| Kommentar | Um noch mal kurz auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich habe Italienisch nicht wegen der italienischen Männer gelernt, das war bei mir eher umgekehrt als bei den meisten. Meine Familie ist im Allgemeinen sehr italophil, wir sind fast immer in Urlaub nach Italien gefahren (was im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend war - ich bin in Bayern aufgewachsen), mein Bruder hat Italienisch in der Schule gelernt und später studiert, wir haben uns immer sehr für die italienische Kultur, Geschichte, Sprache usw. interessiert. Mir gefiel auch die offene Art, der Lebensstil, die Archtiktur, Landschaft usw. Bei mir ging das soweit, dass ich in einem bestimmten Alter Italien sehr idealisiert habe, alles fand ich dort besser. Ich habe Italienisch zunächst im Selbststudium, durch Arbeit in einer italienischen Eisdiele neben der Schule usw. "gelernt". Als ich meine Übersetzerausbildung begonnen habe, war daher für mich klar, dass ich Italienisch als zweite Fremdsprache wählen würde.
Natürlich hat es auch mein Selbstbewusstsein günstig beeinflusst, wenn ich - vor allem als Teenager oder junges Mädchen - nach Italien gefahren bin und von den Jungs offen angeflirtet wurde (zumal ich blond bin). Geärgert hat mich dennoch, dass die meisten mich in die eingangs zitierte "Rimini-Fraktion" stecken wollten: Alle haben (zumindest in Deutschland) gedacht, ich würde nur deswegen Italienisch lernen und ich musste mich schon sehr verteidigen, um diesen Eindruck zu widerlegen. Auch konnte sich kaum einer vorstellen, dass ich gern nach Italien ziehen wollte . In Deutschland wurde mir einfach nicht abgenommen, dass ich das Ernst meinte. Als ich später ein paar Jährchen mit einem Italiener zusammen war, hat sogar jeder gedacht, ich hätte von ihm Italienisch gelernt, was natürlich Quatsch war (zumal er hauptsächlich Dialekt sprach).
Was amouröse Bekanntschaften mit Italienern angeht, muss man meiner Meinung nach sehr zwischen in Italien aufgewachsenen Italienern und solchen aus der "Diaspora" unterscheiden. Viele die hier geboren sind, verhalten sich oft antiquierter und traditionsbewusster als die Italiener im eigenen Land. Das war aber nur meine persönliche Erfahrung und ich will das in gar keinem Fall verallgemeinern.
Ich hatte und habe zum Teil immer noch einige italienische Freunde und Bekannte aus den unterschiedlichsten Teilen Italiens und durfte viele Familien kennenlernen. Von einigen wurde ich herzlich aufgenommen, von anderen weniger und immer als "die Deutsche" angesehen. Das hing sehr vom Umfeld der jeweiligen Familie ab.
Was das "mammoni"-Klischee angeht, muss ich Lucio Recht geben. Die Hintergründe werden nämlich oft nicht gesehen. Dazu kommt, dass, von den großen Metropolen vielleicht mal abgesehen, kleine Mietwohnungen kaum zu bekommen sind. Das kann sich ein junger Mensch, der gerade ins Berufsleben tritt, studiert, nur miese Jobs bekommt oder gar arbeitslos ist, nicht leisten. WGs sind nicht so verbreitet wie hier, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen kann sich erst recht keiner leisten. Was bleibt ihnen also anderes übrig? Glaubt man den Statistiken, trifft dieses Phänomen Frauen ebenso wie Männer. Umgekehrt beeinflusst dieses Problem natürlich auch die Mentalität und schon entsteht ein Teufelskreis.
Was die typische Urlaubsliebe angeht und die "treulosen, italienischen Männer, die nur mit Touristinnen ihren Spaß haben, es aber nie Ernst meinen" sehe ich das Ganze etwas ambivalent. Natürlich gibt es die Papagalli, die sich mit dem Mythos des Latin Lovers umgeben und eine Frau nach der anderen abschleppen. Aber ich muss jetzt auch mal eine Lanze brechen für die italienischen Männer und ihren "treulosen" Ruf bei deutschen Frauen. Immerhin ist es ja auch so, dass ganz viele der Italien-Touristinnen genau DAS von den Männern erwarten. Viele interessieren sich doch ebensowenig für den Alltag und das Leben der Männer dort, der italienische Urlausflirt mit seinem Latin-Lover-Ruf kommt für die meisten doch im wahren Leben nicht in Frage - also im Sinne von ernsthafter Beziehung mit Verantwortung und allen Konsequenzen wie Ehe, Familie ... . Das ist nämlich die Kehrseite.
Dazu kommt, dass man als deutsche Frau diese Flut von Komplimenten, kleinen Flirts und Nettigkeiten nicht gewohnt ist. Ich denke dabei immer an das Lied "Orélie" von Wir sind Helden. Da geht es zwar um Frankreich, aber das ist vergleichbar: Die französische Frau Orélie ist in Deutschland und denkt, dass sie von den Männern überhaupt nicht wahrgenommen wird, ja unfassbar unattraktiv sein muss, weil ihr keiner den Hof macht und sie keine Komplimente bekommt. In Italien ist das ganz anders. Da wird viel lockerer miteinander umgegangen. Im Laden, im Café, auf der Straße, ja fast überall bekommt man Nettigkeiten gesagt, die manchmal übertrieben sind, aber selten ernsthafte Anbandelungsversuche. Das missverstehen deutsche Touristinnen aber oft, weil sie das nicht gewohnt sind und jedes Kompliment als Einladung zu einer Affäre oder gar Beziehung betrachten. Und dann kommt manchmal der Katzenjammer ...
Das ist aber nur meine persönliche Theorie. Sorry, dass ich so abgeschweift bin.
pantera_nera, ich will dir nicht zunahe treten, aber kann dir nur raten, mal ein bisschen an dich zu denken. Du solltest deine Lebensplanung nicht von einem Kerl abhängig machen, der ohnehin nicht ernsthaft an dir interessiert ist. Willst du wirklich 10 Jahre warten? Nimmt er bei der ganzen Geschichte auch auf dich Rücksicht? Auch wenn du es jetzt vielleicht nicht glaubst, aber ich bin sicher, da findest du noch jemand Besseren, für den es sich wirklich lohnt, zu kämpfen. Und außerdem: Einen Mann, der fremdgeht, willst du doch nicht wirklich, oder? |
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