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    Dialekte und Akzente

    Kommentar
    Ich habe mir kürzlich sechs Stunden "The Lord of the Rings" I und II in der Originalversion auf DVD reingezogen. War echt um Klassen besser als synchronisiert. Wenn mich aber nicht alles täuscht oder der Jackson nur Schauspieler mit Sprachfehler engagiert hat, dann sprechen die Figuren - je nach "Volkszugehörigkeit" - unterschiedliche Dialekte oder Akzente. Zu diesem Thema hätte ich zwei Fragen:

    1. Könnte mir evtl. ein Muttersprachler - oder auch jemand der sich einfach so richtig gut auskennt :-) - erläutern wer da was spricht? Das wäre, finde ich, richtig interessant, solche Sprachfärbungen zuordnen zu können.

    2. Ich frage mich warum im Englischen so etwas möglich ist und im Deutschen nicht. Man stelle sich nur mal vor, man würde Legolas schwäbisch sprechen lassen, Aragorn tiefstes bairisch (ich als Münchner könnte mich damit anfreunden ...) und Gandalf fränkisch. Der Zwerg könnte dann noch ein bisschen sächseln, das würde sogar passen (an alle Sachsen: nichts für ungut, war nur'n Scherz!). Entsprechend werden Dialekte in Deutschland eigentlich nur in Komödien, Disney-Filmen o.ä. eingesetzt. Kann mir jemand erklären, warum es - offensichtlich - im Englischen nicht so lächerlich klingt Dialekt oder Akzent zu sprechen?

    Vielen Dank!

    P.S: Zur ersten Frage hätte ich eigentlich schon eine Antwort im Forum erwartet. Ich habe aber trotz intensiver Recherche nichts gefunden. Sollte ich es übersehen haben: sorry!
    Verfassertb24 Jan. 04, 03:02
    Kommentar
    Hello again, tb. A question about the meaning of 'so etwas' here:

    > warum im Englischen so etwas möglich ist und im Deutschen nicht.

    I'm guessing that by this you mean that English-language films present a multitude of different regional accents, and German-speaking ones don't?

    I could speak to this, but rather than go off in a completely wrong direction, I thought I'd better ask you for a clarification on this.

    By the way, as someone who has not lived in Germany, I'm unaware if German films do or don't use different regional accents. Do they?

    I should perhaps narrow the question somewhat to whether German films sometimes use regional accents in a context where the accent is unimportant to the story--that is, that the film would have succeeded equally well had a completely different regional accent been used.
    #1VerfasserPeter <us>24 Jan. 04, 09:13
    Kommentar
    Manchmal (beim Film weiß ich nicht, wie's rüberkäme, aber bei Büchern kann ich's sagen) läßt man von einer Übertragung in den deutschen Dialekt die Finger: wenn man bei Kipling das Cockney durch ein Berlinern übersetzt, geht das gerade noch ("'Ave you 'eard of the Widow at Windsor / With a 'airy gold crown on 'er 'ead" - "Haste jeheert von der Witwe in Windsor..." - naja), aber ich habe mal Robert Burns in Schwyzerdütsch gesehen, und das war grauenhaft. ("Die Mueder verbüüts und der Ätti verbüüts...") Jeder Dialekt hat ein gewisses Flair, ein Frag-nicht-was, das nur ihm eigen ist - und wer einen Dialekt gegen den anderen austauscht, erzeugt nur immer einen Abklatsch."

    Hinzu kommt, daß Dialektsprechen in manchen deutschen Landstrichen eher verpönt scheint. Das ist in Süddeutschland weniger der Fall, aber in Hessen kann man diesen Eindruck gewinnen, und dasd richtig dicke Wienerisch gilt - leider! - als "Hausmeistersprache".
    #2VerfasserData24 Jan. 04, 09:36
    Kommentar
    Ich habe neulich Nemo gesehen. Da sprachen einige Fische mit schweizerischer Färbung. War echt gelungen. Die angeblich australisch sprechenden Schildkröten sprachen laut einer australischen Freundin im Original aber amerikanisch.
    #3VerfasserMarianne24 Jan. 04, 10:23
    Kommentar
    Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Dialekten ist schon eigenartig. Wie tb schreibt, scheinen Dialekte nur für (eher derbe) Komödien geeignet zu sein. Menschen, die Dialekt sprechen, sind eher etwas beschränkt, Gefühle wie Trauer oder Schemerz haben im Dialekt (angeblich) keinen Platz.
    Dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die schon etliche Jahre zurück liegt: In der "Stuttgarter Zeitung" gabe es ein Kolummne in Schwäbisch. Die Autorin behandelte darin vorwiegend eher leichte Themen, d.h. sie war ganz in Übereinstimmung mit dem Klischee, demzufolge Dialekt für "ernste" Themen nicht geeignet sei. Dann erinnerte sie aber in einer Ausgabe an einen Sexualmord an einem 16-jähringen Mädchen, der 10 Jahre vorher begangen worden war und nicht aufgeklärt werden konnte.
    Die Reaktionen waren (für mich) übberraschend: Die Tatsache, daß über dieses Verbrechen im Dialekt berichtet worden war, wurde als Verhöhnung des Opfers bezeichent. Es gab Leser die meinten, damit würde das Schicksal des Mädchens ins Lächerliche gezogen.
    Schon eigenartig!
    #4VerfasserRe24 Jan. 04, 13:31
    Kommentar
    The Lord of the Rings did seem to have quite a few hobbits speaking with Irish accents, as I remember, but I'd have to listen again to be sure. I don't tend to notice accent much, unless obviously faked.

    I doubt there were too many Essex or Birmingham (Brum) accents in the film, though. (Oorigh' Gandalf, ah's it goin mate?) Whereas Scottish and Irish accents are all the rage, other accents also usually turn up in comedies more. Or in films set in a specific area. Essex English has a similar status to Saxon German, and might be spoken by someone playing a used car salesman or similar. Irish and Scottish accents are used a lot for romantic parts, as they have the whole sad-music-and-Celtic-motif image behind them. It's all stereotyping, it's just that Scottish and Irish have this attractive stereotype.

    #5VerfasserArchfarchnad -gb-24 Jan. 04, 14:00
    Kommentar
    @ Re: Sehr richtige Beobachtung. Wie ist das eigentlich bei den englischen Dialekten?

    Ich kenne mich nicht sehr darin aus, wie englische Dialekte von Englischsprachigen aufgefaßt werden, kann mir aber auch nicht recht vorstellen, ein melancholisches Gedicht wie "Wee, sleeket, cowran, timrous beastie..." oder gar "For a'that" in einem deutschen Dialekt zu lesen (eher schon das sattsam bekannte "For auld long syne"). Auf Hochdeutsch ist das kein Problem: "Trotz alledem und alledem..." - aber in einen deutschen Dialekt übersetzt würde sehr leicht der Eindruck entstehen, daß hier etwas ins Lächerliche gezogen wird: "Sei's wias will oder au id..."

    Kann sein, daß sich die o.a. Unübersetzbarkeit von einen Dialekt in den anderen AUCH so begründet.
    #6VerfasserData24 Jan. 04, 14:41
    Kommentar
    Sean Astin who plays Sam (a hobbit who spends most of his time looking after Frodo) said fans were disappointed to find out he's actually American as he has a West Country accent in the film - he says is a credit to his vocal coaches:
    "The two dialect coaches, if it wasn't for them, I would have fallen flat on my face with this accent. They really were there every step of the way - they played this tape to me of this farmer from Gloucester who said something like 'Ooh that's a nice shiny apple' and that's all I had to listen to every day before I started to do Sam - [puts on accent] 'ooh that's a nice shiny apple!' (laughs)."


    http://www.bbc.co.uk/radio1/news/entertainmen...
    #7VerfasserBrain McGoogle24 Jan. 04, 18:19
    Kommentar
    (Billy Boyd's broad Scots as Pippin is merely endearing.)
    http://www.reality.org.nz/articles/49/49-may.html

    ...and a Dwarf, Gimil (John Rhys-Davies), whose Scottish accent...
    http://www.azreporter.com/movies/karten/thefe...
    #8VerfasserBrain McGoogle24 Jan. 04, 18:30
    Kommentar
    Sorry Peter <us> for my delayed answer.

    You guessed right. I want to know why "something like this" ("so etwas"; a multitude of different regional accents) is possible in english-language movies but not in German-speaking. Since I'm interested in answers by native speakers, it would - of course - make more sense to ask in their native language :-) Sorry!

    @Data und Marianne: dass es bei der Synchronisation wirklich schwierig sein dürfte, Dialekte zu übertragen ist einleuchtend ("Nemo" fällt übrigens auch eher in die Kategorie "Komödie", deshalb sind dort Dialekte ja auch wieder "erlaubt"). Es ist aber auch in deutschen Originalen offenbar nicht möglich, Dialekte zu benutzen ohne dass es lächerlich wirkt. Vielleicht liegt es wirklich an dem etwas seltsamen Verhältnis der Deutschen zu ihren Dialekten, wie Re das vorschlägt. Das ist, glaube ich, aber kulturgeschichtlich bedingt. Irgendwann - vermutlich zu Zeiten Goethes - galt es wahrscheinlich als besonders gebildet in der (Schrift-)Sprache der großen Dichter zu sprechen. Der Umkehrschluss ergab sich, wie so oft, dann von selbst. Was meint ihr dazu?
    #9Verfassertb24 Jan. 04, 18:37
    Kommentar
    Ich denke hier gibt es aber im Deutschen recht große Unterschiede zwischen den Dialekten.

    Wienerisch wird sogar als sehr gebildet angesehen. Wenn jemand mit Frankfurter Stadtdialekt spricht, hat das für mich auch nix Ländliches. Wenn man hingegen Plattdeutsch verwendet, hat das für mich schon einen anderen Karakter.

    Es gibt ja große Respektspersonen, die sich ihren Dialekt nicht nehmen lassen wollten. Schmidt-Schnauzes-Hamburg-S oder Adenauers Rheinland-Ton sind zwei von Hunderten.

    Ich denke, dadurch, dass es nur eine Schriftsprache gibt, ist es etwas unpassend, sehr ernstgemeinte Themen mit einer lautmalerischen Dialektspielereischreibweise zu verfassen. Wenn ich Karakter mit K schreibe nimmt mich der eine oder andere vielleicht auch nicht ganz für voll.

    Warum sollte man es dann machen, wenn man weiß, dass ich Hochdeutsch kann aber plötzlich mit Ruhrgebietsätzen daherkommen.

    Übrigens bin ich eine Verfechterin einer Schreibweise, die dem Schreibenden mehr Freiraum lässt. Solange man weiß was gemeint ist, schreibe ich daher von nun an Karakter immer mit K. Gefällt mir halt besser. Pippi Langstrumpf: "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt"
    #10VerfasserMargitta24 Jan. 04, 18:41
    Kommentar
    @ tb: Ich glaube, es ist sogar noch komplizierter. In Schwaben sprechen Landräte, Ministerpräsidenten, sogar Vorstandsvorsitzende (z.B. zur Belegschaft) Schwäbisch. Es schafft sofort eine intimere Atmosphäre, als wenn sie es unterließen; unterlassen sie es, versiuchen so sogar den Akzent noch zu tilgen, kann es gut sein, daß der berühmte "Funke" nicht überspringt: "Der schwätzt id, der schbricht!"

    Man könnte sagen: etwas im Dialekt zu hören, ist ein wenig wie ein Lichteinfall durch Butzenscheiben. Hochdeutsch geht nicht für alle Gelegenheiten, sondern ist grauslich präzise - das ist meines Erachtens auch der Grund, warum Liedtexte entweder in Englisch oder (speziell in Schwaben, wie im Falle der Gruppen Gsälzbär oder Pomm Fritz) oft auch in Dialekt abgefaßt sind. Man kann auf Englisch sagen: "I am lonely, I have the blues" oder im Dialekt "i ka nemme, i be am End" - und es mutet an wie hinter Milchglas (was es auch soll). Wer dasselbe auf Hochdeutsch sagt ("ich bin einsam und traurig") wird eher Reaktionen hervorrufen wie jemand, der während seines Geschäfts die Klotüre offen läßt :-)
    #11VerfasserData24 Jan. 04, 19:06
    Kommentar
    (Meinte eigentlich singen, nicht sagen.)
    #12VerfasserData24 Jan. 04, 19:07
    Kommentar
    Das sehe ich anders. Für mich ist, vielleicht natürlich weil ich aus Hannover komme die Hochsprache für Musik gerade gut geeignet. Darum mag ich auch Wir sind Helden oder Mia. Mit Hochdeutsch kann man sogar sehr träumerische Lieder machen, siehe Tom Liwa. Das hört sich gar nicht nach Klotür an!

    Mir gefällt Bap auch, aber ich verstehe es halt nicht. Ich kann mich ehrlich gesagt an kein einziges Schwäbisches Lied erinnern, dass ich mal gehört habe. Ich halte aber mal die Ohren auf. Übrigens hat auch der angeblich dialektfreie Raum im Norden sehr wohl sehr nette Ausdrucksmöglichkeiten in der Alltagssprache. Durch das Fernsehen sind diese dem Dialektsprecher im Süden aber so vertraut, dass sie nicht auffallen, selbst wenn er sie selbst nicht verwendet.

    Wenn in einer (deutschen) Vorabendserie jemand sagt "Komm ma rüba", dann versteht der Ösi ihn. Wenn der Ösi sagt "Rufn ma uns z'sam", dann versteht das im Norden niemand. Das ist der Unterschied.

    Man könnte also sagen: Die Welt besteht aus Dialekten, im Fernsehen spricht man aber nur sehr wenige, nämlich solche aus dem Dreieck Hamburg-Köln-Berlin.
    #13VerfasserMarianne24 Jan. 04, 20:13
    Kommentar
    @ Marianne: manche Sprachen eignen sich besser zum Ausdruck bestimmter Sachen als andere, wobei das immer sehr subjektiv anmutet. Lateinisch hat nach meinem Empfinden immer einen litugischen Anklang, französisch ist eine Sprache, die ich (aus "Felix Krull" usw.) gerne mit Smalltalk mit schönen Frauen in Zusammenhang bringe usw. Wenn ich meine, daß man Gefühle - als einer Angelegenheit, bei welcher mir die gestochene Klarheit und Präzision der deutschen Hochsprache unangebracht scheint - besser entweder in Englisch oder in Dialekt umschreibt, so ist das ebenfalls subjektiv. Native speakers würden das ganz anders sehen.
    #14VerfasserData24 Jan. 04, 21:38
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    Das heißt natyrlich "liturigisch".
    #15VerfasserData24 Jan. 04, 21:39
    Kommentar
    Schon wieder ein Tippfehler! Menno, bin ich denn beknackt? :-) LITURGISCH
    #16VerfasserData24 Jan. 04, 21:40
    Kommentar
    @tb: Zu Goethes Zeit sprach man noch so, wie einem der Schnabel gewachsen war. Goethe selbst sprach mit hessischem Akzent (das beweisen u.a. Reime wie "Neige, o neige, du Schmerzensreiche" im *Faust*; Goethe sprach also 'neiche', nicht 'neige').

    @Margitta: das echte Wienerisch, das im Gemeindebau in den Arbeitervierteln gesprochen wird, gilt keineswegs als gebildet, sondern als anarchisch-proletarisch. Es hat nichts zu tun mit dem Film-Wienerisch der K.u.K.-Kostüm-Filme.

    @Marianne: Im Bayerischen Fernsehen gibt es sehr viele Filme in bayerischem Dialekt, und das sind keineswegs nur Heimatschnulzen, sondern durchaus auch "sozialrealistische" Dramen, z.B. die Serie "Die Hausmeisterin" mit Veronika Fitz oder "Irgendwie und sowieso" etc. etc. Man beachte auch die große Anzahl Mundart sprechender Kabarettisten, die aus Bayern stammen (Bruno Jonas, Ottfried Fischer, "Erwin Pelzig", Urban Priol, Sigi Zimmerschied, Hans Mailhammer/Claudia Schlenger etc. ect.) und teilweise bundesweit erfolgreich auftreten. Apropos Ottfried Fischer: In seinem "Bullen von Tölz" wird auch allerhand Dialekt gesprochen, und trotzdem ist die Serie bundesweit beliebt...

    Und was den angeblich dialektfreien Norden angeht: Dort spricht man doch Plattdeutsch - oder haben die Nordlichter in vorauseilendem Gehorsam ihre Mundart aufgegeben, um steriles Schriftdeutsch zu sprechen?
    #17VerfasserMiMo (Franke)24 Jan. 04, 21:59
    Kommentar
    Haben sie! Ich nehme an, Du meinst mit Plattdeutsch die Niedersächsische Sprache. Die ist kein Dialekt, sondern eine sogar von der EU anerkannt Minderheitensprache.

    Die spricht heute eigentlich niemand mehr. Ausnahmen soll es um Oldenburg geben. Ich habe neulich sogar mal -- das erste Mal in meinem Leben (außer in der Sendung Talk op Platt im NDR beim durchschalten -- ein paar Frauen Platt reden hören. Klang echt lustig! Als meine Mutter in der 1940ern in einem Dorf bei Hannover aufgewachsen ist, sprachen dort knapp 90 % der Einwohner Platt. Heute ist es ausgestorben. In Hannover spricht man übrigens schon seit dem Mittelalter Hochdeutsch.

    Das Gerücht, es gäbe eine Dialekt-"Renässangs", haben Sprachwissenschaftler übrigens wiederlegt. Die Dialekt wachsen immer mehr zusammen. Sowohl lexikalisch als auch grammatisch.
    #18VerfasserMarianne24 Jan. 04, 22:53
    Kommentar
    Niedersächsisch? Du meinst wohl Niederdeutsch, oder?

    Zur Rennaissance der Dialekte: Du hast insofern Recht, als einheitlichere Großdialekte entstehen und die vielen kleinen Regionaldialekte zusehends verschwinden. Als meine Eltern in der Lehre waren, hat man am Dialekt genau erkannt, aus welchem Dorf sie waren. Nachdem zu meiner Zeit den Kindern sogar auf dem Dorf das Hochdeutsche eingebleut wurde, dürfen Kinder jetzt sogar in der Schule wieder Dialekt sprechen. Wie man auch an Kabarett- und Comedy-Programmen sieht, wird der Dialekt wieder salonfähig.

    Ich könnte ohne Dialekt nicht sein ;-)
    #19VerfasserSelima24 Jan. 04, 23:07
    Kommentar
    @ MiMo: Schiller (Schwabe) dichtet ebenfalls "Auf Unrecht folget stets das Übel / wie die Thrän auf den herben Zwiebel." Ihbel - Zwiebel ist ein schwäbischer Reim, auch das grammatikalische Geschlecht der Zwiebel ist hier schwäbisch. Allerdings handelt es sich nicht um Dialektdichtung, sondern (wie bei Goethe auch) um unreine Reime. Gerade Schiller war sehr gegen Dialektdichtung eingestellt. Dialekte galten Progressiven in der Zeit der Französischen Revolution und der napoleonischen Heerzüge als Ausdruck deutscher Zersplitterung (gerade der insoweit früh gestorbene Schiller ist ein Beleg dafür, daß dieser Gedanke älter ist als die Befreiungskriege).
    #20VerfasserData25 Jan. 04, 12:23
    Kommentar
    @ Marianne: dafür, daß die alten Dialekte weichen, gibt es Beispiele pro und contra, eine einheitliche Linie läßt sich nicht ausfindig machen.

    Pro insofern, als das Fernsehen norddeutschen Wortgebrauch in Süddeutschland und Österreich einführt (selbst Wörter wie Paradeiser vernimmt man seltener, seitdem im österreichischen Werbefernsehen "Tomaten" beworben werden). Das betrifft allerdings mehr den eigenen Wortschatz und weniger die typische grammatikalische Stellung der Wörter, auch nicht die Sprachmelodie.

    Andererseits ist Schwäbisch in Schwaben wirklich noch Alltagssprache, das (wenigstens außerhalb der Großstädte)auch von türkischen Gastarbeitern der zweiten Generation fließend gesprochen wird. Um Schwäbisch ist mir einstweilen nicht bange, um bayrisch übrigens auch nicht. Ich halte insoweit pauschale Schlüsse von Nord- auf Süddeutschland für irreführend.
    #21VerfasserData25 Jan. 04, 12:30
    Kommentar
    @Selima: Niedersächsisch ist schon richtig.
    #22VerfasserMarianne25 Jan. 04, 16:17
    Kommentar
    In der vergangenen Woche habe ich mir mit zwei Leuten, die in Amerika gelebt und gearbeitet und in Kanada häufig längeren Urlaub gemacht haben, einen englischen Film angesehen.
    Die Hauptdarsteller sprachen mit einem nordenglischen (Yorkshire) und Londoner Akzent.
    Beide Zuschauer haben mir anschließend gesagt, sie hätten nicht alles verstanden.
    "Was lernt uns das?" (ich komme aus dem Ruhrgebiet). Englisch in der Schule (Universität oder ein Land) ist nicht gleich Englisch. Deutsch in Deutschland ist auch nicht gleichzusetzen mit Deutsch in Österreich oder in der Schweiz oder in Luxemburg.
    #23VerfasserWolfman25 Jan. 04, 22:52
    Kommentar
    @Marianne: "In Hannover spricht man übrigens schon seit dem Mittelalter Hochdeutsch."

    Na, wenn das nicht mal eines von Grimms Märchen ist! Die neuhochdeutsche Sprache ist erst in der Reformationszeit entstanden (durch Luther & Co. auf der Grundlage der sächsischen Kanzleisprache), und die heute gültige Aussprache (deutsche Hochlautung) hat erst ein Herr Siebs gegen Ende des 19. Jahrhunderts festgelegt. Und da haben die Hannoveraner prophetischerweise schon im Mittelalter Hochdeutsch gesprochen?

    #24VerfasserPaul M.25 Jan. 04, 23:34
    Kommentar
    Zumindest haben sie die Lautverschiebung schon mitgemacht. Oder stimmt das nicht?
    #25VerfasserJana26 Jan. 04, 00:30
    Kommentar
    Hannover liegt (und das unverändert seit dem frühen Mittelalter) nördlich der Linie der althochdeutschen Lautverschiebung (Sprachgrenze zwischen Niederdeutsch und Hochdeutsch /= Mitteldeutsch + Oberdeutsch/), und zwar im Bereich des Ostfälischen, einer Mundart des Niederdeutschen.
    #26VerfasserPaul M.26 Jan. 04, 01:55
    Kommentar
    ...und die von der EU in dieser berühmten Charta anerkannte Regionalsprache heißt Niederdeutsch. Gesprochen wird dies in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern. Niedersächsisch ist weder ein Dialekt noch eine Regionalsprache.
    #27VerfasserSelima26 Jan. 04, 08:16
    Kommentar
    Ich finde es auch ziemlich schade, dass Dialekte in deutschen Filmen und Synchros nicht vorkommen.
    Das war allerdings noch nicht immer so, in Fritz Langs "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", hörte man ziemlich viele Dialekte, was recht deutlich macht, dass es damals die Leute aus allen Regionen Deutschlands nach Berlin zog.
    Schade, dass es sowas nicht mehr gibt.
    Anscheinend können die Schauspieler heute aber auch keine Dialekte mehr. Als unlängst "Das Wunder von Bern" in die Kinos kann, gab es hier in Kaiserslautern einen großen Ausschrei: der Dialekt von "Fritz Walter" war trotz "Dialekt-Coach" alles, nur kein Pfälzisch (Da wäre hochdeutsch eindeutig die bessere Wahl gewesen - statt einem vollkommen falschen Dialekt.)
    Was ich hingegen als gelungen ansehe, ist die "Heimat" von Edgar Reitz, da kommt (nicht nur) der Hunsrücker Dialekt ziemlich gut rüber. (Eisch sin jo von lohrde!)
    #28VerfasserAlexander Dreyer26 Jan. 04, 09:51
    Kommentar
    Wenn Selima Recht hat wundere ich mich sehr über die niedersächsische Sprachversion von Wikipedia: http://nds.wikipedia.org/ :-)

    Einleitung: "Moin Moin bi de plattdüütsche Utgaav vun Wikipedia / Düsse nedersassische (nedersaksische) Wikipedia weer anfung ..."

    Das mit Hannover allerdings zerrüttet mein Weltbild. Ich habe schon vor Jahren mal irgendwo aufgeschnappt, dass man selbst im Mittelalter dort schon Hochdeutsch gesprochen hat, um sich vom Umland abzuheben. Hat das noch nie jemand gehört? Ich will ja jetzt keine Märchen erzählen, Paul mag also Recht haben. Ich bin aber immer vom Gegenteil ausgegangen.
    #29VerfasserMarianne26 Jan. 04, 10:23
    Kommentar
    @ Marianne: eine deutsche Hochsprache gibt es in der Tat erst seit Luther, und der hat meines Wissens das Prager Kanzleideutsch nebsteinigen weiteren Versatzstücken für seine Bibelübersetzung herangezogen, weil er auf möglichst allgemeine Verständlichkeit seiner Übersetzung im deutschen Sprachraum bedacht sein mußte. Die Hochsprache ist ein Kunstprodukt, mag auch das Hannoveranische ihm recht nahe kommen. Keine deutsche Region hat jemals die reine Hochsprache gesprochen.

    Im Mittelalter hatte man keine Veranlassung, eine Hochsprache zu unterhalten, da die lingua franca der Oberschicht (jedenfalls der Gelehrten als denjenigen, die nennenswert in Europa herumkamen, nebst Vaganten und Scholaren) Latein war und die anderen Schichten mit ihrem Dialekt alleine ihr Lebtag völlig klarkamen, weil sie ihre angestammte Region sowieso nie verließen.
    #30VerfasserData26 Jan. 04, 10:59
     
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