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    Achtung geben

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    Ich bin heute morgen hinter einem Lieferwagen hergefahren, der nicht nur einen 'Achtung Toter Winkel'-Aufkleber auf dem Heck hatte, sondern auch einen mit dem Text


    Fahrradfahrer

    Achtung geben beim Vorbeifahren dieses Fahrzeugs


    Das fand ich aus diversen Gründen etwas seltsam:

    1) weil es damit die Verantwortung implizit auf die Radfahrer abwälzt*

    2) weil ich 'beim Verbeifahren' sprachlich unklar (und unschön) finde - wenn der Radfahrer vorbeifährt oder wenn der Van am Rad vorbeifährt?

    3) weil ich 'Achtung geben' noch nie gehört habe (anders als 'Acht geben')


    Würdet ihr das sagen? Ist das irgendwo regional so verwendet?


    (*ich möchte eigenlich keine - erneute - Diskussion über Radler vs. Autofahrer im Straßenverkehr. Ich denke nur, dass es technische Möglichkeiten geben muss, den toten Winkel auszugleichen, wenn wir Software haben, die Rover auf dem Mars landet. Dem anderen Verkehrsteilnehmer zu sagen, die im Design quasi eingebaute Mißachtung der Vorfahrtsregel wäre sein Problem, finde ich nicht ideal. Aber hier geht es mir um den sprachlichen Aspekt.)



    VerfasserGibson (418762)  06 Apr. 21, 11:42
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    "Achtung geben" ist mir auch völlig unbekannt. Auch das "beim Vorbeifahren" ist holprig. Ich nehme mal an, dass das Schild von jemandem formuliert wurde, der kein großer "Sprachmensch" ist.

    #1VerfasserJalapeño (236154) 06 Apr. 21, 11:58
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    *michaufdiehändesetz* ...

    #2VerfasserB.L.Z. Bubb (601295) 06 Apr. 21, 12:04
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    Ich glaube auch, dass es eigentlich "Acht geben" heißen müsste, aber ich kann nicht sagen, ob ich mich direkt dran stören würde oder ob es mir überhaupt aufgefallen wäre. Hier kenne ich auch "Obacht geben", was vermutlich genauso falsch oder seltsam ist, aber vielleicht ist das auch ein Regionalismus, mit dem ich einfach aufgewachsen bin.


    (Die technische Lösung gibt es - viele Kfz haben mittlerweile einen Indikator im Außenspiegel, der leuchtet, wenn sich jemand im toten Winkel befindet. An vielen Ampeln hier gibt es mittlerweile sogenannte Trixi-Spiegel, die abbiegenden Autofahrern einen guten Überblick über die Kreuzung ermöglichen. Wundere dich nicht über den Namen, das war der Spitzname der Tochter des Erfinders.)

    #3Verfasserrufus (de) (398798) 06 Apr. 21, 12:04
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    Danke, alle.


    Die Spiegel nach der Tochter zu benennen, finde ich ja eher niedlich. 'Obacht' klingt für mich so fremd (ich kenne das Wort natürlich, es ist aber nicht ansatzweise in meinem aktiven Wortschatz, außer ironisch), dass es eigentlich egal ist, wie es kombiniert wird ;-)


    von jemandem formuliert wurde, der kein großer "Sprachmensch" ist.

    Denke ich auch, aber es war nicht handgemalt und auf dem Wagen eines großen internationalen Internetkonzerns - da hätte ich schon gedacht, dass vielleicht ein Profi sich damit beschäftigt...


    Was übrigens auch seltsam klingt, fällt mir gerade auf, ist

    Ist das irgendwo regional so verwendet?


    Da hat das englische Passiv interferenzt, glaube ich. Ich meine natürlich 'Wird es verwendet'? (Aber auch auf Englisch 'gibt' man keine Aufmerksamkeit, oder? Der Aufkleber kann also nicht von einer schlechten Übersetzung kommen)



    #4VerfasserGibson (418762) 06 Apr. 21, 12:17
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    Obacht! ;-)

    #5Verfasserrufus (de) (398798) 06 Apr. 21, 12:19
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    Achtung geben

    kenne ich aus dem Bereich Straßenverkehr (würde es aber nie verwenden):


    "Kinder leben – d'rum (sic!) Achtung geben!" ,"Achten Sie auf Kinder !!" "Kids in Sicht – drum flitze nicht !!" lauten die markanten Sprüche, die die Verkehrswacht Emden mit Unterstützung der Landesverkehrswacht sowie der Landschaftlichen Brandkasse an den verschiedenen Standorten angebracht hat.



    #6Verfasserwienergriessler (925617) 06 Apr. 21, 12:20
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    "Obacht geben, länger leben" und "Jetzt pass amoi Obacht" sind mir natürlich auch vertraut, aber das ist keine Standardsprache.


    Im DWDS-Korpus und auf Google Books finden sich reichlich Treffer für "Achtung geben" aus früheren Jahrhunderten. Es scheint also einmal üblich gewesen zu sein. Vielleicht ist der Autor, den ich so rüde als "kein Sprachmensch" abgekanzelt habe, einfach 170 Jahre alt.



    #7VerfasserJalapeño (236154) 06 Apr. 21, 12:24
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    Der ganze Satz ist sprachlich grenzwertig (inhaltlich sowieso, aber das wollten wir hier ja nicht diskutieren ;)

    "Achtung geben" kenne ich auch nicht, nur "Acht" oder "Obacht".

    Wer an wem vorbeifährt, ist auch nicht klar.

    Die Aufkleber sind offenbar auf einigen(?) Lieferwagen eines Online-Dienstes zu finden, wie ich auf Twitter gesehen habe. Vielleicht gibt es auch nur diesen einen, der durch ganz Deutschland fährt.



    #8Verfasseredoardo_1_4 (1297108) 06 Apr. 21, 12:26
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    ... was dann wiederum erklären würde, dass er nicht die Möglichkeiten des Toter-Winkel-Anzeigers im Seitenspiegel kennt ...

    #9Verfasserrufus (de) (398798) 06 Apr. 21, 12:27
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    'Obacht geben bzw. haben' ist eine standardsprachliche Kollokation und 'Achtung geben bzw. haben' war früher sehr geläufig, wie die klassische Literatur bezeugt.

    #10Verfassertheah (1325760) 06 Apr. 21, 12:34
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    den ich so rüde als "kein Sprachmensch" abgekanzelt habe, einfach 170 Jahre alt.


    :-))


    Oder, nach #10, ein klassicher Literat ;-)


    Oder aus Emden.

    #11VerfasserGibson (418762)  06 Apr. 21, 12:36
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    No. 10: Also, wenn Obacht Standardsprache ist, dann freß ich 'nen Wolpertinger. Und wenn er aus Emden ist.

    #12Verfassermbshu (874725)  06 Apr. 21, 13:51
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    Acht geben

    Gib Acht, dass du dir nicht die Finger verbrennst!

    Beachtung schenken

    Der medizinischen Vorsorge wird heutzutage zu wenig Beachtung geschenkt.

    „Achtung geben auf..“

     kenne ich auch, früher war sehr gebräuchlich, halte es heutzutage für veraltet.

    #13Verfasserwaltelf (1322759) 06 Apr. 21, 14:32
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    Nie gehört.

    #14VerfasserMr Chekov (DE) (522758) 06 Apr. 21, 15:47
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    Im Wörterverzeichnis des Rechtschreibrats stehts. Aber Du bist fein raus, mshu, in Bremen gibts keine Wolpertinger ;-)

    #15Verfassermanni3 (305129) 06 Apr. 21, 17:13
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    #0 auf dem Heck

    Ha, Kontext!


    Ein Aufkleber auf dem Heck richtet sich doch sicher an jemand, der von hinten kommt. Oder?

    Damit fällt die Deutung als "Mitteilung für den Radler, an dem der Lieferwagen vorbeifährt" aus. Der kann den Aufkleber ja gar nicht sehen, egal wieviel Obacht er gibt.

    Andersherum gibt es dagegen Sinn, denn der Wagen könnte ja abbiegen, während jemand im toten Winkel dran vorbeifährt, egal ob links oder rechts. Entsprechende Warnschilder (englisch) werden offenbar nachgefragt, denn es gibt Leute, die sie anbieten.


    Im Übrigen halte ich die Formulierung für eine verunglückte Maschinenübersetzung. Erst recht, zumal sie am "Wagen eines großen internationalen Internetkonzerns" (#4, ha, wieder Kontext!) auftaucht. Sieht ihnen ähnlich, blind auf die Algorithmen zu vertrauen.

    Bitte nicht nachmachen.

    #16Verfasserp2mg (807573)  06 Apr. 21, 22:10
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    Es ging um 'sprachlich unklar', nicht darum, ob man den Satz mit Logik interpretieren kann. Und dass sie nachgefragt werden, ist klar - ist ja auch die billigste Lösung. Ich halte es aber, wie gesagt, eher nicht für eine verunglückte Übersetzung, weil es dazu ja ein 'give attention' im Original geben müsste, was es aber nicht gibt. (you can give a lot of attention to something, but that's a different sentence.)

    #17VerfasserGibson (418762) 06 Apr. 21, 22:33
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    Wenn Du den Ausgangssatz in DeepL oder G*Translate verwursten lässt, kommt irgendwann ein halbwegs idiomatischer Satz dabei raus (meist nachdem erst einmal der Genitiv und damit der Sinn verlorengegangen sind). Bei mir stand da zwischendurch mal "Pay attention when passing this car." Na, 'Pay attention' gibt es immerhin.


    Sprache ist ja auch gerne mal unklar (wem sag' ich das hier), und dann muss man halt schauen, ob es aus dem Kontext klarer wird. Ein "Ja" kann eine Ablehnung sein (wenn die Frage "störe ich?" vorausging). Kurz: Mir geht es nicht um Logik, sondern erst mal darum, den Kontext zu erfassen.


    Das mit den Schildern im freien Handel ist eine ganz andere Baustelle. Das sollte nicht nur zeigen, dass anderswo solche Schilder üblich sind (üblich genug, um damit Geld zu verdienen), sondern auch, dass es möglich ist, sie verständlich zu formulieren. Wenn das im Deutschen nicht klappt, OBWOHL doch das Deutsche "praktisch die gleichen Worte" verwendet, dann drängt sich mir das Urteil "verunglückte Übersetzung" schon auf.

    #18Verfasserp2mg (807573) 06 Apr. 21, 23:15
     
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