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Griechisch

14 Antworten   
Kommentar
Namensendung ...ou


Ich weiß, dass das hier ein Englischforum ist, ich weiß aber auch, dass hier viele kluge Köpfen mitlesen.

Weiß jemand ob die im Griechischen häufige Namensendung auf ....ou ein Genitiv ist und die Abstammung bezeichnet, ähnlich dem ....son in nordischen Namen?

Vielen Dank!
Verfasserjudex (239096) 15 Apr 11, 22:07
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Im Altgriechischen ist es ein Genetiv maennlicher Substantive; z.B. huios theou = Sohn Gottes.
#1VerfasserRalf-NZ (295035) 15 Apr 11, 22:25
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Ja, es ist ein Genitiv; er tritt häufig bei weiblichen Varianten der Familiennamen auf.

Beispiele:

Giorgios Papadopoulos - Maria Papadopoulou
Despina Panajou; Fotini Kolovou
#2VerfasserMiMo (236780) 15 Apr 11, 23:55
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Er scheint auch bei männlichen vorzukommen. Der Komponist Vangelis heißt mit Nachnamen Papathanassiou.

#3VerfasserRestitutus (765254) 16 Apr 11, 10:28
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Giorgos Andrea Papandreou (* 1952), griechischer Politiker, Ministerpräsident seit 2009
Vasso Papandreou (* 1944), griechische Politikerin (nicht mit den og. verwandt)
#4Verfassermanni3 (305129) 16 Apr 11, 10:37
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-ou ist tatsächlich die Genitivendung von Maskulina auf -os und -es (im Neugriechischen genauso wie im Altgriechischen).

Der Genitiv ist, wie MiMo geschrieben hat, die feminine Form eines maskulinen Nachnamens. Es gibt aber auch Nachnamen, die immer im Genitiv stehen, also auch bei einem männlichen Träger. Laut http://en.wikipedia.org/wiki/Greek_name#Greek... stammen solche Nachnamen vor allem aus Kreta.

Da die Beispiele, die dort genannt sind, alles Ableitungen von männlichen Vornamen sind, ist es wohl ursprünglich ein Patronym, das zum Nachnamen geworden ist (so wie Hansen, Petersen usw.).
#5VerfasserFrank FMH (236799) 17 Apr 11, 02:22
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Vielen Dank an alle!
#6Verfasserjudex (239096) 18 Apr 11, 20:23
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Faden exhumiert für folgende Frage:
Gibt es auch eine abweichende Endung für die weibliche Form des Nachnamens, wenn der männliche auf -as endet? Wie heißt die Frau oder die Tochter von Herrn Pappas? Pappa?
#7VerfasserIrene (236484) 12 Jun 18, 19:15
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Bei dieser Dame, bekannt z.B. aus "Captain Corelli’s Mandolin", ist das wohl der Fall (wohlgemerkt: im Griechischen!):

Irene Papas (griechisch Ειρήνη Παπά – Iríni Papá; * 3. September 1926 in Chiliomodi bei Korinth, Griechenland; geboren als Eiríni Lelékou) ist eine griechische Schauspielerin. [...] Von 1947 bis 1951 war sie mit dem Regisseur Alkis Papas verheiratet.
#8VerfasserNorbert Juffa (236158) 12 Jun 18, 20:13
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"Greek family names are most commonly patronymics but may also be based on occupation, personal characteristics or location. The feminine version is usually the genitive of the family name of the woman's father or husband; so, for example, Mr. Yannatos and Mrs. Yannatou.
(...)
In official documents, the father's name in the genitive will be inserted between a person's first and last names. For example, if John Papadopoulos has a daughter named Mary and a son named Andrew, they will be referred to as María Ioánnou Papadopoúlou and Andréas Ioánnou Papadópoulos. If Mary then marries George Demetriádes, she may retain her original name or choose to be called María Geōrgíou Demetriádou. If she is widowed, she will revert to her father's patronymic but retain her husband's surname to become María Ioánnou Demetriádou."
#9VerfasserMiMo (236780) 13 Jun 18, 06:57
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I note explicitly in passing what MiMo alludes to implicitly, namely that the alternation -os/-ou is often (always?) accompanied by a shift in stress.

I knew a girl once whose surname was Kaziki. Her father's name was Kazikis. Same thing, presumably.
#10Verfasserescoville (237761) 13 Jun 18, 09:15
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#7: Gibt es auch eine abweichende Endung für die weibliche Form des Nachnamens, wenn der männliche auf -as endet? Wie heißt die Frau oder die Tochter von Herrn Pappas? Pappa?

Streng genommen, d.h, rein grammatisch, würde das so sein: wenn man der regulären Genitivform folgt.
Nominativ --> Genitiv
-ος (-os) --> -ου (-ou)
-ης (-is) --> (-i) - vgl. #10
-ας (-as) -->  (-a)

Wenn Namensbeispiele genannt werden, sehe ich allerdings nur Namen auf -os und -is:
In Griechenland lautet die weibliche Form in der Regel anders: hier wird der Familienname einer verheirateten Frau als Genitivform des Familiennamens ihres Ehemannes gebildet, z. B. Kolidis (Nominativ/Ehemann)/Kolidi (Genitiv, Ehefrau) oder Tataros (Nominativ/Ehemann)/Tatarou (Genitiv, Ehefrau). Der Familienname der Ehefrau bedeutet daher sinngemäß „(Frau) des XY“.

Die Mutter des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras wird zwar in dt. Medien als Aristi Tsipras bezeichnet (Bild|FAZ|). In griechischen Publikationen folgt die Namensform dagegen der Standardgrammatik: Aristi Tsipra (Protothema|Parapolitika) Insofern würde die Frau oder die Tochter von Herrn Pappas tatsächlich Pappa heißen. Wieviel Zwangsläufigkeit bzw. individuellen Spielraum es in der Praxis bei der Namensgebung gibt, können vielleicht griechische Leoniden beurteilen.

Wikipedia merkt an: "Neuerdings wird (vor allem bei im Ausland lebenden Griechen) auch für Ehefrauen dieselbe Form wie beim Ehemann gewählt, so z. B. bei der {griech.-dt.] Schauspielerin Susan Sideropoulos. In der Genitivform lautet ihr Name Sideropoulou."

Edit: Hmmm..., In einem juristischen Aufsatz über griech. Ehe- und Namensrecht lese ich gerade Folgendes (meine Hervorh.).
Am 18.02.1983 trat das Gesetz Nr. 1329/1982 über die Gleichberechtigung von Mann und  Frau in Kraft, was zu deutlichen Reformen im griechischen Familienrecht geführt hat. So behält nach diesem Gesetz jeder Ehegatte den eigenen Familiennamen (Art. 1388 ZGB) darf allerdings mit Zustimmung des anderen Ehegatten dessen Familiennamen bei bestimmten Gelegenheiten auch benutzen. (...) Das  Gesetz sieht jedoch die Möglichkeit vor und erlaubt dies ausdrücklich, dass im  gesellschaftlichen Bereich jeder Ehegatte den Familiennamen des anderen führen oder  den Familiennamen des anderen seinem eigenen hinzufügen darf, natürlich nur unter der  Voraussetzung, dass der andere Ehegatte einverstanden ist.
Im Rahmen des bereits erwähnten Reformgesetzes vom November 2008 wurde die für die  Handhabung der Namensführung im gesellschaftlichen Bereich normierten Möglichkeiten  auch auf  die Namensführung in rechtlichen Angelegenheiten ausgeweitet. Voraussetzung  hierfür ist jedoch eine entsprechende Vereinbarung der Eheleute  und eine gemeinsame  Erklärung gegenüber dem Standesbeamten. Ein gemeinsamer oder einseitiger Widerruf  dieser Erklärung ist jederzeit möglich. Der Widerruf einer solchen Erklärung ist in der Praxis oft ein Vorzeichen bzw. Warnsignal, dass die Möglichkeit einer Trennung in Betracht gezogen wird. Im täglichen Leben trifft die Familie meist unter dem gleichen Familiennamen nach außen auf.
#11Verfasserlingua franca (48253) 13 Jun 18, 09:44
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Vielen Dank, liebe Leoniden!
Wie immer bin ich begeistert davon, was Ihr alles wisst.
#12VerfasserIrene (236484) 13 Jun 18, 10:32
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#11: Was heißt neuerdings? Die Opernsängerin Irene Papas nannte sich schon in den 1960ern nicht anders.

Jene griechische Familie, bei der alle vier Familienmitglieder unterschiedliche Schreibweisen in ihren Pässen stehen hatten (Doumbalis, Dumbali, Dumbalis, Dubali), hatte allerdings auf deutschen Ämtern arge Schwierigkeiten.
#13VerfasserCuauhtlehuanitzin (1009442) 13 Jun 18, 18:31
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#13: Die Opernsängerin Irene Papas nannte sich schon in den 1960ern nicht anders.

Cuau..., hier irrst Du, wie du bereits #8 entnehmen kannst. Abgesehen davon, dass die Gute keine "Opernsängerin" war, ist sie als Iríni Lelékou geboren und wurde 1947 durch ihre Heirat mit Alkis Pappas zu Iríni Pappá (Ειρήνη Παππά) - vgl. https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%95%CE%B9%CF... . Im Griechischen wird der Nachname zwar verschiedentlich mit nur einem Mittel-"π" geschrieben (Iríni Papá; Ειρήνη Παπά), aber stets mit traditioneller Genitivform, zB hier.oder hier. Es dürften Marketinggründe gewesen sein, die daraus den westlichen Bühnennamen "Irene Papas" machten. Vgl. beide Versionen auf diesem Plattencover.
#14Verfasserlingua franca (48253) 13 Jun 18, 22:36
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