| Kommentar | # 176, Zwangsduzerei: Ich habe 2 1/2 Jahre in einer Firma gearbeitet, in der jeder jeden geduzt hat. Das war meine erste Begegnung mit dem Zwangs-Du, ich dachte zu Beginn, es würde mich nicht weiter stören. Leider hat sich herausgestellt, dass einige der Kollegen meinten, nur weil sie mit mir per Du waren, könnten sie sich verhalten, wie sie wollten. Trotz des Dus gibt es auch weiterhin eine Hierachie in der Firma, es gibt Weisungsbefugte und solche, die die Weisungen ausführen müssen. Mir ist es als Fachvorgesetzte passiert, dass eine Mitarbeiterin meinte, sich nicht an meine Anweisungen halten zu müssen und demonstrativ vor meinen Augen dagegen verstossen hat. Erklärungen, warum ich es genau so will und nicht anders, Verweise auf die gültigen gesetzlichen Vorschriften haben nichst genutzt, die Frau wollte einfach nicht umdenken. Erst als ich ihren disziplinarischen Vorgesetzten eingeschaltet habe, hat sie darauf verzichtet, vor meinen Augen gegen die Anweisung zu vestossen. Oder meine damalige Chefin meinte, mich anpflaumen zu können - wir waren ja per Du. Mir ist klar, dass das eindeutige persönliche Defizite dieser beiden Personen waren, aber bei einem Du fällt es leichter, diese Defizite auch auszuleben. Nach den Erfahrungen bin ich froh, wieder in einer Firma zu arbeiten, in der erst mal gesiezt wird. Ich kann mir aussuchen, ob und falls ja wen ich duzen will. Bei der letzten Jobsuche bin ich über eine Anzeige einer Pharmafirma aus Hohenlokstedt gestolpert, die ganze Stellenausschreibung war per Du. Die Begründung lautete sinngemäß, dass sie ein junges Team wären, Zusammenarbeit wichtig sei und dass sie sich duzen, um den Teamgedanken zu betonen. Naja, der Job wäre interessant gewesen, aber ich habe doch auf eine Bewerbung dort verzichtet. Einmal Zwangs-Du reicht mir. |
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