Also einen offiziellen Grund kenne ich auch nicht, aber als Provinzlerin die seit 20 Jahren in Wien lebt habe ich festgestellt, daß der Herr Ober oer die Frau Chefin eigentlich nur zur Laufkundschaft grantig sind - egal ob In- oder Ausländer.
Sobald man Stammgast geworden ist (ein subtile Daseins-Änderung - die jedoch nicht immer nur unbedingt mit der Häufigkeit der Besuche in Bezug steht) weicht der Grant einer sehr höflichen Umgangsform und man muss auch nicht mehr ewig warten bis man bedient wird sindern bekomt das "Übliche" gebracht ohne zu bestellen.
Wie wird man Stammgast? Schwer zu sagen, denn ist eher wie im Tierheim: die Gäste sind die armen Tierchen die jaulend sehnsüchtig warten, und der Herr Ober trifft nach eigenem Instinkt seine Auswahl wen er in sein Herz schliesst... in meinem Stammkaffeehaus weiss ich inzwischen was das Kriterium ist: wenn ein Gast auch nur sehr subtil Eile vermittelt ist er schon untendurch und wird ingnoriert.
Anderswo mag es andere Gründe haben - diese Liste ist von der inzwischen leider in Pension gegangenen Pächterin meines allerersten Stammkaffeehauses:
In Eile sein
lautes Handytelefonieren
allgemein zu lautes Reden
ein "Kännchen" bestellen wollen
bei der Speisenbestellung lästig sein ("ich nehm das Schnitzel wenn das Fett frisch ist, aber als Beilage gedünstete Möhren und keine Pommes, und den Salat bitte nur mit mildem Essig anrichten" - ich hatte einmal einen Bekannte mitgebracht die mich solcherart fast um meinen Status im Lokal brachte...)
Babys bzw. kleine Kinder mitbringen
Kleine Kinder im Lokal herumlaufen lassen
sich aufregen über Raucher / Rauch
Kaffeehauseigene Zeitungen nicht zurücktragen
mitgebrachte Zeitungen liegenlassen
Beim "falschen" Ober bestellen wollen (in den grösseren Kaffeehäusern hat jeder sein "Revier")
Kleidung (Flipflops, kurze Hosen...)
Knauserigkeit beim Trinkgeld geben (wenn man dann den "Status" erreicht hat wird es wieder nicht mehr so wichtig
Ob es wirklich mit dem (wirklich oft schlechten) Gehalt zu sammenhängt - ja und nein würde ich sagen. Ich denke es ist eher eine territorial Angelegenheit, sowie der Stammgast das Kaffeehaus als sein erweitertes Wohnzimmer sieht, tut das auch der Ober, aber zumindest sieht er es als sein Revier.
Dieses Infoblatt ist nicht so übel, und kann so manchens Missverständnis vorbeugen:
http://www.seminare-bw.de/servlet/PB/-s/10xmr...