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  • Betrifft

    Erlkönig

    Kommentar

    Wahrscheinlich ist für Deutsche, diese Ballade eine Banlität, ich finde sie aber sehr ergreifend beonders im Schuberts Lied.

    Ich habe einige Frage darüber :

    - "Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif" : Was ist der Schweif ? Sein haar, ein Kleid ?
    Warum Erlenkoenig in diesem Vers ? Nur um 9 Silben zu kriegen ? Das kann ich nicht glauben. Übrigens, finde ich "Erlenkoenig" schöner als "Erlkoenig"...

    - "Und wiegen und tanzen und singen dich ein" Verstehe ich gut wenn ich sage dass "ein" nur mit "wiegen" angebunden ist, und dass "dich" geht auch mit "wiegen" geht?
    VerfasserDenis der Franzose. (88825) 05 Mär. 07, 16:10
    Kommentar
    Denis, wie schön, daß Dich diese Ballade auch so anspricht!
    Zu Deinen Fragen: 'Schweif' ist poetisch und bezeichnet das lange (schweifende = fliegende/flatternde) Haar, heute meistens nur noch bei Pferden, und zwar vom Schwanz, gebraucht.
    Doch, Erlenkönig ist mit größter Wahrscheinlichkeit metrisch bedingt.

    'dich einsingen' bedeutet "dich in den Schlaf singen", insofern könnte man das 'ein' auch auf das 'wiegen' beziehen. Allerdings steht dem die große Entfernung, vor allem aber das trennende 'tanzen' entgegen. Also:
    "meine Töchter sollen dich wiegen, (mit dir herum)tanzen und dich in den Schlaf singen ".
    #1VerfasserPierrot05 Mär. 07, 16:38
    Kommentar
    Wiegen meint hier bercer, nicht peser.
    #2Verfasser parac (271522) 05 Mär. 07, 16:41
    Kommentar
    Wiegen meint hier bercer, nicht peser. Man sagt auch "ein Kind in den Schlaf wiegen"
    #3Verfasser parac (271522) 05 Mär. 07, 16:42
    Kommentar
    parac, danke! Da sieht man mal, welchen Klippen man als Muttersprachler mehr oder weniger automatisch ausweicht ... ;-)
    #4VerfasserPierrot05 Mär. 07, 17:03
    Kommentar
    Nachtrag: Auch ein Komet hat immer noch einen Schweif.
    #5VerfasserPierrot05 Mär. 07, 17:05
    Kommentar
    War es eigentlich eine politische Anspielung?
    #6VerfasserHumanist (296565) 05 Mär. 07, 17:19
    Kommentar
    War es eigentlich eine politische Anspielung?
    #7VerfasserHumanist (296565) 05 Mär. 07, 17:19
    Kommentar
    War es eigentlich eine politische Anspielung?
    #8VerfasserHumanist (296565) 05 Mär. 07, 17:19
    Kommentar

    Vielen dank für die Erläuterungen.

    Ist "eintanzen" kein deutsches Wort ? Ich hatte gebacht "ein" konnte "in Factor zerlegt" werden.

    Was auch mit "Erlenkoenig" statt "Erlkoenig" ?

    Danke parac, ich hatte wiegen gut verstanden. Ich glaube "peser" klappt so gut in einem Goethes Gedicht als Klugheit im Gehirn von G.W. Bush... ;-)
    #9VerfasserDenis der Franzose. (88825) 05 Mär. 07, 17:31
    Kommentar
    Bei Schweif hätte ich eher an die Schleppe eines Mantels gedacht - paßt doch auch zu einem König, oder? Aber ihm steht es natürlich auch frei, das Haar lang und offen zu tragen ;-)
    Ich habe nicht so viel Zeit, aber es finden sich bestimmt (gute) Übersetzungen dieses schönen Gedichtes im www.
    #10VerfasserThierry05 Mär. 07, 18:11
    Kommentar
    An anderer Stelle bin ich genauer auf Herders falsche Übersetzung eingegangen, was Goethe in seiner Überarbeitung auch nicht merkte.

    Die Töchter, die Elfen, sind Prinzessinnen des "Eller"-Königs (dänisch "eller" = Elf)! Daran hätte man es merken können... Der Erlkönig ist eigentlich der ELFENkönig!

    En dépit du fameux roman de Michel Tournier :

    'Le Roi des Aulnes' ;-))

    "ein-" geht mit vielen anderen Verben auch!
    Siehe in Heines "Wintermärchen":

    ... womit man einlullt, wenn es greint,
    das Volk, den großen Lümmel..."




    #11Verfassertradu- (237273) 05 Mär. 07, 18:17
    Kommentar
    Die Vorsilbe "ein-" ist sehr produktiv.
    Leichtathleten können sich einspringen, um sich an die Bahn zu gewöhnen.
    Tänzer können sich eintanzen, um richtig warm zu werden.
    Bei Wettbewerben sind diese Bedeutungen sogar richtig offiziell.
    #12Verfasser parac (271522) 05 Mär. 07, 18:24
    Kommentar
    parac, Du hast nicht unrecht mit der Bemerkung #12, aber: soweit ich sehe, ist bei 'eintanzen' und 'einspringen' (wenn dort nicht das Ausfüllen einer plötzlich entstandenden Lücke gemeint ist) der Gebrauch immer reflexiv, im Sinne von 'eine Tätigkeit aufnehmen, um sich vorzubereiten, um in Schwung zu kommen', vgl. auch 'sich einspielen', 'sich einlesen'. Das aber wäre bei einem hypothetischen 'sie tanzen dich ein' nicht gegeben.

    Thierry, Du hast völlig Recht mit Deinem Hinweis auf Schleppe, vgl.

    2) gewundenes, geschlungenes, geflochtenes, gewickeltes: kauuâti fuaჳჳes suueif .. kaliziun, indumenta pedum, pedules et caligas GRAFF 6, 901 (benedictinerregel 55), vgl. umbisuueift, perizomata, femoralia 902, altn. sveipr, faltung, umwicklung, ags. swæpelse, amictus. besonders von dem besatz, der den rand eines kleidungsstückes umschlingt, dann überhaupt eines kleides; in späterer zeit entwickelt sich schärfer der begriff des g e s c h l e p p t e n saumes, der schleppe unter deutlicher einwirkung der von schweif angenommenen bedeutung cauda: 

    ir sult daჳ rehte wiჳჳen,
    daჳ der mantel sînen sweif
    vil eben umbe ir lîp begreif.
    KONR. V. WÜRZBURG Part. 8723;

    unden umme her zu howene sweiffe (an den ärmeln). zeitschr. f. d. alterth. 8, 319; die gebreme (die vorstösze) die borten, die fransen, die schweiffen, die faseln. COMENIUS sprachenth. übersetzt von DOCEMIUS (1657) 518; instita, das gebrehm, der schweiff oder beleg an einem kleid, was oben druff steht, auff den zeug genehet ist. CORVINUS fons latinit. (1660) 636b; schweif, fimbria, instita, am kleide SCHOTTEL 1412; syrma der schweif oder schwantz an einem weibes kleid, die schleppe, die man hinten nach sich zeucht. CORVINUS a. a. o. 687a; schweif, etiam est syrma, et peniculamentum STIELER 1963; ein langer schweif an kleidern, einem den schweif nachtragen. KRAMER deutsch-ital. dict. (1702) 2, 707a; der schweiff am kleide, vestis fimbria, syrma STEINBACH 2, 539; schweif, an einem langen kleid, die schleppe, syrma FRISCH 2, 245a, ebenso bei ADELUNG und CAMPE: den schweyf der langen röck. apophth. 4, 227 (1683); (ein frauenoberkleid hat) einen kurtzen angesetzten geschobenen und in falten gelegten zuweilen auch gantz glatten leib, desto längern aber und weiten, schief und unten spitzig zu lauffenden schurtz oder schweif. A. SCHULTZ alltagsleben 45; von einem solchen angehängten mantel ist der schweif heraufgenommen und unter den gürtel gesteckt. WINCKELMANN werke (1812) 5, 32; es rauschte durch's vorgemach der schweif eines seidenen gewandes. MUSÄUS volksm. 4, 60 Hempel; als kleiner abbé hielt er den hut unterm arm, das brevier in der linken hand, mit der rechten trug er den schweif seines mantels. GÖTHE 3, 145. in der modernen sprache wird in gewöhnlicher rede schweif in diesem sinne nicht mehr gebraucht. vgl. schwanz 2, a sp. 2258.
    http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/wo...

    Trotz der abschließenden Bemerkung der Grimms paßte die Bedeutung 'lange Mantelschleppe' also sehr gut, allerdings war das offene, lange Haar ja das Zeichen des freien Mannes (s. z. B. Dürer, Selbstbildnis), insofern darf man wohl beides in Betracht ziehen.
    #13VerfasserPierrot05 Mär. 07, 21:54
    Kommentar

    Schleppe oder Haar ?
    Das war genau meine Frage...

    Anscheinend ist es auch nicht so deutlich, selbst für Deutsche...

    Ist der Erlkönig eher für seinen Mantel mit einer großen Schleppe bekannt, oder für sein langes Haar ?
    Die Schleppe ist mehr majestätisch oder ?


    Ich habe schon einige Übersetzungen auf Internet gefunden; in einige Versionen gibt eine Schleppe in andere das Haar, aber nirgendwo den Geschmack der Sprache von Goethe.
    Ich finde aussichtlos ein solches Text zu übersetzen, genau so wie französische Gedichte auf Deutsch oder andere Sprache.

    Ich glaubte auch dass der Erlkönig, der König der Erlen (die Erle, der Baum) war, sondern nicht der König der Elfen (nur ihren Vater). Jedenfalls wurde er als 'roi des aulnes' auf Französich gennant.


    Heuzutage habe ich noch nichs über die Sage des Erlkönigs gefunden, außer die Ballade von Goethe. Es gab doch schon einen Erlkönig bevor Goethes Geburt oder?
    #14VerfasserDenis der Franzose. (88825) 06 Mär. 07, 10:08
    Kommentar
    "Es gab doch schon einen Erlkönig bevor Goethes Geburt oder?" - Ja!:

    "Der Stoff der Ballade stammt aus dem Dänischen, dort heißt der Erlkönig Ellerkonge, also Elfenkönig. Die Ballade wurde ursprünglich von Johann Gottfried Herder übersetzt. Dabei entstand der Begriff „Erlkönig“ aus der falschen Übersetzung des Wortes Eller als „Erle“, das er dann mit „König“ kombinierte. Goethe schuf die Ballade als Einlage zu dem Singspiel Die Fischerin. Dabei singt die Darstellerin die Ballade bei der Arbeit."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Erlk%C3%B6nig_(B...
    #15Verfasser parac (271522) 06 Mär. 07, 10:50
    Kommentar
    Ich habe etwas von Johann Gottfried von Herder gefunden. Ist das weltbekannt ?

    Oluf reitet spät und weit,
    Zu bieten auf seine Hochzeitsleut;

    Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
    Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.

    "Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?
    Tritt her in den Reihen und tanz mit mir."

    "Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
    Frühmorgen ist mein Hochzeittag."

    "Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
    Zwei güldne Sporne schenk ich dir.

    Ein Hemd von Seide so weiß und fein,
    Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein."

    "Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
    Frühmorgen ist mein Hochzeitstag."

    "Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
    Einen Haufen Goldes schenk ich dir."

    "Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;
    Doch tanzen ich nicht darf noch soll."

    "Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
    Soll Seuch und Krankheit folgen dir."

    Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,
    Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.

    Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.
    "Reit heim nun zu deine'm Fräulein wert."

    Und als er kam vor Hauses Tür,
    Seine Mutter zitternd stand dafür.

    "Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
    Wie ist dein' Farbe blaß und bleich?"

    "Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,
    Ich traf in Erlenkönigs Reich."

    "Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,
    Was soll ich nun sagen deiner Braut?"

    "Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,
    Zu proben da mein Pferd und Hund."

    Frühmorgen und als es Tag kaum war,
    Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

    "Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;
    Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?"

    "Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund,
    Er probt allda sein Pferd und Hund."

    Die Braut hob auf den Scharlach rot,
    Da lag Herr Oluf, und er war tot.
    #16VerfasserDenis der Franzose. (88825) 06 Mär. 07, 11:06
    Kommentar
    Erlkönig = Elfenkönig ist korrekt (hat man uns in der Schule aber auch nicht gesagt)

    Schweif: bezieht sich ebenso auf die Nebelschwaden. Es ist nachts im Wald, im Nebel, der Erlkönig ein Phantom ...
    Bei uns steht ein Erlkönig-Denkmal: lange Haare und langes Gewand, ansonsten wie ein deutscher Kaiser.
    #17Verfassersimon07 Mär. 07, 16:50
    Kommentar
    Wahrscheinlich hat Goethe die dänische Figur mit den Mythen um Erlen/Weiden als Symbolen des Finsteren/Schaurigen bewusst verknüpft. Saule und aulne spielen ja auch in der franz. Poesie eine Rolle (z.B. Rimbaud, Ophélie, 3.u. 4. Strophe) und sind dort auch mit Düsterem und dem Tod verknüpft. Die Frage ist, was hat Goethe unter Erlkönigs Töchtern verstanden (bei Herder sind es die Elfen)? Der Tanz der Elfen, der Elfenreigen ist auch mit den Hexenringen unter Bäumen (z.B. Erlen/Weiden) konnotiert.
    #18Verfasserhermann08 Mär. 07, 11:12
    Kommentar
    Ah, also eine Fehlübersetzung.
    Demnach hätte der Erlkönig also Elbkönig oder Albkönig heißen müssen. Elbe/Albe sind Alte Wörte für Elfe, wobei das Wort Albe eine negative Bedeutung hat und der Erlkönig also aus dem Kontext des Gedichts heraus Albkönig heißen müsste.
    (Er tritt in diesem Gedicht meiner Meinung nach als personifikation des Tods auf, korrigiert mich wenn ich irre)
    #19VerfasserIsar12 Mär. 07, 12:06
     
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