#13: enttäuscht von etw. ... Enttäuschung über etw. ... sagt der Duden
Welcher denn? Meiner nicht, und der Online-Duden auch nicht. Dort werden keine allgemeingültigen Präpositionen genannt, es gibt nur Beispielsätze. Darunter genau einen mit einer Präposition: ich bin enttäuscht von ihr.
Adjektive wie enttäuscht und begeistert sind erstarrte Partizipien, und die fraglichen Sätze lassen sich als Zustandspassiv deuten:
(Aktiv:) Sie enttäuscht/begeistert mich.
(Vorgangspassiv:) Ich werde von ihr enttäuscht/begeistert, ich bin von ihr enttäuscht/begeistert worden.
(Zustandspassiv:) Ich bin von ihr enttäuscht/begeistert.
Daraus ergibt sich die Präposition von als diejenige, mit der im Passiv regelgemäß der "Handelnde" (in der Grammatiksprache das Agens) genannt wird.
So weit, so gut. Jetzt kommt das Aber:
Erstens überträgt sich das "von" in dieser Funktion meist nicht auf das Substantiv. Man sagt zwar: Die Tür wird von ihm geöffnet oder (notfalls*) auch: die Tür ist von ihm geöffnet, aber nicht: die Öffnung der Tür von ihm, denn das wäre missverständlich.
Das ist vermutlich der Grund dafür, dass man Formulierungen wie "die Enttäuschung/Begeisterung von ihm" instinktiv meidet und auf andere Präpositionen (hier etwa über) ausweicht.
[(*)Bevor jemand diesen zugegebenermaßen hässlichen Satz anzweifelt: das steht so in der Duden-Grammatik: Im Zustandspassiv wird das Agens im Allgemeinen nicht genannt, aber wenn es genannt wird, wird es wie beim Vorgangspassiv mit von angeschlossen.]
Zweitens (und das ist der Kernpunkt dieser Diskussion): Wenn der Auslöser der Enttäuschung/Begeisterung nicht als logisches Agens des Satzes erscheint, dann gibt es, so meine ich, auch keinen Grund, diesen Auslöser mit von anzuschließen. Wenn der Ministerpräsident ankündigt, die Steuern zu senken, dann ist es die Steuersenkung, die mich begeistert, nicht deren Ankündigung. Im Zustandspassiv bin ich somit begeistert von der Steuersenkung, aber nicht von der Ankündigung.