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    Rechtschreibung: ...alles Mögliche, alles mögliche, usw..

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    Rechtschreibung: ...alles Mögliche, alles mögliche, usw..

    Kommentar
    Anderswo bei LEO habe ich eben gelesen:

    Sie hat ihm alles erdenkliche an den Kopf geworfen.

    (Dies, nebebei, stammte von einem Gespräch über diesen englischen Ausdrück, der auf Deutsch anscheinend leider nicht gelingt:

    She packed everything but the kitchen sink for a lousy three-day trip.

    Sollte nicht beim obigen Beispiel erdenkliche großgescrieben erscheinen?

    ...ihm alles Erdenkliche an den Kopf werfen.

    so wie auch hier: alles Mögliche ??

    und weiterhin, wenn z.B. Mögliche nicht anwesend wäre, sollte nicht Alles als Substantiv gelten und daher großgeschrieben stehen?

    Als Englischsprecher komme ich damit immer noch nicht klar, weil selber die Muttersprachler scheinen darüber entwider nicht einer Meinung zu sein, etwas nachlässig mit Groß- und Kleinschreibung geworden sind ...oder entsteht diese Diskrepanz aus irgendwelcher neuen Rechtsschreibungserlass?

    Steckt es vielleicht irgendwie einen Zwiespalt, einen Widerstand oder leichten Trotz unter euch zur Zeit dahinter, ob die Klein-und-Großschreibung geändert sein soll, sodass sie sich der Englischen bzw Französichen, usw annähert, angleicht?

    Danke im Voraus..
    VerfassermikeS (366927) 10 Nov. 12, 15:43
    Kommentar
    Ja, mei, mike, eigentlich sagt die Regel, daß 'alles/nichts/etwas' etc. schon allein anzeigen, daß das nachfolgende Adjektiv substantivisch ist und deshalb großgeschrieben werden muß. Aber nicht jeder Deutsche kennt die Regel, nicht jeder befolgt sie, sei es aus Unachtsamkeit, Schlampigkeit, Wurstigkeit oder Ignoranz. Man weiß es nicht.
    #1VerfasserSelima (107) 10 Nov. 12, 16:17
    Kommentar
    Bei 'alles Erdenkliche' ist es klar: großschreiben.

    Bei 'alles Mögliche/alles mögliche' habe ich mal einen Unterschied gehört/gelernt. Beispielsatz:

    Sie tat alles Mögliche, um das Problem zu beheben. (alles was ihr möglich war)
    versus
    Sie tat alles mögliche, um das Problem zu beheben. (viele verschiedene Dinge, nicht ganz so zielgerichtet vielleicht)

    #2VerfasserBraunbärin (757733) 11 Nov. 12, 00:06
    Kommentar
    Es heißt auf jeden Fall alles Mögliche.
    Es ist eine Substantivierung und nicht etwa ein nachgestelltes, alleinstehendes Adjektiv wie bei "Es gibt mehrere Lösungen. Alle möglichen (Lösungen) werden im Folgenden aufgeführt."



    Rat für deutsche Rechtschreibung § 57

    Wörter anderer Wortarten schreibt man groß, wenn sie als Substantive
    gebraucht werden (= Substantivierungen).
    Substantivierte Wörter nehmen die Eigenschaften von Substantiven an.
    Man erkennt sie im Text an zumindest einem der folgenden
    Merkmale:
    a) an einem vorausgehenden Artikel (der, die, das; ein, eine, ein),
      Pronomen (dieser, jener, welcher, mein, kein, etwas, nichts, a̲l̲l̲e̲, einige …)
      oder unbestimmten Zahlwort (ein paar, genug, viel, wenig …),
      die sich auf das substantivierte Wort beziehen;
    b) an einem vorangestellten adjektivischen Attribut oder einem nachgestellten
      Attribut, das sich auf das substantivierte Wort bezieht;
    c) an ihrer Funktion als kasusbestimmtes Satzglied oder kasusbestimmtes
      Attribut.

    #3Verfassermanni3 (305129) 11 Nov. 12, 07:29
    Kommentar
    Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen
    Bitte noch Eines (Groß?) wenn ich darf...

    @mann13, in Nummer 3 hast Du diesen Beispiel ausgeschrieben:

    "Es gibt mehrere Lösungen"

    Soll das Substantiv Lösungen ausfallen, verwandelt sich Mehrere in sein Ersatzsustantiv und wird nun großgeschrieben, nicht?

    "Es gibt Mehrere." Richtig??

    danke nochmals..
    #4VerfassermikeS (366927) 11 Nov. 12, 14:02
    Kommentar
    So mit dem Hintergrund wie Grammatik-Koryphäe manni3 kann ich es nicht erklären. Aber ich schriebe beides klein:

    "Bitte noch eines/was, wenn ich darf."

    und

    "Lösungen? Es gibt mehrere."

    Und ich würde immer noch sagen, dass man im Satz: "Er gab alles mögliche zu bedenken." nicht schreiben kann oder muss (siehe 1. Zeile #3) "Er gab alles Mögliche zu bedenken." Wie, bitte, regeln Deutschlehrer diese Dinge eindeutig? *Seufz*
    #5VerfasserBraunbärin (757733) 11 Nov. 12, 14:43
    Kommentar
    Nein, mike, wenn das Substantiv ausfällt, bleibt das Adjektiv ein Adjektiv.

    Adjektiv bleibt Adjektiv, auch bei der Auslassung des Bezugwortes:
    Ich habe viele Bücher. Die wertvollen (ergänze: Bücher) stehen in der Vitrine, die billigen (ergänze: Bücher) im Regal.
    Ich habe viele wertvolle Bücher. Das wertvollste (ergänze: Buch) ist eine Lutherbibel aus dem 16.Jh.

    Adjektive, die substantiviert wurden:
    Bücher sind für mich etwas Wichtiges. Das Wertvollste in meinem Besitz ist aber der Schmuck meiner Mutter.
    #6VerfasserSelima (107) 11 Nov. 12, 14:56
    Kommentar
    @ 5 - "Er gab alles Mögliche zu bedenken." (alles Mögliche - das Mögliche, s. 3 a)
    Aber
    "Er gab allen möglichen Unsinn zu bedenken."

    #7Verfassermanni3 (305129) 11 Nov. 12, 16:12
    Kommentar
    In alter Rechtschreibung hieß es alles mögliche (im Sinne von "everything but the kitchen sink"), aber alles Mögliche (im Sinne von "alle Möglichkeiten"). In neuer Rechtschreibung gilt in beiden Fällen nur die Schreibweise alles Mögliche.
    #8VerfasserStravinsky (637051) 11 Nov. 12, 19:30
    Kommentar
    An die alte Rechtschreibung kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich finde in der Duden-Grammatik 1984 das Beispiel eines substantivierten Adjektivs, das ganz analog zu alles Mögliche ist:

    (Vor einem substantivierten Adjektiv:) Urheber alles Schlechten.

    #9Verfassermanni3 (305129) 11 Nov. 12, 20:07
    Kommentar
    Stravinsky, das hatte ich auch erst gedacht, dann aber in meinem Wahrig von 1985 nachgesehen und feststellen müssen, daß auch nach den alten Regeln alles Mögliche schon so geschrieben wurde.
    #10VerfasserSelima (107) 11 Nov. 12, 20:53
    Kommentar
    Da kam die Frage her : Siehe auch: kitchen sink
    #11Verfasserno me bré (700807) 11 Nov. 12, 21:27
    Kommentar
    #1:

    "Aber nicht jeder Deutsche kennt die Regel, nicht jeder befolgt sie, sei es aus Unachtsamkeit, Schlampigkeit, Wurstigkeit oder Ignoranz."

    Es gibt noch ein weiteren Grund, Selima: Man hat noch die alte Rechtschreibung gelernt (wie ich, letzter Jahrgang) und kann sich ganz einfach nicht mit einigen der Änderungen anfreunden. Daher schreibt man nach der alten, um einen Mischmasch zu vermeiden und konsequent zu bleiben. Es ist ja nicht so, daß man dadurch falsches Deutsch schreibt -- man verwendet nur ein... nennen wir es einmal "klassisches" Regelwerk. (Ich hoffe, daß mir dieses Recht zugestanden wird, GERADE in einen Sprachforum, daß sich der Wahrung aller Facetten verpflichtet sieht.)
    #12VerfasserNismo (510034) 11 Nov. 12, 21:51
    Kommentar
    Auch in der alten Rechtschreibung galt, was Selima in #1 erklärt hat.
    #13VerfasserFunkturm (706177) 11 Nov. 12, 22:04
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    das hatte ich auch erst gedacht, dann aber in meinem Wahrig von 1985 nachgesehen und feststellen müssen, daß auch nach den alten Regeln alles Mögliche schon so geschrieben wurde. (#10)

    Es gab schon immer Unterschiede zwischen Duden und Wahrig ...
    #14VerfasserStravinsky (637051) 11 Nov. 12, 22:13
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    zu 12:

    Es gibt noch einen weiteren Grund:
    Jeder kann schreiben, wie er will. Nur wer in einem weisungsgebundenen Arbeitsverhältnis steht, hat sich an die Anweisungen seines Arbeitgebers zu halten. Das kann auch eine hauseigene Rechtschreibung sein, wie z. B. die Schreibung ohne Bindestrich von Substantiven zur Hervorhebung des Firmennamens wie Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft oder Auto Union.

    Natürlich streben wir hier in Leo die Schreibung nach den Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung an, um die Deutschschüler dabei zu unterstützen, ihre Tests an den Spracheninstituten erfolgreich zu bestehen.

    Ansonsten hat es im Alltag aber auch viel mit dem unhinterfragten Bestreben zu tun, einerseits alles "richtig" zu machen und andererseits jemandem einen "Fehler" unter die Nase reiben zu können.

    Oft wird ja Rechtschreibschwäche mit Dummheit gleichgesetzt, ohne in Betracht zu ziehen, dass sich im Gegensatz zu vorwiegend visuell lernenden Menschen, die sich Wortbilder schnell und leicht einprägen können, die vorwiegend auditiv oder haptisch Lernenden in einer äußerst benachteiligten Situation befinden. Dabei sind sie mit dieser Disposition geboren wie Rothaarige, Blonde oder Brünette.

    Kein Grund zur Überheblichkeit bei den 'Visuellen'!



    #15Verfassermanni3 (305129) 11 Nov. 12, 22:19
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    Ein Beleg für Stravinskys Aussage in #8:

    "Man schreibt möglich klein, wenn ein Artikel vorangeht, beide Wörter aber für ein Pronomen u. ä. stehen: Sie wird das mögliche (= alles) tun. Er hat alles mögliche (= allerlei) getan. Ich habe mein möglichstes getan. Groß schreibt man das substantivierte Adjektiv: Er muß alles Mögliche (= alle Möglichkeiten) bedenken."

    (Duden Bd. 9, 3. Aufl. 1985 [!], s. v. möglich)

    Wohlgemerkt, das ist die alte Rechtschreibnorm!
    #16VerfasserCro-Mignon (751134) 11 Nov. 12, 22:28
    Kommentar
    [alt]  alles mögliche (= alles) getan - alles Mögliche (= alle Möglichkeiten) bedenken.  [/alt]

    Solche Spitzfindigkeiten!! Da lob ich mir doch die Reform mit ihren klaren Regeln :-))
    #17Verfassermanni3 (305129) 11 Nov. 12, 22:40
    Kommentar
    Meine Rede! :-)
    #18VerfasserCro-Mignon (751134) 11 Nov. 12, 22:47
     
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