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    Land und Leute

    Wiener Kaffeehaus-Kellner-Grant

    Betrifft

    Wiener Kaffeehaus-Kellner-Grant

    Kommentar
    Tradition hat einen Namen, so geht der Spruch. In Wien ist einer dieser Namen zweifelsohne das Wiener Kaffeehaus. Die Tradition hat aber auch ein Gesicht, und ein Grantiges noch dazu: Dasjenige des Wiener Kaffeehaus-Kellners.

    Mürrisch und wortkarg gibt er sich, als man seine Bestellung bei ihm deponiert und scheinbar pikiert deponiert er mit einem Geklirr das Silbertablett mit dem bestellten Kaffee und obligatorischen Glas Wasser auf den Marmortisch, brummt kaum hörbar sein "Bitteschön" und macht eine Kehrtwende Richtung Theke zurück.

    Ausländische Besucher in Wien mögen durch dieses Verhalten etwas verwirrt sein und man muß ihnen erklären, dass es üblich, ja sogar Tradition sei und nicht etwa an irgendeinem Fehlverhalten des Gastes läge.

    Woher aber stammt diese (Un-)Art der Kaffeehaus-Kellner? Weiß jemand den Hintergrund dieser kuriosen "Tradition"?
    VerfasserMary nz/a (431018) 13 Aug. 08, 15:28
    Kommentar
    Wahrscheinlich, bekommen sie zu wenig Gehalt...
    #1Verfasserjudoka (468787) 13 Aug. 08, 15:30
    Kommentar
    Naja - die Köbesse (in Köln) sind ja nicht besser...
    #2Verfasser Electric Barbarella (244879) 13 Aug. 08, 15:32
    Kommentar
    Stimmt...
    #3Verfasserjudoka (468787) 13 Aug. 08, 15:39
    Kommentar
    @EB(#2): Was sind die "Köbesse"?
    #4VerfasserMary nz/a (431018) 13 Aug. 08, 15:41
    Kommentar
    Toll, den kenn ich, der hat mal bei einer unserer Weihnachtsfeiern gekellnert *g*
    #5Verfasser Kelwitt (222229) 13 Aug. 08, 15:42
    Kommentar
    ...Das sind die Kellner in Köln..
    #6Verfasserjudoka (468787) 13 Aug. 08, 15:44
    Kommentar
    Köbesse sind die Kellner und Kneipenwirte in den ursprünglichen Kölsch-Kneipen.
    #7Verfasser Electric Barbarella (244879) 13 Aug. 08, 15:49
    Kommentar
    Hab ich doch gesagt...
    #8Verfasserjudoka (468787) 13 Aug. 08, 15:51
    Kommentar
    Ja, sorry... *heul*
    #9Verfasser Electric Barbarella (244879) 13 Aug. 08, 15:52
    Kommentar
    Auch interessant: http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6bes

    Was man da so alles findet!
    #10Verfasser Electric Barbarella (244879) 13 Aug. 08, 15:54
    Kommentar
    Also einen offiziellen Grund kenne ich auch nicht, aber als Provinzlerin die seit 20 Jahren in Wien lebt habe ich festgestellt, daß der Herr Ober oer die Frau Chefin eigentlich nur zur Laufkundschaft grantig sind - egal ob In- oder Ausländer.
    Sobald man Stammgast geworden ist (ein subtile Daseins-Änderung - die jedoch nicht immer nur unbedingt mit der Häufigkeit der Besuche in Bezug steht) weicht der Grant einer sehr höflichen Umgangsform und man muss auch nicht mehr ewig warten bis man bedient wird sindern bekomt das "Übliche" gebracht ohne zu bestellen.

    Wie wird man Stammgast? Schwer zu sagen, denn ist eher wie im Tierheim: die Gäste sind die armen Tierchen die jaulend sehnsüchtig warten, und der Herr Ober trifft nach eigenem Instinkt seine Auswahl wen er in sein Herz schliesst... in meinem Stammkaffeehaus weiss ich inzwischen was das Kriterium ist: wenn ein Gast auch nur sehr subtil Eile vermittelt ist er schon untendurch und wird ingnoriert.

    Anderswo mag es andere Gründe haben - diese Liste ist von der inzwischen leider in Pension gegangenen Pächterin meines allerersten Stammkaffeehauses:
    In Eile sein
    lautes Handytelefonieren
    allgemein zu lautes Reden
    ein "Kännchen" bestellen wollen
    bei der Speisenbestellung lästig sein ("ich nehm das Schnitzel wenn das Fett frisch ist, aber als Beilage gedünstete Möhren und keine Pommes, und den Salat bitte nur mit mildem Essig anrichten" - ich hatte einmal einen Bekannte mitgebracht die mich solcherart fast um meinen Status im Lokal brachte...)
    Babys bzw. kleine Kinder mitbringen
    Kleine Kinder im Lokal herumlaufen lassen
    sich aufregen über Raucher / Rauch
    Kaffeehauseigene Zeitungen nicht zurücktragen
    mitgebrachte Zeitungen liegenlassen
    Beim "falschen" Ober bestellen wollen (in den grösseren Kaffeehäusern hat jeder sein "Revier")
    Kleidung (Flipflops, kurze Hosen...)
    Knauserigkeit beim Trinkgeld geben (wenn man dann den "Status" erreicht hat wird es wieder nicht mehr so wichtig

    Ob es wirklich mit dem (wirklich oft schlechten) Gehalt zu sammenhängt - ja und nein würde ich sagen. Ich denke es ist eher eine territorial Angelegenheit, sowie der Stammgast das Kaffeehaus als sein erweitertes Wohnzimmer sieht, tut das auch der Ober, aber zumindest sieht er es als sein Revier.

    Dieses Infoblatt ist nicht so übel, und kann so manchens Missverständnis vorbeugen:

    http://www.seminare-bw.de/servlet/PB/-s/10xmr...
    #11Verfassernicky nick13 Aug. 08, 15:59
    Kommentar
    Moooment, das Bier trennt uns, aber vom Köbes werden wir doch wieder vereint ;-), die gibt es nämlich genauso in Düsseldorf und - wie ich gerade erfahren habe http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6bes - auch in Krefeld. Daß Köbes von Jakob kommt, wußte ich, aber nicht, warum gerade Jakob, deshalb das Nachschlagen bei Wikipedia. Und siehe da, die "war'n dann mal weg" *g*.
    #12Verfasser Russisch Brot (340782) 13 Aug. 08, 16:01
    Kommentar
    Also ich fand den Kellner in Köln, der mir ständig ein neues Kölsch brachte und dazu Komplimente servierte sehr zuvorkommend! *hicks*
    #13VerfasserYasoKuhl13 Aug. 08, 16:10
    Kommentar
    @nicky nick (11): Sehr informativ, danke. Hat aber nicht dieses Verhalten der Ober auch im Klassenkampf nach den Zeiten der Monarchie ihre Wurzeln? In dem die Kellner ihre frühere Rolle als "g'schamster Diener" ablehnen, zum Beispiel?
    #14VerfasserMary nz/a (431018) 13 Aug. 08, 16:12
    Kommentar
    #Mary
    oops, ich sehe gerade hunderte Typos in meinem Text, das kommt davon wenn man eigentlich arbeiten sollte und dann schnell abschickt...

    Ich weiß nicht recht ob es was mit Klassenkampf zu tun hat, und mit der Geschichte kenne ich micht nicht so gut aus, vom Gefühl her würde ich aber eher sagen es hat mit Stolz zu tun: Stolz auf den Arbeitsplatz im Traditionskaffee und daher auch das "Verteidigen der Tradition" das als Grant rüberkommt oder Revierverhalten bzw. "Gästeerziehen".
    So habe ich das zumindest immer beobachtet bei der Chefin in meinem alten Stammkaffeehaus. Sie war meist sehr sehr grantig bzw. streng zu Fremden oder ihr unsympathischen Personen, vor allem denke ich weil sie extrem stolz war auf ihr Kaffeehaus, das ihr Mann und sie alleine geführt haben. Ich bin über sehr viele Jahre hingegangen, oft fast täglich, und habe oft beobachtet wie sie Leute rausekelte die sie nicht haben wollte. Es hatte mehr mit "ich such mir die Leute aus, die ich bediene" zu tun, oder "der/die verdient es bei uns bedient zu werden/hier zu sitzen", wobei dies auch durchaus opportunistisch sien konnte, wenn einer eine "Berühmtheit war, hatte es nicht immer was mit Sympathie zu tun, aber der war eben gut fürs Geschäft.

    Natürlich ist so ein kleineres Kaffeehaus anders als die grossen mit den vielen herb-grantigen Männern, aber ich glaube der Stolz ist derselbe.
    #15Verfassernicky nick13 Aug. 08, 16:33
    Kommentar
    Auch echte Frankfurter Apfelweinwirtschaften haben dieses spezielle Verhältnis zur Kundschaft: http://images.zeit.de/text/2007/48/Apfelwein
    #16VerfasserAM<de>13 Aug. 08, 17:22
    Kommentar
    Nur noch einmal Schlafen....ich flieg morgen mit meinem irischen Freund nach Wien und wir freuen uns schon irre. Ist nur bis Sonntag aber immerhin. Nach obigen Tipps werden wir uns ganz brav verhalten. Bloss nicht unangenehm auffallen und unser romantic Vienna weekend riskieren.
    #17Verfasserblackberry13 Aug. 08, 17:34
    Kommentar
    Dann ist die Nichte meines Freundes wohl wegen zwei der von nicky nick erwähnten Sünden beim Herrn Ober durchgefallen:
    Sie bestellte einen Eiskaffee "ohne Sahne".
    Sünde 1 wäre die "Extrawurst", also Sonderwunsch-Bestellung;
    Sünde 2 war wohl "Sahne" zu sagen, statt wie in Wien üblich, "(Schlag)obers." (Das habe ich ihr nachträglich erklärt.)

    Von einem Bekannten habe ich einmal gehört (scherzhaft): "Sahne? - Gibt's hier kaane!" - Das dürfte von einem Kaffeehauskellner stammen!
    #18VerfasserMary nz/a (431018) 13 Aug. 08, 18:00
    Kommentar
    Sehr schöner Artikel über die Frankfurter Apfelweinwirtschaften.

    Ich musste sofort an eine Geschichte denken, die mir ein Freund über eine solche erzählt hat. Nach seiner Angabe wurde man vom Kellner während des intensiven Studierens der Speisekarte gelegentlich aufgefordert: "Wollese lese oder bestelle?"
    #19Verfasserd2f (unplugged)13 Aug. 08, 18:06
    Kommentar
    In München ist das nicht viel anders.

    Kürzlich hatten wir eine Kellnerin, die war so grantig, daß sie am Schluß das Trinkgeld nicht annehmen wollte. Unser Fehler? Wir hatten wissen wollen, ob 'Apfelkiachl' eines oder mehrere seien. Daraufhin bekamen wir äußerst unwirsch die Belehrung, daß 'Apfelkiachl' natürlich Mehrzahl sei. Als wir es wagten anzumerken, daß 'Apfelkiachl' auf bairisch auch Einzahl sein könne, hatten wir es versch***. Wir wurden konsequent übersehen.
    #20Verfasser Selima (107) 13 Aug. 08, 18:09
    Kommentar
    Selima, solche Kellnerinnen kriegen von mir kein Trinkgeld, sondern dürfen das Wechselgeld centgenau wieder rausgeben :-)
    #21Verfasser neuchateloise (412016) 13 Aug. 08, 21:33
    Kommentar
    Eigentlich hatte ich das auch vorgehabt. Als sie sich dann aber doch irgendwann herabließ, zum Kassieren zu kommen, brachte ich es einfach nicht über mich. Aber zwengs meiner ;-) Die Lokalität hat inzwischen übrigens ganz zugemacht.
    #22Verfasser Selima (107) 13 Aug. 08, 22:08
    Kommentar
    Na das wundert mich nicht. Daß man mich richtig versteht: Ich bin sehr dafür, Trinkgeld zu geben, wenn der Service gut war. Aber fürs angegrantelt-werden geh ich nicht ins Café oder Restaurant, das kann man auch daheim selber viel besser ;-)
    #23Verfasser neuchateloise (412016) 13 Aug. 08, 22:12
    Kommentar
    Also _wir_ schaffen das daheim lang nicht so gut. So gezielt und so konsequent kann ich nicht ignorieren oder so grad knapp an der Unverschämtheit vorbei granteln. Dafür müssen wir dann schon in München weggehen. Ich mein, manchmal braucht man das ja auch - so eine gepflegte Kellnergrantelei, gell? Man hätt ja nichts für zum Aufregen.
    #24Verfasser Selima (107) 13 Aug. 08, 22:17
    Kommentar
    So jetzt hijacke ich endgültig den Faden, man möge mir verzeihen, aber wenn Du in München nicht angegrantelt werden willst, empfehle ich u.a. die Aroma-Kaffeebar in der Pestalozzistraße, das La Rue ebenfalls in der Pestalozzistraße, das Café Mozart in der Pettenkoferstr.
    Und ich bekomme nicht mal Geld dafür :-)

    Und nein, wir granteln auch nicht daheim. Aber man braucht dafür keinen Kellner.
    #25Verfasser neuchateloise (412016) 13 Aug. 08, 22:26
     
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