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    Sprachlabor

    "das Haar" oder "die Haare"?

    Betrifft

    "das Haar" oder "die Haare"?

    Kommentar

    I'm puzzled about when to use das Haar, and when die Haare, when referring to one's hair (in contrast to a single strand.)

    a) The Leo Dictionary, for example, has "to lose one's hair" = "das Haar verlieren". Can you say "die Haare verlieren?"

    b) "To pin up one's hair" = "sich das Haar aufstecken". Can you say "sich die Haare aufstecken"?

    c) "To comb one's hair" = "sich die Haare kämmen". Can you say "sich das Haar kämmen"?

    d) "To be a redhead" = "rotes Haar haben". Can you say "rote Haare haben"?


    For the above questions, if not, then in what way does it sound wrong to you? Are there any general rules that you see?

    VerfasserMartin--cal (272273) 04 Jul. 21, 00:02
    Kommentar

    Von a bis d ist beides möglich.

    Bei c (sich das Haar kämmen) kommt mir die Loreley in den Sinn, die sich ihr goldenes Haar mit goldenem Kamme kämmt. https://youtu.be/fw2ZrsaWi24

    Bei b würde ich übrigens hochstecken verwenden.

    #1VerfasserWittGenStein (1323045)  04 Jul. 21, 00:18
    Kommentar

    Thanks, WittTenStein -- that's the best possible answer for us NES, if both ways of saying it are possible.


    And, OT (maybe this is the subject of another inquiry), in re die Lorelei: sie kämmt ihr goldenes Haar, not sie kämmt sich ihr goldenes Haar.

    #2VerfasserMartin--cal (272273) 04 Jul. 21, 02:30
    Kommentar

    #1


    "aufstecken" geht auch.

    DWDS bietet an:

    "Beispiele:

    sich [Dativ] mit Haarnadeln das Haar, die Zöpfe (zu einem Knoten) aufstecken

    sie trug das Haar aufgesteckt"


    #3VerfasserMiMo (236780) 04 Jul. 21, 03:10
    Kommentar

    Zu #2, bezüglich b) in #0:


    Ich würde nicht 'aufstecken' sagen, sondern 'hochstecken' (wie WittGenStein in #1). 'Aufstecken' haben vermutlich die Frauen vor 80 oder 100 Jahren gesagt. Aber man könnte mal heutige Friseure fragen, welchen Begriff sie für Hochzeitsfrisuren verwenden.


    -----

    Zu c) bzw. OPs Frage in #2:

    "Die Lorelei kämmte sich ihr güldenes Haar"

    "Die Lorelei kämmte ihr güldenes Haar"

    Es geht m.E. beides, jedoch bevorzugt ohne das 'sich'.


    "Die Lorelei kämmte [sich] ihre goldenen Haare" ist denkbar, aber stimmiger ist es, die Haar-Masse hier als eine Art Einheit zu verstehen. Vielleicht weil Loreleis Haare etwas Symbolisches haben.


    Zu c) auch:

    Ich sage: "Ich gehe mir mal die Haare kämmen." Und nicht: "Ich gehe mir mal das Haar kämmen." Kein Grund, meine Haare als etwas Poetisch-Symbolisches zu sehen.


    Zu d)

    Wie WittGenStein sagt - hier geht aber beides:

    Er hat rotblonde Haare

    Er hat rotblondes Haar.

    #4VerfasserBraunbärin (757733)  04 Jul. 21, 07:36
    Kommentar
    Grundsätzlich würde ich sagen, dass „das Haar“ im Register höher steht, „die Haare“ eher Alltagssprache sind. Man kann in allen Beispielen beides sagen, aber beim kämmen ist es schon eher ungewöhnlich.
    #5VerfasserQual der Wal (877524)  04 Jul. 21, 08:16
    Kommentar

    Zustimmung zu #5

    (OT: beim Kämmen)


    Es spielt auch die Begriffsbildung mit herein, wie in dem Satz vom Wald, den einer vor lauter Bäumen nicht sieht: Haar als Ganzes, Haare als Teile davon.

    Vielleicht trägt am Rande sogar noch Aristoteles mit seinem Satz vom Ganzen, das mehr als die Summe seiner Teile sei, einen Teil zum Verständnis des Ganzen bei. 🧐

    #6Verfassermanni3 (305129)  04 Jul. 21, 09:34
    Kommentar
    #6 Das ist eine Ellipse: bei dem Satz mit „kämmen“ 😉
    #7VerfasserQual der Wal (877524) 04 Jul. 21, 11:00
    Kommentar

    #2

    Heinrich Heines Loreley kämmt ihr Haar ohne sich


    Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

    dass ich so traurig bin;

    ein Märchen aus alten Zeiten,

    das kommt mir nicht aus dem Sinn.


    Die Luft ist kühl und es dunkelt,

    und ruhig fließt der Rhein;

    der Gipfel des Berges funkelt

    im Abendsonnenschein.


    Die schönste Jungfrau sitzet

    dort oben wunderbar;

    ihr goldnes Geschmeide blitzet,

    sie kämmt ihr goldenes Haar.


    Sie kämmt es mit goldenem Kamme

    und singt ein Lied dabei;

    das hat eine wundersame,

    gewaltige Melodei.


    Den Schiffer im kleinen Schiffe

    ergreift es mit wildem Weh;

    er schaut nicht die Felsenriffe,

    er schaut nur hinauf in die Höh.


    Ich glaube, die Wellen verschlingen

    am Ende Schiffer und Kahn;

    und das hat mit ihrem Singen

    die Lore-Ley getan.


    Beim Kämmen ist vieles möglich:

    • Sie kämmt sich das Haar.
    • Sie kämmt ihr Haar.
    • Sie kämmt sich die Haare.
    • Sie kämmt ihre Haare.

    #5 +1

    #8VerfasserWittGenStein (1323045) 04 Jul. 21, 11:14
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    FWIW und rein subjektiv:


    Es ist einer meiner Pet Peeves, wenn "hair" in Filmen/Serien/Bücher mit "das Haar" übersetzt wird. In meiner aktiv und passiv gelebten Variante des Deutschen sagt und hört man im Alltag fast ausschließlich "Haare" im Plural. "Haar" ist für mich hochgestochen bis altertümlich und nur in einem solchen Kontext idiomatisch.

    #9VerfasserJalapeño (236154)  04 Jul. 21, 11:31
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    FWIW, "das Haar verlieren" klingt für mich ungewöhnlich. Man verliert die Haare, sie gehen einem aus, fallen einem aus oder [hier beliebigen Euphemismus einfügen].

    #10VerfasserMr Chekov (DE) (522758)  04 Jul. 21, 11:52
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    'das Haar'

    nicht nur hochgestochen bis altertümlich

    In der Alltagssprache höre und verwende ich nur die Haare. Wenn es aber um Werbung für Pflegeprodukte geht, ist der Begriff das Haar, vor allem Ihr Haar allgegenwärtig. Übersetzt man modernes Alltagsenglisch in modernes Alltagsdeutsch, sollte man die Haare verwenden (es sei denn es handelt sich um Werbung bzw. um Texte über Pflegeprodukte).


    #11VerfasserWittGenStein (1323045)  04 Jul. 21, 12:01
    Kommentar
    Zustimmung zu #9 bis #11.
    #12VerfasserJanZ (805098) 04 Jul. 21, 12:22
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    #11: Stimmt!

    *sing* Werbetrailer 80er Jahre:

    "Schönes Haar ist dir gegeeben, lass es leeben, mit GAARD!"


    #13VerfasserBraunbärin (757733) 04 Jul. 21, 12:24
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    Ist das nicht Schleichwerbung und sollte ausgesternt werden? …lass es leben mit G***d. 😉
    #14VerfasserQual der Wal (877524) 04 Jul. 21, 14:36
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    Moment mal, das heißt doch "fettig Haar ist dir gegeben, lass es kleben mit QUAARK!"

    https://youtu.be/m_TvrU2urZU


    Maria Mümmelmanns Haar will und will nicht halten. Gott sei Dank gibt es BRETT!

    https://youtu.be/amGyAgfGm2U

    #15VerfasserWittGenStein (1323045)  04 Jul. 21, 14:42
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    Thanks, everyone!

    #16VerfasserMartin--cal (272273) 04 Jul. 21, 19:06
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    Ein Nachtrag für die Deutschlernenden: Meist erwähnt man die Haare beim Kämmen oder Bürsten gar nicht.


    Mein Mann kämmt sich.

    Ich bürste mich.


    Auch den Hund bürste ich. Ich kann zwar betonen, dass ich dem Hund das lange / wellige / verfilzte Fell bürste, aber einfach nur "Fell" zu erwähnen ist nicht nötig.

    #17VerfasserRaudona (255425) 17 Jul. 21, 19:22
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    Hm..., anders als Raudona würde ich meistens sagen:

    Ich geh mir mal die Haare bürsten.

    Also 'die Haare' mit erwähnen.

    (Nicht: Ich bürste mich [mal]. / Ich geh mich mal bürsten.)


    (Nebenbei noch dieser für mich neue 'false friend': to burst / bürsten.)

    #18VerfasserBraunbärin (757733) 18 Jul. 21, 13:26
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    Hm. Mal wieder ein Fall für Nord-Süd-Ost-West-Unterschiede?

    #19VerfasserRaudona (255425) 18 Jul. 21, 13:32
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    Möglich. Ich als Südländerin würde wie Braunbärin sagen: Ich geh mir mal die Haare bürsten. Das liegt vermutlich daran, daß in meinem Sprachgebrauch "bürsten" eher der Kleidung vorbehalten ist (Fussel vom Mantel bürsten). Bei "kämmen" ginge das auch ohne "Haare". Also:


    Ich geh mir die Haare bürsten.

    ABER:

    Ich geh mich mal kämmen. (Das würde ich vermutlich vorrangig nutzen - sogar wenn ich mir die Haare mit der Bürste strähle und nicht mit dem Kamm.)

    #20VerfasserSelima (107)  18 Jul. 21, 14:06
    Kommentar

    Unterstütze 18, 20


    "Haare" ist im Kontext von kämmen, bürsten usw. für mich alltagssprachlich, "Haar" höheres Sprachregister.


    [strählen ist für mich klar dem Kamm zugeordnet und außerdem dialektnah (für Raudona: Süd-West). In München hab ich das die letzten 40 Jahre wohl noch nie gesagt.]

    #21Verfassermanni3 (305129)  18 Jul. 21, 14:20
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    Interessanterweise werden die wenigsten Bürstehaarschnittträger ihr Bürstenhaar bürsten. Da reicht meist das schnelle zurechtzupfen oder -wuscheln mit feuchten Fingern/Händen ;-)

    #22VerfasserSelima (107) 18 Jul. 21, 14:41
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    Ich mache es wie Selima: 'bürsten*' mit 'Haare', 'kämmen' ohne.


    *Auch hier geht's mir wie Selima: ich verwende das Verb generell wenig. Auch wenn ich bürste, sage ich kämmen.


    Aber: was ist 'strählen'?

    #23VerfasserGibson (418762) 18 Jul. 21, 15:41
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    Süddeutsch, ansonsten veraltet für kämmen: https://www.duden.de/rechtschreibung/straehlen

    #24VerfasserSelima (107) 18 Jul. 21, 16:23
    Kommentar

    Danke. Nie gehört. Veraltetes kenne ich meist aus Märchen, aber zumindest in denen, die ich kenne, hat keine Prinzessin ihr güldnes Haar gestrählt ;-)

    #25VerfasserGibson (418762) 18 Jul. 21, 16:32
    Kommentar

    Du hast halt auch Deinen Heine (aus Düsseldorf) nicht gelesen:


    Heinrich Heine - Deutschland. Ein Wintermärchen. Caput XIV

     

    Wie pochte mein Herz, wenn die alte Frau

    Von der Königstochter erzählte,

    Die einsam auf der Heide saß

    Und die goldnen Haare strählte.

    #26Verfassermanni3 (305129)  18 Jul. 21, 17:01
    Kommentar

    Asche auf mein Haupt. Ich war sogar auf der Heinrich-Heine-Uni, aber Heine hat mich in der Tat nie sonderlich interessiert :-(

    #27VerfasserGibson (418762) 18 Jul. 21, 17:04
    Kommentar


    FWIW: Google bringt einige Beispiele aus dem zeitgenössischen Schweizerischen, auch der Strähl.

    #28Verfassermanni3 (305129)  18 Jul. 21, 17:07
    Kommentar

    Was wäre dieser Faden ohne Heine... ...fehlt nur noch Rapunzel...

    https://youtu.be/aeQlYaXLJt4

    #29VerfasserWittGenStein (1323045)  18 Jul. 21, 17:12
    Kommentar

    Und auch die Grimms haben's in einem Märchen (Die Nixe im Teich):

    »Tröste dich«, sagte die Alte, »ich will dir helfen; da hast du einen goldenen Kamm. Harr, bis der Vollmond aufgestiegen ist, dann gehe zu dem Weiher, setze dich am Rand nieder und strähle dein langes, schwarzes Haar mit diesem Kamm! Wenn du aber fertig bist, so lege ihn am Ufer nieder, und du wirst sehen, was geschieht!«

    https://www.projekt-gutenberg.org/grimm/maerc...


    #30VerfasserSelima (107) 18 Jul. 21, 18:04
    Kommentar

    ich verwende das Verb generell wenig. Auch wenn ich bürste, sage ich kämmen.

    Im Zusammenhang mit Haaren verwendet ich "bürsten" gar nicht, ich kämme meine Haare mit der Bürste (wie meine Vorredner:innen auch ;)).

    Ich sage allerdings "kämmen" auch mit "Haaren" - also: "Ich geh mir mal die Haare kämmen".

    #31Verfasseredoardo_1_4 (1297108)  19 Jul. 21, 07:52
    Kommentar

    Um mal von der Verwendung in Literatur wegzukommen, die Verwendung in der Alltagssprache ist hier eher in Richtung Haare, als Haar, es gibt aber auch Ausnahmen.


    Im Zusammenhang mit Aktionen würde ich grundsätzlich von "Haaren" sprechen, ich lasse sie mir beim Friseur waschen/tönen/schneiden/locken etc. Hier vom Haar zu sprechen wäre unnötig poetisch.


    Wenn eine Eigenschaft aus dem Haar selbst kommt, nehme ich eher die Singularform. Ich habe nasse Haare weil ich gerade duschen war, habe aber Shampoo gegen mein fettiges Haar genutzt. Fettige Haare habe ich, wenn irgendein Scherzbold Butter auf mein Kopfkissen geschmiert hat.


    Trockenes Haar hat man immer, trockene Haare nach dem Föhnen.


    "Blondes Haar" assoziiere ich mit naturblond, "blonde Haare" mit gefärbt.

    #32Verfasserm.dietz (780138)  19 Jul. 21, 08:54
    Kommentar

    Ich würde aber auch ganz ungefärbt sagen, dass ich braune Haare habe (und andere Leute blonde).

    #33VerfasserJanZ (805098)  19 Jul. 21, 09:37
    Kommentar

    Re #32: Siehe #5,6,9,11 (unter anderem).

    #34VerfasserSelima (107)  19 Jul. 21, 09:43
    Kommentar

    Re #34: Ja, hatte ich gesehen. Ich wollte den Unterschied nur noch von einer anderen Herangehensweise beleuchten, das "In Werbung spricht man von Haar" war mir dann doch zu oberflächlich. Mir ging es in meinem Beitrag speziell um den dritten Absatz (die Eigenschaft aus sich heraus), die eher zu "Haar" führt als zu "Haare".


    Es gibt da noch einen Witz zu erwähnen, in dem ein Mann seine zwei Haare im Mittelscheitel kämmt, als dann aber eines ausfällt, entschließt er sich, sein Haar offen zu tragen. Aber da wird die Konstruktion ja aufgrund des Wortspiels genutzt.

    #35Verfasserm.dietz (780138) 19 Jul. 21, 10:10
    Kommentar

    #31 ich kämme meine Haare mit der Bürste


    Wirklich? Wenn du sagst: "Ich geh mich mal kämmen" und dann doch die Bürste nimmst, meinetwegen. Aber "mit der Bürste kämmen" hört sich für mich genauso schräg an, wie wenn du deinen Kartoffelpamps mit der Gabel löffelst. Oder wie der alte Witz von dem Glatzkopf, der sich mit dem Schwamm kämmt. ^^

    #36VerfasserKapustiner (1229425) 26 Jul. 21, 17:27
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    Nein, du hast mich falsch verstanden. Ich versuche es noch einmal: Ich sage: "ich gehe mir mal die Haare kämmen!" Dazu benutze ich aber immer ein Bürste. Ich sage aber nie, obwohl ich immer eine Bürste benutze: "Ich bürste mir die Haare!"
    #37Verfasseredoardo_1_4 (1297108) 26 Jul. 21, 17:50
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    OK. Das bürstet mein Sprachgefühl wenigstens nicht gegen den Strich. ^^

    #38VerfasserKapustiner (1229425) 26 Jul. 21, 17:54
    Kommentar

    Ich sag's immer so: Da ich noch nicht mal ansatzweise eine Glatze habe, hab ich viele Haare. Da ich diese aber extrem (0,3 mm) kurz geschoren trage, hab ich dennoch wenig Haar ;-)

    #39VerfasserB.L.Z. Bubb (601295) 26 Jul. 21, 18:08
    Kommentar

    Und kämmst du dich mit dem Schwamm oder bürstest du dich mit dem Schwamm? ^^

    #40VerfasserKapustiner (1229425) 26 Jul. 21, 18:12
    Kommentar
    😂
    #41VerfasserB.L.Z. Bubb (601295) 26 Jul. 21, 20:53
     
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