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Ungedecktheit

20 replies    
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"Stimmen haben diese Frauen –! Es wird zuweilen recht unwahrscheinlich, daß man sich in der Heimat der abendländischen Gesangskunst befindet. »Fuggièro!« Ich habe den Ruf noch heute im Ohr, da ich ihn zwanzig
Vormittage lang hundertmal dicht neben mir erschallen hörte, in heiserer Ungedecktheit, gräßlich akzentuiert, mit grell offenem è, hervorgestoßen von einer Art mechanisch gewordener Verzweiflung. »Fuggièro! Rispondi al mèno!« Wobei das sp populärerweise nach deutscher Art wie schp
gesprochen wurde – ein Ärgernis für sich, wenn sowieso üble Laune herrscht."
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Mir geht es um Ungedecktheit. Ich habe einen längeren Absatz angegeben um den Kontext etwas klarer zu machen.

"Ungedeckt" bedeutet unguarded, uncovered, naked und ferner, "nicht geschüzt, abgeschirmt, ohne Deckung, ohne Schutz", aber wie sich diese Begriffe auf eine heisere Stimme beziehen entgeht mir.
AuthorBob C. (254583) 11 Jan 17, 02:45
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Ich kann auch als Deutscher mit heiserer Ungedecktheit nichts wirklich verbinden. SP wird im übrigen auch in einigen anderen Ländern gelegentlich SCHP ausgesprochen. Wieso das bereits ärgern soll, entzieht sich mir ebenfalls. Es scheint, dass der Verfasser "ohnehin üble Laune" hatte...

Ansonsten:" geschützt"
#1AuthorA. Juto (865475) 11 Jan 17, 05:25
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Fuggièro!” I can still hear that cry, as for twenty mornings long I heard it close behind me, breathy, fullthroated, hideously stressed, with a harsh open e, uttered in accents of mechanical despair."
#2AuthorMiMo (236780) 11 Jan 17, 06:41
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Mimo, danke, aber ich übersetze den Roman genau weil die Übersetzung von Porter so unglaublich schlecht ist. Gerade an dieser Stelle, finde ich, ist ihre Lösung ("breathy, fullthroated") frei erfunden, erfasst Ungedecktheit überhaupt nicht, und lässt auch heiser völlig außer Acht.

Juto danke ich auch. Vielleicht kommt Rat mit Zeit.

(Könnte es sein, dass gemeint ist, dass diese Frau ihre Stimme nicht schützt? Sie ruft so häufig und so schonunglos bis die Stimme heiser wird?)
#3AuthorBob C. (254583) 11 Jan 17, 14:45
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Ich stelle es mir so vor, dass die Frau ganz ungeniert herumschreit, ohne sich darum zu kümmern, was andere Leute über sie denken oder ob sie sich dadurch gestört fühlen.
Also laut, rücksichtslos, vielleicht in etwas ordinärem Tonfall.

Das die Stimme auch heiser ist, hat nicht direkt mit der "Ungedecktheit" zu tun.
#4AuthorGaleazzo (259943) 11 Jan 17, 14:53
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'in heiserer Ungedecktheit' (nie gehört!) interpretiere ich so: 'heiser, laut, nicht zurückgenommen, rücksichtslos - nicht darauf achtend, dass sie den Umstehenden nicht ins Ohr brüllt'.
#5AuthorBraunbärin (757733) 11 Jan 17, 14:56
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I see it like #4: her hoarse voice turned up to full volume
#6AuthorKai (236222) 11 Jan 17, 14:56
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Sehe, dass Galeazzo dasselbe denkt. Ungedeckt eher in ihren Manieren. ... Und Emotionen vielleicht.
#7AuthorBraunbärin (757733) 11 Jan 17, 14:58
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Gut, mit diesen Vorschlägen kann ich arbeiten!
#8AuthorBob C. (254583) 11 Jan 17, 14:59
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"Decken" ist ein Fachbegriff aus der Gesangstechnik. Kurz gesagt ist das ein Absenken des Kehlkopfes, das eine leichte (also "ungeknödelte") Höhe ermöglichen soll.

in strained hoarseness?
#9Authorcodero (790632) 11 Jan 17, 15:01
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ergänzend zu Codero
Aus Aesthetik der Tonkunst
Schon in alter Zeit begleitete man die Fuge mit Instrumentn, drang aber auf Einfachheit, damit dadurch nicht der Gesang gedeckt würde. Die Instrument, sagt Scheibe, dienen die Singstimme zu  heben und den Sinn der Worte nachdrücklicher zu machen. Er setzt aber vorsichtig hinzu: "Es können die Instrumente mit besonderen Gegensätzen zu den Singstimmen arbeiten, doch muss man dabei wegen der Deutlichkeit der Worte sehr behutsam verfahren."
#10Author waltelf (1172501) 11 Jan 17, 15:10
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Nun, dass ist recht interessant. "Gedeckter Klang" scheint auf Englisch covered voice zu heißen, und zwar steht er im Gegesatz zu open voice (bin aber nicht Fachmann und kann dafür nicht bürgen).

Ist es denn möglich oder wahrscheinlich, dass die Erzählerin in Mario und der Zauberer mit solchen technischen Feinheiten vertraut ist und unter sie unterscheiden kann? Mann selbst, mit Sicherheit, aber dieser Charakter?

Wie klingt also eine heisere, ungedeckte Stimme? Gellend? Schrill?

Man könnte übersetzen: with hoarse, uncovered voice oder open voice. Auch vorausgesetzt, dass ich mit diesen Begriffen richtig umgehe, werden wenigsten Leser verstehen, was damit ausgesagt werden soll.
#11AuthorBob C. (254583) 11 Jan 17, 20:43
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https://books.google.de/books?id=wxyhBwAAQBAJ...
Lehrbuch der Stimm- und Sprachheilkunde von Luchsinger und Arnold
bietet ab Seite 99 eine ausführlich Beschreibung des "gedeckten" und "ungedeckten" Singens.
#12AuthorMiMo (236780) 11 Jan 17, 21:23
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In any case, that could certainly be where the 'fullthroated' comes in, which someone might say was in a sense the opposite of a covered tone.

I have a little more trouble getting from 'heiser' to 'breathy,' and imagining a tone that could be both breathy and fullthroated / uncovered.
#13Authorhm -- us (236141) 11 Jan 17, 21:42
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Die in #12 angegebene Diskussion ist für mich eigentlich zu technisch, als dass ich als Laie daraus klug werde. Eines scheint jedoch klar zu sein--wenn ich mich nicht täusche: ungedecktes Singen ist kein Fehler sondern eine legitime Gesangart, jedenfalls keineswegs häßlich. Dazu ist zu bemerken, dass in dieser Novella, die Frau mit der heiseren Stimme singt nicht, sie schreit.

Kann also solches Schreien im musikalischen Sinne als "ungedeckt" beschrieben werden?
#14AuthorBob C. (254583) 11 Jan 17, 23:56
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Thomas Manns Stil ist ja bisweilen etwas preziös bzw. geziert; eigentlich hätte er an dieser Stelle schreiben können, dass die Frau "heiser und doch lauthals" schrie, aber vielleicht war ihm dies zu gewöhnlich, und er wählte preziös einen Fachbegriff aus der Stimm- und Gesangstechnik. (Gut, dass er nicht noch ins Orgelfach gegriffen und "gedackt" geschrieben hat .,..) Wenn man den Wörterbüchern trauen darf, ist "Ungedecktheit" kein Wort aus der Alltagssprache.
#15AuthorMiMo (236780) 12 Jan 17, 06:34
Sources
Thomas Manns Stil ist ja bisweilen etwas preziös bzw. geziert; eigentlich hätte er an dieser Stelle schreiben können, dass die Frau "heiser und doch lauthals" schrie (...)
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/Ironie an/ Genau! Was für eine Zumutung, dass ein Schriftsteller sich anders als in vollkommen banalen Klischees ausdrückt. Viel zu anstrengend zu lesen, so ein preziöser Murks. Zum Glück haben wir ja Sprachkünstler wie Frank Schätzing und Hera Lind, die machen es richtig. /Ironie aus/
#16AuthorMr Chekov (DE) (522758) 12 Jan 17, 07:48
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Ich weiß zwar auch nicht, was "Ungedecktheit" wirklich bedeutet, finde aber den Zusammenklang von "heiserer" und "Ungedecktheit" sehr schön durch die Vokalfolge: ei - e - e - u - e - e -ei

Ist vielleicht der Grund für die Wortwahl?
Nur nebenbei.
#17AuthorQual der Wal (877524) 12 Jan 17, 08:57
Sources
offen
- 1. (wieder) ohne Dämpfer; dagegen > gestopft.
- 2. nicht gedeckte Stimme der Orgel mit offenen Pfeifen; 

Wikipedia (gedackt)
Gedackt, auch Gedeckt, ist der Name von Registern der Orgel, deren Pfeifen am oberen Ende geschlossen sind. 

Kennzeichnend ist die Bauweise mit Labialpfeifen, deren oberes Ende geschlossen (gedackt/gedeckt) ist. Bei (runden) Metallpfeifen verwendet man einen Deckel, bei (eckigen) Holzpfeifen dagegen einen Spund. Das Verschließen hat zur Folge, dass der von einer solchen Pfeife erzeugte Ton eine Oktave tiefer ist, als die Rohrlänge erwarten lässt.
...
Gedackte Register sind deutlich leiser als offene Register, klingen leicht hohl und sind auch dunkler in ihrer Klangfarbe
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Vllt. hat er bei den Stimmen eher an diese ihm bekannte Begriffe gedacht.
#18Authorwor (335727) 12 Jan 17, 09:18
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heiser- in this context you might also perhaps ponder croaky, gravelly, gutteral, even grating
#19Authornoli (489500) 12 Jan 17, 09:35
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Noch einmal herzlichen Dank allen, die mitgemacht haben. Ich werde über diese Alternative grübeln und mir Zeit lassen.
#20AuthorBob C. (254583) 12 Jan 17, 15:58
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