| Kommentar | Bei uns am Gymnasium konnte man in der 9. Klasse Russisch als ganz reguläres Fach wählen. Hätte ich auch sehr gern gemacht, aber Französisch war mir wichtiger. Ich hätte nämlich in der 7. Klasse Latein gewählt mit dem Wissen, dass ich zwei Jahre später immer noch mit Französisch anfangen konnte. Hätte es die Möglichkeit nicht gegeben, hätte ich schon bei der ersten Wahl Französisch genommen. Es gab in der 9 auch noch nicht-sprachliche Alternativen, aber die kamen für mich überhaupt nicht in Frage. In der Oberstufe wurde auch noch Spanisch angeboten, allerdings lag das zeitlich parallel zu Latein, wo nur noch ein Halbjahr zum Latinum fehlte. An der Stelle aufzuhören, war mir dann doch zu blöd, auch wenn ich es schade fand. Hab ich dann eben im Studium Spanisch gelernt, aber richtig warmgeworden bin ich damit nicht.
Wir 9er-Franzosen haben übrigens keinen großen Unterschied zu den 7er-Franzosen gemerkt, als wir dann in der 11 alle zusammenkamen. Der Wortschatz war bei denen, die es vier Jahre lang hatten, wohl etwas größer, aber notentechnisch waren wir auf einer Höhe. Ob das daran lag, dass wir Latein als Grundlage hatten, oder dass uns, weil wir ja zwei Jahre älter/reifer waren, einfach ein höheres Lerntempo zugemutet werden konnte, oder dass jede zuvor gelernte Sprache den Erwerb einer neuen Sprache erleichtert, oder dass diejenigen, die statt Informatik oder Pädagogik noch eine 3. Fremdsprache wählen, daran einfach mehr Interesse und vielleicht auch mehr Talent haben, vermag ich nicht zu sagen.
Ich habe Latein immer sehr gern gemocht, hatte aber auch großes Glück mit meinem ersten Lehrer. Er hat Latein zwar fachfremd, aber mit sehr viel Enthusiasmus und Humor unterrichtet, so dass wir es gar nicht als tote Sprache empfunden haben. Wir haben z. B. einmal eine römische Hochzeit nachgespielt, mit Verkleidungen usw. War sehr lustig! Nach nur einem Jahr kam dann eine "echte" Lateinerin, die wesentlich dröger war, aber viele waren da schon ziemlich gut dabei. In Naturwissenschaften war ich übrigens immer ziemlich schwach, in Latein dagegen sehr gut. (Nicht, dass davon heute noch viel übrig wäre.) Mir liegt zwar das methodische, regelbasierte Lernen etwas besser als die modernere Konversationsschiene, aber deswegen habe ich trotzdem auch gute Französisch-Noten gehabt. Da gibt's schließlich auch Regeln, die man lernen und verstehen und anweden muss. Ich hätte Französisch auch gern als LK genommen, aber da gab es leider nicht genügend Gleichgesinnte.
Der Russisch-Kurs war übrigens immer sehr klein, aber fast alle in meiner Stufe, die damit angefangen haben, haben es auch durchgezogen, so sie nicht sitzengeblieben oder von der Schule abgegangen sind. Am Ende hatte der GK glaub ich noch 4 oder 5 Schüler. Die haben da bestimmt richtig viel gelernt ... |
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