
Sie liebte, andere zu necken.
Aufs Nilpferd setzte sich die Feder
Und streichelte sein dickes Leder.
Das Nilpferd sperrte auf den Rachen
Und musste ungeheuer lachen.
(Joachim Ringelnatz 1883-1934)
#51Verfassermoustique (308708) 11 Feb 09, 11:50
Kommentar
Thanks to all heads present for wrestling with the grammar. Interesting, if inconclusive.

(OT: And why does 'mea colla' help the rhyme? Wouldn't 'meum collum' or whatever have the same number of syllables, or was Ovid thinking about long and short vowels too, or what?)

Heinz, I didn't know which version of the first line was the oldest, but the other one I found with 'gehn' seemed to rhyme better. (-;

I have the feeling there may have been an earlier thread already with children's poems in English; I don't know if I'm just thinking of the nursery rhymes (~ Kinderreime) ones, or if there was another somewhere I didn't find.

Siehe auch: Kinderspiele
Siehe auch: Deutsche Kinderspiele
Siehe auch: Children's Rhymes
Siehe auch: German children's songs/nursery rhymes

Siehe auch: Classic German Children's Books
Siehe auch: Kinderbücher auf Englisch
Siehe auch: Kinderbücher auf Deutsch
Siehe auch: Gibt es DIE deutsche Kinderbuchfigur?

If anyone wanted to start another thread, I could contribute one or two children's poems in English. But I'm not sure there are actually as many nice ones as there seem to be in German, so for the moment, I'm content to keep enjoying this thread as it is. Maybe someone will even mention it to Doris so it won't get deleted in a future chatroom cleanout. Anyway, thanks again for all the poems so far. (-:


#52Verfasserhm -- us (236141) 11 Feb 09, 23:56
Kommentar
Es reden und trämen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen,
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung!

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling begeistert ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.

Er ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren.
Im Herzen kündet es laut sich an,
Zu was besserm sind wir geboren,
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Johann Christoph Friedrich von Schiller
#53Verfasserwulle (456007) 12 Feb 09, 08:49
Kommentar
Hallo zusammen,

ich bin zwar nicht neu bei Leo aber hier habe ich noch nie etwas gepostet. Eure Kindergedichte fand ich allerdings so schön, dass mir mein Lieblingsgedicht wieder eingefallen ist.
Es ist die Geschichte vom Storch

Tret’ ich neulich im Dämmerschein,
ganz leis’ ins Kinderzimmer ein.
Hab’ schnell ein Lauschereckchen mir gewählt,
woll’t hör’n, was sich mein Pärchen erzählt.
Und wie ich so steh’ und wie ich horch,
ja, richtig, kommt die Geschichte vom Storch.
Du Gretel, spricht Hans mit viel Bedacht,
der Storch hat uns beide nicht gebracht.
Der hätt’ sich gar nicht mit uns gequält,
Mutter hat mir’s neulich selber erzählt.
Das mit dem Storch sind alles nur Sagen,
dass er uns in seinem Schnabel getragen,
und dass er Mutter ins Bein gebissen,
na, davon müsste sie doch was wissen,
und dass wir lagen vorher im Teich,
's alles nicht wahr, ich dacht’ es mir gleich.
In Wirklichkeit ist alles viel schönen, du
Da liegt so ein Kindlein ganz in Ruh’,
solang es noch zart ist und winzig klein,
an Mutters Herzen, du, das ist fein!
Die Mutter muss das Kindlein hegen,
sie darf sich nur ganz sacht bewegen,
dass sie ihm keinen Schaden tut,
solang es an ihrem Herzen ruht.
Allmählich wird das Kindlein groß,
es macht sich von der Mutter los.
Die leidet dabei viele Schmerzen,
Es löst sich ja von ihrem Herzen.
Doch schön ist’s, wenn das Kind ist da,
da freut sie sich und schenkt’s Papa.

Liesel hat schweigend zugehört,
den großen Bruder nicht gestört.
Jetzt hebt sie zu ihm das kleine Gesicht,
und ernsthaft sie die Worte spricht:
Eins kann ich dabei nur nicht versteh’n,
warum muss das immer der Mutter gescheh’n?
Kann das Kind nicht Vater am Herzen liegen,
können Papas keine Kinder kriegen?
Ach nein, spricht Hans, der kluge Mann,
dass geht doch ganz und gar nicht an.
Sie wären ja sicher dazu bereit,
haben aber zu wenig Zeit.

Und dann, spricht Liesel, und sich lacht,
Papas bewegen sich nicht so sacht.
Ich sah es neulich selbst mit an,
sie springen auf die elektrische Bahn,
laufen hinterher oft ganze Strecken,
da würd’ sich das Kindlein ganz schön erschrecken.
Da ist’s doch besser bei Mama,
oh, sieh mal Hans, da steht sie ja!

Die beiden hatten mich schon umschlungen,
rechts hab’ ich das Mädel und links den Jungen.
Und als ich mich zu guter Letzt,
zu ihnen ins Schummereckchen gesetzt,
spricht Liesel mit strahlendem Augenpaar:
Mutter, was Hans sagt, ist das wahr?
Als ich ganz klein gewesen bin,
war ich bei dir im Herzen drin?
Fest schmiegt sie in meinen Arm sich hinein:
Wie schön muss das gewesen sein.
#54Verfasserpueppi31 (424945) 12 Feb 09, 09:58
Kommentar
Hier eines der vielen traurigen Gedichte von verzweifelten hinterbliebenen Eltern.
Gerade weil heutzutage die Kindersterblichkeit zum Glück sehr gering ist.

Das tote Kind

Es hat den Garten sich zum Freund gemacht,
Dann welkten es und er im Herbste sacht,
Die Sonne ging und es und er entschlief,
Gehüllt in eine Decke weiß und tief.

Jetzt ist der Garten unversehns erwacht,
Die Kleine schlummert fest in ihrer Nacht.
»Wo steckst du?« summt es dort und summt es hier.
Der ganze Garten frägt nach ihr, nach ihr.

Die blaue Winde klettert schlank empor
Und blickt ins Haus: »Komm hinterm Schrank hervor!
Wo birgst du dich? Du tust dir's selbst zuleid!
Was hast du für ein neues Sommerkleid?«

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
#55VerfasserLiese (238947) 12 Feb 09, 11:05
Kommentar
hm -- us, thanks for the link-collection, which gives us a chance to look back.
"schlafen geh" and "um mich steh'n" and "schlafen geh" and "um mich steh'n", well, one finds both versions. Even so the second one doensn't rhyme, I think, this is the one, used in the opera. Freedom of artistic speech?!
Why don't you contribute the few children's poems you know in Englisch?
Especially for you (and for the the others too, of course) I add a Morgenstern poem in German and in English transcribed by Max Knight.

Die Mitternachtsmaus

Wenn's mitternächtigt und nicht Mond
noch Stern das Himmelshaus bewohnt,
läuft zwölfmal durch das Himmelshaus
die Mitternachtsmaus.

Sie pfeift auf ihrem kleinen Maul -
im Traume brüllt der Höllengaul...
Doch ruhig läuft ihr Pensum aus
die Mitternachtsmaus.

Ihr Herr, der große weiße Geist,
ist nämlich solche Nacht verreist.
Wohl ihm! Es hütet ihm sein Haus
die Mitternachtsmaus.

The Midnight Mouse

At midnight when nor moon nor star
enthroned upon the heavens are,
thrice runs around the Heaeven's House
the Midnight Mouse.

Its little mouth gives up a peep;
the hell horse hollers in its sleep.
But never utters any grouse
the Midnight Mouse.

Its chief. that Spirit great and white,
has gone abroad on such a night.
Fear not! For safely guards His house
the Midnight Mouse.

Christian Morgenstern (1871-1914)

#56VerfasserHeinz H (243376) 12 Feb 09, 11:29
Kommentar
Hier mal wieder ein Klassiker:

Alle meine Entchen
schwimmen auf dem See,
schwimmen auf dem See.
Köpfchen in dem Wasser,
Schwänzchen in die Höh.
Köpfchen in dem Wasser,
Schwänzchen in die Höh.

Alle meine Täubchen
gurren auf dem Dach,
gurren auf dem Dach.
Fliegt eins in die Lüfte,
fliegen alle nach.
Fliegt eins in die Lüfte,
fliegen alle nach.

Alle meine Hühner
scharren in dem Stroh,
scharren in dem Stroh.
Finden sie ein Körnchen,
sind sie alle froh.
Finden sie ein Körnchen,
sind sie alle froh.

Alle meine Gänschen
watscheln durch den Grund,
watscheln durch den Grund.
Suchen in dem Tümpel,
werden kugelrund.
Suchen in dem Tümpel,
werden kugelrund.

Gustav Eskuche, 1865-1917
#58Verfasserwulle (456007) 13 Feb 09, 08:26
Kommentar
Hier noch Kinderreime u. ein Wappenspruch in Berndeutsch (Kinder mögen ihn, weil er vom Bären handelt)........
(Chindervärsli uf Bärndütsch)

Gueten Aabe, Vreneli, (Guten Abend, Vreneli)
Z ässe hei mer weeneli, (zu Essen haben wir wenig)
Z trinke hei mer us em Bach, (zu Trinken haben wir aus dem Bach)
Isch das nid e gueti Sach? (ist das nicht eine gute Sache?)

Ryti, ryti Rössli, (Reite, reite Pferdchen)
Z Thun isch es Schlössli, (in Thun ist ein Schlösschen)
Z Bärn isch es Tubehuus, (in Bern ist ein Taubenhaus)
Dert luege drei Jumpferen oben uus. (dort schauen drei Jungfrauen oben hinaus)
Di erschti, die spinnt Syde, (die Erste, die spinnt Seide)
Di zwöiti rapset Chryde, (die Zweite * Kreide)
Di dritti luegt zum Fänschter uus (die Dritte schaut aus dem Fenster hinaus)
U lachet alli Herren uus. (und lacht alle Herren aus)
* über die Bedeutung von rapsen bin ich mir nicht sicher, ich glaube es ist sowas wie zerkleinern)

Wappe-Spruch
(Hans Zulliger)
Wär chunnt der stotzig Wäg z'düruuf (Wer kommt den steilen Weg herauf)
A Rosefälder düre, (an Rosenfeldern vorbei)
Im glyche Trapp, (im gleichen Takt)
im glyche Schnuuf, (im gleichen Schnauf)
U streckt sy Zunge vüre? (und streckt seine Zunge nach vorne)
Säg hurti, wär so gsatzlig geit (sag schnell, wer so ruhig/würdig geht)
U fescht uf breite Talpe steit? (und fest auf breiten Pfoten steht)
Wär isch es, wär? (wer ist es wer?)
Es isch der Bär, der Bärner Bär! (es ist der Bär, der Berner Bär)

Mi het ihm vür, er trappi schwär, (man hält im vor, er tappe schwer)
Er chöm es bitzli gnietig, (er käme ein bisschen beschwerlich/mühsam)
Er sprängi nid, der Bärner Bär, (er springe nicht, der Berner Bär)
U syg nid übermüetig, (und sei nie übermütig)
Er tanzi nid grad uf der Stell (er tanze nicht gerade auf der Stelle)
U bsinn si zwuri, was er wöll – (und besinne sich zweimal, was er wolle)
So syg's eso! (so sei es, grad so)

Hoffe meine Übersetzungen stimmen in etwa......
#59Verfassermoustique (308708) 13 Feb 09, 08:42
Kommentar
Hab noch einen Klassiker:

Backe, backe, Kuchen
Der Bäcker hat gerufen!
Wer will guten Kuchen backen
Der muß haben sieben Sachen:
Eier und Schmalz
Butter und Salz
Milch und Mehl
Safran macht den Kuchen gehl!
Schieb, schieb in´n Ofen ´nein.

Volkslied nach Erik Böhme
#60Verfasserwulle (456007) 13 Feb 09, 09:18
Kommentar
Autor unbekannt - Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
Autor unbekannt - Dunkel war's, der Mond schein helle 19
Autor unbekannt - Die Geschichte vom Storch 54
Autor unbekannt - Chindervärsli uf Bärndütsch 59
Böhme, Erik - Backe, backe Kuchen 60
Brecht, Bertolt - Was ein Kind gesagt bekommt 24
Busch, Wilhelm - Die Affen 4
Claudius, Matthias - Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Dehmel, Paula - Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Paula - Sprich leise 7
Dehmel, Richard - Staatsereignis 45
Eskuche, Gustav - Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav - Es schneit 2
Falke, Gustav - Zwiegespräch 21
Falke, Gustav - Ausfahrt 13
Fontane, Theodor - Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Gibran, Khalil - Sprich uns von den Kindern 8
Guggenmoos, Josef - Die Tulpe 18
Güll, Friedrcih Wilhelm - Nusssäcklein 3
Hebbel, Friedrich Gottes - Rätsel 43
Heine, Heinrich - Der tugenhafte Hund 33, 34
Hesse, Hermann - Deine Hand 1
Hey, Wilhelm - Kind und Buch 46
Hey, Wilhelm - Rabe 50
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich - Wiegenlied an ein Mädchen 5
Kolmar, Gertrud - Die kleinen Kinder 57
Kronenberg, Annegret - Du kleines Menschenkind 32
Langbein, August Friedrich Ernst - Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus - Stimme des Kindes 47
Meyer, Conrad Ferdinand - Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian - Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian - Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian - Die Mitternachtsmaus 56
Neie, Rosemarie - Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Ringelnatz, Joachim - Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim - Das ästhetische Wiesel 51
Ringelnatz, Joachim - Die Feder 51
Ringelnatz, Joachim - Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim - Kindergebetchen 12
Schiller, Friedrich - Hoffnung 53
Schwitters, Kurt - Der Pingewesel 37
Seidel, Heinrich - Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich - Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich - Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich - Bei Goldhähnchens 44
Storm, Theodor - Zur Taufe 15
Tucholsky, Kurt - An das Baby 11, 28
Wette, Adelheid (mögliche Autorin) - Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Zulliger, Hans - Wappe-Spruch 59
#61VerfasserHeinz H (243376) 13 Feb 09, 09:43
Kommentar
Nochmal ein schöner Klassiker:

Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, gib sie wieder her! Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr! Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr!

Seine große, lange Flinte schießt auf dich das Schrot, schießt auf dich das Schrot, dass dich färb die rote Tinte und dann bist du tot, dass dich färb die rote Tinte und dann bist du tot.

Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb, sei doch nur kein Dieb! Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb, nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb!

Ernst Anschütz
1780-1861
#62Verfasserwulle (456007) 13 Feb 09, 10:54
Kommentar
Für mich der Kinderklassiker:

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen,
nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder!
wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen!
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach, und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein!

Nein, nicht länger
kann ichs lassen:
will ihn fassen!
Das ist Tücke!
Ach, nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! Welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten!

Seht, da kommt er schleppend wieder!
wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
seht, er ist entzwei!
und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen:
welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister, hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
werd ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen! Besen!
Seids gewesen!
Denn als Geister
ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister."

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
#63VerfasserRhabarber (425989) 13 Feb 09, 11:04
Kommentar
mein Büblein schlief schon, als ich kam
es schlief so sacht und leise
wie Rosenblatt in tiefem Schlaf
wie Engele so reine

vergessen ist des Tages Last
so süß ist meine Wonne
ein Stückchen Paradies
ein Strahl von güldner Sonne

ach, blieb die Zeit ein wenig stehn
Minuten nur
Sekunden nur
es wär doch Ewigkeit…

Holdastern 1997
#64VerfasserHoldastern (337608) 13 Feb 09, 11:24
Kommentar
Drei Chinesen mit dem Kontrabass

Drei Chinesen mit dem Kontrabass
saßen auf der Straße und erzählten sich was.
Da kam die Polizei, fragt ‚Was ist denn das?‘
Drei Chinesen mit dem Kontrabass.

In den Folgestrophen werden nun alle Selbstlaute durch A, E, I, O, U, Ä, Ö, Ü. - in dieser Reihenfolge - ersetzt


Dra Chanasan mat dam Kantrabass
saßan af dar Straßa and arzahltan sach was.
Da kam da Palaza, fragt ‚Was ast dann das?‘
Dra Chanasan mat dam Kantrabass

usw.

(Urheber von Text und Melodie so gut wie nicht greifbar)

Auch hieran habe ich mir als Dreikäsehoch die Ohren gebrochen :-)

#65VerfasserChaostranslater (459860) 14 Feb 09, 14:01
Kommentar
Vogelhochzeit

Ein Vogel wollte Hochzeit machen in dem grünen Walde.
Die Amsel war der Bräutigam, die Drossel war die Braute.
Der Sperber, der Sperber, der war der Hochzeitswerber.
Der Stare, der Stare, der flocht der Braut die Haare.
Die Gänse und die Anten, die war'n die Musikanten.
Der Uhu, der Uhu, der bringt der Braut die Hochzeitsschuh’.
Der Kuckuck schreit, der Kuckuck schreit, er bringt der Braut das Hochzeitskleid.
Der Seidenschwanz, der Seidenschwanz, der bracht’ der Braut den Hochzeitskranz.
Der Sperling, der Sperling, der bringt der Braut den Trauring.
Die Taube, die Taube, die bringt der Braut die Haube.
Die Eule, die Eule, nahm Abschied mit Geheule.
Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der bringt der Braut nen Blumentopf.
Die Lerche, die Lerche, die führt die Braut zur Kerche.
Brautmutter war die Eule, nahm Abschied mit Geheule.
Der Auerhahn, der Auerhahn, der war der stolze Herr Kaplan.
Die Puten, die Puten, die machten breite Schnuten.
Der Pfau mit seinem bunten Schwanz macht mit der Braut den ersten Tanz.
Die Schnepfe, die Schnepfe, setzt auf den Tisch die Näpfe.
Die Finken, die Finken, die gaben der Braut zu trinken.
Der lange Specht, der lange Specht, der macht der Braut das Bett zurecht.
Das Drosselein, das Drosselein, das führt die Braut ins Kämmerlein.
Der Hahn, der krähet: „Gute Nacht“, nun wird die Kammer zugemacht.
Der Uhu, der Uhu, der macht die Fensterläden zu.
Die Vogelhochzeit ist nun aus, die Vögel fliegen all’ nach Haus.
Das Käuzchen bläst die Lichter aus und alle ziehn vergnügt nach Haus.

Gedicht und Volkslied
Text: ca. 1470
Melodie: Anfang 17. Jh.

#66Verfasserwulle (456007) 16 Feb 09, 10:52
Kommentar
Kleine Rose
Eine kleine Rose wächst heran.
Jeden Tag so viel sie kann.
So zerbrechlich und klein.
Ihr Herz so klar und rein.

Emsig wäschst sie in die Sonne.
Ihr Anblick ist die reinste Wonne.
Man beschütz sie so gut man kann.
Gießt und düngt sie ab und an.

Langsam sprießen erste Knospen.
Wollen bald vom Leben kosten.
Mit auf den Weg geben will man viel.
Vertrauen schaffen ist das Ziel.

Zarte Blütenblätter öffnen sich.
Strahlende Schönheit berührt dich.
Sachte wiegt es sich im Wind,
das kleine Rosenkind.

Die Zeit vergeht, bleibt niemals stehen.
Eine Rose muss eigene Wege gehen.
Ein Kind ist sie schon lang nicht mehr.
Abschied nehmen fällt meistens schwer.

Ein Windstoß nimmt die Blätter mit sich fort.
Weit weg an einen anderen Ort.
Nur Leere und Trauer bleiben.
Tanzen ihren eigen Reigen.

Doch erkennt man bald,
die Erde ist nicht kalt.
Neue Röschen sprießen schon.
Man erlebt die nächste Generation.

Von mir ;) Weiß nicht ob es passt...
#67VerfasserBelena (545484) 16 Feb 09, 12:56
Kommentar
hm--us
Hier die Erklärung für zu meinen Häupten:
Das Lied stammt aus der Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck und ist das Abendgebet der beiden Geschwister, als sie sich verlaufen haben und im Wald allein übernachten müssen. Eigentlich müßte es dann natürlich zu unseren Häupten heißen. Am nächsten Morgen finden sie dann das Hexenhaus. Ich weiß leider nicht, ob das Gebet ursprünglich aus einer anderen Quelle stammt.
Die Oper ist übrigens sehr sehens- und hörenswert, es gibt eine Fernseh-Aufnahme mit den Wiener Sängerknaben als Hänsel und Gretel und Peter Schreier als Hexe, die gelegentlich um die Weihnachtszeit den Weg ins Programm findet.
#68Verfasseruke (236845) 16 Feb 09, 15:23
Kommentar
Die Schaukel

Auf meiner Schaukel in die Höh,
was kann es Schöneres geben!
So hoch, so weit: die ganze Chaussee
und alle Häuser schweben.

Weit über die Gärten hoch, juchhee,
ich lasse mich fliegen, fliegen;
und alles sieht man, Wald und See,
ganz anders stehn und liegen.

Hoch in die Höh! Wo ist mein Zeh?
Im Himmel! ich glaube, ich falle!
Das tut so tief, so süß dann weh,
und die Bäume verbeugen sich alle.

Und immer wieder in die Höh,
und der Himmel kommt immer näher;
und immer süßer tut es weh -
der Himmel wird immer höher.

Richard Dehmel (1863-1920)
#69VerfasserHeinz H (243376) 16 Feb 09, 17:16
Kommentar
Ernster Rat an Kinder

Wo man hobelt, fallen Späne.
Leichen schwimmen in der Seine.
An dem Unterleib der Kähne
Sammelt sich ein zäher Dreck.

An die Strähnen von den Mähnen
Von den Löwen und Hyänen
Klammert sich viel Ungeziefer.
Im Gefieder von den Hähnen
Nisten Läuse; auch bei Schwänen.
(Menschen gar nicht zu erwähnen,
Denn bei ihnen geht's viel tiefer.)

Nicht umsonst gibt's Quarantäne.

Allen graust es, wenn ich gähne.

Ewig rein bleibt nur die Träne
Und das Wasser der Fontäne.

Kinder, putzt euch eure Zähne!!
#70Verfassermoustique (308708) 16 Feb 09, 19:25
Kommentar
Hänschen klein geht allein
in die weite Welt hinein.
Stock und Hut steh'n ihm gut,
ist gar wohlgemut.
Aber Mutter weinet sehr,
hat ja nun kein Hänschen mehr.
"Wünsch dir Glück", sagt ihr Blick,
"kehr' nur bald zurück!"


Sieben Jahr, trüb und klar,
Hänschen in der Fremde war.
Da besinnt sich das Kind,
eilet heim geschwind.
Doch nun ist's kein Hänschen mehr.
Nein, ein großer Hans ist er.
Braun gebrannt Stirn und Hand.
Wird er wohl erkannt?


Eins, zwei, drei geh'n vorbei,
wissen nicht, wer das wohl sei.
Schwester spricht: "Welch Gesicht?",
kennt den Bruder nicht.
Doch da kommt sein Mütterlein,
schaut ihm kaum ins Aug' hinein,
ruft sie schon: "Hans, mein Sohn!
Grüß dich Gott, mein Sohn!"

Musik: Busching/der Hagen 1807
Basierend auf einer Melodie von 1711

Text: Franz Wiedemann 1821-1882
#71Verfasserwulle (456007) 17 Feb 09, 08:22
Kommentar
Roti Rösli im Garte, (Rote Röschen im Garten)
Maierisli im Wald, (Maiglöckchen im Wald)
wänn de Wind chunnt cho blase, (wenn der Wind beginnt zu blasen)
so verwelked si bald. (so verwelken sie bald)

Roti Wülchli am Himmel, (Rote Wölkchen am Himmel)
i de Tanne de Föhn (in den Tannen der Föhn[Wind])
und i freu mi, ja i freu mi,(u. ich freue mich, ja ich freue mich)
dass der Morge so schön. (dass der Morgen so schön)

Roti Beeri a de Stuude, (Rote Beeren an den Stauden)
wildi Rösli im Hag (wilde Röschen[Heckenröschen]in der Hecke)
und i freu mi und i freu mi (und ich freue mich u. ich freue mich)
a dem sunnige Tag. (an dem sonnigen Tag).

Ein Lied, welches mich durch die Kinderzeit begleitete. Es ist aus dem Kopf geschrieben u. ich weiss weder den Dichter noch wer es vertont hat.
#72Verfassermoustique (308708) 17 Feb 09, 09:18
Kommentar
moustique, ich habe noch folgenden, in zwei Strophen abweichenden Text dazu gefunden:

Roti Rösli

Roti Rösli im Garte,
Maieriesli im Wald
Wänn de Wind chunt choge blase
so verwelked si bald

Chlini Fischli im Wasser,
grossi Fische im Meer
Hei lueg wie si gumped
und schwümed juhee

Liebi Sunne chum füre,
liebi Sune chum bald
Das mir chönd go spaziere
über Wiese und Wald
#73VerfasserHeinz H (243376) 17 Feb 09, 11:39
Kommentar
Meiner Mutter

Wie oft sah ich die blassen Hände nähen,
Ein Stück für mich – wie liebevoll du sorgtest!
Ich sah zum Himmel deine Augen flehen,
Ein Wunsch für mich – wie liebevoll du sorgtest!
Und an mein Bett kamst du mit leisen Zehen,
Ein Schutz für mich – wie liebevoll du sorgtest!

Detlev von Liliencron
Lyriker
1844-1909
#74Verfasserwulle (456007) 18 Feb 09, 08:54
Kommentar
Kaninchen

Kaninchen, Karnickelchen,
Was bist du doch so stumm!
Du sprichst nicht, du singst nicht,
Und läufst so sacht herum.

Kaninchen, Karnickelchen!
Hast Augen groß und blank,
Auch fehlt es dir an Ohren nicht;
Die sind gehörig lang.

Kaninchen, Karnickelchen!
Kannst essen, trinken, schlafen,
Doch mit dem Lernen merk' ich schon,
Machst du dir nichts zu schaffen.

Kaninchen, Karnickelchen!
Ich wette was darum,
Trotz großem Aug' und großem Ohr,
Du bist ein bissel dumm!

Robert Reinick (1805-1852)
#75VerfasserHeinz H (243376) 18 Feb 09, 13:58
Kommentar
Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem purpurroten Mäntelein.

Das Männlein steht im Walde auf einem Bein
Und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein,
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein ?

Hoffmann von Fallersleben
1798-1874

#76Verfasserwulle (456007) 19 Feb 09, 09:03
Kommentar
#73/Heinz H
Nett von Dir, mir diese Strophen noch hinzuschreiben. Sie sind bereits notiert und ich kannte sie nicht, vielen Dank.:-)

Mit diesem Liedchen liessen wir jeweils unsere selbstgebastelten Schiffchen aus den Korkzapfen der Weinflaschen in den Regenpfützen fahren.....

I han e chlyses Schiffli, i gahne mit zum See
und gib em dänn es Püffli, dänn fahrt`s devo, juhee!

Im Schiffli staht en Fahne, de flatteret hin und her,
es tuet mi ganz dra mahne, wie wenn`s es Dampfschiff wär.
(auch aus dem Kopf geschrieben.....)
#77Verfassermoustique (308708) 19 Feb 09, 09:18
Kommentar
Nun treiben wir den Winter aus

Nun treiben wir den Winter aus,
Den alten, kalten Krächzer;
Wir jagen ihn zum Land hinaus,
Den Brummbär und den Ächzer.
Wir laden uns den Frühling ein
Mit Blumen und mit Sonnenschein,
Juhei! Juhei! Juhei!
O komm herbei,
O Mai, o Mai!

Das leere Stroh, das dürre Reis,
Und alles, was vermodert,
Das geben wir dem Feuer preis,
Dass hoch die Flamme lodert,
Und laden uns den Frühling ein
Mit Blumen und mit Sonnenschein.
Juhei! Juhei! Juhei!
O komm herbei,
O Mai, O Mai!

Guido Görres (1805-1852)

moustique, meine Frau kennt diese Verse natürlich auch, ebenso meine Schwägerin, die gerade zu Besuch ist.

#78VerfasserHeinz H (243376) 19 Feb 09, 10:01
Kommentar
@ Heinz H
:-)....dann sind Deine Frau, bzw. Deine Schwägerin Schweizerinnen, ja?
Entschuldige die Nachfrage, von welchen Versen sprichst Du jetzt, diejenigen von Dir aufgeschriebenen unter #73 oder meine von #72 oder #77?
#79Verfassermoustique (308708) 19 Feb 09, 11:17
Kommentar
Hallo!

Ich bin ja nur ungern der Spielverderber, aber an dieser Stelle der dezente Hinweis, daß Werke von Dichtern, die am 31.12.1938 noch gelebt haben, noch nicht gemeinfrei sind.
In anderen Worten: sofern ihr nicht die Urheberrechte geerbt habt oder anderweitig in den Besitz der Veröffentlichungsrechte im Internet gelangt seit, stellt das Einstellen dieser Texte eine Urheberrechtsverletzung in diesem Forum dar. In anderen Worten: juristisch wird sowas wie die berühmte Raubkopie gesehen.
Bitte laßt die entsprechenden Postings löschen, sonst könnte auch das Leo-Team als Forenbetreiber mit haften. Es betrifft die u.a. die Postings 1, 18, 24, 37 und 57.
#80VerfasserFeuerflieger_GMX (252429) 19 Feb 09, 12:56
Kommentar
An Doris Leo-Team: was mach ma denn, Nr. 80 betreffend?
#81Verfasserwulle (456007) 19 Feb 09, 13:45
Kommentar
Wulle: am besten, ihr laßt die Postings löschen, indem ihr mein Posting hierhin: Siehe auch: Einzelne Beiträge löschen 2009/1 kopiert und um Löschung bittet.
Das hätte ich auch machen können, wollte euch aber die Gelegenheit geben und nicht gleich petzen rennen.

Uns Zählern mussten auch schon aus dem gleichen Grund Fäden gelöscht werden, deshalb bin ich da etwas sensibilisiert (und ich arbeite in der Wikipedia mit, da sind Urheberrechte auch oft ein Problem). Ich fände es halt schade, wenn das Leo-Team deswegen Ärger bekommen würde.

Von Annegret Kronenberg hab ich keine Lebensdaten gefunden.

PS: Das Problem wurde schon mal im Posting 41 angesprochen
#82VerfasserFeuerflieger_GMX (252429) 19 Feb 09, 13:56
Kommentar
http://www.gedichte-garten.de/annegret_kronenberg.shtml

Annegret Kronenberg wurde 1939 in Gronau/Westfalen geboren und lebt auch heute noch dort [2007]
#83Verfassermykl (442296) 19 Feb 09, 14:04
Kommentar
Danke. Damit auch da eine URV...
#84VerfasserFeuerflieger_GMX (252429) 19 Feb 09, 14:31
Kommentar
Feuerflieger: Hilfe!! Doris braucht schnell einen Link, wie geht das???
#85Verfasserwulle (456007) 19 Feb 09, 15:05
Kommentar
Getzt seh ich den Faden auch :-) Mach mich gleich ans Löschen.
#86VerfasserDoris (LEO-Team) (33) 19 Feb 09, 15:07
Kommentar
Die betreffenden Postings sind gelöscht, danke Feuerflieger!
#87VerfasserDoris (LEO-Team) (33) 19 Feb 09, 15:10
Kommentar
Danke an Feuerflieger auch im Namen aller Poster!
#88Verfasserwulle (456007) 19 Feb 09, 15:25
Kommentar
Der Bauer und sein Kind

Der Bauer steht vor seinem Feld
Und zieht die Stirne kraus in Falten:
»Ich hab' den Acker wohl bestellt
Auf reine Aussaat streng gehalten,
Nun seh' mir Eins das Unkraut an!
Das hat der böse Feind getan.«

Da kommt sein Knabe hoch beglückt
Mit bunten Blüten reich beladen,
Im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt: »Sieh, Vater, nur die Pracht!
Die hat der liebe Gott gemacht!«

Julius Sturm
#89VerfasserGoldammer (428405) 19 Feb 09, 15:34
Kommentar
Herzlichen Dank an Feuerflieger und Doris. Wir wollen natürlich nicht, dass durch solche Unachtsam- und Gedankenlosigkeiten das LEO-Team Schwierigkeiten bekommt. Achtet also bitte auf das Urheberrecht. Alleine schon aus diesem Grund finde ich es wichtig, hinter dem Namen des Autors dessen Lebensdaten anzugeben. Danke.

Miesekätzchen

Miesekätzchen ging spazieren
Auf dem Dach am hellen Tag,
Macht sich an den Taubenschlag,
Eine Taube zu probieren.
Schlüpft wohl in das Loch hinein;
Aber kaum ist sie darinnen,
Ist der Appetit vergangen:
Eine Falle, siehst du, fällt,
Für den Marder aufgestellt,
Und das Kätzchen muss nun hangen.
Und im Sterben schrie sie: Trau,
Nicht dem Diebstahl je, miau.

Ludwig Tieck (1773-1853)

#79 moustique, alle! Beide sind aus Zürich (jetzt spreche ich von den Frauen :-)).
#90VerfasserHeinz H (243376) 19 Feb 09, 17:26
Kommentar
@ Heinz H
Als Schweizerin grüsse ich Deine Damen (u. natürlich auch Dich) recht herzlich mit folg. Zeilen, die sie bestimmt kennen......:-)
"„Mis Dach isch dä Himmel vo Züri und s'Bellevue mis Bett, woni pfus......"

Wettstreit

Der Kuckuck und der Esel,
die hatten einen Streit,
wer wohl am besten sänge
zur schönen Maienzeit.

Der Kuckuck sprach: "Das kann ich!"
und hub gleich an zu schrein.
"Ich aber kann es besser!"
fiel gleich der Esel ein.

Das klang so schön und lieblich,
so schön von fern und nah;
sie sangen alle beide:
"Kuckuck, Kuckuck, ia!"
(Hoffmann von Fallersleben 1798-1874)
#91Verfassermoustique (308708) 20 Feb 09, 08:07
Kommentar
Kind und Ochse

Kind:
Ei, Ochse, worüber denkst du nach,
Dass du da liegst fast den ganzen Tag,
Und machst so gar ein gelehrtes Gesicht?
Ochse:
Hab Dank für die Ehre! So schlimm ist's nicht.
Die Gelehrsamkeit, die muss ich dir schenken;
Ich halte vom Kauen mehr als vom Denken.

Und als er noch gekaut eine Weile
(Er hatte nicht eben die größte Eile),
Da spannten sie vor den Wagen ihn;
Ein schweres Fuder sollt' er ziehn.
Das tat er auch ganz wohlgemut;
Das Denken konnt' er nicht so gut.

Wilhelm Hey (1789-1854)

@moustique, danke für deinen Zitat-Gruß, den ich gut nachempfinden kann, gehört Züri doch zu den Städten, die ich immer wieder gerne einmal aufsuche.

#92VerfasserHeinz H (243376) 20 Feb 09, 09:44
Kommentar
Mein persönlicher Favorit:

Schlaflied für Mirjam - von Richard Beer-Hofmann (1897)

http://www.seniorentreff.de/diskussion/archiv4/a94.html

Schade, habe gerade nachgelesen, dass ich das Ganze aus Copyrightgründen nicht hier posten kann - aber man kann es unter obigem Link lesen. :-)
#93Verfasserthe kat (387522) 20 Feb 09, 10:31
Kommentar
Ernster Rat an Kinder

Wo man hobelt, fallen Späne.
Leichen schwimmen in der Seine.
An dem Unterleib der Kähne
Sammelt sich ein zäher Dreck.
An die Strähnen von den Mähnen
Von den Löwen und Hyänen
Klammert sich viel Ungeziefer.
Im Gefieder von den Hähnen
Nisten Läuse; auch bei Schwänen.
(Menschen gar nicht zu erwähnen,
Denn bei ihnen geht's viel tiefer.)
Nicht umsonst gibt's Quarantäne.
Allen graust es, wenn ich gähne.
Ewig rein bleibt nur die Träne
Und das Wasser der Fontäne.
Kinder, putzt euch eure Zähne!!

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

@moustique, wie ich inzwischen erfahren habe, stammt deine Züri-Aussage aus "Die kleineNiederdorf-Oper" von Paul Burkhard/Walter Lesch.
Hier ein Link zu diversen Titeln der schweizer Kleinkunstszene, bei denen man kurz reinhören kann, u.a. „Mis Dach isch dä Himmel vo Züri und s'Bellevue mis Bett, woni pfus......" mit Zarli Carigiet.
#94VerfasserHeinz H (243376) 21 Feb 09, 13:56
Kommentar
#95VerfasserHeinz H (243376) 21 Feb 09, 13:56
Kommentar
Ernster Rat an Kinder... da habe ich mir doch selbst ein Bein gestellt :-((. Ist schon in der #70 vorhanden. Deshalb hier ein noch nicht vorhandene Gedicht:

Einkehr

Bei einem Wirte wundermild
Da war ich jüngst zu Gaste;
Ein goldner Apfel war sein Schild
An einem langen Aste.

Es war der gute Apfelbaum,
Bei dem ich eingekehret;
Mit süßer Kost und frischem Schaum
Hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
Viel leichtbeschwingte Gäste;
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
Und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett in süßer Ruh'
Auf weichen, grünen Matten;
Der Wirt er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt' ich nach der Schuldigkeit,
Da schüttelt er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.

Ludwig Uhland (1787-1862)
#96VerfasserHeinz H (243376) 21 Feb 09, 14:15
Kommentar
@ Heinz H,
genau, mit einem unvergesslichen Zarli Carigiet, übrigens der Bruder von Alois Carigiet der seinerseits u.a. das weltberühmte Jugendbuch "Der Schellen-Ursli" illustrierte)

Die Geschichte vom fliegenden Robert

Wenn der Regen niederbraust,
wenn der Sturm das Feld durchsaust,
bleiben Mädchen oder Buben
hübsch daheim in ihren Stuben.
Robert aber dachte: Nein!
Das muss draußen herrlich sein!
Und im Felde patschet er
mit dem Regenschirm umher.

Hui, wie pfeift der Sturm und keucht,
dass der Baum sich niederbeugt!
Seht! Den Schirm erfasst der Wind,
und der Robert fliegt geschwind
durch die Luft so hoch, so weit.
Niemand hört ihn, wenn er schreit.
An die Wolke stößt er schon,
und er Hut fliegt auch davon.

Schirm und Robert fliegen fort
durch die Wolken immerfort.
Und der Hut fliegt weit voran,
stößt zuletzt am Himmel an.
Wo der Wind sie hingetragen,
ja, das weiß kein Mensch zu sagen.
(Heinrich Hoffmannn 1809-1894)
#97Verfassermoustique (308708) 21 Feb 09, 17:31
Kommentar
@moustique: Kein Wunder, kam mir der Name Carigiet bekannt vor. Der "Schellen-Ursli" ist ein Buch, das unsere Töchter liebten.

Nachstehend möchte ich an die wunderbaren und berühmten Heinzelmännchen zu Köln erinnern und jene damit vertraut machen, die sie bisher nicht kannten.

Die Heinzelmännchen zu Köln

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man's gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg' in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken...
Eh sich's der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich -
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl' im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt' ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

August Kopisch (1799-1853)

#98VerfasserHeinz H (243376) 22 Feb 09, 11:00
Kommentar
Da wir uns jetzt wieder in Richtung Norden bewegen, ist mir auch noch eins eingefallen:

aus Berlin (Autor unbekannt)

Ick sitze hier und esse Klops ...

Ick sitze hier und esse Klops,
Uff eenmal kloppt's.
Ick kieke, staune, wundre mir,
Uff eenmal jeht se uff, die Tür.
Nanu, denk ick, ick denk: nanu,
Jetzt isse uff, erst war se zu.
Ick jehe raus und blicke,
Und wer steht draußen? - Icke!


#99VerfasserChaostranslater (459860) 22 Feb 09, 11:28
Kommentar
Kohlblättchen

Ich will dir mal was lesen,
Von dem alten Besen,
Vom dem alten Putzestecken,
Fegt die Spinnen aus den Ecken,
Fallen alle runter,
Sind drei Schneider drunter,
Geh ich hin und fang mir einen
Bei den langen Schneiderbeinen:
Zippel zappel Spinnenschneider,
Näh einmal zwei neue Kleider -
Mir eins, Ami eins,
Nur der faulen Grete keins.

Victor Blüthgen (1844-1920)
#100VerfasserHeinz H (243376) 23 Feb 09, 11:56
Kommentar
Öppis "lüpfigs" wills Fasnacht isch....

Meitäli, wenn dü witt go tanzä, gang dü nur dä Gigä na,
da wo`s giged, da wo`s orgelet, het`s nu immer Büebä, Büebä: Büebä gha.

Zogä, zogä, zogä-n-am Bogä. Sunntig isch scho mängisch gsi, und uf drimal hundert Wärchtig darf scho einisch Chilbi sy.
Jo jo jo jo: darf scho Chilbi sy.

Gester het der Vater dängelet und miär Büebä hend em`s gmäiht
und bim Zabig hend`s ä grisäli grossi Gigä Gigä: Gigä umetrait.
Zogä, zogä......

D`Maitäli träppelet scho bim Chiächlä, d`Müetter singt und treelt d`r Teig und äs isch, als ob`s der Vater äu scho i dä Beinä Beinä: Beinä heig.
Zogä, zogä......

Und im Himmel obä losäd d`Ängeli und Cäcilia und d`r heilig Jakob syfzged: Chent i doch äu züenä abbä: chent i doch äu z`Chilbi ga.
Zogä, zogä......
(Worte u. Weise mündlich überliefert, Fassung: Willi Gohl)
#101Verfassermoustique (308708) 23 Feb 09, 13:23
Kommentar
Alle Vögel sind schon da,
Alle Vögel, alle!
Welch ein Singen, Musiziern,
Pfeifen, Zwitschern, Tierilier'n!
Frühling will nun einmarschier'n,
Kommt mit Sang und Schalle.

Wie sie alle lustig sind,
Flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
Und die ganze Vogelschar
Wünschet dir ein frohes Jahr,
Lauter Heil und Segen!

Was sie uns verkündet nun
Nehmen wir zu Herzen:
Wir auch wollen lustig sein,
Lustig wie die Vögelein,
Hier und dort, Feld aus, Feld ein,
Singen springen, scherzen!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben
1798-1874

#102Verfasserwulle (456007) 24 Feb 09, 09:28
Kommentar
Mittagszauber

Im Garten wandelt hohe Mittagszeit,
Der Rasen glänzt, die Wipfel schatten breit;
Von oben sieht, getaucht in Sonnenschein
Und leuchtend Blau, der alte Dom herein.
Am Birnbaum sitzt mein Töchterchen im Gras;
Die Märchen liest sie, die als Kind ich las;
Ihr Antlitz glüht, es ziehn durch ihren Sinn
Schneewittchen, Däumling, Schlangenkönigin.
Kein Laut von außen stört; 's ist Feiertag –
Nur dann und wann vom Turm ein Glockenschlag!
Nur dann und wann der mattgedämpfte Schall
Im hohen Gras von eines Apfels Fall!
Da kommt auf mich ein Dämmern wunderbar;
Gleichwie im Traum verschmilzt, was ist und war:
Die Seele löst sich und verliert sich weit
Ins Märchenreich der eignen Kinderzeit.

Emanuel Geibel (1815-1884)
#103VerfasserHeinz H (243376) 25 Feb 09, 19:00
Kommentar
Ostergedicht

Die Sonne geht im Osten auf,
der Osterhas` beginnt den Lauf.
Um seinen Korb voll Eier sitzen
drei Häslein, die die Ohren spitzen.

Der Osterhas` bringt just ein Ei -
da fliegt ein Schmetterling herbei.
Dahinter strahlt das blaue Meer
mit Sandstrand vorne und umher.

Der Osterhas` ist eben fertig -
das Kurtchen auch schon gegenwärtig!
Nesthäkchen findet - eins, zwei, drei,
ein rot`, ein blau`, ein lila Ei.

Ein Ei in jedem Blumenkelche!
Seht, seht, selbst hier,
selbst dort sind welche!

Ermüdet leicht im Morgenschein
schlief Kurtchen auf der Wiese ein.
Die Glocken läuten bim, bam, baum
und Kurtchen lächelt zart im Traum.

Di di didl dum dei,
wir tanzen mit unsern Hasen
umfasst, zwei und zwei,
auf schönem, grünen Rasen.

Christian Morgenstern
1871-1914
#104Verfasserwulle (456007) 26 Feb 09, 09:01
Kommentar
Märchen

Ich weiß ein schönes Märchen.
Es war ein schönes Pärchen,
Hieß Hänselchen und Klärchen,
Die pflückten Blum' und Ährchen,
Und aßen reife Beerchen.
Das Klärchen hatt' ein Härchen,
Das Hänselchen ein Scherchen;
Das war ein goldnes Härchen,
Und das ein silbern Scherchen.
Das Hänselchen nahm Klärchen,
Schnitt mit dem Silberscherchen
Ihr das goldne Härchen;
Da ging das goldne Härchen
Entzwei am Silberscherchen;
Da ging das Silberscherchen
Entzwei am goldnen Härchen.
Da weinte laut das Klärchen
Um ihr verlornes Härchen,
Und Hänschen mit dem Klärchen
Um sein zerbrochnes Scherchen;
Laut weinte das Pärchen
Um Härchen und Scherchen;
Gar viele, viele Zährchen.
Laut weinten Blum' und Ährchen
Und alle reifen Beerchen,
Zusammen mit dem Pärchen
Um Härchen und Scherchen.
Da saß im Busch ein Stärchen,
Das sah die vielen Zährchen,
Da sprach das kluge Stärchen:
Was weint ihr denn, ihr Närrchen?
Das Härchen und das Scherchen,
Die Zährchen und die Ährchen,
Die Beerchen, und du Pärchen,
Und ich dazu, das Stärchen,
Sind alles nur ein Märchen.

Friedrich Rückert (1788-1866)
#105VerfasserHeinz H (243376) 27 Feb 09, 11:01
Kommentar
Stumpfsinnsverse

Auf das Kamel
Sieh' niemals scheel,
Am Herzen, da lass es dir liegen.
Von früh bis spat
Zwei Höcker es hat,
Mit dem Schwanz vertreibt es die Fliegen.

Der Papagei
Macht viel Geschrei,
Und manchmal, da ist er auch stille.
Die Mamagei
Sie legt ihr Ei
Und gebraucht dazu keine Brille.

Ach wie so brav
Ist doch das Schaf,
Von allen Tieren auf Erden.
Es zeichnet sich aus,
Jahrein und jahraus,
Durch Stumpfsinn und heit're Gebärden.

Das Zebra ist,
Wie ihr alle wisst,
Eins der gestreiftesten Tiere.
Es hat nicht zwei,
Nicht Beine drei,
Es hat der Beine viere.

Der Ziegelstein
Ist nie allein,
Man findet ihn meistens zu vielen,
Und ist er allein,
So ist er wahrschein-
Lich irgendwo liegen geblieben.

Autor unbekannt
#106VerfasserHeinz H (243376) 28 Feb 09, 18:34
Kommentar
Vom Schlaraffenland

Nun höret zu und schweiget still,
was ich euch wunders sagen will
von einem guten Lande.
Es bliebe mancher nicht daheim,
könnt er dahin gelangen.

Die Gegend heisst Schlaraffenland
ist faulen Leuten wohl bekannt,
liegt hinterm Zuckerberge.
Und willst du in das Land hinein,
friss dich hindurch die Zwerche.

Der Berg ist schier drei Meilen lang,
doch beiß dich durch und tu dir Zwang:
Gelingts dir ohne Schaden,
so findest du die Häuser all
gedeckt mit Eierfladen.

Tür und Wänd', das ganze Haus,
sind von Lebkuchenteig durchaus,
die Sparren Schweinebraten.
Kauft einer dort um Pfennigswert,
hier gilt es einen Dukaten.

Alle Brunnen sind voll süßem Wein,
rinnen einem selbst ins Maul hinein,
und andre süße Weine;
und wer die gerne trinken mag,
der macht sich auf die Beine.

Um jedes Haus, da ist ein Zaun
geflochten von Bratwürsten braun,
gebraten und gesotten.
Es mag sie essen, wer da will,
sie sind niemand verboten.

Auch fliegen um, das mögt ihr glauben,
gebratne Vögel, Gäns' und Tauben,
und wer sie nicht will fangen,
dem fliegen sie von selbst ins Maul,
braucht niemand danach langen.

Die Säu' geraten alle Jahr,
laufen herum und sind schon gar,
mit Messern in den Rücken,
dass jeder bald ohn' Aufenthalt
sich schneiden mag sein Stücke.

Fällt ein Wetter im Sommer ein,
so regnets lauter Honigseim.
Alle, die gern schlecken,
die laufen in das Land hinein,
da haben sie zu lecken.

Fängt es im Winter zu schneien an,
so schneit es nichts als Marzipan,
Rosinen auch und Mandeln,
und wer sie gerne knabbern mag,
der hat einen guten Handel.

Auf Tannen wachsen große Krapfen,
wie hierzuland die Tannenzapfen,
auf Fichten wachsen Schnitten.
Auch kann man von der Birken da
gute Speckkuchen schütten.

Auf Weiden wachsen Semmeln frei,
die Löffel hängen schon dabei,
darunter Milchbäch' fließen.
Die Semmel fallen in die Milch,
dass sie jeder kann genießen.

Faul' Gesinde, Mägde und Knecht,
sind in dem Lande gar eben recht.
Auf, Gretel, dann, und Stöffel!
Macht an den Milchbach euch geschwind
mit einem großen Löffel.

Wer tölpisch ist und gar nichts kann,
wird in dem Lande Edelmann,
und wer nichts tut als schlafen,
essen, trinken, tanzen und spielen,
der wird zu einem Grafen.

Wer der Allerfaulste wird erkannt,
ist König über das ganze Land
und hat ein groß' Einkommen.
Des Landes Art und Eigenschaft,
das habt ihr nun vollkommen.

Wer sich machen will auf die Reis'
und selbst dahin den Weg nicht weiß,
der mag einen Blinden fragen.
Ein Stummer ist auch gut dazu,
wird ihm nicht unrecht sagen.

Aus is, gar is,
schad', dass net wahr is!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben
* 2. April 1798 in Fallersleben (heute Stadtteil von Wolfsburg); † 19. Januar 1874 in Corvey)



#107VerfasserChaostranslater (459860) 28 Feb 09, 19:20
Kommentar
Kind und Buch

Komm her einmal, du liebes Buch;
Sie sagen immer, du bist so klug.
Mein Vater und Mutter, die wollen gerne,
Daß ich was Gutes von dir lerne;
Drum will ich dich halten an mein Ohr;
Nun sag mir all' deine Sachen vor.

Was ist denn das für ein Eigensinn,
Und siehst du nicht, daß ich eilig bin?
Möchte gern spielen und springen herum,
Und bleibst du immer so stumm und dumm?
Geh, garstiges Buch, du ärgerst mich,
Dort in die Ecke werf' ich dich.

Wilhelm Hey
1789-1854

#108Verfasserwulle (456007) 02 Mär 09, 11:23
Kommentar
Großes Geheimnis

Es sitzt ein Knab am Bach
Und sieht den Wellen nach.
Sie sprudeln und sie rauschen.
Er denkt: "Ich muss doch lauschen,
was all die Wellen plaudern!"
Und's Knäblein ohne Zaudern,
Es bückt sich zu den Quellchen,
Da kommt ganz fix ein Wellchen
Gesprudelt und gerauscht -
Was hat es da gelauscht!
Doch kann es nichts verstehen,
Und eh es sich's versehen,
Bückt es sich tiefer hin -
Und liegt im Wasser drin.
Zum Glücke war der Bach
Ganz hell und klar und flach,
Schnell sprang der Knab heraus
Und sah ganz lustig aus.
Und als ich ihn gefragt,
Was ihm der Bach gesagt,
Sprach er nach kurzem Zaudern:
"Ihr dürft es keinem plaudern!
Ein groß' Geheimnis ist,
Was er mir sagte, wisst!
Er sagte, wisst ihr, was?
Das Wasser, das macht nass!"

Robert Reinick (1805-1852)
#109VerfasserHeinz H (243376) 02 Mär 09, 12:36
Kommentar
Anschütz, Ernst - Fuchs, du hast die Gans gestohlen, 62
Autor unbekannt - Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
Autor unbekannt - Dunkel war's, der Mond schein helle 19
Autor unbekannt - Die Geschichte vom Storch 54
Autor unbekannt - Chindervärsli uf Bärndütsch 59
Autor unbekannt - Drei Chinesen mit dem Kontrabass, 65
Autor unbekannt - Ick sitze hier und esse Klops... 99
Autor unbekannt - Stumpfsinnsverse 106
Belena - Kleine Rose, 67
Blüthgen, Victor - Kohlblättchen 100
Böhme, Erik - Backe, backe Kuchen 60
Busch, Wilhelm - Die Affen 4
Claudius, Matthias - Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Dehmel, Paula - Sprich leise 7
Dehmel, Paula Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Richard - Staatsereignis 45
Dehmel, Richard - Die Schaukel, 69
Eskuche, Gustav Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav - Es schneit 2
Falke, Gustav - Ausfahrt 13
Falke, Gustav - Zwiegespräch 21
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von - Alle Vögel sind schon da 102
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von - Ein Männlein steht im Walde 76
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von - Wettstreit 91
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von - Im Schlaraffenland 107
Fontane Theodor - Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Geibel, Emanuel Mittagszauber 103
Gibran, Khalil - Sprich uns von den Kindern 8
Görres, Guido - Nun treiben wir den Winter aus 78
Goethe, Johann Wolfgang von - Der Zauberlehrling, 63
Gohl, Willi - Meitäli, wenn dü witt go tanzä 101
Güll, Friedrcih Wilhelm - Nusssäcklein 3
Hebbel, Friedrich - Gottes Rätsel 43
Heine, Heinrich . Der tugenhafte Hund 33, 34
Hey, Wilhelm - Kind und Buch 46, 108
Hey, Wilhelm - Rabe 50
Hey, Wilhelm - Kind und Ochse 92
Hoffmann, Heinrich - Die Geschichte vom fliegenden Robert 97
Holdastern - Mein Büblein schlief schon, 64
Hölty, Ludwig Christoph - Heinrich Wiegenlied an ein Mädchen 5
Kopisch, August - Die Heinzelmännchen zu Köln 98
Kronenberg, Annegret - Du kleines Menschenkind 32
Langbein, August Friedrich Ernst - Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus - Stimme des Kindes 47
Liliencron, Detlev von - Meine Mutter 74
Meyer, Conrad Ferdinand - Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian - Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian - Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian - Die Mitternachtsmaus 56
Morgenstern, Christian - Ostergedicht 104
Neie, Rosemarie - Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Reinick, Robert - Kaninchen 75
Reinick, Robert - Großes Geheimnis 109
Ringelnatz, Joachim - Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim - Ernster Rat an Kinder 70, 94
Ringelnatz, Joachim - Kindergebetchen 12
Ringelnatz, Joachim - Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim - Die Feder 51
Rückert, Friedrich - Märchen 105
Schiller, Friedrich - Hoffnung 53
Schweizer Kindergedicht - Roti Rösli 72, 73
Seidel, Heinrich - Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich - Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich - Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich - Bei Goldhähnchens 44
Storm, Theodor - Zur Taufe 15
Sturm, Julius - Der Bauer und sein Kind 89
Tieck, Ludwig - Miesekätzchen 90
Tucholsky, Kurt - An das Baby 11 28
Uhland, Ludwig - Einkehr 96
Volkslied - Ein Vogel wollte Hochzeit machen, 66
Wette, Adelheid (mögliche Autorin) - Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Wiedemann, Franz - Hänschen klein 71
Zulliger, Hans - Wappe-Spruch 59
#110VerfasserHeinz H (243376) 02 Mär 09, 12:37
Kommentar
Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
Unterhalten sich im Wald.
Was droben in den Wipfeln rauscht,
Das wird hier unten ausgetauscht.
Ein altes Eichhorn sitzt dabei
Und strickt wohl Strümpfe für die zwei.
Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.

Christian Morgenstern (1871-1914)
#111VerfasserHeinz H (243376) 03 Mär 09, 17:26
Kommentar
Das Samenkorn

Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,
Die Amsel wollte es zerpicken.

Aus Mitleid hat sie es verschont
Und wurde dafür reich belohnt.

Das Korn, das auf der Erde lag,
Das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt ist es schon ein hoher Baum
Und trägt ein Nest aus weichem Flaum.

Die Amsel hat das Nest erbaut;
Dort sitzt sie nun und zwitschert laut.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

#112VerfasserChaostranslater (459860) 03 Mär 09, 19:05
Kommentar
Als ich ein kleiner Bube war

Als ich ein kleiner Bube war,
War ich ein kleiner Lump;
Zigarren raucht' ich heimlich schon,
Trank auch schon Bier auf Pump.
Zur Hose hing das Hemd heraus,
Die Stiefel lief ich krumm,
Und statt zur Schule hinzugeh'n,
Strich ich im Wald herum.
Wie hab' ich's doch seit jener Zeit
So herrlich weit gebracht! -
Die Zeit hat aus dem kleinen Lump
'n großen Lump gemacht.

Wilhelm Busch (1832-1908)
#113VerfasserHeinz H (243376) 04 Mär 09, 20:59
Kommentar
Singet leise, leise, leise
Singt ein flüsternd Wiegenlied,
Von dem Monde lernt die Weise,
Der so still am Himmel zieht.

Singt ein Lied so süß gelinde,
Wie die Quellen auf den Kieseln,
Wie die Bienen um die Linde
Summen, murmeln, flüstern, rieseln

Clemens Brentano
1778-1842
#114Verfasserwulle (456007) 05 Mär 09, 08:46
Kommentar
Die Kindheit

Noch bin ich ein Kind,
Noch fühl ich nur Unschuld und Freuden
Und weiß nicht was Leiden
Und Kümmernis sind.

Noch sehe ich die Welt
So lachend wie Blumengefilde,
Voll göttlicher Milde,
Die Alles erhält.

Ich kenne noch nicht
Des Lebens betäubende Sorgen.
Die Nacht und der Morgen
Hat Freud im Gesicht!

O lass mich als Kind,
Gott, Leben und Dasein empfinden
Und Seligkeit finden,
Wo Tugenden sind!

Gottlob Wilhelm Burmann (1727-1805)

wulle, sehr schön, diese Brentano-Zeilen.
#115VerfasserHeinz H (243376) 05 Mär 09, 10:26
Kommentar
Fünfter Streich

Wer im Dorfe oder Stadt
Einen Onkel wohnen hat,
Der sei höflich und bescheiden,
Denn das mag der Onkel leiden.
Morgens sagt man: "Guten Morgen!
Haben sie was zu besorgen?"
Bringt ihm, was er haben muss:
Zeitung, Pfeife, Fidibus.
Oder sollt` es wo im Rücken
Drücken, beißen oder zwicken,
Gleich ist man mit Freudigkeit
Dienstbeflissen und bereit.
Oder sei`s nach einer Prise,
Dass der Onkel heftig niese,
Ruft man: "Prosit!" alsogleich,
"Danke, wohl bekomm` es Euch!"
Oder kommt er spät nach Haus,
Zieht man ihm die Stiefel aus,
Holt Pantoffel, Schlafrock,Mütze,
Dass er nicht im Kalten sitze,
Kurz, man ist darauf bedacht,
Was dem Onkel Freude macht.

Max und Moritz ihrerseits
Fanden darin keinen Reiz.
Denkt euch nur, welch schlechten Witz
Machten sie mit Onkel Fritz!

Jeder weiß, was so ein Mai-
Käfer für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er.

Max und Moritz immer munter,
Schütteln sie vom Baum herunter.

In die Tüte von Papiere
Sperren sie die Krabbeltiere.

Fort damit, und in die Ecke
Unter Onkel Fritzens Decke!!!

Bald zu Bett geht Onkel Fritze
In der spitzen Zippelmütze;

Seine Augen macht er zu,
Hüllt sich ein und schläft in Ruh.

Doch die Käfer, kritze kratze!
Kommen schnell aus der Matratze.

Schon fasst einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.

"Bau!!" schreit er - "Was ist das hier?!!"
Und erfasst das Ungetier.

Und der Onkel, voller Grausen,
Sieht man aus dem Bette sausen.

"Autsch!!" - schon wieder hat er einen
Im Genicke, an den Beinen;

Hin und her und rund herum
Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.

Onkel Fritz, in dieser Not,
Haut und trampelt alles tot.

Guckst wohl! Jetzt ist's vorbei
Mit der Käferkrabbelei!!

Onkel Fritz hat wieder Ruh`
Und macht seine Augen zu.

Dieses war der fünfte Streich,
Doch der sechste folgt sogleich.

Wilhelm Busch

[ist ja eigentlich mehr für 'große' Kinder]

#116VerfasserChaostranslater (459860) 06 Mär 09, 19:45
Kommentar
Eine seltsame Kaffeegesellschaft

Die Witwe Frau von Gänseschwein,
Die lud sich die Gesellschaft ein,
Die neulich auf dem Forsthaus war
Bei einem Kaffee wunderbar.
Es sitzen da an einem Tisch:
Herr Fischent und Frau Entenfisch,
Herr Hahnenhund, Frau Schnauzerhuhn,
Die wollen sich recht gütlich tun,
Dazu kommt noch Frau Schlangenspatz,
Mit ihrem Freund Herrn Ratzenkatz.
Sie trinken viele Tassen leer,
Es schmeckt der gute Kuchen sehr.
Dann lecken sie die Teller rein
Und putzen sich die Mäuler fein,
Sie grüßen sich und sagen:
Auf Wiedersehn in acht Tagen!

Heinrich Hoffmann (1809-1894)
#117VerfasserHeinz H (243376) 06 Mär 09, 21:21
Kommentar
Die vier Brüder

Vier Brüder geh'n Jahr aus, Jahr ein
Im ganzen Jahr spazieren;
Doch Jeder kommt für sich allein,
uns Gaben zuzuführen.

Der erste kommt mit leichtem Sinn,
in reines Blau gehüllet,
streut Knospen, Blätter, Blüten hin,
Die er mit Düften füllet.

Der zweite tritt schon ernster auf
Mit Sonnenschein und Regen,
Streut Blumen aus in seinem Lauf,
Der Ernte reichen Segen.

Der Dritte naht mit Überfluss
Und füllet Küch' und Scheune,
Bringt uns zum süßesten Genuss
Viel Äpfel, Nüss und Weine.

Verdrießlich braust der Vierte her,
In Nacht und Graus gehüllet,
Zieht Feld und Wald und Wiesen leer,
die er mit Schnee erfüllet.

Wer sagt mir, wer die Brüder sind,
die so einander jagen?
Leicht rät sie wohl ein jedes Kind,
Drum brauch' ich's nicht zu sagen.


Friedrich von Schiller (1759-1805)

#118VerfasserChaostranslater (459860) 07 Mär 09, 11:20
Kommentar
Ballade in U-dur

Es lebte Herr Kunz von Karfunkel
Mit seiner verrunzelten Kunkel
Auf seinem Schlosse Punkpunkel
In Stille und Sturm.
Seine Lebensgeschichte war dunkel,
Es murmelte manch Gemunkel
Um seinen Turm.
Täglich ließ er sich sehen
Beim Auf- und Niedergehen
In den herrlichen Ulmenalleen
Seines adlichen Guts.
Zuweilen blieb er stehen
Und ließ die Federn wehen
Seines Freiherrnhuts.
Er war just hundert Jahre,
Hatte schneeschlohweiße Haare
Und kam mit sich ins Klare:
Ich sterbe nicht.
Weg mit der verfluchten Bahre
Und ähnlicher Leichenware!
Hol sie die Gicht!
Werd ich, neugiertrunken
Ins Gartengras hingesunken,
Entdeckt von dem alten Halunken,
Dann grunzt er plump:
Töw Sumpfhuhn, ick wil di glieks tunken
In den Uhlenpfuhl zu den Unken,
Du schrumpliger Lump.
Einst lag ich im Verstecke
Im Park an der Rosenhecke,
Da kam auf der Ulmenstrecke
Etwas angemufft.
Ich bebe, ich erschrecke:
Ohne Sense kommt mit Geblecke
Der Tod, der Schuft.
Und von der andern Seite,
Mit dem Krückstock als Geleite,
In knurrigem Geschreite,
Kommt auch einer her.
Der sieht nicht in die Weite,
Der sieht nicht in die Breite,
Geht gedankenschwer.
Hallo, du kleine Mücke,
Meckert der Tod voll Tücke,
Hier ist eine Gräberlücke,
Hinunter ins Loch!
Erlaube, dass ich dich pflücke,
Sonst hau ich dir auf die Perücke,
Oller Knasterknoch.
Der alte Herr, mit Grimassen,
Tut seinen Krückstock fest fassen:
Was hast du hier aufzupassen,
Du Uhu du!
Weg da aus meinen Gassen,
Sonst will ich dich abschrammen lassen
zur Uriansruh!
Sein Krückstock saust behände
Auf die dürren, gierigen Hände,
Die Knöchel- und Knochenverbände:
Knicksknucksknacks.
Freund Hein schreit: Au, mach ein Ende!
Au, au, ich lauf ins Gelände
Nach Haus schnurstracks.
Noch heut lebt Herr Kunz von Karfunkel
Mit seiner verrunzelten Kunkel
Auf seinem Schlosse Punkpunkel
In Stille und Sturm.
Seine Lebensgeschichte ist dunkel,
Es murmelt und raunt manch Gemunkel
Um seinen Turm.

Detlev von Liliencron (1844-1909)

#119VerfasserHeinz H (243376) 08 Mär 09, 18:01
Kommentar
Paula Dehmel (1862-1918)

Lied vom Monde

Wind, Wind, sause,
der Mond ist nicht zu Hause;
er ist wohl hinter den Berg gegangen,
will vielleicht eine Sternschnuppe fangen,
Wind, Wind, sause.

Stern, Stern, scheine,
der Mond, der ist noch kleine;
Stern, Stern, scheine,
er hat die Sichel in der Hand,
er mäht das Gras am Himmelsrand,
Stern, Stern, scheine.

Singe, Vogel, singe,
der Mond ist guter Dinge;
er steckt den halben Taler raus,
das sieht blank und lustig aus,
singe, Vogel, singe.

Und hell wird's, immer heller;
der Mond, der hat 'nen Teller
mit allerfeinstem Silbersand,
den streut er über Meer und Land,
und hell wird's, immer heller.
#120VerfasserChaostranslater (459860) 09 Mär 09, 21:23
Kommentar
Lügenmärchen

Ich will euch erzählen und will auch nicht lügen:
Ich sah zwei gebratene Ochsen fliegen,
sie flogen gar ferne-
sie hatten den Rücken gen Himmel gekehrt,
die Füße wohl gegen die Sterne.

Ein Amboss und ein Mühlenstein,
die schwammen bei Köln wohl über den Rhein,
sie schwammen gar leise-
ein Frosch verschlang sie alle beid'
zu Pfingsten wohl auf dem Eise

Es wollten vier einen Hasen fangen,
sie kamen auf Stelzen und Krücken gegangen,
der erste konnte nicht sehen,
der zweite war stumm, der dritte war taub,
der vierte konnte nicht gehen.

Nun denkt sich einer, wie dieses geschah:
Als nun der Blinde den Hasen sah
auf grüner Wiese grasen,
da rief es der Stumme dem Tauben zu,
und der Lahme erhaschte den Hasen.

Es fuhr ein Schiff auf trockenem Land,
es hatte die Segel gen Wind gespannt
und segelt' im vollen Laufen –
da stieß es an einen hohen Berg,
da tät das Schiff ersaufen.

In Straßburg stand ein hoher Turm,
der trotzte Regen, Wind und Sturm
und stand fest über die Maßen,
den hat der Kuhhirt mit seinem Horn
eines Morgens umgeblasen.

Ein altes Weib auf dem Rücken lag,
sein Maul wohl hundert Klaftern weit auftat,
's ist wahr und nicht erlogen,
drin hat der Storch fünfhundert Jahr
seine Jungen großgezogen.

So will ich hiermit mein Liedlein beschließen,
und sollt's auch die werte Gesellschaft verdrießen,
will trinken und nicht mehr lügen:
bei mir zu Land sind die Mücken so groß,
als hier die größesten Ziegen.

Ernst Moritz Arndt
Schriftsteller
1769-1860


#121Verfasserwulle (456007) 10 Mär 09, 08:15
Kommentar
Zum Geburtstag der Frau Griesbach

Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
Und klopf an deine Türe.
Mich schickt Papa und die Mama,
Daß ich dir gratuliere.
Ich bringe nichts als ein Gedicht
Zu deines Tages Feier;
Denn alles, was die Mutter spricht,
Ist so entsetzlich teuer.
Sag selbst, was ich dir wünschen soll;
Ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch und Keller voll,
Nichts fehlt in deinen Schränken.
Es wachsen fast dir auf den Tisch
Die Spargel und die Schoten,
Die Stachelbeeren blühen frisch,
Und so die Reineclauden.
Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
Die schmecken gar zu süße;
Und wenn sie werden zeitig sein,
So sorge, daß ich's wisse.
Viel fette Schweine mästest du
Und gibst den Hühnern Futter;
Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!
Und gibt dir Milch und Butter.
Es haben alle dich so gern,
Die Alten und die Jungen,
Und deinem lieben, braven Herrn
Ist alles wohlgelungen.
Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!
Mußt's auch fein immer bleiben;
Ja, höre, werde ja nicht krank,
Daß sie dir nichts verschreiben!
Nun lebe wohl! Ich sag ade.
Gelt, ich war heut bescheiden?
Doch könntest du mir, eh ich geh,
'ne Butterbemme schneiden.

Friedrich von Schiller (1759-1805)

Dieses Gedicht erinnert mich an folgende kleine Geschichte: Ein kleiner Junge soll zum Geburtstag der Oma ein Gedicht aufsagen. Er steht etwas schüchtern vor der Oma und ihm fällt das gelernte Gedicht einfach nicht mehr ein. Darauf meint die Mama aufmunternd: "Du kennst doch sicher einen Vers aus deinem Bilderbuch, den du der Oma aufsagen kannst." Da geht ein Strahlen über das Gesicht des Jungen und er rezitiert: "Da stehst du nun, du armes Schwein, wirst bald nicht mehr am Leben sein." :-)))
#122VerfasserHeinz H (243376) 10 Mär 09, 12:45
Kommentar
O wie dankbar ist ein Kind!
Pflege ist die zarte Pflanze,
schütz' ich sie vor Sturm und Wind,
wird's ein Schmuck im Himmelsglanze.

Wie gelehrig ist ein Kind!
So wie du es lehrest lesen
in dem Buch, in dem wir sind,
so wird einst sein ganzes Wesen.

Werden muss ich wie ein Kind,
wenn ich will zum Vater kommen;
Kinder, Kinder, kommt geschwind,
ich wär' gerne mitgenommen.

Clemens Brentano
1778-1842
#123Verfasserwulle (456007) 10 Mär 09, 14:24
Kommentar
Mutter, schallt es immerfort
und fast ohne Pause.
Mutter hier und Mutter dort
in dem ganzen Hause.
Überall zugleich zu sein,
ist ihr nicht gegeben.
Sonst wohl hätte sie, ich mein,
ein bequemes Leben.
Jedes ruft, und auf der Stell
will sein Recht es kriegen.
Und sie kann doch nicht so schnell
wie die Schwalben fliegen!
Ich fürwahr bewundre sie,
dass sie noch kann lachen.
Was allein hat sie für Müh,
alle satt zu machen!
Kann nicht einen Augenblick
sich zu ruhn erlauben.
Und das hält sie gar für Glück!
Sollte man es glauben?

Johannes Trojan
1837-1915
#124Verfasserwulle (456007) 11 Mär 09, 08:41
Kommentar
Es flogen drei Enten...

Es flogen drei Enten wohl über den Rhein
Mit ihren drei goldenen Schnäbelein.
Die erste hieß Frau Mäs,
Die andere Frau Päs,
Dir dritte Frau Tricktracktrilliäs.
Hm, hm, sprach Frau Mäs zur Frau Päs,
Was hat die Frau Tricktracktrilliäs
Für ein dickes Gesäß!

(Autor unbekannt)
#125VerfasserHeinz H (243376) 11 Mär 09, 09:02
Kommentar
Mein Wagen

Mein Wagen hat vier Räder,
Vier Räder hat mein Wagen,
Rolle, rolle, rummerjan,
Das wollt ich euch bloß sagen!

Mein Wagen hat 'ne Deichsel,
'Ne Deichsel hat mein Wagen,
Rolle, rolle, rummerjan,
Das wollt ich euch bloß sagen!

Mein Wagen hat ein Pferdchen,
Ein Pferdchen hat mein Wagen,
Rolle, rolle, rummerjan,
Das wollt ich euch bloß sagen!

Mein Wagen fährt nach Postdam,
Nach Postdam fährt mein Wagen,
Rolle, rolle, rummerjan,
Das wollt ich euch bloß sagen!

Und wer mit mir nach Postdam will
In meinem neuen Wagen,
Rolle, rolle, rummerjan,
Der braucht es bloß zu sagen!


Paula Dehmel (1862-1918)



@ Hainz H / # 122
Zum Geburtstag der Frau Griesbach (Schiller) -
Ich hatte folgende Assoziation:
Der kleine Heinz H, 4 oder 5 Jahre alt, kurze Lederhose, kariertes Hemd, blondes Strubbelhaar, Sommersprossen,...
sagt dieses Gedicht auf. Es würde zu Dir passen. (?) :-))

#126VerfasserChaostranslater (459860) 12 Mär 09, 09:03
Kommentar
Kindheit

Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit
mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen.
O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen...
Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen
und auf den Plätzen die Fontänen springen
und in den Gärten wird die Welt so weit –.
Und durch das alles gehn im kleinen Kleid,
ganz anders als die andern gehn und gingen –:
O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen,
o Einsamkeit.

Und in das alles fern hinauszuschauen:
Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen
und Kinder, welche anders sind und bunt;
und da ein Haus und dann und wann ein Hund
und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen –:
O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen,
o Tiefe ohne Grund.

Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen
in einem Garten, welcher sanft verblasst,
und manchmal die Erwachsenen zu streifen,
blind und verwildert in des Haschens Hast,
aber am Abend still, mit kleinen steifen
Schritten nachhaus zu gehn, fest angefasst –:
O immer mehr entweichendes Begreifen,
o Angst, o Last.

Und stundenlang am großen grauen Teiche
mit einem kleinen Segelschiff zu knien;
es zu vergessen, weil noch andre, gleiche
und schönere Segel durch die Ringe ziehn,
und denken müssen an das kleine bleiche
Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien –:
O Kindheit, o entgleitende Vergleiche.
Wohin? Wohin?

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Chaostranslater, du machst dir ein völlig falsches Bild von mir. Ich war nie gut im Gedichteaufsagen. Da passt schon eher das Bild von dem kleinen Jungen, den ich unter der Frau Griesbach in #122 dargestellt habe. :-)
#127VerfasserHeinz H (243376) 12 Mär 09, 10:21
Kommentar
Anziehliedchen

Wer strampelt im Bettchen?
Versteckt sich wie'n Dieb?
Das ist der Rumpumpel,
Den haben wir lieb.
Was guckt da für'n Näschen?
Ein Bübchen sitzt dran.
Das ist der Rumpumpel,
Den ziehn wir jetzt an.
Erst wird er gewaschen
Vom Kopf bis zur Zeh;
Er weint nicht, er greint nicht,
Denn es tut ja nicht weh.
Schnell her mit dem Hemdchen:
Da schlüpfen wir fein
Erst rechts und dann links
In die Ärmelchen ´rein.
Fix an noch die Strümpfchen,
Fix an auch die Schuh;
Kommt's Händchen, schnürt's Bändchen,
Schon sind sie zu.
Nun Leibchen und Höschen,
Ein Röckchen kommt auch;
Sonst friert dem Rumpumpel
Sein kleiner runder Bauch.
Das Kämmchen kämmt sachte,
Aber still muss man stehn;
Zuletzt noch das Kleidchen,
Der Tausend, wie schön!

Paula Dehmel (1862-1918)
#128VerfasserHeinz H (243376) 13 Mär 09, 10:40
Kommentar
Was gehn den Spitz die Gänse an

Es war einmal ein kleiner Spitz,
der glaubt, er wär zu allem nütz,
und kam ihm etwas in die Quer,
da knurrt und brummt und bellt er sehr.

Nun wackelt einst von ungefähr
Frau Gans mit ihrem Mann daher,
und vor den lieben Eltern wandern
die Kinderchen, eins nach dem andern.

Und wie sie um die Ecke biegen,
da schreien alle voll Vergnügen:
„Seht doch die Pfütze da! Kommt hin!
Wie herrlich muss sich's schwimmen drin!"

Das sieht Herr Spitz und bellt sie an:
„Weg da! Weg da! Nun seht doch an!
Wie könnt ihr euch nur untersteh'n,
ins Wasser so hinein zu geh'n?

Wenn ich nicht wär dazugelaufen,
ihr müsstet jämmerlich ersaufen!"
Das macht der alten Gans nicht bange:
sie zischt ihn an wie eine Schlange.

Da zieht mein Spitz sein Schwänzchen ein
und lässt die Gänse Gänse sein;
doch knurrt er noch im vollen Lauf:
„Nun wer ersaufen will, ersauf!"

Die Gänse aber, trotz dem Spitze,
sie schwelgen recht in ihrer Pfütze;
und immer noch aus weiter Fern
hört bellen man den weisen Herrn.

Bell er, soviel er bellen kann!
Was geh'n den Spitz die Gänse an?

Robert Reinick (1805 - 1857)

#129VerfasserChaostranslater (459860) 14 Mär 09, 13:38
Kommentar
Das Krokodil zu Singapur

Im heil'gen Teich zu Singapur
Da liegt ein altes Krokodil
Von äußerst grämlicher Natur
Und kaut an einem Lotosstil.
Es ist ganz alt und völlig blind,
Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht's.

Hermann von Lingg (1820-1905)

Ziemlich einsam hier, Chaostranslater; sogar wulle ist uns abhanden gekommen :-(

Wenig schönt, ist man alleine...,
keiner da und alles fremd.
Und schon spürt man eine kleine
Sehnsucht unterm Oberhemd.
Wo seid ihr nur hin entschwunden?
Es ist einsam hier allein,
so zu sein ist, unumwunden
zugegeben, gar nicht fein.
#130VerfasserHeinz H (243376) 14 Mär 09, 14:10
Kommentar
Zwar bin ich nicht wulle, aber darf ich dennoch ein weiteres beitragen.....

Es ist nicht leicht noch mehr Kindergedichte zu finden, bei denen man keine Urheberrechte verletzt...

Der erste Ostertag

Fünf Hasen, die saßen
beisammen dicht,
es machte ein jeder
ein traurig Gesicht.

Sie jammern und weinen:
Die Sonn will nicht scheinen!
Bei so vielem Regen,
wie kann man da legen
den Kindern das Ei?
O wei, o wei!

Da sagte der König:
So schweigt doch ein wenig!
Lasst Weinen und Sorgen,
wir legen sie morgen.

(Heinrich Hoffmann (1809-1894)
#131Verfassermoustique (308708) 14 Mär 09, 14:41
Kommentar
Volksgut

Möchte wohl wissen, wer das ist

Ich weiß ein kleines, weißes Haus,
hat keine Fenster, keine Tore,
und will der kleine Wirt heraus,
so muss er erst die Wand durchbohren.

Möchte wohl wissen, wer das ist,
der immer mit zwei Löffeln frisst.


#130 Heinz H
Die werden bestimmt alle wieder auftauchen. Und Du willst ja wohl nicht ernsthaft behaupten, dass moustique 'niemand' ist ?? :-)

Hallo moustique.

Da aber gerade so wenig los ist, gibt mir das Gelegenheit zu sagen, dass ich meine Bildungslücken einigermaßen aufarbeiten konnte. Es ist wirklich erstaunlich, was es an Kindergedichten und -liedern so alles gibt. Ohne Deine Idee, diesen Faden zu starten, wären all diese Gedichte weiterhin an mir vorbeigegangen.

Bei uns zu Hause sagte man immer:
Du kannst alt werden wie 'ne Kuh, Du lernst immer noch dazu. Was hiermit wieder einmal bewiesen wäre. :-))



#132VerfasserChaostranslater (459860) 14 Mär 09, 15:23
Kommentar
Guten Abend Chaostranslater,

Kinder sind ein wichtiger Teil unserer Zukunft und darum sollten wir Sorge zu ihnen tragen. Ich kann nicht leugnen, dass sie mir am Herzen liegen. Sie geben Einem viel zurück, sind ungekünstelt und spontan, positiv wie negativ, eine Bereicherung.....
(Psssst, Du solltest mich nicht in Verlegenheit bringen.....:-DD)
#133Verfassermoustique (308708) 14 Mär 09, 16:28
Kommentar
Vom unordentlichen Max

Max war sehr unordentlich.
Seine Sachen legt er sich
Nie zurecht, nie abends nett
Seine Kleider vor das Bett.
Nichts, nichts lag an seinem Ort,
Ausgestreut lag's hier und dort.
Hier der eine Strumpf, bei Seite
Auf der Erde lag der zweite.
Hinter'm Ofen lag ein Schuh,
Seine Höschen auch dazu,
Und der and're Schuh, er stand
Wo der Rock lag, an der Wand.
Aber seht nur, Kinder, seht,
Wie es ihm des Morgens geht!
Vater nimmt die Kleider bunt,
Zieht sie an dem großen Hund!
Zieht ihm an den Rock so warm,
Und die Hos', und untern Arm
Steckt er ihm die Mappe. Ah!
Max steht noch im Hemde da!
Und was will der Vater nun,
Was der kleine Max soll tun?
In die Schule muß der Max
Gehen mit dem Hunde stracks.
Seht nur den Max Liederlich
In dem Hemd! Wie schämt er sich!
Doch der Hund geht stolz einher,
Als ob er ein Schüler wär'!

Adolf Glaßbrenner (1810-1876)

moustique, schön, dich auch wieder einmal hier zu sehen. Darf ich dich umarmen? (Ich wage es einfach :-))
Chaostranslater, vor meiner Einsamkeitsklage hatte moustique lange nichts mehr beigetragen (s. #101). So alt, wie du andeutest, bist du doch sicher noch nicht, oder etwa doch? ;-)
#134VerfasserHeinz H (243376) 14 Mär 09, 16:34
Kommentar
Grüss Dich Heinz H.

....doch doch, ich fürchte, ich bins, da führt kein Weg dran vorbei, mein Spiegel lügt nicht!;-DD. Umarmen darfst Du mich, ok, ich gestatte es Dir, was Du jedoch nicht weisst ist, ich bin noch immer schmutzig, weil ich dem kleinen Nachbarsjungen grad geholfen habe, seinen Hund zu baden, der ihm ausgebüchst und durchs Feld getobt ist, wo am Morgen der Bauer Jauche gespritzt hat. Na, bist Du immer noch mutig und willig? Ein "nein" würde ich selbstverständlich akzeptieren.....:-))

Es ist ein Volkslied und leider weiss ich nicht von wem......

Auf! Kinder, zum Tanze,
Der Frühling bricht an;
Es blühen zum Kranze
Die Veilchen heran.
Die Vögel sind munter
Und singen ein Lied;
Das Fröschlein quakt drunter
Und freuet sich mit.
Wißt, Kinder, daß Veilchen
Nicht lange mehr blüh'n;
Sie duften ein Weilchen,
Dann welken sie hin.
#135Verfassermoustique (308708) 14 Mär 09, 16:57
Kommentar
Die Tierphilosophen

Gott hatte die Welt für gut befunden
und verzog sich darauf für einige Stunden,
damit sich die Tiere der Zeiten bedächten,
womit sie die Zeit ihres Daseins verbrächten.
Die meisten besahen sich nur ihren Leib
und bestimmten darnach ihren Zeitvertreib.
Je, ob sie zwei-, vier- oder hundertbeinig,
war man sich schnell über alles einig.
Die wollten einzeln sein, die in Horden,
die wollten nach Süden gehen, die nach Norden -
die Vögel wollten in Lüften schweben,
die Würmer unter der Erde leben,
die Fische wollten im Wasser schwimmen,
die Gemsen hoch auf den Bergen klimmen,
und in kurzer Zeit hatten allesamt
einen Lebensplan und ein Weltenamt.
Und Gott sah hernieder zu seinem Volke
von seiner prächtigsten Purpurwolke.
Da sah er die Tiere schon alle am Werke
und freute sich seiner Schöpferstärke...
Nur eine Gruppe von seltsamen Vögeln
war noch dabei, ihren Weltplan zu regeln.
Das war die Familie der M a r a b u; -
Gott wunderte sich und sah ihnen zu.
Doch er vernahm kein Schnattern und kein Zanken, -
sie standen alle in tiefen Gedanken.
Es wusst noch keiner: sollten sie fliegen
oder sollten sie müßig im Wasser liegen?
Sollten sie Frösche und Kröten verzehren
oder sollten sie sich vegetarisch ernähren?
Sollten zum Schlaf sie im Wüstensand kauern
oder in Nestern an Kirchenmauern? ...
Sie senkten den Schnabel und hoben den Fuß, -
doch keiner kam zu einem Entschluss.
Da musste Gott sich denn selber bequemen,
den schwierigen Fall in die Hand zu nehmen.
Und er bedachte: den klügsten Geschöpfen
lastet stets der schwerste Verstand in den Köpfen
und lässt sie vor lauter Denken und Sinnen
nicht dazu kommen, ein Werk zu beginnen.
So sollten die Marabus mit ihrem Schweigen
der Welt ein Beispiel des Tiefsinns zeigen;
nicht hadern und zanken mit andern Tieren,
sondern allezeit nur philosophieren. --
Drum steht, den Schnabel tief gesenkt,
seitdem der Marabu und denkt,
und überlegt und sinnt und trachtet,
und wird von aller Welt geachtet.

Erich Mühsam (1878-1934)

Macht gar nichts, moustique, ich hatte als Kind auch einen Hund, bin also mutig... :-)
#136VerfasserHeinz H (243376) 15 Mär 09, 10:16
Kommentar
Die Frösche

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit
Und quakten wie vor alter Zeit.

(J.W. Goethe (1766-1832)

Weil die Frösche grade auf Wanderschaft sind ist mir dieses Gedicht wieder eingefallen.

@ Heinz H
Sogar nach Anwendung meiner Body-Lotion mit Rosenduft hatte ich den strengen Geruch der Jauche noch in meiner Nase.......Du bist beherzt.....;-)
#137Verfassermoustique (308708) 15 Mär 09, 19:59
Kommentar
Mich gibts noch, bin nur im Schwangerschaftsendspurt Stress........


Seereise

Pitsch - Patsch - Badefass,
Rumpumpel plantscht die Stube nass;
Ist ein junger Wasserheld,
segelt durch die ganze Welt
Im Wipp - im Wapp - im Schaukelkahn
über den grossen Ozean!
Stehn alle Wilden still
und schrein: was bloss Rumpumpel will?
So splitternackt und pitschenass,
in seinem kleinen Schaukelfass?
Schnell das Badelaken!

Paula Dehmel
1862-1918


#138Verfasserwulle (456007) 16 Mär 09, 08:07
Kommentar


Frühlingsbotschaft

Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.

Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!

Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
1798-1874


#139Verfasserwulle (456007) 16 Mär 09, 13:34
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Der erste Zahn

He, groß und klein,
herein, herein!
Es gibt was Neues zu sehen!
Und alles lauft
und rennt und schnauft.
Was Wunder ist geschehen?
Da schaut nur an,
den ersten Zahn
hat unser Schelm bekommen!
Und wie der beißt,
wenn er ihn weist!
Nur ja in acht genommen!
Jetzt sag geschwind:
Wie soll das Kind,
der junge Zahn, denn heißen?
Hans Zwickundzwack
und Knickundknack,
soll hundert Jahre beißen.
Nun sei kein Dalk
und sei kein Schalk
und beiße frisch und munter
vom Fleisch und Brot,
bis in den Tod
dir deinen Teil herunter!

Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879)
#140VerfasserHeinz H (243376) 16 Mär 09, 17:09
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Häslein

Unterm Tannenbaum im Gras
Gravitätisch sitzt der Has,
Wichst den Bart und spitzt das Ohr,
Duckt sich nieder, guckt hervor,
Zupft
Und leckt sich,
Rupft
Und reckt sich.
Endlich macht er einen Sprung:
"Hei, was bin ich für ein Jung′!
Schneller noch als Hirsch und Reh
Spring ich auf und ab die Höh′.
Wer ist′s, der mich fangen kann?
Tausend Hund′ und hundert Mann,
Gleich will ich′s mit ihnen wagen,
Soll mich keiner doch erjagen.
Und der Graf auf seinem Schloss
Hat im ganzen Stall kein Ross
Und auch keinen Reitersknecht,
Der mir nachgaloppen möcht′!"

"Häslein, nimm dich doch in acht,
Hund und Jäger schleichen sacht;
Eh du′s denkst, da zuckt es rot,
Und die Kugel schießt dich tot!"
Aber′s Häslein hat sich jetzt
Wie ein Männlein hingesetzt;
Schaut nicht auf und schaut nicht um. -
"Bst, wer kommt so still und stumm

Dort durch Busch und Dorn und Korn
Mit dem Stutz und Pulverhorn?
Hu, der Jäger ist es schon!
Häslein, Häslein, spring davon!"

′s ist zu spät, es blitzt und pufft
Und der Rauch steigt in die Luft
Und das Häslein liegt, o weh!
Totgeschossen in dem Klee.

Friedrich Wilhelm Güll
(* 01.04.1812 , † 24.12.1879)


Hat jemand ein Rezept für einen Hasenbraten ???
*wegduck*
#141VerfasserChaostranslater (459860) 16 Mär 09, 18:51
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Kind

Süßer Schwindel schlägt hinüber,
Heiße Blicke gehen über,
Und ein neues Leben rinnt.
Unserer Liebe starke Wonnen
Sammelt ein als starke Sonnen
In die Himmel seiner Augen
Unser Kind.

Peter Hille
1854-1904

#142Verfasserwulle (456007) 17 Mär 09, 13:40
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Ein schöner Faden! Nachdem ich so lange mitgelesen habe, möchte ich heute auch einen kleinen Beitrag leisten. Leider passt das folgende Kindergedicht nicht (mehr) zur Jahreszeit - hoffe ich zumindest!

Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so dass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr.
Heißa, du lustiger Kieselstein!

Er zwitschert wie ein Vögelein
Und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweise
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen;
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehen können und den Stein wieder holen.

Christian Morgenstern
#143VerfasserCath (236489) 17 Mär 09, 16:12
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Der Herr, der schickt den Jockel aus...

Der Herr, der schickt den Jockel aus:
Er soll den Hafer schneiden.
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Pudel aus.
Er soll den Jockel beißen.
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Prügel aus,
Er soll den Pudel schlagen.
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr das Feuer aus,
Es soll den Prügel brennen.
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr das Wasser aus,
Es soll das Feuer löschen.
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Ochsen aus,
Er soll das Wasser saufen.
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Schlächter aus,
Er soll den Ochsen schlachten.
Der Schlächter schlacht' den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Henker aus,
Er soll den Schlächter hängen.
Der Henker hängt den Schlächter nicht,
Der Schlächter schlacht' den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockei nicht,
Der Jockei schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Teufel aus,
Er soll den Henker holen.
Der Teufel holt den Henker nicht,
Der Henker hängt den Schlächter nicht,
Der Schlächter schlacht den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockei nicht,
Der Jockei schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da geht der Herr nun selbst hinaus
Und macht gar bald ein Ende draus.
Der Teufel holt den Henker nun,
der Henker hängt den Schlächter nun,
Der Schlächter schlacht' den Ochsen nun
Der Ochse säuft das Wasser nun,
Das Wasser löscht das Feuer nun,
Das Feuer brennt den Prügel nun,
Der Prügel schlägt den Pudel nun,
Der Pudel beißt den Jockel nun,
Der Jockel schneidt den Hafer nun,
Und kommt auch gleich nach Haus.

Volksgut
#144VerfasserHeinz H (243376) 17 Mär 09, 17:11
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Lügenmärchen

Ich will euch erzählen und will auch nicht lügen:
Ich sah zwei gebratene Ochsen fliegen,
sie flogen gar ferne-
sie hatten den Rücken gen Himmel gekehrt,
die Füße wohl gegen die Sterne.

Ein Amboss und ein Mühlenstein,
die schwammen bei Köln wohl über den Rhein,
sie schwammen gar leise-
ein Frosch verschlang sie alle beid'
zu Pfingsten wohl auf dem Eise

Es wollten vier einen Hasen fangen,
sie kamen auf Stelzen und Krücken gegangen,
der erste konnte nicht sehen,
der zweite war stumm, der dritte war taub,
der vierte konnte nicht gehen.

Nun denkt sich einer, wie dieses geschah:
Als nun der Blinde den Hasen sah
auf grüner Wiese grasen,
da rief es der Stumme dem Tauben zu,
und der Lahme erhaschte den Hasen.

Es fuhr ein Schiff auf trockenem Land,
es hatte die Segel gen Wind gespannt
und segelt' im vollen Laufen –
da stieß es an einen hohen Berg,
da tät das Schiff ersaufen.

In Straßburg stand ein hoher Turm,
der trotzte Regen, Wind und Sturm
und stand fest über die Maßen,
den hat der Kuhhirt mit seinem Horn
eines Morgens umgeblasen.

Ein altes Weib auf dem Rücken lag,
sein Maul wohl hundert Klaftern weit auftat,
's ist wahr und nicht erlogen,
drin hat der Storch fünfhundert Jahr
seine Jungen großgezogen.

So will ich hiermit mein Liedlein beschließen,
und sollt's auch die werte Gesellschaft verdrießen,
will trinken und nicht mehr lügen:
bei mir zu Land sind die Mücken so groß,
als hier die größesten Ziegen.

(Ernst Moritz Arndt 1769-1860)
#145Verfassermoustique (308708) 17 Mär 09, 19:53
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Morgens in den Garten trat Liese

Morgens in den Garten trat
Liese, klein und niedlich.
Saß ein Häschen im Salat,
Schmaust' und tat sich gütlich.

Liese sprach: "Du armes Tier,
Wart' einmal, indes ich
Lauf' ins Haus und hole Dir
Zum Salat den Essig."

Kommt zurück schon mit dem Krug -
Niemals lief sie schneller -
Essig gießt sie jetzt genug
Auf den Hasenteller.

"Lieselchen, ich danke dir",
Sprach der kleine Fresser,
"Eigentlich doch schmeckt es mir
Ohne Essig besser."

Johannes Trojan (1837 - 1915)
#146VerfasserChaostranslater (459860) 17 Mär 09, 23:12
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Anschütz, Ernst – Fuchs, du hast die Gans gestohlen 62
Arndt, Ernst Moritz – Lügenmärchen 121, 145
Autor unbekannt – Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
Autor unbekannt – Dunkel war's, der Mond schein helle 19
Autor unbekannt – Die Geschichte vom Storch 54
Autor unbekannt – Chindervärsli uf Bärndütsch 59
Autor unbekannt – Drei Chinesen mit dem Kontrabass, 65
Autor unbekannt – Ick sitze hier und esse Klops... 99
Autor unbekannt – Stumpfsinnsverse 106
Autor unbekannt – Es flogen drei Enten 125
Belena – Kleine Rose 67
Blüthgen, Victor – Kohlblättchen 100
Böhme, Erik – Backe, backe Kuchen 60
Brentano, Clemens – Singet leise, leise, leise 114
Brentano, Clemens – O wie dankbar ist ein Kind 123
Burmmann, Gottlob Wilhelm – Die Kindheit 115
Busch, Wilhelm – Die Affen 4
Busch, Wilhelm – Als ich ein kleiner Bube war 113
Busch, Wilhelm – Max und Moritz Fünfter Streich 116
Claudius, Matthias – Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Dehmel, Paula – Sprich leise 7
Dehmel, Paula – Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Paula – Mein Wagen 126
Dehmel, Paula – Anziehliedchen 128
Dehmel, Paula – Seereise 138
Dehmel, Richard – Staatsereignis 45
Dehmel, Richard – Die Schaukel, 69
Eskuche, Gustav – Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav – Es schneit 2
Falke, Gustav – Ausfahrt 13
Falke, Gustav – Zwiegespräch 21
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Alle Vögel sind schon da 102
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Ein Männlein steht im Walde 76
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Wettstreit 91
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Im Schlaraffenland 107
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 139
Fontane Theodor – Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Geibel, Emanuel – Mittagszauber 103
Gibran, Khalil – Sprich uns von den Kindern 8
Glaßbrenner, Adolf – Vom unordentlichen Max 133
Görres, Guido – Nun treiben wir den Winter aus 78
Goethe, Johann Wolfgang von – Der Zauberlehrling 63
Goethe, Johann Wolfgang von – Die Frösche 137
Gohl, Willi – Meitäli, wenn dü witt go tanzä 101
Güll, Friedrich Wilhelm – Nusssäcklein 3
Güll, Friedrich Wilhelm – Der erste Zahn 140
Güll, Friedrich Wilhelm – Häslein 141
Hebbel, Friedrich – Gottes Rätsel 43
Heine, Heinrich – Der tugenhafte Hund 33, 34
Hille, Peter – Kind 142
Hey, Wilhelm – Kind und Buch 46, 108
Hey, Wilhelm – Rabe 50
Hey, Wilhelm – Kind und Ochse 92
Hoffmann, Heinrich – Die Geschichte vom fliegenden Robert 97
Hoffmann, Heinrich – Eine seltsame Kaffeegesellschaft 117
Hoffmann, Heinrich – Der erste Ostertag 131
Holdastern – Mein Büblein schlief schon, 64
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich– Wiegenlied an ein Mädchen 5
Kopisch, August – Die Heinzelmännchen zu Köln 98
Kronenberg, Annegret – Du kleines Menschenkind 32
Langbein, August Friedrich Ernst – Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus – Stimme des Kindes 47
Liliencron, Detlev von – Meine Mutter 74
Liliencron, Detlev von – Ballade in U-dur 119
Lingg, Hermann von – Das Krokodil von Singapur 130
Meyer, Conrad Ferdinand – Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian – Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian – Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian – Die Mitternachtsmaus 56
Morgenstern, Christian – Ostergedicht 104
Morgenstern, Christian – Die zwei Wurzeln 111
Morgenstern, Christian – Wenn es Winter wird 143
Mühsam, Erich – Die Tierphilosophen 136
Neie, Rosemarie – Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Reinick, Robert – Kaninchen 75
Reinick, Robert – Großes Geheimnis 109
Reinick, Robert – Was gehn den Spitz die Gänse an 129
Rilke, Rainer Maria – Kindheit 127
Ringelnatz, Joachim – Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim – Ernster Rat an Kinder 70, 94
Ringelnatz, Joachim – Kindergebetchen 12
Ringelnatz, Joachim – Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim – Die Feder 51
Ringelnatz, Joachim – Das Samenkorn 112
Rückert, Friedrich – Märchen 105
Schiller, Friedrich von – Hoffnung 53
Schiller, Friedrich von – Die vier Brüder 118
Schiller, Friedrich von – Zum Geburtstag der Frau Griesbach 122
Schweizer Kindergedicht – Roti Rösli 72, 73
Seidel, Heinrich – Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich – Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich – Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich – Bei Goldhähnchens 44
Storm, Theodor – Zur Taufe 15
Sturm, Julius – Der Bauer und sein Kind 89
Tieck, Ludwig – Miesekätzchen 90
Trojan, Johannes – Mutter, schallt es immerfort 124
Trojan, Johannes – Morgens in den Garten trat Liese 146
Tucholsky, Kurt – An das Baby 11 28
Uhland, Ludwig – Einkehr 96
Volksgut – Möchte wohl wissen, wer das ist 132
Volksgut – Der Herr, der schickt den Jockel aus 144
Volkslied – Ein Vogel wollte Hochzeit machen 66
Volkslied – Auf! Kinder, zum Tanze 135
Wette, Adelheid (mögliche Autorin)– Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Wiedemann, Franz – Hänschen klein 71
Zulliger, Hans – Wappe-Spruch 59
#147VerfasserHeinz H (243376) 18 Mär 09, 07:39
Kommentar
Des Knaben Berglied

Ich bin vom Berg der Hirtenknab',
Seh' auf die Schlösser all' herab,
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am längsten weilet sie bei mir.
Ich bin der Knab' vom Berge!

Hier ist des Stromes Mutterhaus,
Ich trink ihn frisch vom Stein heraus;
Er braust vom Fels im wilden Lauf,
Ich fang' ihn mit den Armen auf.
Ich bin der Knab' vom Berge!

Der Berg, der ist mein Eigentum,
Da ziehn die Stürme rings herum,
Und heulen sie von Nord und Süd,
So überschallt sie doch mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!

Sind Blitz und Donner unter mir,
So steh' ich doch im Blauen hier;
Ich kenne sie und rufe zu:
Laßt meines Vaters Haus in Ruh'!
Ich bin der Knab' vom Berge!

Und wenn die Sturmglock einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' in's Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!

Ludwig Uhland



#148Verfasserwulle (456007) 18 Mär 09, 13:32
Kommentar
Käferlied

Es waren einmal drei Käferknaben,
Die thäten mit Gebrumm brumm brumm
In Thau ihr Schnäblein tunken,
Und wurden so betrunken,
Als wär's ein Faß mit Rum.
Da haben sie getroffen an
Eine wunderschöne Blum Blum Blum,
Da wurden die jungen Käfer
Alle drei verliebte Schäfer
Und flogen um sie herum.
Die Blume, die sie kommen sah,
War grade auch nicht dumm dumm dumm.
Sie war von schlauem Sinne
Und rief die Base Spinne:
»Spinn mir ein Netzlein um!«
Die Base Spinne kroch heran
Und macht' die Beine krumm krumm krumm;
Sie spann ein Netz so feine
Und setzte sich dareine,
Und saß da mäuschenstumm.
Und als die Käfer kommen an
Mit zärtlichem Gesumm summ summ,
Sind sie hinein geflogen,
Und wurden ausgesogen,
Half ihnen kein Gebrumm.
Das Blümlein aber lachend sprach,
Und kümmert sich nicht drum drum drum:
»So geht's, ihr lieben Käfer,
So geht's, ihr lieben Schäfer,
Trotz allem Summ und Brumm!«

Robert Reinick (1805-1852)



An dieser Stelle einmal ein großes Dankeschön an Heinz H, der dafür sorgt, dass wir den Überblick nicht ganz verlieren. Danke, dass Du diese Sisyphusarbeit auf Dich nimmst.

#149VerfasserChaostranslater (459860) 18 Mär 09, 14:12
Kommentar
Naturgeschichtliches Alphabet

(für größere Kinder und solche, die es werden wollen)
Im Ameishaufen wimmelt es,
Der Aff' frißt nie Verschimmeltes.
Die Biene ist ein fleißig Tier,
Dem Bären kommt das g'spaßig für.
Die Ceder ist ein hoher Baum,
Oft schmeckt man die Citrone kaum.
Das wilde Dromedar man koppelt,
Der Dogge wächst die Nase doppelt.
Der Esel ist ein dummes Tier,
Der Elefant kann nichts dafür.
Im Süden fern die Feige reift,
Der Falk am Finken sich vergreift.
Die Gems' im Freien übernachtet,
Martini man die Gänse schlachtet.
Der Hopfen wächst an langer Stange,
Der Hofhund macht dem Wandrer bange.
Trau ja dem Igel nicht, er sticht,
Der Iltis ist auf Mord erpicht.
Johanniswürmchen freut uns sehr,
Der Jaguar weit weniger.
Den Kakadu man gern betrachtet,
Das Kalb man ohne weiters schlachtet.
Die Lerche in die Lüfte steigt,
Der Löwe brüllt, wenn er nicht schweigt.
Die Maus tut niemand was zuleide,
Der Mops ist alter Damen Freude.
Die Nachtigall singt wunderschön,
Das Nilpferd bleibt zuweilen stehn.
Der Orang-Utan ist possierlich,
Der Ochs benimmt sich unmanierlich.
Der Papagei hat keine Ohren,
Der Pudel ist meist halb geschoren.
Das Quarz sitzt tief im Berges-Schacht,
Die Quitte stiehlt man bei der Nacht.
Der Rehbock scheut den Büchsenknall,
Die Ratt' gedeihet überall.
Der Steinbock lange Hörner hat,
Auch gibt es Schweine in der Stadt.
Die Turteltaube Eier legt,
Der Tapir nachts zu schlafen pflegt.
Die Unke schreit im Sumpfe kläglich,
Der Uhu schläft zwölf Stunden täglich.
Das Vieh sich auf der Weide tummelt,
Der Vampyr nachts die Luft durchbummelt.
Der Walfisch stört des Herings Frieden,
Des Wurmes Länge ist verschieden.
Die Zwiebel ist der Juden Speise,
Das Zebra trifft man stellenweise.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Chaostranslater, als Faden-Initiator sollte man schon etwas organisatorische Verantwortung zeigen, jedenfalls in Rahmen des Möglichen. Wenn man die Titel der neu eingestellten Gedichte ziemlich bald in der gespeicherten Liste einträgt, dann ist das mit der Arbeit gar nicht so schlimm. Zumindest weiß man, wenn ein Gedicht ein zweites Mal erscheint (wie zuletzt in 145), aha, es ist Zeit, die Liste erneut einzustellen, und so man kann das dann auch problemlos sofort in die Tat umsetzen.
#150VerfasserHeinz H (243376) 18 Mär 09, 22:25
Kommentar
Gerade wollte ich die neuesten Gedichte lesen.......Tut mir leid mit dem Doppelposting (#145), ich hoffe, Du verzeihst mir Heinz H.;-)
#151Verfassermoustique (308708) 18 Mär 09, 22:31
Kommentar
Aber moustique, da gibt es doch nichts zu verzeihen. So etwas geschieht immer wieder einmal, ist auch mir schon passiert. Und überhaupt, weshalb sollte ich dir böse sein... Das ist doch gar nicht möglich :-))
#152VerfasserHeinz H (243376) 18 Mär 09, 22:40
Kommentar
Es kamen mal zwei Knaben
an einen breiten Graben.
Der erste sprang hinüber,
schlankweg, je eh' er, je lieber.
War das nicht keck?
Der zweite, fein besonnen,
eh' er das Werk begonnen,
sprang in den Dreck.

Wilhelm Busch


#150 Heinz H
Du stellst Dein Licht unter den Scheffel.
'sollte man schon etwas organisatorische Verantwortung zeigen'
- das muss man erst mal können vor lachen -
ich trage das chaos nicht zu Unrecht in meinem Namen. Ich erinnere mich noch gut an meine Ausbildung. Kein Saldo und keine Bilanz waren bei mir je ausgeglichen. - Ich bin dann auch kein Buchhalter geworden. :-)
Aber ich kenne ja jetzt jemanden, der Ordnung ins Chaos bringen kann. :>)
#153VerfasserChaostranslater (459860) 18 Mär 09, 23:25
Kommentar
Widewidewenne

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Kann-nicht-ruhn heißt mein Huhn,

Wackelschwanz heißt meine Gans,

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Schwarz-und-Weiß heißt meine Geiß,

Treibe-ein heißt mein Schwein.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Ehrenwert heißt mein Pferd,

Gute-Muh heißt meine Kuh.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Wettermann heißt mein Hahn,

Kunterbunt heißt mein Hund.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Guck-heraus heißt mein Haus,

Schlupf-hinaus heißt meine Maus.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Widewidewenne heißt mein Puthenne.

Wohl-getan heißt mein Mann,

Sausewind heißt mein Kind.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Lebe-recht heißt mein Knecht,

Spät-betagt heißt meine Magd.

Widewidewenne heißt meine Puthenne.

Nun kennt ihr mich mit Mann und Kind

und meinem ganzen Hofgesind.

Volkstümlich

Chaostranslater, nur so viel, ich bin absolut kein Beherrscher des Chaos. Im Gegenteil, wenn das Chaos nicht die Oberhand gewinnt, finde ich es gar nicht mal so unsympathisch. Eine sterile Superordnung hingegen empfinde ich als äußerst ungemütlich. Und was das Buchhalten angeht: Papierstaubbehaftete Aktentätigkeiten sind mir ein Graus. Das sollte reichen für "nur so viel".
#154VerfasserHeinz H (243376) 19 Mär 09, 07:57
Kommentar

Die Kinder schlummern

Die Kinder schlummern in den Kissen,
Weich, weichen Atems, nebenan,
Ein Traum vom heutigen Tag, und wissen
Nicht was mit diesem Tag verrann.

Wir aber fühlen jede Stunde,
Die uns mit leisem Flügel streift
Und wissen, daß im Dämmergrunde
Der Zeit uns schon die letzte reift.

Wir sitzen eng geschmiegt im Dunkeln.
So träumt sich's gut. Und keines spricht.
Durchs Fenster fällt ein Sternenfunkeln,
Vom Ofen her ein Streifchen Licht.

Einmal, im Schlaf, lacht eines der Kleinen
Ganz leis. Was es wohl haben mag?
Springt es mit seinen kurzen Beinen
Noch einmal fröhlich durch den Tag?

Ein Mäuschen knabbert wo am Schragen,
Knisternd verkohlt ein letztes Scheit,
Die alte Uhr hebt an zu schlagen -
Da sprichst du leis: "Komm, es ist Zeit!"

Gustav Falke)




#155Verfasserwulle (456007) 19 Mär 09, 15:35
Kommentar
Ein Wassertropfen

Ein Wassertropfen fiel vom Himmel;
Es war ein ungezog'ner Lümmel.

Im Grase schlief ein dummer Hase,
Der Tropfen fiel auf seine Nase.

Der Hase dachte sich dabei,
Dass er jetzt totgeschossen sei.

Er sprang in seinem großen Schreck
Aus seinem sicheren Versteck.

Der Jägersmann stand an der Straße
Und schoss ihn wirklich in die Nase.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)


# 154 Heinz H
Deine Einstellung zum Chaos gefällt mir sehr. <:+)<br/>
#156VerfasserChaostranslater (459860) 19 Mär 09, 18:28
Kommentar
Es war einmal ein Mann...

Es war einmal ein Mann,

der hatte drei Söhne.

Der eine hieß Schack,

der andere hieß Schackschwawwerack,
der dritte hieß Schackschwawwerackschackonimmini.

Nun war da auch eine Frau,

die hatte drei Töchter.

Die eine hieß Sipp,

die andere hieß Sippsiwwelipp,
die dritte hieß Sippsiwwelippsippelimmini.

Und Schack nahm Sipp
und Schackschwawwerack nahm Sippsiwwelipp
und Schackschwawwerackschackonimmini
nahm Sippsiwwelippsippelimmini.

Unbekannter Autor
#157VerfasserHeinz H (243376) 19 Mär 09, 18:29
Kommentar
Der Weg zur Schule

Im Winter, wenn es frieret,
Im Winter, wenn es schneit,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so weit.

Und wenn der Kuckuck rufet,
Dann ist der Frühling da,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so nah.

Wer aber gerne lernet,
Dem ist kein Weg zu fern:
Im Frühling wie im Winter
Geh' ich zur Schule gern.*

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

*na ja... ;-)
#158VerfasserHeinz H (243376) 20 Mär 09, 09:13
Kommentar
Der Frühling ist da!

Der Frühling hat sich eingestellt,
Wohlan, wer will ihn sehn?
Der muss mit mir ins freie Feld,
Ins grüne Feld nun gehn.

Er hielt im Walde sich versteckt,
Dass niemand ihn mehr sah;
Ein Vöglein hat ihn aufgeweckt,
Jetzt ist er wieder da.

Jetzt ist der Frühling wieder da:
Ihm folgt, wohin er zieht,
Nur lauter Freude fern und nah,
Und lauter Spiel und Lied.

Und allen hat er, groß und klein,
Was Schönes mitgebracht,
Und sollt´s auch nur ein Sträußchen sein,
Er hat an uns gedacht.

Drum frisch hinaus ins freie Feld,
Ins grüne Feld hinaus!
Der Frühling hat sich eingestellt,
Wer bliebe da zu Haus?

(1836)
Hoffmann von Fallersleben
#159VerfasserChaostranslater (459860) 21 Mär 09, 00:07
Kommentar
Die Gäste der Buche

Mietegäste vier im Haus
hat die alte Buche:
Tief im Keller wohnt die Maus,
nagt am Hungertuche.
Stolz auf seinen roten Rock
und gesparten Samen,
sitzt ein Protz im ersten Stock;
Eichhorn ist sein Namen.
Weiter oben hat der Specht
seine Werkstatt liegen,
hackt und hämmert kunstgerecht,
dass die Späne fliegen.
Auf dem Wipfel im Geäst
pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest.
Miete zahlt nicht einer.

Rudolf Baumbach (1840-1905)
#160VerfasserHeinz H (243376) 22 Mär 09, 17:55
Kommentar
Herr Löffel und Frau Gabel

Herr Löffel und Frau Gabel,
die stritten sich einmal.
Der Löffel sprach zur Gabel:
„Frau Gabel, halt den Schnabel,
du bist ja bloß aus Stahl!"


Frau Gabel sprach: „Herr Löffel,
Ihr seid ein großer Töffel
mit Eurem Gesicht aus Zinn,
und wenn ich Euch zerkratze
mit meiner Katzentatze,
so ist Eure Schönheit hin!"


Das Messer lag daneben
und lachte: Gut gegeben!
Der Löffel aber fand:
mit Herrn und Fraun aus Eisen
ist nicht gut Kirschen speisen,
und küsste Frau Gabel galant -
die Hand.

Christian Morgenstern
(1871-1914)
#161VerfasserChaostranslater (459860) 22 Mär 09, 22:11
Kommentar
Heckenkind

Und als mein Vater die Mutter freit,
Widdewiddewittbummbummjuchhe,
Da kamen lauter feine Leut,
Widdewiddewitt bummbumm;
Der Kuckuck war der Pfarrer,
Der Pupphahn der Kaplan,
Der Wigelwagel Küster war,
Der orgelt, was er kann.

Und als ich dann geboren ward,
Widdewiddewittbummbummjuchhe,
Die Taufe war von feinster Art,
Widdewiddewitt bummbumm;
Als Pate kam der Igel,
Das Wiesel und die Maus,
Und als es an zu regnen fing,
Da war die Feier aus.

Heut halte ich mein Hochzeitsfest,
Widdewiddewittbummbummjuchhe,
Da kommen lauter feine Gäst,
Widdewiddewitt bummbumm;
Der Fink und auch die Meise,
Die Eule und der Hähr,
Und wenn die Wurst nicht langen will,
Der Bauer hat noch mehr.

Und wird's mit mir zu Ende sein,
Widdewiddewittbummbummjuchhe,
Die Leichenfeier, die wird fein,
Widdewiddewitt bummbumm;
Der Rabe singt die Messe,
Der Dachs das Grab mir macht,
Die Eichkatz auf dem Baume sitzt
Und hat sich schief gelacht.

Hermann Löns (1866-1914)
#162VerfasserHeinz H (243376) 23 Mär 09, 15:51
Kommentar
Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch,
Sie wollten erjagen den weißen Hirsch.

Sie legten sich unter den Tannenbaum,
Da hatten die drei einen seltsamen Traum.

Der erste
Mir hat geträumt, ich klopf' auf den Busch,
Da rauschte der Hirsch heraus, husch husch!

Der zweite
Und als er sprang mit der Hunde Geklaff,
Da brannt' ich ihn auf das Fell, piff paff!

Der dritte
Und als ich den Hirsch an der Erde sah,
Da stieß ich lustig ins Horn, trara!

So lagen sie da und sprachen, die drei,
Da rannte der weiße Hirsch vorbei.

Und eh' die drei Jäger ihn recht gsehen,
So war er davon über Tiefen und Höhn.

Husch husch! piff paff! trara!

Ludwig Uhland
#163Verfasserwulle (456007) 24 Mär 09, 08:29
Kommentar
Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
Still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei,
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -
Gegen den Wind an den Baum,
Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.


Joachim Ringelnatz
#164VerfasserChaostranslater (459860) 24 Mär 09, 09:58
Kommentar
Statt 'ner Gute-Nacht-Geschichte
Von jetzt an Gute-Nacht-Gedichte.
Ob's das Kind goutieren wird,
oder gar laut applaudiert?
Dem Vortrag, der mit viel Emphase
Bereiten soll die Tiefschlafphase?
Egal, abends nun Gedichte gibt es,
Hauptsache, das Kind, man liebt es.

#165Verfassersagittarius (254521) 24 Mär 09, 11:19
Kommentar
sagittarius scheint einem Virus verfallen -
nicht nur er(sie) - so geht's uns fast allen.

Kein Husten, kein Schnupfen, keine Grippe
nein, Kindergedichte steh'n in der Krankheit Mitte.

Kinder staunen wenn Morgenstern, Seidel und Heine
Fabeln und Märchen in Versen und Prosa reimen.

So ist die Bildung der nächsten Generation gerettet,
für die keiner sonst auch nur einen Fünfer verwettet.

Kinder werden groß mit Streichen und Faxen,
die wir noch 'in Reality' machten.

Der Kiddies Wortschatz wird exklusiv nebenher,
Herz was willst du mehr ??

Dies' ist eine Krankheit, die scheint mir genehm,
kann man doch so mit Freude in die Zukunft seh'n.



(Na ja, nicht schön, aber selten. Werde noch üben müssen. Es war einfach zu verlockend) :-)

#166VerfasserChaostranslater (459860) 24 Mär 09, 14:19
Kommentar
Auf ein schlummerndes Kind

Wenn ich, o Kindlein, vor dir stehe,
Wenn ich im Traum dich lächeln sehe,
Wenn du erglühst so wunderbar,
Da ahne ich mit süßem Grauen:
Dürft' ich in deine Träume schauen,
So wär' mir alles, alles klar!

Dir ist die Erde noch verschlossen,
Du hast noch keine Lust genossen,
Noch ist kein Glück, was du empfingst;
Wie könntest du so süß denn träumen,
Wenn du nicht noch in jenen Räumen,
Woher du kamest, dich ergingst?

Friedrich Hebbel (1813-1863)
#167VerfasserHeinz H (243376) 25 Mär 09, 09:00
Kommentar
Die Meise

Auguste, wie fast jede Nichte,
weiß wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache,
ist für den Onkel Ehrensache.

" Auguste ", sprach er, " glaub es mir,
die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
auch ist sie schwarz, weiß, gelb und blau.

Hell flötet sie und klettert munter
am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härtste Korn verschmäht sie nicht,
sie hämmert, bis die Schale bricht.

Mohnköpfchen bohrt sie mit Verstand
ein Löchlein in den Unterrand,
weil dann die Sämerei gelind
von selbst in ihren Schnabel rinnt.

Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
wo fette Käferlarven sitzen


und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden
und hieran siehst du außerdem,
wie weise das Natursystem."



Wilhelm Busch 1832 - 1908
#168VerfasserChaostranslater (459860) 25 Mär 09, 21:14
Kommentar
Als du warst ein Kind...

Als du warst ein Kind wie ich,
mochtest du doch sicherlich
an Familienfeiertagen
auch nicht gern Gedichte sagen.
Drum erspar die Verse mir
und nimm einen Kuss dafür.

Volksgut
#169VerfasserHeinz H (243376) 26 Mär 09, 10:02
Kommentar
Satansbraten

Das Kind, der kleine Satansbraten
Soll jetzt in den Kindergarten.
Doch trotz langer Vorbereitung
Und spielgerechter Kinderkleidung –
Kaum schließen sich des Hortes Türen,
Zeigen sich des Kinds Allüren.
Dies Blag, schnell wird’s den Tanten klar,
Macht jeden Tag zum langen Jahr.

Tage oder Jahre (?) später:
Unser kleiner Übeltäter
Soll/darf nun geh’n in die Schule,
Wo erst recht gibt’s viel Bambule.
Wenn andere sitzen, will es steh’n.
Es bleibt sitzen, wenn andere geh’n.
Aus dreizehn macht’s so fuffzehn Jahre,
Die Eltern kriegen graue Haare.

Doch irgendwie schafft’s jedes Kind,
Dass es jemand lieb gewinnt.
Und wenn es dann im Leben steht,
Oder einfach stempeln geht,
Es findet selber seine Chancen,
Macht dem Glück seine Avancen.
Ich hätte ihm ja abgeraten:
Jetzt will es selbst 'nen Satansbraten.

sagittarius, *1956 - and still kicking.
#170Verfassersagittarius (254521) 26 Mär 09, 10:03
Kommentar

Spannenlanger Hansel

Spannenlanger Hansel,
nudeldicke Dirn',
gehn wir in den Garten,
schütteln wir die Birn.
Schüttle ich die großen,
schüttelst du die klein',
wenn das Säcklein voll ist,
gehn wir wieder heim.

Lauf doch nicht so närrisch,
spannenlanger Hans!
Ich verlier' die Birnen
und die Schuh noch ganz.
Trägst ja nur die kleinen,
nudeldicke Dirn,
und ich schlepp den schweren Sack
mit den großen Birn.

Volkstümlich


#171Verfasserwulle (456007) 26 Mär 09, 11:01
Kommentar
Sommernacht

Wenn der Mond ins weite Land
seine Silbersichel spannt,
lugt hervor beim Eulenruf,
was ein Zauberwort erschuf,
was auf leisen Sohlen geht
und der Nachtwind hergeweht.

Käferlein im grünen Tann
zünden ihr Laternchen an.
Blau im blauen Mondenschein
tanzt der Elfen Geisterreihn.

Jedes aus der kleinen Schar
trägt ein Falterflügelpaar,
schwingt es durch die laue Luft
taumeltoll im Blütenduft.

In der Glockenblumen Klang
summt ihr feiner Silbersang,
und im wunderwirren Lauf
flammen kleine Kronen auf.

Aus verfallnem Geisterhaus
heimlich huscht Frau Fledermaus.
Krallenflügel flattern schnell
überm Abendrock von Fell.

Eine Moosfrau, fingergroß,
wiegt ein Kind auf ihrem Schoß,
hat es an ihr Kleid genäht,
dass es nicht verloren geht.
Und ein Männchen dürr und klein
steht auf einem Entenbein.

Alte Unken, Mann und Frau,
baden sich im Abendtau.
Dicke Pilze, rotgetupft,
kommen aus dem Wald gehupft,
nicken mit den Köpfen schwer
und bewundern alles sehr.
Und ein Rabe mit Geschrei
predigt Wissenschaft vom Ei.

Eine Maus hat sehr erschreckt
schnell ihr Abendbrot versteckt.
Meister Maulwurf klagt empört,
dass man seine Ruhe stört.

Und Titanias Lachen lacht
silbern durch die Sommernacht.
Wie ein bunter Schmetterling
flieht und fängt sich jedes Ding,
Reih'um Reihe, Ring um Ring,
Ring um Ring und Reih'um Reih'-

und beim ersten Hahnenschrei

ist's vorbei.


Manfred Kyber (1880 - 1933)


#170 sagittarius
schön, wenn man seine Kindheit so aufarbeiten kann :-))
nee, im Ernst, echt klasse. Gefällt mir (und bestimmt nicht nur mir) sehr gut. Kompliment.
#172VerfasserChaostranslater (459860) 26 Mär 09, 22:02
Kommentar
Der Klapperstorch

Was klappert im Hause so laut? Horch, horch!
Ich glaub, ich glaube, das ist der Storch.
Das war der Storch. Seid, Kinder, nur still,
Und hört, was gern ich erzählen euch will.
Er hat euch gebracht ein Brüderlein
Und hat gebissen Mutter ins Bein.
Sie liegt nun krank, doch freudig dabei,
Sie meint, der Schmerz zu ertragen sei.
Das Brüderlein hat euer gedacht,
Und Zuckerwerk die Menge gebracht,
Doch nur von den süßen Sachen erhält,
Wer artig ist und still sich verhält.

Adelbert von Chamisso (1781-1838)
#173VerfasserHeinz H (243376) 28 Mär 09, 08:48
Kommentar
Das bucklige Männlein

Will ich in mein Gärtlein gehn,
will mein Zwiebel gießen,
steht ein bucklich Männlein da,
fängt als an zu nießen.

Will ich in mein Küchel gehn,
will mein Süpplein kochen,
steht ein bucklich Männlein da,
hat mein Töpflein brochen.

Will ich in mein Stüblein gehn,
will mein Müslein essen,
steht ein bucklich Männlein da,
hats schon halber gessen.

Will ich auf mein'n Boden gehn,
will mein Hölzlein holen,
steht ein bucklich Männlein da,
hats schon halber gstohlen.

Will ich in mein Keller gehn,
will mein Weinlein zapfen,
steht ein bucklich Männlein da,
tut mirn Krug wegschnappen.

Setz ich mich an Rädlein hin,
will mein Fädlein drehen,
steht ein bucklich Männlein da,
lässt mirs Rad nicht gehen.

Geh ich in mein Kämmerlein,
will mein Bettlein machen,
steht ein bucklich Männlein da,
fängt als an zu lachen.

Will ich an mein Bänklein knien,
will ein bisschen beten,
steht ein bucklich Männlein da,
fängt als an zu reden.

Liebes Kindlein, ach ich bitt,
bet fürs bucklich Männlein mit.

unbekannter Verfasser
#174VerfasserChaostranslater (459860) 28 Mär 09, 10:27
Kommentar
Nachtwächter-Variationen

Wenn ein Nachtwächter
mit seinem Spieß in der Hand,
seinen Hund hinter sich,
ins Horn stößt,

so wird sich gewiss niemand wundern.

Wenn aber derselbe Nachtwächter,
seinen Hund in der Hand,
sein Horn hinter sich,

in seinen Spieß stieße,-
oder seinen Spieß hinter sich,

sich selbst in der Hand,

sein Horn in den Hund stieße,
oder, sich selbst hinter sich,

seinen Hund in der Hand,

seinen Spieß in das Horn stieße,

- so würde sich gewiss

die ganze Welt verwundern.

(unbekannter Autor)
#175VerfasserHeinz H (243376) 30 Mär 09, 11:33
Kommentar
Frühlingsbotschaft

Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.

Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!

Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

(Hatten wir das wirklich noch nicht? - Ich kann's nicht glauben)
#176VerfasserChaostranslater (459860) 30 Mär 09, 23:04
Kommentar
Hänsel und Gretel

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald.

Es war so finster und auch so bitter kalt.

Sie kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein.

Wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein?

Hu, hu, da schaut eine alte Hexe raus!

Lockte die Kinder ins Pfefferkuchenhaus.

Sie stellte sich gar freundlich, o Hänsel, welche Not!

Ihn wollt' sie braten im Ofen braun wie Brot.

Doch als die Hexe zum Ofen schaut hinein,

Ward sie gestoßen von Hans und Gretelein.

Die Hexe mußte braten, die Kinder geh'n nach Haus.

Nun ist das Märchen von Hans und Gretel aus.

Volksgut

Chaostranslater, noch so ein Gedicht, das erstaunlicherweise hier noch nicht auftauchte. Wollen wir eigentlich bis zur #300 weiter arbeiten oder sollten wir langsam ausblenden? Ich möchte mal die Stimmung testen.

#177VerfasserHeinz H (243376) 31 Mär 09, 09:41
Kommentar
Selbstgefällig

Mein Büdelein
Is noch so klein,
Is noch so dumm,
Ein ames Wum,
Muß tille liegen
In seine Wiegen
Und hat noch keine Hos'.
Ätsch, ätsch!
Und ich bin schon so groß.

Wilhelm Busch


@ Heinz H
möchtest Du den Faden auslaufen lassen oder sich selbst überlassen? Verstehe ich Dich da richtig?
Von mir aus gerne. Es ist teilweise nicht mehr so einfach Entsprechendes zu finden, das nicht dem U(h)rheberrecht unterliegt.

Mich hat es gestern aber doch erwischt - die Frühlingsbotschaft von Fallersleben hatte wulle schon unter #139 eingestellt. Entschuldigung wulle.
Wo steckt der eigentlich? Muss er jetzt vor seinem neuen Chef stramm stehen?

Du hast außerordentliche Talente entdeckt:
# 64 Holdastern
# 67 Belina
#130 Heinz H
#170 sagittarius

(Was mir gerade auffällt: wieso fragst Du mich eigentlich, du brauchst doch weder meine Erlaubnis noch mein Einverständnis - oder sind wir verheiratet???) SCNR
#178VerfasserChaostranslater (459860) 31 Mär 09, 12:57
Kommentar
Eskimojade

Es lebt´ in dulci jubilo

in Grönland einst ein Eskimo.

Der liebt voll Liebeslust und Leid

die allerschönste Eskimaid,

und nennt in Garten sie und Haus

bald Eskimiez, bald Eskimaus

Im wunderschönen Eskimai

spazieren gingen froh die zwei,

geschminkt die Wangen purpurrot

wie's mit sich bringt die Eskimod

und setzten sich ganz sorgenlos

ins wunderweiche Eskimoos.

Still funkelte am Horizont

der silberklare Eskimond.

Da schlich herbei aus dichtem Rohr

Othello, Grönlands Eskimohr.

In schwarzer Hand hielt fest den Dolch

der eifersücht'ge Eskimolch.

Und stach zwei- dreimal zu voll Wut

in frevelhaftem Eskimut.

Vom Dolch getroffen alle beid

sank Eskimo und Eskimaid.

Da rannt' im Sprunge des Galopps

herbei der treue Eskimops

Und biss mit seinen Zähnen stark

den Mörder bis ins Eskimark,

der bald, zerfleischt vom treuen Hund

für immer schloss den Eskimund.

So ward, das ist der Schlussakkord

gerächt der blut'ge Eskimord
,
und schaurig klingt von Norden her

noch heut'gen Tags die Eskimähr!

Julius Schmidt (19. Jahrhundert)

Chaostranslater, dich habe ich eigentlich nur gefragt, weil du, von mir abgesehen, die meisten Gedichte beigetragen hast. War auch nur so eine Frage, wie ich schon bemerkte, um die Stimmung zu testen. Ich mache gerne weiter; aber wenn "die Masse" meint: Jetzt reicht's!!!, dann hätte ich mich aus diesem Faden verabschiedet.
#179VerfasserHeinz H (243376) 31 Mär 09, 18:46
Kommentar
Kinder, lasst uns Eier schmücken...

Kinder, lasst uns Eier schmücken,
rot oder gelb, grün oder blau
einerlei, es wird entzücken
ein jeder komm' er her und schau.

Linien ziehn wir zart und fein,
da sitzt der Osterhase auf der Wiese,
und das sollen seine Kinder sein,
keine Eier sind so bunt wie diese!

Und eh der Tag noch wird sich neigen
haben wir sie hübsch gereiht,
und schon hängen sie an den Zweigen,
was ihr doch für Künstler seid!

Autor nicht bekannt

Ich bin dafür den Faden weiterzuführen, er ist echt nett, auch wenn es schwieriger wird, neue Gedichte zu finden. Werde mich auch wieder mehr engagiern, sobald
die Geburt vorbei ist.
Es wäre auch gut , wenn sich noch mehr "Mitleser" beteiligen würden........
#180Verfasserwulle (456007) 01 Apr 09, 10:51
Kommentar
Der Flügelflagel

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

Christian Morgenstern (1871-1914)

OK wulle, machen wir also weiter.
#181VerfasserHeinz H (243376) 01 Apr 09, 11:46
Kommentar
Anschütz, Ernst – Fuchs, du hast die Gans gestohlen 62
Arndt, Ernst Moritz – Lügenmärchen 121, 145
Baumbach, Rudolf – Die Gäste der Buche 160
Belena – Kleine Rose 67
Blüthgen, Victor – Kohlblättchen 100
Böhme, Erik – Backe, backe Kuchen 60
Brentano, Clemens – Singet leise, leise, leise 114
Brentano, Clemens – O wie dankbar ist ein Kind 123
Burmmann, Gottlob Wilhelm – Die Kindheit 115
Busch, Wilhelm – Die Affen 4
Busch, Wilhelm – Als ich ein kleiner Bube war 113
Busch, Wilhelm – Max und Moritz Fünfter Streich 116
Busch, Wilhelm – Naturgeschichtliches Alphabet 150
Busch, Wilhelm – Es kamen mal zwei Knaben 153
Busch, Wilhelm – Die Meise 168
Busch, Wilhelm – Selbstgefällig 178
Chamisso, Adabert von – Der Klapperstorch 173
Claudius, Matthias – Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Dehmel, Paula – Sprich leise 7
Dehmel, Paula – Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Paula – Mein Wagen 126
Dehmel, Paula – Anziehliedchen 128
Dehmel, Paula – Seereise 138
Dehmel, Richard – Staatsereignis 45
Dehmel, Richard – Die Schaukel, 69
Eskuche, Gustav – Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav – Es schneit 2
Falke, Gustav – Ausfahrt 13
Falke, Gustav – Zwiegespräch 21
Falke, Gustav – Die Kinder schlummern 155
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Alle Vögel sind schon da 102
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Ein Männlein steht im Walde 76
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Wettstreit 91
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Im Schlaraffenland 107
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 139
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der Weg zur Schule 158
Fallersleben, Heinrich Hoffman von – Der Frühling ist da 159
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 176
Fontane Theodor – Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Geibel, Emanuel – Mittagszauber 103
Gibran, Khalil – Sprich uns von den Kindern 8
Glaßbrenner, Adolf – Vom unordentlichen Max 133
Görres, Guido – Nun treiben wir den Winter aus 78
Goethe, Johann Wolfgang von – Der Zauberlehrling 63
Goethe, Johann Wolfgang von – Die Frösche 137
Gohl, Willi – Meitäli, wenn dü witt go tanzä 101
Güll, Friedrich Wilhelm – Nusssäcklein 3
Güll, Friedrich Wilhelm – Der erste Zahn 140
Güll, Friedrich Wilhelm – Häslein 141
Hebbel, Friedrich – Gottes Rätsel 43
Hebbel, Friedrich – Auf ein schlummerndes Kind 167
Heine, Heinrich – Der tugenhafte Hund 33, 34
Hille, Peter – Kind 142
Hey, Wilhelm – Kind und Buch 46, 108
Hey, Wilhelm – Rabe 50
Hey, Wilhelm – Kind und Ochse 92
Hoffmann, Heinrich – Die Geschichte vom fliegenden Robert 97
Hoffmann, Heinrich – Eine seltsame Kaffeegesellschaft 117
Hoffmann, Heinrich – Der erste Ostertag 131
Holdastern – Mein Büblein schlief schon, 64
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich– Wiegenlied an ein Mädchen 5
Kopisch, August – Die Heinzelmännchen zu Köln 98
Kronenberg, Annegret – Du kleines Menschenkind 32
Kyber, Manfred – Sommernacht 172
Langbein, August Friedrich Ernst – Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus – Stimme des Kindes 47
Liliencron, Detlev von – Meine Mutter 74
Liliencron, Detlev von – Ballade in U-dur 119
Lingg, Hermann von – Das Krokodil von Singapur 130
Löns, Hermann – Heckenkind 162
Meyer, Conrad Ferdinand – Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian – Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian – Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian – Die Mitternachtsmaus 56
Morgenstern, Christian – Ostergedicht 104
Morgenstern, Christian – Die zwei Wurzeln 111
Morgenstern, Christian – Wenn es Winter wird 143
Morgenstern, Christian – Herr Löffel und Frau Gabel 161
Morgenstern, Christian – Der Flügelflagel 181
Mühsam, Erich – Die Tierphilosophen 136
Neie, Rosemarie – Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Reinick, Robert – Kaninchen 75
Reinick, Robert – Großes Geheimnis 109
Reinick, Robert – Was gehn den Spitz die Gänse an 129
Reinick, Robert – Käferlied 149
Rilke, Rainer Maria – Kindheit 127
Ringelnatz, Joachim – Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim – Ernster Rat an Kinder 70, 94
Ringelnatz, Joachim – Kindergebetchen 12
Ringelnatz, Joachim – Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim – Die Feder 51
Ringelnatz, Joachim – Das Samenkorn 112
Ringelnatz, Joachim – Ein Wassertropfen 156
Ringelnatz, Joachim – Im Park 164
Rückert, Friedrich – Märchen 105
sagittarius – Satansbraten 170
Schiller, Friedrich von – Hoffnung 53
Schiller, Friedrich von – Die vier Brüder 118
Schiller, Friedrich von – Zum Geburtstag der Frau Griesbach 122
Schmidt, Julius – Eskimojade 179
Schweizer Kindergedicht – Roti Rösli 72, 73
Seidel, Heinrich – Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich – Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich – Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich – Bei Goldhähnchens 44
Storm, Theodor – Zur Taufe 15
Sturm, Julius – Der Bauer und sein Kind 89
Tieck, Ludwig – Miesekätzchen 90
Trojan, Johannes – Mutter, schallt es immerfort 124
Trojan, Johannes – Morgens in den Garten trat Liese 146
Tucholsky, Kurt – An das Baby 11, 28
Uhland, Ludwig – Einkehr 96
Uhland, Ludwig – Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch 163
Uhland, Ludwig – Des Knaben Berglied 148
unbekannter Autor – Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
unbekannter Autor – Dunkel war's, der Mond schein helle 19
unbekannter Autor – Die Geschichte vom Storch 54
unbekannter Autor – Chindervärsli uf Bärndütsch 59
unbekannter Autor – Drei Chinesen mit dem Kontrabass, 65
unbekannter Autor – Ick sitze hier und esse Klops... 99
unbekannter Autor – Stumpfsinnsverse 106
unbekannter Autor – Es flogen drei Enten 125
unbekannter Autor – Es war einmal ein Mann 157
unbekannter Autor – Nachtwächter-Variationen 175
unbekannter Autor – Kinder, lasst uns Eier schmücken 180
Volksgut – Möchte wohl wissen, wer das ist 132
Volksgut – Als du warst ein Kind 169
Volksgut – Der Herr, der schickt den Jockel aus 144
Volksgut – Hänsel und Gretel 177
Volkslied – Ein Vogel wollte Hochzeit machen 66
Volkslied – Auf! Kinder, zum Tanze 135
Volkslied – Das bucklige Männlein 174
Volkstümlich – Widewidewenne 154
Volkstümlich – Spannenlanger Hansel 171
Wette, Adelheid (mögliche Autorin) – Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Wiedemann, Franz – Hänschen klein 71
Zulliger, Hans – Wappe-Spruch 59
#182VerfasserHeinz H (243376) 01 Apr 09, 11:49
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Stolz und glücklich melden wir...

Stolz und glücklich melden wir,

dass ein Junge, stramm und kräftig,

gestern angekommen hier.

[Name] heißt er und schreit heftig.

Doch wir hoffen, mit der Zeit

wird schon daraus noch Heiterkeit.

Schon jetzt, schon in der Wiege,

sieht man die künftigen Siege.

Gustav Falke (1853-1916)

wulle, wann ist es denn soweit? Du wirst uns doch wohl hoffentlich informieren, wenn der neue Erdenbürger angekommen ist? Übrigens: Kein Schnee mehr auf der Alb? :-( :-))
#183VerfasserHeinz H (243376) 02 Apr 09, 09:01
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Das Kind in mir

Das Kind in mir will wieder spielen,
das Kind in mir will gerne schrei'n.
Das Kind in mir will seine Zehen zählen
und nochmal ganz besudelt sein.

Das Kind in mir, ist's groß geworden?
Das Kind in mir, darf's nie mehr weinen?
Ach, ich lass die Großen einfach reden
und lass die Sonne fröhlich scheinen.

Ihr Großen, die ihr groß geworden,
ihr denkt nun alle, ich wäre nicht gescheit.
doch ich befürchte, ihr werdet älter werden.
Für mich regnet's Kaugummi und Gummibären heut!.

Holdastern 2. April 2009


#184VerfasserHoldastern (337608) 02 Apr 09, 10:05
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@ Heinz H: Ich rechne innerhalb der nächsten 2 Wochen ist es soweit und selbstverständlich halte ich euch auf dem Laufenden. Die letzten Schneeberge werden gerade von der Sonne (!!!!!!! ja, auch wir kriegen ab und zu Sonne)weggeschmolzen!
Danke für das schöne Gedicht, werds an meine Frau weitergeben.
#185Verfasserwulle (456007) 02 Apr 09, 10:44
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Schulreime


Hörst Du's schlagen halber acht?
Gleich das Buch zurechtgemacht!
Schau, schon rudelts, groß und klein,
dick und dünn zur Schul hinein.
Wills Du gar der Letzte sein?


Schnell die Mappe übern Kopf
Und die Kappe auf den Schopf!
Und nun spring und lern' recht viel.
Wer sich tummelt kommt ans Ziel.

Friedrich Güll (1812-1879)



#186Verfasserwulle (456007) 06 Apr 09, 08:43
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Versteckens

Im Nachbarhof - o schöne Welt!
Mit Brettern, Stangen, Dielen,
Wie ist da alles vollgestellt,
Recht zum Versteckens spielen.

Da ist ein Hügel, ein Mauerloch,
Ein kleiner Stall für Schweine,
Des Hundes Hütte und dazu noch
Die lustigen, großen Steine.

Wie uns in stiller Seligkeit
Die Stunden da entschwinden -
Kein schönrer Fleck ist weit und breit
Auf dieser Welt zu finden!

In allen Winkeln groß und klein
Die einen sich verstecken,
Die andern suchen aus und ein
An allen End´ und Ecken.

Es folgen Hund und Vögelein
Dem fröhlichen Gewimmel.
O Kind, dir ist kein Raum zu klein,
Und jeder Raum ein Himmel!

Franz Bonn
1830–1904
#187Verfasserwulle (456007) 06 Apr 09, 13:55
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Närrische Träume

Heute Nacht träumte mir, ich hielt
den Mond in der Hand,
wie eine große, gelbe Kegelkugel,
und schob ihn ins Land,
als gält' es alle Neune.
Er warf einen Wald um, eine alte Scheune,
zwei Kirchen mitsamt den Küstern, o weh,
und rollte in die See.

Heute Nacht träumte mir, ich warf
den Mond ins Meer.
Die Fische all erschraken, und die Wellen
spritzten umher
und löschten alle Sterne.
Und eine Stimme, ganz aus der Feme,
schalt: "Wer pustet mir mein Licht aus?
Jetzt ist's dunkel im Haus!"

Heute Nacht träumte mir, es war
rabenfinster rings.
Da kam was leise auf mich zugegangen,
wie auf Zehen ging's.
Da wollt' ich mich verstecken,
stolperte über den Wald, über die Scheune vor Schrecken,
über die Kirchen mitsamt den Küstern, o weh,
und fiel in den See.

Heute Nacht träumte mir, ich sei
der Mond im Meer.
Die Fische alle glotzten und standen
im Kreis umher.
So lag ich seit Jahren,
sah über mir hoch die Schiffe fahren
und dacht', wenn jetzt wer über Bord sich biegt
und sieht, wer hier liegt,
zwischen Schollen und Flundern,
wie wird der sich wundem!

Gustav Falke (1853-1916)

Als kleines Kind war der Mond für mich eine Scheibe. Eine Zeit lang bin ich nachts regelmäßig von dieser dusseligen Scheibe geplumpst. Was immer das auch zu bedeuten hatte oder hat.
#188VerfasserChaostranslater (459860) 06 Apr 09, 14:58
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Lied eines Vogels

Vor meinem Fenster singt ein Vogel.
Still höre ich zu.
Mein Herz vergeht,
Erinnerung klingt,
Abendrot winkt, Dämmerung schwingt.
Er singt, was ich als Kind
So rein errang, so voll bezwang,
So traut durchmaß, so ganz besaß
Und dann vergessen!

Arno Holz (1863-1929)
#189VerfasserHeinz H (243376) 07 Apr 09, 08:22
Kommentar

Drunten an der Gartenmauern...

Drunten an der Gartenmauern
hab ich sehn das Häslein lauern.
Eins, zwei, drei -
legt's ein Ei,
lang wird's nimmer dauern.
Kinder, lasst uns niederducken!
Seht ihr's ängstlich um sich gucken? -
Ei, da hüpft's -
und dort schlüpft's
durch die Mauerlucken,
und nun sucht in alien Ecken,
wo die schönen Eier stecken:
Rot und blau
grün und grau,
und mit Marmelflecken.

Friedrich Wilhelm Güll
1812-1879
#190Verfasserwulle (456007) 07 Apr 09, 14:00
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Kinderseele

Was eine Kinderseele
aus jedem Blick verspricht!
So reich ist doch an Hoffnung
ein ganzer Frühling nicht.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
#191VerfasserHeinz H (243376) 08 Apr 09, 11:08
Kommentar
Die erste Freundin

Cornelia war das erste Mädchen
Das mir schöne Augen machte.
Drum fuhr zu ihr ich mit’m Rädchen
Nach der Schule. Man beachte,
Dass es ihr sehr schnell gelang,
bis den Gummi-Twist ich sprang.

Auch eine Connie gab es dann,
Und trotz fast gleichen Namens
Sie kam nicht an Cornelia ran.
Bei ihr sprang ich erst abends.
Und bestimmt nicht Gummi-Twist,
Man weiß ja, wie das so ist.

Man(n) soll ja nicht vergleichen
Die eine mit 'ner andern,
Nicht aus Erinnerung streichen,
Und auch nicht so sehr mäandern.
Doch wenn mir heut' nach Träumen ist,
Dann denk' ich an den Gummi-Twist.

sagittarius – born in 1956 & and still kicking strong

(Nicht unbedingt ein reines Kindergedicht ...)
#192Verfassersagittarius (254521) 08 Apr 09, 12:08
Kommentar


An ein schönes Kind

Du blickst, um deiner Mutter Hals dich schmiegend,
Mich hold und lächelnd an, ein sel'ger Stummer;
Die Wonne schließt den Mund, ihn löst der Kummer,
Du brauchst die Sprache nicht, in Luft dich wiegend.

Doch jetzt, der Kraft des Lenzes still erliegend,
Durch Bienen eingesurrt und and're Summer,
Von Duft betäubt, fällst du in tiefen Schlummer,
Ein Rosenblatt, in einen Brunnen fliegend.

O! würdest du der Maler und der Dichter
Gewaltigster, du wirst durch all dein Ringen
Das Höchste nie, wie jetzt im Spiel, verraten,

Nie so das Schöne durch der Farbe Lichter,
Nie so das Reine durch dein frömmstes Singen,
Nie so das Menschlich-Göttliche durch Taten!

Friedrich Hebbel
1813-1863)
#193Verfasserwulle (456007) 08 Apr 09, 15:40
Kommentar
Ganz recht, mein Herz!
Kein Mensch muss müssen!
ich weiß, ich weiß: ein Wort zum Küssen!
Nur eins muss man, dies schärf dir ein,
kein allzu großes Rindsvieh sein!

Arno Holz

#194VerfasserChaostranslater (459860) 08 Apr 09, 21:09
Kommentar

Unvergessene Kindheit

Die wonnig unheimliche Goldmacherküche
In unsrer alten Apotheke
mit den vielen Treppen und Dachböden
waren lauter Schornsteine.

Unter den einen konnte man sich mitten drunter stellen
und sah dann am helllichten Tage die Sterne.

Manchmal war alles dunkel.

Dann sah man gar nichts und fühlte nur, wie einem die dicken, schweren Regentropfen
eiskalt auf die Backen platschten.

Aber das Schönste war doch, wenn man kurz vor Weihnachten,
frühmorgens,
wenn das ganze Haus nach Marzipanherzen roch,
grad unter dem kleinen, viereckigen Kuckloch oben,
auf der Erde einen weißen, spitzen Scheehaufen entdeckte.

Der glitzerte dann wie eine Konditormütze!

Arno Holz
1863-1929
#195Verfasserwulle (456007) 09 Apr 09, 10:14
Kommentar
Kindergebet

Müde bin ich, geh' zur Ruh',
schließe beide Äuglein zu.
Vater laß die Augen dein
über meinem Bette sein.

Hab ich Unrecht heut getan,
sieh' es lieber Gott, nicht an!
Deine Gnad' und Jesu Blut
machen allen Schaden gut.

Alle, die mir sind verwandt,
Gott laß ruhn in deiner Hand.
Alle Menschen groß und klein,
sollen dir befohlen sein.

Kranken Herzen sende Ruh,
nasse Augen schließe zu,
laß den Mond am Himmel steh'n
und die stille Welt beseh'n.


Louise Hensel (1798 –1876)


Wurde bei unserer Oma beim Zubettgehen gemeinsam gebetet - wieder eine schöne Erinnerung an meine Kindertage, die durch diesen hübschen Faden heraufsteigt!
#196VerfasserCath (236489) 09 Apr 09, 10:47
Kommentar
Weißt du, wie viel Sternlein stehen

Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott, der Herr, hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.
Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut?
Wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?
Gott, der Herr, rief sie mit Namen,
dass sie all ins Leben kamen,
dass sie nun so fröhlich sind.
Weißt du, wie viel Kinder frühe
stehn aus ihrem Bettlein auf,
dass sie ohne Sorg und Mühe
fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
seine Lust, sein Wohlgefallen,
kennt auch dich und hat dich lieb.

Wilhelm Hey (1789-1854)
#197VerfasserHeinz H (243376) 09 Apr 09, 12:40
Kommentar
grad vorhin gelesen im Liegestuhl, passt doch wunderbar zu diesem sonnigen Tag.........

Die Weidenkätzchen

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt.

Wollen´s gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.

In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?

Musst dich recht besinnen:
Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blüh´n von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen lässt.

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt.

(Christian Morgenstern 1871-1914)
#198Verfassermoustique (308708) 09 Apr 09, 13:36
Kommentar
Für kleine Kinder

Der alte Flötenspieler Pan,
Der lehrte mich das Dichten:
Ein Volk und ein Stückchen Marzipan
Bestehn aus zweierlei Schichten.

Die eine schlürft Austern und baut sich Kohl
Und macht in Vaterlandstreue
Und fühlt sich kannibalisch wohl
Wie Goethes fünfhundert Säue.

Die andere spielt tagtäglich Va banque
Und kleidet sich in Lappen
Und führt ihr ganzes Lebenlang
Einen Hungerknochen im Wappen!

Arno Holz
1863 - 1929


#199Verfasserwulle (456007) 10 Apr 09, 09:07
Kommentar
Der Mond

Der Mond zieht durch die Wolken,
Er kommt so hell heran.
Ihr Kinder, eilt ins Freie!
O seht den Mond euch an!

Da streckt das kleinste Knäbchen
Die Arm' hinaus gar weit,
Den Mond, den Mond will's haben,
Nach ihm es weint und schreit.

Ich kann ihn dir nicht geben,
Auch wenn du größer bist,
Kann ich kein Glück dir geben,
Das nicht auf Erden ist. -

Denk' bei dem goldnen Monde,
Der hoch am Himmel schwebt,
Dass Niemand hier auf Erden
Unmögliches erstrebt.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
#200VerfasserHeinz H (243376) 10 Apr 09, 13:14
Kommentar
Lebensweisheit für [heranwachsende] Kinder

Ehe du in deinem Leben
fest auf einen Menschen baust,
geh mit Vorsicht ihm entgegen,
ehe du ihm anvertraust.

Schau ihm tief und fest ins Auge,
ob auch offen ist sein Blick,
denn des Menschen Worte lügen,
doch das Auge kann es nicht

(Autor mir leider unbekannt)
#201VerfasserChaostranslater (459860) 10 Apr 09, 23:50
Kommentar
Lütt Matten der Has

Wer springt da durchs Gras? - Lütt Matten, der Has'!
Er schnuppert am Flieder, summt lustige Lieder
und tanzt ganz allein auf nur einem Bein,
und tanzt ganz allein auf nur einem Bein.
Ganz plötzlich da huscht
der Fuchs aus dem Busch:
Da tanzt ja mein Essen,
jetzt gibt's was zu fressen!
Denn der Has`tanzt allein
auf nur einem Bein.
Und dann knickst er galant,
gibt dem Hasen die Hand:
Komm, ich bin deine Dame,
nimm mich in deine Arme.
Laß uns tanzen zu zwein
auf nur einem Bein.
Lütt Matten der Has
`denkt: Aus ist der Spaß!
Doch er reicht seine Pfoten
und der Fuchs pfeift die Noten.
Und sie tanzen zu zwein
auf nur einem Bein.
Und der Fuchs tanzt und lacht:
Wie hungrig das macht!
Reißt auf seinen Rachen
und weg ist sein Lachen...
Da beißt Matten der Has
ìhm ganz fest in die Nas`.

Klaus Groth (1819-1899)
#202VerfasserHeinz H (243376) 11 Apr 09, 13:48
Kommentar
Kind und Pfau

Im Mäntelchen mit viel Besatz
und seidener Kapotte,
im Spitzenkragen und Seidenlatz,
so steht hier die Charlotte.
Da kommt daher ein stolzer Pfau,
mit Federn, vielen hundert,
der sieht die kleine Menschenfrau, -
und beide steh'n verwundert.
Die Lotte beugt sich staundend vor,
der Pfau beugt sich zurücke
und spreizt den blauen Federflor; -
so kreuzen sich die Blicke.
"Was ist das für ein schönes Tier!"
so denken alle beide.
Er deucht ihr ganz von Golde schier,
sie deucht ihm ganz von Seide.
- Sie seh'n sich fast die Augen blind
am Kleid und an den Daunen -
und wenn sie nicht gegangen sind,
steh'n sie wohl noch und staunen.

Erich Mühsam (1878-1934)
#203VerfasserHeinz H (243376) 12 Apr 09, 09:53
Kommentar
Puff-puff Eisenbahn -
jetzt fahren wir nach Wiesenplan!

Wiesenplan, das ist die Stadt,
die den Kohlweißling zum Bürger hat.

Der Kohlweißling bewohnt ein Haus,
das sieht wie eine Glocke aus -

wie eine Glockenblume blau!
Da wohnt der Kohlweißling mit seiner Frau.

Und weht der Wind, macht die Glocke kling, kling,
und da freuen sich Herr und Frau Schmetterling.

Puff-puff Eisenbahn!
Jetzt fahren wir wieder aus Wiesenplan

hinaus, hinaus, dem Walde zu . . .
wohin? wohin? . . . Nach - Quellwaldruh!

Der Bahnwärter von Quellwaldruh,
das ist ein Frosch und quakt dazu.

»Quak, quak, aussteigen! quak!
in Quellwaldruh ist heut Ostertag!

In Quellwaldruh ist heut Osterfeier,
da versteckt der Osterhas bunte Eier!

Rote und gelbe und allerlei,
und das Suchen steht allen Fahrgästen frei!

Quak, quak, quak! Guten Tag!«
Guten Tag! Schönen Dank! Herr Bahnwärter Quak!

Und jetzt wollen wir unter den Eichen und Buchen
und Tannen und Birken die Ostereier suchen!

Und im Moos und unter den großen Wurzeln,
darüber die kleinen Kinder purzeln.

Nicht wahr? Und haben wir alle gefunden
und in unsre Sacktücher eingebunden,

dann fahren wir am Abend wieder nach Haus
und packen das Wunder vor Großmutter aus! -

Christian Morgenstern (1871-1914)
#204VerfasserChaostranslater (459860) 12 Apr 09, 11:05
Kommentar
Has, Has, Osterhas

Has, Has, Osterhas,
wir möchten nicht mehr warten.
Der Krokus und das Tausendschön,
Vergissmeinnicht und Tulpe stehn
schon lang in unserm Garten.

Has, Has, Osterhas,
mit deinen bunten Eiern!
Der Star lugt aus dem Kasten raus.
Blühkätzchen sitzen um sein Haus.
Wann kannst du Frühling feiern?

Has, Has, Osterhas,
ich wünsche mir das Beste:
ein großes Ei, ein kleines Ei,
dazu ein lustig Didldumdei.
Und alles in dem Neste.

Paula Dehmel (1862-1918)

Und weil gerade noch Ostern ist, hier nun weiteres an österlich eingefärbten Kindergedichten:

Mein Vater kaufte sich ein Haus…

Mein Vater kaufte sich ein Haus.
An dem Haus war ein Garten.
In dem Garten war ein Baum.
Auf dem Baum war ein Nest.
In dem Nest war ein Ei.
In dem Ei war ein Dotter.
Im Dotter war ein Osterhase,
der beißt dich in die Nase.

Volksgut

Ostereier

Einer
Die Mutter schlich sich heimlich fort -
Ich hab' sie geseh'n,
Mit einem Körbchen schien sie dort
Zum Garten zu geh'n.

Alle
Zur Osterfeier
Da suchen wir Eier,
Husch, husch,
Im Dornenbusch,
Flugs, flugs,
Im grünen Buchs.

Mutter.
Nun suchet! Es sind nur Euer drei -
Sechs Eier hab' ich versteckt.
Nun suchet! Es kommen auf Jeden zwei,
Wenn jeder sein Teil entdeckt.

Der Erste
Gefunden, gefunden ein blaues!

Der Zweite
Und hier ein gelbes, ein graues!

Der Dritte
Und ich ein wundernettes,
O seht doch, ein violettes!

Der Erste
Und wiederum eins,
O sehet doch meins,
Meins ist das schönste von allen,
So purpurrot wie Korallen!

Der Dritte
Kommt alle herbei!
Seht, welch ein Ei!
Seht, seht, o seht,
Was hier auf diesem geschrieben steht!

Mutter
"Willst du des Fundes genießen,
Lass dich kein Suchen verdrießen!"

Der Dritte
O liebe Mutter, wir danken dir
Für die schönen Ostereier;
O liebe Mutter, o hätten wir
Doch bald wieder Osterfeier!

Alle
Zur Osterfeier
Da freu'n wir uns sehr,
Da suchen wir Eier
Die Kreuz und die Quer!
Husch, husch,
Im Dornenbusch,
Flugs, flugs,
Im grünen Buchs,
Husch, husch, husch, husch!
Flugs, flugs, flugs!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
#205VerfasserHeinz H (243376) 13 Apr 09, 09:53
Kommentar
Osterhäschen dort im Grase

Osterhäschen dort im Grase,
Wackelschwänzchen, Stuppernase,
mit den langen, braunen Ohren,
hast ein Osterei verloren!
Zwischen Blumen seh' ich's liegen.
Osterhäschen, kann ich's kriegen?

unbekannter Autor
#206VerfasserHeinz H (243376) 13 Apr 09, 17:30
Kommentar
Ostern ist zwar schon vorbei

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich tät's gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren.
Und zugleich tät es mich kitzeln,
Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen
Wohl die Henne? Wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward das Ei erdacht:
Doch, weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat der Hase es gebracht.

Eduard Mörike

@ Heinz H
Es ist wirklich erstaunlich, dass dieser Faden schon über 200 Einträge zählt; das hätte ich nie gedacht. Schön, dass ich mich geirrt habe. :-)
#207VerfasserChaostranslater (459860) 13 Apr 09, 22:34
Kommentar
Das Perlhuhn

Das Perlhuhn zählt: Eins, zwei, drei, vier...
Was zählt es wohl, das gute Tier,
dort unter den dunklen Erlen?

Es zählt vom Wissensdrang gejückt
(die es sowohl wie uns entzückt):
die Anzahl seiner Perlen.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Chaostranslater, irre, gell? Es kann manches Mal ganz schön sein, wenn man sich irrt.
#208VerfasserHeinz H (243376) 14 Apr 09, 07:59
Kommentar
Einem träumt er künnte fliegen Morgens

Einem träumt, er künnte fliegen;
Morgens stieg er auf die Bank,
Streckte von sich beide Hände,
flog, so breit er war und lang;
Wahrlich, er wär tief geflogen,
wo der Boden nicht getan,
Der empfing aus Maul und Nase
sein Geblüt und manchen Zahn.

(Friedrich von Logau, 24.01.1604- 24.07.1655)
#209Verfassermoustique (308708) 14 Apr 09, 08:21
Kommentar
Vom Riesen Timpetu


Pst! Ich weiß was. Hört mal zu!

War einst ein Riese Timpetu.

Der arme Bursche hat - oh Graus -

im Schlafe nachts verschluckt 'ne Maus.

Er lief zum Doktor Isegrimm:

"Ach Doktor! Mir geht's heute schlimm.

ich hab' im Schlaf 'ne Maus verschluckt,

die sitzt im Leib und kneipt und druckt."

Der Doktor war ein kluger Mann,

man sah's ihm an der Nase an.

Er hat ihm in den Hals geguckt.

"Wie? Was? Ne Maus habt ihr verschluckt?

Verschluckt 'ne Miezekatz dazu.

so lässt die Maus euch gleich in Ruh."


Alwin Freudenberg
1873-1930
#210Verfasserwulle (456007) 14 Apr 09, 15:19
Kommentar
Von dem großen Elefanten

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der -
der immer so macht, hin und her.

Der lässt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst mir ja nicht drüber lachen.
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltener als bei dem Kamel.


Christian Morgenstern (1871-1914)
#211VerfasserChaostranslater (459860) 14 Apr 09, 15:32
Kommentar
Wittewoll schlafen

Auf der Leine, auf grünem Platz,
hängen sieben Leibchen und ein Latz.
In der Ecke, wo's Spinnchen spinnt,
liegt mit grossen Augen mein Kind.
Wittewoll schlafen? Wittewoll schlafen?

Henne macht sich ein Bett im Sand,
Fliege träumt an der Mauerwand,
Schmetterling sitzt in der Mittagsruh,
schaukelt die Flügel auf und zu.
Wittewoll schlafen? Wittewoll schlafen?

Suselesu, der Sonnenwind
bläst in die Augen dem müden Kind;
es will noch blinzeln - Spinnchen hält
den bunten Schleier vor die Welt.
Wittewoll - schlafen?

Paula Dehmel (1862-1918)
#212VerfasserHeinz H (243376) 15 Apr 09, 08:55
Kommentar
Du musst verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach gleich,
so bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs -
So sagt die Hex -
Mach Sieben und Acht,
So ists vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Johann Wolfgang von Goethe
1749-1832
#213Verfasserwulle (456007) 15 Apr 09, 13:51
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Rabenschnabelschnupfen

Die Raben haben Schnabelschnupfen
Und scheinen gar nicht wohl zu sein.
In Tücher mit und ohne Tupfen
Verpacken sie sich sorgsam ein.

Die Sache ist durchaus bedenklich,
Wie man hier leider, leider sieht.
Und auch die Kinder scheinen kränklich
Und von erkältetem Gemüt.

Oh, schont euch, hütet euch zu hupfen
Und bleibt im Neste weich gewiegt,
Dass ihr zum Rabenschnabelschnupfen
Nicht auch das Krallenrheuma kriegt!

Manfred Kyber (1880-1933)
#214VerfasserChaostranslater (459860) 15 Apr 09, 21:56
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Das Riesen-Spielzeug

Burg Niedeck ist im Elsass der Sage wohlbekannt,
Die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;
Sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,
Du fragest nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Einst kam das Riesen-Fräulein aus jener Burg hervor,
Erging sich sonder Wartung und spielend vor dem Tor,
Und stieg hinab den Abhang bis in das Tal hinein,
Neugierig zu erkunden, wie's unten möchte sein.

Mit wen'gen raschen Schritten durchkreuzte sie den Wald,
Erreichte gegen Haslach das Land der Menschen bald,
Und Städte dort und Dörfer und das bestellte Feld
Erschienen ihren Augen gar eine fremde Welt.

Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut,
Bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;
Es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,
Es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.

"Ei! artig Spielding!" ruft sie, "das nehm ich mit nach Haus."
Sie knieet nieder, spreitet behänd ihr Tüchlein aus,
Und feget mit den Händen, was da sich alles regt,
Zu Haufen in das Tüchlein, das sie zusammen schlägt;

Und eilt mit freud'gen Sprüngen, man weiß, wie Kinder sind,
Zur Burg hinan und suchet den Vater auf geschwind:
"Ei Vater, lieber Vater, ein Spielding wunderschön!
So Allerliebstes sah ich noch nie auf unsern Höhn"

Der Alte saß am Tische und trank den kühlen Wein,
Er schaut sie an behaglich, er fragt das Töchterlein:
"Was Zappeliches bringst du in deinem Tuch herbei?
Du hüpfest ja vor Freuden; lass sehen, was es sei."

Sie spreitet aus das Tüchlein und fängt behutsam an,
Den Bauer aufzustellen, den Pflug und das Gespann;
Wie alles auf dem Tische sie zierlich aufgebaut,
So klatscht sie in die Hände und springt und jubelt laut.

Der Alte wird gar ernsthaft und wiegt sein Haupt und spricht:
"Was hast du angerichtet? das ist kein Spielzeug nicht;
Wo du es hergenommen, da trag es wieder hin,
Der Bauer ist kein Spielzeug, was kommt dir in den Sinn!

Sollst gleich und ohne Murren erfüllen mein Gebot;
Denn, wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot;
Es sprießt der Stamm der Riesen aus Bauernmark hervor,
Der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor!"

Burg Niedeck ist im Elsass der Sage wohlbekannt,
Die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand,
Sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,
Und fragst du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Adelbert von Chamisso (1781-1838)
#215VerfasserHeinz H (243376) 16 Apr 09, 08:18
Kommentar
Ball der Tiere

Mich dünkt, wir geben einen Ball!
Sprach Frau Nachtigall.

So?
Sprach der Floh.

Was werden wir essen?
Sprachen die Wespen.

Nudeln!
Sprachen die Pudeln.

Was werden wir trinken?
Sprachen die Finken.

Bier!
Sprach der Stier.

Nein, nein!
Sprach das Schwein.

Wo werden wir tanzen?
Sprachen die Wanzen.

Im Haus!
Sprach die Maus.

(unbekannter Autor)
#216Verfasserwulle (456007) 16 Apr 09, 13:40
Kommentar
Und noch ein Klassiker: (Nicht nur für Kinder)

Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

"Der Werwolf" - sprach der gute Mann,
"des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
den Wenwolf, - damit hat's ein End."

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, daß er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch "Wer" gäb's nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

(Christian Morgenstern, 1871-1814)
#217VerfasserChaostranslater (459860) 16 Apr 09, 21:49
Kommentar
Der kleine Vogelfänger

Wart', Vöglein, wart'! Jetzt bist du mein,
Jetzt hab' ich dich gefangen,
In einem Käfig sollst du jetzt
An meinem Fenster hangen!

"Ach, lieber Bube, sag' mir doch,
Was hab' ich denn begangen,
Dass du mich armes Vögelein,
Dass du mich hast gefangen?" –

Ich bin der Herr, du bist der Knecht:
Die Tiere, die da leben,
Die sind dem Menschen allzumal
Und mir auch untergeben.

"Das, lieber Bube, glaub' ich nicht,
Das sollst du mir beweisen!" –
Schweig' still, schweig' still! sonst brat' ich dich
Und werde dich verspeisen! –

Der Knabe rannte schnell nach Haus,
Da fiel er von der Stiegen.
Das Vöglein flog zum Haus hinaus
Und ließ das Büblein liegen.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
#218VerfasserHeinz H (243376) 16 Apr 09, 23:25
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Auf unsrer Wiese gehet was

Auf unsrer Wiese gehet was,
Watet durch die Sümpfe,
Es hat ein weißes Röcklein an,
Trägt auch rote Strümpfe,
Fängt die Frösche, schwapp, wapp, wapp,
Klappert lustig, klapperdiklapp!
Wer kann es erraten?

Ihr denkt, es ist ein Klapperstorch,
Watet durch die Sümpfe;
Er hat ein weißes Röcklein an,
Trägt auch rote Strümpfe,
Fängt die Frösche, schwapp, wapp, wapp,
Klappert lustig, klapperdiklapp,
Nein - es ist Frau Störchin.

(Text Hoffmann von Fallersleben, Musik: trad.)
#219VerfasserChaostranslater (459860) 17 Apr 09, 23:37
Kommentar
Das Hungerkind

Mutter, ach Mutter, es hungert mich;
Gib mir Brot, sonst sterbe ich!

"Warte nur, mein Kind,
Morgen woll'n wir säen geschwind!"
Und als das Korn gesäet war,
Da sprach das Kind noch immerdar:

Mutter, ach Mutter, es hungert mich:
Gib mir Brot, sonst sterbe ich!

"Warte nur, mein Kind,
Morgen woll'n wir ernten geschwind!"
Und als das Korn geerntet war,
Da sprach das Kind noch immerdar:

Mutter, ach Mutter, es hungert mich;
Gib mir Brot, sonst sterbe ich!

"Warte nur, mein Kind,
Morgen woll'n wir dreschen geschwind!"
Und als das Korn gedroschen war,
Da sprach das Kind noch immerdar:

Mutter, ach Mutter, es hungert mich;
Gib mir Brot, sonst sterbe ich!

"Warte nur, mein Kind,
Morgen woll'n wir mahlen geschwind!"
Und als das Korn gemahlen war,
Da sprach das Kind noch immerdar:

Mutter, ach Mutter, es hungert mich;
Gib mir Brot, sonst sterbe ich!

"Warte nur, mein Kind,
Morgen woll'n wir backen geschwind!"
Und als das Brot gebacken war,
Da lag das Kind auf der Totenbahr'.

Volksgut
#220VerfasserHeinz H (243376) 18 Apr 09, 09:30
Kommentar
Der Sperling und das Känguru

In seinem Zaun das Känguru
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebäude
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fühlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Känguru beguckt.

Der Sperling sträubt den Federflaus
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch säße
Wenn nun das Känguru ihn fräße?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.

Christian Morgenstern (1871-1914)


@ Heinz H
Bei 300 gibst Du aber eine virtuelle Runde aus - oder??
#221VerfasserChaostranslater (459860) 18 Apr 09, 23:04
Kommentar
Dornröschen

Dornröschen war ein schönes Kind,
Schönes Kind, schönes Kind,
Dornröschen war ein schönes Kind,
Schönes Kind.

Dornröschen nimm dich ja in acht,
Ja in acht, ja in acht,
Dornröschen nimm dich ja in acht,
Ja in acht.

Da kam die böse Fee herein,
Fee herein, Fee herein,
Da kam die böse Fee herein
Und rief zu ihr:

"Dornröschen schlafe hundert Jahr,
Hundert Jahr, hundert Jahr,
Dornröschen schlafe hundert Jahr
Und alle mit."

Und eine Hecke riesengroß,
Riesengroß, riesengroß,
Und eine Hecke riesengroß
Umgab das Schloß.

Da kam ein junger Königssohn,
Königssohn, Königssohn,
Da kam ein junger Königssohn
Und sprach zu ihr:

"Dornröschen, holdes Mägdelein,
Mägdelein, Mägdelein,
Dornröschen, holdes Mägdelein,
Nun wache auf.

Dornröschen wachte wieder auf,
Wieder auf, wieder auf,
Dornröschen macht der Königssohn
Zur Königin.

Sie feierten ein großes Fest,
Großes Fest, großes Fest,
Sie feierten ein großes Fest,
Das Hochzeitsfest.

Und alle freuten herzlich sich,
Herzlich sich, herzlich sich,
Es freute sich auch herzlich mit
Das ganze Land.

unbekannter Autor

Chaostranslater, na klar. Ich werde dann sinnvollerweise die Gesamtliste aller Gedichte einstellen. Werde ich jetzt zur Orientierung auch noch einmal machen.
#222VerfasserHeinz H (243376) 19 Apr 09, 10:15
Kommentar
Anschütz, Ernst – Fuchs, du hast die Gans gestohlen 62
Arndt, Ernst Moritz – Lügenmärchen 121, 145
Baumbach, Rudolf – Die Gäste der Buche 160
Belena – Kleine Rose 67
Blüthgen, Victor – Kohlblättchen 100
Böhme, Erik – Backe, backe Kuchen 60
Bonn, Franz – Versteckens 187
Brentano, Clemens – Singet leise, leise, leise 114
Brentano, Clemens – O wie dankbar ist ein Kind 123
Burmmann, Gottlob Wilhelm – Die Kindheit 115
Busch, Wilhelm – Die Affen 4
Busch, Wilhelm – Als ich ein kleiner Bube war 113
Busch, Wilhelm – Max und Moritz Fünfter Streich 116
Busch, Wilhelm – Naturgeschichtliches Alphabet 150
Busch, Wilhelm – Es kamen mal zwei Knaben 153
Busch, Wilhelm – Die Meise 168
Busch, Wilhelm – Selbstgefällig 178
Chamisso, Adelbert von – Der Klapperstorch 173
Chamisso, Adelbert von – Das Riesen-Spielzeug 215
Claudius, Matthias – Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Dehmel, Paula – Sprich leise 7
Dehmel, Paula – Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Paula – Mein Wagen 126
Dehmel, Paula – Anziehliedchen 128
Dehmel, Paula – Seereise 138
Dehmel, Paula – Has, Has, Osterhas 205
Dehmel, Paula – Wittewoll schlafen 212
Dehmel, Richard – Staatsereignis 45
Dehmel, Richard – Die Schaukel, 69
Eskuche, Gustav – Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav – Es schneit 2
Falke, Gustav – Ausfahrt 13
Falke, Gustav – Zwiegespräch 21
Falke, Gustav – Die Kinder schlummern 155
Falke, Gustav – Stolz und glücklich melden wir 183
Falke, Gustav – Närrische Träume 188
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Alle Vögel sind schon da 102
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Ein Männlein steht im Walde 76
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Wettstreit 91
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Im Schlaraffenland 107
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 139
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der Weg zur Schule 158
Fallersleben, Heinrich Hoffman von – Der Frühling ist da 159
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 176
Fallersleben Heinrich Hoffmann von – Kinderseele 191
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der Mond 200
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Ostereier 205
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der kleine Vogelfänger 218
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Auf unsrer Wiese gehet was 219
Fontane Theodor – Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Freudenberg, Alwin – Vom Riesen Timpetu 210
Geibel, Emanuel – Mittagszauber 103
Gibran, Khalil – Sprich uns von den Kindern 8
Glaßbrenner, Adolf – Vom unordentlichen Max 133
Görres, Guido – Nun treiben wir den Winter aus 78
Goethe, Johann Wolfgang von – Der Zauberlehrling 63
Goethe, Johann Wolfgang von – Die Frösche 137
Goethe, Johann Wolfgang von – Das Hexen-Einmaleins 213
Gohl, Willi – Meitäli, wenn dü witt go tanzä 101
Groth, Klaus – Lütt Matten der Has 202
Güll, Friedrich Wilhelm – Nusssäcklein 3
Güll, Friedrich Wilhelm – Der erste Zahn 140
Güll, Friedrich Wilhelm – Häslein 141
Güll, Friedrich Wilhelm – Schulreime 186
Güll, Friedrich Wilhelm – Drunten an der Gartenmauern 190
Hebbel, Friedrich – Gottes Rätsel 43
Hebbel, Friedrich – Auf ein schlummerndes Kind 167
Hebbel, Friedrich – An ein schönes Kind 193
Heine, Heinrich – Der tugenhafte Hund 33, 34
Hensel, Louise – Kindergebet 196
Hey, Wilhelm – Kind und Buch 46, 108
Hey, Wilhelm – Rabe 50
Hey, Wilhelm – Kind und Ochse 92
Hey, Wilhelm – Weißt du, wieviel Sternlein stehen? 197
Hille, Peter – Kind 142
Hoffmann, Heinrich – Die Geschichte vom fliegenden Robert 97
Hoffmann, Heinrich – Eine seltsame Kaffeegesellschaft 117
Hoffmann, Heinrich – Der erste Ostertag 131
Holdastern – Mein Büblein schlief schon, 64
Holdastern – Das Kind in mir 184
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich – Wiegenlied an ein Mädchen 5
Holz, Arno – Lied eines Vogels 189
Holz, Arno – Unvergessene Kindheit 195
Holz, Arno – Für kleine Kinder 199
Kopisch, August – Die Heinzelmännchen zu Köln 98
Kronenberg, Annegret – Du kleines Menschenkind 32
Kyber, Manfred – Sommernacht 172
Kyber, Manfred – Rabenschnabelschnupfen 214
Langbein, August Friedrich Ernst – Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus – Stimme des Kindes 47
Liliencron, Detlev von – Meine Mutter 74
Liliencron, Detlev von – Ballade in U-dur 119
Lingg, Hermann von – Das Krokodil von Singapur 130
Löns, Hermann – Heckenkind 162
Logau, Friedrich von – Einem träumt er künnte fliegen 209
Meyer, Conrad Ferdinand – Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian – Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian – Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian – Die Mitternachtsmaus 56
Morgenstern, Christian – Ostergedicht 104
Morgenstern, Christian – Die zwei Wurzeln 111
Morgenstern, Christian – Wenn es Winter wird 143
Morgenstern, Christian – Herr Löffel und Frau Gabel 161
Morgenstern, Christian – Der Flügelflagel 181
Morgenstern, Christian – Die Weidenkätzchen 198
Morgenstern, Christian – Puff-puff Eisenbahn 204
Morgenstern, Christian – Von dem großen Elefanten 211
Morgenstern, Christian – Der Werwolf 217
Morgenstern, Christian – Der Sperling und das Känguru 221
Mörike, Eduard – Ostern ist zwar schon vorbei 207
Mühsam, Erich – Die Tierphilosophen 136
Mühsam, Erich – Kind und Pfau 203
Neie, Rosemarie – Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Reinick, Robert – Kaninchen 75
Reinick, Robert – Großes Geheimnis 109
Reinick, Robert – Was gehn den Spitz die Gänse an 129
Reinick, Robert – Käferlied 149
Rilke, Rainer Maria – Kindheit 127
Ringelnatz, Joachim – Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim – Ernster Rat an Kinder 70, 94
Ringelnatz, Joachim – Kindergebetchen 12
Ringelnatz, Joachim – Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim – Die Feder 51
Ringelnatz, Joachim – Das Samenkorn 112
Ringelnatz, Joachim – Ein Wassertropfen 156
Ringelnatz, Joachim – Im Park 164
Rückert, Friedrich – Märchen 105
sagittarius – Satansbraten 170
sagittarius – Die erste Freundin 192
Schiller, Friedrich von – Hoffnung 53
Schiller, Friedrich von – Die vier Brüder 118
Schiller, Friedrich von – Zum Geburtstag der Frau Griesbach 122
Schmidt, Julius – Eskimojade 179
Schweizer Kindergedicht – Roti Rösli 72, 73
Seidel, Heinrich – Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich – Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich – Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich – Bei Goldhähnchens 44
Storm, Theodor – Zur Taufe 15
Sturm, Julius – Der Bauer und sein Kind 89
Tieck, Ludwig – Miesekätzchen 90
Trojan, Johannes – Mutter, schallt es immerfort 124
Trojan, Johannes – Morgens in den Garten trat Liese 146
Tucholsky, Kurt – An das Baby 11, 28
Uhland, Ludwig – Einkehr 96
Uhland, Ludwig – Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch 163
Uhland, Ludwig – Des Knaben Berglied 148
unbekannter Autor – Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
unbekannter Autor – Dunkel war's, der Mond schein helle 19
unbekannter Autor – Die Geschichte vom Storch 54
unbekannter Autor – Chindervärsli uf Bärndütsch 59
unbekannter Autor – Drei Chinesen mit dem Kontrabass, 65
unbekannter Autor – Ick sitze hier und esse Klops... 99
unbekannter Autor – Stumpfsinnsverse 106
unbekannter Autor – Es flogen drei Enten 125
unbekannter Autor – Es war einmal ein Mann 157
unbekannter Autor – Nachtwächter-Variationen 175
unbekannter Autor – Kinder, lasst uns Eier schmücken 180
unbekannter Autor – Lebensweisheit für (heranwachsende) Kinder 201
unbekannter Autor – Osterhäschen dort im Grase 206
unbekannter Autor – Ball der Tiere 216
unbekannter Autor – Dornröschen 222
Volksgut – Möchte wohl wissen, wer das ist 132
Volksgut – Als du warst ein Kind 169
Volksgut – Der Herr, der schickt den Jockel aus 144
Volksgut – Hänsel und Gretel 177
Volksgut – Mein Vater kaufte sich ein Haus 205
Volksgut – Das Hungerkind 220
Volkslied – Ein Vogel wollte Hochzeit machen 66
Volkslied – Auf! Kinder, zum Tanze 135
Volkslied – Das bucklige Männlein 174
Volkstümlich – Widewidewenne 154
Volkstümlich – Spannenlanger Hansel 171
Wette, Adelheid (mögliche Autorin) – Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Wiedemann, Franz – Hänschen klein 71
Zulliger, Hans – Wappe-Spruch 59
#223VerfasserHeinz H (243376) 19 Apr 09, 10:18
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Kinderland, du Zauberland,
Haus und Hof und Hecken.
Hinter blauer Wälderwand
spielt die Welt Verstecken.
(Detlev von Liliencron, 1844-1909)
#224Verfassermoustique (308708) 19 Apr 09, 10:50
Kommentar
Слон


Der Elefant

„Elefant, mein lieber, hör mir doch mal zu!
Warum wackelst immer mit dem Kopfe du?“

„Kleiner Freund, warum, weshalb ich dieses tu?
Das versteh ich selbst nicht, grüble immerzu…

Im Vergleich zu mir ist doch der Mensch ein Zwerg, –
Trotzdem sperrt er mich in diesen engen Pferch…

Und ich wackle mit dem Kopf an allen Tagen.
Lieber würd’ ich Stämme durch den Urwald tragen…“

„Hör doch auf jetzt mit dem Wackeln, Elefant!
Reich mir durch die Stäbe deine Rüsselhand…

Schau, ich hab für dich ein Elefantentier,
Klein, aus Plüsch nur, aber lieb! Gefällt es dir?

Kannst es baden, kannst es lecken, kannst es zwackeln!
Wirst du dann noch immer mit dem Kopfe wackeln?..“

Sascha Tschornyj, 1920
Übertragung: Ulrich Henkys, April 2007


Sascha Tschornyj - (Alexander Glickberg)
*13. Oktober 1880 in Odessa
+ 5. Juli 1932.
#225VerfasserChaostranslater (459860) 19 Apr 09, 20:02
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Der Bauer und sein Sohn

Ein guter dummer Bauerknabe,
Den Junker Hans einst mit auf Reisen nahm,
Und der, trotz seinem Herrn, mit einer guten Gabe,
Recht dreist zu lügen, wiederkam,
Ging, kurz nach der vollbrachten Reise,
Mit seinem Vater über Land.
Fritz, der im Gehn recht Zeit zum Lügen fand,
Log auf die unverschämtste Weise.
Zu seinem Unglück kam ein großer Hund gerannt.
"Ja, Vater", rief der unverschämte Knabe,
"Ihr mögt mirs glauben oder nicht:
So sag ich Euchs, und jedem ins Gesicht,
Daß ich einst einen Hund bei — Haag gesehen habe,
Hart an dem Weg, wo man nach Frankreich fährt,
Der — ja, ich bin nicht ehrenwert,
Wenn er nicht größer war als Euer größtes Pferd."

"Das", sprach der Vater, "nimmt mich wunder;
Wiewohl ein jeder Ort läßt Wunderdinge sehn.
Wir, zum Exempel, gehn itzunder,
Und werden keine Stunde gehn:
So wirst du eine Brücke sehn
(Wir müssen selbst darüber gehn),
Die hat dir manchen schon betrogen
(Denn überhaupt solls dort nicht gar zu richtig sein);
Auf dieser Brücke liegt ein Stein,
An den stößt man, wenn man denselben Tag gelogen,
Und fällt, und bricht sogleich das Bein."

Der Bub erschrak, sobald er dies vernommen.
"Ach", sprach er, "lauft doch nicht so sehr.
Doch wieder auf den Hund zu kommen,
Wie groß sagt ich, daß er gewesen wär?
Wie Euer großes Pferd? Dazu will viel gehören.
Der Hund, itzt fällt mirs ein, war erst ein halbes Jahr;
Allein das wollt ich wohl beschwören,
Dass er so groß, als mancher Ochse, war."

Sie gingen noch ein gutes Stücke;
Doch Fritzen schlug das Herz. Wie konnt es anders sein?
Denn niemand bricht doch gern ein Bein.
Er sah nunmehr die richterische Brücke,
Und fühlte schon den Beinbruch halb.
"Ja, Vater", fing er an, "der Hund, von dem ich redte,
War groß, und wenn ich ihn auch was vergrößert hätte:
So war er doch viel größer als ein Kalb."

Die Brücke kömmt. Fritz! Fritz! wie wird dirs gehen!
Der Vater geht voran; doch Fritz hält ihn geschwind.
"Ach Vater!", spricht er, "seid kein Kind,
Und glaubt, daß ich dergleichen Hund gesehen.
Denn kurz und gut, eh wir darüber gehen,
Der Hund war nur so groß, wie alle Hunde sind."

Du musst es nicht gleich übelnehmen,
Wenn hie und da ein Geck zu lügen sich erkühnt.
Lüg auch, und mehr als er, und such ihn zu beschämen:
So machst du dich um ihn und um die Welt verdient.

Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

#226VerfasserHeinz H (243376) 19 Apr 09, 23:24
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Das Männlein in der Gans

Das Männlein ging spazieren einmal
Auf dem Dach, ei seht doch!
Das Männlein ist hurtig, das Dach ist schmal,
Gib acht, es fällt noch.
Eh' sich's versieht, fällt's vom Dach herunter
Und bricht den Hals nicht, das ist ein Wunder.

Unter dem Dach steht ein Wasserzuber,
Hinein fällt's nicht schlecht;
Da wird es nass über und über,
Ei, das geschieht ihm recht.
Da kommt die Gans gelaufen,
Die wird's Männlein saufen.

Die Gans hat's Männlein 'nuntergeschluckt,
Sie hat einen guten Magen;
Aber das Männlein hat sie doch gedruckt,
Das wollt' ich sagen.
Da schreit die Gans ganz jämmerlich;
Das ist der Köchin ärgerlich.

Die Köchin wetzt das Messer,
Sonst schneidt's ja nicht:
Die Gans schreit so, es ist nicht besser,
Als dass man sie sticht;
Wir wollen sie nehmen und schlachten
Zum Braten auf Weihnachten.

Sie rupft die Gans und nimmt sie aus
Und brät sie,
Aber das Männlein darf nicht 'raus,
Versteht sich.
Die Gans wird eben gebraten;
Was kann's dem Männlein schaden?

Weihnachten kommt die Gans auf den Tisch
Im Pfännlein;
Der Vater tut sie 'raus und zerschneid't sie frisch.
Und das Männlein?
Wie die Gans ist zerschnitten,
Kriecht's Männlein aus der Mitten.

Da springt der Vater vom Tisch auf,
Da wird der Stuhl leer;
Da setzt das Männlein sich drauf
Und macht sich über die Gans her.
Es sagt: "Du hast mich gefressen,
Jetzt will ich dafür dich essen."

Da isst das Männlein gewaltig drauf los,
Als wären's seiner sieben;
Da essen wir alle dem Männlein zum Trotz,
Da ist nichts übergeblieben
Von der ganzen Gans, als ein Tätzlein,
Das kriegen dort hinten die Kätzlein.

Nichts kriegt die Maus,
Das Märlein ist aus.
Was ist denn das?
Ein Weihnachts-Spaß;
Aufs Neujahr lernst
Du, was?
Den Ernst.

Friedrich Rückert (1788-1866)
#227VerfasserHeinz H (243376) 21 Apr 09, 08:41
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Der brave Strubel

Unser Hofhund, Strubel heißt er,
ist gar lobesam;
nur die Ruhestörer beißt er,
denen ist er gram.

Ach, er liefe gern den Katzen
durch den Garten nach;
bellt auch gerne nach den Spatzen
auf dem Scheunendach.

Doch er muss darauf verzichten,
folgsam seinem Herrn;
denn er ist ein Hund mit Pflichten
und gehorcht wohl gern.

Wenn dann Väterchen ihm schmeichelt:
“hast es brav gemacht“
und das Kinn ihm gnädig streichelt,
ist's, als ob er lacht.

Und wie schön kann Strubel springen
und kann aufrecht gehn,
kann Verlornes wiederbringen
und kann Schildwach stehn!

Demut, Biedersinn und Treue
sind in ihm vereint,
und wir preisen stets aufs neue
Strubel, unsern Freund.

Richard Dehmel (1863-1920)
#228VerfasserHeinz H (243376) 21 Apr 09, 20:26
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Des Abends, wenn ich früh aufsteh

Des Abends, wenn ich früh aufsteh,
des Morgens, wenn ich zu Bette geh,
dann krähen die Hühner, dann gackelt der Hahn,
dann fängt das Korn zu dreschen an.
Die Magd die steckt den Ofen ins Feuer,
die Frau, die schlägt drei Suppen in die Eier,
der Knecht der kehrt mit der Stube den Besen,
da sitzen die Erbsen die Knder zu lesen.
O weh, wie sind mir die Stiefel geschwollen,
dass sie nicht in die Beine nein wollen!
Nimm drei Pfund Stiefel und schmiere das Fett,
dann stelle mir vor die Stiefel das Bett.

unbekannter Verfasser
#229VerfasserChaostranslater (459860) 21 Apr 09, 22:35
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Spruch zum Geburtstag für Oma und Opa

Viel’ Wüsche bring ich hocherfreut
Der allerbesten Oma heut.
(Dem allerbesten Opa heut.)
Es mög’ auf allen Lebenswegen
Begleiten Dich ein stetes Glück,
Gesundheit und Segen
Und nie ein trübes Missgeschick!

Volksgut
#230VerfasserHeinz H (243376) 22 Apr 09, 07:53
Kommentar
Meine Mu, meine Mu, meine Mutter schickt mich her
Ob der Ku, ob der Ku, ob der Kuchen fertig wär?
Wenn er no, wenn er no, wenn er noch nicht fertig wär
Käm ich Mo, käm ich Mo, käm ich Morgen noch mal her!
#231VerfasserKnautschi (163753) 22 Apr 09, 13:46
Kommentar
Gutenachtliedchen

Leise, Peterle, leise,
der Mond geht auf die Reise,
er hat sein weißes Pferd gezäumt,
das geht so still, als ob es träumt,
leise, Peterle, leise.

Stille, Peterle, stille,
der Mond hat eine Brille,
ein graues Wölkchen schob sich vor,
das sitzt ihm grad auf Nas und Ohr,
stille, Peterle, stille.

Träume, Peterle, träume,
der Mond guckt durch die Bäume,
ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
um unser Peterle im Schlaf zu sehn,
träume, Peterle, träume.

Paula Dehmel (1862-1918)

Wenn ich dieses Gedicht lese, höre ich fast das Knacken und Rauschen unserer alten Gute Nacht-Schallplatte ...
#232VerfasserRhabarber (425989) 22 Apr 09, 13:58
Kommentar
Tannenwald

Wo bin ich gewesen?
Nun rat einmal schön!
Im Wald bist gewesen,
das kann ich ja sehn.

Spinnweben am Kleidchen,
Tannnadeln im Haar,
das bringt ja nur mit,
wer im Tannenwald war.

Was tat ich im Walde?
Sprich, weißt du das auch?
Hast Beerlein gepickt
vom Heidelbeerstrauch.

O sieh nur, wie blau
um das Mündchen du bist!
Das bekommt man ja nur,
wenn man Heidelbeern isst!

Johannes Trojan (1837-1915)
#233VerfasserChaostranslater (459860) 22 Apr 09, 22:07
Kommentar
Katz und Maus

Mäuschen kommt aus dem Keller heraus,
Möchte die Treppe hinaus, nach oben,
Ob nicht auch da im winkligen Haus
Etwas Leckeres aufgehoben.
Überall gibt es ja etwas zu mausen,
Wo Menschen in ihrem Überfluss hausen.

Wär' nur die große Katze nicht,
Könnte kein König vergnügter leben.
Immer ist sie auf Mäuse erpicht,
Und es muss doch auch Mäuse geben.
Aber da predigt man Toren und Tauben,
Die Katzen wollen's uns Mäusen nicht glauben.

Gustav Falke (1853-1916)
#234VerfasserHeinz H (243376) 22 Apr 09, 22:44
Kommentar
Wenn das beot fällt

Wenn das beot fällt auf die Butterseit',
Das ist gewiss kein kleines Leid.
Wen der Schuh drückt, der ist nicht froh,
Wer krank ist, dem geht's ebenso.
Die größte Trübsal doch findet statt,
Wenn man die Hose zerrissen hat,
Und es weiß noch niemand! *

Johannes Trojan (1837-1915)

* das war tatsächlich das Schlimmste überhaupt.
#235VerfasserChaostranslater (459860) 23 Apr 09, 22:30
Kommentar
Wenn das Kind nicht schlafen will

Nun leg' dich und schlaf
Wie der Knecht und die Schaf'.
Ein Knecht ist kein Graf,
Ein Graf ist kein Knecht.
Ein Star ist kein Specht,
Ein Specht ist kein Star,
Ein Flaum ist kein Haar,
Ein Haar ist kein Flaum.
Ein Strauch ist kein Baum,
Ein Baum ist kein Strauch.
Ein Wind ist kein Hauch,
Ein Hauch ist kein Wind.
Ein Ross ist kein Rind,
Ein Rind ist kein Ross.
Ein Stall ist kein Schloss,
Ein Schloss ist kein Stall.
Ein Ei ist kein Ball,
Ein Ball ist kein Ei.
Ein März ist kein Mai,
Ein Mai ist kein März.
Ein Kopf ist kein Herz,
Ein Herz ist kein Kopf.
Ein Schwanz ist kein Zopf,
Ein Zopf ist kein Schwanz.
Ein Strauß ist kein Kranz,
Ein Kranz ist kein Strauß.
Ein Dach ist kein Haus,
Ein Haus ist kein Dach.
Ein Strom ist kein Bach,
Ein Bach ist kein Strom.
Ein Turm ist kein Dom,
Ein Dom ist kein Turm.
Ein Schneck ist kein Wurm,
Ein Wurm ist kein Schneck.
Ein Loch ist kein Eck,
Ein Eck ist kein Loch.
Ein Zaum ist kein Joch,
Ein Joch ist kein Zaum.
Ein Schlaf ist kein Traum,
Ein Traum ist kein Schlaf.
Ein Bock ist kein Schaf,
Ein Schaf ist kein Bock.
Ein Pfahl ist kein Pflock,
Ein Pflock ist kein Pfahl.
Ein Berg ist kein Tal,
Ein Tal ist kein Berg.
Ein Ries' ist kein Zwerg,
Ein Zwerg ist kein Ries'.
Ein Schwert ist kein Spieß,
Ein Spieß ist kein Schwert.
Ein Rind ist kein Pferd,
Ein Pferd ist kein Rind.
Ein Greis ist kein Kind,
Ein Kind ist kein Greis.
Ein Schnee ist kein Eis,
Ein Eis ist kein Schnee.
Ein Strand ist kein See,
Ein See ist kein Strand.
Ein Meer ist kein Land,
Ein Land ist kein Meer.
Ein Schwarm ist kein Heer,
Ein Heer ist kein Schwarm.
Ein Fuß ist kein Arm,
Ein Arm ist kein Fuß.
Ein Teich ist kein Fluss,
Ein Fluss ist kein Teich.
Ein Stamm ist kein Zweig,
Ein Zweig ist kein Stamm.
Ein Has ist kein Lamm,
ein Lamm ist kein Has.
Ein Laub ist kein Gras,
Ein Gras ist kein Laub.
Ein Sand ist kein Staub,
Ein Staub ist kein Sand.
Ein Sitz ist kein Stand,
Ein Stand ist kein Sitz.
Ein Pfeil ist kein Blitz,
Ein Blitz ist kein Pfeil.
Ein Block ist kein Keil,
Ein Keil ist kein Block.
Ein Hund ist kein Bock,
Ein Bock ist kein Hund.
Ein Lot ist kein Pfund,
Ein Pfund ist kein Lot.
Ein Stein ist kein Brot,
Ein Brot ist kein Stein.
Ein Bier ist kein Wien,
Ein Wein ist kein Bier.
Ein Dachs ist kein Stier,
Ein Stier ist kein Dachs.
Ein Schwab ist kein Sachs,
Ein Sachs ist kein Schwab.
Ein Stock ist kein Stab,
Ein Stab ist kein Stock.
Ein Frack ist kein Rock,
Ein Rock ist kein Frack.
Ein Krug ist kein Sack,
Ein Sack ist kein Krug.
Ein Flachs ist kein Tuch,
Ein Tuch ist kein Flachs.
Ein Hecht ist kein Lachs,
Ein Lachs ist kein Hecht.
Ein Graf ist kein Knecht,
Ein Knecht ist kein Graf.
Nun leg' dich und schlaf'.

Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879)
#236VerfasserHeinz H (243376) 23 Apr 09, 23:10
Kommentar
#235 hat mich an ein Kinderlied erinnert, das andere Schulkameradinnen mir auf "Plattdütsch" beigebracht haben, ich kenne aber nur noch die erste Strophe im genauen Wortlaut. Vielleicht kennt jemand es insgesamt?

Do sitt en Öppche
op et Trëppsche
bej de Oma viir jen Döör.
't hat ë Lökske
in säi Bökske,
an ët kann nët dervör...


Übersetzung:
Da sitzt ein Äffchen auf der Treppe bei der Oma vor der Tür, es hat ein Löchelchen in der Hose und es kann nicht dafür...






#237VerfasserHoldastern (337608) 24 Apr 09, 10:04
Kommentar
Wer von euch ist klug und fleißig?

Wer von euch ist klug und fleißig?
Dreiunddreißig Rätsel weiß ich.
Spitzt das Ohr und spitzt die Feder,
Und nun schreib sich auf ein jeder:

Welche Uhr hat keine Räder,
Welcher Schuh ist nicht von Leder,
Welcher Stock hat keine Zwinge,
Welche Schere keine Klinge?

Welches Fass hat keine Reif,
Welches Pferd hat keinen Schweif,
Welches Häuschen hat kein Dach,
Welche Mühle keinen Bach?

Welcher Hahn hat keinen Kamm,
Welcher Fluss hat keinen Damm,
Welcher Bock hat keine Haut,
Welches Glöckchen keinen Laut?

Welcher Kamm ist nicht von Bein,
Welche Wand ist nicht von Stein,
Welche Kuh hat gar kein Horn,
Welche Rose keinen Dorn?

Welcher Busch hat keinen Zweig,
Welcher König hat kein Reich?
Welcher Mann hat kein Gehör,
Welcher Schütze kein Gewehr?

Welcher Schlüssel sperrt kein Schloss,
Welcher Karren zieht kein Ross,
Welches Futter frisst kein Gaul,
Welche Katze hat kein Maul?

Welcher Bauer pflügt kein Feld,
Welcher Spieler verliert kein Geld,
Welcher Knecht hat keinen Lohn,
Welcher Raum hat keine Kron'?

Welcher Fuß hat keine Zeh',
Welcher Streich tut keinem weh,
Welcher Wurf und Stoß und Schlag?
Rat nun, wer da kann und mag!

Friedrich Güll
#238VerfasserChaostranslater (459860) 24 Apr 09, 23:04
Kommentar
Zwei Knaben

Zwei Knaben gaben sich einen Kuss,
der eine, der hiess Julius,
der andere hiess Gretchen.
Ich glaub, das war ein Mädchen.

unbekannter Autor
#239VerfasserHeinz H (243376) 25 Apr 09, 12:51
Kommentar
ИНДЮК ВАЖНИЧАЕТ

DER PUTER PLUSTERT SICH AUF

F-fuch!
Freie Bahn dem indianischen Hahn!
Ich bin der Prächtigste,
Höchste und Mächtigste…
Ich brause daher
Wie ein Schiff auf dem Meer…
F-fuch!

Du dummer, du doofer, du dämlicher Junge,
Du Blödmann, du Blödian, du Dummerjan!..
F-fuch!
Weshalb ärgerst du mich?

Freie Bahn dem indianischen Hahn!
F-fuch!
Ich bin der Prächtigste,
Höchste und Mächtigste…
Mich zieren wie Wappen
Meine rot-blauen Lappen.
Ich brause daher
Wie ein Schiff auf dem Meer, –
Wie ein fuchtiger Stier. –
Verschwinde von hier!..
F-fuch!

Sascha Tschornyj, 1920 - (Alexander Glickberg)
*13. Oktober 1880 in Odessa
+ 5. Juli 1932.
Übertragung: Ulrich Henkys, April 2007

#240VerfasserChaostranslater (459860) 25 Apr 09, 18:56
Kommentar
Geburtstagsgedicht für Kinder

Leises Klopfen an der Türe:
Kann ich 'rein Mama?
Frisch gewaschen, frisch gebügelt
steht Rumpumpel da.
Rosen in beiden Händchen!
Wie der Kerl sich freut!
Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
Mutti Burtstag heut,
Vater putzt die grosse Stube,
die ist furchtbar schön;
Lauter Blumen! Und die Torte!
Komm, zu Vati gehn!

Paula Dehmel (1862-1918)
#241VerfasserHeinz H (243376) 26 Apr 09, 18:40
Kommentar
Vom Büblein, das überall mitgenommen hat sein wollen

Denk an! das Büblein ist einmal
Spazieren gangen im Wiesenthal;
Da wurd's müd gar sehr
Und sagt: Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!

Da ist das Bächlein geflossen kommen
Und hat 's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich aufs Bächlein gesetzt
Und hat gesagt: So gefällt mir's jetzt.
Aber was meinst du? das Bächlein war kalt,
Das hat das Büblein gespürt gar bald;
Es hat's gefroren gar sehr,
Es sagt: Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!

Da ist das Schifflein geschwommen kommen
Und hat 's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich aufs Schifflein gesetzt,
Und hat gesagt: Da gefällt mir's jetzt.
Aber siehst du? das Schifflein war schmal,
Das Büblein denkt: Da fall' ich einmal;
Da fürcht es sich gar sehr
Und sagt: Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!

Da ist die Schnecke gekrochen gekommen
Und hat 's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich ins Schneckenhäuslein gesetzt
Und hat gesagt: Da gefällt mir's jetzt.
Aber denk! die Schnecke war kein Gaul,
Sie war im Kriechen gar zu faul;
Dem Büblein ging's langsam zu sehr;
Es sagt: Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!

Das ist der Reiter geritten gekommen,
Der hat 's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich hinten aufs Pferd gesetzt
Und hat gesagt: So gefällt mir's jetzt.
Aber gib acht! das ging wie der Wind,
Es ging dem Büblein gar zu geschwind;
Es hopst drauf hin und her
Und schreit: Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!

Da ist ein Baum ihm ins Haar gekommen
Und hat das Büblein mitgenommen;
Er hat's gehängt an einen Ast gar hoch,
Dort hängt das Büblein und zappelt noch.
Das Kind fragt:
Ist denn das Büblein gestorben?
Antwort:
Nein! es zappelt ja noch!
Morgen gehn wir 'naus und thun's 'runter.



Friedrich Rückert
(* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses bei Coburg; Pseudonym Freimund Reimar)
#242VerfasserChaostranslater (459860) 26 Apr 09, 19:21
Kommentar
Kinder, ihre Lust zu zeigen,

Kinder, ihre Lust zu zeigen,
Ließen Seifenblasen steigen.
Wie das schimmert im Sonnenschein -
Ein'ge groß und ein'ge klein.
Die geblasen mit Durchschnittsmunde,
Hielten sich eine volle Sekunde;
Mehrere aber waren dabei,
Ja - das hielt sich bis zu zwei!
Eine stieg so hoch wie das Haus,
Da stieß sie an, da war es aus.


Heinrich Theodor Fontane
#243VerfasserChaostranslater (459860) 27 Apr 09, 18:46
Kommentar
Ich bin fast
Gestorben vor Schreck:
In dem Haus, wo ich zu Gast
War, im Versteck,
Bewegte sich, regte sich,
Plötzlich hinter einem Brett
In einem Kasten neben dem Klosett
Ohne Beinchen,
Stumm, fremd und nett
Ein Meerschweinchen.
Sah mich bange an,
Sah mich lange an,
Sann wohl hin und sann her,
Wagte sich dann heran,
Und fragte mich:
"Wo ist das Meer?"

(Heimatlose, Joachim Ringelnatz 1883-1934)
#244Verfassermoustique (308708) 27 Apr 09, 21:32
Kommentar
Der Stein



Ein kleines Steinchen rollte munter

von einem hohen Berg herunter.

Und als es durch den Schnee so rollte,

ward es viel grösser, als es wollte.

Da sprach der Stein mit stolzer Miene:

"Jetzt bin ich eine Schneelawine."

Er riss im Rollen noch ein Haus

und sieben grosse Bäume aus.

Dann rollte er ins Meer hinein.

Und dort versank der kleine Stein.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)

#245VerfasserHeinz H (243376) 28 Apr 09, 10:02
Kommentar
Regen und Unmut



Böses Wetter, böses Wetter!

Es entladen sich die Götter,

Reinigen ihr Wolkenhaus,

Und die Menschen badens aus.



Franz Grillparzer (1791-1872)
#246VerfasserHeinz H (243376) 28 Apr 09, 19:17
Kommentar
Selbstgeständnis

Ich bin meiner Mutter einzig Kind,
Und weil die andern ausblieben sind
- Was weiß ich wieviel, die sechs oder sieben, -
Ist eben alles an mir hängen blieben;
Ich hab müssen die Liebe, die Treue, die Güte
Für ein halbes Dutzend allein aufessen,
Ich will's mein Lebtag nicht vergessen.
Es hätte mir aber noch wohl mögen frommen,
Hätt ich nur auch Schläg für Sechse bekommen!

Eduard Mörike (1804-1875)
#247VerfasserHeinz H (243376) 28 Apr 09, 19:17
Kommentar
Das Steckenpferd

Hopp, hopp, hopp!
Pferdchen lauf Galopp!
Über Stock und über Steine,
Aber brich dir nicht die Beine,
Immer im Galopp,
Hopp, hopp, hopp, hopp, hopp!

Tipp, tipp, tapp!
Wirf mich ja nicht ab!
Zähme deine wilden Triebe,
Pferdchen tu es mir zuliebe,
Wirf mich ja nicht ab!
Tipp, tipp, tipp, tipp, tapp!

Brr, brr, he!
Steh, mein Pferdchen steh!
Sollst noch heute weiter springen,
Muss dir nur erst Futter bringen.
Steh doch Pferdchen, steh!
Brr, brr, brr, brr, he!

Pitsch, pitsch, patsch!
Klatsche, Peitsche, klatsch!
Musst recht um die Ohren knallen,
Ha! Das kann mir sehr gefallen.
Klatsche, Peitsche, klatsch!
Pitsche, Pitsche, Patsch!

Ha, ha, ha!
Juch, nun wieder da!
Diener! Diener! Liebe Mutter!
Findet auch mein Pferdchen Futter?
Ha, ha, ha, ha, ha.
Juch nun sind wir da!

Carl Hahn (1778-1854)


@ Heinz H
Kompliment - die Edith mag Dich :-))
#248VerfasserChaostranslater (459860) 28 Apr 09, 20:40
Kommentar
Zum Namenstag meiner Enkelin

Der Bäcker bringt dir Kuchenbrot,
der Schneider einen Mantel rot.
Der Kaufmann schickt dir, weiß und nett,
ein Puppenkleid, ein Puppenbett
und schickt auch eine Schachtel rund
mit Schäfer und mit Schäferhund,
mit Hürden, Bäumchen paarweis je,
und mit sechs Schafen, weiß wie Schnee,
und eine Lerche, tirlii,
seit Sonnenaufgang hör ich sie.
Sie singt und schmettert, was sie mag,
zu meines Lieblings Namenstag.

Theodor Fontane (1819-1898)

@Chaostranslater, ist doch schön, wenn man gemagt wird :-)
#249VerfasserHeinz H (243376) 29 Apr 09, 09:59
Kommentar
Ein kleines Büblein bin ich,
drum wünsch ich kurz, doch innig,
ein glückliches neues Lebensjahr.
Und was Dich freut, das weiß ich,
wenn brav ich bin und fleißig,
mehr als ich sonst es war.
Gesundheit, Freude, Frieden
sei Dir von Gott beschieden,
so heut wie immerdar.

- Friedrich Güll -


Es ist vollbracht, der Sohnemann ist da!! Mutter und Vater sowie Kind sind wohlauf!
#250Verfasserwulle (456007) 29 Apr 09, 10:16
Kommentar
@ Wulle
Herzlichen Glückwunsch. Ich wünsche Euch alles Gute und viel Freude mit dem jungen Mann. Eure Freunde werden zu schätzen wissen, dass Ihr ab sofort 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche erreichbar seid. Für Euren Nachwuchs ist mir Folgendes über den Weg gelaufen.
Leider kein echtes Kindergedicht, aber wir dürfen hier bestimmt eine Ausnahme machen.

Für Euren Sohnemann:

Nicht, dass keine Wolke Deinen Weg überschatte,
Nicht, dass Dein Leben künftig ein Beet voller Rosen sei.
Nicht, dass Du niemals bereuen müsstest;
Nicht, dass Du niemals Schmerzen empfinden solltest.

Nein, das wünsche ich Dir nicht.

Mein Wunsch für Dich lautet:

Dass Du tapfer bist in Stunden der Prüfung;
Wenn andere Kreuze auf Deine Schultern legen.
Wenn Berge zu erklimmen und Klüfte zu überwinden sind;
Wenn die Hoffnung kaum mehr schimmert.
Dass jede Gabe, die Gott Dir schenkt, mit Dir wachse.
Und sie Dir dazu diene, denen Freude zu schenken, die Dich mögen.
Dass Du immer einen Freund hast, der es wert ist, so zu heißen.
Dem Du vertrauen kannst.
Der Dir hilft, wenn Du traurig bist.
Der mit Dir gemeinsam den Stürmen des Alltags trotzt.
Und noch etwas wünsche ich Dir:
Dass Du in jeder Stunde, der Freude und des Schmerzes,
Die Nähe Gottes spürst.

Das ist mein Wunsch für Dich, und für alle, die Dich mögen.
Das ist mein Wunsch für Dich, für heute und für alle Tage.

(Irischer Segensspruch)


#251VerfasserChaostranslater (459860) 29 Apr 09, 11:27
Kommentar
Lieber wulle, tja, das war's mit der ruhigen Zeit :-). Herzlichen Glückwunsch dir und deiner Frau zum Nachwuchs, der euch - nach der Umstellungsphase - viel Freude und Glück bescheren möge.

Zur Geburt

Wir wünschen euch und eurem Kinde

an Glück, soviel das Herz nur fasst.

Und ein Wilkommensangebinde

sei Gruß dem neuen Erdengast.

Er soll ein braver Junge werden

und euch zur Freude gut gedeih'n.

Ihm leuchte im Gestrüpp auf Erden

des Lebens schönster Sonnenschein.

Euch Eltern aber sei beschieden,

was ihr nur wünscht für euch und ihn.

Im kleinen Heim soll Lust und Frieden

bestehen als des Daseins Sinn!

Friedrich Hebbel (1813-1863)
#252VerfasserHeinz H (243376) 29 Apr 09, 12:55
Kommentar
Herzlichen Glückwunsch, wulle!
Für deinen Sohn dieses Gedicht von Rudyard Kipling:

IF you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don't deal in lies,
Or being hated, don't give way to hating,
And yet don't look too good, nor talk too wise:

If you can dream - and not make dreams your master;
If you can think - and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;
If you can bear to hear the truth you've spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build 'em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: 'Hold on!'

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings - nor lose the common touch,
if neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds' worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that's in it,
And - which is more - you'll be a Man, my son!
#253VerfasserLiese (238947) 29 Apr 09, 13:59
Kommentar
Mit meinen besten Wünschen für die Zukunft des kleinen Erdenbürgers und seiner Familie.....

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich
selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid der Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile
ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er
spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit
fliegen.

Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet
sein; Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.

(Aus : "Der Prophet" von Khalil Gibran)
#254Verfassermoustique (308708) 29 Apr 09, 14:06
Kommentar
Die Tute

Wenn die Tante Adelheide
Als Logierbesuch erschien,
Fühlte Fritzchen große Freude,
Denn dann gab es was für ihn.

Immer hat die liebe Gute
Tief im Reisekorb versteckt
Eine angenehme Tute,
Deren Inhalt köstlich schmeckt.

Täglich wird dem braven Knaben
Draus ein hübsches Stück beschert,
Bis wir schließlich nichts mehr haben
Und die Tante weiter fährt.

Mit der Post fuhr sie von hinnen,
Fritzchens Trauer ist nur schwach.
Einer Tute, wo nichts drinnen,
Weint man keine Träne nach.

Wilhelm Busch (1832-1908)
#255VerfasserHeinz H (243376) 30 Apr 09, 09:58
Kommentar
Ach wer das doch könnte

Gemäht sind die Felder,
Der Stoppelwind weht.*
Hoch droben in Lüften
Mein Drache nun steht,
Die Rippen von Holze,
Der Leib von Papier,
Zwei Ohren, ein Schwänzlein
Sind all seine Zier.
Und ich denk: so drauf liegen
Im sonnigen Strahl,
Ach, wer das doch könnte
Nur ein einziges Mal!



Da guckt ich dem Storch
In das Sommernest dort:
Guten Morgen, Frau Störchin,
Geht die Reise bald fort?
Ich blickt in die Häuser
Zum Schornstein hinein:
O Vater und Mutter,
Wie seid ihr so klein.
Tief unter mir säh ich
Fluss, Hügel und Tal,
Ach, wer das doch könnte,
Nur ein einziges Mal!



Und droben, gehoben
Auf schwindelnder Bahn,
Da fasst ich die Wolken,
Die segelnden an;
Ich ließ mich besuchen
Von Schwalben und Krähn
Und könnte die Lerchen,
Die singenden sehn;
Die Englein belauscht ich
Im himmlischen Saal;
Ach, wer das doch könnte,
Nur ein einziges Mal!


Viktor Blüthgen (1844 - 1920)

* na ja, vielleicht nicht ganz die richtige Jahreszeit. Aber kann ein Drache eigentlich immer nur im Herbst steigen? So ein Flug im sonnigen Mai hätte doch auch was.
(Wenn's nicht gerade ein Nachtflug ist :-))
#256VerfasserChaostranslater (459860) 01 Mai 09, 02:46
Kommentar
Komm, lieber Mai und mache

Komm lieber Mai und mache
die Bäume wieder grün!
Und laß mir an dem Bache
die kleinen Veilchen blüh'n!
Wie möcht' ich doch so gerne
ein Blühmchen wieder sehn!
Ach, lieber Mai, wie gerne,
einmal spazieren gehn.

Zwar Wintertage haben

wohl auch der Freuden viel
.
Man kann im Schnee eins traben
und treibt manch Abendspiel
.
Baut Häuselchen von Karten,

spielt Blinde Kuh und Pfand
.
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
ins schöne freie Land.

Doch wenn die Vögel singen
und wir dann froh und flink
auf grünem Rasen springen,
das ist ein ander Ding.
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
ganz still im Winkel stehn.
Denn draußen in dem Gärtchen
kann man fürwahr nicht gehen.

Am meisten aber dauret
mich Lottens Herzeleid.
Das arme Mädchen lauret
recht auf die Blumenzeit.
Umsonst hol ich ihr Spielchen
zum Zeitvertreib herbei.
Sie sitz in ihrem Stühlchen
wie's Hühnchen auf dem Ei.

Ach, wenn's doch erst gelinder
und grüner draußen wär'!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
wir bitten gar zu sehr.
O komm! und bring vor allem
recht viele Veilchen mit!
Bring auch viel Nachtigallen
und schöne Kuckucks mit!

Christian Adolph Overbeck (1755-1821)

Chaostranslater, als ich die ersten Zeilen deines Gedichtes las, habe ich erst einmal etwas verdutzt den Kalender angeschaut. Die Zeit fliegt ja bisweilen schnell, aber so schnell ja nun wieder doch nicht. Ich habe deshalb den Kalender mit DEM Maigedicht wieder etwas zurecht gerückt :-). Das man natürlich auch singen kann. Bezüglich des Drachensteigenlassens denke ich übrigens ähnlich. Habe ich als Kind geliebt.
#257VerfasserHeinz H (243376) 01 Mai 09, 09:02
Kommentar
Der verliebte Maikäfer

Glühwürmchen, steck's Laternchen an!
ich will ein Ständchen bringen,
zur roten Tulpe führ' mich hin,
da wohnt meine schöne Fliege drin,
die hört so gern mich singen!"
Maikäfer spricht's, der eitle Geck;
er knüpft nach Stutzerweise
sein braunes Röckchen zierlich auf,
zieht kraus die Flügel draus herauf,
und macht sich auf die Reise.

Auf gold'nem Stühlchen saß daheim
schön' Fliege gar app'titlich,
trank ihren Tau in guter Ruh,
aß etwas Blumenstaub dazu
und war so recht gemütlich.

Da leuchtet's durch die rote Wand,
sie war gar fein gewoben;
da summt es drauß,
da wankt und schwankt das Tulpenhaus,
Maikäferchen saß oben.

Schön' Fliege denkt: "Du alter Narr,
du kommst mir recht zu passe!"
Sie fliegt zum Dach und giesset schlau
einen ganzen großen Tropfen Tau
dem Käfer auf die Nase.

Kalt Wasser, von so zarter Hand
auf heißes Blut gegossen,
das kühlt ein ewnig heftig ab,
Maikäfer stürzt im Nu herab,
als wär' er tot geschossen.

Doch kaum erholt er sich vom Schreck,
da spricht er ohn' Verdriessen:
"Das Zuckerkind! wie denkt sie mein!
wollt' mich mit süßem Trank erfreu'n,
tät nur zu viel vergiessen!"

Schön' Fliege macht die Äuglein zu
und meint: der kommt nich wieder;
da summt es drauß, da brummt es drauß,
es wankt und schwankt das Tulpenhaus,
Maikäferchen kam wieder.

Schön' Fliege denkt: "Nun warte, Wicht!
Ich will im Takt dich rütteln!"
Sie fliegt vom Wand zu Wand herum,
daß sich die ganze Tulpenblum',
als wär ein Sturm, muß schütteln.

Wer hoch in Liebesträumen schwebt,
sieht nicht auf Steg und Wegen;
die Tulpenwände waren glatt,
und eh's der Käfer merken tat,
hat unden er gelegen.

Doch kaum erholt er sich vom Schreck,
vergessen war das Leiden:
"O je! wie bin ich doch beglückt,
mein Ständchen hat sie so entzückt,
daß hoch sie sprang vor Freuden!"

Schön' Fliege, bald im Schlummer schon,
sie denkt: der kommt nicht wieder;
da summt es drauß, da brummt es drauß,
es wankt und schwankt das Tulpenhaus,
Maikäferchen kam wieder.

"Jetzt hab' ich den Gesellen satt,
soll mir nicht wieder kommen;
ist nur die Sonne erst erwacht
und hat mein Häuschen aufgemacht,
dann soll's ihm schlecht bekommen!"

Und wie die liebe Sonne
durch die ersten Fügen blinket,
da stürmt im Fluge sie hervor,
schlägt mit den Flügeln ihm um's Ohr,
daß tief ins Gras er sinket.

Doch bald erholt er sich vom Schreck:
"Nun ist mein Glück vollkommen!
Sie wollt' mich küssen offenbar,
da mußte grad ich dummer Narr
ihr untern Flügel kommen!

Glühwürmchen! Glühwürmchen!
Glühwürmchen, lisch dein Lichtchen aus,
mußt nicht so viel vergeuden!
wir brauchen's heute Abend doch,
da kommen wir viel früher noch!
es macht ihr tausend Freuden!

(Robert Reinick (1805-1852)
#258Verfassermoustique (308708) 01 Mai 09, 10:19
Kommentar
Knabe und Maikäfer

Maikäfer, summ, summ, summ!
Nun sag‘ mir an: warum?
Du fliegst am Fenster hin und her,
Und willst mein Laub und Haus nicht mehr!
Was schwirrst du so? was schnurrst du so?
Warum bist du nicht mehr so froh?

„Lieb Kindlein, still, still, still!
Hör‘, was ich sagen will.
Wie sollt‘ ich denn wohl fröhlich sein
In deinem dunkeln Haus allein,
So fern von frischer Himmelsluft,
Von lichtem Grün und Laubesduft?”

Maikäfer, summ, summ, summ!
Nun sag‘ mir an: warum?
Hab‘ ich doch Fenster dir gemacht,
Und frisches Laub dir stets gebracht,
Dein Haus in Sonnenschein gestellt,
Und dich geführt in Wald und Feld!

„Lieb Kindlein, still, still, still!
Hör‘, was ich sagen will.
Wenn ich‘s mit dir auch so gemacht,
Du würdest weinen Tag und Nacht,
Und wär‘ ich noch so gut dabei,
Du sprächst doch allzeit: lass mich frei!”


Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


@ Heinz H
Da singt (oder grölt) man Jahr für Jahr 'Komm lieber Mai und mache' und hat absolut keine Ahnung, dass...

...es erstens so viele Strophen gibt - mitten in der ersten Strophe ist meistens Hängen im Schacht

...es zweitens ein Kinderlied/-gedicht ist

*rotwerdundschäm*
(War dies nicht sowieso der Faden meiner Bildungslücken?)




#259VerfasserChaostranslater (459860) 01 Mai 09, 22:48
Kommentar
Eine Kuh, die saß im Schwalbennest

Eine Kuh, die saß im Schwalbennest
Mit sieben jungen Ziegen,
Sie feierten ihr Jubelfest
Und fingen an zu fliegen.
Der Esel zog Pantoffeln an,
Ist übers Haus geflogen.
Und wenn das nicht die Wahrheit ist,
So ist es halt gelogen.

Gustav Falke (1853-1916)
#260VerfasserHeinz H (243376) 02 Mai 09, 08:43
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Es spukt

Abends, wenn die Heimchen singen,
wenn die Lampe düster schwelt,
hör ich gern von Spukedingen,
was die Tante mir erzählt.

Wie es klopfte in den Wänden,
wie der alte Schrank geknackt,
wie es einst mit kalten Händen
Mutter Urschel angepackt.

Wie man oft ein leises Jammern
grad um Mitternacht gehört
oben in den Bodenkammern,
scheint mir höchst bemerkenswert.

Doch erzählt sie gar das Märchen
von dem Geiste ohne Kopf,
dann erhebt sich jedes Härchen
schaudervoll in meinem Schopf.

Und ich kann es nicht verneinen,
daß es böse Geister gibt,
denn ich habe selber einen,
der schon manchen Streich verübt.

Wilhelm Busch

@ Heinz H
Es ist unheimlich, wie Du Dich mit der Edith verstehst. :-)
#261VerfasserChaostranslater (459860) 02 Mai 09, 16:19
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Fritze

Nun mag ich auch nicht länger leben,
Verhasst ist mir des Tages Licht;
Denn sie hat Franze Kuchen gegeben,
Mir aber nicht.

Matthias Claudius (1740-1815)

@ Chaostranslater, Heimlichkeiten werden irgendwann unheimlich. :-)
So, jetzt werde ich zum vorletzten Male die Gesamtliste einstellen.
#262VerfasserHeinz H (243376) 02 Mai 09, 19:28
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Anschütz, Ernst – Fuchs, du hast die Gans gestohlen 62
Arndt, Ernst Moritz – Lügenmärchen 121, 145
Baumbach, Rudolf – Die Gäste der Buche 160
Belena – Kleine Rose 67
Blüthgen, Victor – Kohlblättchen 100
Blüthgen, Victor – Ach, wer das doch könnte 256
Böhme, Erik – Backe, backe Kuchen 60
Bonn, Franz – Versteckens 187
Brentano, Clemens – Singet leise, leise, leise 114
Brentano, Clemens – O wie dankbar ist ein Kind 123
Burmmann, Gottlob Wilhelm – Die Kindheit 115
Busch, Wilhelm – Die Affen 4
Busch, Wilhelm – Als ich ein kleiner Bube war 113
Busch, Wilhelm – Max und Moritz Fünfter Streich 116
Busch, Wilhelm – Naturgeschichtliches Alphabet 150
Busch, Wilhelm – Es kamen mal zwei Knaben 153
Busch, Wilhelm – Die Meise 168
Busch, Wilhelm – Selbstgefällig 178
Busch, Wilhelm – Die Tute 255
Busch, Wilhelm – Es spukt 261
Chamisso, Adelbert von – Der Klapperstorch 173
Chamisso, Adelbert von – Das Riesen-Spielzeug 215
Claudius, Matthias – Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Claudius, Matthias – Fritzie 262
Dehmel, Paula – Sprich leise 7
Dehmel, Paula – Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Paula – Mein Wagen 126
Dehmel, Paula – Anziehliedchen 128
Dehmel, Paula – Seereise 138
Dehmel, Paula – Has, Has, Osterhas 205
Dehmel, Paula – Wittewoll schlafen 212
Dehmel, Paula – Gutenachtliedchen 232
Dehmel, Paula – Geburtstagsgedicht für Kinder 241
Dehmel, Richard – Staatsereignis 45
Dehmel, Richard – Die Schaukel 69
Dehmel, Richard – Der brave Strubel 228
Eskuche, Gustav – Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav – Es schneit 2
Falke, Gustav – Ausfahrt 13
Falke, Gustav – Zwiegespräch 21
Falke, Gustav – Die Kinder schlummern 155
Falke, Gustav – Stolz und glücklich melden wir 183
Falke, Gustav – Närrische Träume 188
Falke, Gustav – Katz und Maus 234
Falke, Gustav – Eine Kuh, die saß im Schwalbennest 260
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Alle Vögel sind schon da 102
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Ein Männlein steht im Walde 76
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Wettstreit 91
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Im Schlaraffenland 107
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 139
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der Weg zur Schule 158
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der Frühling ist da 159
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Frühlingsbotschaft 176
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Kinderseele 191
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der Mond 200
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Ostereier 205
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Der kleine Vogelfänger 218
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Auf unsrer Wiese gehet was 219
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Knabe und Maikäfer 259
Fontane Theodor – Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Fontane, Theodor – Kinder, ihre Lust zu zeigen 243
Fontane, Theodor – Zum Namenstag meiner Enkelin 249
Freudenberg, Alwin – Vom Riesen Timpetu 210
Gellert, Christian Fürchtegott – Der Bauer und sein Sohn 226
Geibel, Emanuel – Mittagszauber 103
Gibran, Khalil – Sprich uns von den Kindern 8, 254
Glaßbrenner, Adolf – Vom unordentlichen Max 133
Görres, Guido – Nun treiben wir den Winter aus 78
Goethe, Johann Wolfgang von – Der Zauberlehrling 63
Goethe, Johann Wolfgang von – Die Frösche 137
Goethe, Johann Wolfgang von – Das Hexen-Einmaleins 213
Gohl, Willi – Meitäli, wenn dü witt go tanzä 101
Grillparzer, Fraz – Regen und Unmut 246
Groth, Klaus – Lütt Matten der Has 202
Güll, Friedrich Wilhelm – Nusssäcklein 3
Güll, Friedrich Wilhelm – Der erste Zahn 140
Güll, Friedrich Wilhelm – Häslein 141
Güll, Friedrich Wilhelm – Schulreime 186
Güll, Friedrich Wilhelm – Drunten an der Gartenmauern 190
Güll, Friedrich Wilhelm – Wenn das Kind nicht schlafen will 236
Güll, Friedrich Wilhelm – Wer von euch ist klug und fleißig 238
Güll, Friedrich Wilhelm – Ein kleines Büblein bin ich 250
Hahn, Carl – Das Steckenpferd 248
Hebbel, Friedrich – Gottes Rätsel 43
Hebbel, Friedrich – Auf ein schlummerndes Kind 167
Hebbel, Friedrich – An ein schönes Kind 193
Hebbel, Friedrich – Zur Geburt 252
Heine, Heinrich – Der tugenhafte Hund 33, 34
Hensel, Louise – Kindergebet 196
Hey, Wilhelm – Kind und Buch 46, 108
Hey, Wilhelm – Rabe 50
Hey, Wilhelm – Kind und Ochse 92
Hey, Wilhelm – Weißt du, wieviel Sternlein stehen? 197
Hille, Peter – Kind 142
Hoffmann, Heinrich – Die Geschichte vom fliegenden Robert 97
Hoffmann, Heinrich – Eine seltsame Kaffeegesellschaft 117
Hoffmann, Heinrich – Der erste Ostertag 131
Holdastern – Mein Büblein schlief schon, 64
Holdastern – Das Kind in mir 184
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich – Wiegenlied an ein Mädchen 5
Holz, Arno – Lied eines Vogels 189
Holz, Arno – Unvergessene Kindheit 195
Holz, Arno – Für kleine Kinder 199
Irischer Segenspruch – Zur Geburt 251
Kipling, Rudyard – If 253
Kopisch, August – Die Heinzelmännchen zu Köln 98
Kronenberg, Annegret – Du kleines Menschenkind 32
Kyber, Manfred – Sommernacht 172
Kyber, Manfred – Rabenschnabelschnupfen 214
Langbein, August Friedrich Ernst – Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus – Stimme des Kindes 47
Liliencron, Detlev von – Meine Mutter 74
Liliencron, Detlev von – Ballade in U-dur 119
Liliencron, Detlev von – Kinderland, du Zauberland 224
Lingg, Hermann von – Das Krokodil von Singapur 130
Löns, Hermann – Heckenkind 162
Logau, Friedrich von – Einem träumt er künnte fliegen 209
Meyer, Conrad Ferdinand – Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian – Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian – Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian – Die Mitternachtsmaus 56
Morgenstern, Christian – Ostergedicht 104
Morgenstern, Christian – Die zwei Wurzeln 111
Morgenstern, Christian – Wenn es Winter wird 143
Morgenstern, Christian – Herr Löffel und Frau Gabel 161
Morgenstern, Christian – Der Flügelflagel 181
Morgenstern, Christian – Die Weidenkätzchen 198
Morgenstern, Christian – Puff-puff Eisenbahn 204
Morgenstern, Christian – Von dem großen Elefanten 211
Morgenstern, Christian – Der Werwolf 217
Morgenstern, Christian – Der Sperling und das Känguru 221
Mörike, Eduard – Ostern ist zwar schon vorbei 207
Mörike Eduard – Selbstgeständnis 247
Mühsam, Erich – Die Tierphilosophen 136
Mühsam, Erich – Kind und Pfau 203
Neie, Rosemarie – Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Overbeck, Christian Adolph – Komm lieber Mai und mache 257
Reinick, Robert – Kaninchen 75
Reinick, Robert – Großes Geheimnis 109
Reinick, Robert – Was gehn den Spitz die Gänse an 129
Reinick, Robert – Käferlied 149
Reinick, Robert – Der verliebte Maikäfer 258
Rilke, Rainer Maria – Kindheit 127
Ringelnatz, Joachim – Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim – Ernster Rat an Kinder 70, 94
Ringelnatz, Joachim – Kindergebetchen 12
Ringelnatz, Joachim – Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim – Die Feder 51
Ringelnatz, Joachim – Das Samenkorn 112
Ringelnatz, Joachim – Ein Wassertropfen 156
Ringelnatz, Joachim – Im Park 164
Ringelnatz, Joachim – Heimatlose 244
Ringelnatz, Joachim – Der Stein 245
Rückert, Friedrich – Märchen 105
Rückert, Friedrich – Das Männlein in der Gans 227
Rückert, Friedrich – Vom Büblein, das überall mitgenommen... 242
sagittarius – Satansbraten 170
sagittarius – Die erste Freundin 192
Schiller, Friedrich von – Hoffnung 53
Schiller, Friedrich von – Die vier Brüder 118
Schiller, Friedrich von – Zum Geburtstag der Frau Griesbach 122
Schmidt, Julius – Eskimojade 179
Schweizer Kindergedicht – Roti Rösli 72, 73
Seidel, Heinrich – Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich – Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich – Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich – Bei Goldhähnchens 44
Storm, Theodor – Zur Taufe 15
Sturm, Julius – Der Bauer und sein Kind 89
Tieck, Ludwig – Miesekätzchen 90
Trojan, Johannes – Mutter, schallt es immerfort 124
Trojan, Johannes – Morgens in den Garten trat Liese 146
Trojan, Johannes – Tannenwald 232
Trojan, Johannes – Wenn das beot fällt 235
Tschornyj, Sascha – Der Elefant 225
Tschornyj, Sascha – Der Puter plustert sich auf 240
Tucholsky, Kurt – An das Baby 11, 28
Uhland, Ludwig – Einkehr 96
Uhland, Ludwig – Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch 163
Uhland, Ludwig – Des Knaben Berglied 148
unbekannter Autor – Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
unbekannter Autor – Dunkel war's, der Mond schein helle 19
unbekannter Autor – Die Geschichte vom Storch 54
unbekannter Autor – Chindervärsli uf Bärndütsch 59
unbekannter Autor – Drei Chinesen mit dem Kontrabass, 65
unbekannter Autor – Ick sitze hier und esse Klops... 99
unbekannter Autor – Stumpfsinnsverse 106
unbekannter Autor – Es flogen drei Enten 125
unbekannter Autor – Es war einmal ein Mann 157
unbekannter Autor – Nachtwächter-Variationen 175
unbekannter Autor – Kinder, lasst uns Eier schmücken 180
unbekannter Autor – Lebensweisheit für (heranwachsende) Kinder 201
unbekannter Autor – Osterhäschen dort im Grase 206
unbekannter Autor – Ball der Tiere 216
unbekannter Autor – Dornröschen 222
unbekannter Autor – Des Abends, wenn ich früh aufsteh 229
unbekannter Autor – Meine Mu, meine Mu, meine Mutter... 231
unbekannter Autor – Do sitt en Öppche 237
unbekannter Autor – Zwei Knaben 239
Volksgut – Möchte wohl wissen, wer das ist 132
Volksgut – Als du warst ein Kind 169
Volksgut – Der Herr, der schickt den Jockel aus 144
Volksgut – Hänsel und Gretel 177
Volksgut – Mein Vater kaufte sich ein Haus 205
Volksgut – Das Hungerkind 220
Volksgut – Spruch zum Geburtstag von Oma und Opa 230
Volkslied – Ein Vogel wollte Hochzeit machen 66
Volkslied – Auf! Kinder, zum Tanze 135
Volkslied – Das bucklige Männlein 174
Volkstümlich – Widewidewenne 154
Volkstümlich – Spannenlanger Hansel 171
Wette, Adelheid (mögliche Autorin) – Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Wiedemann, Franz – Hänschen klein 71
Zulliger, Hans – Wappe-Spruch 59
#263VerfasserHeinz H (243376) 02 Mai 09, 19:30
Kommentar
Heinz H. hat das Inhaltsverzeichnis wieder auf Vordermann gebracht und ich wirble es durcheinander jetzt;-).....

Tragische Geschichte

's war einer, dem's zu Herzen ging,
Dass ihm der Zopf so hinten hing,
Er wollt es anders haben.

So denkt er denn: wie fang ich's an?
Ich dreh mich um, so ist's getan -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Da hat er flink sich umgedreht,
Und wie es stund, es annoch steht -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Da dreht er schnell sich anders 'rum,
's wird aber noch nicht besser drum -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Er dreht sich links, er dreht sich rechts,
Es tut nichts Guts, es tut nichts Schlechts -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Er dreht sich wie ein Kreisel fort,
Es hilft zu nichts, in einem Wort -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Und seht, er dreht sich immer noch,
Und denkt: es hilft am Ende doch -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

(Adelbert von Chamisso (1781-1838)
#264Verfassermoustique (308708) 02 Mai 09, 21:58
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Briefe, die ihn nicht erreichten...

>>> musste ich wegen Copyright-Verstoßes leider löschen - Kili <<<<br/>

Eugen Roth (1895-1976)
#265Verfasserreverend (314585) 03 Mai 09, 01:11
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Der Heidemann

"Geht, Kinder, nicht zu weit ins Bruch,
Die Sonne sinkt, schon surrt den Flug
Die Biene matter, schlafgehemmt,
Am Grunde schwimmt ein blasses Tuch,
Der Heidemann kömmt!" -

Die Knaben spielen fort am Raine,
Sie rupfen Gräser, schnellen Steine,
Sie plätschern in des Teiches Rinne,
Erhaschen die Phalän' am Ried
Und freun sich, wenn die Wasserspinne
Langbeinig in die Binsen flieht.

"Ihr Kinder, legt euch nicht ins Gras! -
Seht, wo noch grad' die Biene saß,
Wie weißer Rauch die Glocken füllt.
Scheu aus dem Busche glotzt der Has,
Der Heidemann schwillt!" -

Kaum hebt ihr schweres Haupt die Schmehle
Noch aus dem Dunst, in seine Höhle
Schiebt sich der Käfe,r und am Halme
Die träge Motte höher kreucht,
Sich flüchtend vor dem feuchten Qualme,
Der unter ihre Flügel steigt.

"Ihr Kinder, haltet euch bei Haus!
Lauft ja nicht in das Bruch hinaus;
Seht, wie bereits der Dorn ergraut,
Die Drossel ächzt zum Nest hinaus,
Der Heidemann braut!" -

Man sieht des Hirten Pfeife glimmen,
Und vor ihm her die Herde schwimmen,
Wie Proteus seine Robbenscharen
Heimschwemmt im grauen Ozean.
Am Dach die Schwalben zwitschernd fahren
Und melancholisch kräht der Hahn.

"Ihr Kinder, bleibt am Hofe dicht!
Seht, wie die feuchte Nebelschicht
Schon an des Pförtchens Klinke reicht;
Am Grunde schwimmt ein falsches Licht,
Der Heidemann steigt!" -

Nun strecken nur der Föhren Wipfel
Noch aus dem Dunste grüne Gipfel,
Wie übern Schnee Wacholderbüsche;
Ein leises Brodeln quillt im Moor,
Ein schwaches Schrillen, ein Gezische
Dringt aus der Niederung hervor.

"Ihr Kinder kommt, kommt schnell herein!
Das Irrlicht zündet seinen Schein,
Die Kröte schwillt, die Schlang' im Ried;
Jetzt ist's unheimlich draußen sein,
Der Heidemann zieht!" -

Nun sinkt die letzte Nadel, rauchend
Zergeht die Fichte, langsam tauchend
Steigt Nebelschemen aus dem Moore,
Mit Hünenschritten gleitet's fort;
Ein irres Leuchten zuckt im Rohre,
Der Krötenchor beginnt am Bord.

Und plötzlich scheint ein schwaches Glühen
Des Hünen Glieder zu durchziehen;
Es siedet auf, es färbt die Wellen,
Der Nord, der Nord entzündet sich -
Glutpfeile, Feuerspeere schnellen,
Der Horizont ein Lavastrich!

"Gott gnad' uns! wie es zuckt und dräut,
Wie's schwehlet an der Dünenscheid'!
Ihr Kinder, faltet eure Händ',
Das bringt uns Pest und teure Zeit -
Der Heidemann brennt!" -

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

@ reverend: Bitte darauf achten, dass ein hier eingestellter Beitrag nicht noch dem Copyright unterliegt (erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Autors). Das LEO-Team könnte sonst nämlich Schwierigkeiten bekommen, was wir alle nicht wollen. Auch entspricht das Gedicht nicht der Vorgabe dieses Fadens nach Kindergedichten.
#266VerfasserHeinz H (243376) 03 Mai 09, 11:08
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Vom Honigkuchenmann

Keine Puppe will ich haben -
Puppen gehn mich gar nichts an.
Was erfreun mich kann und laben,
ist ein Honigkuchenmann,
so ein Mann mit Leib und Kleid
durch und durch von Süßigkeit.

Stattlicher als eine Puppe
sieht ein Honigkerl sich an,
eine ganze Puppengruppe
mich nicht so erfreuen kann.
Aber seh' ich recht dich an,
dauerst du mich, lieber Mann.

Denn du bist zum Tod erkoren -
bin ich dir auch noch so gut,
ob du hast ein Bein verloren,
ob das andre weh dir tut:
Armer Honigkuchenmann,
hilft dir nichts, du mußt doch dran!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben
#267VerfasserChaostranslater (459860) 03 Mai 09, 14:07
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Die Lehre

Mutter zum Bienelein:
"Hüt dich vor Kerzenschein!"
Doch was die Mutter spricht,
Bienelein achtet nicht;

Schwirret ums Licht herum,
Schwirret mit Sum-sum-sum,
Hört nicht die Mutter schrein:
"Bienelein! Bienelein!"

Junges Blut, tolles Blut,
Treibt in die Flammenglut,
Treibt in die Flamm hinein, -
"Bienelein! Bienelein!"

's flackert nun lichterrot,
Flamme gab Flammentod; -
Hüt dich vor Mägdelein,
Söhnelein! Söhnelein!

Heinrich Heine (1797-1856)

#268VerfasserHeinz H (243376) 04 Mai 09, 09:36
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Das Lied vom Kirschbaum

Zum Frühling sagt der liebe Gott-
"Geh, deck dem Wurm auch seinen Tisch!"
Gleich treibt der Kirschbaum Laub um Laub,
viel tausend Blätter, grün und frisch.

Das Würmchen ist im Ei erwacht,
es schlief in seinem Winterhaus;
es streckt sich, sperrt sein Mäulchen auf
und reibt die blöden Augen aus.

Und darauf hat's mit stillem Zahn
an seinen Blätterchen genagt;
es sagt: "Man kann nicht weg davon!
Was solch Gemüs' mir doch behagt!" -

Und wieder sagt der liebe Gott:
"Deck jetzt dem Bienchen seinen Tisch!"
Da treibt der Kirschbaum Blüt' an Blüt',
viel tausend Blüten, weiß und frisch.

Und's Bienchen sieht es in der Früh
im Morgenschein und fliegt heran
und denkt: Das wird mein Kaffee sein;
was ist das kostbar Porzellan!

Wie sind die Tässchen rein gespült!"
Es steckt sein Züngelchen hinein,
es trinkt und sagt: Wie schmeckt das süß!
Da muss der Zucker wohlfeil sein!"

Zum Sommer sagt der liebe Gott:
"Geh, deck dem Spatzen seinen Tisch!"
Da treibt der Kirschbaum Frucht an Frucht,
viel tausend Kirschen, rot und frisch.

Und Spätzchen sagt: "Ist's so gemeint?
ich setz' mich hin, ich hab' App'tit,
das gibt mir Kraft in Mark und Bein,
stärkt mir die Stimm' zu neuem Lied." -

Da sagt zum Herbst der liebe Gott:
"Räum fort, sie haben abgespeist!"
Drauf hat die Bergluft kühl geweht,
und 's hat ein bissel Reif geeist.

Die Blätter werden gelb und rot,
eins nach dem andern fällt schon ab,
und was vom Boden stieg herauf,
zum Boden muss es auch hinab.

Zum Winter sagt der liebe Gott:
"Jetzt deck, was übrig ist, mir zu!"
Da streut der Winter Flocken drauf;
nun danket Gott und geht zur Ruh'!


Johann Peter Hebel (1760-1826)
#269VerfasserChaostranslater (459860) 04 Mai 09, 20:15
Kommentar

Die Mutterliebe

Ein Kleinod ist das allerbest',
das pfleg' ich wohl und halt es fest
und halt es hoch in Ehren:
Das ist die Mutterliebe gut,
die gibt mir immer neuen Mut
in allen Lebensschweren.

Und ist dein Herz so freudenleer,
und ist dein Aug' so tränenschwer,
blick in ihr Aug' hinein:
das hat gar lichten, hellen Strahl
und trocknet die Tränen allzumal
wie Frühlings-Sonnenschein.


Joseph Viktor von Scheffel
1826-1886
#270Verfasserwulle (456007) 05 Mai 09, 08:35
Kommentar
Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm
und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
„Ich bin des Weltalls dunkler Raum.“
Das Mondschaf.

Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist weiß, die Sonn' ist rot.
Das Mondschaf.

Christian Morgenstern (1871-1914)
#271VerfasserHeinz H (243376) 05 Mai 09, 09:48
Kommentar
Der kleine Schulmeister

Aufgepasst und hingesetzt!
Hände hübsch gefaltet!
Dass ihr mir - ich rat euch - jetzt
eure Schnäbel haltet.

Liese, wenn du nicht bald schweigst,
zupf ich dich am Öhrchen.
Karl, wenn du dich vorlaut zeigst,
zeig ich dir das Röhrchen.

Wer da auf dem letzten Sitz
wackelt mit dem Kopfe?
Irr ich nicht, so ist´s der Fritz! -
Gleich gibt´s Fingerklopfe.

Wenn du nicht zur Tafel guckst -
wehe dir! - ich stecke
dich und jeden, der noch muckst,
drüben in die Ecke.

So! nun melde jeder sich
gleich bei seinem Namen!
Denn beginnen feierlich
soll jetzt mein Examen.

Rudolf Löwenstein
* 20. Februar 1819 in Breslau; † 5. Januar 1891 in Berlin

ja, die 'guten' alten Zeiten :-)
#272VerfasserChaostranslater (459860) 05 Mai 09, 23:14
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Pustemuhme

Krause, krause Muhme,
alte Butterblume,
Pusterchen, nanu?
Wo hast du denn dein Hütchen,
dein gelbes Federklütchen,
worauf wartest du?
Warte aufs Kindchen,
auf ein lieb Mündchen,
ich alte griese
Trauerliese,
puh, puh, puh;
acht bitte, pust mich doch
rasch in den Himmel hoch,
tausend kleine Nackedeis
spielen da im Gras,
tausend kleine Nackedeis
lachen sich da was!

Richard Dehmel (1863-1920
#273VerfasserHeinz H (243376) 06 Mai 09, 10:50
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Zaubertraumland ...

Wenn ...

Drachen Purzelbäume schlagen,
Zwerge nach kleinen Schätzen graben,
Elfen sanfte Lieder singen,
und Engel in die Lüfte schwingen.

Feen Zauberstaub versprühen,
Magier in ihren Tränken rühren,
Einhörner in der Ferne galoppieren
und Nixen blaue Gewässer zieren.

Dann kannst Du ...

auf weißen Wolken reiten,
Hexen auf ihrem Flug begleiten,
auf bunten Regenbogen hüpfen,
aus Sternen einen Teppich knüpfen.

Den Mann im Mond heimlich besuchen,
nach dem Reich Atlantis suchen,
auf schillernden Seifenblasen treiben,
an Aladins Wunderlampe reiben.

Aus Mondlicht Strahlenstelzen bauen,
ein Schloss aus Eiskristall erbauen,
Dir goldene Flügel wachsen lassen,
und alles weltliche verlassen ...

Denn im Traumzauberland der Nacht
ist die grenzenlose Phantasie erwacht ...


(Autor unbekannt)
#274VerfasserChaostranslater (459860) 06 Mai 09, 22:55
Kommentar
Geschichte vom dummen Hänschen

Hänschen will ein Tischler werden,
ist zu schwer der Hobel;
Schornsteinfeger will er werden,
doch das ist nicht nobel;
Hänschen will ein Bergmann werden,
mag sich doch nicht bücken;
Hänschen will ein Müller werden,
doch die Säcke drücken;
Hänschen will ein Weber werden,
doch das Garn zerreißt er:
Immer, wenn er kaum begonnen,
jagt ihn fort der Meister.

Hänschen, Hänschen denke dran,
was aus dir noch werden kann!


Hänschen will ein Schlosser werden,
sind zu heiß die Kohlen;
Hänschen will ein Schuster werden,
sind zu hart die Sohlen;
Hänschen will ein Schneider werden,
doch die Nadeln stechen;
Hänschen will ein Glaser werden,
doch die Scheiben brechen;
Hänschen will Buchbinder werden,
riecht zu sehr der Kleister:
Immer, wenn er kaum begonnen,
jagt ihn fort der Meister.

Hänschen, Hänschen denke dran,
was aus dir noch werden kann!


Hänschen hat noch viel begonnen,
brachte nichts zu Ende,
drüber ist die Zeit verronnen,
schwach sind seine Hände.
Hänschen ist nun Hans geworden,
und er sitzt voll Sorgen,
hungert, bettelt, weint und klaget
abends und am Morgen:
Ach, warum nicht war, ich Dummer,
in der Jugend fleißig?
Was ich immer auch beginne -
dummer Hans nur heiß' ich.
Ach, nun glaub' ich selbst daran,
dass aus mir nichts werden kann.


Rudolf Löwenstein
#275VerfasserChaostranslater (459860) 09 Mai 09, 20:26
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Das Gnomenwirtshaus

Tief im Wald, in einer Wildnis
Moosbewachsner Felsenblöcke
Liegt versteckt und nur erreichbar
Auf geheim verborgnen Pfaden
Kühl im Grund ein Gnomenwirtshaus.
Knusperknäuschen heißt der Gastwirt:
Wohl versteht im ganzen Lande
Keiner solches Bier zu brauen
Aus geheimen Waldeskräutern,
Klar wie Gold und sanft wie Baumöl.
Britzebrodel heißt der Mundkoch,
Der da in der Felsenhöhle
Bei des Feuers Flackerscheine
Kocht die köstlichsten Gerichte.
Wohlbekannt ist dieses Wirtshaus,
Und des Abends, wenn die Sonne
Sinkt im Westen in die Wipfel,
Kommen rings von allen Seiten
Muntre Gäste hergezogen:
Hackebock, der große Jäger,
Der den Wirt versorgt mit Wildbret,
Kleine Vögel bringt er, Meisen,
Die er listig fing in Sprenkeln,
Und er schleppt manch fette Waldmaus
Oder oftmals kleine junge
Ringelnattern, die so köstlich
Schmecken, eingekocht in Sauer.
Goldmund kommt, der große Sänger.
Simserich, der Harfenspieler,
Durst'ge Musikantenseelen,
Trippelfix, der flinke Tänzer,
Knickebolz, der wunderkünstlich
Dinge schnitzt aus Holz und Knochen,
Schiffchentritt, der flinke Weber,
Pinkepank, der Schmiedemeister,
Und wie sie noch alle heißen.
Und sie grüßen sich und schwatzen,
Reihn sich um die Felsentische,
Trinken aus den winz'gen Bechern
Kräuterbier in vollen Zügen
Und verzehren mit Behagen,
Was mit Kunst der Koch bereitet.
Dieser isst gebacknes Heupferd -
Köstlich schmeckt es, wenn die Beine
Sind recht knusperig gebraten -
Jener schmaust gespickte Waldmaus
Mit Kompott aus Rosenblättern,
Und ein andrer schmatzt behaglich
Sauerkleesalat mit Eidechs.

Nach dem Essen wird gesungen
Und ein wenig musizieret.
Hackebock erzählt Geschichten,
Fürchterliche Jagdgeschichten,
Die er oft schon vorgetragen,
Wie er einst das wütig wilde,
Riesenstarke, große Eichhorn
Nach verwegnem Kampf erlegt hat,
Wie er einst die meterlange,
Fabelhafte Ringelnatter
Hat lebendig eingefangen.
Also sitzen sie und schwatzen,
Bis die Nacht sich rings verbreitet.
Einer nach dem andern zündet
Sein Laternchen, wandert heimwärts
Durch die wüste Felsenwildnis.
Knusperknäuschen schließt sein Wirtshaus
Und der Koch verlöscht sein Feuer.
Bald nur blinken noch hernieder
In die schweigend schwarze Wildnis
still des Himmels goldne Sterne.

Heinrich Seidel (1842-1906)
#276VerfasserHeinz H (243376) 11 Mai 09, 09:39
Kommentar
Vitzlibutzli

Lieber ßöner Hampelmann,
deine Detta sieht dich an!
Ich bin dhoß, und Du bist tlein;
willst du Fitzebutze sein?
Tomm!

Tomm auf Haterns dhoßen Tuhl,
Vitzlibutzki, Blitzepul!
Hater sagt, man weiß es nicht,
wie man deinen Namen sp'icht.
Pst!

Pst, sagt Hater, Fitzebott
war eimal ein lieber Dott,
der auf einem Tuhle saß
und sebratne Menßen aß.
Huh!

Huh, sei dut, ich bin so tlein
und will immer a'tig sein.
Fitzebutze, du bist dhoß;
kleine Detta spaßt ja bloß.
Ja?

Ja, ich bin dir wirktlich dut!
Willst du einen neuen Hut?
Tlinglingling: wer b'ingt das Band?
Königin aus Mohrenland!
Tnicks!

Tnix, ich bin F'au Tönidin,
hab zvei Lippen von Zutterrosin;
Fitzebutze, sieh mal an,
ei, wie Detta tanzen kann!
Hoppß!

Hopßa, hopßa, hopßassa;
Tönigin von Af'ika!
Flitzeputzig, Butzebein,
wann soll unse Hochzeit sein?
Du!

Du! Mein tleiner lieber Dott!
Du?! sonst geh ich von dir fo't! -
Ach, du dummer Hampelmann,
siehst ja Detta garnicht an!
Marsch! -

Richard Dehmel, 1863-1920
#277VerfasserChaostranslater (459860) 11 Mai 09, 22:15
Kommentar

Die Lederhosen Saga - Boerries von Muenchhausen

Leider kann ich das Gedicht aus Copyright gruenden nicht posten.


http://www.gedichte.vu/?die_lederhosensaga.html
#278Verfasseroggl (594829) 12 Mai 09, 11:59
Kommentar
Der Mops und der Mond

Es war einmal ein dicker fetter Mops;
Der ging, wie Möpse gehn, auf allen vieren
Bei hellem Mondschein einst spazieren.
Da kam ein Graben in die Quer'; und hops!
Sprang doch der dicke fette Mops –
Hinüber, meint ihr? – nein!
Er sprang zu kurz und fiel hinein,
Von wegen seiner schweren Masse.
Und als er endlich der Gefahr,
dort zu ersaufen, ledig war,
So stellt er sich recht mitten auf die Gasse,
Und fängt doch da ein Schelten an,
Daß man sein eigen Wort davor nicht hören kann.
Es sollte aber dieses Schelten –
Wem meint ihr wohl? – dem Monde gelten;
Und der hat ihm doch nichts getan.
Er schalt ihn aber Bärenhäuter!
Ochs, Esel, Schlingel! und so weiter.
Der Mond – nicht wahr, der schalt doch wieder? –
O nein! Sah lächelnd auf den Mops hernieder,
Und fuhr, als ging's ihn gar nichts an,
Lustwandelnd fort auf seiner Bahn;
Und wird seitdem, wie jedermann bekannt,
Doch immer Mond, nie Ochs, genannt.


JOHANN HEINRICH CAMPE
* 29. Juni 1746 in Deensen bei Holzminden;
† 22. Oktober 1818 in Braunschweig

#279VerfasserChaostranslater (459860) 12 Mai 09, 22:32
Kommentar
Hafentraum

Ich hab in dieser ganzen Nacht
Still wie ein Stall geschlafen.
Ich hab in dieser ganzen Nacht
Geträumt von tausend Schafen.

Sie waren alle dick und rund,
Ich aber war nicht ganz gesund,
Ich kam allmählich auf den Hund;
Es war in einem Hafen.

In diesem Hafen trank ich viel
Mit großen Welt-Matrosen,
Die spielten Handharmonika
Und mit den tausend Schafen.

Paul Scheerbart (1863-1915)
#280VerfasserHeinz H (243376) 13 Mai 09, 22:39
Kommentar
Seid ihr alle da?

Seid ihr alle da?
Ja??
Dann schreit einmal Hurra.
Denn, geliebte Kinder,
Ich bin der
Kasperle und bin wieder da.
Bin vergnügt, seid ihr es auch.
Lacht ein Loch euch in den Bauch,
Aber gebt dabei recht acht,
Dass ihr nicht danebenlacht.

Wer hier stört und wer nicht gut
Aufpasst, kriegt eins auf den Hut.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)


@ Heinz H
Merkst Du was? Die lassen uns alle hängen. Wenn sich oggl nicht noch ein Herz gefasst hätte, würden wir hier einen Alleingang machen. Ich will (*mit dem Fuß aufstampf*) aber in diesem Faden die 300 sehen; und sei es nur um darauf anstoßen zu können :-))

#281VerfasserChaostranslater (459860) 14 Mai 09, 22:21
Kommentar
Der Hase im Kohl

An dem Dach viel blanke Zapfen,
In dem Schnee viel kleine Tapfen,
Alle laufen nach dem Kohl!
Häschen, das gefällt dir wohl?

Nächtlich, bei des Mondes Schimmer,
Sitzt es dort zu schmausen immer,
Knusperknäuschen, gar nicht faul:
Ei du kleines Leckermaul!

Häschen ist es schlecht bekommen,
Vater hat’s Gewehr genommen,
Eines Abends ging es "Bumm"!
Bautz, da fiel das Häschen um!

Kannst du wohl das Ende raten?
Heute gibt es Hasenbraten,
Apfelmus mit Zimt dazu.
Ach, du armes Häschen du! -

Heinrich Seidel (1842-1906)

Chaostranslater, klar schaffen wir das!
#282VerfasserHeinz H (243376) 15 Mai 09, 16:38
Kommentar
Na, da will ich euch mal helfen, diesem Ziel ein bisschen näher zu kommen......;-)

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph von Eichendorff 1788-1857)
#283Verfassermoustique (308708) 15 Mai 09, 16:39
Kommentar
Der kleine Kunstreiter

Max durfte in den Zirkus geh'n,
da gab es vielerlei zu seh'n:
Ganz große, wilde Tiere und
auch einen klugen Pudelhund,
der Karten legte - und ein Schwein,
das auf französisch "Oui" konnt' schrei'n.
Der dumme August macht' ihm Spaß,
der jedermann im Wege saß.
Besonders hat's ein Reitersmann
jedoch dem Mäxchen angetan.
Der stand auf seinem flinken Pferd
auf einem Bein und ritt verkehrt.
Dann war ein Seil da, das man schwang,
durch welches Ross und Reiter sprang.
Das war ein Kunststück - Donnerblitz! -
viel schöner noch als Augusts Witz ... .
Als Mäxchen dann nach Haus gekommen,
hat Gertruds Springtau er genommen.
Das gab er Fips und Stips ins Maul
und sattelte den Steckengaul.
Das Schwesterchen fasst an das Tau:
Nun, Mäxchen spring'! - Fips bellt: Wau, wau!
Die Schwester schwingt. - Max läuft. - Stips bellt. -
Nun, hops! - Max springt. Und - bums! - Er fällt.
Hier fliegt ein Schuh; da fliegt der Helm;
hier fliegt das Pferd; - da liegt der Schelm. -
Die Lehre hat dem Max gezeigt:
Kunstreiter sein ist nicht so leicht.


Erich Mühsam (1878-1934)
#284VerfasserChaostranslater (459860) 15 Mai 09, 22:57
Kommentar
Kinderszene

"Wie finden Sie das liebe Kind?" -
"Sie hat eben immer noch stark Fieber;
Das ist der böse Nordostwind.
Doch scheint die größte Gefahr vorüber.
Wie war der Appetit indessen?" -
"Seit gestern hat sie nichts gegessen.
Mein Bruder bracht' ihr heute früh
Dies Törtchen mit, das möchte sie;
Ich wollt' es aber doch nicht wagen,
Ohne Herrn Hofrat erst zu fragen." -
"Es ist nur immer bei dem Zeug
Zuviel Gewürz und Butterteig.
Mit Erlaubnis - ich will es versuchen.
Hm, eine Art von Mandelkuchen!" -
"Herr Hofrat, Sie vergessen sich,
Sie essen ja ganz fürchterlich.
Alle Achtung vor Ihrem großen Hut!
Aber Sie haben besondere Manieren!" -
"Pardon! das Törtchen war zu gut.
Lassen Sie nun eben das Mixtürchen repetieren!
Wir sehen ein paar Tage zu.
Ihr Diener!" - "Gute Nacht!" - "Recht angenehme Ruh'!"


Eduard Mörike (1804-1875)
#285VerfasserHeinz H (243376) 16 Mai 09, 08:51
Kommentar
Mein Kind, wir waren Kinder

Mein Kind, wir waren Kinder,
Zwei Kinder, klein und froh;
Wir krochen ins Hühnerhäuschen,
Versteckten uns unter das Stroh.

Wir krähten wie die Hähne,
Und kamen Leute vorbei -
Kikereküh! sie glaubten,
Es wäre Hahnengeschrei.

Die Kisten auf unserem Hofe
Die tapezierten wir aus,
Und wohnten drin beisammen,
Und machten ein vornehmes Haus.

Des Nachbars alte Katze
Kam öfters zum Besuch;
Wir machten ihr Bückling und Knickse
Und Komplimente genug.

Wir haben nach ihrem Befinden
Besorglich und freundlich gefragt;
Wir haben seitdem dasselbe
Mancher alten Katze gesagt.

Wir saßen auch oft und sprachen
Vernünftig, wie alte Leut
Und klagten, wie alles besser
Gewesen zu unserer Zeit;

Wie Lieb und Treu und Glauben
Verschwunden aus der Welt,
Und wie so teuer der Kaffee,
Und wie so rar das Geld! - - -

Vorbei sind die Kinderspiele,
Und Alles rollt vorbei -
Das Geld und die Welt und die Zeiten,
Und Glauben und Lieb und Treu.

Heinrich Heine
#286VerfasserChaostranslater (459860) 16 Mai 09, 22:42
Kommentar
Spiel der Murmeltiere

In der Sonne vor dem Hause
Saß die Murmelfrau und säugte
Ihre Buben, die zu naschen
Ab und zu vom Spiele kamen.

Doch der Mann, der scharfbewehrte,
Rüstig mäht er Gras und Kräuter;
Kundig wie ein Pharmazeute
Wählt er nur, was fein und würzig.

Ausgebreitet lag die Ernte,
Trocknend in dem warmen Scheine,
Und die Kinder schlugen fröhlich
Purzelbäume auf den Mahden.

Doch der alte Schwiegervater
Legt sich jetzo auf den Rücken,
Der schon lange kahl gescheuert,
Und er streckt empor die Beine.

Und mit Heu, das herrlich duftet,
Wird er emsig hoch beladen,
Daß der Fuder zierlich schwillt,
Fast von eines Zwergleins Höhe.

Und am Schwänzel mit den Zähnen
Wird das Fuhrwerk jetzt gezogen;
Stattlich schwankt es nach der Tanne,
Nach der klug gebauten Hofstatt.

Lust und Freude rings umhüpft es,
Nur die Murmelmutter sorgt sich;
Denn hoch oben auf dem Heuberg
Sitz ein Büblein, macht sein Männchen.

Wird es nicht den Kopf sich stoßen
An des Tores niederm Bogen?
Aber sieh den Schelm, er duckt sich,
Jubelnd fährt er mit hinunter!

Und sie sprangen, und sie sangen,
Tranken aus der klaren Quelle;
Und der Alte kroch zutage,
Putzte lachend sich den Pelz.

Gottfried Keller (1819-1890)

Ich bin von Donnerstag bis einschließlich Montag verreist. Sollte in dieser Zeit eine Flut von Gedichten diesen Faden füllen, bitte lasst mir die # 300 für die Gedichtliste.

#287VerfasserHeinz H (243376) 19 Mai 09, 13:06
Kommentar
Bescheidenheit siegt

Die Lerche singt, der Kuckuck schreit,
Krieg führt die ganze Welt.
Es fängt nun an ein großer Streit
In Wald und Wies' und Feld.

Die Blumen streiten heftiglich,
Wer wohl die Schönste sei;
Und nur die Rose denkt für sich:
Das ist mir einerlei.

Und auch die Vögel streiten sich
Um ihren Sang und Schall.
Was aber soll das kümmern mich?
So sagt die Nachtigall.

Da mischet sich der Frühling drein:
Was, spricht er, soll der Krieg?
Der Nachtigall und Ros' allein
Gebührt der Preis und Sieg.

So laßt uns wie die Rose sein
Und wie die Nachtigall:
Bescheidne Herzen schön und rein,
Die siegen überall.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben


#288VerfasserChaostranslater (459860) 21 Mai 09, 14:44
Kommentar
Die Eule und der Esel

Sieh! Seht mir doch das grobe Tier!
Was schleppt und keicht! da lob ich mir
doch meine klügre Art zu leben!

Esel
Möcht keinen Pfifferling drum geben!

Eule
Möchtst nicht? Das macht, du dummes Vieh,
dein grobes Hirn empfand noch nie
des edeln Müßiggangs Behagen;
hast nichts gelernt als Säcke tragen,
und weißt nur nicht, wie süß es tut,
zu trinken kleiner Vögel Blut
und sich mit ihrem Fleisch zu laben;
hast kein Gehirn, nur Eselsgaben!

Esel
Weiß wohl; mag auch kein’ andere haben;
scheu aber auch das Tageslicht
wie’s hoch begabte Eulchen nicht;
seh jedem frei ins Angesicht;
werd nur belacht von Narren und von Knaben.
Des bin ich froh; und - schönen Dank
für eure Gaben!

Joachim Heinrich Campe
#289VerfasserChaostranslater (459860) 25 Mai 09, 22:35
Kommentar
Das Kind am Brunnen

Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht!
Doch die liegt ruhig im Schlafe.
Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht,
Am Hügel weiden die Schafe.

Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf,
Es wagt sich weiter und weiter!
Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf,
Da stehen Blumen und Kräuter.

Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief!
Sie schläft, als läge sie drinnen.
Das Kind läuft schnell, wie es noch nie lief,
Die Blumen locken's von hinnen.

Nun steht es am Brunnen, nun ist es am Ziel,
Nun pflückt es die Blumen sich munter;
Doch bald ermüdet das reizende Spiel,
Da schaut's in die Tiefe hinunter.

Und unten erblickt es ein holdes Gesicht,
Mit Augen, so hell und so süße.
Es ist sein eignes, das weiß es noch nicht,
Viel stumme, freundliche Grüße!

Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind
Winkt aus der Tiefe ihm wieder.
Herauf! Herauf! so meint's das Kind;
Der Schatten: Hernieder! Hernieder!

Schon beugt es sich über den Brunnenrand.
Frau Amme, du schläfst noch immer!
Da fallen die Blumen ihm aus der Hand
Und trüben den lockenden Schimmer.

Verschwunden ist sie, die süße Gestalt,
Verschluckt von der hüpfenden Welle;
Das Kind durchschauert's fremd und kalt,
Und schnell enteilt es der Stelle.

Friedrich Hebbel (1813-1863)

#290VerfasserHeinz H (243376) 26 Mai 09, 13:32
Kommentar
Der Knabe im Moor

Oh schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob mann es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind -
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor´,
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf,
Voran, als woll es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstische Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Kanuf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
"Ho, ho, meine arme Seele!"
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre wars fürchterlich,
O schaurig wars in der Heide!

Annette von Droste-Hülshoff
(* 1797 auf Burg Hülshoff; † 1848 in Meersburg),
#291VerfasserChaostranslater (459860) 26 Mai 09, 23:07
Kommentar
Schaukellied

Flieg über, flieg 'rüber - was hängt an dem Ast?
Das ist unsre Schaukel, die findet nicht Rast,
Die ständ' gern so stille wie ich und wie du,
Sucht oben, sucht unten und kommt nicht dazu.

Lieb Hänschen, lieb Hannchen, nun haltet euch nur!
Das geht wie der Pendel in Großmamas Uhr.
Lieb Hänschen, lieb Hannchen, ich wieg euch so gut
Mit Eia popeia, wie Mutter das tut.

Guten Abend, lieb Hänschen, - lieb Hannchen, gut' Nacht.
Da - hat sie die Schaukel schon wiedergebracht.
Ihr wiegt hundert Pfund, und ihr seid mir zu schwer:
Noch zweimal, noch einmal - nun schaukl' ich nicht mehr.

Victor Blüthgen (1844-1920)
#292VerfasserHeinz H (243376) 28 Mai 09, 18:14
Kommentar
Der Dudelsack und die Donnerwolke

Aus: Texte zum Bilder-ABC

Frau Schwester, sprach der Dudelsack
zur Donnerwolke, nur gemeines Pack
sind gegen uns, wo wir uns zeigen,
die Flöten, Lauten, Harfen, Geigen.
Drum mach ich mich mit ihnen nicht gemein;
und will hinfort bei meinen Melodein
begleitet nur von dir allein,
und nicht von jenen Stümpern sein.

Donnerwolke

Freund Dudelsack, ich rate nicht;
wer sich zu hoch versteigt,
den Hals leicht bricht.
Doch weil er sich denn so gewaltig fühlt;
so sei's darum; nur aufgespielt!
Drauf stimmten beide an; der dumme Sack
sein Dudildum und Dudildei,
wie Froschgequäck und Katzenschrei;
die Wolk ir-ra-ra-ra-ra-rak!
Der Blitzstrahl schoss; zerschmettert
lag der Dudelsack.
Soll sein Geschick dich nicht beschleichen,
so halte dich zu deinesgleichen.

Joachim Heinrich Campe
(1746 - 1818)

#293VerfasserChaostranslater (459860) 28 Mai 09, 22:39
Kommentar
Die Kartoffelernte

Kindlein, sammelt mit Gesang
Der Kartoffeln Überschwang!
Ob wir voll bis oben schütten
Alle Mulden, Körb' und Bütten;
Noch ist immer kein Vergang!

Wo man nur den Bulten hebt,
Schaut, wie voll es lebt und webt!
O die schöngekerbten Knollen,
Weiß und rot, und dick geschwollen!
Immer mehr, je mehr man gräbt!

Nicht umsonst in bunter Schau
Blüht' es rötlich, weiß und blau!
Ward gejätet, ward gehäufet:
Kindlein, Gottes Segen reifet!
Rief ich oft, und traf's genau!

Einst vom Himmel schaute Gott
Auf der Armen bittre Not:
Nahe ging's ihm; und was tat er
Uns zum Trost, der gute Vater?
Regnet' er uns Mannabrot?

Nein, ein Mann ward ausgesandt,
Der die neue Welt erfand!
Reiche nennen's Land des Goldes:
Doch der Arme nennt's sein holdes
Nährendes Kartoffelland!

Nur ein Knöllchen eingesteckt,
Und mit Erde zugedeckt!
Unten treibt dann Gott sein Wesen!
Kaum sind Hände gnug zum Lesen,
Wie es unten wühlt und heckt!

Was ist nun für Sorge noch?
Klar im irdnen Napf und hoch,
Dampft Kartoffelschmaus für alle!
Unsre Milchkuh auch im Stalle
Nimmt ihr Teil, und brummt am Trog!

Johann Heinrich Voß (1751-1826)
#294VerfasserHeinz H (243376) 31 Mai 09, 16:09
Kommentar
Glaubst du das?

Ich bin auf dem Regenbogen gesessen.
Ich kann einen Korb voll Zitronen essen.
Ich hab einen Walfisch durchs Meer gezogen.
Ich bin wie ein Vogel zum Kirchturm geflogen.
Ich bin in der Wüste Rollschuh gelaufen.
Ich werde mir eine Sternschnuppe kaufen.
Ich hebe mit einer Hand ein Klavier.
Der wildeste Tiger hat Angst vor mir.
Und zu Hause hab ich ein Känguru, das boxt besser als du!

- (verfasser ist mir unbekannt) -
#295VerfasserChaostranslater (459860) 31 Mai 09, 23:48
Kommentar
Die wandelnde Glocke

Es war ein Kind, das wollte nie
Zur Kirche sich bequemen,
Und sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg in's Feld zu nehmen.

Die Mutter sprach: "Die Glocke tönt,
Und so ist dir's befohlen,
Und hast du dich nicht hingewöhnt,
Sie kommt und wird dich holen."

Das Kind, es denkt: "Die Glocke hängt
Da droben auf dem Stuhle."
Schon hat's den Weg in's Feld gelenkt,
Als lief' es aus der Schule.

Die Glocke, Glocke tönt nicht mehr,
Die Mutter hat gefackelt.
Doch welch ein Schrecken! hinterher
Die Glocke kommt gewackelt.

Sie wackelt schnell, man glaubt es kaum:
Das arme Kind im Schrecken,
Es läuft, es kommt als wie im Traum:
Die Glocke wird es decken.

Doch nimmt es richtig seinen Husch,
Und mit gewandter Schnelle
Eilt es durch Anger, Feld und Busch
Zur Kirche, zur Kapelle.

Und jeden Sonn- und Feiertag
Gedenkt es an den Schaden,
Läßt durch den ersten Glockenschlag,
Nicht in Person sich laden.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
#296VerfasserHeinz H (243376) 01 Jun 09, 08:22
Kommentar
Erziehung*

Der Vater zu dem Sohne spricht:
Zum Herz- und Seelengleichgewicht,
zur inneren Zufriedenheit
und äußeren Behaglichkeit
und zur geregelten Verdauung
bedarf es einer Weltanschauung.

Mein Sohn, du bist nun alt genug.
Das Leben macht den Menschen klug,
die Klugheit macht den Menschen reich,
der Reichtum macht uns Herrschern gleich,
und herrschen juckt uns in den Knöcheln
vom Kindesbein bis zum Verröcheln.

Und sprichst du: Vater, es ist schwer.
Wo nehm ich Geld und Reichtum her?
So merk: Sei deines Nächsten Gast!
Pump von ihm, was du nötig hast.
Sei's selbst sein letzter Kerzenstumpen -
besinn dich nicht, auch den zu pumpen.

Vom Pumpen lebt die ganze Welt.
Glück ist und Ruhm auf Pump gestellt.
Der Reiche pumpt den Armen aus,
vom Armen pumpt auch noch die Laus,
und drängst du dich nicht früh zur Krippe,
das Fell zieht man dir vom Gerippe.

Drum pump, mein Sohn, und pumpe dreist!
Pump anderer Ehr, pump anderer Geist.
Was andere schufen, nenne dein!
Was andere haben, steck dir ein!
Greif zu, greif zu! Gott wird's dir lohnen.
Hoch wirst du ob der Menschheit thronen!

Erich Mühsam (1878-1934)

*Für den Inhalt dieses Gedichts ist ausschließlich Erich Mühsam verantwortlich. :-)
Die Aktualität dieses Gedichts erschreckt mich sehr.
#297VerfasserChaostranslater (459860) 01 Jun 09, 22:49
Kommentar
Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Christian Morgenstern (1871-1914)
#298VerfasserHeinz H (243376) 02 Jun 09, 05:24
Kommentar
Der Maulwurf hört...

Der Maulwurf hört in seinem Loch
Ein Lerchenlied erklingen
Und spricht: "Wie sinnlos ist es doch,
Zu fliegen und zu singen!"

Emanuel Geibel (1815-1884)

@ Heinz H
Vielen Dank für diesen Faden und für den Spaß, ihn wirklich bis zum Schuss durchgeführt zu haben.
#299VerfasserChaostranslater (459860) 02 Jun 09, 05:41
Kommentar
Liebe Mitkindergedichtebeitragende,
entgegen anfänglichen Zweifeln, hat dieser Faden nun doch die Beitragsgrenze von 300 Einträgen erreicht. Es sind sehr schöne Gedichte darunter, viele Klassiker, Gedichte die man längst vergessen hatte und die dann Erinnerungen wach riefen, auch viele Gedichte, die man noch nicht kannte und sogar beachtenswerte eigene Beiträge. Ganz herzlichen Dank für eure Mitarbeit, besonders an Chaostranslater, der sehr eifrig mit eingetragen hat. Zum Abschluss hier nun die nach Autoren geordnete Gesamtliste der in diesem Faden zu findenden Kindergedichte.

Anschütz, Ernst– Fuchs, du hast die Gans gestohlen 62
Arndt, Ernst Moritz– Lügenmärchen 121, 145
Baumbach, Rudolf– Die Gäste der Buche 160
Belena– Kleine Rose 67
Blüthgen, Victor– Kohlblättchen 100
Blüthgen, Victor– Ach, wer das doch könnte 256
Blüthgen, Victor– Schaukellied 292
Böhme, Erik– Backe, backe Kuchen 60
Bonn, Franz– Versteckens 187
Brentano, Clemens– Singet leise, leise, leise 114
Brentano, Clemens– O wie dankbar ist ein Kind 123
Burmmann, Gottlob Wilhelm– Die Kindheit 115
Busch, Wilhelm– Die Affen 4
Busch, Wilhelm– Als ich ein kleiner Bube war 113
Busch, Wilhelm– Max und Moritz Fünfter Streich 116
Busch, Wilhelm– Naturgeschichtliches Alphabet 150
Busch, Wilhelm– Es kamen mal zwei Knaben 153
Busch, Wilhelm– Die Meise 168
Busch, Wilhelm– Selbstgefällig 178
Busch, Wilhelm– Die Tute 255
Busch, Wilhelm– Es spukt 261
Campe, Johann Heinrich– Der Mops und der Mond 279
Campe, Johann Heinrich– Die Eule und der Esel 289
Campe, Johann Heinrich– Der Dudelsack und die Donnerwolke 293
Chamisso, Adelbert von– Der Klapperstorch 173
Chamisso, Adelbert von– Das Riesen-Spielzeug 215
Chamisso, Adalbert von– Tragische Geschichte 264
Claudius, Matthias– Motetto, als der erste Zahn durch war 26
Claudius, Matthias– Fritzie 262
Dehmel, Paula– Sprich leise 7
Dehmel, Paula– Rumpumpels Geburtstag 39
Dehmel, Paula– Mein Wagen 126
Dehmel, Paula– Anziehliedchen 128
Dehmel, Paula– Seereise 138
Dehmel, Paula– Has, Has, Osterhas 205
Dehmel, Paula– Wittewoll schlafen 212
Dehmel, Paula– Gutenachtliedchen 232
Dehmel, Paula– Geburtstagsgedicht für Kinder 241
Dehmel, Richard– Staatsereignis 45
Dehmel, Richard– Die Schaukel 69
Dehmel, Richard– Der brave Strubel 228
Dehmel, Richard– Pustemuhme 273
Dehmel, Richard– Vitzlibutzli 277
Droste-Hülshoff, Annette von– Der Heidemann 266
Droste-Hülshoff, Annette von– Der Knabe im Moor 291
Eichendorff, Joseph von– Wünschelrute 283
Eskuche, Gustav– Alle meine Entchen 58
Falke, Gustav– Es schneit 2
Falke, Gustav– Ausfahrt 13
Falke, Gustav– Zwiegespräch 21
Falke, Gustav– Die Kinder schlummern 155
Falke, Gustav– Stolz und glücklich melden wir 183
Falke, Gustav– Närrische Träume 188
Falke, Gustav– Katz und Maus 234
Falke, Gustav– Eine Kuh, die saß im Schwalbennest 260
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Alle Vögel sind schon da 102
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Ein Männlein steht im Walde 76
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Wettstreit 91
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Im Schlaraffenland 107
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Frühlingsbotschaft 139
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Der Weg zur Schule 158
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Der Frühling ist da 159
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Frühlingsbotschaft 176
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Kinderseele 191
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Der Mond 200
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Ostereier 205
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Der kleine Vogelfänger 218
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von – Auf unsrer Wiese gehet was 219
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Knabe und Maikäfer 259
Fallersleben, Heinrich Hoffmann von– Vom Honigkuchenmann 267
Fallersleben, Heinrich Hoffman von– Bescheidenheit siegt 288
Fontane Theodor– Herr von Ribbeck auf Ribbeck 27
Fontane, Theodor– Kinder, ihre Lust zu zeigen 243
Fontane, Theodor– Zum Namenstag meiner Enkelin 249
Freudenberg, Alwin– Vom Riesen Timpetu 210
Gellert, Christian Fürchtegott– Der Bauer und sein Sohn 226
Geibel, Emanuel– Mittagszauber 103
Geibel, Emanuel– Der Maulwurf 299
Gibran, Khalil– Sprich uns von den Kindern 8, 254
Glaßbrenner, Adolf– Vom unordentlichen Max 133
Görres, Guido– Nun treiben wir den Winter aus 78
Goethe, Johann Wolfgang von– Der Zauberlehrling 63
Goethe, Johann Wolfgang von– Die Frösche 137
Goethe, Johann Wolfgang von– Das Hexen-Einmaleins 213
Goethe, Johann Wolfgang von– Die wandelnde Glocke 296
Gohl, Willi– Meitäli, wenn dü witt go tanzä 101
Grillparzer, Fraz– Regen und Unmut 246
Groth, Klaus– Lütt Matten der Has 202
Güll, Friedrich Wilhelm– Nusssäcklein 3
Güll, Friedrich Wilhelm– Der erste Zahn 140
Güll, Friedrich Wilhelm– Häslein 141
Güll, Friedrich Wilhelm– Schulreime 186
Güll, Friedrich Wilhelm– Drunten an der Gartenmauern 190
Güll, Friedrich Wilhelm– Wenn das Kind nicht schlafen will 236
Güll, Friedrich Wilhelm– Wer von euch ist klug und fleißig 238
Güll, Friedrich Wilhelm – Ein kleines Büblein bin ich 250
Hahn, Carl– Das Steckenpferd 248
Hebbel, Friedrich– Gottes Rätsel 43
Hebbel, Friedrich– Auf ein schlummerndes Kind 167
Hebbel, Friedrich– An ein schönes Kind 193
Hebbel, Friedrich– Zur Geburt 252
Hebbel, Friedrich– Das Kind am Brunnen 290
Hebel, Johann Peter– Das Lied vom Kirschbaum 269
Heine, Heinrich– Der tugendhafte Hund 33, 34
Heine, Heinrich– Die Lehre 268
Hensel, Louise– Kindergebet 196
Hey, Wilhelm– Kind und Buch 46, 108
Hey, Wilhelm– Rabe 50
Hey, Wilhelm– Kind und Ochse 92
Hey, Wilhelm– Weißt du, wieviel Sternlein stehen? 197
Hille, Peter– Kind 142
Hoffmann, Heinrich– Die Geschichte vom fliegenden Robert 97
Hoffmann, Heinrich– Eine seltsame Kaffeegesellschaft 117
Hoffmann, Heinrich– Der erste Ostertag 131
Holdastern– Mein Büblein schlief schon, 64
Holdastern– Das Kind in mir 184
Hölty, Ludwig Christoph Heinrich– Wiegenlied an ein Mädchen 5
Holz, Arno– Lied eines Vogels 189
Holz, Arno– Unvergessene Kindheit 195
Holz, Arno– Für kleine Kinder 199
Irischer Segenspruch– Zur Geburt 251
Keller, Gottfried– Spiel der Murmeltiere 287
Kipling, Rudyard– If 253
Kopisch, August– Die Heinzelmännchen zu Köln 98
Kronenberg, Annegret – Du kleines Menschenkind 32
Kyber, Manfred– Sommernacht 172
Kyber, Manfred– Rabenschnabelschnupfen 214
Langbein, August Friedrich Ernst– Die zwei Fliegen 10
Lenau, Nikolaus– Stimme des Kindes 47
Liliencron, Detlev von– Meine Mutter 74
Liliencron, Detlev von– Ballade in U-dur 119
Liliencron, Detlev von– Kinderland, du Zauberland 224
Lingg, Hermann von– Das Krokodil von Singapur 130
Löns, Hermann– Heckenkind 162
Logau, Friedrich von– Einem träumt er künnte fliegen 209
Löwenstein, Rudolf– Der kleine Schulmeister 272
Löwenstein, Rudolf– Geschichte vom dummen Hänschen 275
Meyer, Conrad Ferdinand– Das tote Kind 55
Morgenstern, Christian– Der Nachtschelm und das Siebenschwein 30
Morgenstern, Christian– Das ästhetische Wiesel 51
Morgenstern, Christian– Die Mitternachtsmaus 56
Morgenstern, Christian– Ostergedicht 104
Morgenstern, Christian– Die zwei Wurzeln 111
Morgenstern, Christian– Wenn es Winter wird 143
Morgenstern, Christian– Herr Löffel und Frau Gabel 161
Morgenstern, Christian– Der Flügelflagel 181
Morgenstern, Christian– Die Weidenkätzchen 198
Morgenstern, Christian– Puff-puff Eisenbahn 204
Morgenstern, Christian– Von dem großen Elefanten 211
Morgenstern, Christian– Der Werwolf 217
Morgenstern, Christian– Der Sperling und das Känguru 221
Morgenstern, Christian– Das Mondschaf 271
Morgenstern, Christian– Der Schnupfen 298
Mörike, Eduard– Ostern ist zwar schon vorbei 207
Mörike Eduard– Selbstgeständnis 247
Mörike, Eduard– Kinderszene 285
Mühsam, Erich– Die Tierphilosophen 136
Mühsam, Erich– Kind und Pfau 203
Mühsam, Erich– Der kleine Kunstreiter 284
Mühsam, Erich– Erziehung 297
Neie, Rosemarie– Was hat Frau Pumpel eingekauft? 20
Overbeck, Christian Adolph– Komm lieber Mai und mache 257
Reinick, Robert– Kaninchen 75
Reinick, Robert– Großes Geheimnis 109
Reinick, Robert– Was gehn den Spitz die Gänse an 129
Reinick, Robert– Käferlied 149
Reinick, Robert– Der verliebte Maikäfer 258
Rilke, Rainer Maria– Kindheit 127
Ringelnatz, Joachim– Kindersand 0
Ringelnatz, Joachim– Ernster Rat an Kinder 70, 94
Ringelnatz, Joachim– Kindergebetchen 12
Ringelnatz, Joachim– Pinguine 38
Ringelnatz, Joachim– Die Feder 51
Ringelnatz, Joachim– Das Samenkorn 112
Ringelnatz, Joachim– Ein Wassertropfen 156
Ringelnatz, Joachim– Im Park 164
Ringelnatz, Joachim– Heimatlose 244
Ringelnatz, Joachim– Der Stein 245
Ringelnatz, Joachim– Seid ihr alle da? 281
Rückert, Friedrich– Märchen 105
Rückert, Friedrich– Das Männlein in der Gans 227
Rückert, Friedrich– Vom Büblein, das überall mitgenommen... 242
sagittarius– Satansbraten 170
sagittarius– Die erste Freundin 192
Scheerbart, Paul– Hafentraum 280
Scheffel, Joseph Victor von– Die Mutterliebe 270
Schiller, Friedrich von– Hoffnung 53
Schiller, Friedrich von– Die vier Brüder 118
Schiller, Friedrich von– Zum Geburtstag der Frau Griesbach 122
Schmidt, Julius– Eskimojade 179
Schweizer Kindergedicht– Roti Rösli 72, 73
Seidel, Heinrich– Das Huhn und der Karpfen 14
Seidel, Heinrich– Das Schwesterchen 16
Seidel, Heinrich– Der kleine Nimmersatt 42
Seidel, Heinrich– Bei Goldhähnchens 44
Seidel, Heinrich– Das Gnomenwirtshaus 276
Seidel, Heinrich– Der Hase im Kohl 282
Storm, Theodor– Zur Taufe 15
Sturm, Julius– Der Bauer und sein Kind 89
Tieck, Ludwig– Miesekätzchen 90
Trojan, Johannes– Mutter, schallt es immerfort 124
Trojan, Johannes– Morgens in den Garten trat Liese 146
Trojan, Johannes– Tannenwald 232
Trojan, Johannes– Wenn das beot fällt 235
Tschornyj, Sascha– Der Elefant 225
Tschornyj, Sascha– Der Puter plustert sich auf 240
Tucholsky, Kurt– An das Baby 11, 28
Uhland, Ludwig– Einkehr 96
Uhland, Ludwig– Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch 163
Uhland, Ludwig– Des Knaben Berglied 148
unbekannter Autor– Der Herr, der schickt den Jockel aus 17
unbekannter Autor– Dunkel war's, der Mond schein helle 19
unbekannter Autor– Die Geschichte vom Storch 54
unbekannter Autor– Chindervärsli uf Bärndütsch 59
unbekannter Autor– Drei Chinesen mit dem Kontrabass, 65
unbekannter Autor– Ick sitze hier und esse Klops... 99
unbekannter Autor– Stumpfsinnsverse 106
unbekannter Autor– Es flogen drei Enten 125
unbekannter Autor– Es war einmal ein Mann 157
unbekannter Autor– Nachtwächter-Variationen 175
unbekannter Autor– Kinder, lasst uns Eier schmücken 180
unbekannter Autor– Lebensweisheit für (heranwachsende) Kinder 201
unbekannter Autor– Osterhäschen dort im Grase 206
unbekannter Autor– Ball der Tiere 216
unbekannter Autor– Dornröschen 222
unbekannter Autor– Des Abends, wenn ich früh aufsteh 229
unbekannter Autor– Meine Mu, meine Mu, meine Mutter... 231
unbekannter Autor– Do sitt en Öppche 237
unbekannter Autor– Zwei Knaben 239
unbekannter Autor– Zaubertraumland 274
unbekannter Autor– Glaubst du das? 295
Volksgut– Möchte wohl wissen, wer das ist 132
Volksgut– Als du warst ein Kind 169
Volksgut– Der Herr, der schickt den Jockel aus 144
Volksgut– Hänsel und Gretel 177
Volksgut– Mein Vater kaufte sich ein Haus 205
Volksgut– Das Hungerkind 220
Volksgut– Spruch zum Geburtstag von Oma und Opa 230
Volkslied– Ein Vogel wollte Hochzeit machen 66
Volkslied– Auf! Kinder, zum Tanze 135
Volkslied– Das bucklige Männlein 174
Volkstümlich– Widewidewenne 154
Volkstümlich– Spannenlanger Hansel 171
Voß, Johann Heinrich– Die Kartoffelernte 294
Wette, Adelheid (mögliche Autorin)– Abendsegen (Abends ,wenn ich schlafen geh') 48
Wiedemann, Franz– Hänschen klein 71
Zulliger, Hans– Wappe-Spruch 59
#300VerfasserHeinz H (243376) 02 Jun 09, 15:44
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