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  • Betrifft

    hoibschariger Gschamstara

    Kommentar
    "Der wahrscheinlich wichtigste politische Termin des Jahres in Bayern ist der Starkbieranstich auf dem Nockherberg in München. Da gehen sie heute Abend alle hin, Seehofer, Söder, Dobrindt, Aigner, Kohnen und lassen sich beim sogenannten Derblecken durch den Kakao ziehen. Im vergangenen Jahr wurde hier Donald Trump als 'hoibschariger Gschamstara' geschmäht, wovon er sich, wie wir wissen, bis heute nicht erholt hat. Ich kann Ihnen allerdings nicht sagen, wie man hoibschariger Gschamstara ins Englische übersetzt."

    "Spiegel-Leser wissen mehr", hieß es einst. Heute morgen werde ich von den Hamburger Redaktion allerdings mit einem bairischen Ausdruck konfrontiert, der mich überfordert. Mir gelingt allenfalls eine Annäherung an Standardschriftlichkeit: "halbschariger Gschamsterer", ohne dass sich mir die konkrete Bedeutungs-/Beleidigungsebene erschlösse. Und natürlich steht die Frage eines engl.sprachigen Äquivalents im Raum. Wer kann mir (und dem Spiegel) weiterhelfen? Danke!
    Verfasser lingua franca (48253) 28 Feb. 18, 08:33
    Kommentar
    umgangssprachlich,ostösterreichisch:Freund, Liebhaber

    1. Freund; 2 Geliebter Liebhaber; 3. Verehrer;
    Gleichbedeutend mit : Gschwuf, Haberer, Habschi)
    Herkunft ist nicht eindeutig geklärt - es gibt zwei verschiedene Meinungen:
    1. Von jiddisch Schamess = Synagogendiener 2. Von "Gehorsamster (Diener)" + Suffix.

    Was eine „Schar“, nämlich eine Pflugschar, ist, wusste früher jeder. Es war ein Kraftakt für Zugtier und Pflüger, sie stundenlang tief durchs Erdreich zu treiben. Wenn man sich davor drückte, tauchte die Schar nur „hoibscharig“ ins Erdreich, was die Fruchtbarkeit des Ackers deutlich verminderte.Diese Erfahrung ist übertragbar. Wer eine Aufgabe nur halbherzig, widerwillig und schlampig erledigt, der ist eben „hoibscharig“ bei der Sache!
    #1Verfasser mbshu (874725) 28 Feb. 18, 08:36
    Kommentar
    Gschamsterer
    1. Freund; 2 Geliebter Liebhaber; 3. Verehrer;
    Gleichbedeutend mit : Gschwuf, Haberer, Habschi)
    Herkunft ist nicht eindeutig geklärt - es gibt zwei verschiedene Meinungen:
    1. Von jiddisch Schamess = Synagogendiener 2. Von "Gehorsamster (Diener)" + Suffix.

    halbscharig (Adj.) 
    [håibschà:rig]
    1. unsicher, zweifelhaft, zwielichtig, nicht solide (Sache, Angelegenheit) 2. von minderer Qualität (…so a halbscharigs Glump!)

    ...

    Also nicht gar so schlimm. Ein zwielichtiges Freundchen halt.
    #2Verfasser Selima (107) 28 Feb. 18, 08:40
    Kommentar
    Mein spontaner Einfall war "lukewarm lover", aber das passt bei Herrn Trump eigentlich nicht .... "Halbscharig" kannte ich bis eben noch nicht; das ist aber so schön bildhaft, dass muss bei nächster Gelegenheit mal anbringen :-)
    #3Verfasser Norbert Juffa (236158) 28 Feb. 18, 08:43
    Kommentar
    Ich hege ja den Verdacht, daß Gschamstara gewählt wurde, weil es so schön exotisch und deftig-derb bairisch klingt, und nicht der Aussage wegen.
    #4Verfasser Selima (107) 28 Feb. 18, 08:46
    Kommentar
    Selimas Erklärung folgend: "unsavory character" ist wohl, was hier gemeint ist. Oder so ähnlich.
    #5Verfasser Norbert Juffa (236158) 28 Feb. 18, 08:48
    Kommentar
    Ich danke Euch für die schnellen Erläuterungen, das war fix:-)
    Und auch das halbseidene Freundchen und der lukewarm lover haben 'was. Allerdings "klingt" der bairische Ausdruck (in meinen unkundigen Ohren) "mehrdimensionaler". Täuscht das?

    Und wie kommt ein "ostösteichischer" Gschamsterer (vgl. #1) ins Müncher Singspiel?

    edit: #4-5 hatte ich noch nicht gesehen.
    re #4: Dann wäre der Gschamsterer also weniger "mehrdimensional", als effekthascherisch (schön exotisch-deftig-derb)...
    #6Verfasser lingua franca (48253) 28 Feb. 18, 08:51
    Kommentar
    Ostösterreich, München ... Südlich der Elbe, alles dasselbe!
    #7Verfasser mbshu (874725) 28 Feb. 18, 09:20
    Kommentar
    ... ein shady f*cker? ;)
    #8Verfasser Yarith (877626) 28 Feb. 18, 09:28
    Kommentar
    Und wie kommt ein "ostösteichischer" Gschamsterer (vgl. #1) ins Müncher Singspiel?

    Umgekehrt. Wie kommt ein Münchmer Gschamsterer nach Ostösterreich? Weil Bairisch und Österreichisch ineinander übergehen, Dialektkontinuum, woisch?
    #9Verfasser bluesky (236159) 28 Feb. 18, 10:30
    Kommentar
    bluesky, ich würde sogar sogar sagen, dass sowohl Altbayern als auch Österreicher Bairisch sprechen. Aber gerade weil es ein Sprachkontinuum gibt, ist es nicht selbstredend, dass ein Terminus im östlichen Zipfel genauso verwendet wird wie im westlichen Zipfel. Du wirst nicht bestreiten, dass es ungeachtet aller "Kontinuität" doch deutliche Unterschiede zwischen Münchner Bairisch und Wiener Bairisch gibt.

    Würdest Du den Gschamsterer als Münchnerisch bezeichnen? Wäre mir niemals nicht untergekommen... Und Wiktionary (#1) ist in Sachen "ostösterreichisch" sehr apodiktisch.
    #10Verfasser lingua franca (48253) 28 Feb. 18, 11:12
    Kommentar
    Generell schein die Form mit T/D im bayrischen Bairisch häufiger zu sein.

    2. »Tschamsterer« [erklärt vom P. Gauweiler]
    Einer, der eifrig ist, aber nicht überall wohlgelitten. In der Familie kann es zum Beispiel den potenziellen Heiratskandidaten treffen: »der Vroni ihr Tschamsterer«. In der Politik: der arme Minister Gabriel, rastlos im Tretrad, zwischen Dienstflügen, Spritsparen und Mehrheitsbeschaffung in der SPD-Fraktion.

    Hier noch ein Erklärungsversuch mit Sprachwanderroute:

    Im Schmeller ist es nicht drin, was andeutet, daß es zu seinen Zeiten in Bayern noch unbekannt war.
    #11Verfasser Selima (107) 28 Feb. 18, 11:27
    Kommentar
    Als Englaenderin darf ich vielleicht: "fair-weather friend" anbieten? (Auch wenn der bairische Ausdruck viel huebscher ist!). #3 Norbert Juffas "lukewarm lover" klingt gut, dank der Alliteration, aber passt nicht in Bezug auf Donald Trump, m.E. Ansonsten, "a friend of questionable loyalty" ist laenger aber etwas diskreter.
    Der Artikel im heutigen Spiegel hat auch mich irritiert, bis ich um Hilfe von einer deutschen Freundin bitten musste. Etwas deutsch kann ich schon, aber bairisch ist eine Kultur fuer sich!
    Und besten Dank an #1mbshu fuer die Erklaerung von "hoibscharig" - ein sehr deutlicher Bildaufbau.
    #12Verfasser Aubedujour (1227289) 28 Feb. 18, 12:13
    Kommentar
    Zum oberdeutschen Sprachraum gehört neben Bairisch/Österreichisch natürlich auch Fränkisch, Pfälzisch, Schwäbisch bis hinüber zum Höchstalemannisch, das sie in der inneren Schweiz schwätzen.

    Zum ersten Mal gehört hab ich den Ausdruck in einer Folge von "München Mord" im ZDF.

    Der Schmeller hat immerhin den Schamsel, "ein Junge, der müßig herumläuft".

    Und Wiktionary ist auch nur so schlau wie der, der es hinein geschrieben hat.
    #13Verfasser bluesky (236159) 28 Feb. 18, 13:00
    Kommentar
    bluesky, der oberdeutsche Sprachraum hat nun aber (wie übrigens auch der Schamsel) sehr wenig mit der Ausgangsfrage zu tun (zumal es auch hier ein Kontinuum ins Mittel und Niederdeutsche gibt). Ich glaube, Fränkisch, Höchstallemanisch et al. können wir außen vor lassen.
    Verstehe ich Dich richtig, dass Du den Gschamsterer dem Münchnerischen v.a. aufgrund der genannten Fernsehproduktion zuordnest?
    #14Verfasser lingua franca (48253) 28 Feb. 18, 13:14
    Kommentar
    zumal es auch hier ein Kontinuum ins Mittel und Niederdeutsche gibt

    Äh, nein. Es gibt einige sehr harte Sprachgrenzen, sog. Isoglossen. So trennt z.B. die Apfel-/Äppel-Grenze das Mittel- und das Oberdeutsche.
    #15Verfasser bluesky (236159) 28 Feb. 18, 13:40
    Kommentar
    Ich habe als Münchnerin witzigerweise den Ausdruck "Tschamsterer" / Dschamsterer" erst vor einigen Jahren zum ersten Mal gehört - und das aus dem Mund eines tschechischen Freunds, der allerdings schon seit vielen Jahren hier lebt. Und er hat ihn in der Bedeutung "Liebhaber", "Verehrer" verwendet.

    Ich musste also nachfragen, und nach seiner Erklärung sagte ich: "Ach, du meinst ein "Gschpusi". Das kannte er nun wieder nicht ... War ein sehr lustiges Gespräch! :)
    #16Verfasser Fragezeichen (240970) 28 Feb. 18, 14:06
    Kommentar
    @bluesky: Ich möchte eigentlich nicht weiter abschweifen, komme aber nicht umhin, Deine Ernennung der Apfel-Äppel-Isoglosse zur "harten Sprachgrenze" ins Reich der Fabel zu verweisen (denn es gibt eben deshalb so viele ganz unterschiedliche Isoglossen, weil sich keine harte Grenze feststellen lässt, sondern nur vielfach überlagernde teilschrittweise - kontinuierliche - Übergänge).
    Auf meine Fragen an Dich zum OP-Thema magst Du jja leider nicht eingehen.

    Danke für Eure Berichte von den (Erst-)Begegnungen mit dem G/T/Dschamsterer. #11 u. 16 deuten für mich (bisher) doch darauf hin, dass er kein alteingessener Münchner ist.

    Und weisen nicht allein schon die wechselnden Anfangsbuchstaben in Richtung eines zu missbilligenden, unsteten Lebenswandels...? ;-)
    #17Verfasser lingua franca (48253) 28 Feb. 18, 14:43
    Kommentar
    Was willst du denn dauernd mit dem OP-Thema, das ist inzwischen doch beantwortet.

    Und was deine Meinung angeht, die kommentiere ich nicht weiter, scheint sinnlos zu sein.
    #18Verfasser bluesky (236159) 28 Feb. 18, 15:22
    Kommentar
    Demnach sind weder die Benrather Linie noch die Speyerer noch sonst eine Linie eine echte Sprachgrenze: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachgrenze

    Die Frage nach der Verwurzeltheit von G/D/Tschamsterer in (west-)oberbairischen Dialekten stellt sich spätestens seit Fragezeichens Beitrag. Die ist ja nun echte Münchner Dialektsprecherin, wie ich aus eigener Anhörung weiß ;-)
    #19Verfasser Selima (107) 28 Feb. 18, 15:55
    Kommentar
    @Selima: Ich bemühe mich aber schon, auch für die "Zuagroasten" einigermaßen verständlich zu klingen! ;)

    Lustig fand ich wirklich, dass mir ein Tscheche diesen Ausdruck beigebracht hat. Und er war tatsächlich der Meinung, es handle sich um einen typisch münchnerischen Ausdruck. Er war damals allerdings als Taxifahrer in München unterwegs - vielleicht hatte er ihn von einem Fahrgast aufgeschnappt?

    Und es klang tatsächlich ein bisschen missbilligend. (Es ging um eine gemeinsame Nachbarin, die, wie er mir erzählte, schon wieder einen neuen "Tschamsterer" habe ...)
    #20Verfasser Fragezeichen (240970) 28 Feb. 18, 17:08
    Kommentar
    Ich, schwäbische Provenienz, habe Tschamster (ohne -er) im Sinn von Freund, Liebhaber, das erste Mal von meinem Ehegespons (Rheinland) gehört. Ich muss zuhause mal fragen, wo das herkommt ...
    #21Verfasser neutrino (17998) 28 Feb. 18, 17:25
    Kommentar
    re #21: Rheinland, das wird ja immer bunter...;-) Ja bitte, neutrino, recherchier doch mal! Obwohl das Rheinland nach #7 geografisch natürlich durchaus im rechten Rahmen liegt...
    #22Verfasser lingua franca (48253) 28 Feb. 18, 19:01
    Kommentar
    "Hoibscharig" - luuuurverly! Danke für die Erklärung, kannte ich auch nicht.
    Den G/Tschamsterer auch nicht, keine Ahnung was der soll.
    :-)
    #23Verfasser tigger (236106) 01 Mär. 18, 10:14
    Kommentar
    Stimme tigger vollinhaltlich zu!
    Ich kenne nur den "g'schamster Diener", was Unterwürfigkeit ausdrückt.
    Bei uns ist wohl mehr der Habschi und der Haberer. Ein alter Ausdruck wäre der Galan.
    Ein Gspusi kenne ich als kurze Affäre, die zu einem schlamperten Verhältnis werden kann. :-) (Ist heute aber nicht mehr so im Umlauf.)
    #24Verfasser Pinscheline (1070141) 01 Mär. 18, 10:46
    Kommentar
    "g'schamster Diener" kenne ich von einem Heimatvertriebenen aus dem Egerland: gehorsamster Diener
    #25Verfasser manni3 (305129) 01 Mär. 18, 22:11
    Kommentar
    Ist der "Gschamstara" dann ein ergebener, ein gehorsamer, ein unterwürfiger Liebhaber ?
    :-P
    #26Verfasser no me bré (700807) 01 Mär. 18, 22:19
    Kommentar
    Nein, er redet nur so, wenn er seiner Angebeteten schmeichelt. Wahrscheinlich kann er auch ganz ausgschamt sein.
    #27Verfasser tigger (236106) 01 Mär. 18, 22:24
     
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