| Kommentar | Hab den Faden aus den Augen verloren. Da hier aber intensiv über mein mutmaßliches Verständnis oder Unverständnis diskutiert wurde, möchte ich eine tiefgreifende Analyse dieses sprachlichen Kleinods aus meiner Sicht nachliefern.
Der Satz ist sprachlich wie auch inhaltlich bedenkenswert, und zwar aufgrund der besonders geistreichen Kombination aus vokabulären Missgriffen und fehlerhafter logischer Inversion.
Nehmen wir mal an, eine des Deutschen nicht mächtige Badbesucherin sieht sich ohne Vorwarnung diesem Schild ausgesetzt. So wird sie das spontan als Aufforderung verstehen, hier doch bitte auf Vaginalspülungen in Straßenkleidung zu verzichten.
Wenn sie nun ihre anfängliche Befremdung bezüglich "douche" überwunden und das Wort im Geiste durch "shower" ersetzt hat, bedeutet "clothes" für sie aber immer noch Kleidung, und nicht Badebekleidung. Sie kann ja nicht wissen, dass sich dass "natürlich auf die Badebekleidung bezieht", da es "ja auch auf Deutsch so dasteht" (#5). Also denkt sie im zweiten Anlauf, es sei unerwünscht, hier in vollen Klamotten zu duschen.
Wenn sie nun ganz pfiffig ist, kommt sie vielleicht darauf, dass mit "clothes" "swimsuit" gemeint ist. Somit lautet die Aufforderung, hier bitte nicht im Badeanzug zu duschen. Was sie natürlich nicht davon abhält, trocken und ungeduscht direkt in die Schwimmhalle durchzugehen.
Was das Schild eigentlich sagen will, ist: Bitte duschen Sie nackt! Das enthält zwei Aufforderungen: 1. Duschen Sie! 2. Tun Sie es nackt! Das war den Machern offenbar zu direkt oder zu peinlich. Also haben sie die Aussage logisch zu invertieren versucht, was schon auf Deutsch nicht gelingt. Man kann die Aussage nicht äquivalent wiedergeben, indem man sie zweifach invertiert: Bitte duschen Sie nicht im Badeanzug! Dadurch geht nämlich die Doppelbedeutung verloren, und man wird der Aufforderung formal völlig gerecht, indem man überhaupt nicht duscht. Oder auch in Straßenkleidung ... |
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