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    Konnte Caesar Fremdsprachen?

    Kommentar
    Dass Caius Iulius Caesar wie alle gebildeten Römer seiner Zeit Griechisch verstand, ist klar. Aber weiß jemand, ob er weitere Fremdsprachen beherrschte?

    Ich habe nichts dazu gefunden, außer dieser "Fanfiction", in der von einer arvernischen Sklavin die Rede ist, von der Caesar Arvernisch gelernt hat. http://www.pagan-forum.de/Thema-Cathbad-kelti...

    Sooo unwahrscheinlich dürfte das nicht sein, dass Sklavinnen bei der Kinderbetreuung ihre Muttersprache gesprochen haben und dass die kleinen Römer da etwas aufgeschnappt haben.

    Jaja, ist ein Englischforum, aber hier tummeln sich doch auch viele Altphilologen ...
    Verfasser Raudona (255425) 11 Apr. 13, 23:35
    Kommentar
    Caesar "reiste" bekanntlich sehr viel (Gallia, Britannia, etc.), da wird er sicher den einen oder anderen Brocken aufgeschnappt haben, denke ich. Ob er jedoch irgendeine andere Sprache fliessend sprach oder verstand, wage ich zu bezweifeln. Dazu war er mMn. zu viel von Lateinsprechern umgeben.
    #1Verfasser dude (253248) 11 Apr. 13, 23:46
    Kommentar
    Was mich stutzig gemacht hat, ist folgender Satz aus "De Bello Gallico":

    Celtae, quos Romani appellabant Gallos ...

    Wenn er also betont, dass die Leutchen sich selbst "Kelten" nennen, von den Römern aber "Gallier" genannt werden, ist immerhin ein gewisses Interesse an der Sprache der Feinde zu erkennen.
    #2Verfasser Raudona (255425) 11 Apr. 13, 23:50
    Kommentar
    Einer seiner Lehrer war Molon von Rhodos, der selbst kein Latein sprach, so daß Cäsar mindestens griechisch gesprochen haben muß.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Apollonius_Molon

    Da der gallische Krieg sieben Jahre dauerte und er auch mehrere Jahre in Spanien war, denke ich, daß er auch von diesen Sprachen etwas mitgenommen hat. Aber das ist nur eine Vermutung.
    #3Verfasser Advohannes (785343) 11 Apr. 13, 23:53
    Kommentar
    Als General kennt man sich sicher in fremden Gebieten aus. Ich nehme an, dass beispielsweise amerikanische Offiziere, die beispielsweise schon seit einigen Jahren in Afghanistan sind, auch ein paar Brocken der örtlichen Sprache verstehen und wissen, wie gewisse Menschengruppen sich dort selbst nennen, aber das wird sie sicher nicht zu Dari- oder Paschtu-Experten machen.
    #4Verfasser dude (253248) 12 Apr. 13, 01:34
    Kommentar
    Plutarch schreibt in seiner Biografie des Cäsar-Widersachers Gnaeus Pompeius Magnus, Cäsar habe sein berühmtes "Iacta est alea" in griechischer Sprache zum Besten gegeben: "... καὶ τοσοῦτον μόνον Ἑλληνιστὶ πρὸς τοὺς παρόντας ἐκβοήσας, "Ἀνερρίφθω κύβος," διεβίβαζε τὸν στρατόν"; in Latein: "...idque tantum Graece ad praesentes vociferatus: Iacta est alea, exercitum traduxit". Andere Autoren (Cassius Dio, Sueton – aus Faulheit gebe ich dazu keine Quellen an) erwähnen, Cäsar habe wohl auch seine allerletzten Worte in griechischer Sprache an Brutus gerichtet: "καὶ σὺ τέκνον" (Auch du, mein Kind). Man kann also herrlich spekulieren, ob das Griechische für Cäsar Fremd- oder vielleicht sogar sehr geläufige Alltagssprache war.
    #5VerfasserErste_Schicht (915436) 12 Apr. 13, 01:34
    Kommentar
    Laut Plutarch hat Cäsar auch seine berühmte Äußerung "Veni, vidi, vici" (Ich kam, sah und siegte) auf Griechisch getan:
    "Ἦλθον, εἶδον, ἐνίκησα."
    #6Verfasser MiMo (236780) 12 Apr. 13, 07:07
    Kommentar
    Perhaps Caesar wanted to, ahem, show off.

    And now another question: what language did Peter the Apostle speak when he arrived in Rome? Presumably he wouldn't have got far with Aramaic, and I doubt if he learnt Latin. So that too would have meant speaking Greek, which he would have picked up in Palestine anyway.
    #7Verfasser escoville (237761) 12 Apr. 13, 08:55
    Kommentar
    Vermutlich. Aber ich bin überzeugt, daß man die Altvorderen nicht unterschätzen sollte. Früher war es, und in sog. primitiven Gesellschaften ist es noch heute so, viel normaler, mehrere Sprachen zu können, zumindest ansatzweise*. Latein war zu Petrus Zeiten vermutlich auch im Orient schon als zweite Lingua franca so weit verbreitet, daß Petrus wohl mit einem Mischmasch aus Griechisch und Latein in Rom ganz gut durchkam.
    Ich kann mir gut vorstellen, daß Caesar die eine oder andere kelt. Sprache einigermaßen beherrschte. Wie gesagt, das war mal ganz normal.

    *vgl. Jared Diamond, The world until yesterday, Kap. 10
    #8Verfasser Selima (107) 12 Apr. 13, 09:12
    Kommentar
    Mehrsprachigkeit war möglicherweise auch nicht so sehr bei den Gelehrten vorzufinden (abgesehen von der Kombination Latein/Griechisch), denn diese Herrschaften fanden andere Sprachen nicht wohlklingend genug für ihre hehre Wissenschaft, sondern als Sprachen mit Lauten von Schweinen, Hunden, Raben etc. (vgl. Galen; zitiert bei Eckhard, Urchristliche Mission ... ist als google.book vh, nur leider kann ich irgendwie diesen Link nicht kopieren ... die weiter unten gingen, weiß der Geier, warum das jetzt nicht geht). Militärs, Diplomaten und Händler hingegen konnten sich so einen Hochmut nicht leisten. Und möglicherweise auch nicht Leute, die andere von einer neuen Lehre überzeugen wollten.

    Weitere Literatur
    http://books.google.de/books?id=gQM3yEo5ZesC...

    http://www.hethport.uni-wuerzburg.de/hetbib/t...

    http://www.uni-muenchen.de/aktuelles/publikat...

    Bitte auch selber googeln: W. Eck, Mehrsprachigkeit in der Reichsaristokratie Roms
    #9Verfasser Selima (107) 12 Apr. 13, 09:28
    Kommentar
    In einer Fernsehdokumentation habe ich einmal die Aussage gehört, dass im antiken Alexandria jeder Schuhflicker imstande gewesen sei, sich in sechs Sprachen zu verständigen: Lateinisch, Griechisch, Koptisch, Aramäisch, Syrisch und Äthiopisch. Plutarch schreibt über Kleopatra, sie habe sich ohne Dolmetscher mit verschiedensten Leuten wie Juden, Äthiopiern, Arabern usw. unterhalten können, auf Latein aber wohl nicht. In der römischen Oberschicht wurde zur Zeit Caesars vielfach auch Etruskisch gesprochen. Noch Kaiser Claudius soll diese Sprache beherrscht haben. Bei Unterredungen Caesars mit Gallierfürsten wie Ambiorix oder Divitiacus kamen dagegen ausdrücklich Dolmetscher zum Zug. Ein Gnaeus Pompeius und ein Valerius Procilius werden im "Gallischen Krieg" namentlich genannt.
    #10VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 12 Apr. 13, 09:57
    Kommentar
    Valeriana*, an der Stelle war meine Tochter gerade im Lateinunterricht - daher auch meine Frage. Der Einsatz von Dolmetschern kann, muss aber nicht auf fehlende Sprachkenntnisse hinweisen, sondern kann politisch-psychologisch motiviert sein. So werden auch heutzutage Dokumente der Vereinten Nationen in Nigerian Pidgin übersetzt, m.W. wird auch in Nigerian Pidgin gedolmetscht, obgleich die Adressaten durchaus Standard English** beherrschen (und umgekehrt Texte in Nigerian Pidgin zu 99% verständlich sind, wenn man Standard English versteht).

    Es ist in gewissen Situationen nicht opportun, die Sprache des "Feindes" zu benutzen; außerdem möchte der jeweilige Anführer auch von den eigenen Leuten verstanden werden. Aktuelles Beispiel: Putin spricht ausgezeichnet Deutsch, Merkel ebenso Russisch. Dennoch kommen Dolmetscher zum Einsatz.

    *Orientiert sich dein Nick an jenem Valerius Procilius?
    ** Ich verwende "Standard English" so wie hier definiert: http://en.wikipedia.org/wiki/Standard_english
    #11Verfasser Raudona (255425) 12 Apr. 13, 10:49
    Kommentar
    Putin spricht ausgezeichnet Deutsch, Merkel ebenso Russisch.

    True, and the reasons for both constitute an interesting slice of contemporary history...
    #12Verfasser escoville (237761) 12 Apr. 13, 12:20
    Kommentar
    @10 In vielen Touristenländern schaffen es Strassenhändler mit Touristen aus ettlichen Ländern in (annähernd) deren Sprache zu handeln.
    Damals (spekuliere ich) wie heute sind Wortschatz und Grammatik endlich in Umfang wie Ausführung.
    #13Verfasser wor (335727) 12 Apr. 13, 12:34
    Kommentar
    #12: Stimmt. Als "Westkind" muss ich mal fragen: War es eigentlich üblich, dass sowjetische Soldaten oder, wie in Putins Fall, KGB-Offiziere, die in der DDR stationiert waren, Deutsch sprachen?
    #14Verfasser Raudona (255425) 12 Apr. 13, 13:11
    Kommentar
    Russische Soldaten waren angehalten, sich von der örtlichen Bevökerung fernzuhalten. Ihr Sold war auch so gestaltet, dass ein Kneipenabend (in einer Zivilkneipe) nicht unbedingt angesagt war.
    Für einen hohen KGB-Mann war es schon eher angesagt, aber Putin war wohl schon ein Käpsele und sicher nicht typisch.
    #15Verfasser wor (335727) 12 Apr. 13, 13:32
    Kommentar
    Putin war ein was?
    #16Verfasser Dragon (238202) 12 Apr. 13, 13:33
    Kommentar
    Die Soldaten der britischen Rheinarmee in NRW sprachen normalerweise kein Wort Deutsch. Wozu auch, sie waren ja komplett unter sich. Eingekauft haben sie im NAAFI-Shop, die Kinder gingen in eigene Schulen.
    #17Verfasser Harri Beau (812872) 12 Apr. 13, 13:44
    Kommentar
    Dragon (#16)

    Käpsele = fähiger/talentierter Mensch

    (vermutlich abgeleitet von frz. capable)
    #18Verfasser Möwe [de] (534573) 12 Apr. 13, 13:55
    Kommentar
    Mei, Dragon, woisch, a Käpsale isch a Scharnierle :-)

    [ansonsten siehe #18, wobei fähiger Mensch lang nicht den bewundernden Beiklang hat wie Käpsale]
    #19Verfasser Selima (107) 12 Apr. 13, 14:32
    Kommentar
    Es wäre ja wohl auch ein Witz, einen Geheimdienstagenten in ein fremdes Land zu schicken, dessen Sprache er nicht versteht.
    #20Verfasser Harri Beau (812872) 12 Apr. 13, 14:35
    Kommentar
    Auf jeden Fall bei einem, der Agenten führt.
    #21Verfasser wor (335727) 12 Apr. 13, 15:09
    Kommentar
    Valeriana*, an der Stelle war meine Tochter gerade im Lateinunterricht - daher auch meine Frage. Der Einsatz von Dolmetschern kann, muss aber nicht auf fehlende Sprachkenntnisse hinweisen, sondern kann politisch-psychologisch motiviert sein.

    Da gibt es aber eine Stelle im "Gallischen Krieg", in der Caesar alle Gallischdolmetscher hinausschickt, weil er Divitiacus etwas sehr Persönliches über dessen Bruder zu sagen hat. Nur Valerius Procilius darf bleiben, weil er auch Lateinisch-Gallisch dolmetschen kann. Vermutlich hätte Caesar den auch rausgeschickt, wenn er mit Divitiacus selbst hätte reden können?

    *Orientiert sich dein Nick an jenem Valerius Procilius?
    Nein, gar nicht. Er stammt von einer viel moderneren Romanfigur.
    #22VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 12 Apr. 13, 21:55
    Kommentar
    Das klingt einleuchtend, Valeriana - danke!
    #23Verfasser Raudona (255425) 12 Apr. 13, 21:59
    Kommentar
    Folgende Überlegung:
    1. Die Leute waren damals nicht dümmer als wir.
    2. Sie haben ungefähr die gleiche Zeit zum Lernen aufgewendet wie wir.
    3. Unser Wissenstoff (bei Cäsar Abitur und Studium) ist vielleicht das 100.000-fache der Zeitenwende.
    4. Folglich haben sie andere Dinge gelernt.
    5. Religion? Recht? Sprachen!

    Bleibt also zu vermuten, dass sie viel mehr in Sprachbildung investiert haben (abgesehen von den alltäglichen Effekten (Amme, Sklaven, Lehrern).
    #24Verfasser judex (239096) 12 Apr. 13, 22:47
    Kommentar
    Na ja, so sehe ich die Sache auch nun wieder nicht. Ein Großteil der Bevölkerung waren Analphabeten, die gar nicht oder nur sehr kurz in die Schule besuchten, vor allem in ländlicheren Regionen - von denen es damals, prozentuell gesehen, wesentlich mehr gab als heutzutage. Nur die wenigsten Jungen (Mädchen erhielten meistens gar keine Bildung) waren so privilegiert wie Julius, selbst in Rom. Immerhin entstammte Julius dem angesehenen altrömischen Patriziergeschlecht der Julier, das seine Wurzeln auf Iulus, den Sohn des trojanischen Adligen Aeneas, zurückführte, der Sage nach Sohn der Göttin Venus.
    #25Verfasser dude (253248) 12 Apr. 13, 22:55
    Kommentar
    Na ja, ich redete von Julius und seinem Stande.

    (Konnte Caesar Fremdsprachen?)
    #26Verfasser judex (239096) 12 Apr. 13, 23:01
    Kommentar
    Auch hier denke ich, dass die "Hauptfächer" wohl wissenschaftlicher Natur waren, sowie das Recht, die Redekunst und Griechisch. Ich bezweifle, dass man Sprachen wie die keltischen oder germanischen als Schulfächer anbot. An die musste man sich sicher eher auf eigene Faust heranmachen, wie beispielsweise, indem man gewisse Gebiete eroberte - oder vielleicht, indem man Keltinnen oder Germaninnen datete. Wobei letzteres sicher billiger und eventuell auch praktischer war:-)
    #27Verfasser dude (253248) 12 Apr. 13, 23:03
    Kommentar
    Dies ist ein weites Feld ;-)

    Over and out.
    #28Verfasser judex (239096) 12 Apr. 13, 23:06
    Kommentar
    Zu #25:
    "Mädchen erhielten meistens gar keine Bildung."

    Hm, das ist doch eine etwas enge Sicht.
     
    >Doch seit der Zeit der späten Republik ist in Quellen auch davon die Rede, dass Mädchen öffentliche Grundschulen besuchten, in denen Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wurde. (...) Immerhin konnten recht viele Frauen, auch aus den niedrigeren Rängen, lesen und schreiben, wie die Frau des Fleischers auf einem Relief, die die Abrechnung für das Geschäft macht, oder die kleine Magnilla, deren Grabstein sie als super annos docta – über ihr zartes Alter von sieben Jahren hinaus im Unterricht fortgeschritten – beschreibt.<<br/>
    http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Frauen
    #29Verfasser MiMo (236780) 12 Apr. 13, 23:58
    Kommentar
    Was du allerdings mit deinen umklammerten Pünktchen uns vorenthalten hast: "Ob Mädchen auch höhere Schulen besuchen konnten, in denen ein grammaticus die Schüler in die römische und griechische Grammatik und Literatur, Geschichte, Philosophie, Geographie, Arithmetik und Geometrie einführte, ist unbekannt, ebenfalls, wie viele Mädchen zur Schule gingen."

    Ich nehme an, dass in der Stadt Rom selbst andere Zustände herrschten als außerhalb. Dennoch glaube ich, dass Mädchen nicht allzuviel lernten, war doch ihre Hauptaufgabe im Leben, Kinder zu gebären und einen Haushalt zu führen. Das Sagen hatte fast immer der Mann.
    #30Verfasser dude (253248) 13 Apr. 13, 00:07
    Kommentar
    Re literacy of Roman women: the Vindolanda tablets (ca 100AD in northern England) include the oldest known writing by a Roman woman, Claudia Severa the wife of the commander of a nearby fort, to Sulpicia Lepidina, inviting her to a birthday party. See Wikipedia for more details on these fascinating discoveries.
    Sadly the Celts seemed to abhor the written word.
    #31Verfasser Ecgberht (469528) 13 Apr. 13, 00:22
    Kommentar
    Zu #30

    @dude

    Es ging mir nicht um höhere Schulen, sondern um Deine apodiktische Aussage "Mädchen erhielten meistens gar keine Bildung."

    Im übrigen, wenn man nicht weiß, ob Mädchen höhere Schulen besuchen konnten, dann weiß man logischerweise auch nicht, dass sie sie nicht besuchen konnten ...

    Ceterum, das junge Mädchen mit Schreibstift und Notizbuch, das auf dem von mir angeführten Link abgebildet ist, stammt von "außerhalb", nämlich aus Pompeii.

    Und es gab sogar Dichterinnen, wie z.B.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sulpicia_die_%C3...
    #32Verfasser MiMo (236780) 13 Apr. 13, 08:01
    Kommentar
    Na ja, so sehe ich die Sache auch nun wieder nicht. Ein Großteil der Bevölkerung waren Analphabeten, die gar nicht oder nur sehr kurz in die Schule besuchten, vor allem in ländlicheren Regionen

    Da überträgst du zu Unrecht mittelalterliche Verhältnisse auf die Antike, dude. Niemand hätte sich die Mühe gemacht, ganz Pompeii mit Graffiti zu überziehen, wenn sie kaum jemand verstanden hätte! Und was da vielfach zum Besten gegeben wurde - und wo es geschah -, zeugt nicht gerade von höherer sozialer Bildungsschicht. Das Beispiel Pompeii war aber sicher typisch für römische Ortschaften. Auch aus Ägypten ist eine beträchtliche Menge Korrespondenz erhalten, die eher einfache Leute schrieben: Legionäre an ihre Eltern daheim, Nachbarn untereinander, Eingaben an die Behörden usw.

    Zur Schulbildung: Es ist gut belegt, dass höhere Schulbildung den Mädchen zugänglich war. Juvenal äußerst sich gehässig über Frauen, die vor den Freunden ihres Mannes zur Schau stellen, dass sie gebildeter sind als er. In einem hübschen kleinen Text, der Conjugalia Praecepta, empfahl Plutarch weibliche Schulbildung als Grundlage für eine glückliche Ehe. Und Musonius Rufus, ein Stoiker, riet ausdrücklich zu gleichrangiger Ausbildung von Jungen und Mädchen, unter anderem mit dem Argument, Rüden und Hündinnen würden ja schließlich auch nicht unterschiedlich dressiert.
    #33VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 13 Apr. 13, 09:53
    Kommentar
    @33 Bis Anfangbdes 20. Jahrhunderts waren 95% der Bevölkerung (weltweit) auch von Industriestaaten in der Landwirtschaft tätig. Erst die Stickstoffdüngung (Haber Bosch) hat das substantiell verändert.

    Wenn in der gesamten Antike 10% (der Männer) lesen konnten, war das viel.

    Zu der Frauenbildung: im Rahmen von Privatschulen mag das durchaus stimmen.
    #34Verfasser wor (335727) 15 Apr. 13, 10:02
    Kommentar
    Nicht lesen zu können, hindert einen ja nicht daran, andere Sprache zu sprechen (s. Jared Diamonds Bericht zur Mehrsprachigkeit in Papua)
    #35Verfasser Selima (107) 15 Apr. 13, 11:02
    Kommentar
    Zu #34:

    Gibt es für diese 10% einen Beleg?
    #36Verfasser MiMo (236780) 15 Apr. 13, 11:19
    Kommentar
    I don't know about 10 percent, but I suppose it could depend on the rich vs. poor ratio in Ancient Rome. Anyway, here's a bit of insight into the Roman school system:

    http://www.historylearningsite.co.uk/roman_ed...
    ... While the poor in Ancient Rome did not receive a formal education, many still learned to read and write. Children from rich families, however, were well schooled and were taught by a private tutor at home or went to what we would recognise as schools. In general, schools as we would recognise them, were for boys only.
    ...

    In general, girls did go to school. Girls from rich families did receive an education, but this was done at home. Here they were taught how to run a good household and how to be a good wife in general - in preparation for the time they got married. Part of their education would have been music, sewing and the competent running of a kitchen.
    #37Verfasser dude (253248) 15 Apr. 13, 14:44
    Kommentar
    Beleg 10%. Nein, ich hab' das von einem Vortrag zitiert.
    Das Gleiche gilt für die 95% der Bevölkerung in der Landwirtschaft 1900 (hier - soviel weiß ich noch - war's eine iTunesU Geschichts-Vorlesung (der Uni-Standford?) )
    #38Verfasser wor (335727) 15 Apr. 13, 14:50
    Kommentar
    @#33 - Valeriana: Like Rome, Pompeii was an urban center, but I think you'd agree that the Roman Empire didn't have too many urban centers; most of the empire was rural, and I would assume (granted, an assumption isn't always a good thing) that most children had to help out on the fields or in the barns and stables at an early age, much like they had to do throughout history in the rest of the world, too (and in some areas still have to today) so that school was a luxury that many rural Romans simply couldn't afford - financially as well as in term of time.

    As far as Pompeii's "graffiti" is concerned: from what I've seen and read, most of it was in pictures, not in writing. It even went so far as to depict sexual practices like cunnilingus being performed in some instances; you don't have to know how to read to be able to "read" that.
    #39Verfasser dude (253248) 15 Apr. 13, 15:02
    Kommentar
    Genau da stimme ich nicht mit dir überein, dude. Das Imperium war zu weiten Teilen eine städtische Kultur, Dörfer gab es nur wenige. Das Land war unter Großgrundbesitzern (und ihren Sklaven) und Veteranen aufgeteilt, wobei Letztere natürlich das Schreiben in der Armee lernten. Wie gesagt, die ägyptischen Papyri geben ein lebhaftes Bild vom Alltag der griechisch-römischen Zeit, und es sind viele einfache Leute, die sich da zu Wort melden - auch wenn manchmal der Onkel oder Nachbar mitgenommen wird, der besser lesen kann.

    Die Graffiti in Pompeii bestehen immerhin aus etlichen hundert Inschriften, und das dürfte ziemlich typisch für römische Städte sein. Von "wählt den und den zum Ädilen" bis zu "hier hab ich gevögelt" ist da wirklich alles, was nach Publikum verlangt.

    Auch die Zigtausende von Grabinschriften richten sich ja nicht an die wenigen Honoratioren, sondern an das Laufpublikum - oder glaubst du, die vielfach belegten Warnungen, nicht an den Grabstein zu pinkeln, seien explizit auf die gelegentlich vorbeiziehenden Senatoren gemünzt? Warum waren Amphoren mit Inhalt, Hersteller und Abfertigungsort beschriftet, wenn es so wenige gegeben haben soll, die lesen konnten? Warum legte jeder Töpfer, jede Legionsziegelei, jeder Salbenmixer oder Silberschmied Wert auf seinen Urheberstempel mit Namensangabe? Warum hatten schon die römischen Soldaten das, was die US-Armie "dog tags" nennt? Wozu hing an jedem Grenzübergang eine Zollpreisliste aus? Warum wurde jede Münzprägung aufwändig beschriftet? Wer schrieb die Fluchtäfelchen, wer die Votivinschriften? Wieso fanden die astrologischen Almanache und Wahrsagetabellen so immens weite Verbreitung unter den einfachen Leuten?

    Selbst draußen auf dem flachen Land gab es schriftliche Buchführung, wie uns u.a. Varro und die Trimalchio-Satire belegen, denn der Herr ging nicht selbst seine Rinder zählen, er ließ sich die Zahlen vorlegen.

    “For what is more ordinary than the learning of letters?”
    (John Chrysostom, Homilies on the Gospel according to Matthew, Homily 49, 8).
    #40VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 15 Apr. 13, 16:58
    Kommentar
    http://en.wikipedia.org/wiki/Culture_of_ancie...
    Eighty percent of the population under the jurisdiction of ancient Rome lived in the countryside in settlements with less than 10 thousand inhabitants.

    http://literatureandculture.wordpress.com/201...
    At the height of the empire, rudimentary literacy was common even among the plebeian class. The graffiti that survive at Ostia, Pompeii and Herculaneum suggest the presence of a large class of soldiers and artisans who had elementary but imperfect writing skills as well as taste for obscenity, judging by the lewd references to sexual acts in the Ostia examples.


    I took the liberty of highlighting certain parts here. I also don't think that "rudimentary literacy" is the same as being literate the way Caesar most likely was.
    #41Verfasser dude (253248) 15 Apr. 13, 17:10
    Kommentar
    "In the countryside" ist gut gesagt, denn "less than 10 thousand inhabitants" sind immer noch vorwiegend urbane Städtchen komplett mit Forum, Therme und Amphitheater - ab dem 3. Jh. obendrein die meisten mit Stadtmauer! Sieh dich doch mal links und rechts des Rheins um, wie da so römerzeitliche Ortschaften aussahen. Richtige Bauerndörfer gab es so gut wie gar nicht, die sind eine Folge der germanischen Landnahme im Frühmittelalter.

    suggest the presence of a large class of soldiers and artisans

    Dem entgegen steht allerdings, dass eine beträchtliche Anzahl der Graffiti in Pompeii von Kinderhand stammt.
    #42VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 16 Apr. 13, 14:58
    Kommentar
    Rudimentary literacy heisst aber, dass man es zumindest konnte.

    Unsere RTL2 Generation liest auch nur, wenn sie es müssen, und viele haben kein einziges Buch zuhause, aber sie können zumindest Schilder lesen.

    (Warnung, grobe Übertreibung und Verallgemeinerung)
    #43Verfasser BryceS (858421) 16 Apr. 13, 15:12
    Kommentar
    Lassen wir doch mal die Zeitgenossen zu Wort kommen. Zunächst auf dem Lande:

    "'As to what pertains to the health of man and beast," resumed Cossinius, 'and the leech craft which may be practiced without the aid of a physician, the flock master should have the rules written down: indeed, the flock master must have some education, otherwise he can never keep his flock accounts property.'" (Varro, Of Country Life, 'Of Shepherds').

    "All these rules should be written out and posted in the farmstead and the overseer especially should have them at the tip of his tongue." (Varro, Of Country Life, 'A Calendar of Agricultural Operations').

    Unter den Sklaven:

    "'Slave, skillful minister of swift notes, come hither." (Ausonius, Epigram CXLVI)

    Die Bestsellerautoren:

    “All Rome is mad about my book:
    It's praised, they hum the lines, shops stock it,
    It peeps from every hand and pocket.
    There's a man reading it! Just look -
    He blushes, turn pale, reels, yawns, curses.
    That's what I'm after. Bravo, verses!”
    (Martial, Epigrams, Book VI, 60).

    "As I did not imagine there were any booksellers at Lugdunum, I am so much the more pleased to learn that my works are sold there." (Pliny the Younger, Letter XCIX, to Geminus, Part XI, Letters).

    Die einfachen Leute:

    "Throughout the camp all the men were signing and sealing their wills." (Caesar, The Gallic War, 1.39)

    "On his arrival at Rome he chanced upon an innkeeper who was reading the Life of the emperor Hadrian at that very time. This he seized upon as an omen of future good fortune." (Lives of the Later Caesars, Severus, p. 202 Penguin edition).

    Ich würde sagen, ein Gastwirt, der Hadrianbiographien liest, hat mehr als "rudimentary literacy".
    #44VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 16 Apr. 13, 16:34
    Kommentar
    I'm not sure if you're talking about the city of Rome here or the Roman Empire in general, Valeriana. Are you talking about Roman citizens or all subjects of the empire?

    At any given time during the height of the Roman empire, it had an estimated population of about 50 million people. These would not only include Roman citizens but anyone within the realm of the empire, from Hadrian's Wall to the Arabian peninsula. The city of Rome itself had an estimated population of 1 million, of which as many as 500,000 were said to be slaves, most of them owned by the 600 or so Roman senators. During the reign of Augustus, who ruled from 27 BC until 14 AD, and based on his own census, there were somewhere between 4 and 5 million Roman citizens (both men and women) within his empire, which was roughly about 10 percent of the entire population of the Roman Empire.

    So when you're talking about this high literacy rate that supposedly existed, you're obviously not talking about the non-citizens, are you?

    When you're talking about books, you're obviously not talking about books in the modern sense: printed words bound into an easily kept compilation of pages. Back then, "books" were papyrus scrolls that were often "bound" (or collected) in a bucket for easier carrying and storage. Papyrus, depending on its quality, was very expensive, so right there access to "books" was limited as not everyone could afford one.

    As far as signing one's name goes: that doesn't support any kind of literacy because, as is even the case still today, oftentimes a simple "X" was sufficient.And for the innkeeper who was reading the Life of the emperor Hadrian ..., that's one innkeeper about whose history or pedigree we know nothing about.

    Lugdunum (modern-day Lyon) was, as the capital of the Roman province Gallia Lugdunensis, the second most important city of the Roman empire for almost 300 years after its founding in 43 BC. Little surprise then that it would have "book sellers" and feature many other "modern" amenities.


    Here's a population breakdown (based on a 65-million population):

    http://www.unrv.com/empire/roman-population.php
    Breaking down the 65 million population estimate, some additional assumptions can be made:
    * 500,000 soldiers (legionaries totalling 150,000 and auxilia making up the rest)
    * Approximately 600 Senators made up the elite of the elite.
    * Perhaps up to 30,000 men filled the roles of Equestrians (knights), or the second tier of the aristocracy.
    * 10 to 30% or 6 million to 19 million people lived in the cities, leaving the vast majority of some 46 to 59 million people to live in the country as independent and mostly tenant farmers.
    * Rome itself was made up of over 1 million people and, though it would shrink remarkably after the fall of the west, no city would surpass that number until the great urban population booms of the industrial age, 1,500 years or more later.
    * The slave population of Rome approached 500,000 on its own, probably half of which were owned by the 600 men of the Senate. Additional estimates have suggested that of the total 65 million people, 2 to 10 million may have been slaves.
    #45Verfasser dude (253248) 16 Apr. 13, 17:15
    Kommentar
    Ich kenne diese Schätzungen, und ich weiß auch, was die Antike unter einem Buch verstand und dass Papyrus teuer war. Ich weiß aber auch von den billigeren Wachstafeln und dass die Vindolanda Tablets schlicht auf Holz geschrieben waren wie wohl viele römische Alltagskorrespondenz. Schreibmaterial war also stets genug verfügbar für Erzeugnisse wie diese:

    "What notes, what love letters, though,
    There'd be to read if you opened the desk of your jealous whore!"
    (Juvenal, Satires, VI, 276-277)

    "By letters, not by words, thy love begin;
    And ford the dangerous passage with thy pen;
    If to her heart thou aim'st to find the way,
    Extremely flatter and extremely pray."
    (Ovid, The Art of Love, Book I).

    Weiterhin bleibe ich dabei, dass die Kaiser wenig Sinn darin gesehen hätten, 90 % der Bevölkerung mit Münzinschriften zu versorgen, die sie nicht hätten lesen können, und dass Preislisten, Wahlkampfaufrufe und Warenlieferungen auch nicht nur zum Protzen mit der eigenen Lesekundigkeit beschriftet wurden. Bezeichnend ist übrigens auch, dass es unter den Graffiti von Pompeii etliche wörtliche oder bewusst verunstaltete Zitate aus Vergil und Lukrez gibt, die offenkundig von Schülern angebracht wurden. Offenbar gehörte das zur Grundausbildung.

    So when you're talking about this high literacy rate that supposedly existed, you're obviously not talking about the non-citizens, are you?

    Die non-citizens schließen allerdings all die mit latinischer Bürgerschaft ein, die zumindest bis zur Constitutio Antoniana von 212 immer weiter zunahmen und die Leute mit römischer Bürgerschaft zahlenmäßig weit übertrafen. Das Bildungsniveau dürfte vergleichbar gewesen sein.

    Ironischerweise bekam ich in einem britischen Forum vor Kurzem genau die gegenteilige Antwort. Dort stellte ich die These in Frage, dass die gallorömischen Pentagondodekaeder ein Modell des ptolemäischen Weltsystems darstellten, und wies darauf hin, dass sie genau in jenen Provinzen hergestellt wurden, in denen Ptolemäus' Bekanntheitsgrad sicherlich am Geringsten gewesen sei. Und die Antwort lautete, wie bekannt Ptolemäus in Gallien gewesen sei, solle ich ruhig mal dahingestellt lassen. Wenn es in die eigene Lieblingshypothese passte, war also Analphabetismus plötzlich kein Argument mehr! ;-)
    #46VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 16 Apr. 13, 19:30
    Kommentar
    Weiterhin bleibe ich dabei, dass die Kaiser wenig Sinn darin gesehen hätten, 90 % der Bevölkerung mit Münzinschriften zu versorgen, die sie nicht hätten lesen können ...

    Was soll das denn bitte bedeuten? Münzinschriften haben damit wenig zu tun. Erstens liest die doch kaum jemand, und zweitens wurde in weiten Teilen des Imperiums auch ohne Münzen gehandelt. Und was sollen denn dann (auch heute noch) Blinde dazu sagen? Sollen sie ohne Münzen auskommen, nur weil sie die Inschriften nicht lesen können?

    Wir haben beide nicht zu jener Zeit gelebt, insofern finde ich diese Diskussion wenig ergiebig, weil sie hauptsächlich nur auf Theorien und Schätzungen basiert. Und deine Zitate beweisen mMn. herzlich wenig, was die damalige Lese- und Schreibkompetenz betrifft. Es ist logisch, dass eine Anzahl von Menschen lesen und schreiben konnten, doch existiert sogar heute noch, trotz Internet und allgegenwärtiger "Literatur", ein gewisser Prozentsatz von Analphabeten. Und dem, was auf dem Internet herumschwirrt, nach zu beurteilen verstehen es viele Leute trotz allgemein zugänglicher Bildung nicht, korrekt zu schreiben.
    #47Verfasser dude (253248) 16 Apr. 13, 20:10
    Kommentar
    @dude

    "Und was sollen denn dann (auch heute noch) Blinde dazu sagen? Sollen sie ohne Münzen auskommen, nur weil sie die Inschriften nicht lesen können?"

    Mir ist nicht klar, was Du damit sagen willst.

    Bekanntlich können Blinde mit den Fingerspitzen sehr gut Prägungen "lesen", und bestimmt konnten in römischer Zeit Blinde den Wert einer Münze an der erhabenen Münzprägung erkennen.

    Im NT kommen blinde Bettler vor; die konnten doch bestimmt mit den Fingerspitzen erkennen, welche Münzen man ihnen als Almosen gegeben hatte.

    Fazit: Gerade die Münzinschriften halfen den Blinden, mit Münzen umzugehen.
    #48Verfasser Byrdy (782769) 16 Apr. 13, 21:20
    Kommentar
    Was ich damit sagen will ist, dass man nicht lesen können muss, um erfolgreich Münzen zu benutzen. Ich nehme auch an, dass sich Blinde leichter an der Größe der Münze orientieren können als an dem, was auf ihr steht.
    #49Verfasser dude (253248) 16 Apr. 13, 21:28
    Kommentar
    Münzprägungen waren schon im antiken Rom ein wertvolles Instrument politischer Propaganda. Das wäre ins Leere gelaufen, wenn sie niemand hätte lesen können. Auch die verbreitete Münzfälschung setzt voraus, dass die Schuldigen wussten, mit was sie es zu tun hatten.

    Erstens liest die doch kaum jemand, und zweitens wurde in weiten Teilen des Imperiums auch ohne Münzen gehandelt.

    Das ist ein Irrtum, bei dem wieder mittelalterliche Verhältnisse auf die Antike übertragen werden. Tauschhandel wurde erst angesichts der hohen Inflation im 3. Jh. wieder modern, der konstantinische Solidus aus der Währungsreform des 4. Jh. bewährte sich aber bis über den Untergang Westroms hinaus sogar in das Barbaricum hinein.

    Wer nutzte eigentlich die 28 öffentlichen Bibliotheken allein des antiken Roms? Wie viele hat Rom denn heute? Warum machte sich, wer immer es sich leisten konnte, die Mühe, möglichst pompöse Inschriften anzufertigen, wenn sie für die meisten Mitbürger sowieso nur Hieroglyphen gewesen sein sollten? Wozu bekamen Sklaven Hundemarken oder Brandzeichen mit Textangabe zu Besitzer und Herkunftsort? Warum finden wir so viele Tonscherben, die offenkundig von Sklaven (und Sklavinnen) bekritzelt wurden? Und war immer die soziale Elite gemeint, wenn jemand Passanten schriftlich davor warnte, gegen seine Hauswand zu pissen? (Beispiele wie immer in Pompeii.)
    #50VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 17 Apr. 13, 09:41
    Kommentar
    You seem to be all over the place, Valeriana. What period of Roman history are you even talking about? This thread is about Julius Caesar and whether he might have spoken any foreign languages (other than Greek). So, for argument's sake, let me stick to that era.

    Libraries weren't even important to Romans until about the second century BC, or about 100 or so years before JC (Julius Caesar, not Jesus Christ). Once they did become popular, only wealthy Romans could afford them (or were interested in them), so until JC, all libraries were owned privately. In fact, most historians agree that it was JC himself who came up with the idea of making libraries public, or to build public libraries, something he had seen and come to appreciate in some of the places he'd been to and where they already existed: Asia Minor, Egypt, and Greece. Unfortunately, JC died before he could realize that "dream."

    Yet even then, once the idea had taken hold and "public" libraries were built, it was difficult for a long time to distinguish between public and private libraries. For one thing, the public couldn't just come in and borrow books; that was highly discouraged if not prohibited. Instead, if the public was invited at all, it was usually for public readings by authors and men of letters and science. Even the wealthy had to, at times, bribe a librarian to be able to get a book from a library other than their own.

    Your 28 (some say there were 29) public libraries existed during the fourth century BC, not during JC's time. And according to the fourth century Roman historian Ammianus Marcellinus, those libraries were all closed during his lifetime "like so many graves," forever. This was due mainly to the Christian church's influence, as a lot of library buildings became sanctuaries.

    As far as coinage goes: imagery on the coins was much more important than any writing. For one thing, there wasn't much room on those coins to write any big propaganda, and for another, it was the "tresviri monetales" (a triumvirate of money men) who decided what went onto a coin. This triumvirate was created in 289 BC and lasted well into the third century AD - although Caesar himself added a fourth money man, and from then on, they seemed to have remained a quartet.

    Before JC, most Roman coinage featured images of Roma, or Romulus and Remus suckling from the mother wolf, iconography of that sort. It wasn't until JC's reign that, for the first time, a Roman coin featured the portrait of a living individual (JC himself). During his campaign against Pompey, JC issued a variety of coins that featured images of either Venus or Aeneas in an attempt to associate himself with his divine ancestors. So there wasn't as much to read as there was to look at.

    Roman coins are readily visible online, so anyone can check them out and see for themselves that there wasn't much space for any writing, and what writing there was usually confined itself to the name of the individual depicted. Beginning with JC, this tended to be the emperor.

    Also, from what I understand, although coins were struck in cities other than Rome, those were mostly made from copper and brass. Silver coins were only struck in Rome, and usage of those silver coins seemed to have been limited mainly to the city of Rome and its environs.
    #51Verfasser dude (253248) 17 Apr. 13, 16:56
    Kommentar
    You seem to be all over the place, Valeriana. What period of Roman history are you even talking about? This thread is about Julius Caesar and whether he might have spoken any foreign languages (other than Greek). So, for argument's sake, let me stick to that era.

    Das war ja in #22, #23 schon geklärt, so weit es Gallisch betrifft. Vorstellbar wäre noch angesichts seiner gutmütigen Haltung zum Judentum, dass er ein wenig Aramäisch gelernt haben mag; aber Belege dafür gibt es meines Wissens nicht. Mit Kleopatra, die zwar sprachgewandt war, aber kein Latein konnte, sprach er wohl Griechisch.
    #52VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 17 Apr. 13, 19:23
    Kommentar
    Valeriana: "Hut ab!" vor Deiner Kenntnis der antiken Literatur (auch entlegener Autoren), die Du wahrscheinlich als Kollegin im Studium der Klassischen Philologie erworben hast. Da kann man von "literacy" sprechen!
    Es ist eigentlich erstaunlich (oder auch bezeichnend, weil unspektakulär)), dass in römischen Grabinschriften auf Frauengräbern selten (oder nie?) darauf hingewiesen wird, dass die Verstorbene lesen und schreiben konnte. Das war wohl kein Gegenstand ausdrücklichen Lobs, anders etwa als der Hinweis, dass sie ihre eigene Wolle spann.

    Ich will mich jetzt aber nicht weiter einlassen, getreu dem alten amerikanischen Diktum:
    Drinking is like spelling the word Mississippi: you must know when to stop! :-)
    #53Verfasser Reinhard W. (237443) 17 Apr. 13, 21:27
    Kommentar
    Nicht ich, aber mein Lebensgefährte vergnügt sich mit solchen Dingen. Das färbt notgedrungen ein bisserl ab.

    Interessantes Argument, Reinhard. Dazu die bemerkenswerte Aussage:

    Considerable evidence suggests that women across a range of classes were literate in Rome, with full literacy in this case requiring a reading knowledge of both Greek and Latin. ... Many girls attended schools, and wealthier ones were educated by private tutors at home.
    http://books.google.de/books?id=EFI7tr9XK6EC...
    #54VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 18 Apr. 13, 10:20
    Kommentar
    Ich habe ein bischen nachgelesen. Leider sind die meisten (meiner) Quellen etwas ungenau, was sich jetzt auf welche Einkommensschicht und welchen Zeitraum bezieht.

    - Auch im alten Rom (ab 500v) was selbst bei (manchen?/vielen?) Bauern Lese- und Schreibunterricht (zuhause) angesagt.
    - Diese Grundausbildung wurde auch den Mädchen zuteil.
    - Seit den punischen Kriegen war Griechisch en vogue (ab Grammatikschule). Rom scheint weitgehend zweisprachig gewesen zu sein. Griechisch war als Lingua Franka wohl allgemein bekannt, ich habe keinen Hinweis gefunden, dass Griechische Schrift in der Grundschule gelehrt wurde).
    - Schulen waren für Mädchen offen. Es hat nur nicht jeder seine Töchter dort hingeschickt.
    - Schulen waren auch für untere Schichten offen, mussten aber bezahlt werden.
    - Wer nicht in der Schule lernte, lernte zuhause. Reiche beim Privatlehrer.
    - die Grundausbildung (Lesen, Schreiben, Rechnen=Addition+Subtraktion) war mit 12-14 abgeschlossen.
    - In Grammatik- und Rhetorik-Schulen wurde den Kindern reicher Eltern höhere Bildung vemittelt
    - Schulpflicht gab es bei den ollen Römern zu keiner Zeit.
    - Frauen konnten Berufe ausüben, taten dies meist nicht.
    - Latein wurde in allen Provinzen eingeführt, und löste damit langsam Griechsch als Lingua Franka ab. Es ist also anzunehmen, dass zu Zeiten JCs viele Germanen und Gallier wg Handel mit Rom Griechisch oder Latein (etwas) konnten.


    Das Zeug ist leider nicht alles aus gesicherten Quellen, aber zumindest aus jeweils mehreren.
    #55Verfasser wor (335727) 18 Apr. 13, 11:20
    Kommentar
    Martial zum Thema Analphabetismus:

    "Weiß, Faustus, nicht, warum du schreibst so zahlreichen Mädchen.
    Dies nur weiß ich bestimmt: Kein Mädchen schreibt dir zurück."
    (Epigramme XI 64)

    - Frauen konnten Berufe ausüben, taten dies meist nicht.

    Der weibliche Müßiggang dürfte sich auf die Oberschicht beschränken. Im History Channel lief vor wenigen Wochen ein Beitrag, in dem es um Römer der unteren Klassen ging, und da wurden auffallend viele Grabsteine und -urnen von Frauen mit Berufsbezeichnung vorgestellt, beispielsweise eine Tuchschneiderin. Vor kurzem las ich auch einen Artikel über weibliche Ärzte mit der Feststellung: Auch antike Frauen wandten sich oft lieber an eine Ärztin als an einen Arzt.
    #56VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 21 Apr. 13, 18:13
    Kommentar
    Woraus schließt Du, Valeriana, dass das Epigramm eine Aussage zum Analphabetismus war?

    Ich würde daraus eher schließen, dass Faustus nicht besonders erfolgreich bei Frauen war und sie deswegen nicht geantwortet haben. Das würde aus meiner Sicht auch als Aussage besser zu Martial passen als eine Aussage zu den sozialen Zuständen in Rom (vielleicht sollte ich auch besser sagen, zu meinem Bild von Martial).
    #57Verfasser Jenna2708 (36198) 21 Apr. 13, 19:22
    Kommentar
    Daß Martial die Erfolglosigkeit Faustus' bei Mädchen in dieser Weise erwähnt, impliziert doch, daß die Mädchen hätten antworten können, also offensichtlich schreiben und lesen konnten.
    #58Verfasser Selima (107) 21 Apr. 13, 19:30
    Kommentar
    I doubt if there's any correlation between literacy and multilingualism.
    #59Verfasser escoville (237761) 21 Apr. 13, 19:52
    Kommentar
    antike Frauen? (#56) Wie alt waren die denn, Valeriana?
    #60Verfasser dude (253248) 21 Apr. 13, 20:59
    Kommentar
    Na, antike Frauen waren mit alten Römern verheiratet ;-)

    An dieser Stelle herzlichen Dank für alle Beiträge! Da waren viele Anregungen dabei, denen meine Tochter und ich nachgegangen sind.
    #61Verfasser Raudona (255425) 21 Apr. 13, 21:22
    Kommentar
    --- nicht schon wieder --- ich lese hier --- öffne danach einen anderen Faden, in dem ich antworten will --- und stelle nach dem Absenden fest, dass ich hier gelandet bin ...
    #62Verfasser no me bré (700807) 21 Apr. 13, 22:12
    Kommentar
    Das passiert mir ständig. War schon in der alten Version so und hat sich nicht gebessert. Du musst erst die Anzeige in deinem Browser aktualisieren, dann klappt es.
    #63VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 21 Apr. 13, 23:42
    Kommentar
    escoville: ganz meine Meinung (s. Siehe auch: Konnte Caesar Fremdsprachen? - #35 )
    #64Verfasser Selima (107) 22 Apr. 13, 08:01
     
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