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    Sprachlabor

    Aussprachewandel über Jahrzehnte in Deutschland

    Betrifft

    Aussprachewandel über Jahrzehnte in Deutschland

    Kommentar
    Ich habe schon öfter interessante Beispiele gelesen, was sich im britischen Englisch in den letzten Jahrzehnten an der Aussprache verändert hat. Meistens werden dafür die Fernsehansprachen von Queen Elizabeth II als Beispiel angeführt.

    Für die deutsche Aussprache kenne ich da gar nichts. Wenn ich aber ganz alte Filme anschaue, habe ich schon den Eindruck, dass die Aussprache und vielleicht auch die Sprachmelodie sich seither geändert hat. Als Nicht-Linguistin kann ich es aber nicht genau benennen.

    Kennt Ihr dafür Quellen? Möglichst allgemeinverständlich, wenn möglich... :)
    Verfasser Nica (de) (236745) 16 Aug. 13, 13:31
    Kommentar
    Alte Filme geben nicht notwendigerweise die tatsächliche Aussprache wieder, weil dort oft ein besonders "schönes" Deutsch gesprochen werden sollte.

    Suchbegriffe für deine Recherche sollten sein:
    Theodor Siebs - Bühnenlautung (Bühnendeutsch, Bühnensprache)

    außerdem: http://de.wikipedia.org/wiki/Aussprache_der_d...

    Wichtig natürlich der Hinweis, dass Deutsch eine "plurizentristische Sprache" ist. D.h. es gibt nicht die eine, allgemein gültige Aussprache, nach der sich alle zu richten haben.
    #1Verfasser Raudona (255425) 16 Aug. 13, 13:44
    Kommentar
    >Alte Filme geben nicht notwendigerweise die tatsächliche Aussprache wieder, weil dort oft ein besonders "schönes" Deutsch gesprochen werden sollte.

    Alte Interviews mit Leuten von der Straße sind da aufschlußreicher. Bis in die 60er Jahre hört sich das alles sehr schnarrend nazimäßig an.
    #2Verfasser Frank01 (731116) 16 Aug. 13, 14:05
    Kommentar
    Das stimmt (auch wenn ich die Interpretation "nazimäßig" ein bisschen heftig finde) zwar oft. Aber man merkt auch, dass die Interviewten sich ebenfalls um ein "schönes", fernsehtaugliches Deutsch bemühen.

    Meine Erinnerung ist natürlich subjektiv, aber das, was ich aus meiner Kindheit (ich bin 1966 geboren) im Ohr habe, unterscheidet sich in der Sprachmelodie nicht von dem, was heute gesprochen wird. Meine Großeltern und Urgroßeltern hatten jedenfalls keinen "schnarrenden" Ton an sich.
    #3Verfasser Raudona (255425) 16 Aug. 13, 14:20
    Kommentar
    Ich glaube, viele Profisprecher, Schauspieler und Normalos waren noch lange von Vorkriegsmikrophonen geprägt, bei denen man sehr deutlich sprechen musste, damit man überhaupt verstanden wurde.
    #4Verfasser weirdo (236636) 16 Aug. 13, 14:33
    Kommentar
    #1: Alte Filme geben nicht notwendigerweise die tatsächliche Aussprache wieder, weil dort oft ein besonders "schönes" Deutsch gesprochen werden sollte.

    ...oder ein besonders rollentaugliches. "Die deutsche Hausfrau" verbinde ich z.B. spontan mit einer sehr bestimmten Stimme und Sprechweise, die sich durch viele Filme und Serien zieht....das würde ich aber nicht als Dokumentation des tatsächlichen Sprachgebrauchs auffassen.

    Edit: Nica, kannst du bitte ein, zwei Beispiele aus dem Englischen nennen? Gerne aus Ansprachen der Queen...
    #5VerfasserYora Unfug (694297) 16 Aug. 13, 14:34
    Kommentar
    Hier kann man Hindenburgs Enkelin bei einer Schiffstaufe hören (ab 2:10).
    https://www.youtube.com/watch?v=VQ1cjOaVQ94

    Sie hat sich Mühe gegeben, schön deutlich oder sogar überdeutlich zu sprechen. Der schnarrende Klang ligt wohl auch an den Mikrofonen von damals, die hatten bestimmt einen kleineren Frequenzumfang als man heute gewohnt ist.
    #6Verfasser Harri Beau (812872) 16 Aug. 13, 14:37
    Kommentar
    >was ich aus meiner Kindheit (ich bin 1966 geboren) im Ohr habe, unterscheidet sich in der Sprachmelodie nicht von dem, was heute gesprochen wird. Meine Großeltern und Urgroßeltern hatten jedenfalls keinen "schnarrenden" Ton an sich.

    Rudi Dutschke wäre ein Paradebeispiel für schnarrenden Ton aus dieser Zeit.
    #7Verfasser Frank01 (731116) 16 Aug. 13, 14:49
    Kommentar
    Vielen Dank an alle. Vielleicht kennt ja doch noch jemand Studien dazu? Ich bin mir ganz sicher, dass sich etwas geändert hat, weil Sprachwandel ja kontinuierlich weitergeht und nicht irgendwann einfach aufhört. Leider kann man das als Laie nicht gut nachvollziehen. Deshalb auch Raudonas Eindruck, es hätte sich nichts geändert. Ist ja klar: Damals haben alle "normal" gesprochen und heute auch. Nur das, was normal ist, hat sich eben langsam und unmerklich geändert. Deshalb wäre es eben interessant, die Analysen von Aufnahmen aus wissenschaftlichen Studien zu kennen.

    Zum Englischen hier ein paar Beispiele aus verschiedenen Ländern:
    http://www.yek.me.uk/changestwe.html
    http://www.coli.uni-saarland.de/groups/WB/Pho...
    http://www.pbs.org/speak/ahead/change/changin/
    http://www.uni-due.de/VCDE/VCDE_SoundShiftsOf...
    http://www.nature.com/nature/journal/v408/n68...
    http://skritch.blogspot.de/2011/12/queens-chr...

    Wenn ich mit englischen Begriffen google, finde ich sehr viel, nur auf Deutsch kriege ich es irgendwie nicht hin. Englisch ist ja auch plurizentrisch, daran kann es nicht liegen. Es gibt viele Artikel zur Veränderung der Aussprache in einzelnen Städten/Regionen in den USA.
    #8Verfasser Nica (de) (236745) 16 Aug. 13, 15:38
    Kommentar
    Was sich ziemlich sicher geändert hat, ist die Aussprache von r. Früher war das Zungenspitzen-r üblich ("italienisch"), heute das Zäpfchen-r ("französisch"). Heutiger Stand Karte 2. Es ist auch nur noch im Kunstgesang standardmäßige Norm, nicht mehr im Theater.

    Ganz kurz aus wikipedia
    Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte das alveolare R in den meisten Teilen Deutschlands vor. Heute überwiegt es vielerorts in der Sprache der ältesten Generation ländlicher Sprecher, während jüngere Sprecher das uvulare R verwenden. Dies gilt unter anderem für weite Teile Norddeutschlands, Hessens und Westfalens.
    (alveolar - Zungenspitze; uvular - Zäpfchen, oft vauch velar - Gaumensegel)

    Ich vermute, dass der "schnarrende" Eindruck vom kräftig gerollten Zungenspitzen-r kommt.
    #9Verfasser manni3 (305129) 16 Aug. 13, 19:11
    Kommentar
    Ohne Beleg und aus dem Bauch: Ich habe den Eindruck, dass sich in den letzten vielleicht 15 Jahren die Sprachmelodie im Deutschen geändert hat: Jüngere Sprecher heute senken bei Aussagesätzen am Satzende nicht die Stimme, sondern heben sie eher, und mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass sich diese für meine Ohren falsche Sprachmelodie immer stärker aus Richtung Jugend in Richtung "Mittelalter" verbreitet. Fragesätze dagegen werden teilweise mit fallender Melodie gesprochen. Wie gesagt, subjektiver Eindruck.
    #10Verfasserhilfesuch (682314) 16 Aug. 13, 20:57
    Kommentar
    Wenn ich einmal die Anfrage im OP: Aussprachewandel über Jahrzehnte in Deutschland

    abwandle/erweitere in/zu:

    Aussprachewandel über Jahrhunderte in deutsch-sprachigen Landen

    ... da kann ich #10 durchaus zustimmen. - Was dort fehlt, ist m.E. die 'Lautverschiebung', der 'Aussprachewandel' über Jahrzehnte in Deutschland'
    #11VerfasserCD (DE) (878283) 16 Aug. 13, 21:25
    Kommentar
    Bei der deutschen Synchronisation alter Laurel&Hardy-Filme fällt mir manchmal auf, dass sich da etwas einschleicht, was für mich wie Berliner Theaterbühne klingt. Das würde man heute nicht mehr so machen.
    #12VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 16 Aug. 13, 21:40
    Kommentar
    #9 ist interessant. Ich dachte immer das zungengerollte "R" sei etwas was hauptsächlich auf Bayern beschränkt sei (ja, ein paar andere Verbreitungsinseln gibt es wohl auch).

    Die Hessen sprechen praktisch gar kein "R" und ich würde wetten, das war schon immer so ;)
    Aber interessant, vielleicht war die gesellschaftliche Akzeptanz des zungengerollten "R" früher größer?
    #13Verfasser Uljae (831733) 16 Aug. 13, 21:54
    Kommentar
    Glaub ich nicht. Eine Bekannte, die es sprach und als Kind in eine Gegend zog, in der es nicht üblich war, hatte deswegen extrem unter ihren Mitschülerinnen zu leiden. Wie sie oftmals erzählte, brauchte sie sich nur zu melden und einen Satz zu sagen, und schon ging es durch die ganze Klasse: "RRRRRRRR..."

    #14VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 16 Aug. 13, 22:37
    Kommentar
    @ Glaub ich nicht - "früher" ist eben früher, als Deine Bekannte dort hinzog. s. #9 (das ist zwar "nur" wikipedia, wo übrigens noch mehr zum Thema steht, war aber für mich dank copy-paste einfacher, als aus anderen Quellen abzutippen.)
    #15Verfasser manni3 (305129) 16 Aug. 13, 22:44
    Kommentar
    Uljae: Die Hessen sprechen praktisch gar kein "R" und ich würde wetten, das war schon immer so ;)

    Warst Du schonmal in der Wetterau?

    Gut, dass Deine Bemerkung mit einem Smiley versehen ist, sonst könnte ich sie noch ernstnehmen.
    #16VerfasserWerner (236488) 16 Aug. 13, 23:03
    Kommentar
    In den letzten Jahren hat sich meinem Empfinden nach auch diese HAHAmburgisch-nnöverische Ausdrucks- und Sprechweise als kuhl und posch etabliert.
    Ich merk es auch an mir, dass ich so spreche oder auch hier oft Formen aus dem Umgangsdeutschen des Nordens schreibe - jedenfalls halte ich es dafür - statt die aus meiner Umgebung, beispielsweise:
    ne Frau statt a Frau
    nee statt noi / naa
    kannste mal statt kannst mal / kannsch mal
    GunnAhmth statt Gueden Obed



    Dem stimmhaften S, dem Gurgel-R, der (extremen) Verhärtung der Verschlusslaute b-d-g, der Vereinheitlichung der so reichhaltigen südlichen A-Varianten und dem Präteritum hab ich mich bisher aber weitgehend erfolgreich widersetzt ;-)

    [ Die Aufzählung könnte noch länger werden, aber jetzt hör ich auf, dran rumzueditieren ;-)) ]
    #17Verfasser manni3 (305129) 17 Aug. 13, 10:10
    Kommentar
    In den letzten Jahren hat sich meinem Empfinden nach auch diese HAHAmburgisch-nnöverische Ausdrucks- und Sprechweise als kuhl und posch etabliert.

    Das Fead macht ein großes Göwia wenn es Sonnams an dea Eckö watet.
    #18Verfasser Frank01 (731116) 17 Aug. 13, 12:40
    Kommentar
    ne Frau statt a Frau
    nee statt noi / naa
    kannste mal statt kannst mal / kannsch mal


    Genau so steht das immer den alten Fix&Foxi-Heften. Wo war eigentlich der Verlag beheimatet?
    #19VerfasserValeriana Ebonstar (894625) 17 Aug. 13, 14:14
    Kommentar
    Wo war eigentlich der Verlag beheimatet? - Ich weiß nicht, ob das eine große Rolle spielt, der Verleger war auf jeden Fall ein Kosmopolit :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kauka_Verlag
    #20Verfasser no me bré (700807) 17 Aug. 13, 14:25
    Kommentar
    Kauka, geb. 1917, wuchs in Sachsen auf und orientierte sich möglicherweise sprachlich an der "Berliner Schnauze".
    #21Verfasser Raudona (255425) 17 Aug. 13, 15:40
    Kommentar
    ...gegen die 'Berliner Schnauze' können die Hanseaten in Hamburg mit 'Schmidt-Schnauze' anbellen ! - ;-)))
    #22VerfasserCD (DE) (878283) 17 Aug. 13, 18:38
    Kommentar
    #18: Das Fead macht ein großes Göwia wenn es Sonnams an dea Eckö watet.

    Frank, darf ich als Muttersprachlerin mal dein Hannöversch korrigieren:

    Das Fead macht n großes Gewia, wenn es Sonnaams anna Ecke watet.

    (Unbetontes i wird nicht zu ö/ü.)

    An dieser Stelle darf ich auf eine Anekdote verweisen, die ich vergangenes Jahr mal gepostet habe (es ging um die Aussprache von "Gehirn"). Siehe auch: I have a blank - #30
    #23Verfasser Raudona (255425) 17 Aug. 13, 18:55
    Kommentar
    ... ebenfalls Re #18:

    ... diese ... Ausdrucks- und Sprechweise als kuhl ... etabliert.

    Der Erste, der (mir bekannterweise) das verwendet hat, war ein gewisser Geheimrat J.-W. v. G.:

    In seiner 'Ballade' 'Der Fischer' heißt es:

    "Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll,
    ein Fischer saß daran. -
    Sah nach dem Angel ruhevoll,
    kühl bis ans Herz hinan."

    ... ich kann jetzt nur hoffen, dass nicht wieder irgendeine 'PIC' (Person In Charge) Anstoß an Goethe nimmt (wie kürzlich an einem themenbezogenen 2-Zeiler aus einem Rilke-Gedicht) ...

    ... gelle ?
    #24VerfasserCD (DE) (878283) 17 Aug. 13, 19:18
    Kommentar
    Ausgerechnet Rudi Dutschke nazihaftes Geschnarre zu attestieren, ist ja auch mal ganz originell.
    #25Verfasser tigger (236106) 17 Aug. 13, 21:20
    Kommentar
    Re #25: Können wir, bitteschön, eine Referenz zum betreffenden Beitrag bekommen ?

    Danke!
    #26VerfasserCD (DE) (878283) 17 Aug. 13, 21:25
    Kommentar
    Unbetontes i wird nicht zu ö/ü.

    Raudona, für bayrische Ohren schon, und wie :-)))

    Gewieher > Göwiia
    Gehirn > Göhürn
    gesprochen > gösprochön
    #27Verfasser Birgila/DE (172576) 18 Aug. 13, 09:15
    Kommentar
    Hm, Birgila, ich muss dir vielleicht mal eine Hörprobe schicken ... In der Vorsilbe Ge- wird das e als schwa gesprochen, das geht eher in Richtung a als ö. In der Endung -en verschwindet es, da bleibt ein silbisches n.
    #28Verfasser Raudona (255425) 18 Aug. 13, 09:43
    Kommentar
    Raudona, die Transkriptionen Birgilas kommen dem wirklich recht nahe, was wir zu hören kriegen, wenn Hannöversche versuchen, Hochdeutsch zu sprechen - was sie besonders gern im Gespräch mit Baiern, Franken und Schwaben tun ;-))
    #29Verfasser manni3 (305129) 18 Aug. 13, 10:23
    Kommentar
    Mit Sicherheit hat sich die Aussprache "in den letzten Jahrzehnten" in Deutschland im Vergleich etwa zur Vorkriegszeit schon allein deshalb verändert, weil bedingt durch "ethnische Säuberungen" jeder vierte Einwohner Restdeutschlands ein Flüchtling oder Vertriebener aus Mittelost- und Südosteuropa war.

    Abgesehen davon sind alte Tondokumente wirklich keine Referenz für die damalige Aussprache, weil diese Aufnahmen oft nicht den Charakter des Zufälligen hatten, sondern vom Sprecher eben bewusst die ihm bekannten Erwartungen des Zuhörers erfüllt wurden, ob dies nun eine Festrede war, eine Filmkomödie oder eine Lagebesprechung im Schützengraben für die Wochenschau.

    Von Adolf Hitler ist bekannt, dass er sich im engen Kreis manchmal über das schnarrende Kasinodeutsch der höheren Offiziere lustig gemacht hat. Als "normal" wurde das - selbst von ihm - also schon damals nicht empfunden. Vielleicht weil er Österreicher war, vielleicht weil ihm klar war, dass dies ein ihn, den Parvenü, ausgrenzender Soziolekt der konservativen Militäraristokratie war und als solcher auch gepflegt wurde.
    #30VerfasserStarost (825755) 18 Aug. 13, 10:31
    Kommentar
    Die Veränderung hängt m. E. zum großen Teil auch damit zusammen, was als "gutes Deutsch" betrachtet wird.
    Vielleicht hat ja in den letzten Jahrzehnten eine Verschiebung vom Berlinerischen zum Hamburgischen und Hannöverschen stattgefunden?*

    Die mehr oder weniger offizielle Standard-Aussprache nach Siebs und Duden wird sowieso von niemandem gesprochen.

    Mir scheint, dass jenseits von hipp-kuhl-posh (s. #17) im Allgemeinen die Aussprache der Tagesschau- und Tagesthemensprecher als vorbildlich gilt. Die orientiert sich aber eindeutig am Norddeutschen.

    Wer genau hinhört, wird/wurde in den Tagesthemen mit dem Satz begrüßt:
    Gunnahmgmeinedamunterrn (Buhrow - 7 Silben) - oder deutlicher:
    Gugnahmgmeinedamunterrn (Miosga - 8 Silben)
    Schriftdeutsch:
    Guten Abend, meine Damen und Herren (11 Silben),
    die im Süden etwa lauten:
    Guedenobed, meine Dame(n)ondherre (11 Silben)



    Edit: Das gilt für Deutschland (s. Betrifft)
    In A und CH ist es anders.


    Am Rande:
    Die Baden-Württemberger haben sich leider in ihrer schwabentypischen Neigung zum Understatement von einer Düsseldorfer Agentur den Werbespruch "Wir können alles außer Hochdeutsch" andrehen lassen, statt - richtiger - "Wir können alles außer Norddeutsch" ;-))




    * Edit 2: Die Hannoveraner bezeichen ihr Deutsch zwar gerne als "das beste Deutsch". Aber mit dem Komparativ und Superlativ ist das ja so:
    - Sonja ist sieben Jahre alt.
    - Anja ist acht; sie ist älter.
    - Kati ist neun; sie ist die Älteste.
    - Alt sind sie aber alle drei nicht! ;-)


    #31Verfasser manni3 (305129) 18 Aug. 13, 11:22
    Kommentar
    @ manni3

    Ich glaube, die Agentur kam aus Balien/Hämbuich (Scholz und Fränds).
    #32VerfasserStarost (825755) 18 Aug. 13, 13:11
    Kommentar
    Des isch ja n̲o̲c̲h̲ schlimmer ;-)
    #33Verfasser manni3 (305129) 18 Aug. 13, 22:09
    Kommentar
    >Gehirn > Göhürn

    eher: Göhiiaan.
    #34Verfasser Frank01 (731116) 19 Aug. 13, 09:23
    Kommentar
    >Ich glaube, die Agentur kam aus Balien/Hämbuich (Scholz und Fränds).

    Der Claim stammt allerdings vom ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeisterkandidaten: http://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Turner
    #35Verfasser Frank01 (731116) 19 Aug. 13, 09:27
    Kommentar
    Es gibt so geheime Tonbandaufnahmen von Hitler und seinen Offizieren, und da hitlert er ganz und gar nicht so wie man ihn aus der Öffentlichkeit kennt.
    #36Verfasser Rappin Granny (904293) 19 Aug. 13, 10:00
    Kommentar
    Karl Jaspers aus Oldenburg (Oldb): "Was Philosophie sei, und was sie wecht sei, ist ums-tritten (00:04). Man erwachtet von ihr außerordentliche Aufschlüsse ... "

    Haben die Hochdeutschsprecher (also nicht nur im Platt) dort heute auch noch den ges-toßenen s-pitzen S-tein?

    #37Verfasser manni3 (305129) 19 Aug. 13, 10:25
    Kommentar
    Auf die Gefahr hin, als Störenfried zu gelten - hier muss ich stören

    #30 starost:
    Vorkriegszeit schon allein deshalb verändert, weil bedingt durch "ethnische Säuberungen" jeder vierte Einwohner Restdeutschlands

    usw. usf. Revisionismus. Ich möchte die interessierten Leser darauf hinweisen, dass dem heutigen Durchschnittsdeutschen Hitlers Akzent am A*** vorbei geht. Und das ist gut so.
    #38Verfasser Uljae (831733) 19 Aug. 13, 11:05
    Kommentar
    >Die Baden-Württemberger haben sich leider in ihrer schwabentypischen Neigung

    wer entdeckt den Fehler?
    #39Verfasser Frank01 (731116) 19 Aug. 13, 11:12
    Kommentar
    Uljae und starost - nicht schon wieder!! Bitte!!!


    @ Frank - lass gut sein :-)
    Das Alemannische hat sich aus der Sprache eines Stammesverbandes entwickelt, zu dem sich gegen Ende des 2. Jahrhunderts n.Chr. einige germanische Heer- und Wanderhaufen, zum größten Teil Sueben, in der Maingegend zusammengeschlossen hatten, die aus ihrer vorigen Heimat an der Elbe abgewandert waren. Im Jahre 213 dringt der römische Kaiser Caracalla über den Limes nach Norden gegen Germanien vor. Bei griechischen und römischen Geschichtsschreibern, die darüber berichten, findet sich nun erstmals die Bezeichnung "Alamanni" für jene Gruppe von germanischen "Barbaren", die sich zu dieser Zeit zwischen Main und Limes befand und mit denen Caracalla einen Bündnisvertrag abschloss.
    Der Name Alamanni wird dabei von einem Schriftsteller, Asinius Quadratus, als "zusammengewürfeltes Mischvolk" übersetzt, und die heute allgemein akzeptierte Deutung dieses Namens geht in dieselbe Richtung: "Menschen oder Männer insgesamt, im gesamten genommen".

    Die Alamannen eroberten um das Jahr 260 das Land zwischen Rhein, Bodensee und Iller von den Römern und nahmen es seit dem späten 5. Jahrhundert noch über diese Grenzen hinaus in Besitz. Sie werden dann ohne Unterschied bald als Schwaben, bald als Alamannen bezeichnet.

    (nach Klausmann, Kunze, Schrambke: "Kleiner Dialektatlas" ISBN 3-7826-0166-1)
    #40Verfasser manni3 (305129) 19 Aug. 13, 11:15
    Kommentar
    manni3: du kannst beruhigt sein, ich werde nichts weiter schreiben. Ich kann aber solchen Mist hier nicht stehen lassen.
    Ich habe hier wirklich keine Lust irgendwas über Hitlers Hund, seinen Akzent und dann noch "ethnische Säuberungen" in einem Post zu lesen.
    Das verleidet mir wirklich dieses Forum.

    Danke, und jetz bin ich stad.
    #41Verfasser Uljae (831733) 19 Aug. 13, 11:19
    Kommentar
    Das Wort "Hund" kommt in #41 das erste mal vor. Was soll der also hier?

    Und falls #36 oder #30 provozierend gemeint sein sollten (ich kann da nichts erkennen, es gehörte beides zum Thema), dann wäre es das Beste, es gar nicht groß zu kommentieren.
    #42Verfasser Harri Beau (812872) 19 Aug. 13, 11:31
    Kommentar
    Wenn man sich 70er-Jahre-Aufnahmen des Tölzer Knabenchors anhört, fallen einem auch schier die Ohren ab, weil sie bei deutschen Liedern immer noch diese typisch "propagandadeutsche" Aussprache haben ("derrr Herrrr"). Selbst heute sprechen sie noch härter als andere Chöre. Hat sich aber viel gebessert.
    #43Verfasser Birgila/DE (172576) 19 Aug. 13, 11:43
    Kommentar
    #27, Birgila: "Unbetontes i wird nicht zu ö/ü.
    Raudona, für bayrische Ohren schon, und wie :-)))"

    Das ist dann wohl das gleiche Problem, das die Deutschen mit dem englischen cat und kettle haben ;-).
    #44Verfasser GuggstDu (427193) 20 Aug. 13, 12:37
    Kommentar
    #27, Birgila: "Unbetontes i wird nicht zu ö/ü.

    "So spricht man z.B. von „Tüsch“, „Füsch“... "
    http://de.wikipedia.org/wiki/Braunschweigisch...

    http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/9sp-eck...

    #45Verfasser Frank01 (731116) 20 Aug. 13, 13:55
    Kommentar
    @ "Unbetontes i wird nicht zu ö/ü."

    Das war eben gerade nicht Birgila in #27, sondern Raudona in #23, gell!

    #46Verfasser manni3 (305129) 20 Aug. 13, 14:10
    Kommentar
    Ich glaube, das war ein Tippfehler und sollte heißen:

    "Unbetontes e wird nicht zu ö/ü."

    Andernfalls passt nämlich Raudonas Antwort #23 gar nicht auf Franks Beispielsatz mit dem "Göwia" an der "Eckö".
    Unbetontes e wird wohl in den meisten deutschen Dialekten - und das Hannöversche macht da keine Ausnahme - einfach als neutrales Schwa gesprochen. Wo zwischen i, a, e und ö der "Neutralpunkt" genau liegt, das mag ein wenig regions- und sprecherabhängig sein, charakteristisch für einen bestimmten Dialekt ist es aber sicher nicht.
    #47Verfasser dirk (236321) 20 Aug. 13, 15:14
    Kommentar
    I've just had a look at the Queen's Christmas speech from 1957 and cannot hear any notable difference from those from the late 1990's. She was definitely more nervous back then; perhaps the more relaxed delivery is seen as being "less posh", but that's not the feeling I have.
    #48VerfasserMe (GB) (745809) 20 Aug. 13, 15:35
    Kommentar
    #44: Stümmt. Ich meinte das unbetonte e, das nicht zu ö/ü wird. Allerdings habe ich mir jetzt so oft "Gewieher" vorgesprochen, dass ich a) dessen nicht mehr sicher bin und mich b) meine Familie endgültig für bescheuert hält ;-)

    Was das Geschnarre unseliger Zeiten betrifft: Ich habe meinem blinden Vater das Hörbuch zu "Er ist wieder da" geschenkt, gesprochen von Christoph Maria Herbst. Mein Vater hat es nach wenigen Minuten ausgestellt, weil er die "authentische" Sprechweise nicht ertragen konnte.
    #49Verfasser Raudona (255425) 20 Aug. 13, 22:11
    Kommentar
    Was das Geschnarre unseliger Zeiten betrifft: Ich vermute stark, dass die Schauspieler und Sprecher in der ersten Hälfte des Jahrhunderts noch eine striktere Schulung durchgemacht haben als heute. Die wurden noch mehr auf die Standardaussprache und Bühnenaussprache nach Siebs und Duden gedrillt.
    Ausgebildete Schauspieler klangen auch in Spielfilmen so, nicht nur die Sprecher der Wochenschau.
    #50Verfasser manni3 (305129) 20 Aug. 13, 22:21
    Kommentar
    Mit Ausnahme der "Feuerzangenbowle": Die Sprechweise der "Schüler" ist für heutige Verhältnisse ziemlich normal. Die Frauen hingegen klingen gekünstelt; früher sprachen die Frauen auch höher als heute.
    #51Verfasser Raudona (255425) 20 Aug. 13, 22:34
    Kommentar
    Generell artikulieren die Schauspieler in Fernseh- und Kinofilmen viel undeutlicher, um nicht zu sagen, sie nuscheln. Auch das Sprechtempo ist höher als früher - Teil der Hektisierung des sozialen Lebens. Darunter leidet natürlich die Verständlichkeit.

    Dazu kommt ein Aussprachephänomen in der Standardsprache bzw. im Film, das sozial oder regional entstanden ist, jedenfalls aber eindeutig die jüngeren Generationen betrifft: das R wird nach Vokalen als abgeschwächtes A ausgesprochen: die Beage (statt die Berge). Das kann man als konsequente Entwicklung sehen: zunächst betont gerolltes R, dann ein schwaches R, schließlich gar keines mehr. Kombiniert wird das mit einer Öffnung des E. War das E bei Erde früher geschlossen, ist hört man es jetzt vor R auch extrem offen wie im englischen "bear".
    #52Verfasser M-A-Z (306843) 21 Aug. 13, 10:52
    Kommentar
    Soll noch mal einer die Regel aufstellen: Schreibe wie du sprichst ;-)

    M-A-Z, das fällt für mich unter das Hambuach-Hannöva'sche Phänomen, das ich in #17 beschrieben habe: Posh!
    #53Verfasser manni3 (305129) 21 Aug. 13, 11:24
    Kommentar
    Manni, wenn es tatsächlich Hamburg (und umzu) wäre, würdest Du sehr viel mehr Diphthongisierung von einigen Vokalen hören. Bsp.: Dösbaddel = Dö(i)sbaddəl. Hähnchen = Hä(i)nchen. Gehstock = Ge(i)stock. Usw.
    (Ich glaube, die Leute hier hätten wenig Probleme mit australischem Englisch ;-) ).
    #54Verfasser GuggstDu (427193) 21 Aug. 13, 12:30
    Kommentar
    Hehe, dann doch Hannöversch mit langen Vokalen!

    Nänänä, ich bin schon posh geboan! Nänänä!
    #55Verfasser Raudona (255425) 21 Aug. 13, 12:49
    Kommentar
    OT re #48: I've just had a look at the Queen's Christmas speech from 1957 and cannot hear any notable difference from those from the late 1990's.

    Her voice has got deeper, IMO.
    #56VerfasserKinkyAfro (587241) 21 Aug. 13, 13:01
    Kommentar
    War da nicht was, dass sie statt "happay" jetzt "happy" sagt (oder umgekehrt, so genau weiß ich das nicht mehr)?
    #57Verfasser JanZ (805098) 21 Aug. 13, 14:37
    Kommentar
    Was das Deutsche angeht, kann ich #52 insoweit beipflichten, als in meiner persönlichen Aussprache (norddeutsch) jeweils 1.) /ɛ/, /ɛ:/ und /e:/, 2.) /ɔ/ und /o:/ und 3.) /ɶ/ und /ø:/ vor /r/ + Konsonant oder /r/ + Wortende (also in den Stellungen, wo man in Norddeutschland das Rachen-/r/ oft als [ɐ] ausspricht) zusammenzufallen drohen, und zwar in einen Diphthong mit halblangem oder langem offenem, teilweise sehr offenem [ɛ], [ɔ], [ɶ] + [r] (oder + [ɐ]). Das heißt, Minimalpaare wie "zehrt" und "zerrt", "bohrten" und "Borten" (für ö fällt mir nichts ein) sind in meiner Varietät vom Zusammenfall bedroht. An mir selber stelle ich fest, dass ich im Inlaut von Morphemen den Zusammenfall mitmache, weil ich selbst nicht mehr sicher weiß, wo hier ein langer und wo ein kurzer Vokal stehen soll, dass ich aber in den Fällen, wo nach Vokal + /r/ eine Morphemgrenze folgt (also etwa in verzehr-t, verzerr-t) den Zusammenfall ungern toleriere und versuche, die beiden Fälle dadurch auseinanderzuhalten, dass ich "verzerrt" mit einem kurzen offenen [ɛ] und einem deutlichen [ʁ] oder sogar [ʀ] spreche und "verzehrt" mit einem möglichst geschlossenen [e:] (+ [ɐ] dann).

    Ich könnte also nicht mehr sagen, ob Wörter wie "Pferd", "Erde" einen langen oder einen kurzen Vokal enthalten sollen. Das gilt auch für /a(:)/ + /r/: Ist das a in "Bart" kurz? Es scheint mir so. In "Barde" auch? Keine Ahnung. Bei /i(:)/ + /r/ und bei /u(:)/ + /r/ ist der Unterschied aber bei mir noch vorhanden; hier gibt es Zusammenfall zwischen Kurz- und Langvokal vor /r/ nur in Westfalen und westlichen Niedersachsen, scheint mir (das Ergebnis ist jeweils ein gedehnter Vokal, "Gehiern").
    #58Verfasser Greysnow (765275) 21 Aug. 13, 15:00
    Kommentar
    Das heißt, Minimalpaare wie "zehrt" und "zerrt", "bohrten" und "Borten" (für ö fällt mir nichts ein) sind in meiner Varietät vom Zusammenfall bedroht.

    In meiner hat m.E. der Zusammenfall längst stattgefunden, aber ich bin ja auch aus Westfalen ;-) Ich wüsste nicht mal, wie man die Wörter jeweils verschieden aussprechen sollte ...
    #59Verfasser JanZ (805098) 21 Aug. 13, 15:03
    Kommentar
    @ 42 Harri Beau

    "Das Wort "Hund" kommt in #41 das erste mal vor. Was soll der also hier?"
    Wir hatten mal einen Hund, der war trainiert, beim Kommando "Hitler" in wütendes Gekläffe auszubrechen.

    @ Uljae

    "Revisionismus" ist kein wissenschaftlicher Begriff, das kann er gar nicht sein, sondern ein demagogischer, und zwar naturgemäß einer aus der politischen Ecke, die die historische Deutungshoheit erfolgreich für sich vereinnahmt zu haben glaubt. Nur falls du hier weiterhin beharrlich anderer Leute abweichende Auffassung mit deinen Kenntnislücken verwechseln solltest.
    #60VerfasserStarost (825755) 21 Aug. 13, 23:13
    Kommentar
    >In meiner hat m.E. der Zusammenfall längst stattgefunden, aber ich bin ja auch aus Westfalen ;-) Ich wüsste nicht mal, wie man die Wörter jeweils verschieden aussprechen sollte ...

    aus Min, Lün oder Kam? Oda Beachkam? Oda Padaboan?

    (Altötting reimt sich nicht mit Göttingen)
    #61Verfasser Frank01 (731116) 22 Aug. 13, 00:27
    Kommentar
    @ aus Min, Lün oder Kam?
    Beliebte Rätselfrage: Deutsche Stadt mit einem Buchstaben? - M!

    @ Altötting - die maulfaulen bairischen -ing-Orte ;-)
    Im Schwäbischen wäre das immerhin Sindelfingen - Sindlfinge; das reimt sich aber immer noch nicht auf Göttingen - Göttingng
    #62Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 07:48
    Kommentar
    Sendlfenga

    eher, wenn es "richtiges" Schwäbisch ist.
    #63VerfasserStarost (825755) 22 Aug. 13, 08:35
    Kommentar
    aus Min, Lün oder Kam?

    Nee, aber ganz in der Nähe der letzteren beiden. Die Schreibweisen sind übrigens ein wenig ungenau, bei "Mindn" hört man m.E. schon ein zumindest angedeutetes d und bei "Lün'n" und "Kam'm" wird der letzte Konsonant verlängert, das lässt sich nur schlecht schreiben ;-).
    #64Verfasser JanZ (805098) 22 Aug. 13, 08:55
    Kommentar
    Min, Lün und Kam sind also zweisilbige Wörter? Dann ist M auch eins ;-)
    #65Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 09:02
    Kommentar
    Sorry to be so dense, but could someone please translate those cities? Gracias.

    Back to the original question: I know I've asked a time or two before about the vowel length of gibt, gibst, and Gib!, and I'm afraid I forget the answer every time, but I thought I remembered that some people seemed surprised by the question and unsure whether it should be short or long.

    Recently I saw the rebroadcast of Parsifal from the Met (Jonas Kaufmann and several good basses, weird staging with lots of blood, but worth seeing) and was reading along in an old libretto and came across these lines:

    Er—Er—,
    der einst mein Lachen bestraft :
    sein Fluch—ha !—mir giebt er Kraft ;
    gegen dich selbst ruf' ich die Wehr,
    gieb'st du dem Sünder des Mitleid's Ehr'!—


    That made it look like it was originally a long vowel, right?

    I also wondered in passing if the older spellings (das verrath'ne Heiligthum; blöder, taumelder Thor; traute, theuerste Mutter; schauert, bebt und zukt; in grausen Nöthen / den Leib sich quälen und ertödten ...) might have once represented a different pronunciation. For example, was TH by any chance more aspirated? Why were some words written with T, and others with TH?
    #66Verfasser hm -- us (236141) 22 Aug. 13, 09:38
    Kommentar
    Sorry to be so dense, but could someone please translate those cities? Gracias.

    Minden, Lünen, Kamen ;-).

    That made it look like it was originally a long vowel, right?

    Ist das nicht heute noch eine Nord-Süd-Differenz, ob man "gippt" oder "giebt" sagt? Bei mir ist es eindeutig ersteres, zu letzterem müssen die Südler etwas sagen.
    #67Verfasser JanZ (805098) 22 Aug. 13, 09:44
    Kommentar
    Aha; thanks, no wonder I hadn't heard of them. (Making note to check atlas ...)

    North-South could make sense; I'll be interested to see what others say. But then my question would be, am I right in thinking that as a general rule, southern usage tends to preserve historic/older forms and northern usage tends to change more readily? That might fit with the observations about the disappearing difference between short and long vowels in the north. Or is that a cliché that doesn't really hold up in practice, the rural southerners so isolated in their mountain valleys, the commercial northerners visiting their flatland neighbors and seafaring ... It does seem sort of too pat to be true.

    If it's a N/S difference in the modern day, which would you recommend for singing, gippt or giebt? Not only Wagner, but, say, Bach, Schubert, whatever.

    Will check back tomorrow; thanks in advance.
    #68Verfasser hm -- us (236141) 22 Aug. 13, 09:56
    Kommentar
    >which would you recommend for singing, gippt or giebt?

    giebt. In general, the southern way of pronouncing high-german words is correct - e.g. Weg instead of Weech.
    #69Verfasser Frank01 (731116) 22 Aug. 13, 10:02
    Kommentar
    @ 62 M [ɛm] - Emden

    @ 68 recommend for singing, gippt or giebt? Den Notenwert. Man kann nicht pt eine halbe Note lang aushalten ;-)

    @ 69 In general, the southern way of pronouncing high-german words is correct - Diese Verallgemeinerung finde ich zu pauschal.

    Bei Bühnendeutsch (wikipedia) ... handelt es sich im Wesentlichen um eine „norddeutsche“ Aussprache der sich ursprünglich an „süddeutschen“ Aussprachegewohnheiten orientierenden neuhochdeutschen Schriftsprache. Ein Beispiel dafür ist die Vorgabe, die Endsilbe „-ig“ grundsätzlich wie „-ich“ auszusprechen, wofür jedoch raumakustische Gründe vorgebracht wurden und nicht etwa eine besondere „Richtigkeit“. Dennoch hat sich die Aussprache „-ich“ als „korrekt“ etabliert.

    Kurz: hochdeutscher Lautstand mit niederdeutschen Lautwerten

    Weg - [ve:k]
    'Weech' ist irgendeine regionale Umgangssprache.

    #70Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 10:13
    Kommentar
    'Weech' ist irgendeine regionale Umgangssprache.

    ..dessen Region aber locker 25 Millionen Einwohner hat.
    #71Verfasser Harri Beau (812872) 22 Aug. 13, 10:25
    Kommentar
    Es ist trotzdem eine Region - oder willst Du damit sagen, Weech sei standardsprachlich?

    Auch wir [ve:g]-statt-[ve:k]-Sager bringens locker auf 25 Millionen ;-)
    #72Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 10:27
    Kommentar
    @ 68 recommend for singing, gippt or giebt? Den Notenwert. Man kann nicht pt eine halbe Note lang aushalten ;-)

    Da gibt es aber auch einen Unterschied in der Qualität, nicht nur in der Quantität: /gɪpt/ vs. /giːpt/
    #73Verfasser JanZ (805098) 22 Aug. 13, 10:32
    Kommentar
    Eine halbe Note lang /gɪ ɪ ɪ ɪ ɪpt/ in einem Largo?
    #74Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 10:33
    Kommentar
    Isländer können so was wohl ;-)
    #75Verfasser JanZ (805098) 22 Aug. 13, 10:40
    Kommentar
    Ah drumm(!!!) ist das Konservatorium in Reykjavik so bekannt ;-)
    #76Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 10:44
    Kommentar
    @68: Der Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen ist im Allgemeinen auch in Norddeutschland lebendig, gesund und munter. Von einem generellen Zusammenfall ist keine Rede.

    Aber: In folgenden Fällen gibt es in Norddeutschland in der Tat eine Tendenz zum Zusammenfall (nicht alle Sprecher folgen dieser Tendenz, aber ich vermute, es handelt sich um einen Lautwandel, der dabei ist, sich auszubreiten und vielleicht irgendwann allgemein zu werden):

    1. Wie erwähnt, bei a-, e-, o- und ö-Lauten vor /r/ am Silbenende (d.h. vor Konsonant oder Wortgrenze). Bei i-, u- und ü-Lauten ist der Zusammenfall auf Westfalen und das (süd-?)westliche Niedersachsen beschränkt; Aussprachen wie "Gehiern" und "kuhrz" (manchmal zu hören als "kuh-az") und "wührde" sind auch für Sprecher des norddeutschen Standards regional markiert.

    2. Unbetonte Vokale in offenen Silben (Re-vo-lu-tion, [revolu'tsjo:n]), die früher generell geschlossen ausgesprochen wurden (aber immer schon kurz), neigen zur Öffnung: [rɛvɔlʊ'tsjo:n]. Allerdings ist das m.E. kein phonemischer Zusammenfall, weil e/ɛ etc. hier früher komplementär verteilt waren ([e] in offenen Silben, [ɛ] in geschlossenen).

    3. Es gibt einige weitere Fälle, wo die Aussprache schwankt: so in gibt, gibst etc. und in Wörtern auf -ik wie Kritik, Politik etc. Hier höre ich manchmal sogar eine Art Kompromissvokal zwischen [ɪ] und [i:], nämlich ein kurzes, geschlossenes i.

    (Die norddeutsche Aussprache mit kurzem Vokal in Rad, Bad etc. ist einfach eine Abweichung von der Norm und kein Beispiel für Vokalzusammenfall.)
    #77Verfasser Greysnow (765275) 22 Aug. 13, 10:54
    Kommentar
    In meiner Region reimt sich Spaß auf nass.

    So ganz logisch ist das alles nicht. Ich sage Farradfaarer, obwohl beidesmal ein 'ah' geschrieben steht.
    #78Verfasser Harri Beau (812872) 22 Aug. 13, 11:03
    Kommentar
    Wisst ihr, ob es irgendwo (frei zugänglich) Audiodateien oder sowas gibt, wo man sich einzelne Laute gesprochen anhören kann? Ich kann mir ehrlich gesagt den Unterschied zwischen /ɪ/, /iː/ und einem Kompromiss zwischen /ɪ/ und /iː/, wenn alle drei dann auch noch jeweils kurz oder lang sein können, beim besten Willen nicht vorstellen. Wie hört sich das an?
    #79Verfasser pelican island (339101) 22 Aug. 13, 11:06
    Kommentar
    @68
    1. Wie erwähnt, bei a-, e-, o- und ö-Lauten vor /r/ am Silbenende (d.h. vor Konsonant oder Wortgrenze). Bei i-, u- und ü-Lauten ist der Zusammenfall auf Westfalen und das (süd-?)westliche Niedersachsen beschränkt; Aussprachen wie "Gehiern" und "kuhrz" (manchmal zu hören als "kuh-az") und "wührde" sind auch für Sprecher des norddeutschen Standards regional markiert.

    Das kann ich für den mir bekannten Teil Westfalens nicht bestätigen.
    Gehirn - Gehian
    kurz - kuaz
    würde - wüade
    Ich kenne keinen aus Westfalen, der i, u, ü in diesen Fällen dehnen würde. Das zu einem a-Laut mutierende r wird aber von manchen stark gedehnt (Gehiaan, kuaaz... beides schon gehört).
    #80VerfasserOlliU (762534) 22 Aug. 13, 11:11
    Kommentar
    Entschuldigung, wenn ich gleich noch mal poste, aber es sind mir noch zwei Fälle eingefallen, wo sich zumindest meine persönliche Aussprache im Laufe der Zeit verändert hat (ich bin jetzt 46):

    1. Die Endung -en nach /m, n, ŋ/ habe ich, brav norddeutsch, früher als deutlich silbische [m, n, ŋ] ausgesprochen, d.h. die Verlängerung des Konsonanten und der neue Silbengipfel waren deutlich hörbar (Rahmen > Rahm'm). Ich bin mit zwanzig von der Unterelbe nach Berlin gezogen, vielleicht liegt es auch daran, aber in der letzten Zeit ertappe ich mich dabei, wie ich bei schnellem Sprechen das silbische [m, n, ŋ] auch mal ganz weglasse (> Rahm). Ich meine, das wäre bei mir früher nicht so gewesen.

    2. Ich weiß ziemlich genau, dass ich als Teenager noch auslautendes -er (z.B. in Vater) und -a (z.B. in Afrika) noch unterschieden habe, und zwar als [ɐ] (-er) vs. [a(:)] (-a). Mittlerweile habe ich meistens Zusammenfall in [ɐ], d.h. der letzte Vokal in Afrika ist höher und kürzer geworden.

    Ich vermute, das könnte Berliner Einfluss sein. Übrigens ist auch in diesem Punkt die norddeutsche Umgangssprache nicht regional homogen: In Mecklenburg-Vorpommern ist bei breitem Akzent z.B. Vater ['fa:tɛ], mit offenem [ɛ] am Schluss. Ich finde es lustig, wie sich auf dem Gebiet der neuen Bundesländer dieser Vokal von Süden nach Norden ändert (bei dialektbeeinflusster Aussprache): Süden [ɔ] "Vaddoh", Mitte [a] "Vatta", Norden [ɛ] "Vaddä".
    #81Verfasser Greysnow (765275) 22 Aug. 13, 11:13
    Kommentar
    Ich würde ja sagen, das ist Sachsen: [ɔ] "Vaddoh"
    Jedenfalls schreiben Sachsen oft so ihre Aussprache des "-er" (wenn ich mich recht erinnere - sind Sachsen hier?).

    Im Allgäu werden übrigens in der dialektnahen Umgangssprache die End-r gesprochen (Zungenspitzen-r, gell!): Vaddr, Bier (mit Diphthong)

    #82Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 11:18
    Kommentar
    @82: "auf dem Gebiet der neuen Bundesländer"
    @80: Will mich nicht als Experte für ganz Westfalen aufspielen, habe aber von westfälischen Sprechern "Gehiern", "wührde" deutlich gehört (Bochum/Dortmund/Sauerland). Welcher ist Dein Teil Westfalens?
    #83Verfasser Greysnow (765275) 22 Aug. 13, 11:22
    Kommentar
    @ "auf dem Gebiet der neuen Bundesländer" - Ich weiß, wo Sachsen liegt. Ich war da schon mal ;-)
    Und ich weiß auch, dass nicht in allen "neuen Bundesländern" Sächsisch gesprochen wird. Ich war auch schon mal in Mēēēklenburg ;-))
    #84Verfasser manni3 (305129) 22 Aug. 13, 11:31
    Kommentar
    @Greysnow: ich wette, Du hast in Bochum und Dortmund nicht "Gehiern" sondern "Gehiaan" gehört. Der Ruhri an sich hat ein leicht gespaltenes bis gestörtes Verhältnis zum Binnen-R, das er gerne ignoriert oder zum gezogenen A wandelt.
    Meine Grundschullehrerinnen sind mit schöner Regelmäßigkeit an uns verzweifelt (Kiaache, Beaachweaak, ...).
    #85Verfasser Chaja (236098) 22 Aug. 13, 11:53
    Kommentar
    Und, Chaja, kannst Du so etwas wie "Gehiaan" mit einem ungespannten kurzen /ɪ/ aussprechen? Ich vermute, Du meinst letztendlich [ia], wobei ich das mit "Gehiern" meinte.
    #86Verfasser Greysnow (765275) 22 Aug. 13, 11:57
    Kommentar
    @83
    Im Bereich Paderborn/Detmold/Bielefeld, also eher der Nordosten Westfalens (Lippisch-Wesfälische Gegend).
    Im Ruhrpott wird die Aussprache dann deutlich "breiter", da hast du schon recht.
    #87VerfasserOlliU (762534) 22 Aug. 13, 11:59
    Kommentar
    @Greysnow: ich beherrsche die Wiedergabe in Lautschrift nur sehr unzulänglich, deshalb muß ich auf gewöhnliche lateinische Buchstaben zurückgreifen.
    Ich habe jetzt ein Weilchen Ausspracheexperimente angestellt (und mich dabei von meinen Kollegen blöd ankucken lassen) und bin zu dem Schluß gekommen, daß bei mir "Gehiaan" deutlich anders klingt als "Gehiern". Meine "Kindheitsvariante" hat die Betonung deutlich mehr auf dem gezogenen A als auf dem I. "Gehiern" klänge bei mir eher wie "Gehie-en", d.h. das R würde nicht zum A sondern zum Schwa und das I wäre signifikant länger.
    [Meine heutige Aussprache (gute 30 Jahre und einige Umzüge später) hat ein kurzes I und das R liegt in der Aussprache irgendwo zwischen A und Schwa. Ein gestörtes Verhältnis (gestöates Vahältnis) zum Binnen-R habe ich offenbar immer noch.]
    #88Verfasser Chaja (236098) 22 Aug. 13, 12:10
    Kommentar
    @88

    Das "Gehieen" wollte ich noch reineditieren, da warst du mir schon zuvorgekommen. So ähnlich klang das jedenfalls, bei einem Kumpel aus Bochum.

    Und ein Schluss-R oder -L wird im Pott ja auch gerne mal weggelassen. "Hö ma... wat solln dat weaden, wenns fetich is..." ;)

    Meine wesfälischen Lieblingswörter:
    Fluchzeuch
    Bäach
    #89VerfasserOlliU (762534) 22 Aug. 13, 12:18
    Kommentar
    @88, 89: Wollemer uns niech streiten, woll. Ich meinte mit "Gehiern" ein deutlich gespanntes i (nicht unbedingt ein sehr langes).

    Wer kann im Sinne des OP noch andere Entwicklungen beisteuern, die sie/er zu Lebzeiten beobachtet hat?
    #90Verfasser Greysnow (765275) 22 Aug. 13, 12:27
    Kommentar
    >Meine wesfälischen Lieblingswörter:
    Fluchzeuch
    Bäach


    Versuch macht kluch. Da hab ich lange für gebraucht um zu merken, daß sich das bei denen ja gar nicht "reim dich oder ich schlag dich" ist.

    im Sinne von #0:

    so was hier hört man aus naheliegenden Gründen immer seltener :

    http://www.youtube.com/watch?v=19kiR6Wvwuo
    #91Verfasser Frank01 (731116) 22 Aug. 13, 20:01
    Kommentar
    #65, Manni3: "Min, Lün und Kam sind also zweisilbige Wörter?"

    Lün und Kam nicht, aber Min (Min!n, mit Stoßlaut/glottal stop ;-) ).
    #92Verfasser GuggstDu (427193) 22 Aug. 13, 22:05
    Kommentar
    Aha! Das d!!
    Frage zu den Feinheiten nördlicher Aussprache:
    Stoßlaut oder Gaumensegel - glottal oder velar?

    Bei mir wärs eher Min-gn ;-)
    #93Verfasser manni3 (305129) 23 Aug. 13, 11:37
    Kommentar
    Versuch macht kluch.

    Das spreche ich als Westfale aber auch nur in dem Spruch so aus ;-).

    Da hab ich lange für gebraucht

    Aus dem tiefen Süden bist du aber auch nicht, oder war das jetzt Absicht?

    Übrigens wird auch das t z.B. in Dortmund oder Wattenscheid gerne durch eine Art "glottal stop" ersetzt.
    #94Verfasser JanZ (805098) 23 Aug. 13, 11:41
    Kommentar
    Auch zu Dortmund und Wattenscheid nochmal:
    glottal oder velar?

    s. mein Versuch der Transkription in #31:
    Gunnahmgmeinedamunterrn / Gugnahmgmeinedamunterrn
    #95Verfasser manni3 (305129) 23 Aug. 13, 11:44
    Kommentar
    Uff, so bewandert in Phonetik bin ich leider nicht :-(.
    #96Verfasser JanZ (805098) 23 Aug. 13, 11:55
    Kommentar
    Na, glottal liegt doch ca. 6,73 mm tiefer im Rachen ;-))

    'velar' ist am Gaumensegel, also an der Stelle, wo auch g und k gebildet werden.
    Bei 'glottal' sind es die Stimmbänder, die den Luftstrom unterbrechen.
    #97Verfasser manni3 (305129) 23 Aug. 13, 12:21
    Kommentar
    >Aus dem tiefen Süden bist du aber auch nicht, oder war das jetzt Absicht?

    Des isch fei scho mit Fleiß gwä.
    #98Verfasser Frank01 (731116) 23 Aug. 13, 12:25
    Kommentar
    Du bischbr fei scho a räechda Siech ;-)
    #99Verfasser manni3 (305129) 23 Aug. 13, 12:33
    Kommentar
    >Siech

    auha, des isch ja fascht scho Züridütsch.
    #100Verfasser Frank01 (731116) 23 Aug. 13, 12:34
    Kommentar
    Allgai :-)
    Kennsch dees?
    #101Verfasser manni3 (305129) 23 Aug. 13, 13:08
    Kommentar
    Pelikans Anfrage in #79 ist noch nicht beantwortet, glaube ich.
    Ich kann mir ehrlich gesagt den Unterschied zwischen /ɪ/, /iː/ und einem Kompromiss zwischen /ɪ/ und /iː/ ... beim besten Willen nicht vorstellen.

    Da die Aussprache stark von der Position im Wort abhängt, wirst du wohl keine Audiodateien für die einzelnen Laute finden. Und wenn du sie im Wort hörst, weißt du vermutlich nicht, worauf du achten musst, und sie hören sich "ganz normal" an.

    Ich versuch's mal als Trockenübung. Mit der Länge des "i" ändert sich auch die Qualität des "i", das heißt, sein Klang. Der einzige Vokal im Deutschen, dessen Qualität bei Länge und Kürze gleich ist, ist das "a".

    Wenn du das Wortpaar "Liebe -- Lippe" ein paar mal hintereinander sprichst und beim dritten oder vierten Versuch auf das "i" achtest, wirst du feststellen, dass sich die Zunge beim Wort "Lippe" weiter hinten im Mund herumtreibt. Das "i" ist "dumpfer", viel mehr im "ö"- oder "ə"-Bereich. Das ist das /ɪ/. Beim /iː/ ist nicht nur die Länge eine andere. Die Lippen sind auch ein wenig gespannter (lächel!), und die Zunge ist weiter vorn. Und warum schreibt man das kurze nicht einfach als /i/, ohne das Längenzeichen?

    Während es kein langes /ɪ/ im Deutschen gibt, gibt es sehr wohl ein kurzes /i/. Es kommt nur in unbetonten und offenen (nicht durch einen Konsonanten abgeschlossenen) Silben in bestimmten Fremdwörtern vor. "Vitamin" ist so eins (nur das erste i, das zweite ist lang).

    (Wie ein "Kompromiss" zwischen den beiden i-Qualitäten aussieht, kann ich mir auch nicht vorstellen. Es gibt in jeder Region Sprecher, die "laxer", und solche, die "gespannter" sprechen, und dazu natürlich regionale Grundtendenzen, wie sie hier schon erwähnt wurden.)

    Das gleiche Phänomen wie beim "i" gibt es bei o, u und e. In der Regel ist die kurze Variante immer offener als die lange, also "Rose" (roːzə) gegenüber "Rosse" (rɔsə). (Beim "o" merkt man auch eine deutlich andere Lippenstellung.) Aber auch hier gibt es die Fremdwörter, die eine Ausnahme machen: enorm, Genom; oral, Roman (vgl. "Revolver" mit betontem und "Revolution" mit unbetontem o zuerst, betontem am Ende); Ural, Urin.

    (Das sind natürlich Standardaussprachen. Wenn die Westfalen kein "r" sprechen, dann liegt das daran, dass sie sich bei den Vokalen so sehr anstrengen (so gespannt sprechen), dass bis zum nächsten Konsonanten gar keine Zeit mehr bleibt, zwischendurch das Gaumensegel in Gang zu setzen, zum Beispiel in "Erde": Eeeh-a-de. Sagt "Ärde", liebe Westfalen, dann klappt's auch mit dem "r" (-;)

    Das hat jetzt mit Aussprachewandel natürlich nicht so viel zu tun...
    #102Verfasser sebastianW (382026) 24 Aug. 13, 00:17
    Kommentar
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    Historisch interessant ist vielleicht die Erläuterung der deutschen Aussprache für englische Benutzer des großen Muret-Sanders von 1900/1901. Der Muret-Sanders war das Folgeprojekt des Verlags Langenscheidt für den Sachs-Villatte, der die damals bedeutendste erste Fremdsprache für Deutsche, das Französische, in vorher nicht gekanntem Umfang abbildete. Das letztlich vierbändige Werk erschien im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in Lieferungen und wurde erstmals um 1900 komplett in Buchform vorgelegt. Es war (und ist) das größte zweisprachige Wörterbuch für die englische Sprache. Die ersten Auflagen sind besonders interessant, weil sie nicht nur den technischen Wortschatz der Zeit möglichst vollständig dokumentieren (in neueren Auflagen längst gelöscht), sondern auch mit den "detached observations" zahlreiche Listen, Zusammenstellungen und Übersichten bieten, die es in dieser Form nicht mehr gibt (so gab es ein separates Verzeichnis der deutschen regionalen Maße und Gewichte vor der deutschen Reichsgründung, samt Umrechnungen in die Dezimalformen, vergleichende Währungstabellen, Grammatik- und Aussprachehilfen).

    Der "Short Guide to German Pronunciation" im englisch-deutschen Teil, der als Einführung für englische Leser gedacht ist, umfasst immerhin rund 15 Lexikonspalten und gibt einen guten Überblick über die für korrekt gehaltene deutsche Aussprache der Zeit mitsamt Hinweisen auf regionale oder nicht nachahmenswerte Varianten. Ich greife nur ein paar Bemerkungen heraus, die zeigen, was sich seither am deutlichsten verändert hat (G. heißt German, E. English, Hervorhebungen (fett) von mir, Frakturschrift deutscher Wörter als Kursive, engl. Übersetzung deutscher Beispielwörter ausgelassen):

    1. "R"

    "The G. r is a glottal trill. The tongue is arched and loosely supported against the lower gums, while its tip is made to vibrate by means of a well sustained breathing action. [...] There are in Germany, as in England, a great many local and individual r's. The E. vocal r [...] is rare, and certainly not to be recommended. Good German speakers trill all r's, whether initial, medial, or terminal [...]. A weaker, guttural r is, however, spreading in many G. towns, and the teachers are carrying on an unceasing warfare with this new comer."

    2. The ich-sound ...

    "The ich-sound is met with:
    a) as initial ch in words of foreign origin: Chemie, China, Charon, Cherubim.
    b) [Beispiele wie heute noch gültig für ch in deutschen Wörtern in Verbindung mit "hellen" Vokalen, Milch, mächtig, sicher...]
    c) as terminal g after consonants and front vowels:
    Talg, Berg, Krieg, König, Weg, trüg', zög', Zeug."

    3. The ach-sound and central g

    " [Erläuterung zur Artikulation des stimmlosen ach-sounds mit Verweis auf Schottland, dann:]
    Central g after back-vowels (a, o, u) is the flat and voiced ach-sound. We may start with the g-position in egg, and then loosen the tongue from the palate, allowing a thin stream of air to pass between.

    The ach-sound appears:

    a) as ch after back vowels: macht, noch, suche, Bauch; as cch in: Bacchus.
    b) as terminal g after back vowels: Tag, bog, trug, saug.
    In some G. dialects, after both front and back vowels, terminal g sounds like k.

    The flat central g-sound after consonants and front vowels is found in: Tage, Bogen, trugen, Augen.

    Central g after consonants and front vowels may be either the consonant y in yell, distinctly buzzed, or the ich-sound, the latter especially in the South-West of Germany. The best pronunciation lies somewhere between the two. -- Examples: Belgien, biege, Züge, zöge."

    [Vgl. dazu unter "g": anlautendes "g" wie im E. give, gap, norddt. Abweichung zu "j" wird erwähnt (berlinerisch Mein Jott!); als zentrales "g" so aber nur ("mostly", Ausnahmen werden nicht genannt) in Fremdwörtern wie Lagune, Bagatelle, Kongreß.]

    -- Ende Zitate Muret-Sanders. Die deutsche Aussprache wurde erläutert von H. Baumann, ehemaligem Leiter der Anglo-German School in Brixton, S.W. London, Master of Arts der Universität London, einem dieser unermüdlichen Erklärer und Vermittler aus der unauffälligen zweiten Reihe, die so gern unterschätzt werden, und dem hier ein ehrendes Andenken mehr als gebührt --


    Sehr interessant: "Guten Tach", "ich sach mal", "ich gehe auf den Berch" gelten nicht als "norddeutsche" Abweichungen, sondern als Standard. Und zwischen anlautendem "g" wie in "Gabe" und zwischenvokalischem "g" wie in "Augen" wird ein deutlicher Ausspracheunterschied gesehen, der heute verschwunden ist. Tatsächlich wird dieses zwischenvokalische "g" als stimmhafte Variante des ach-Lauts gesehen, nicht als Variante von "g".


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    Zusatz zu hm--us #66:

    Orthographische Abweichungen, die regionale Aussprachen spiegeln, betreffen im 19. Jh vor allem die Vokallänge, daher giebt, Schooß, u.a., aber auch den ich-Laut (Mädgen).

    Das TH wird als Kennzeichnung der Aspiration erklärt, schon 16. Jh, und zwar in Abgrenzung zu Latein, das -- wie viele romanische Sprachen -- das "t" nicht aspiriert. Es betrifft vor allem An- und Auslaute von einsilbigen (also besonders "hervorgestoßenen") Wörtern, bei denen die Aspiration im Gegensatz zum Latein deutlich auffiel, sowie deren Ableitungen: Thor, That, Wuth, Rath; wüthen, rathen ... Da im Deutschen aber alle "t"-Laute aspiriert sind (vgl. Französisch), wurde diese lateinorientierte Unterscheidung 1901 als bedeutungslos abgeschafft. Beibehalten wurde sie aus etymologischen Gründen bei griechischstämmigen Wörtern wie Thron, Theater, These, wo im Griechischen ein Theta und nicht ein Tau steht. Eine Differenzierung, die Homophone (also mündlich gleichklingende Wörter) im Schriftbild unterscheidbar machte (so wie in Laib/Leib, Moor/Mohr), wurde damit zwangsläufig ebenfalls aufgegeben. So hieß es früher Thau (= "dew") gegenüber Tau (= "rope"). Dafür war der germanische Gott Thor jetzt vom Dummkopf "Tor" unterschieden.
    #103Verfasser sebastianW (382026) 24 Aug. 13, 05:20
     
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