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    Land und Leute

    Why are Germans so fascinated with American Indians?

    Betrifft

    Why are Germans so fascinated with American Indians?

    Kommentar

    I've recently been reading about Karl May and the German interest in American Indians and the Wild West.


    The Karl May Festival in Bad Segeberg has more than 300,000 visitors each year!


    Why such fascination?

    Verfasser eric (new york) (63613) 01 Okt. 22, 17:48
    Kommentar

    Ich meine, mich zu erinnern, dass wir dazu auch schon diverse Fäden hatten, in denen das thematisiert wurde. Als Einstieg könnte vielleicht der Wikipediaeintrag dienen: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerbild_im...


    Karl May ist übrigens eine durchaus interessante Figur - seine Literatur aber nur bedingt genießbar. Als ich mal lange im Krankenhaus war, habe ich in Ermangelung von Alternativen einige Bände gelesen, was ich nur geschafft habe, weil mich das geschichtliche und gesellschaftliche Drumherum interessierte.

    #1Verfasser Selima (107)  01 Okt. 22, 18:32
    Kommentar

    Von Karl May gab es rund 70 Bücher, etwa die Hälfte davon spielte im nahen Osten (Kara ben Nemsi), die andere Hälfte in Nordamerika (Old Shatterhand, Indianer).

    Die Bücher habe ich min meiner frühen Jugend verschlungen, und in meinem Umfeld war ich damit nicht der Einzige. Bücher kaufen war nicht drin, d.h. ich musste die Bücher in der Stadtbibliothek ausleihen. Man konnte maximal drei Bücher gleichzeitig ausleihen und die mussten nach spätestens 3 Wochen (oder waren es 4?) wieder abgegeben werden. Für Karl-May-Bücher gab es wegen der hohen Nachfrage allerdings eine eine strenge Begrenzung: Nicht mehr als ein Band pro Ausleihe.

    Nun war in den Sommerferien mal eine Aushilfe in der Bibliothek, die von dieser Sonderregelung offensichlich nichts wusste, so dass ich gleich drei Karl-May-Bände auf einen Schlag ausleihen konnte.

    Ich las die drei Bände nacheinander in wenigen Tagen. Das war dann eindeutig zu viel. Plötzlich fiel mir auf, dass ich eigentlich drei mal das gleiche Buch gelesen hatte. Und die penetrante christliche Propaganda ging mir plötzlich total gegen den Strich.

    Ich hab nach dieser Leseorige nie mehr eine Karl-May-Buch angefasst, obwohl ich mit den 70 Bänden noch längst nicht durch war.

    Der Generation meiner KInder sagt meiner Einschätzung nach Karl May nichts.

    #2Verfasser eineing (771776)  01 Okt. 22, 19:12
    Kommentar

    Die Segeberger Karl-May-Spiele sind ein ganz besonderes Genre: Da wird mit echten Pferden in einer ziemlich wilden Kulisse gespielt. Das allein reicht eigentlich schon, um Publikum anzulocken.


    Was die Faszination ganz allgemein betrifft: Wir haben als Kinder in den Siebzigern "Cowboy und Indianer" gespielt. Da gab es einige Zutaten, die in jedes Spiel gehörten:

    Gejohle

    Kämpfe (aber auch Versöhnung: Friedenspfeife)

    seltsame Sprache ("Weißer Mann gehen weg", Fachausdrücke wie Tomahawk, Squaw, Häuptling)

    einfache Kostüme (Stirnband und Feder bzw. Cowboy-Hut)

    Waffen, die auch selbst gebastelt werden konnten (Pfeil und Bogen)

    Gruppenzugehörigkeit


    Also alles, was Kinder beim gemeinsamen Toben und Spielen toll finden. Die Faszination bleibt dann bis ins Erwachsenenalter, genährt durch Westernfilme.


    Dazu kommt der Aspekt der Exotik (der in früheren Zeiten durchaus auch in Erotik überschlagen konnte). Und da in Deutschland kaum "Indianer" lebten oder leben, wurde / wird das Idealbild vom "Edlen Wilden" (als Gegenentwurf zu verweichlichten Angehörigen westlicher Zivilisationen) nicht mit der Wirklichkeit konfrontiert.


    Soweit mein ganz und gar un-soziologischer Erklärungsversuch aus eigener Erfahrung.


    Ergänzung, da ich eben #2 gesehen habe: Ich habe als Kind so ziemlich alle Bücher von Karl May gelesen, habe auch noch viele im Regal stehen, einige davon sind von meinem Mann, der sie "natürlich" auch gelesen hat. Mich nervten nur die langatmigen Landschaftsbeschreibungen und das christlich-missionarische Pathos.

    #3Verfasser Raudona (255425)  01 Okt. 22, 19:27
    Kommentar

    Die Faszination für den "Westen" war ja schon vor Karl May da. Ich erinnere nur an die Wildwest-Shows von Buffalo Bill oder daß der Cowboy-Verein vor über 100 Jahren gegründet wurde (und noch immer existiert).

    #4Verfasser bluesky (236159) 01 Okt. 22, 19:40
    Kommentar

    Freiheit und Abenteuer ... Cowboy und Indianer ist doch viel spannender als Räuber und Gendarm.


    Dazu sind enorm viele Deutsche nach Amerika ausgewandert, das mag auch eine Rolle gespielt haben.

    #5Verfasser mbshu (874725) 01 Okt. 22, 20:11
    Kommentar

    Ich erinnere mich, dass ich so mit ca. 12 Jahren furchtbar geheult habe, als Winnetou (in den ich natürlich verliebt war) am Ende stirbt und ich meine Mutter gefragt habe, wieso Karl May denn so ein schreckliches Ende geschrieben hat, statt ihn weiterleben zu lassen. Pragmatische Antwort: Würdest du denn wirklich wollen, dass er alt und klapprig wird? So bleibt er immer jung und schön.

    Das hat mich überzeugt.


    Ich denke auch, dass die Bücher Generationen von Deutschen geprägt haben - nicht nur die, die es gelesen haben, sondern mittelbar auch Jüngere, die die Sicht auf Raudonas "Edle Wilde" von den Eltern übernommen haben, auch wenn sie den Hintergrund nicht kennen oder nie eines der Bücher in der Hand hatten.

    #6Verfasser Gibson (418762) 01 Okt. 22, 20:48
    Kommentar
    Schon Goethe war von J. F. Cooper fasziniert. Steht, glaub ich, bei Eckermann.
    #7Verfasser jo-SR (238182) 01 Okt. 22, 21:17
    Kommentar

    Tja, und dann sieht man Filme mit John Wayne, und da sind die Apachen auf einmal die Bösen. Es ist alles andere als einfach, heranzuwachsen!

    #8Verfasser mbshu (874725) 01 Okt. 22, 22:50
    Kommentar

    Ergänzung zu #6


    Ich (Mitte der Sechziger geboren) bin nicht nur mit den Büchern, sondern vor allem mit den Karl-May-Filmen großgeworden. In gefühlt jeder zweiten Ausgabe der BRAVO gab es Berichte über Pierre Brice und Lex Barker, dazu den einen oder anderen Starschnitt. Uschi Glas als Apanatschi war natürlich unvergleichlich; und hat nicht sogar mal Götz George in einem der Filme mitgespielt?


    Edit:#8 war eben noch nicht da.

    #9Verfasser karla13 (1364913)  01 Okt. 22, 22:59
    Kommentar

    Etwa gleichzeitig. Ich war schon als Kind der "ich bin aber kein Indianer"-Junge, der erst viel später gelernt hat, seine Gefühle rollenerwartungsgemäß zu verstecken. Dafür habe ich schon sehr früh sehr dicke Bücher gelesen, ohne mich von Müdigkeit aufhalten zu lassen. Karl May habe ich mehrmals versucht, es war damals die "einzige" angeblich bei Kindern (später Jugendlichen) unglaublich beliebte Lektüre von Romanrang.

    Leider war es die einzige, bei der ich regelmäßig über dem Buch einschlief.


    Ich habe kein einziges ganz gelesen, bin auch für keine Verfilmung ins Kino gegangen oder später im Fernsehen überhaupt zum größeren Teil gesehen. Für mich war das immer der Schmalz am Silbersee, und Old Tattergreis war keine Identifikationsfigur. Den "edlen Wilden" dagegen gab es ja vielfältig auch andernorts zu bestaunen.


    Eine Entschuldigung an alle Karl May-Fans, die ihr Idol jetzt beleidigt sehen: selbst wenn seine Hinterlassenschaft ein großes literarisches Werk darstellen sollte, bleibt dessen Anerkennung oder gar Genuss doch sehr eine des persönlichen Geschmacks. Biographisch, literatur- und wirkungsgeschichtlich finde ich den Autor dagegen gerade unverzichtbarfür eine umfassende Bildung, nicht aber seine Bücher.

    #10Verfasser reverend (314585) 02 Okt. 22, 00:03
    Kommentar

    Ich bin mit Büchern von Karl May aufgewachsen und habe diese verschlungen. Die Wild-West-Reihe hat mich, bis auf den ersten Band, nicht so angesprochen, ich war eher von seinen Fantasien aus Arabien fasziniert. Besonders traurig war ich bei seiner Erzählung vom Tod des Pferdes der Titelfigur, die Stelle hat mich jedes Mal (ja, ich habe die Bücher mehrmals gelesen) mitgenommen.

    Was hat mich an seinen Erzählungen gestört? Die schon erwähnte christliche Propaganda und sein unglaublich perfekter Held ohne Fehl und Tadel. Bei Karl May herrscht ja meist eine klare Zurodnung zu Gut und Böse, Grautöne gibt es so gut wie nie. Hat mich damals aber nicht gestört.

    Die paar Werke, die ich aus dem Archiv der Karl-May-Gesellschaft gelesen habe, blieben bei mir kaum in Erinnerung. Eigentlich war es nur zur Übung meiner Fraktur-Lesekenntnisse.


    Edit: Um zum Thema des OT zu kommen. Meiner Meinung nach haben Aufführungen wie die Karl-May-Festspiele nur den heutigen Zulauf, weil man es aus seiner Jugend noch kennt. Man ist mit den Großeltern hin, mit seinen Eltern hin, hat seinen Karl May gelesen, also führt man diese Tradition weiter.

    Eine Neuauflage von Indianerspielen à la Buffalo Bill, Karl May oder eine modernere Variation kann ich mir heutzutage nicht vorstellen. So groß ist die Begeisterung für native Americans in Deutschland meines Erachtens nicht.

    #11Verfasser petewald_DE (1202508)  04 Okt. 22, 10:46
    Kommentar

    Man könnte zurückfragen: Why so surprised!?

    Schließlich waren die Amerikaner doch selbst lange Zeit vom Mythos der Frontier und des Wilden Westens fasziniert bzw. sind es immer noch, ... und schließlich stellten die Deutschen gerade auch in der Zeit, als Karl May schrieb, eine sehr dominante bzw. sogar die größte Auswanderergruppe dar, nicht zuletzt wurden gerade sie eben auch Siedler in den neu erschlossenen Gebieten des Westens.


    Bemerkenswert sicherlich eben die Sympathie Karl Mays mit den Indianern, die er immer auch als Brudervolk charakterisiert hat. Ihm fehlte offenbar gänzlich das rassistische und imperialistische Denken des weißen amerikanischen Mainstreams. Ein echt deutsch-romantisches Gemüt mit dem Ideal der Volksverbrüderung sozusagen, ... damit bei weitem eben auch nicht so teutomanisch wie Richard Wagner, und im Volk offenbar viel beliebter als letzterer. Nicht zuletzt der Kaiser hat ihn geschätzt, es kam zu einer persönlichen Begegnung.


    Die USA besucht hat er übrigens erst 1908, als er bereits ein erfolgreicher Schriftsteller war. Dieser Thread regt mich an, mir einmal den Band "Winnetous Erben" zuzulegen, der auf den Reiseeindrücken Karl Mays beruht. Danke sehr!


    Ich selbst hatte bislang - ganz im Gegensatz zu meiner Schwester, die so ziemlich alles von ihm verschlungen hat - entschieden nie Lust, ihn zu lesen, erinnere mich noch, zu meinem Kindergeburtstag in der 6. Klasse "Die Felsenburg" von jemandem geschenkt bekommen zu haben und empfand das wohl unpassenderweise als bittere Enttäuschung, wie ein Schlag ins Gesicht.

    Bei der Übertragung der Verfilmungen im Fernsehen dagegen saß ich gebannt vor dem Fernseher, mit dem Rest der Republik sozusagen.


    Der Besuch des Karl-May-Museums in Radebeul bei Dresden - in Mays alter, aber noch sehr intakter "Villa Shatterhand" lohnte sich sehr, fand ich, alsi ich vor zwei, drei Jahren einmal dort war. Man bekommt auch den Karl-May-Kult in der DDR geschildert, der nach einigem staatsideologisch begründeten Zögern schließlich doch zugelassen wurde. Viele Nichtausgewanderte scheinen sich eben auch einmal gerne mit den Indianern zu identifizieren, vielleicht um der "weiß" geprägten.einengenden eigenen Zivilisation auf die Art und Weise in der Freizeit etwas entfliehen zu können.


    Auch das Deutsche Historische Museum in Berlin widmete ihm vor gut zehn Jahren eine Ausstellung, die ich auch beeindruckend fand.

    https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/karl-may/

    #12Verfasser RightSaidFred (1322814)  05 Okt. 22, 13:01
    Kommentar

    Es klang ja schon einige Male an. Die OP-Frage


    Why are Germans so fascinated with American Indians?


    führt vielleicht in die Irre. Ich glaube nicht, dass die Deutschen heutzutage großes Interesse an amerikanischen Ureinwohnern haben. Dass das Festival in Bad Segeberg über 300.000 Besucher pro Jahr hat, ist auch kein Gegenbeweis. So hat zum Beispiel die Semperoper in Dresden pro Jahr auch knapp 300.000 Besucher, aber die Behauptung, dass die Deutschen ganz große Opernfans wären, scheint mir sehr gewagt, auch wenn die deutschen Opernhäuser insgesamt vermutlich deutlich mehr Besucher haben als die deutschen Karl-May-Festivals. Sowohl die deutschen Opernhäuser als auch die Karl-May-Festivals haben ihre Besucher, aber die überwiegende Mehrheit der Deutschen ignoriert beide Veranstaltungsformen.

    #13Verfasser harambee (91833) 05 Okt. 22, 13:33
    Kommentar

    #13 - Da würde ich aber doch auch die Kategorie der Leser mit einbeziehen, und wenn deren Zahl zurzeit mit Sicherheit auch deutlich niedriger ausfällt als vor einigen Jahrzehnten, sollte man sie wohl nicht unterschätzen. Ein bisschen ist dieses ganze Theater natürlich schon ein Relikt der Vergangenheit, das aber eben doch noch weiter lebendig ist.


    Und sicherlich reicht das Interesse heutiger Deutscher an den Indianern nicht ganz so weit wie der Wortlaut von Eric's Anfrage implizieren mag, doch gerade der Kult um Winnetou und die Populariät von dessen Darsteller Pierre Brice haben ja schon etwas Singuläres an sich gehabt.

    Beim "Schuh des Manitu" hält sich echte Indianer-Romantisierung allerdings sicher schon etwas in Grenzen, ist wohl zuzugestehen.


    Nicht zuletzt offenbart die Anfrage Eric's eben ggf. wohl auch, dass Indianer bzw. eben die indigene Bevölkerung der USA dort immer noch sehr stark aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden. Vor sehr kurzer Zeit habe ich übrigens unabhängig von dieser Anfrage in einem Filmlexikon gelesen, dass eine Neigung der US-amerikanischen Filmindustrie, Indianer in Western-Filme ggf. zur Abwechslung auch einmal positiv darzustellen, sich eigentlich erst entwickelte, als man bestrebt war, ein Image zu entwickeln, das sich deutlich positiv von dem des NS-Staats absetzt.

    #14Verfasser RightSaidFred (1322814)  05 Okt. 22, 14:07
    Kommentar

    Grrr, ich hatte so einen schönen langen Text geschrieben und dann "ist ein Fehler aufgetreten". Nächster Versuch:


    #12: Bemerkenswert sicherlich eben die Sympathie Karl Mays mit den Indianern, die er immer auch als Brudervolk charakterisiert hat. Ihm fehlte offenbar gänzlich das rassistische und imperialistische Denken des weißen amerikanischen Mainstreams.


    Das sehe ich anders. May kategorisierte quer durch alle Völker nach Gut und Böse. Die Apachen waren die Guten, die Komantschen die Bösen (die man auch getrost töten durfte). Schon vor der Ankunft von Old Shatterhand, der sich als Co-Führer neben Winnetou installierte, hatten die Apachen einen deutschen Lehrer (Klekih-petra, "Weißer Vater") - sie waren also gelehrige Kinder, die brav die Weisheiten des Deutschen aufsogen. Das betrachte ich durchaus als rassistisch.


    Die Weißen waren auch entweder durch und durch gut (dann meist aus Deutschland stammend) oder durch und durch böse (dann auf keinen Fall aus Deutschland stammend).

    #15Verfasser Raudona (255425) 05 Okt. 22, 14:09
    Kommentar

    This article is more than ten years old now, but I remember finding it fascinating at the time:


    https://www.newyorker.com/magazine/2012/04/09...

    Wild West Germany

    Why do cowboys and Indians so captivate the country?

    #16Verfasser dulcinea (238640) 05 Okt. 22, 15:04
    Kommentar

    #16 - an interesting article I think! Thank you very much!


    #15 - Ungern will ich lautstark dagegen angehen, und sicher mag Karl Mays eigene Einstellung gegenüber Indianern ambivalent gewesen sein. Allein der Opfertod Winnetous mag insgeheim mit hämischen, unlauteren Gemütsbewegungen des Lesers bedacht bzw. von Karl May mit doppelbödigen Hintergedanken angelegt worden sein.


    Dennoch kann man im Hinblick auf die Frage im OP doch sagen, dass bei der Karl May-Rezeption insgesamt ein postives, romantisierendes Indianerbild dominiert, das auch von Respekt geprägt und jedenfalls keineswegs grundsätzlich rassistisch geartet ist.

    Bei einem Blick in den oben bereits erwähnten Katalog des DHM aus dem Jahr 2007 fällt zum Beispiel ein Artikel auf, der da heißt "Der Germanen liebster Blutsbruder - das Bild des Indianers zwischen Realität und Inszenierung" - und dann ein ganzer Abschnitt mit einem halben Dutzend Artikeln zum Thema "Winnetou lebt!"

    Seit seinem Tod stehen bei der Pflege des Karl-May-Kults, wie er zunächst von seiner Witwe betrieben wurde, die Indianer stark im Vordergrund, auch zum Beispiel bis heute in Radebeul, obwohl Karl May bei weitem nicht nur Wild-West-Geschichten geschrieben hat. Es werden dorthin regelmäßig Indianer eingeladen und Indianerfeste gefeiert.

    Auch im Katalog wird dieses ausdrücklich nicht als rassistisches Spektakel dargestellt, sondern zum Beispiel als eine Gelegenheit, den starren Konventionen einer bürgerlichen Welt zeitweise enfliehen zu können, wie oben bereits angedeutet.


    OT: Verfehlt und ignorant scheint mir #13 übrigens auch deswegen, weil die Bedeutung der Opernwelt und des Musiktheaters in Deutschland grob unterschätzt wird, wo es doch in Deutschland so viele öffentliche Opernhäuser bzw. Musiktheater gibt wie im Rest der Welt zusammengenommen, eine regelmäßig tradierte Tatsachenbehauptung, jüngst wieder einmal vorgebracht vom ehemaligen Präsident des Deutschen Bundestags Norbert Lammert bei den diesjährigen Thomas-Mann-Tagen in Lübeck.

    Laut Angaben des Deutschen Bühnenvereins gab es in der Vor-Corona-Saison 2018/19 in deutschen Bühnenhäusern übrigens 35 Millionen Besucher an deutschen Bühnenhäusern. Da muss man doch schon ein bisschen etwas von einem Kulturbanausen an sich haben, um so eine Zahl gänzlich relativieren zu wollen.

    #17Verfasser RightSaidFred (1322814)  05 Okt. 22, 16:45
    Kommentar

    #17


    Dann bin ich wohl ein ignoranter Kulturbanause, aber ich bleibe dabei, dass sich nur eine Minderheit der Deutschen ernsthaft für die Oper interessiert. Opernfans, die ich kenne, gehen jedes Jahr mehrfach in die Oper, so dass auch die von Dir genannten 35 Millionen meine These stützen. Ich frage aber mal direkt: Behauptest Du ernsthaft, dass die Deutschen in ihrer Mehrheit Opernfans sind?


    Ich finde aber ohnehin, dass Deine Reaktion an dem vorbeigeht, was ich sagen wollte. Für mich sind die 300.000 jährlichen Besucher bei den Karl-May-Festspielen gerade kein Beleg für die Behauptung im OP. Sie widerlegen die Behauptung auch nicht, aber ein Beweis sind sie auf keinen Fall. 300.000 sind nicht so viele.

    #18Verfasser harambee (91833) 05 Okt. 22, 17:03
    Kommentar

    #17


    Ich kriege das, was ich ausdrücken möchte gerade nicht in längerer Form hin deswegen hier nur einmal ganz kurt:

    Auch positive Vorurteile sind Vorurteile. Dass das deutsche romantisierte Bild von amerikanischen Ureinwohnern positiv beladen ist, macht es nicht weniger rassistisch, weil es den Menschen dahinter aus den Augen verliert.


    #19Verfasser Smoerrebroed (906026) 05 Okt. 22, 17:16
    Kommentar

    Man darf, glaube ich, nicht vergessen, dass Karl-May-Romane Abenteuergeschichten für Jugendliche sind. Das liest man mit 12 oder 13, nicht als Erwachsener. In dem Alter fällt die Missionierung und die Schwarz-Weiß-Malerei noch nicht so auf.

    #20Verfasser penguin (236245) 05 Okt. 22, 18:29
    Kommentar

    Habe jetzt nicht alles gelesen (ist das nicht die ewige Ausrede von Schwätzern? 😉), aber:

    Karl May habe ich viel gelesen (als Kind/Jugendliche), beherrsche aber die Kunst des Querlesens (in dem Fall waren es die religiösen "Ergüsse", die ich ignoriert habe). Den Rest fand ich klasse. Wobei - nur die Navajos waren die Guten, alle anderen böse, oder?


    Und dann hatten wir im Englisch-Leistungskurs am Gymnasium eine recht fundierte Auseinandersetzung mit den Problemen / Rechten / etc. der Native Americans (ich weiss gar nicht mehr, was die politisch korrekte Bezeichnung Ende der 70er Jahre war). Das war lehrreich.

    #21Verfasser virus (343741) 05 Okt. 22, 19:03
    Kommentar

    wo es doch in Deutschland so viele öffentliche Opernhäuser bzw. Musiktheater gibt wie im Rest der Welt zusammengenommen


    Gibt es in den anderen Ländern auch staatliche Subventionen? Wenn die Opernhäuser sich alles selbst tragen müssten, wären es erheblich weniger. Das lässt also keinen Schluss darauf zu, wie opernverliebt der Deutsche an sich ist.

    #22Verfasser Gibson (418762) 05 Okt. 22, 19:12
    Kommentar

    #18 - Ich finde deine EInstellung jedenfalls etwas stumpf und unenthusiastisch. Auch "nur" roundabout 6.5 Millionen Deutsche spielen Fußball im Verein, "nur" 13-14 Millionnen Zuschauer im Jahr sehen Bundesligaspiele live. Ist ja noch viel weniger, könnte man sagen.


    #20 - Also Karl May war mal Familienlektüre würde ich sagen und ist weiterhin Familiensache.


    #22 - Na ja, ganz leer sind diese Häuser aber ja offenbar nicht, und sie spielen ja auch einen bedeutenden Teil des Jahres, im Gegensatz etwa zu großen Opernhäusern in den USA, habe ich mir jedenfalls sagen lassen.


    Was die Begegnung zwischen Karl May und dem Kaiser betrifft, meine ich sowas in der DHM-Ausstellung gelesen zu haben, kann das aber zurzeit nicht belegen. Da muss ich zunächst etwas zurückrudern. Außerdem hatte Karl May auch wohl immer etwas von einem Hochstapler. So hat er wohl früh immer schon großtönend behauptet, er sei vor Ort an den Schausplätzen seiner Werke gewesen, vor allem auch in den USA, die er aber wie gesagt erst 1908 bereiste - und hat sich dazu erlogene Anekdoten ausgedacht, die sein Massenpublikum sehr beeindruckten - etwa von Gewehren, die hiundert Schuss pro Minute und merh abgeben usw. usw.

    #23Verfasser RightSaidFred (1322814)  05 Okt. 22, 19:36
    Kommentar

    #23 Vermutlich können wir noch Stunden aneinander vorbei reden, aber einen Versuch mache ich noch. Was ich sagen will:


    1. The Karl May Festival in Bad Segeberg has more than 300,000 visitors each year! Ich finde nicht, dass das eine Zahl ist, aus der man schließen kann, dass die Deutschen sich besonders für Indianer interessieren.
    2. Ich glaube, dass es in Deutschland mehr Opernfans als Karl-May-Fans gibt, aber ich zögere trotzdem, daraus zu schließen, dass Deutschland ein Land von Opernliebhabern ist. Es gibt natürlich nicht wenige, aber ich glaube, dass sich eine deutliche Mehrheit der Deutschen wenig oder gar nicht für Opern interessiert.
    3. Die Aussagen 1 und 2 geben keinerlei Auskunft darüber, was ich von Karl May oder Opern halte.


    #24Verfasser harambee (91833) 05 Okt. 22, 19:57
    Kommentar

    Nur zur Ergänzung für interessierte ein Auszug aus einem Geschichts-Blog:


    Einen direkten Hinweis habe ich nicht gefunden, dass KW II. durch Karl May inspiriert wurde. Es würde sich auch die Frage stellen, warum er nicht die Auslandsdeutschen in den USA besucht hatte, um auf den Spuren des deutschesten Karl May Helden, "Old Shatterhand" zu wandeln?


    Es finden sich eher Hinweise, die die Beeinflussung der kulturellen Determinanten betreffen. So argumentiert beispielsweise Erichsen, dass durch die Arbeiten von Karl May die "Frontier-Mentalität", die in den USA um 1890 ihren realen Abschluss fand, in Deutschland verstärkt haben.


    Retallack argumentiert, dass die Geschichten über exotische Gegenden und den "Wilden Westen" für die Masse des Volkes den Zugang zu kolonialen Welten erst geöffnet hatte. (Retallack, Pos. 3865). Und damit erst sich die Möglichkeit bot, "willige Siedler" in den Kolonien zu finden, die den "Frontier-Mythos" selber leben wollten.


    Und ähnlich Erichsen. In diesem Sinne haben seine Arbeiten die Vorstellungswelt der Deutschen nach nationaler Expansion in die "Frontiers" in den 1890 Jahren erst so richtig stimuliert. (Erichsen, S. 107)


    Vor diesem Hintergrund mag KW II. auch durchaus von dieser "Stimmung" mit getragen worden sein. Zumal in diese Zeit ja auch die ersten Ausstellungen von Hagenbeck u.a. fielen, die andere Kulturen in ihren "Zoo" präsentierten.


    Interessant ist, wie Gründer u.a. (S. 254) dann die realen Arbeitsbedingungen beim Bau der Bagdadbahn beschriebe: "Denn wer einen Vertrag unterschrieb, erlebte schließlich einen "Wilden Osten" wie in den Karl May Romanen beschrieben."


    Erichsen, Casper W.; Olusoga, David (2010): The Kaiser's Holocaust. Germany's forgotten genocide and the colonial roots of Nazism. London: Faber and Faber.

    Gründer, Horst; Graichen, Gisela (2005): Deutsche Kolonien. Traum und Trauma. Unter Mitarbeit von Holger Dietrich. 2. Auflage. Berlin: Ullstein (Ullstein).

    Retallack, James N. (2008): Imperial Germany, 1871-1918. Oxford, New York: Oxford University Press (Short Oxford history of Germany).

    https://www.geschichtsforum.de/thema/karl-may...

    #25Verfasser RightSaidFred (1322814) 05 Okt. 22, 20:40
    Kommentar

    Auch die Störtebeker-Festspiele auf Rügen ziehen pro Jahr oft mehr als 300.000 Besucher an.

    Ist Deutschland deshalb übermäßig von Freibeutern und Piraten fasziniert? Ein kleiner Teil offenbar ja.

    Gleiches scheint für den einigen Deutschen von Karl May mit den Büchern und enorm erfolgreichen/beliebten Verfilmungen der Geschichten von Winnetou und Co. eingepflanzten „Indianermythos“ zu gelten.

    #26Verfasser skye (236351) 06 Okt. 22, 13:45
    Kommentar

    ... der ja gerade in Frage gestellt wird: Das Buch zu dem aktuellen Kinderfilm "Der junge Häuptling Winnetou" wurde vor einigen Wochen vom Markt genommen, weil es Vorwürfe wegen kultureller Aneignung und Darstellung von Klischees gab. Eine in meinen Augen recht objektive Meinung dazu: "Der junge Häuptling Winnetou": Viel Aufregung um ein banales Buch | NDR.de - Kultur - Buch

    #27Verfasser Raudona (255425) 06 Okt. 22, 14:44
    Kommentar

    Diese Bücher haben aber mit Karl May nichts zu tun, außer daß dieser die Indianerfigur erfunden hat.

    #28Verfasser bluesky (236159) 06 Okt. 22, 15:54
    Kommentar

    Na ja, die Verfilmungen haben auch nur am Rande mit den Büchern zu tun. Das geht schon los bei der äußeren Erscheinung von Winnetou: das dunkle Haar hatte er [der Vater] in einen helmartigen Schopf aufgebunden(...) Auch er [Winnetou] trug den Kopf unbedeckt und hatte das Haar zu einem Schopfe aufgewunden, aber ohne es mit einer Feder zu schmücken. Pierre Brice und Gojko Mitic trugen die Haare ganz langweilig mit Mittelscheitel lang herunterhängend und mit Stirnband - so verkleideten sich Generationen von deutschen Kindern.

    #29Verfasser Raudona (255425)  06 Okt. 22, 16:47
    Kommentar

    In der Generation meiner Eltern (geboren in den 1950ern, von der direkt danach kommenden weiß ich zu wenig) haben alle Karl May gelesen. Die Namen von Hadschi Omar ben Hadschi wasweißdennich schnell und korrekt aufsagen zu können, war eine wichtige Kompetenz.


    Ich bin in den 80ern geboren. Wir haben manchmal Indianer gespielt, es gab ein Indianderfest in der Grundschule, aber Karl May hat schon fast niemand mehr gelesen. Westernfilme gab es nicht mehr, zumindest nicht im Kino. Warum unsere Mütter bei der Erwähnung von Winnetou leuchtende Augen bekamen, war uns schleierhaft. Ich habe mich durch eine mehrbändige Karl-May-Geschichte gekämpft, weil mein Vater so davon geschwärmt hatte. Sie war phasenweise spannend, aber selbst ich als 13jährige hob die Augenbrauen bei Sätzen wie "Ein großgewachsener blonder Mann verließ das Schiff. Man sah ihm an, dass er ein Deutscher war." Weitere Bücher habe ich dann nicht mehr gelesen.


    Meine Kinder finden Indianer nicht interessanter als Piraten oder Wikinger. Einhörner, Drachen, Ritter oder Feuerwehrmänner sind deutlich beliebter.

    #30Verfasser grinsessa (1265817) 07 Okt. 22, 10:59
    Kommentar

     das Haar zu einem Schopfe aufgewunden


    Was muss man sich denn darunter vorstellen? A man bun?

    #31Verfasser Gibson (418762) 07 Okt. 22, 12:10
    Kommentar

    #18 - Noch einmal abschließend: Natürlich wirst du recht haben, harambee, dass man keine Bevölkerungsmehrheit in Deutschland finden wird, die sich für die Oper interessiert, aber dennoch gibt es eben insbesondere im internationalen Vergleich eine bemerkenswert hohe Anzahl an Opern-Fans, eine Tatsache, die man meine ich im Endeffekt stärker bewerten sollte. Genauso wird man in vielen Fällen ähnlich argumentieren können, eine Mehrheit in Deutschland interessiere sich nicht für Fußball, in den USA hätte sich niemals eine Mehrheit für Rock'n Roll, American Football, Baseball, oder Basketball o.Ä. interessiert. Das ist es, was ich eben etwas stumpf an deiner Haltung empfinde. Ich meine, man sollte Besonderheiten betonen, auch wenn sie statistisch bei weitem nicht ganz so ins Gewicht fallen wie einige stark Enthusiasmierte sich das so vorstellen mögen. Und die Karl-May-Fans gab es eben einige Jahrzehnte lang eben schon in -relativ gesehen- exorbitanter Anzahl, vielleicht niemals ganz so stark grassierend wie das Harry-Potter-Fieber, aber langfristiger - bis jetzt.

    #32Verfasser RightSaidFred (1322814)  17 Okt. 22, 13:06
    Kommentar

    Ja, das kann man sicher so sehen. Das Problem ist, dass man sich nicht so schnell einig wird, ob die Aussage


    The Germans are so fascinated with American Indians.


    die ja im OP als Voraussetzung gesetzt ist, wirklich stimmt. Ich finde weiterhin, dass sie nicht stimmt, so dass man die OP-Frage eigentlich nicht beantworten kann, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgeht.


    Ähnlich, wenn auch in nicht so starkem Maße, würde ich auf die Frage


    "Warum sind die Deutschen so fasziniert von der Oper?"


    reagieren. Ja, es gibt in Deutschland viele Opernfans, vielleicht/vermutlich mehr als in anderen Ländern, aber die Aussage "Die Deutschen sind Opern-Fans." geht mir schwer über die Lippen. Das mag aber auch daran liegen, dass die Deutschen Verallgemeinerungen mit einer gewissen Skepsis betrachten. (-;

    #33Verfasser harambee (91833)  17 Okt. 22, 13:29
    Kommentar

    Hier noch nette Statistiken für alle, die der These zustimmen, dass Deutschland ein Land der Opernliebhaber ist:


    https://www.kulturraum.nrw/theater/oper/inter...


    Danach gibt es mehr als ein Drittel aller Opernaufführungen weltweit in Deutschland. Das finde ich schon erstaunlich. Bezieht man die Zahl der Aufführungen auf die Bevölkerungszahl, so liegt Österreich deutlich und Estland knapp vor Deutschland!


    PS: Noch eine Ergänzung zu #33, um es hoffentlich noch klarer zu machen: Ich habe nichts gegen Sätze wie

    Es gibt in Deutschland sehr viele Opernfans.

    oder

    Viele Deutsche interessieren sich für amerikanische Ureinwohner.


    Ich habe aber Probleme mit Sätzen wie

    Die Deutschen sind Opernfans.

    #34Verfasser harambee (91833)  17 Okt. 22, 13:39
    Kommentar

    The Germans are so fascinated with American Indians.

    read: Eric was surprised by the fact that a lot more mainstream Germans seem to be interested in Native Americans compared to mainstream US citizens.

    #35Verfasser RightSaidFred (1322814) 17 Okt. 22, 18:04
    Kommentar
    Nein, ein Vergleich zu Amerikanern und ihrem Interesse am "Wilden Westen" wird im OP nicht gezogen. harambee hat schon richtig gelesen.
    Auch von "mainstream" war nirgends die Rede.
    #36Verfasser fehlerTeufel (1317098) 17 Okt. 22, 20:39
    Kommentar

    #37- nicht explizit, aber implizit fand ich das schon

    #37Verfasser RightSaidFred (1322814) 17 Okt. 22, 21:05
    Kommentar
    Das ist dann deine Interpretation - für die ich allerdings keinerlei Hinweis sehe. Deine Aufforderung an harambee lautete aber "read:" Was genau sollte er denn lesen, wenn es doch nichts zu lesen gibt?
    #38Verfasser fehlerTeufel (1317098) 17 Okt. 22, 23:34
    Kommentar

    Außer Karl May (den ich natürlich auch rauf und runter gelesen habe), gab es auch weitere Indianerliteratur, die in Deutschland durchaus beliebt war, heute aber fast in Vergessenheit geraten ist. J.F. Cooper wurde schon erwähnt; seine Lederstrumpf-Saga wurde ja in den 60ern auch mit deutschen Schauspielern verfilmt.


    Und dann mein persönlicher Liebling: Tecumseh, der (real existiert habende) Shawnee-Häuptling, dessen Leben Fritz Steuben in dramatisierten, aber häufig sehr realitätsnahen Büchern erzählt hat - nur mit der zeitlichen Abfolge hat er öfter etwas geschummelt. So hat er Tecumseh als jungen Krieger in einem Krieg mitkämpfen lassen, bei dem es sich aufgrund der geschilderten Schlachten um Lord Dunmore's War vor 1774 handeln muss, als Tecumseh aber erst 6 Jahre alt war. Trotzdem, sehr gute und (vor allem für Kinder und Jugendliche) sehr spannende Geschichten mit authentischen Personen.


    Warum haben mich diese Bücher schon immer fasziniert? Vermutlich lag es am Reiz des Abenteuers und der fernen Länder für junge Menschen, nicht nur bei den Indianern. Ich habe ja auch Karl May's Orientzyklus mit ähnlicher Begeisterung gelesen, oder die Schatzinsel oder überhaupt alles, was mit Piraten zu tun hatte.


    Später dann die Western von Louis L'Amour & Co.


    Unterstützt wurde das in meinem Fall durch meinen Vater, der bei all seiner literarischen Bildung in dieser Hinsicht das Glück hatte, immer Kind zu bleiben.

    #39Verfasser Jesse_Pinkman (991550)  18 Okt. 22, 00:26
    Kommentar

    Ich habe mich dann später auch recht intensiv mit der Geschichte der Indianerkriege befasst. So kam es, dass wir 2009 bei unserem Urlaub in den USA auf dem Weg durch Wyoming einen kurzen Abstecher zum Fort Phil Kearny und dem nahegelegenen Ort des Fetterman-Massakers von 1866 gemacht haben. Mich hat schon immer die Geschichte von Portugee Philips fasziniert, der aus dem von Sioux und Cheyenne belagerten Phil Kearney in tiefster Winternacht ausgebrochen ist um bei 20 Grad (Celsius) unter Null durch die tiefverschneite Landschaft drei Tage lang nach Fort Laramie zu reiten und Unterstützung zu holen. Wir waren diese Strecke an eben diesem schönen Septembertag über asphaltierte Straßen gefahren und konnten daher einschätzen, was das für eine Leistung gewesen sein muss.


    Zum Little Big Horn wäre ich auch noch gerne gefahren, diese Schlacht von 1875 war immer eine der interessantesten für mich, aber das hat nicht mehr in unseren Zeitplan gepasst.


    Ihr seht ich kann mich auch heute noch für diese Geschichten begeistern. Es war also bei weitem nicht nur Karl May, der fast schon ein Sonderphänomen ist, aus verschiedenen Gründen.

    #40Verfasser Jesse_Pinkman (991550) 18 Okt. 22, 00:58
    Kommentar

    Als 8jährige habe ich natürlich Winnetou gesehen, dann habe ich Lederstrumpf gelesen, dann "Begrabt mein Herz ...". Dann die Bildbände - Catlin, Curtis. Biographien. Da gibt es so viele spannende Personen, z.B. Sequoyah, der der Sprache der Cherokee ein passendes Alphabet verschaffte. Die Cherokee sind überhaupt sehr spannend. Sie bildeten nach dem Vorbild der USA eine eigene Nation mit entsprechenden Institutionen inklusive Presse. Half auch nichts - Ergebnis mehrere Vertreibungen, am bekanntesten der Marsch der Tränen.

    Mein Interesse an Nordamerika war durchaus einseitig in Kindheit und Jugend.

    #41Verfasser Selima (107) 18 Okt. 22, 06:35
    Kommentar

    #38 - Mit dem "Read" meine ich natürlich, dass man/ich das so aufzufassen geneigt sei.


    #39/#40 - interessant. Zu einer wirklich ernsthaften und gründlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Indianerkriege hat es bei mir bislang immer noch nicht gereicht, weil ich auch die fiktiionale Literatur dazu nicht wirklich gelesen habe.


    #41 - Jetzt erst habe ich den in #1 verlinkten Wikipedia-Artikel zum gelesen. Wirklich ziemlich ergiebig, danke sehr!

    Glaube kaum, dass es etwas Vergliechbares in den USA gibt bzw. gab, aber lasse mich gerne eines Besseren belehren.

    #42Verfasser RightSaidFred (1322814) 18 Okt. 22, 08:31
    Kommentar

    #42 Dennoch sollte man als Diskussionsgrundlage das nehmen, was im OP steht, und nicht das, was man gerne hineinlesen möchte. eric kann genauso gut gemeint haben "im Vergleich zu allen anderen nicht-amerikanischen Ländern". Aber was nicht eindeutig genannt ist, ist Gegenstand der Spekulation und steht m. E. einer zielführenden Diskussion entgegen.


    Zur Sache: Ich kann mich erinnern, dass ich von den Karl-May-Büchern, an die ich mich gewagt habe, ziemlich gelangweilt war. Mir hat schlicht und ergreifend der Stil nicht gefallen, obwohl ich rasend gerne Abenteuergeschichten gelesen habe. Die Filme dagegen mochte ich sehr. Ich war auch einmal als Kind mit meinen Eltern in Bad Segeberg - ein eher nichtssagendes Erlebnis. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Generation vor mir (ich bin Baujahr 1965) noch eher begeistert war von den Karl-May-Geschichten als ich. Insgesamt hatte das Interesse an Cowboy-und-Indianer-Geschichten in meiner Generation bereits deutlich nachgelassen (und evtl. insgesamt, wenn man sich die "Western"-Produktion anschaut). Wenn ich mich heute über Karl May unterhalte, sind es hauptsächlich Männer und Jungen, die von ihm begeistert sind.

    Interessant ist auch, dass Karl May nach wie vor der am meisten übersetzte deutsche Schriftsteller ist. Die Faszination für exotische Welten und Abenteuer beschränkt sich also tatsächlich nicht auf Deutschland. Große Popularität haben seine Bücher noch heute vor allem in Tschechien, Ungarn, Bulgarien, den Niederlanden, Mexiko und sogar Indonesien. In Frankreich, Großbritannien und den USA ist er beinahe unbekannt. https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_May#K%C3%B...

    #43Verfasser fehlerTeufel (1317098)  18 Okt. 22, 11:27
    Kommentar

    #43 - Vielleicht könnte sich ja Eric selbst noch einmal zu seiner ursprünglichen Motivation äußern?


    Übrigens: Morgen hat das Karl-May-Museum eine Lange Nacht angesetzt. Ich plane dabei zu sein! 🙂

    #44Verfasser RightSaidFred (1322814) 18 Okt. 22, 12:11
    Kommentar

    Ich habe als Kind ALLE Karl May-Bücher gelesen. Und geliebt.

    Später wollte ich sie nochmal lesen, da war aber die Begeisterung rapide gesunken.

    #45Verfasser ursus maritimus (1364942) 18 Okt. 22, 12:48
    Kommentar

    Die Karl May-Nacht am letzten Mittwoch bot übrigens ein recht abwechslungsreiches Angebot, wenn auch früher bestimmt schon mal mehr los war. Ein echter Karl May war auch dabei, der aus seinem Werk las.

    Zufällig las ich am Wochenende dann in einem der letzten SPIEGEL, dass von Winnetou I, das als insgesamt erfolgreichstes Werk Karl Mays gilt, mittlerweile nur noch rund 1000 Exemplare im Jahr verkauft werden.

    Habe dort auch antiquarisch "Winnetous Erben" erstanden - 29 Euro wollte ich für ein neues Exemplar nicht ausgeben. Es erschien mir dann aber schon recht fragwürdig und durchsichtig, schließlich auch zynisch, wie Karl May da einen extrem extensiven Briefverkehr mit ihm freundlich bzw. feindlich gesonnenen Indianerhäuptlinngen und Indianerkongresse erdichtet, deren Organisation der deutschen Vereinsmeierei alle Ehre machen. Das kann man heute wenn schon interessiert, nur mit kritischer Distanz lesen, kaum mit echter "naiver" Begeisterung.

    #46Verfasser RightSaidFred (1322814)  24 Okt. 22, 21:27
    Kommentar

    Warum sollte "Winnetou I" auch neu gekauft werden? Das Buch wird doch von der Mutter auf die Tochter weitergegeben ... Bei uns stehen tatsächlich die Bände mit den grün-rot-goldenen Rücken auf zwei Regalbrettern, teilweise doppelt, weil mein Mann auch welche mit in die Ehe gebracht hat. Allerdings hat meines Wissens Raudona jr. noch keines der Bücher angefasst.


    Es gibt sicherlich zahlreiche Versuche, Karl Mays Psyche posthum zu durchleuchten - dabei dürfte auch die Theorie sein, dass er schließlich selbst seinen erdichteten Wilden Westen für real hielt und voller Überzeugung die Requisiten - hier: Briefe - dazu schuf.

    #47Verfasser Raudona (255425) 24 Okt. 22, 22:56
    Kommentar

    Seine Werke sind übrigens allesamt kostenlos im Internet herunterladbar. Wenn man auf den haptischen Eindruck verzichten möchte. Und die Website der Karl-May-Gesellschaft ist eine unendliche Fundgrube von Forschungen und Anekdoten zu seinem Leben.

    #48Verfasser Jesse_Pinkman (991550) 24 Okt. 22, 23:19
    Kommentar

    There is also a fascination with Native Americans outside of Germany. 

    Sacheen Littlefeather said her father is of Apache and Yaqui descent and her mother is of European descent.

    Littlefeather's sisters, on the other hand, both said in separate interviews that they have no known Native American ancestry. Their sister, they said, feasted on the idea that she was of Native American descent. In reality, her father would be Mexican. 


    Sacheen Littlefather's sisters say she was not Native American

    https://www.cbsnews.com/news/sacheen-littlefa...


    Native American actress and activist Sacheen Littlefeather, who died earlier this month at the age of 75, has been exposed as an ethnic fraud

    https://www.dailymail.co.uk/news/article-1134...


    Jacqueline Keeler has published a piece alleging Littlefeather co-opted Indigenous ancestry to further her entertainment career.

    https://www.indiewire.com/2022/10/sacheen-lit...

    #49VerfasserBubo bubo (830116) 25 Okt. 22, 09:39
    Kommentar

    Gestern in einem (älteren, weiß aber nicht von wann) Zeiträtsel:


    "Ersparte Kara das Karawanenpfadbeschreiten", 3 Buchstaben.


    Wusste ich sofort: Rih


    Was man als Kind lernt... ;-)

    #50Verfasser Gibson (418762) 27 Okt. 22, 17:11
    Kommentar

    Rih hieß außerdem noch Anna!

    #51Verfasser mbshu (874725) 29 Okt. 22, 09:59
    Kommentar

    Rih hieß Anna? Der war doch ein Hengst - but I'll respect their life choices ...


    Die amerikanischen Pferde von Winnetou und Old Shatterhand hießen bekanntlich Iltschi und Hatatitla. Iltschi hieß auch der inkontinente Dackel unserer Nachbarsfamilie ...

    #52Verfasser Raudona (255425) 29 Okt. 22, 20:42
    Kommentar

    ( Rihanna, duh. Das hat jetzt gedauert mit dem fallenden Groschen. Pferdeverstand klar ausbaufähig. )

    #53Verfasser p2mg (807573)  29 Okt. 22, 21:31
    Kommentar

    Zu #53 hier und #202/204 dort


    Bitte, @p2mpi* ...Entschuldigung, verschrieben... @p2mg, hör jetzt auf, solch lustige Sachen zu schreiben, ich KANN nicht mehr vor Lachen! 🤣🤣


    *Kleiner Privatwitz für die/den Angesprochene/n. (Ich glaub jetzt übrigens zu wissen, was 'es' heißt...)


    *Zu mir* Aber warum Pferdeverstand? Menschenverstand <--> Pferdeverstand; was meint @p2mg wohl damit?? 🥺


    #54Verfasser karla13 (1364913)  29 Okt. 22, 21:48
    Kommentar

    Anfang des 19. Jahrhunderts ist doch die Buffalo Bill Show durch Europa getourt.

    Durch Karl May hatten die Indianer da schon ein sehr positives image bei den Deutschen.

    Es gibt da auch Bilder wie einige in vollem Ornat durch eine Stadt spazieren.

    Vielleicht verwechsele ich auch das mit diesem (aus wikipedia):

    "Edward Two-Two war ein Indianer vom Stamm der Lakota-Sioux, der zunächst im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota lebte und ab 1891 in der Reservatspolizei diente. Er trat 1910 in den Völkerschauen des Hamburger Zoos Hagenbeck auf und fuhr danach wieder zurück nach Amerika. In den Jahren 1913 und 1914 kehrte er mit der Familie erneut nach Europa zurück, weil der Zirkus Sarrasani in Dresden ihn verpflichtet hatte. Von Sarrasani wurde er zum „Sioux-Häuptling“ ernannt. Aufgrund der guten Behandlung und Anerkennung seiner Familie hatte er den Wunsch, in Dresden beerdigt zu werden. Als er während einer Tournee in Essen starb, wurde sein Leichnam wunschgemäß nach Dresden überführt und dort auf dem Neuen Katholischen Friedhof beigesetzt. Sein Name bedeutet in der Sprache der Lakota so viel wie „Einer von zwei“. Die Inschrift auf dem Grabstein lautet in Lakota-Sprache: „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten“."

    Er wurde wohl in Deutschland besser behandelt, als in den USA.

    #55Verfasserkehd (353378) 01 Nov. 22, 13:50
    Kommentar
    Darf ich korrigieren: Ende des 19. Jahrhunderts. Und auch noch ein bisschen Anfang des 20.
    #56Verfasser Jesse_Pinkman (991550) 01 Nov. 22, 13:57
    Kommentar

    The story of a Sioux chief buried in Germany in 1914 and the challenges his descendants face today in South Dakota:


    https://www.youtube.com/watch?v=xw2HMA4zNuE


    Bury My Heart in Dresden | Indigenous Rights

    https://german-documentaries.de/en_EN/films/b...

    #57VerfasserBubo bubo (830116) 02 Nov. 22, 09:50
    Kommentar

    In einem von einigen namhaften Persönlichkeiten hochgelobten Band mit einigen Dutzend Essays rund um das Thema "Die deutsche Seele" gibt es auch einen Aufsatz über "Winnetou", mit herausgegeben übrigens auch vom Ex der Herta Müller.

    Das hatte ich am Wochenende zufällig in einem meiner Bücherregale liegen sehen.

    #58Verfasser RightSaidFred (1322814)  02 Nov. 22, 14:04
    Kommentar

    Ich habe nie verstanden, was an Winnetou rassistisch sein soll, kitschig ja, aber rassistisch? Die guten Indianer sind genauso intelligent und charmant wie die guten Deutschen, die bösen so dämlich wie ihre bleichgesichtigen Pendants. Gut und Böse ist eine klassische Basis für Geschichten aller Genres und hier ist Gut und Böse nicht nach Hautfarben oder Herkunft getrennt - wie bei US-Western. Der hier schon erwähnte deutschstämmige Kleki Petra kommt meiner Erinnerung nach eigentlich nur deshalb vor, weil Winnetou aus einem plausiblen Grund deutsch sprechen können musste, damit er und Old Shatterhand sich verständigen können. Er hatte im Grunde die Aufgabe, die bei Star Trek dann der Universal Translator übernommen, auch wenn Kleki Petra bei Entscheidungen auch mal seinen Senf dazugeben durfte. Es wäre sogar zu einer Hochzeit zwischen Ntschotschi und Old Shatterhand gekommen, hätte Mario Adorf sie nicht vorher erschossen, der alte Ganove.

    Meine Kenntnisse basieren auf den Filmen, gelesen habe ich nur Winnetou I und fand es damals schrecklich langweilig.Die lange anhaltende Begeisterung für Winnetou ist sicher auf die Filme zurückzuführen und vor allem auf den schönen Pierre Brice. Heutzutage ist sie allerdings abgeklungen, zum einen, weil es mehr Auswahl im Fernsehen gibt und die Filme in die Jahre gekommen sind, und zum anderen weil Indianerspielen und die Kostüme mittlerweile verpönt sind. Ob das jetzige Desinteresse mehr zum kulturellen Austausch beiträgt, ist aber fraglich.

    #59VerfasserColorada (428933)  11 Nov. 22, 00:09
    Kommentar

    #59 - Na, immerhin gab es ja dann auch noch den "Schuh des Manitu"! 🙂

    #60Verfasser RightSaidFred (1322814) 11 Nov. 22, 17:37
    Kommentar

    re #59 : "kitschig" ist eine gute Beschreibung der in den Winnetou-Filmen dargebotenen Klischees ... die Bücher von K.M. hab' ich auch nicht gelesen ... die Filme kenne ich wohl alle ...

    #61Verfasser no me bré (700807) 12 Nov. 22, 13:05
    Kommentar

    Ich habe, wie oben erwähnt, als Kind fast alle Bücher von Karl May gelesen, auch die, die in Arabien oder in Deutschland spielen. Vielleicht passt eher "nationalistisch" als "rassistisch": Alle Deutschen sind gut (auch wenn einige ein bisschen trottelig sind), die Schurken sind niemals Deutsche. Gut sind daher auch alle Angehörigen aller Völker, die versuchen, den Deutschen - und insbesondere Old Shatterhand bzw. Kara ben Nemsi - nachzueifern. Der Eifer ist dabei der eines gehorsamen Kindes. Winnetou hat dieses Stadium dank Kleki Petra bereits hinter sich, als er Old Shatterhand trifft. Halef hingegen muss noch ein wenig erzogen werden.

    #62Verfasser Raudona (255425) 13 Nov. 22, 21:08
    Kommentar

    Re #57


    Danke, Bubo bubo, für den interessanten Film-Tipp. Hab mir das gerade angeschaut, und finde den Film wirklich empfehlenswert.

    #63Verfasser karla13 (1364913) 01 Dez. 22, 02:12
     
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