| Examples/ definitions with source references | "Die Kinder blaetterten in dem Buch herum und beobachteten, wie ueber den Koepfen gewisser Raupen, die jeweils erst auf den nachfolgenden Seiten erschienen, an manchen Stellen schon im Papier der vorhergehenden Seite kreisrunde Loecher waren. Es hatte wirklich den Anschein, als sei das eine oder das andere der Tiere da richtiggehend aus seiner Rolle gefallen, indem sein Hunger da ein bisschen gar zu sehr mit ihm durchgegangen sei, und die Kleinen erlebten ueber der knochentrockenen, gewissermassen von der Breitseite her sich entfaltenden Lustigkeit, die man ihnen da in dieser Weise praesentierte, wohl so ziemlich das aergste Gaudium dieses ihres gesamten damaligen Winters." (^^ Frei erfundener Beispielsatz) Dictionary: gaudium |
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| Comment | Ich glaube nicht, dass man hier von einem veralteten oder auch nur von einem formalen (gehobenen) Begriff reden sollte. Das Wort liegt so voll, so breit im Munde, dass es mir gegenueber "Spass", "Vergnuegen", "Gaudi" usw. durchaus bis heute seine ganz eigene, und eine durchaus lebendige semantische Kraft zu behaupten scheint.
Ich wuesste nicht, welchen anderen Begriff ich in meinem obigen Beispielsatz einsetzen sollte, um auch nur annaehernd den gleichen runden, vollmundigen, so recht eigentlich voll und ganz befriedigenden humoristischen Effekt zu erzielen. Ich meine deshalb, dass das Wort auch im heutigen Deutschen durchaus noch seine ganz eigenen Funktionen erfuelle.
Dass das Wort aus dem Lateinischen stammt, ist ja sowieso offensichtlich. Es wird sowieso niemand daran denken, etwa wieder ins Lateinische zurueckfallen zu muessen, wenn er einen solchen Begriff gebraucht. Ein Wort, das in einer solchen Weise, klar als ein Fremdkoerper zu erkennen, erst einmal in der Sprache, sagen wir, des zwanzigsten Jahrhunderst seinen Platz erobert hat, lebt eigentlich sowieso, von Anfang an, nur gerade daraus, in welcher Weise es das lebendige Idiom vom Alten - vom Eindeutig-Veralteten - her bereichert und besprenkelt.
Es handelt sich um einen recht saloppen Ausdruck und auch um einen Ausdruck, der ein Stueck weit in die eigene Sprache gewisser Literaten hineinfuehrt - so, vielleicht, in die Szene um Martin Walser oder um Reich-Ranicki.
Das Eindeutig-Veraltete bedingt hier, was weitgehend, von Anfang an, den Charakter dieses Ausdrucks und seines Gebrauches im heutigen Deutschen bestimmt haben muss: den saloppen Einschlag. Das Wort kann auf einer solchen Grundlage, auf der das Veraltete also bewusst, jedes Mal von Neuem, durch ein humoristisches Aufgreifen des Uralt-Lateinischen ueberwunden wird und dabei zu etwas ganz Nigel-Nagel-Neuem wird, doch immer wieder von Neuem ploetzlich ganz frisch im Raume stehen.
Dass den Begriff zur Zeit vielleicht nicht gar zu viele in lebendige Rede einzuflechten scheinen, sollte, wie mich deucht ('tschuldigung), wohl eher nur rechtfertigen, diesen Begriff als [auch] literarisch, humoristisch, salopp oder auch - hoechstens - als veraltend zu etikettieren. |
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