Werbung - LEO ohne Werbung? LEO Pur
LEO

Sie scheinen einen AdBlocker zu verwenden.

Wollen Sie LEO unterstützen?

Dann deaktivieren Sie AdBlock für LEO, spenden Sie oder nutzen Sie LEO Pur!

 
  •  
  • Übersicht

    Sprachlabor

    Erstsemester - was ist das? Der/die das Erstsemester?

    Betrifft

    Erstsemester - was ist das? Der/die das Erstsemester?

    Kommentar
    Der Duden kennt "Erstsemester" nur in einer Bedeutung und mit sächlichem Genus:

    Erstsemester, das
    Wortart: Substantiv, Neutrum
    Worttrennung: Erst|se|mes|ter
    Bedeutung: Student[in] im ersten Semester
    http://www.duden.de/rechtschreibung/Erstsemester

    Entsprechend auch das Variantenwörterbuch des Deutschen und die
    LEO-Einträge (auch wenn die Bedeutung des ersten Eintrags nicht eindeutig ist).

    Ich bin mit der Duden-Sicht aus mehreren Gründen nicht einverstanden. Folgende Thesen zum tatsächlichen Sprachgebrauch der Gegenwart möchte ich zur Diskussion stellen:

    1. Mit "das Erstsemester" werden heute keine Menschen (Studienanfänger) bezeichnet, sondern im buchstäblichen Sinn das erste Semester .

    2. Ein Studienanfänger (männl. oder weibl.) wird stattdessen als "der Erstsemester" bezeichnet.

    3. Daneben ist als explizit weibliche Form (weniger häufig, aber zunehmend) auch "die Erstsemesterin" als Bezeichnung einer Studienanfängerin verbreitet.

    [unten folgen noch Thesen 4. und 5.]

    Da das Genus in Plural-, Genitiv- und Dativformulierungen nicht eindeutig erkennbar ist, nachfolgend einige eindeutige Belege des jeweiligen Sprachgebrauchs:

    ad 1.

    Der Anmeldezeitraum für das Erstsemester ist vom 20.03.2013 – 02.04.2013. (Für Nachrücker wird die Anmeldefrist verlängert.)
    http://www.uni-wuerzburg.de%2Ffileadmin%2Fmed...

    In diesem Bereich möchten wir uns mit allen Fragen die ihr euch im ersten Semester stellen werdet beschäftigen.
    Vorbereitung auf das Erstsemester
    http://www.fs-eit.de/erstifragen/start

    Der Medizinprofessor hält für das Erstsemester die Einführungsvorlesung.
    http://geschaut.com/?s=459437

    Einführungsveranstaltung für das Erstsemester.
    http://www.fh-kiel.de/index.php?id=6633

    Stundenplan für das Erstsemester Maschinenbau (Studienaufnahme nur im Wintersemester)!
    http://www.mb.tu-dortmund.de/cms/de/Studium/S...

    ad 2.

    Der Erstsemester
    Von Philipp Köster
    Er ist bereit, morgens um sieben vor dem Hörsaal zu biwakieren. Er ist neu und steckt voller Elan. Das ist auch gut so, denn gleich am ersten Tag des Studiums gibt es für den Studienanfänger eine ganze Menge zu erledigen. (...) Jeder Erstsemester darf sogar einmal ein Buch anfassen. Es müssen ja nicht gerade die Kunstdrucke sein.
    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/gl...

    Wie ein ambitionierter Erstsemester, der zu viele Seminare belegt, hetzte Ackermann von einem Termin zum anderen
    http://www.zeit.de/online/2009/28/junger-wahlkampf

    Nadine: Nachdem der Erstsemester eine Zusage von der Hochschule bekommen hat, wird er über das Buddy-Projekt informiert und erhält die Möglichkeit, sich für dieses bei einem genannten Ansprechpartner anzumelden. Dieser stellt dann einen Kontakt zu einem für den Erstsemester persönlichen Buddy her.
    http://www.campus-lingen.hs-osnabrueck.de/379...

    Nach der Immatrikulation folgt für den Erstsemester meist die Wohnungssuche.
    http://www.studieren-im-netz.org/im-studium/s...

    Erstsemester, der ein schlechter Schüler gewesen war
    http://books.google.de/books?id=i_AaI4naBogC...

    Wahrscheinlich sitzt an irgendeinem College jetzt gerade ein Erstsemester, der noch nicht weiß, dass er eines Tages mich im Wahlkampfschlagen wird.
    http://books.google.de/books?id=Ii7gc103LGcC...

    Das Abstoßen der Hörner geht darauf zurück, dass die aufzunehmenden Studenten in manchen Universitäten mit den aufgesetzten Hörnern gegen eine Tür oder Säule rennen mussten, bis jene abfielen. Der jugendliche und (auch sexuell) unreife Erstsemester sollte so aus seinem quasi tierischen vorherigen Zustand in die Welt des Verstandes und der Wissenschaft überführt werden.
    http://www.wissen.de/wortherkunft/i-horn

    ad 3.

    Hallo Erstsemesterin! Hallo Erstsemester! Herzlich Willkommen an der Universität Bonn!
    http://www.fachschaft.info%2Fattachments%2Far...

    Tagebuch einer Erstsemesterin (Teil 1) (...)
    Erstsemesterin Stephanie Schramm schreibt für die FR ihre ersten Schritte an der Goethe-Universität in ein Tagebuch.
    http://www.fr-online.de/rhein-main/tagebuch-e...

    Befragung der Studienanfänger/innen
    Die Befragung der Erstsemester/innen findet jeweils zum Beginn des Wintersemesters statt.
    http://www.fh-dortmund.de/de/hs/servicebe/ver...

    Das Diagramm zeigt, dass 38,68 % der Erstsemester(innen) an der FernUniversität in Hagen weder die allgemeine Hochschulreife noch die Fachhochschulreife besitzen. (...) Dagegen erscheint die Summe von 2.090 beruflich qualifizierten Erstsemester(innen) an privaten Hochschulen eher klein und die 258 Personen, welche die kirchlichen Hochschulen aufnehmen, wirken fast marginal.
    http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/infor...

    Lehre, Liebe, Leistungspunkte: Das Tagebuch einer Erstsemesterin
    http://www.berliner-zeitung.de/archiv/lehre--...

    In diesem Rollenspiel übernimmt eine Partnerin/ein Partner die Rolle einer erfahrenen Studentin oder eines erfahrenen Studenten, und die/der andere die Rolle einer Person, die nächstes Jahr als Erstsemester(in) zur Uni kommt.
    http://books.google.de/books?id=6xTXjbdHu4cC...


    Thesen
    4. Der Duden u.a. Nachschlagewerke werden der Gegenwartssprache nicht gerecht, da sie ausschließlich einen obsoleten Sprachgebrauch verzeichnen, die elementare Wortbedeutung sowie einen längst etablierten Sprachwandel jedoch völlig ignorieren.

    5. Das Wort "Erstsemester" hat 5 Bedeutungen :
    a) das E. = das erste Studienhalbjahr (ursprüngl. Bedeutung)
    b) das E. = Kollektiv aller Studienanfänger (übertragene Bedeutung 2, seltener)
    c) das E. = Student/in des ersten Studienhalbjahrs, Studienanfänger (übertragene Bedeutung 1, einzig Duden-verzeichnet, aber veraltet)
    d) der E. = ein Studienanfänger (auf c basierende maskul. Neubildung , heute vorherrschend)
    e) die E. = Studienanfängerin (feminine Neubildung, sehr selten. Daneben die auf d basierende weibl. Neubildung: die Erstsemesterin (umstritten, aber verbreitet)

    ad 4.

    "Erstsemester" ist ursprünglich eine metonymische Bezeichnung für Studienanfänger -- in neutralem Genus. Je mehr dieser metonymische Gebrauch nicht mehr gesehen wird, desto mehr wird Erstsemester analog zu anderen Substantiven auf -er gesehen (und benutzt!), die Beruf, Eigenschaften u.ä. bezeichnen (und eigentlich Ableitungen von Verben sind -- aber wer sagt denn, daß Sprache logisch sei). Damit hat ein ganz normaler Sprachwandel durch Volksetymologie stattgefunden: "/Der/ Erstsemester", analog zu "Müller", "Fahrer" und "Begleiter". Und damit ist es keine böse ideologisierte Indoktrination, sondern schlicht ein Wort, das im Zuge von Sprachwandel (der oft damit etwas zu tun hat, daß die "eigentliche", ursprüngliche Bedeutung verloren geht) maskulin und nicht mehr metonymisch benutzt wird und daher wie andere Wörter auf -er in die feminine Form gebracht wird, indem ein -in angehängt wird.
    http://de.etc.sprache.deutsch.narkive.com/iWp...

    Semester n. ‘akademisches Studienhalbjahr’, anfangs Semestre (2. Hälfte 18. Jh., teilweise bis ins 19. Jh.), dann Semester (Ende 18. Jh.), Übernahme von mlat. semestre, semenstre ‘sechs Monate’, der substantivierten neutralen Form von lat. sēmēstris, sēmēnstris ‘sechsmonatig, halbjährig’ (zu lat. sex ‘sechs’ und mēnsis ‘Monat’). Seit Ende 19. Jh. auch für ‘Student(in)’, z. B. hohes, älteres, spätes Semester,
    http://www.dwds.de/?view=13&qu=semester

    ad 5.
    vgl. oben ad 1-3
    b:
    Dekan begrüßt das Erstsemester
    http://www.uni-marburg.de/fb16/aktuelles/news...
    e:
    "Da kam doch so eine Erstsemester, die ihr Examen mit mir besprechen wollte und dann noch meinte ..."!
    http://www.zeit.de/2008/11/C-StudierenohneAbi

    Worum es mir geht:

    Ich bin daran interessiert, welche Begriffe Ihr verwendet (oder nicht) und wie Ihr den heutigen Sprachgebrauch wahrnehmt. NB: Mir geht es um den tatsächlichen Sprachgebrauch und seine Beschreibung, nicht um den (aus verschiedensten Gründen möglicherweise) wünschenswerten. Vor allem möchte ich an dieser Stelle keine polemisch-ideologische Debatte um politisch korrekte Sprache, das einzig richtige Verhältnis von Genus/Gender/Sexus etc. führen; Davon gibt/gab es ausreichend an anderer Stelle. (Bitte...!)

    Insbesondere frage ich mich:

    Hat jemand irgendein praktisches Beispiel für ein eindeutig neutrales Erstsemester (im Sinne Studienanfänger, Bedeutung 5c oben)? Ich konnte keines ergoogeln.

    Würde wirklich jemand von einem männlichen oder weiblichen Studienanfänger sptechen als "schüchternes Erstsemester, das mich nach meiner Telefonnummer fragte" ?
    Verfasser otem por aomo res (756563) 10 Jun. 13, 11:54
    Kommentar
    In meinem Sprachgebrauch ist der Neuling an der Uni der Erstsemester.
    #1Verfasser Dragon (238202) 10 Jun. 13, 11:56
    Kommentar
    Mönsch Dragon, jetzt hast Du mir das Fehler u. Format-Editieren verbaut:-(

    Sorry für Tippfehler und Fett-Wüste am Ende.
    #2Verfasser otem por aomo res (756563) 10 Jun. 13, 11:59
    Kommentar
    Da muss ich mich wohl zu den veraltenden Sprachnutzern zählen :-0
    In meinem Sprachgebrauch ist das Erstsemester eine Person, die im ersten Semester studiert.
    #3Verfasser Lutz B (319260) 10 Jun. 13, 12:01
    Kommentar
    Bei mir auch.
    #4Verfasser BryceS (858421) 10 Jun. 13, 12:02
    Kommentar
    'Das Erstsemester' für Personen finde ich jetzt nicht so ganz ungewöhnlich. Mit sächlichen Adjektiva finden sich z.B. bei Google diese Stellen:
    https://www.google.de/search?q=%22unerfahrene...
    https://www.google.de/search?q=%22unerfahrene...
    https://www.google.de/search?q=%22junges+erst...
    #5Verfasser Selima (107) 10 Jun. 13, 12:02
    Kommentar
    Ich kenne und verwende "Erstsemester" ausschließlich im Plural im Sinne von "Studienanfänger", insofern hat sich mir das von dir beschriebene Problem noch nie gestellt. Im Singular würde ich "Studienanfänger/in" oder eine Umschreibung verwenden.
    #6Verfasser Nicki (DE) (616721) 10 Jun. 13, 12:06
    Kommentar
    #6 Das Erstsemester' für Personen finde ich jetzt nicht so ganz ungewöhnlich. Mit sächlichen Adjektiva finden sich z.B. bei Google diese Stellen:

    Danke für die Links, Selima. (Auf diese Suchwörter bin ich anschein nicht gekommen:-)

    Aber nehmen wir in Sachen "nicht so ganz ungewöhnlich" Deine Suche nach "junges Erstsemester". Ergebnis sind 2 (zwei) Treffer von denen sich einer auf ein "junges Erstsemester[-]Studentenpaar" bezieht. Bleibt 1 Fundstelle.

    Bei einer Suche nach"junger Erstsemester" ergeben sich demgegenüber 85 Fundstellen. Eliminiert man Pluralformulierungen, bleibt immer noch eine zweistellige Trefferzahl.

    Und für "junge Erstsemesterin" sind es 30 Fundstellen"

    In diesen Relationen halte ich die einzelne Verwendung des sächl. Erstsemesters weiterhin für eher unüblich.
    #7Verfasser otem por aomo res (756563) 10 Jun. 13, 12:26
    Kommentar
    Ich bin viel an der Uni unterwegs, und dort hört man häufiger, auch von relevanten Stellen, "xxx ist ein Erstsemester. Hast du die Erstsemester gesehen? Was war denn das gerade für ein Erstsemester?"
    #8Verfasser BryceS (858421) 10 Jun. 13, 12:29
    Kommentar
    Ich bin viel an der Uni unterwegs, und dort hört man häufiger, auch von relevanten Stellen, "xxx ist ein Erstsemester. Hast du die Erstsemester gesehen? Was war denn das gerade für ein Erstsemester?"

    Und warum bist Du Dir so sicher, dass sich hinter diesen Formulierungen das neutrale Genus verbirgt? Das kann alles genauso gut "der Erstsemester" sein (Das 2. Bsp. könnte sogar Singular des Falls "5e" sein, vgl. OP)

    Lackmus-Test für den Genus sind Formulierungen wie:
    Er ist ein unerfahrenes/er Erstemester, das/der nicht Bescheid weiß.

    Würdest du z.B. sagen: "Thomas war das unglückliche Erstmester, das in der Zeitung erwähnt wurde, weil es sich bei der Immatrikulation vor Aufregung in die Hose gemacht hatte." ?

    Vgl. analog im Netz (Google):
    "das unglückliche Erstsemester" = keine Ergebnisse
    "der unglückliche Erstsemester" = 6 Treffer
    #9Verfasser otem por aomo res (756563) 10 Jun. 13, 12:45
    Kommentar
    Ich finde den Begriff "Erstsemester" für eine Person generell mehr als befremdlich. (In Österreich heißen die Erstsemestrige.) Jemand, der anfängt, ist doch auch kein Anfang, jemand der Rad fährt, kein Rad, und jemand, der achtzig Jahre alt ist, kein Achtzigjahre. "Das Erstsemester" (für eine Person) setzt dieser ohnehin schon unlogischen Sprachverwendung natürlich die Krone auf.
    #10Verfasser RE1 (236905) 10 Jun. 13, 12:56
    Kommentar
    Das kommt - so vermute ich laienhaft - aus der Tradition, die Schüler bestimmter Stufen des Gymnasiums Primaner etc. zu nennen, nur daß das Erstsemester schon ein -er hat und das zweite einfach weggelassen wurde.
    #11Verfasser Selima (107) 10 Jun. 13, 13:06
    Kommentar
    #10: ...unlogischen Sprachverwendung
    @RE1: Seit wann ist denn Sprache bitte logisch?;-)
    #12Verfasser otem por aomo res (756563) 10 Jun. 13, 13:07
    Kommentar
    Mir ist auch klar, dass "das Semester" nicht in die übliche Struktur von Personen-Benennungen passt. Trotzdem kenne ich es in dieser Verwendung, ebenso die Bemerkung, jemand sei "ein älteres Semester".
    #13Verfasser Lutz B (319260) 10 Jun. 13, 13:10
    Kommentar
    Ich kenne es auch in erster Linie im Plural ab Bezeichnung für Studienanfänger ...
    #14Verfasser no me bré (700807) 10 Jun. 13, 13:10
    Kommentar
    Als Personen kenne ich eher Erstsemestler mit l.
    #15Verfasser Wachtelkönig (396690) 10 Jun. 13, 13:16
    Kommentar
    Sucht man mit jeder/jedes kommt ein Verhältnis von

    1060 für "jedes Erstsemester" (nach einer schnellen Durchsicht sind dabei tatsächlich in der Überzahl Einzelpersonen gemeint)
    zu
    4740 für "jeder Erstsemester"
    heraus
    http://www.google.com/search?q=das+Erstsemest...
    http://www.google.com/search?q=das+Erstsemest...
    #16Verfasser Selima (107) 10 Jun. 13, 13:47
    Kommentar
    Danke, Selima!
    Das sind deutlich mehr "Neutrale" als ich gedacht (und je gefunden) habe. Ich muss folgende Thesen korrigieren:

    1. Mit "das Erstsemester" werden auch heute noch einerseits Menschen (Studienanfänger) bezeichnet, andererseits im buchstäblichen Sinn das Anfangssemester .

    2. Deutlich häufiger als mit "das Erstsemester" wird ein Studienanfänger (männl. oder weibl.) in DE aber als "der Erstsemester" bezeichnet.

    4. Der Duden u.a. Nachschlagewerke werden der Gegenwartssprache nicht gerecht, da sie nur eine einzige, (nicht vorherrschende) Wortverwendung verzeichnen, dagegen u.a. die elementare Wortbedeutung und längst etablierten Sprachwandel ignorieren.
    #17Verfasser otem por aomo res (756563) 10 Jun. 13, 14:00
    Kommentar
    Damlas (TM) waren es "offiziell" Erstsemester (m/w), wie in Erstsemestereinführungsveranstaltung, im normalen Spachgebrauch ein Ersti, zwei Erstis (m/w).
    #18Verfasser Russisch Brot (340782) 10 Jun. 13, 15:28
    Kommentar
    Stimmt, Russisch Brot, "Ersti" ist mir auch noch geläufig (lang, lang ist's her)
    #19Verfasser Dragon (238202) 10 Jun. 13, 15:36
    Kommentar
    RE: Erstsemestler(in) (WK in #15)
    Ja, das wollte ich auch schreiben und so habe ich das auch gehört. Oder habe ich mir das L nur eingebildet?
    Um an RE1s Erklärung anzuknüpfen: Ein Kind, das in der ersten Klasse ist, nennt man auch nicht "der/die Erstklasse", sondern "Erstklässler(in)".
    #20Verfasser wupper (354075) 10 Jun. 13, 15:59
    Kommentar
    Schade, daß ich hier keinen Zugriff auf die Biologie-Erstsemestler-Zeitung habe, für die ich damals™ die Titelseite gezeichnet habe. Wenn mich nicht alles täuscht, steht dort dick und fett "Die Erstsemestler-Wanze". Damals™ hatte sich jedenfalls niemand über die Schreibweise beschwert.
    #21Verfasser Wachtelkönig (396690) 10 Jun. 13, 16:42
    Kommentar
    Wie so vieles vermutlich regional unterschiedlich.

    Willkommen auf der Seite für Erstis an der HHU Düsseldorf!

    Erstsemesterarbeitsgemeinschaft (ESAG) ist die Bezeichnung einer Gruppe von Studierenden (“Studis”), die Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester (“Erstis”) ihres Faches organisiert und durchführt.

    http://hhu.de/esag/
    #22Verfasser Russisch Brot (340782) 10 Jun. 13, 16:50
    Kommentar
    Zu #17 noch hinzufügen könnte man, daß "das Erstsemester" bevorzugt in offiziellen Dokumenten verwendet wird, während "der/die Erstsemester" eher von den Studenten selbst verwendet wird.

    "Erstsemestler" und "Ersti" wird wohl auch bevorzugt von den Studenten selbst verwendet und weniger bis kaum von offizieller Stelle.

    #23Verfasser Selima (107) 11 Jun. 13, 07:08
    Kommentar
    Ich kenne eigentlich nur Ersti, und da das außerdem meistens nur im Plural oder mit unbestimmten oder ganz ohne Artikel verwendet wird, wäre ich jetzt gar nicht so sicher, ob Leute "das Ersti" oder "das Erstsemester" sagen würden. Ich zumindest würde stets der oder die Ersti/Erstsemester sagen.
    #24Verfassergauss76 (649817) 11 Jun. 13, 21:51
    Kommentar
    Vor dem "Ersti" bin ich glücklicherweise verschont geblieben, bei uns hieß es auch "das Erstsemster".
    #25Verfasser Lady Grey (235863) 11 Jun. 13, 22:44
    Kommentar
    Liebe Erstis, Letztis und Leo-is, "Hallo Erstsemesterinnen" (zit. aus den angegebenen Quellen), hallo hallo Cicero-Fan:

    nachdem ich die Hände ein paar mal über dem Kopf zusammengeschlagen habe und infolgedessen die Tastatur nicht bedienen konnte, muss ich ein Bekenntnis ablegen. Wenn ich Sätze wie die folgenden lese --

    Der Duden u.a. Nachschlagewerke werden der Gegenwartssprache nicht gerecht, da sie nur eine einzige, (nicht vorherrschende) Wortverwendung verzeichnen, dagegen u.a. die elementare Wortbedeutung und längst etablierten Sprachwandel ignorieren

    (unzureichend verbessert aus:

    Der Duden u.a. Nachschlagewerke werden der Gegenwartssprache nicht gerecht, da sie ausschließlich einen obsoleten Sprachgebrauch verzeichnen...)

    dann schwillt mir wirklich der Kamm. Ich empfehle, die Formulierung "nicht vorherrschende Wortverwendung" abseits von Gugel zu begründen und das Wort "obsolet" einmal nachzuschlagen: der (obsolete?) Gebrauch dieses Wortes findet sich natürlich in den obsolet gewordenen papierfixierten Nachschlagewerken, die von Fachleuten geführt werden, ganz in bedauerlichem Gegensatz zum Internet, in dem sich die Gegenwartssprache so richtig zeitnah austoben kann.

    Sprachlich ist das Wort "Semester" ein Neutrum (und das in der "elementaren Wortbedeutung"). Bei der Verwendung für eine Person handelt es sich um eine rhetorische Figur, eine Metonymie, bei der sich das grammatische Geschlecht nicht ändert. Siehe auch: "Der Herr mir gegenüber war bereits ein älteres Semester" -- hier liegt eine doppelte Übertragung vor, denn es ist unerheblich, ob der Herr jemals studiert hat (selbst wenn, dann hat er es wahrscheinlich lange hinter sich). Und die Bezeichnung bleibt Neutrum auch für eine Dame.

    "Der Erstsemestler" ist eine Analogbildung zu "Wissenschaftler", "Bastler", "Sprachler" usw. und kennt natürlich auch eine weibliche Form. Gar kein Problem damit.

    "Das Erstsemester" als Bezeichnung für das erste Studienhalbjahr kommt vor, ist aber nicht sauber gebildet. Wäre es das, würde man auch sagen können "das Zweitsemester" oder "das Letztsemester". Tut man aber nicht, meines Wissens. Solcher Gebrauch findet sich allerdings auch gelegentlich bei anderen Wörtern: der Erstgebrauch, die Ersterwähnung, die Erstaufführung (wobei zumindest ab Zweit-/zweite die Zahlbezeichnung dem Kompositum vorgezogen wird). Vielleicht ein Grenzfall.

    "Der Erstsemester" ist (wie im zitierten Beispiel mit Ackermann) in vielen Kontextfällen die Übertragung des natürlichen Geschlechts. Es mag vorkommen, öffnet aber weit die Falle der Geschlechterdifferenzierung. Vielleicht bahnt sich da eine Entwicklung an, pötätre, pörhäpps, aber die Grenzen zum traditionellen Sprachgebrauch sind noch deutlich, was sich vor allem an der dann notwendigen Einführung einer weiblichen Form zeigt. "Die Erstsemester" klingt für meine obsoleten Ohren schon mehr als schräg, und zu "die Erstsemesterin" sage ich jetzt nur, dass es sich um vorauseilenden Gehorsam unter Gruppendruck handelt. Näheres in den allfälligen PC-Diskussionen oder bei Loriot.

    Zitat aus dem "Belegmaterial" (ja, ich setze diese Fundstelllen in Anführungszeichen):

    Nadine: Nachdem der Erstsemester eine Zusage von der Hochschule bekommen hat, wird er über das Buddy-Projekt informiert und erhält die Möglichkeit, sich für dieses bei einem genannten Ansprechpartner anzumelden. Dieser stellt dann einen Kontakt zu einem für den Erstsemester persönlichen Buddy her.

    Sehr nett, Nadine, deine Bekanntschaft zu machen. Dass jemand, der eine Zusage von der Universität bekommen hat, noch kein Erstsemester ist, Schwamm drüber. Das Buddy-Projekt wird mangelnde Genauigkeit schon durch Nestwärme ausgleichen. Wenn auch, liebe Nadine, hier leider nicht für die Studierenderinnen, die sich sicherlich eine Buddin wünschen würden. Da warst du vielleicht ein bisserl nachlässig. Aber nicht weinen, kann ja noch werden. In deinem Viertsemester oder so.

    Und "Ersti"? Kann man noch gemeinsprachlichen Gebrauch von Jargon unterscheiden, oder ist das auch "obsolet"? In diesen Fachschaften sitzen Zwanzigjährige, die ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen wollen. Vollkommen klar, dass ein Ingroup-Sprachgebrauch entsteht. Ist auch völlig in Ordnung, aber kein Maßstab für ein Wörterbuch, das bitte schön keine Gugeltreffer zählt, sondern Angaben zu Sprachebene und Geltungsbereich zu machen hat. Sollen sich die Erstis doch (hier in Berlin z.B.) am Kotti (Kottbusser Tor) oder Stutti (Stuttgarter Platz) treffen, sich im Späti (einem "Spätkauf") mit dem nötigen Stoff versorgen und bis in die frühen Morgenstunden darüber diskutieren, wie Wörterbücher gepflegt werden müssen und was unter "längst etabliertem Sprachwandel" zu verstehen ist.

    Nachtrag 1: Jawohl, ich kenne die "Uni" von innen, diverse, länger als viele andere, leider allerdings vorwiegend aus Vor-Gugel-Zeiten, und ich saß auch in einer Fachschaft. Und ja, ich hätte das auch sachlicher formulieren können, will aber nicht.

    Nachtrag 2: Kleine Nachfrage, otem... Erkläre doch bitte einmal, woher Du diese im OP geäußerte Spekulation hast oder worauf Du sie gründest:

     Je mehr dieser metonymische Gebrauch [also die Übertragung des Zeitraums auf die Person n- sW]nicht mehr gesehen wird, desto mehr wird Erstsemester analog zu anderen Substantiven auf -er gesehen [...], die Beruf, Eigenschaften u.ä. bezeichnen (und eigentlich Ableitungen von Verben sind [...]). Damit hat ein ganz normaler Sprachwandel durch Volksetymologie stattgefunden: "/Der/ Erstsemester", analog zu "Müller", "Fahrer" und "Begleiter". Und damit ist es [...] schlicht ein Wort, das im Zuge von Sprachwandel (der oft damit etwas zu tun hat, daß die "eigentliche", ursprüngliche Bedeutung verloren geht) maskulin und nicht mehr metonymisch benutzt wird und daher wie andere Wörter auf -er in die feminine Form gebracht wird, indem ein -in angehängt wird.

    Natürlich ist bei "Semester" die ursprüngliche Bedeutung keineswegs verloren, im Gegensatz etwa zu "flat" im Wort "Unflat". Alle Sprachteilhaber kennen, wenn sie das Wort überhaupt kennen, die Primärbedeutung als Studienzeitraum. Kein einigermaßen gebildetes Schwein würde das mit "Bäcker", "Meister", "Flugzeugträger" (--> Flugzeugträgerin???) verwechseln. Wortbildungsregeln sind instinktiver Besitz des "competent speaker" (nach Chomsky) und ändern sich in längeren Zeiträumen, als Du und ich sie erleben werden. Es würde mich wirklich interessieren, was Dich zu diesem pseudowissenschaftlichen interpretatorischen Höhenflug veranlasst hat.

    #26Verfasser sebastianW (382026) 12 Jun. 13, 01:17
     
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  
 
 
 
 
 ­ automatisch zu ­ ­ umgewandelt