| Kommentar | In den etwa drei Monaten, in denen ich dem Leo-Forum verfallen bin, habe ich noch keinen so langen Faden so gründlich gelesen wie diesen, wenn ich spät eingestiegen bin. Sehr spannend!
Über viele Jahre habe ich versucht, in Fremdsprachen den deutschen Akzent zu eliminieren. Lieber ein spanisch gefärbtes Französisch als ein deutsches... Offenbar habe ich auch die Begabung, das zu erreichen. Nicht dass das immer nützlich wäre. Als ich das erste Mal in den Niederlanden war und mir vorher per Cassette ein wenig Sprache anzueignen versucht hatte, fragte ich auf Texel nach dem Weg. Die Situation ist mir so unvergesslich, dass ich sogar noch die Straße weiß: Waar is de Ploosterstraat? Ohne weitere Anrede oder sonstiges Füllwerk war das ziemlich unhöflich rausgeplatzt, aber offenbar klang es gut. Ich bekam eine flüssige niederländische Antwort, von der ich ziemlich genau nichts verstand. Wir haben dann ins Deutsche gewechselt...
Inzwischen spreche ich ein paar Sprachen ohne wesentlichen Akzent, und meistens sonst eher schlecht (also Wortschatz und Grammatik). Im Englischen werde ich fast immer für einen Muttersprachler gehalten, aber nie aus der Gegend des Angesprochenen. Mischmasch halt. Doch was hilft das?
Maria E. (#93) gefällt mir mit ihrer Haltung. Da bin ich noch nicht, aber da möchte ich hin. Mich stören fremde Akzente im Deutschen genauso wenig wie Dialekte, solange die Verständigung möglich bleibt. Nur wenn Deutsche Fremdsprachen sprechen, bin ich schnell genervt, wenn sich jemand nicht so viel Mühe gibt wie ich (oder vielleicht einfach nicht die gleiche Begabung für Phoneme hat? Keine Ahnung.). Das ist, denke ich, eher mein eigenes Problem als das des/der nicht so perfekt Sprechenden.
Dennoch möchte ich dafür plädieren, bei jedem Spracherwerb die erste Zeit mit den Phonemen zu verbringen (Frrriedrrrichstrrraße!). Später "umzulernen" ist wahnsinnig schwierig - wer schon einmal erlebt hat, welche Mühe ein Erwachsener aufwenden muss, um einen Sigmatismus (s-Fehler) auch nur ansatzweise loszuwerden, weiß was ich meine. Wörter prägen sich auch anhand ihrer Phonemfolge ein, und sind später nicht mehr zu "löschen". Im besten Fall lässt sich das Wort noch einmal in richtiger Aussprache wie ein neues Wort lernen. Selbst dann ist nicht viel gewonnen - dann kann man zwei verschiedene fremde Wörter, das falsch und das richtig ausgesprochene. Auch das falsche wird daher wieder vorkommen.
Darum macht es viel Sinn, von Anfang an soviel Mühe zu investieren wie ein Kind, das Sprache lernt. An meinen eigenen Kindern sehe ich, wie schwer das sein wird. Sie haben Sprachunterricht mit schlechtester Aussprache und werden es schwer haben, im Englischen oder Französischen jemals eine vernünftige Aussprache zu erlernen.
struppi (#63) kann ich deshalb nicht zustimmen, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich finde, dass die Aussprache (incl. Satzmelodie etc.) genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie Wortschatz und Grammatik; nicht mehr und nicht weniger, jedenfalls wenn man sprechen will. Wer nur lesen und schreiben will, muss darauf natürlich keine Mühe verwenden, aber wer weiß schon vorher, ob es später nicht auch zum gesprochenen Sprachgebrauch kommen wird?
*** zwei OTs:
@Laura (#3ff): wenn Du mal einen Bass-Sprecher brauchst... - Dein Anspruch sagt mir zu
@tanja1: Du bist so oft hier und hast so gute und engagierte Beiträge - warum meldest Du Dich eigentlich nicht an? Dann wäre Dein Benutzername nicht zu missbrauchen.
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