Werbung - LEO ohne Werbung? LEO Pur
LEO

Sie scheinen einen AdBlocker zu verwenden.

Wollen Sie LEO unterstützen?

Dann deaktivieren Sie AdBlock für LEO, spenden Sie oder nutzen Sie LEO Pur!

 
  •  
  • Übersicht

    Sprachlabor

    "Literally" bedeutet sich selbst UND das Gegenteil?

    Betrifft

    "Literally" bedeutet sich selbst UND das Gegenteil?

    Kommentar
    ... people increasingly use “literally” to give extreme emphasis to a statement that cannot be true, as in: “My head literally exploded when I read Merriam-Webster, among others, is now sanctioning the use of literally to mean just the opposite.”
    Indeed, Ragan’s PR Daily reported last week that Webster, Macmillan Dictionary and Google have added this latter informal use of “literally” as part of the word’s official definition. The Cambridge Dictionary has also jumped on board.


    http://www.salon.com/2013/08/22/according_to_...

    Was meinen unsere ENS? Ist es nun durch die Hintertür legitimiert, "literally" falsch zu gebrauchen? Handelt es sich hier womöglich um einen verhängnisvollen Einfluss des deutschen "buchstäblich"?
    Verfasser Cuauhtlehuanitzin (1009442) 04 Jan. 16, 08:21
    Kommentar
    Wieso sollte es "legitimiert" sein, das Wort falsch zu verwenden, wenn irgendwo niedergeschrieben ist, dass es oft falsch verwendet wird?
    Und: Die wenigsten englischsprachigen Menschen, die "literally" falsch verwenden, dürften der deutschen Sprache ausreichend mächtig sein, dass "buchstäblich" irgendeinen Einfluss auf ihren Sprachgebrauch haben könnte.
    #1Verfasser Dragon (238202) 04 Jan. 16, 08:55
    Kommentar
    It's wrong--or at least bad, IMO. But get used to it--many people say it, and I'm sure it's here to stay.
    #2VerfasserHappyWarrior (964133) 04 Jan. 16, 09:36
    Kommentar
    Cuau is literally getting his knickers in a twist (or his panties in a roll, as I believe the AE version goes). The answer to both of his questions is no.

    (Chambers used to add the word 'absurdly' when faithfully recording such usages.)
    #3Verfasser escoville (237761) 04 Jan. 16, 09:38
    Kommentar
    (or his panties in a roll, as I believe the AE version goes)

    OT: Not familiar with that one, but I do know "... is getting his undies in a wad."
    #4Verfasser hbberlin (420040) 04 Jan. 16, 11:00
    Kommentar
    #1: Na ja ... aber wer benutzt es eigentlich falsch? Es gibt ja auch den krassen Fall des EU-Englischen, über den sich solche Böller wie "The Committee disposes of all authority" einschleichen, und auch dem liegt eine deutsche Formulierung zugrunde.
    #5Verfasser Cuauhtlehuanitzin (1009442) 04 Jan. 16, 13:44
    Kommentar
    Ketzerische Frage: Ist diese Verwendung überhaupt noch falsch? Sobald die Verwendungshäufigkeit eines Wortes bzw. einer Bedeutung eine magische, natürlich nicht genau festzulegende Grenze überschritten hat, ist dieser Gebrauch schlicht und einfach richtig, kraft der Macht des Faktischen. Ob das hier schon der Fall ist, kann ich nicht beurteilen; aber immerhin führt – neben den im OP genannten Wörterbüchern – nun auch oxforddictionaries.com diese Bedeutung auf:

    "Used for emphasis while not being literally true: 'I have received literally thousands of letters'"
    http://www.oxforddictionaries.com/definition/...
    #6Verfasser Cro-Mignon (751134) 04 Jan. 16, 14:11
    Kommentar
    #6: Die Frage ist nicht abschliessend zu beantworten. Ich zum Beispiel bin ein grosser Verfechter des 'descriptivist approach', gemäss welchem der Sprachgebrauch immer bestimmt, was korrekt ist und was nicht. (Was nicht heisst, dass ich nicht gewisse Formulierungen, na ja, unschön finde, aber das ist dann eher eine Frage des Geschmacks und der Gewohnheit.) Im Forum scheinen aber mehr 'prescriptivists' unterwegs zu sein. Schlussendlich ist es eine ideologische Frage.
    #7Verfasser Thirith (1037221) 04 Jan. 16, 14:39
    Kommentar
    @6 Yes. It's generally wrong, if for no other reason than that it will cause a reaction (disgust, contempt, bewilderment) in many listeners/readers that was not intended by the speaker/writer. The same goes for use of "they" instead of "he/she", especially in combination with a singular verb and the like. That is my descriptivist opinion.
    #8Verfasser RTH01 (932829) 04 Jan. 16, 14:42
    Kommentar
    #8: As far as singular they is concerned, https://stroppyeditor.wordpress.com/2015/04/2... makes some relevant points, e.g.

    "Singular 'they' is over 600 years old, going back into Middle English. Great writers have used it, including Chaucer, Shakespeare, Swift, Fielding, Austen, Defoe, Byron, Thackeray and Shaw. It appears in the King James Bible of 1611 and in formal prose century after century."
    #9Verfasser Thirith (1037221) 04 Jan. 16, 14:48
    Kommentar
    "Eat more shit! Billions of flies can't be wrong."

    Re. descriptivist approach ...
    #10Verfasser mbshu (874725) 04 Jan. 16, 14:57
    Kommentar
    @9

    Thomas More, 1533: “Neyther Tyndale there nor thys preacher here hath by theyr maner of expounynge… wonne them self mych wurshyp”

    It might not be wrong, but it certainly looks sloppy to me.
    #11Verfasser RTH01 (932829) 04 Jan. 16, 15:05
    Kommentar
    In the goode olde times when there were far more "e"s around... and "y"s, obviously. :-)
    #12Verfasser tigger (236106) 04 Jan. 16, 15:12
    Kommentar
    "Eat more shit! Billions of flies can't be wrong."

    Richtig, also lasst uns alle korrigieren, die kein korrektes Proto-Indogermanisch sprechen. Wo kämen wir denn da hin ...
    #13Verfasser JanZ (805098) 04 Jan. 16, 15:38
    Kommentar
    Natürlich unterliegt Sprache Wandel, aber die falsche Verwendung von literally (in beiden Sprachen) nervt mich auch immens, weil es ja gerade darum geht, dass etwas tatsächlich passiert: He literally broke his back trying to stop her from leaving heißt, dass er die Treppe runtergefallen ist, als er ihr nachrannte, und nicht, dass er sich Mühe gegeben hat. Es gibt doch genug alternative Ausdrücke, wenn ich eine figurative Bedeutung meine - warum zum Kuckuck muss man dann ein Wort verwenden, dass das Gegenteil bedeutet? Und wenn es sich etabliert, wie drücke ich dann aus, wenn etwas im alten Sinn buchstäblich passiert? "tatsächlich buchstäblich"? Sehr hübsch...

    Gegen manches darf man sich auch wehren. Ob das Erfolg hat, ist einen andere Sache, aber das trifft auf fast alles zu.
    #14Verfasser Gibson (418762) 04 Jan. 16, 16:01
    Kommentar
    #14: Absolut einverstanden, Gibson, aber ehrlich gesagt sehe ich bei Leuten, die verschiedene Sprachentwicklungen kritisieren, oft wenig Differenzierung zwischen neuen Entwicklungen einerseits, die mit guten Begründungen abgelehnt werden (wie du das für "literally" tust - wobei es wie immer auf den Kontext ankommt, wie relevant die Kritik ist (offenbar ist die 'korrektere' Verwendung für viele Leute ganz einfach weniger wichtig/nützlich als die 'inkorrekte', Sprachlogik hin oder her)), und 'shibboleths' andererseits.
    #15Verfasser Thirith (1037221) 04 Jan. 16, 16:49
    Kommentar
    I'm a descriptivist and feel, out of a sense of obligation I guess, the need to point out (again) that this figurative use has been in print since at least 1769 and in dictionaries starting in 1903. It's not new.

    The evidence and some smart commentary is here: http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=5914

    But #8 raises a good point: good writers know what effect their word choice may have on others, and they adjust accordingly.

    #16VerfasserStrawberry (357492) 04 Jan. 16, 17:09
    Kommentar
    Zu # 14:

    Klar kann man sich gegen Formen des Sprachgebrauchs, die einen – aus was für Gründen auch immer – stören, wehren, was in erster Linie heißt, sie selber nicht zu verwenden. Das tun wir alle. Und es stimmt auch, dass es häufig gute, d. h. in diesem Fall pragmatische Gründe gibt, einen bestimmten Sprachgebrauch abzulehnen. Hier ging es aber doch um die Frage, ob eine Bedeutung, in der literally häufig verwendet wird, "richtig" sei oder nicht, und darüber entscheidet, ob man will oder nicht, ausschließlich der allgemeine Sprachgebrauch. Eine Form kann, "logisch" betrachtet, noch so absurd sein; wenn sie sich allgemein durchsetzt, ist sie eben deswegen richtig.

    Die Sprache ist voll von Wendungen und Wortbedeutungen, die irgendwann einmal aufkamen und über die sprachbewusste Menschen seinerzeit die Nase gerümpft haben – und die wir heute als völlig normal empfinden. Ich habe für diese Behauptung keine Belege, bin aber ziemlich sicher, dass nur eine recht kleine Zahl von Wörtern, die schon vor gut tausend Jahren existierten, heute noch in exakt derselben Bedeutung verwendet wird wie im Althochdeutschen.

    Und wenn es sich etabliert, wie drücke ich dann aus, wenn etwas im alten Sinn buchstäblich passiert?

    Die Sprache hat die Tendenz, doppeldeutige und unklare Formulierungen mittel- oder langfristig durch eindeutige zu ersetzen; dazu hat sie viele Möglichkeiten, z. B. Bedeutungsveränderungen und Wortimporte. Es braucht nur seine Zeit.


    Zu # 10: Eat more shit! Billions of flies can't be wrong.

    Um den lustigen Spruch kurz einmal ernst zu nehmen: Der Vergleich hinkt deshalb gewaltig, weil die Ernährungsgewohnheiten von Insekten nichts über die Eignung von Substanzen für die menschliche Ernährung aussagen. Über die Richtigkeit von sprachlichen Ausdrucksformen entscheidet hingegen niemand anderes als die Gemeinschaft aller Sprachbenutzer, und in der sind Menschen mit hochentwickeltem Sprachbewusstsein nun einmal in der Minderheit; damit müssen sie leben. Es gibt nichts Urdemokratischeres als die Sprache: Die Mehrheit setzt sich immer durch! :-)
    #17Verfasser Cro-Mignon (751134) 04 Jan. 16, 17:22
    Kommentar
    zu #16: And I will say what I've said before, that just because somebody got it wrong as early 1769 doesn't make it right. Even good authors write rubbish occasionally, and bad authors do it a lot.
    #18Verfasser Gibson (418762) 04 Jan. 16, 17:55
    Kommentar
    Es gibt nichts Urdemokratischeres als die Sprache: Die Mehrheit setzt sich immer durch!
    Cro_Mignon: Da ist sie wieder, die alte Aussage des Horaz (65 v.Chr. - 8 n.Chr.): "Usus est tyrannus."
    #19Verfasser Reinhard W. (237443) 04 Jan. 16, 17:58
    Kommentar
    Edit hat leider meine Antwort an Cro-Mignon gefressen. Kurzfassung war, dass ich #16 nicht verstehe :( 'literally' in der neuen Bedeutung ist falsch; 'richtig' kann sie erst durch häufige und weitbreitete Anwendung werden. Und damit sind wir wieder beim Gebrauch. Wie du selbst sagst. Mir ist der Punkt, den du machst, nicht ganz klar (sorry, Anglizismus. Ich hatte das vorhin länger und elegante formuliert, mag das aber nicht alles noch mal schreiben).
    #20Verfasser Gibson (418762) 04 Jan. 16, 18:01
    Kommentar
    Ich wollte darauf hinaus, dass literally möglicherweise schon so häufig in der kritisierten Bedeutung verwendet wird, dass es eben nicht mehr falsch ist, denn nur die Verwendungshäufigkeit entscheidet letztlich über "richtig" oder "falsch".

    Edit zu #19: Stammt das aus der Ars Poetica?
    #21Verfasser Cro-Mignon (751134) 04 Jan. 16, 18:17
    Kommentar
    @17 That surely assumes that at any one time everyone speaks exactly the same language, which is clearly not the case. What is referred to as "English" (or whatever) is actually a superset of a vast, perhaps infinite, number of variants of the language which are spoken at any one time.

    Also, language is hardly democratic, since it is not subject to any form of government and has no binding rules. The fact that a dictionary contains a particular definition for a word does not mean that the people have democratically decided that the word shall have that definition. It just means that a significant number of people use the word in a particular way.
    #22Verfasser RTH01 (932829) 04 Jan. 16, 18:29
    Kommentar
    Ah, okay. Danke.

    Aber ich stimme dem nicht zu; danach (und ich weiß, dass Vergleiche immer hinken) müsste auch 'im Vorraus' kurz davor stehen, in den Duden augenommen zu werden. Bei allem Verständnis für Sprachwandel ist mir das zu beliebig.

    (Allerdings ist mir bewusst, dass diese Einschätzung sehr willkürlich ist. Ich habe noch keine Regel gefunden, warum mich mancher Wandel extrem stört, nur ein bisschen stört oder mir schnurz ist.)
    #23Verfasser Gibson (418762) 04 Jan. 16, 18:30
    Kommentar
    Zu #22: What is referred to as "English" (or whatever) is actually a superset of a vast, perhaps infinite, number of variants of the language

    Ja, natürlich. Aber ich muss bei solchen Argumentationen mit Vereinfachungen und Abstraktionen arbeiten, sonst wäre jeder Beitrag viele Seiten lang (sofern mir überhaupt alle relevanten Faktoren, Einschränkungen und Ausnahmen bekannt wären). Es geht mir ums Prinzip.

    Language is hardly democratic, since it is not subject to any form of government and has no binding rules
    Du nimmst mir hier den Demokratiebegriff zu wörtlich und formal. Es geht um das Kernprinzip der Demokratie: Die Mehrheit entscheidet.
    #24Verfasser Cro-Mignon (751134) 04 Jan. 16, 18:36
    Kommentar
    Zu #23 und dem Vergleich mit "im Vorraus":

    Rechtschreibfragen sind etwas anderes, weil die Rechtschreibung (anders als der Sprachgebrauch) par ordre du mufti regelbar ist – jedenfalls prinzipiell :-)

    Aber nimm etwa die Verwendung von geil im Sinne von 'toll, hervorragend'. Als die vor Jahrzehnten bei Jugendlichen in Mode kam, haben sich Heerscharen von Sprachkritikern darüber aufgeregt. Heute kräht kein Hahn mehr danach; dafür ist es viel zu weit verbreitet.
    #25Verfasser Cro-Mignon (751134) 04 Jan. 16, 18:48
    Kommentar
    Hm, so ganz empfinde ich das nicht so. 'geil' ist für mich immer noch Jugendsprache, oder eigentlich, viel schlimmer, fake Jugendsprache (da die echte Jungend ja inzwischen längst andere Wörter hat). Aber immer, wenn ein 40jähriger mir erzählt, wie geil etwas war, halte ich das für etwas infantil oder bemüht. Als wirklich ohne besonderen Ton (wie eben 'toll') in der Sprache angekommen sehe ich es (noch?) nicht.

    Aber ich weiß ein Beispiel: eitel. Da habe ich mit der heutigen Bedeutung kein Problem. Hat aber auch etwas länger gedauert. :-)
    #26Verfasser Gibson (418762) 04 Jan. 16, 19:29
    Kommentar
    Geht noch jemandem das "bedeutet sich selbst" im OP mächtig gegen den Strich? Das ist doch Denglisch, oder?
    #27Verfasser Lady Grey (235863) 04 Jan. 16, 21:53
    Kommentar
    #27: Hmm... "means itself" käme mir jetzt nicht normaler vor als "bedeutet sich selbst", aber als Zweisprachiger in einem viersprachigen Land ist mein Deutsch nicht immer so sattelfest, wie ich mir das erhoffen würde.

    #26: Was das "geil" angeht, so sind einige derjenigen, die es als Jugendliche verwendet haben, inzwischen auch 40. (Ich zwar auch, habe das Wort aber schon in jüngeren Jahren kaum verwendet. :-) ) Ich denke deshalb nicht, dass es sich um ein bemühtes Nachahmen der Jugendlichen handeln muss. (In Berndeutsch wurde/wird das Wort "huere" (=Hure, Huren-) oft als Verstärker eingesetzt, vor allem von Jugendlichen; ich höre es auch im beruflichen Umfeld ab und zu von 30+-jährigen, was mich jedes Mal etwas befremdet, aber wiederum fand ich es schon als Jugendlicher eher off colour.)
    #28Verfasser Thirith (1037221) 05 Jan. 16, 08:05
    Kommentar
    #24 Cro:
    >>Die Mehrheit entscheidet.

    Do you really find that adequate? Justified?

    Not to invoke Godwin's law, but surely you can think of cases where the majority has been not only wrong, but dangerously, evilly wrong. There is nothing sacred about democracy.

    In this case, the popular usage ('literally' = 'figuratively') is obviously just wrong. Anyone who cares about language ought to be able to see that. Anyone who defends such wrong usage ought to find another line of work, like supporting Donald Trump or Pegida. Because, after all, reason doesn't matter, ethics don't matter, only democracy matters.

    *AAARGH*
    #29Verfasser hm -- us (236141) 05 Jan. 16, 08:26
    Kommentar
    Seriously, hm--us, while I have some sympathy for some linguistic quibbles, the comparisons you draw are downright unhinged. Linguistic usage (that may go against logic) being comparable to lack of ethics and to Donald Trump, Pegida and He Who Shall Not Be Named Lest We Invoke Godwin? O_o

    Language is alive, it's shaped by all its users just as it shapes all its users. Does that mean that change is automatically good? No, definitely not - but neither is change automatically bad, and I would definitely say that the vehemence with which some prescriptivists argue against language change is unproportional at best, misguided at worst. Literature is full of writers being creative with language, often in ways that some would consider disrespectful and illogical. So many of the specific things people quibble over aren't modern phenomena but have been around for ages, being used by some of the great authors. In this argument, I tend to find it preferable to side with the likes of Shakespeare, Austen and Shaw, to be honest.
    #30Verfasser Thirith (1037221) 05 Jan. 16, 08:38
    Kommentar
    Be honest: Do you really think that misusing 'literally' is being creative with language? Isn't it just being stupid about language?

    Why assume that any change is for the best?

    Of course change isn't automatically bad -- but equally it isn't automatically good. There has to be some criterion anchored to both rationality and aesthetics. If that's missing, then what you get from democracy may indeed be dangerous and evil. Or just stupid.
    #31Verfasser hm -- us (236141) 05 Jan. 16, 08:43
    Kommentar
    "In a democracy, often times other people win." (C.J. Cregg)
    #32Verfasser Yarith (877626) 05 Jan. 16, 08:47
    Kommentar
    I think that using 'literally' in that way is silly, but not nearly as silly IMO as the time, energy and vehemence people expend to complain about it. As I've said: I consider it an unproportional and misguided reaction - doubly so because much understanding of the realities of language and language change from the quibblers, just conservatism for conservatism's sake. No one's stopping you from using "literally" literally, and the people who 'misuse' it make themselves understood. You're not improving anything, as far as I can see.
    #33Verfasser Thirith (1037221) 05 Jan. 16, 09:10
    Kommentar
    #27 Auf jeden Fall grusliges Deutsch, weswegen ich den Faden gestern nur kurz überflog.
    #34Verfasser Selima (107) 05 Jan. 16, 09:17
    Kommentar
    Du nimmst mir hier den Demokratiebegriff zu wörtlich und formal. Es geht um das Kernprinzip der Demokratie: Die Mehrheit entscheidet.

    Und wenn dreißig Schüler "Standart" schreiben, dann ist der Deutschlehrer im Unrecht, wenn er es dreißigmal anstreicht? Das ist einfach Basisdemokratie!

    33: Vielleicht. Wenn man sie aber einfach gewähren lässt, dann kommt am Ende noch so etwas Gesundheitsgefährdendes heraus wie im Fall von "inflammable", bei dem durch den extensiven Missbrauch kaum ein ENS mehr sicher weiß, ob es sich selbst oder sein Gegenteil bedeutet. (Nimm das, Selima!)
    #35Verfasser Cuauhtlehuanitzin (1009442) 05 Jan. 16, 09:29
    Kommentar
    Kontext, Kontext, Kontext, Cuauhtlehuanitzin. Als Lehrer (Mittelstufe, Oberstufe und Uni) habe ich Sachen als falsch angestrichen, weil sie *in diesem Kontext* falsch sind. Das heisst nicht, dass ich mich jedes Mal aufrege und einen auf Lehrer mache, wenn jemand auf einem Forum "literally" nicht so braucht, wie ich das gerne hätte. Und es heisst erst recht nicht, dass ich solches Sprachverhalten als moralisch verwerflich anschaue. Es ist nicht mal ein besonders gutes Indiz bezüglich der Intelligenz der Person, die das Wort so verwendet, oder ihrer Aussagen.
    #36Verfasser Thirith (1037221) 05 Jan. 16, 11:50
    Kommentar
    Und wenn dreißig Schüler "Standart" schreiben, dann ist der Deutschlehrer im Unrecht, wenn er es dreißigmal anstreicht? Das ist einfach Basisdemokratie!

    Dann steht es vielleicht irgendwann in den Wörterbüchern und kann dann auch nicht mehr angestrichen werden. Das ist dasselbe wie mit Gesetzen: Solange sie gelten, muss man sich daran halten, aber sie können eben geändert werden.
    #37Verfasser JanZ (805098) 05 Jan. 16, 11:53
    Kommentar
    Apropos Standart (erinnert mich an die russusche Variante mit hartem "t"), es gibt ja Sprachen, in denen die doppelte Verneinung Standard ist. Mehr als einmal habe ich aber bei technichen Übersetzungen, besonders bei binären on/off Parametern, heiloses Durcheinander in den Übersetzungen (Russisch/Deutsch/Englisch) erlebt.

    Wenn die Leute plain-vanilla für plain ohne Vanille sagen wollen, meinetwegen, aber die Probleme entstehen immer dann, wenn unterschiedlicher Gebrauch miteinander konkurriert.
    Wenn es also drauf ankommt, möchte ich mich nicht auf solch lockere, dann zweideutige, Verwendung verlassen wollen.
    #38Verfasser Uljae (831733) 05 Jan. 16, 15:07
    Kommentar
    #36
    >> Das heisst nicht, dass ich mich jedes Mal aufrege und einen auf Lehrer mache, wenn jemand auf einem Forum "literally" nicht so braucht, wie ich das gerne hätte. Und es heisst erst recht nicht, dass ich solches Sprachverhalten als moralisch verwerflich anschaue.

    I don't do that either, I trust; if we hadn't been in a thread with that as a topic I wouldn't have said anything about it. I try to refrain from correcting fellow native speakers just in passing, though I would if they gave something I consider a mistake as an example meant for learners to follow.

    But surely when someone asks in a language forum whether a particular usage is correct or incorrect -- that is, whether dictionaries are right to include it as an ordinary definition without a usage note -- then it's fair for those of us who care about language use to say that, in our opinion, that still doesn't make it correct.

    The majority does generally rule in the broad sense and in the long term, both in language and in politics. But certain minority cases are worth standing up for before that happens, in order to educate the majority in its own best interest before it's too late, before the tipping point is too far past. That's why it's still worthwhile for activists to keep fighting for human rights even when they're in a small minority, and for people such as teachers, translators, and editors to do the same with regard to language, even though we recognize that it's not remotely on the same moral scale. (Not that that that was ever the issue here -- no one ever asked if any of us think it's worse to behead people or to misuse 'literally.' We take for granted that we know the difference.)

    So just because it doesn't have to be a huge issue doesn't mean we shouldn't express an opinion about it when someone asks, rather than just shrugging our shoulders and saying the majority rules. If we exercise a certain degree of (prescriptivist) discernment, and at least speak up about it rather than keeping quiet when the question arises, maybe at least sometimes we can have a little more influence on language than (descriptivist) dictionaries. I would guess that at least a few people hadn't given the word 'literally' much thought before reading this thread, but now maybe they will. And that's not a bad thing, even if it's also not anything any of us should lie awake at night worrying about.
    #39Verfasser hm -- us (236141) 05 Jan. 16, 21:14
    Kommentar
    Ein deutsches Beispiel: wenn Leute "der einzigste" sagen, revoltiert jedesmal mein Magen, und er wird es weiterhin tun, selbst wenn diese Leute eines Tages die Mehrheit haben mögen - und auch wenn der Duden es aufgegeben hat, normieren zu wollen, und stattdessen jede Sprachverhunzung anerkennt, wenn sie nur häufig genug vorkommt ...
    #40Verfasser mbshu (874725) 05 Jan. 16, 21:46
    Kommentar
    Was das "geil" angeht, so sind einige derjenigen, die es als Jugendliche verwendet haben, inzwischen auch 40. [...] Ich denke deshalb nicht, dass es sich um ein bemühtes Nachahmen der Jugendlichen handeln muss.

    Das meinte ich auch nicht; aber wenn ein Vierzigjähriger immer noch so spricht, wie er es mit achtzehn getan hat, dann ist er offenbar sehr darum bemüht, immer noch wie achtzehn zu wirken (auch wenn die jetzt 18jährigen inzwischen anders reden, aber das hat man mit Musik ja auch).

    Ich finde jedenfalls, wie gesagt, nicht, dass 'geil' ebenso neutral wie 'toll' ist. Würdest du es z.B. in einem seriösen (z.B. Firmen-Newsletter) Artikel verwenden? Kannst du es dir in der "Zeit" oder FAZ vorstellen, als völlig unbetontes Adjektiv? Ich eher nicht.

    Ich finde hm's Vergleiche auch etwas dramatisch, aber im Prinzip stimme ich ihr (natürlich, siehe oben) zu. Nur, weil etwas zunehmend falsch verwendet wird, muss ich das nicht akzeptieren, gutheißen, unterstützen oder unwidersprochen lassen. Ich würde den falschen Gebrauch in beiden Sprachen anstreichen und als Fehler bewerten, und wenn das den Schülern nicht passt, sollen sie mich doch verklagen ;-)

    #41Verfasser Gibson (418762) 05 Jan. 16, 22:01
    Kommentar
    Wenn man nach sprachkritischer Logik nicht sagen darf "die Einzigste", dann darf man wohl auch nicht sagen "die Allerliebste".

    Wer aber im Überschwang seiner Liebe/Verliebtheit sagt: "Du bist die Einzigste für mich" oder "Du bist meine Allerliebste", dem geht es um Ausdruck von Gefühlen und nicht um Sprachlogik. Es ist durchaus legitim, Emotionen auf eine Weise auszudrücken, mit der man sprachliche Regeln mit Füßen tritt. Sprache ist ein Instrument, um ganz verschiedene Dinge mitzuteilen - manche Gefühle lassen sich eben nur durch sprachunlogische Übertreibungen vermitteln.

    #42Verfasser MiMo (236780) 05 Jan. 16, 23:13
    Kommentar
    Zu #29: "Die Mehrheit entscheidet." Do you really find that adequate? Justified?

    Auch wenn mit #39 nun ein viel differenzierterer Beitrag vorliegt, doch noch kurz ein Kommentar zu #29: Es geht doch überhaupt nicht darum, ob ich (oder sonst jemand) das für angemessen und gerechtfertigt halte oder nicht; es ist einfach so. Finde ich Naturkatastrophen gut? Sicherlich nicht. Hören sie aber deshalb auf, stattzufinden?

    Zu #26 etc.: Ja, geil war kein gut gewähltes Beispiel, weil das Wort noch lange nicht den Status der Stilneutralität erreicht hat (und vielleicht auch nie erreichen wird); eitel, mit seiner ursprünglichen Bedeutung 'leer', später einerseits 'ledig, unvermischt, nichts als', andererseits 'gehaltlos, nichtig', heute fast nur noch 'darauf bedacht, [wegen seines Aussehens] bewundert zu werden' ist sicher besser. Hier fristen die alten Bedeutungen nur noch ein Nischendasein in bestimmten Kollokationen (eitel Sonnenschein, eitel Gold, eitles Geschwätz usw.).

    Zu #30: Und wenn dreißig Schüler "Standart" schreiben, dann ist der Deutschlehrer im Unrecht, wenn er es dreißigmal anstreicht? Das ist einfach Basisdemokratie!

    Du übersiehst (vermutlich wissentlich), dass die maßgebliche Bezugsgruppe nicht eine Schulklasse ist, sondern die gesamte Sprachgemeinschaft. Wenn Zehntausende Schüler "Standart" schreiben, ist es immer noch ein Fehler; wenn außer ein paar Puristen alle "Standart" und niemand mehr "Standard" schreibt, dann ist es so richtig. Aber Rechtschreibung und Sprachgebrauch sind ohnehin zwei Paar Stiefel.

    Viele der hier besprochenen Beispiele fragwürdigen Sprachgebrauchs sind noch in der "Entwicklungsphase", in der ihr künftiges Schicksal in der Schwebe ist: Man begegnet ihnen zwar häufig, sie sind aber noch heftig umstritten; ob sie sich durchsetzen werden, ist offen. Ob "speak[ing] up about [them] rather than keeping quiet when the question arises" (#39) dabei viel bewirkt, darf bezweifelt werden. Selbst ein so wortmächtiger Sprachmeister wie Jonathan Swift, einer der führenden Intellektuellen seiner Zeit, ist mit seinem Versuch, auf die Entwicklung der englischen Sprache einzuwirken, sie von missliebigen Wortverwendungen zu reinigen und einen einmal erreichten, als akzeptabel erachteten Stand gewissermaßen festzuschreiben, kläglich gescheitert.

    Ich lehne auch viele Formen des Sprachgebrauchs ab und hüte mich, sie mir zu eigen zu machen: Einzigst beispielsweise ärgert mich ebenso wie perfekter und extremst. Ich weiß aber auch, dass meine Einstellung keine Rolle spielt; ich bin nur ein verschwindend kleines Rädchen in der Maschinerie. Maßgeblich ist, wie sich die Sprachgemeinschaft insgesamt entscheidet. Ob ich mich mit meiner jeweiligen Vorliebe zusammen mit den Gleichgesinnten durchsetze oder zum Vertreter eines immer kleiner werdenden Grüppchens "Aufrechter" werde, das irgendwann einmal ausstirbt, darüber entscheidet die Mehrheit der Sprecher.
    #43Verfasser Cro-Mignon (751134) 06 Jan. 16, 00:22
    Kommentar
    I would say this is a question about which "reasonable men may disagree", perhaps similar to the discussion about "hopefully" and "thankfully". I would probably not use literally in this sense, myself, and I would not encourage others to do so, but I see no fundamental error in others using it for emphasis, even to modify words that are used figuratively.

    On the subject of different varieties of English: when determining the established usage and meaning of words in, say, literary English we should probably look not only (or not at all) at the pronouncements of the usual usage pundits but at usage, over a few hundred years, by recognized authors: Dryden, Pope, Dickens, Joyce, .... Some people would regard well over a century of similar use sufficient, so it is not a matter of legitimizing an incorrect use but of deciding whether it is actually correct. We accept literal(ly) in more than one meaning, in any case.

    There is, of course, a problem with the title (and the subtitle) of the Salon post (and of the OP here), if we take them literally. The question is really whether this particular meaning of literally is compatible with a verb or adjective that is already used figuratively.

    Figures of speech, should, of course, be used with care; so one should probably avoid using metaphors (with or without literally) when a literal interpretation would be possible: one should use the word restrictively, for instance, when talking about transubstantiation or the authorship of the Bible. Similarly, the civil servant quoted by Gowers should probably not have written "We now have 137½ pairs of surgical boots on our hands," but that does not mean that "on our hands" cannot otherwise be used in the intended sense.

    For social, rather than purely linguistic reasons, it may be best to avoid the emphatic use, for instance when dealing with pedants (including the "literal" sense), but if schoolchildren do use it, it may present an opportunity for teachers to explain the social importance of shibboleths. On the other hand, it could also be argued that helpful usage habits can only be properly instilled in early adolescence by teachers simply stating that certain usages are "wrong" and explaining the nuances later. On the third hand, there is a fine line between taking account of another person's – sometimes idiosyncratic – views on language (or anything else) and letting them win the debate.

    But literally nobody who uses the word in this way actually deserves to be crucified.
    #44VerfasserMikeE (236602) 06 Jan. 16, 00:46
    Kommentar
    'Crucified'? I beg your pardon?

    Just to be clear: the misuse of 'literally' is relatively quite low on my list of usage sins, and not something that I've ever really worried about. But if someone specifically asks about it, I will say yes, it's better to use it logically, not illogically. If you choose to call that a shibboleth, I would ask why you allow in-group/out-group politics to trump reason and logic.

    In contrast, cavalier hand-washing statements like 'the majority decides' are a good deal higher on my list of red flags. I can think of a lot of instances where the majority has been not only wrong, but dangerously, culpably wrong. There's nothing sacred about a majority.
    #45Verfasser hm -- us (236141) 06 Jan. 16, 06:32
    Kommentar
    Wie autoritativ sind aber jene Wörterbücher, die "literally" in dieser Form aufgenommen haben? Sind sie "maßgebend in allen Zweifelsfällen", wie es beim Duden damals(TM) hieß, oder handelt es sich um unverbindliches Blabla?
    #46Verfasser Cuauhtlehuanitzin (1009442) 06 Jan. 16, 11:26
    Kommentar
    "Crucified'? I beg your pardon?"
    I'm not sure how much of your post is directed at me, but that statement was not directed at you. It was a statement of my opinion, which seems similar to yours. Neither of us, I presume, is suggesting that those who "commit" what you (as I understand) would regard as a venial sin should be crucified (either literally or figuratively!). I was, of course, also playing with the extended meanings of words.

    "I would ask why you allow in-group/out-group politics to trump reason and logic."
    That is a very good question.
    As I said, it is an issue about which reasonable men (and women) may disagree, because the application of knowledge, logic, and reason may lead different people to different conclusions.
    For instance: like literally, the word really can mean "actually", "in reality".
    If I asked the Pope
    "Does the communion wine really (or literally) change into the blood of Christ?"
    I would probably be using the word "really" or "literally" in its literal sense, and the Pope would, hopefully, answer in the affirmative (in contradiction of logic and reason, of course, but that is the nature of miracles).
    On the other hand, if I say
    "I am really disappointed at your intransigence.",
    it would probably be inappropriate to reply
    "Oh, I thought you were just pretending to be disappointed."
    There is no earthly (sorry: compelling) reason why some people should not treat "literally" in the same way as "really".
    I would probably not, and you would probably not, but other decisions are reasonable.
    Knowledge, logic and reason indicate to me that, like really, literally can be used for emphasis, and has been so used by literary (figurative) giants, though I choose not to so use it myself. So, to answer your question, why should I allow this application of linguistic knowedge, reason, and logic to be trumped by "in-group/out-group politics"? The answer, of course, is relative power: my application of social knowledge, reason, and logic tell me that if the teacher marking my essay or the potential employer interviewing me believe differently, I may be at a disadvantage. The same applies to more important things such as racial and gender equality, of course; hence my caveat: "there is a fine line between taking account of another person's – sometimes idiosyncratic – views on language (or anything else) and letting them win the debate".
    In a job interview, I would be more likely to use the sociolect of the rich and powerful. I would be aware of the shibboleths that indicate I have been "properly" educated. In a job interview in England I would not use the South-London accent that I would use when accosted by a bunch of youths on a dark night in Peckham. If I were applying for a job at SCOTUS, I would want to show I had internalized Strunk & White; I would not use "singular they" (with possible exceptions of a political nature), I would be more likely to use the possessive with a gerund. Here, of course, as you know, I do (correctly) use "split infinitives", "fused participles", "singular they", etc., and I have done so in this thread. But I generally avoid the controversial use of "hopefully" and "literally" – as a personal choice.
    #47VerfasserMikeE (236602) 06 Jan. 16, 16:22
     
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  
 
 
 
 
 ­ automatisch zu ­ ­ umgewandelt