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    Quasselzimmer

    Herbst - mehr als eine Jahreszeit!

    Betrifft

    Herbst - mehr als eine Jahreszeit!

    Kommentar
    Mir ist gerade so herbstlich zumute, ich würde mich freuen, wenn Ihr mir Euere Gedanken, Zitate, Liedertexte und ähnliches zum Thema Herbst schreibt.

    Was verbindet Ihr mit Herbst? Gibt es in Euerer Familie feste Rituale im Herbst? Laßt Ihr auch in (etwas) fortgeschrittenen Alter noch Drachen steigen?

    In diesem Sinne:

    Bunt sind schon die Wälder,
    gelb die Stoppelfelder,
    und der Herbst beginnt.
    Rote Blätter fallen,
    graue Nebel wallen,
    kühler weht der Wind.

    Wie die volle Traube
    aus dem Rebenlaube
    purpurfarbig strahlt!
    Am Gelände reifen
    Pfirsiche, mit Streifen
    rot und weiß bemalt.

    Flinke Träger springen,
    und die Mädchen singen,
    alles jubelt froh!
    Bunte Bänder schweben
    zwischen hohen Reben
    auf dem Hut von Stroh.

    Geige tönt und Flöte
    bei der Abendröte
    und im Mondesglanz;
    junge Winzerinnen
    winken und beginnen
    frohen Erntetanz.

    (Joh. Fr. Reichardt)
    Verfasser biachle (475767) 23 Sep. 08, 18:26
    Kommentar
    Rondel

    Verflossen ist das Gold der Tage
    Des Abends braun und blaue Farben:
    Der Hirten snafte Flöten starben
    Des Abends blau und braune Farben
    Verflossen ist das Gold der Tage.

    Georg Trakl

    Danke,biachle, für die Eröffnung dieses Fadens. Hoffen wir auf schöne Beiträge. Herbst, ja, die Zeit, in der wir als Kinder Drachen steigen ließen, selbst gebaute natürlich, aus farbigem Transparentpapier, mit langen, quastigen Schwänzen, die im Wind hin- und her zerrten. Und an den Schnüren ließen wir "Briefchen" nach oben steigen. Was für ein tolles Abenteuer auf den abgeernteten Feldern.
    #1VerfasserHeinz H (243376) 23 Sep. 08, 19:58
    Kommentar
    Und noch ein Klassiker, der zum Herbstanfang keinesfalls fehlen darf - in keinem Jahr

    Herbsttag

    Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    und auf den Fluren laß die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    gib ihnen noch zwei südlichere Tage
    dränge sie zur Vollendung hin und jage
    die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    und wird in den Alleen hin und her
    unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

    (1902, aus: Das Buch der Bilder)

    (Rainer Maria Rilke)


    Hallo biachle ,

    danke für den schönen Faden. Warst schneller als ich.

    Ich finde, Rainer Maria Rilke darf in keinem Jahr zur Herbstzeit fehlen. Früher habe ich immer geschimpft, weil ich das Gedicht auswendig lernen musste. Heute treffe ich es in jedem Herbst wieder.

    Damit verbunden noch weitere Erinnerungen:

    Erinnert mich an meinen Musikunterricht in der 3./4. Klasse.
    Anschließend wurden im Kunstunterricht Drachen gebaut und ab gings auf die Felder zum Drachen steigen lassen.

    Ich freue mich auf viele weitere Gedichte in diesem Faden.


    #2Verfasser Chaostranslater (459860) 23 Sep. 08, 20:16
    Kommentar
    Hallo Heinz H

    auch an dich schöne Grüsse. Wollte Dich nicht übergehen. Habe zu schnell auf "send" gedrückt" und schon konnte ich dem Text nichts mehr hinzufügen. Entschuldigung. Auch auf Deine Beiträge bin ich sehr gespannt.

    Auf in die Tiefen der Literatur. Eine angenehme Reise allen, die sich darauf einlassen.
    #3Verfasser Chaostranslater (459860) 23 Sep. 08, 20:19
    Kommentar
    Biachle,

    ich habe heute schon dieses Lied mit meinen Verwandten zusammen beim Tee gesungen! Ich liebe den Herbst auch sehr. Die Luft riecht so gut, und die Farben sind so warm, und ich freue mich auf den Winter.

    Was ich im Herbst am liebsten mache, ist, Frühlingsblumenzwiebeln zu pflanzen - dann vergeht die Zeit bis Frühling genauso langsam wie die Zeit vor Weihnachten, als ich noch ein Kind war. Die Zeit anzuhalten, wie schafft man das sonst noch?

    Außerdem gönne ich mir manchmal die Lektüre eines Lieblingskinderbuchs, das in Kanada spielt, und träume mich beim Anblick der bunten Herbstblätter zum Indian Summer nach Kanada.
    #4Verfasser Lady Grey (235863) 23 Sep. 08, 21:42
    Kommentar
    Ich habe noch vergessen: zum Herbst gehört es natürlich, in der Fußgängerzone oder daheim ein paar heiße Maroni zu schnabulieren! Und sich daran die Hände zu wärmen...
    #5Verfasser Lady Grey (235863) 23 Sep. 08, 21:43
    Kommentar
    Septembermorgen

    Im Nebel ruhet noch die Welt,
    Noch träumen Wald und Wiesen:
    Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
    Den blauen Himmel unverstellt,
    Herbstkräftig die gedämpfte Welt
    In warmem Golde fließen.

    Eduard Mörike
    #6VerfasserHeinz H (243376) 23 Sep. 08, 23:20
    Kommentar
    Hallo Heinz H, Mörikes Septembermorgen, der von Heinz Lau wunderbar zu einem der schönsten Kanons gesetzt wurde, darf natürlich nicht fehlen. Danke
    #7Verfasser lyri (236943) 23 Sep. 08, 23:37
    Kommentar

    My favourite:

    Die große Fracht des Sommers ist verladen,
    das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
    wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.
    Die große Fracht des Sommers ist verladen.

    Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
    und auf die Lippen der Galionsfiguren
    tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren.
    Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit.

    Wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit,
    kommt aus dem Westen der Befehl zu sinken;
    doch offnen Augs wirst du im Licht ertrinken,
    wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.

    Ingeborg Bachmann
    #8VerfasserBlaine (310093) 24 Sep. 08, 08:42
    Kommentar
    Das Lied vom Kirschbaum

    Zum Frühling sagt der liebe Gott
    "Geh, deck dem Wurm auch seinen Tisch!"
    Gleich treibt der Kirschbaum Laub um Laub,
    vieltausend Blätter, grün und frisch.
    Das Würrnchen ist im Ei erwacht,
    es schlief in seinem Winterhaus;
    es streckt sich, sperrt sein Mäulchen auf
    und reibt die blöden Augen aus.

    Und darauf hat's mit stillem Zahn
    an seinen Blätterchen genagt;
    es sagt: "Man kann nicht weg davon!
    Was solch Gemüs' mir doch behagt!"-

    Und wieder sagt der liebe Gott:
    "Deck jetzt dem Bienchen seinen Tisch!"
    Da treibt der Kirschbaum Blüt' an Blüt",
    vieltausend Blüten, weiß und frisch.

    Und's Bienchen sieht es in der Früh
    im Morgensonnenschein und fliegt heran
    und denkt: Das wird mein Kaffee sein;
    was ist das kostbar Porzellan!

    Wie sind die Täßchen rein gespült!"
    Es steckt sein Züngelchen hinein,
    es trinkt und sagt: Wie schmeckt das süß!
    Da muß der Zucker wohlfeil sein!"

    Zum Sommer sagt der liebe Gott:
    "Geh, deck dem Spatzen seinen Tisch!"
    Da treibt der Kirschbaum Frucht an Frucht,
    vieltausend Kirschen, rot und frisch.

    Und Spätzchen sagt: "Ist's so gemeint?
    ich setz' mich hin, ich hab' App'tit,
    das gibt mir Kraft in Mark und Bein,
    stärkt mir die Stimm' zu neuem Lied."-

    Da sagt zum Herbst der liebe Gott:
    "Räum fort, sie haben abgespeist!"
    Drauf hat die Bergluft kühl geweht,
    und 's hat ein bissel Reif geeist.

    Die Blätter werden gelb und rot,
    eins nach dem andern fällt schon ab,
    und was vom Boden stieg herauf,
    zum Boden muß es auch hinab.

    Zum Winter sagt der liebe Gott:
    "Jetzt deck, was übrig ist, mir zu!"
    Da streut der Winter Flocken drauf;
    nun danket Gott und geht zur Ruh'!

    Hebel, Johann Peter (1760-1826)

    Für mich ist der Herbst eine besonders schöne und entspannende Jahreszeit, die Luft riecht wie frisch gewaschen, von jedem Spaziergang bringe ich tolle Fundstücke mit Nüsse, Äpfel, bunte Blätter, Fotos...

    Hach und hier scheint jetzt die Sonne, der Himmel ist blau, vorm Fenster steht ein Apfelbaum den ich in der Mittagspause mal besuchen werde herrlich!
    #9Verfasser biachle (475767) 24 Sep. 08, 11:07
    Kommentar
    In meinem kleinen Apfel

    In meinem kleinen Apfel,
    Da sieht es lustig aus:
    Es sind darin fünf Stübchen
    Grad wie in einem Haus.

    In jedem Stübchen wohnen
    Zwei Kernchen schwarz und fein,
    Die liegen drin und träumen
    Vom lieben Sonnenschein.

    Sie träumen auch noch weiter
    Gar einen schönen Traum,
    Wie sie einst werden hängen
    Am lieben Weihnachtsbaum.


    Ich habe im letzten Herbst tatsächlich einen 10 jährigen Jungen (den Sohn von guten Freunden, getroffen), der noch nie einen Drachen steigen ließ! Ich habe das natürlich ziemlich schnell geändert, die Eltern des Jungen sind nur etwas jünger als ich ....
    Könnt Ihr Euch das vorstellen? Sind Lehrer anwesend? Baut man in der Schule eigentlich keine Drachen mehr?
    #10Verfasser biachle (475767) 24 Sep. 08, 11:20
    Kommentar
    ach biachle Du gräbst immer so schöne Lieder aus. Da schlagen bei mir die Erinnerungen Purzelbäume.

    Zum kleinen Apfel fällt mir ein, als mein jüngstes Kind 3 Jahre alt war und gerade in den Kindergarten gekommen war, hat es dieses Lied zum Erntedankfest in der vollbesetzten Kirche gesungen. Dieser kleine Dreikäsehoch, allein - von der Kirchenorgel begleitet. Das werde ich nie vergessen, und wenn ich 110 werde.

    Im Herbst war ich als Kind viel im Wald. Ich sammelte Kastanien, Ahornblätter, Eichenblätter, Bucheckern und und was man so fand. Kam ich dann durchgefroren nach Hause, machte Ommmmmma mir einen Kakao.
    Anschließend wurde gebastelt. Kennt bestimmt jeder, Tiere aus Kastanien und Streichhölzern etc.

    Und Opa hatte den Spruch drauf, den ich erst viel, viel später verstanden habe:

    Von die (!) Bäume fall'n die Blätter - Donnerwetter
    im Frühjahr sind sie wieder dran - sieh mal an.

    Ich geh' dann mal noch ein bisschen in Erinnerung schwelgen.
    #11Verfasser Chaostranslater (459860) 24 Sep. 08, 12:24
    Kommentar
    Herbstweh

    So still in den Feldern allen,
    Der Garten ist lang verblüht,
    Man hört nur flüsternd die Blätter fallen,
    Die Erde schläft - ich bin so müd.

    Es schüttelt die welken Blätter der Wald,
    Mich friert, ich bin schon alt,
    Bald kommt der Winter und fällt der Schnee,
    Bedeckt den Garten und mich und alles, alles Weh.

    Joseph Freiherr von Eichendorff

    biachle, in unserer Instant-Gesellschaft werden heute Drachen fertig gekauft. Leider, und auf diese Weise wird Kindern die Freude und Erfahrung des Selberbauens vorenthalten. Dein Apfelkernchengedicht gefällt auch mir gut. Weckt Erinnerungen.
    Chaostrainer, Kastanientiere haben wir als Kinder auch gebastelt. Dein Opa hat anscheinend gute Sprüche "drauf" gehabt. Ich werde mir diesen sicher merken :-).

    #12VerfasserHeinz H (243376) 24 Sep. 08, 13:17
    Kommentar
    Ja genau, der Waldzoo, Tiere auch Kastanien, Eicheln, Bucheckern wunderschön ... wo finde ich jetzt ein nettes Kind, damit ich eine Ausrede habe mal wieder welche zu basteln? Oder vielleicht brauch' ich ja auch keine Ausrede? mmmmhhhh

    Das gab es doch noch so einen Rätsel ... stöber ...ich hab es wieder gefunden...

    "Ein Igel ist auf einem Blatt
    Das wie die Hand fünf Finger hat
    Auf einem Baum
    Du glaubst es kaum

    Der kleine Igel Stachelspitz
    fiel auf den Kopf vom kleinen Fritz
    von seiner Mütze
    in die Pfütze

    Da war es mit dem Igel aus
    Er platzte – und was kam heraus?
    mit einem Hops
    ein brauner Mops"

    Josef Guggenmos


    #13Verfasser biachle (475767) 24 Sep. 08, 14:08
    Kommentar
    Der Schnupfen

    Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
    auf dass er sich ein Opfer fasse
    - und stürzt alsbald mit großem Grimm
    auf einen Menschen namens Schrimm.
    Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!"
    und hat ihn drauf bis Montag früh.


    Christian Morgenstern
    (1871-1914)


    Die etwas andere Seite des Herbstes.
    #14Verfasser Chaostranslater (459860) 24 Sep. 08, 16:36
    Kommentar
    Welkes Blatt

    Jeder Blüte will zur Frucht,
    Jeder Morgen Abend werden,
    Ewiges ist nicht auf Erden
    Als der Wandel, als die Flucht.

    Auch der schönste Sommer will
    Einmal Herbst und Welke spüren.
    Halte Blatt, geduldig still,
    Wenn der Wind dich will entführen.

    Spiel dein Lied und wehr dich nicht,
    Lass es still geschehen.
    Lass vom Winde, der dich bricht,
    Dich nach Hause wehen.

    Hermann Hesse
    #15VerfasserHeinz H (243376) 25 Sep. 08, 09:18
    Kommentar
    Im Herbst
    Der schöne Sommer ging von hinnen,
    Der Herbst der reiche, zog ins Land.
    Nun weben all die guten Spinnen
    So manches feine Festgewand.

    Sie weben zu des Tages Feier
    Mit kunstgeübtem Hinterbein
    Ganz allerliebste Elfenschleier
    Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

    Ja, tausend Silberfäden geben
    Dem Winde sie zum leichten Spiel,
    Die ziehen sanft dahin und schweben
    Ans unbewusst bestimmte Ziel.

    Sie ziehen in das Wunderländchen,
    Wo Liebe scheu im Anbeginn,
    Und leis' verknüpft ein zartes Bändchen
    Den Schäfer mit der Schäferin.

    Wilhelm Busch
    (1832-1908)
    #16Verfasser Chaostranslater (459860) 25 Sep. 08, 13:25
    Kommentar
    Das Laub fällt von den Bäumen,
    das zarte Sommerlaub;
    das Leben mit seinen Träumen
    zerfällt in Asch und Staub.

    Die Vöglein traulich sangen,
    wie schweigt der Wald jetzt still!
    Die Lieb' ist fortgegangen,
    kein Vöglein singen will.

    Die Liebe kehrt wohl wieder
    im künftgen lieben Jahr,
    und alles tönt dann wieder,
    was hier verklungen war.

    Der Winter sei willkommen,
    sein Kleid ist rein und neu!
    Den Schmuck hat er genommen,
    den Keim bewahrt er treu.

    Siegfried August Mahlmann (1805)
    #17Verfasser biachle (475767) 25 Sep. 08, 19:58
    Kommentar
    Mit gelben Birnen hänget
    Und voll mit wilden Rosen
    Das Land in den See,
    Ihr holden Schwäne,
    Und trunken von Küssen
    Tunkt ihr das Haupt
    Ins heilignüchterne Wasser.

    Weh mir, wo nehm' ich, wenn
    Es Winter ist, die Blumen, und wo
    Den Sonnenschein
    Und Schatten der Erde?
    Die Mauern stehn
    Sprachlos und kalt, im Winde
    Klirren die Fahnen.

    Friedrich Hölderlin
    #18VerfasserHeinz H (243376) 26 Sep. 08, 08:16
    Kommentar
    Nun ist der Wein bereits am Sichverfärben.
    Die ersten Blätter lappen leicht ins Gelbe.
    Die Sonne hält voll drauf. Exakt dieselbe,
    die erst ihr Grünen sah, sieht nun ihr Sterben.

    Und dennoch wäre es echt schwach zu glauben,
    den ganzen Terror könne man vergessen.
    Blattmäßig läuft nichts mehr. Gebongt. Statt dessen
    schwillt neues Leben, ach, zu prallen Trauben.

    Robert Gernhardt
    #19Verfasser lyri (236943) 26 Sep. 08, 09:27
    Kommentar
    Herbstlied (von Friedrich Hebbel, 1813-1863)

    Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
    Die Luft ist still, als atmete man kaum,
    Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
    Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

    O stört sie nicht, die Feier der Natur!
    Dies ist die Lese, die sie selber hält,
    Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
    Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.



    Heute Morgen war so ein Herbsttag wie in dem Mörike-Gedicht. Dichter Nebel, der die Hochhäuser verschluckt und die Stadtgeräusche dämpft, ab und zu taucht im Wald die dunkle Silhouette eines Radfahrers auf, und die Bäume werden schon gelb.
    Im Garten explodieren hunderte von Gelbtönen, rot und lila, und wenn ich heute nachmittag durch den Wald nach hause fahre, werden ganz leise die ersten einzelnen Blätter im Licht der untergehenden Sonne von den Bäumen segeln. Ich freu mich schon.
    #20Verfasser B_Elanna (240251) 26 Sep. 08, 09:51
    Kommentar
    B_Elanna, wenn man früh morgens durch die nebeligen Ruhrauen geht, scheint die Welt fast monochrom. Kommt dann die Sonne durch, sieht man die Welt sich langsam in den tollsten Farben einfärben. Das ist ein Schauspiel, dass ich immer wieder genießen kann.
    #21Verfasser lyri (236943) 26 Sep. 08, 10:08
    Kommentar
    Nebel

    Du, trüber Nebel, hüllest mir
    Das Tal mit seinem Fluss,
    Den Berg mit seinem Waldrevier
    Und jeden Sonnengruß.

    Nimm fort in deine graue Nacht
    Die Erde weit und breit!
    Nimm fort, was mich so traurig macht,
    Auch die Vergangenheit!

    Nikolaus Lenau (1802-1850)
    #22Verfasser Chaostranslater (459860) 26 Sep. 08, 10:58
    Kommentar
    Herbst

    Schon ins Land der Pyramiden
    Flohn die Störche übers Meer;
    Schwalbenflug ist längst geschieden,
    Auch die Lerche singt nicht mehr.

    Seufzend in geheimer Klage
    Streift der Wind das letzte Grün;
    Und die süßen Sommertage,
    Ach, sie sind dahin, dahin!

    Nebel hat den Wald verschlungen,
    Der dein stillstes Glück gesehn;
    Ganz in Duft und Dämmerungen
    Will die schöne Welt vergehn.

    Nur noch einmal bricht die Sonne
    Unaufhaltsam durch den Duft,
    Und ein Strahl der alten Wonne
    Rieselt über Tal und Kluft.

    Und es leuchten Wald und Heide,
    Dass man sicher glauben mag,
    Hinter allem Winterleide
    Lieg' ein ferner Frühlingstag.

    Theodor Storm (1817 - 1888)
    #23Verfasser Chaostranslater (459860) 27 Sep. 08, 10:47
    Kommentar
    Das bunte Blattwerk fällt herab
    und sammelt sich am Boden
    Ich stopf es in den Sack hinein
    und mach darum den Knoten

    So sammle ich den ganzen Tag
    stets meinem Ziel entgegen
    und als die Säcke fort ich trag
    kommt schon der nächste Blätterregen

    Moggl (09/2008) grade eben ;o)
    #24Verfasser Moggl (345881) 27 Sep. 08, 11:05
    Kommentar
    Herbst

    Da steht sie nun, die alte Linde
    im neuen, herbstlichen Gewand.
    Blätter tanzen beschwingt im Winde
    und reichen dir die treue Hand.

    Ganz gelb gefärbt sind schon die Felder.
    In kühler Frische weht der Wind.
    Und bunt bemalt sind auch die Wälder,
    Drachen fliegen lässt froh ein Kind.

    Die müden Schwalben, ja sie ziehen,
    zum warmen Süden dieser Welt.
    Sie wollen vor dem Winter fliehen,
    bevor der Schnee herniederfällt.

    Die Kinder sammeln Laub und Eicheln,
    für alle Tiere hier im Wald.
    Und wollen sie noch einmal streicheln,
    denn der Winter, er kommt bald.

    Da, die Sonne blinzelt durchs Geäst,
    streift das menschliche Gewühle.
    Ruft auf zum schönen, großen Fest
    und der herbstlichen Gefühle.

    Der Herbst gehört nun mal zum Leben,
    wie auch Sonne, Mond und Sterne.
    Soll es Sommer und Winter geben,
    dann habe den Herbst auch gerne.

    © Karl-Heinz Wienke, 1978
    #25Verfasser Chaostranslater (459860) 28 Sep. 08, 10:28
    Kommentar
    Guten Morgen. Wahrscheinlich oute ich mich jetzt wieder als Spaßbremse, aber könntet Ihr bitte darauf achten, dass Ihr keine Gedichte einstellt, deren Autor nicht mindestens seit 70 Jahren tot ist? Erst nach Ablauf dieser Zeit erlischt das Urheberrecht.

    Es wäre doch schade, wenn dieser schöne Faden deswegen gelöscht würde, oder?

    Links können dagegen gesetzt werden, auch auf Seiten, auf denen Gedichte stehen, deren Veröffentlichung hier gegen das Urheberrecht verstoßen würde.
    #26Verfasser neutrino (17998) 28 Sep. 08, 11:21
    Kommentar
    @neutrino

    Vielen Dank für Deinen Hinweis und dass Du uns nicht ins offene Messer rennen lässt. Werde in Zukunft darauf achten, dass ich das Urheberrecht nicht verletze.

    Diesen Hinweis sollte man vielleicht schon beim Einrichten eines Fadens mit angeben. - Als Tipp für zukünftig einzurichtende Fäden, die Zitate, Lieder, Gedichte u.ä. sammeln.

    Dürfte man auf Deinen Hinweis zurückgreifen, und ihn so übernehmen - oder machst Du Urheberrechte geltend? ;-)
    #27Verfasser Chaostranslater (459860) 28 Sep. 08, 14:12
    Kommentar
    Chaostrainer, gern geschehen.

    Urheberrecht? Das setzt eine eigenständige schöpferische Leistung von gewisser Gestaltungshöhe voraus. Mein Hinweis taugt dafür sicher nicht. Und Gesetzestexten spreche ich meist die "Gestaltungshöhe" ab. ;o)
    #28Verfasser neutrino (17998) 28 Sep. 08, 16:51
    Kommentar
    Schauspieler Herbst.

    Wie du dich aufspielst,
    wenn du am schütteren Haar
    der Bäume zerrst,
    wie du dich darstellst,
    wenn du feurig hell
    aus den Wolken blitzt
    und aus Regenfäden
    graue Muster strickst,

    und wie du dich aufplusterst
    in deinem leuchtenden
    Prachtgewand,
    wie du mit deinem Blattgold
    herumwirfst
    als wäre es nichts,
    wie du kokett herumspielst
    mit deinen glühenden Rosensträußen
    und den goldgeflochtenen Kränzen.

    Doch warte nur Schauspieler du!
    An irgendeinem Morgen
    kommt ein alter Herr
    in klirrender Rüstung
    mit weißem Bart und froststarren
    Haaren

    und stiehlt dir die Show...

    Gabriele Lins

    #29Verfasserbernini7 (460182) 28 Sep. 08, 21:39
    Kommentar
    Noch eins, würd auch in den Haiku-Faden passen

    by Joy Cagil

    Autumn

    floating from the sky
    scarlet leaves of bitterness
    soon the harvest moon
    some shrill geese in flight
    the brook sluggish like the sap
    gold turns sepia
    horse chestnuts rolling
    over vermilion piles
    on the rusty lawn
    with final farewells
    a lonely heart breaking in
    the bare arms of oaks
    #30Verfasserbernini7 (460182) 28 Sep. 08, 21:56
    Kommentar
    Spaziergang am Herbstabend

    Wenn ich abends einsam gehe
    Und die Blätter fallen sehe,
    Finsternisse niederwallen,
    Ferne, fromme Glocken hallen:

    Ach, wie viele sanfte Bilder,
    Immer inniger und milder,
    Schatten längst vergangner Zeiten,
    Seh ich dann vorübergleiten.

    Was ich in den fernsten Stunden,
    Oft nur halb bewusst, empfunden,
    Dämmert auf in Seel' und Sinnen,
    Mich noch einmal zu umspinnen.

    Und im inneren Zerfließen
    Mein ich's wieder zu genießen,
    Was mich vormals glücklich machte,
    Oder mir Vergessen brachte.

    Doch, dann frag ich mich mit Beben:
    Ist so ganz verarmt dein Leben?
    Was du jetzt ersehnst mit Schmerzen,
    Sprich, was war es einst dem Herzen?

    Völlig dunkel ist's geworden,
    Schärfer bläst der Wind aus Norden,
    Und dies Blatt, dies kalt benetzte,
    Ist vielleicht vom Baum das letzte.

    (Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863)
    #31Verfasser Chaostranslater (459860) 30 Sep. 08, 02:03
    Kommentar
    Herbstgefühl

    Der Buchenwald ist herbstlich schon gerötet
    So wie der Kranke der sich neigt zu sterben,
    Wenn flüchtig noch sich seine Wangen färben,
    Doch Rosen sind's wobei kein Lied mehr flötet.

    Das Bächlein zieht und rieselt, kaum zu hören,
    Das Tal hinab und seine Wellen gleiten,
    Wie durch das Sterbgemnach die Freunde schreiten,
    Den letzten Traum des Lebens nicht zu stören.

    Ein trüber Wanderer findet hier Genossen,
    Es ist Natur, der auch die Freuden schwanden,
    Mit seiner ganzen Schwermut einverstanden;
    Er ist in ihre Klagen eingeschlossen.

    Nikolaus Lenau
    #32VerfasserHeinz H (243376) 30 Sep. 08, 11:34
    Kommentar
    Im Nebel

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Einsam ist jeder Busch und Stein,
    Kein Baum sieht den andern,
    Jeder ist allein.

    Voll von Freunden war mir die Welt,
    Als noch mein Leben licht war;
    Nun, da der Nebel fällt,
    Ist keiner mehr sichtbar.

    Wahrlich, keiner ist weise,
    Der nicht das Dunkel kennt,
    Das unenntrinnbar und leise
    Von allen ihn trennt.

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Leben ist Einsamsein.
    Kein Mensch kennt den andern,
    Jeder ist allein.

    Hermann Hesse (1905)
    #33Verfasser Waringham (384862) 30 Sep. 08, 12:05
    Kommentar
    Verdammt: Herr Hesse fällt noch unter das Copyright-Dingsbums.. Tut mir leid.
    Stattdessen einen Link: http://www.hhesse.de/gedichte.php?load=imnebel
    #34Verfasser Waringham (384862) 30 Sep. 08, 12:14
    Kommentar
    Wenn der frische Herbstwind weht,
    geh’ ich auf die Felder.
    Schicke meinen Drachen hoch
    über alle Wälder.

    Und er wackelt mit dem Ohr,
    wackelt mit dem Schwänzchen.
    Und er tanzt den Wolken vor,
    hui, ein lustig’ Tänzchen !

    Verfasser unbekannt

    #35Verfasser biachle (475767) 01 Okt. 08, 10:33
    Kommentar
    Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
    sie fallen mit verneinender Gebärde.

    Und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit.

    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an: es ist in allen.

    Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
    unendlich sanft in seinen Händen hält.

    Rilke, Rainer Maria (1875-1926)
    #36Verfasser Waringham (384862) 01 Okt. 08, 10:40
    Kommentar
    Herbstsonett

    Die Tage stiegen längst die goldne Leiter
    des Sommers nieder. Spätglanz wärmt das Land.
    Die Schatten wachsen früh und fallen breiter
    von allen Bäumen in des Abends Hand.

    Im Laube glänzt noch, wie vom Wind verschlagen,
    manch reife Frucht. Der Felder Brust liegt bloß
    und Wolken, die sich westwärts überjagen,
    machen den Himmel ernst und ruhelos.

    Über die Wälder, die sich rasch entblättern,
    zittert schon unrastvoll der Schwalben Flug.
    Und all dies mahnt: Nun sei dem Herbst bereit.

    Beugst du dich morgen zu der Landschaft Buch,
    so blinkt vielleicht schon aus den bunten Lettern
    des Lebens liebstes Wort: Vergänglichkeit.

    Stefan Zweig
    #37VerfasserHeinz H (243376) 01 Okt. 08, 14:17
    Kommentar
    Hier sieht es so aus, als könnte an diesem Wochenende der erste Schnee fallen. Ein wichtiger Brauch in unserer Familie ist der "Schnee-Apfel", am ersten Tag, an dem es richtig schneit gibt es immer auch den ersten Bratapfel des Jahres.

    „Schnee-Apfel“
    pro Person:
    ein großer Boskop
    2 EL Honig
    3 Spritzer Zitronensaft
    etwas abgeriebenen Zitronenschale
    Mandelblättchen
    Zimt
    Puderzucker

    Apfel waschen; Kerngehäuse entfernen ohne den Apfel zu halbieren, dazu oben und unten eine Scheibe abschneiden und das Gehäuse mit einem spitzen Messer (oder einem speziellen Ausstecher) entfernen. Alle Teile mit Zitronensaft bespritzen. Mandelblätter in einer Pfanne ohne Fett rösten, mit Zitronenabrieb, Zimt und Honig mischen, die Äpfel damit füllen und wieder zusammensetzen. Im Backofen bei 200 Grad ca.30-45 Minuten backen. Der Apfel ist fertig, wenn die Haut platzt und das Fruchtfleisch beim einstechen weich ist. Apfel herausnehmen und mit viel „Puderzuckerschnee“ bestäuben und sofort servieren.

    >ich muß unbedingt heute noch einkaufen gehen...<<br/>
    #38Verfasser biachle (475767) 02 Okt. 08, 09:47
    Kommentar
    Biachle: Wo wohnst Du?? Erster Schnee???

    Aber ich habe schon Lust auf den ersten Glühwein des Jahres.. Oder heißen Apfelsaft/Kakao mit Amaretto..
    Den Kamin hatten wir jedenfalls schon an.. und jede Menge Kerzen..

    Ich liiiiiebe den Herbst!
    #39Verfasser Waringham (384862) 02 Okt. 08, 09:54
    Kommentar
    Oh, ja, habe neulich schon einen Apfelstrudel mit englischer Sauce (Vanillesauce/custard) gemacht, der gehört natürlich auch zum Herbst.

    Und Wannenbäder, wenn man von windigen Spaziergängen ausgefroren nach Hause kommt!

    Vorgestern waren wir noch im Hirschgarten in München spazieren, wo man jederzeit mit einer Kastaniensalve von oben rechnen musste, und die Hirsche sich ihr "velvet" vom Geweih abgerieben haben, als würde es sie fürchterlich jucken. Und Drachen haben wir auch an der Isar gesehen...

    Und jetzt kommt auf jeden Fall auch wieder das Stövchen für den Tee zum Einsatz.
    #40Verfasser Lady Grey (235863) 02 Okt. 08, 13:35
    Kommentar
    #39: ich habe heute morgen schon meine Auto frei kratzen müssen .... hier ist es schweinekalt ....
    #41Verfasser biachle (475767) 02 Okt. 08, 14:06
    Kommentar
    Ich hab schon vor über zwei Wochen das erste Mal kratzen müssen.. brr.*g*
    #42Verfasser Tarienna (270184) 02 Okt. 08, 14:27
    Kommentar
    Trüber, regnerischer, nasskalter Herbsttag heute. Aber jetzt ist Feierabend und morgen Feiertag.

    Das erste Oktoberwochenende ist bei uns immer großer Flohmarkt. Die Stadt ist für Fahrzeuge gesperrt - in der Fußgängerzone reiht sich ein Stand an den anderen. Es ist kaum ein Durchkommen. Ich werde mich morgen auch in das Gewühl stürzen und bestimmt mit 1000 unnötigen Sachen zurück kommen. Das schlechte Wetter gehört übrigens zu unserem Flohmarkt. Vorher kann es noch so schön sonnig und angenehm warm sein, das erste Oktoberwochenende ist immer zum Grausen.

    Das heißt aber auch, der erste Glühwein des Jahres, eine Bratwurst, Reibeplätzchen, Waffeln und am liebsten alles durcheinander.

    So sieht für mich die zweite Stufe des Herbstes aus. Und ich genieße es. Ach so, der Kamin wird natürlich auch noch angezündet.

    Allen ein schönes langes Wochenende.
    #43Verfasser Chaostranslater (459860) 02 Okt. 08, 16:48
    Kommentar
    Autumn days are here again!

    In autumn when the trees are brown
    The little leaves come tumbling down
    They do not make the slightest sound
    But lie so quietly on the ground
    Until the wind comes puffing by
    And blows them off towards the sky.

    The winds will blow their own freshness into you,
    and the storms their energy,
    while cares will drop away from you
    like the leaves of Autumn.

    John Muir



    Das mit dem Schnee hat bisher nun doch nicht geklappt, nur heute morgen wieder Rauhreif ... wunderschön ich geh' jetzt bunte Blätter gucken....
    #44Verfasser biachle (475767) 05 Okt. 08, 13:34
    Kommentar
    Zur Abwechslung wieder einmal ein Gedicht.

    Herbstlied

    Bunt sind schon die Wälder,
    gelb die Stoppelfelder,
    und der Herbst beginnt.
    Rote Blätter fallen,
    graue Nebel wallen,
    kühler weht der Wind.

    Wie die volle Traube
    aus dem Regenlaube
    purpurfarbig strahlt!
    Am Geländer reifen
    Pfirsiche, mit Streifen
    rot und weiß bemalt.

    Sieh, wie hier die Dirne
    emsig Pflaum' und Birne
    in ihr Körbchen legt;
    dort, mit öleichten Schritten,
    jene goldne Quitten
    in den Landhof trägt!

    Flinke Träger springen,
    und die Mädchen singen,
    alles jubelt froh!
    Bunte Bänder schweben
    zwischen hohen Reben
    auf dem Hut von Stroh!

    Geige tönt und Flöte
    bei der Abendröte
    und im Mondesglanz;
    junge Winzerinnen
    winken und beginnen
    frohen Erntetanz.

    Johann Gaudenz von Salis-Seewis
    (1762-1834)

    biachle, du hast die Frage in #39 nicht beantwortest. Ich bin nämlich auch ein kleines bisschen neugierig. New England? Wäre naheliegend, wegen "bunte Blätter gucken" und "schweinekalt". Ich war immer sehr gerne dort. Besonders im Herbst. Aber vielleicht willst du uns ja deine Blätter-schau-Gegend nicht verraten, was wir dann auch akzeptieren würden (müssten).
    #45VerfasserHeinz H (243376) 05 Okt. 08, 15:24
    Kommentar
    Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
    Die Luft ist still, als atmete man kaum,
    Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
    Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

    O stört sie nicht, die Feier der Natur!
    Dies ist die Lese, die sie selber hält,
    Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
    Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

    Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863)
    #46Verfasser Chaostranslater (459860) 05 Okt. 08, 17:41
    Kommentar
    Ach, jetzt kommt die Zeit
    Die meinen Allrad freut
    Der Winter nicht mehr weit
    Der Weg noch nicht gestreut

    Froh leg den Gang ich ein
    Ein lächeln im Gesicht
    Der Weg vor mir ist mein
    Das Ziel weiß ich noch nicht

    Die Blätter fallen bunt
    Es strahlt das Abblendlicht
    Die Reifen laufen rund
    Den Herbst im Angesicht

    Moggl 10/08 (plötzlicher Einfall) ;o)
    #47Verfasser Moggl (345881) 05 Okt. 08, 22:06
    Kommentar
    Der Wetterhahn
    (Wilhelm Busch)

    Wie hat sonst so schön der Hahn
    auf unserm Turm gedreht
    und damit jedem kundgetan,
    woher der Wind geweht.

    Doch seit dem letzten Sturme hat
    er keinen rechten Lauf;
    er hängt so schief, er ist so matt,
    und keiner schaut mehr drauf.

    Jetzt leckt man an den Fingern halt
    und hält ihn hoch geschwind.
    Die Seite , wo der Finger kalt,
    von daher weht der Wind.

    und noch:
    Vom schafenden Apfel
    (Robert Reinick)

    Im Baum, im grünen Bettchen,
    hoch oben sich ein Apfel wiegt,
    der hat so rote Bäckchen,
    man sieht's, dass er im Schlafe liegt.

    Ein Kind steht unterm Baume,
    das schaut und schaut und ruft hinauf:
    "Ach Apfel, komm herunter!
    Hör endlich doch mit Schlafen auf."

    Es hat ihn so gebeten.
    Glaubt ihr, der wäre aufgewacht?
    Er rührt sich nicht im Bette,
    sieht aus, als ob er lacht.

    Da kommt die liebe Sonne
    am Himmel hoch daherspaziert.
    "Ach, Sonne, liebe Sonne!
    Mach du, dass der Apfel sich rührt!"

    Die Sonne spricht:"Warum nicht?"
    und wirft ihm Strahlen ins Gesicht,
    küsst ihn dazu so freundlich;
    der Apfel aber rührt sich nicht.

    Nu schau! Da kommt ein Vogel
    und setzt sich auf den Baum hinauf.
    "Ei Vogel, du musst singen,
    gewiss, gewiss, das weckt ihn auf!"

    Der Vogel wetzt den Schnabel
    und singt ein Lied so wundernett,
    und singt aus voller Kehle;
    der Apfel rührt sich nicht im Bett!

    Und wer kam nun gegangen?
    Es war der Wind, den kenn ich schon,
    der küsst nicht und der singt nicht,
    der pfeift aus einem andern Ton.

    Er stemmt in beiden Seiten
    die Arme, bläst, und richtig,
    der Apfel wacht erschrocken auf

    und springt vom Baum herunter
    grad in die Schürze von dem Kind,
    das hebt ihn auf und freut sich
    und ruft:"Ich danke schön, Herr Wind!"


    #48Verfasser moustique (308708) 06 Okt. 08, 11:14
    Kommentar
    Herbst ist ja auch die Zeit des Sterbens im Kreislauf der Natur. Hier noch ein Gedicht, welches ich online gelesen habe von der Autorin mit Pseudo: Klopfstock. Ich hoffe, sie nimmt es mir nicht übel, wenn ich es zitiere, aber ich mag es sehr, da es mit meinem Nick zu tun hat.:-D

    Die Motte (Gedicht von Klopfstock)

    Ach, verbrennen
    nein, verbrennen
    dieses wollt sie nicht.
    Nein, sie wollt,
    wie soll man's nennen?
    Etwas Höheres erkennen,
    sprach: "Ich muß zum Licht!"

    "Licht ist Gottheit!"
    wie ihr deuchte -
    "Garten Eden..."
    und der feuchte
    Blick der kleinen Mottenaugen
    - ganz begehrt dies aufzusaugen -
    sah entzückt zur Stubenleuchte.

    "Ach, ihr schnöden Menschenspötter,
    Osram ist der Gott der Götter -
    hab das Falterleben satt!"
    Und sie flog zum Scheine, warmen,
    dann verging in Osrams Armen
    sie, bei 60 Watt.

    #49Verfasser moustique (308708) 06 Okt. 08, 11:57
    Kommentar
    #40 Ladygrey: Kannst Du uns Dei custard Rezept verraten?

    #45 Heinz H: ich wußte ja garnicht, das Joh. Fr. Reichardt (= Einleitung) ein Gedicht von Johann Gaudenz von Salis-Seewis vertont hat, wieder was dazu gelernt ...

    # 45 ich wohne übrigens zur Zeit in DE / südlich der Mainlinie und heute ist es hier nur nass und kalt, dafür sind die Ahörnchen schon herrlich bunt

    #50Verfasser biachle (475767) 06 Okt. 08, 16:14
    Kommentar
    Neulich in München waren die Herbstfarben auch der helle Wahnsinn! Ich habe noch nie so pinkfarbeneBäume gesehen! Müssen richtige scharfe Frostnächte mit heißen Tagen gewesen sein.
    Custard:
    Ich lasse eine halbe Vanilleschote in einem halben Liter Milch heiß ziehen, schlage 2-3 Eier mit Zucker schaumig, lasse die heiße Vanillemilch in den Ei-Zucker-Schaum langsam einlaufen unter Rühren (ähnlich wie bei Mayonnaise) und binde es dann nochmal unter Hitze mit ein wenig Stärke.
    #51Verfasser Lady Grey (235863) 06 Okt. 08, 16:24
    Kommentar
    (ach ja, natürlich das Vanillemark aus der Schote kratzen, und aufapassen, dass der Custard nicht kocht und dadurch gerinnt)
    #52Verfasser Lady Grey (235863) 06 Okt. 08, 16:25
    Kommentar
    #50 biachle, so geht das. Ich hatte beim Kontrollblick nur auf die Autorennamen unter den Gedichten geachtet. Man sollte also aufmerksamer sein. Vertont ist es auch sehr schön. Ich wohne übrigens direkt an der nördlichen Mainlinie.

    Septembertag

    Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
    die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
    wenn das kristallne Gewand der Wahrheit
    sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.

    Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit...

    Christian Morgenstern
    #53VerfasserHeinz H (243376) 07 Okt. 08, 08:32
    Kommentar
    Christian Möslang: Herbstanfang

    Der Herbst fängt an. Nebel schwebt über das Land.
    Der Igel baut sich eine Höhle im Laubhaufen.
    Es wird Tag für Tag kälter.
    Die Kinder lassen die Drachen steigen.
    Man geht das letzte Mal zum Pilze sammeln.
    Das Erntedankfest hat schon angefangen
    Und die Kinder basteln aus den Kastanien
    Schöne Männchen und Tiere.
    Dann wird es langsam dunkel,
    Der Tag geht vorbei, und alle gehen schlafen.
    Die Kinder gehen morgens wieder in die Schule,
    Und die Erwachsenen arbeiten.
    Die Glocken schweigen, wie aus der Welt geschieden.
    #54Verfasser moustique (308708) 07 Okt. 08, 09:02
    Kommentar
    Honied yellow dripping gold,
    Leaf of autumn
    in the cold
    Dancing on
    in crisp despair
    Whirling on
    enchanted air
    Falling silently to
    earthen tomb
    Away from tree's
    rooted arm
    Perhaps the silence
    broken then
    By hollow cries
    of autumn grief
    Synchronized with
    the falling leaf

    (S.K.Lindeman)


    @ ladygrey: Das klingt lecker, das werde ich am Wochenende ausprobieren ... Zucker nach Gefühl? Oder gibt es eine empfohlene Menge?

    #53 der Septembertag ist toll, den muß ich mir gleich notieren.
    #55Verfasser biachle (475767) 07 Okt. 08, 10:20
    Kommentar
    Biachle, schau mal, der hier ist sogar noch mit Sahne.. und da stehen Mengenangaben drin: http://www.bbc.co.uk/food/recipes/database/re...
    #56Verfasser Lady Grey (235863) 07 Okt. 08, 11:20
    Kommentar
    Ah Sunflower

    Ah Sunflower, weary of time,
    Who countest the steps of the sun;
    Seeking after that sweet golden clime
    Where the traveller's journey is done;

    Where the Youth pined away with desire,
    And the pale virgin shrouded in snow,
    Arise from their graves, and aspire
    Where my Sunflower wishes to go!

    by: William Blake (1757-1827)
    #57Verfasser Chaostranslater (459860) 07 Okt. 08, 11:40
    Kommentar
    # 57/Chaostranslater

    Deine Zeilen erinnern mich an ein Gedicht Goethe und ein wenig an die griech. Mythologie: Das Mädchen Clytia verbrachte die ganze Zeit damit den Sonnengott Helios anzuschauen bis sie sich schlussendlich in "Helianthemum", die Blume, die sich stets zur Sonne dreht, verwandelte.

    Die Sonnenblume
    möchte dich begrüßen
    dieweil sie sich so gern zur Sonne wendet.
    Nur steht zur Zeit
    sie noch zurückgewiesen;
    doch du erscheinst
    und sie ist gleich vollendet
    (Johann Wolfgang von Goethe)
    #58Verfasser moustique (308708) 07 Okt. 08, 13:29
    Kommentar
    Jetzt ist es Herbst

    Jetzt ist es Herbst,
    Die Welt ward weit,
    Die Berge öffnen ihre Arme
    Und reichen dir Unendlichkeit.
    Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
    Die Bäume sehen in den Staub,
    Sie lauschen auf den Schritt der Zeit.

    Jetzt ist es Herbst,
    das Herz ward weit.
    Das Herz, das viel gewandert ist,
    Das sich verjüngt mit Lust und List,
    Das Herz muss gleich den Bäumen lauschen
    Und Blicke mit dem Staube tauschen.
    Es hat geküsst, ahnt seine Frist,
    Das Laub fällt hin, das Herz vergisst.

    (Max Dauthendey )
    #59Verfasser biachle (475767) 08 Okt. 08, 10:58
    Kommentar
    Herbstabend
    Der Ofen schnauft als wie ein Hund
    im Traum.
    Es fährt der Wind in seinen Schlund
    vom Raum ...

    von Sternen, fernen, angeglüht,
    der Wind ...
    Es lauscht ihm liebend mein Gemüt,
    ein Kind.

    Er kommt wohl noch aus Abendluft
    daher,
    in seinem Mantel hängt noch Duft
    vom Meer,

    noch letztes Gold vom Sonnenrund
    am Saum ...
    Der Ofen schnauft als wie ein Hund
    im Traum ...
    (Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern)
    #60Verfasser moustique (308708) 08 Okt. 08, 13:23
    Kommentar
    Die Schwalben

    Die Schwalben halten zwitschernd
    hoch auf dem Turme Rat;
    die Ält'ste spricht bedenklich:
    „Der Herbst hat sich genaht.

    Schon färben sich die Blätter,
    die Felder werden leer;
    bald tanzt kein einzig Mücklein
    im Strahl der Sonne mehr.

    „Seid ihr zur Reise fertig?"
    Die Alten zwitschern: „Ja!"
    Die Jungen fragen lustig:
    „Wohin?" - „Nach Afrika!"

    Nun schwirrt es durch die Lüfte,
    verlassen ist das Nest;
    doch alle hält die Liebe
    an ihrer Heimat fest.

    Wohl ist's viel hundert Meilen
    von hier bis Afrika;
    doch, kommt der Sommer wieder,
    sind auch die Schwalben da.

    Julius Sturm (1816-1886)
    #61Verfasser Chaostranslater (459860) 08 Okt. 08, 18:06
    Kommentar
    Spätherbstnebel, kalte Träume,
    Überfloren Berg und Tal,
    Sturm entblättert schon die Bäume,
    Und sie schaun gespenstisch kahl.

    Nur ein einz'ger, traurig schweigsam
    Einz'ger Baum steht unentlaubt,
    Feucht von Wehmutstränen gleichsam,
    Schüttelt er sein grünes Haupt.

    Ach, mein Herz gleicht dieser Wildnis,
    Und der Baum, den ich dort schau
    Sommergrün, das ist dein Bildnis,
    Vielgeliebte, schöne Frau!

    Heinrich Heine
    #62VerfasserHeinz H (243376) 08 Okt. 08, 22:27
    Kommentar

    Vielen Dank für diesen wunderschönen Faden!!
    .. und hier ist mein Lieblingsgedicht:


    Ich liebe das Novembergelb

    Ich liebe das Novembergelb
    den Morgentau auf Spinnenfäden
    der kurzen Tage stummes Reden
    das Blatt, das nichts am Baum mehr hält
    der Krähe Ruf, das Stoppelfeld - -
    Mehr als des Frühlings Drang und Hast
    ist es der Herbst, der zu mir passt.

    (Alex. Smith)

    *smile*
    #63Verfasser novemberEuel (240499) 08 Okt. 08, 22:37
    Kommentar
    Auch wenn es ein sehr naives Gedicht ist und außerdem vom Datum her schon "passé" stelle ich es dazu, denn ich habe es in der Grundschule gelernt und es ist eines der wenigen (unvertonten) Gedichte, die ich auswendig kann.

    Goldene Welt

    Im September ist alles aus Gold:
    die Sonne, die durch das Blau hinrollt,
    das Stoppelfeld,
    die Sonnenblume, schläfrig am Zaun,
    das Kreuz auf der Kirche,
    der Apfel im Baum.
    Ob er hält,
    ob er fällt?
    Da wirft ihn geschwind
    der Wind
    in die goldene Welt.

    Georg Britting
     
    #64Verfasser Lady Grey (235863) 08 Okt. 08, 22:41
    Kommentar
    Exemplarische Herbstnacht / http://www.k-foren.de/archive/index.php/t-698...

    Nachts sind die Straßen so leer.
    Nur ganz mitunter
    markiert ein Auto Verkehr.
    Ein Rudel bunter
    raschelnder Blätter jagt hinterher.

    Die Blätter haschen und hetzen.
    Und doch weht kein Wind.
    Sie rascheln wie Fetzen und hetzen
    und folgen geheimen Gesetzen,
    obwohl sie gestorben sind.

    Nachts sind die Straßen so leer.
    Die Lampen brennen nicht mehr.
    Man geht und möchte nicht stören.
    Man könnte das Gras wachsen hören,
    wenn Gras auf den Straßen wär.

    Der Himmel ist kalt und weit.
    Auf der Milchstraße hat's geschneit.
    Man hört seine Schritte wandern,
    als wären es Schritte von andern,
    und geht mit sich selber zu zweit.

    Nachts sind die Straßen so leer.
    Die Menschen legen sich nieder.
    Nun schlafen sie, treu und bieder.
    Und morgen fallen sie wieder
    übereinander her.
    (Erich Kästner)
    #65Verfasser moustique (308708) 08 Okt. 08, 22:53
    Kommentar
    Frühherbst

    Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen
    steht nun der Herbst am Stoppelfeld,
    in klarer Luft die weißen Fäden blitzen,
    in Gold und Purpur glüht die Welt.

    Ich seh hinaus und hör den Herbstwind sausen,
    vor meinem Fenster nickt der wilde Wein,
    von fernen Ostseewellen kommt ein Brausen
    und singt die letzten Rosen ein.

    Ein reifer roter Apfel fällt zur Erde,
    ein später Falter sich darüber wiegt -
    ich fühle, wie ich still und ruhig werde,
    und dieses Jahres Gram verfliegt.

    (Agnes Miegel)



    #63 novemberEuel: das Gedicht ist wirklich besonders! danke


    Und ein ganz herzliches Dankeschön auch an alle anderen, die hier so regelmäßig tolle Gedichte und leckere Rezepte zusammentragen. Es macht Spaß täglich neue oder vergessenen Juwelen wieder zu finden!

    #66Verfasser biachle (475767) 09 Okt. 08, 09:57
    Kommentar
    Rückert, Friedrich (1788-1866)
    Vom Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt.
    Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald
    In gutem und schlechtem Wetter;
    Das hat von unten bis oben halt
    Nur Nadeln gehabt statt Blätter;
    Die Nadeln, die haben gestochen,
    Das Bäumlein, das hat gesprochen:
    "Alle meine Kameraden
    Haben schöne Blätter an,
    Und ich habe nur Nadeln,
    Niemand rührt mich an;
    Dürft' ich wünschen, wie ich wollt',
    Wünscht' ich mir Blätter von lauter Gold."

    Wie's Nacht ist, schläft das Bäumlein ein,
    Und früh ist's aufgewacht;
    Da hatt' es goldene Blätter fein,
    Das war eine Pracht!
    Das Bäumlein spricht: "Nun bin ich stolz;
    Goldene Blätter hat kein Baum im Holz."

    Aber wie es abend ward,
    Ging ein Bauer durch den Wald
    Mit grossem Sack und langem Bart,
    Der sieht die goldnen Blätter bald;
    Er steckt sie ein, geht eilends fort
    Und lässt das leere Bäumlein dort.

    Das Bäumlein spricht mit Grämen:
    "Die goldnen Blättlein dauern mich,
    Ich muss vor den andern mich schämen,
    Sie tragen so schönes Laub an sich.
    Dürft' ich mir wünschen noch etwas,
    So wünscht' ich mir Blätter von hellem Glas."

    Da schlief das Bäumlein wieder ein,
    Und früh ist's wieder aufgewacht;
    Da hatt' es gläserne Blätter fein,
    Das war eine Pracht!
    Das Bäumchen sprach: "Nun bin ich froh;
    Kein Baum im Walde glitzert so."

    Da kam ein grosser Wirbelwind
    Mit einem argen Wetter,
    Der fährt durch alle Bäume geschwind
    Und kommt an die gläsernen Blätter;
    Da lagen die Blätter von Glase
    Zerbrochen in dem Grase.

    Das Bäumlein spricht mit Trauern:
    "Mein Glas liegt in dem Staub;
    Die anderen Bäume dauern
    Mit ihrem grünen Laub.
    Wenn ich mir noch was wünshen soll,
    Wünsch' ich mir grüne Blätter wohl."

    Da schlief das Bäumlein wieder ein,
    Und wieder früh ist's aufgewacht;
    Da hatt' es grüne Blätter fein.
    Das Bäumlein lacht
    Und spricht: "Nun hab' ich doch Blätter auch.
    Dass ich mich nicht zu schämen brauch"."

    Da kommt mit vollem Euter
    Die alte Geis gesprungen;
    Sie sucht sich Gras und Kräuter
    Für ihre Jungen;
    Sie sieht das Laub und fragt nicht viel,
    Sie frisst es ab mit Stumpf und Stiel.

    Da war das Bäumchen wieder leer,
    Es sprach nun zu sich selber:
    "Ich begehre nun keine Blätter mehr,
    Weder grüner, noch roter, noch gelber!
    Hätt' ich nur meine Nadeln,
    Ich wollte sie nicht tadeln."

    Und traurig schlief das Bäumlein ein,
    Und traurig ist es aufgewacht;
    Da besieht es sich im Sonnenschein
    Und lacht und lacht!
    Alle Bäume lachen's aus;
    Das Bäumlein macht sich aber nichts daraus.

    Warum hat's Bäumlein denn gelacht,
    Und warum denn seine Kameraden?
    Es hat bekommen in der Nacht
    Wieder alle seine Nadeln,
    Dass jedermann es sehen kann.
    Geh' 'naus, sieh's selbst, doch rühr's nicht an!
    Warum denn nicht?
    Weil's sticht.
    #67Verfasser moustique (308708) 09 Okt. 08, 12:00
    Kommentar
    Ach man, ihr habt schon alle Herbstgedichte gefunden.
    Ich dachte gerade kuckst mal bei Rückert, aber da ist mir
    moustique auch noch zuvor gekommen. )o:

    Herbst ist wohl meine Lieblingsjahreszeit, nicht zu warm, nicht zu kalt, Nebel, Sonne, bunte Blätter, Kürbisse und vor allem mag ich Äpfel.
    Am Sonnabend haben wir größere Mengen Äpfel auf der Plantage gepflückt.
    #68Verfasser Steve53 (329426) 09 Okt. 08, 14:45
    Kommentar
    @novemberEuel, das Novembergelbgedicht gefällt mir sehr. Überhaupt finde ich den November ganz und gar nicht unsympathisch.

    Der herbstliche Garten

    Der Ströme Seelen, der Winde Wesen
    Gehet rein in den Abend hinunter,
    In den schilfigen Buchten, wo herber und bunter
    Die brennenden Wälder im Herbste verwesen.

    Die Schiffe fahren im blanken Scheine,
    Und die Sonne scheidet unten im Westen,
    Aber die langen Weiden mit traurigen Ästen
    Hängen über die Wasser und Weine.

    In der sterbenden Gärten Schweigen,
    In der goldenen Bäume Verderben
    Gehen die Stimmen, die leise steigen
    In dem fahlen Laube und fallenden Sterben.

    Aus gestorbener Liebe in dämmrigen Stegen
    Winket und wehet ein flatterndes Tuch,
    Und es ist in den einsamen Wegen
    Abendlich kühl, und ein welker Geruch.

    Aber die freien Felder sind reiner
    Da sie der herbstliche Regen gefegt.
    Und die Birken sind in der Dämmerung kleiner,
    Die ein Wind in leiser Sehnsucht bewegt.

    Und die wenigen Sterne stehen
    Über den Weiten in ruhigem Bilde.
    Lasst uns noch einmal vorübergehen,
    Denn der Abend ist rosig und milde.

    Georg Heym
    #69VerfasserHeinz H (243376) 09 Okt. 08, 14:52
    Kommentar
    Hi Steve53

    schön, dich hier wieder zu treffen. Dir zu Ehren hätte ich gern ein Bienengedicht eingefügt, aber Bienen und Herbst passen nicht gut zusammen. Sollten wir einen Frühlings-Thread eröffnen, gilt mein Frühlingsbienengedicht Dir und Deinen Bienen :-))


    [Graue Blätter]1)

    Solch ein lauer weißer Tag,
    Mag die Hände gar nicht rühren,
    Nur die Augen liegen wach.

    Draußen welken gelb die Bäume,
    In der stillen Esche nicken
    Graue Blätter, altersschwach.
    Graue Blätter, graue Träume.
    Max Dauthendey
    (1867 - 1918)

    1) Überschrift vom Herausgeber eingefügt
    #70Verfasser Chaostranslater (459860) 09 Okt. 08, 20:21
    Kommentar
    @ Steve53
    Sei nicht traurig darüber, das war keine Absicht.:-)

    Oktoberlied

    Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
    Schenk ein den Wein, den holden!
    Wir wollen uns den grauen Tag
    Vergolden, ja vergolden!
    Und geht es draußen noch so toll,
    Unchristlich oder christlich,
    Ist doch die Welt, die schöne Welt,
    So gänzlich unverwüstlich!

    Und wimmert auch einmal das Herz -
    Stoß an und laß es klingen!
    Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
    Ist gar nicht umzubringen.

    Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
    Schenk ein den Wein, den holden!
    Wir wollen uns den grauen Tag
    Vergolden, ja vergolden!

    Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
    Doch warte nur ein Weilchen!
    Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
    Es steht die Welt in Veilchen.

    Die blauen Tage brechen an,
    Und ehe sie verfließen,
    Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
    Genießen, ja genießen!
    (Storm, Theodor (1817-1888)



    #71Verfasser moustique (308708) 10 Okt. 08, 08:59
    Kommentar
    Die Vogelscheuche

    Die Raben rufen: „Krah, krah, krah!
    Wer steht denn da, wer steht denn da?
    Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht
    vor dir mit deinem Brillengesicht.

    Wir wissen ja ganz genau,
    du bist nicht Mann, du bist nicht Frau.
    Du kannst ja nicht zwei Schritte gehn
    und bleibst bei Wind und Wetter stehn.

    Du bist ja nur ein bloßer Stock,
    mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock.
    Krah, krah, krah!"

    Christian Morgenstern
    (1871 – 1914)
    #72Verfasser Chaostranslater (459860) 10 Okt. 08, 15:29
    Kommentar
    Wilkommen Steve, extra für Dich:

    After Apple Picking

    My long two-pointed ladder's sticking through a tree
    Toward heaven still.
    And there's a barrel that I didn't fill
    Beside it, and there may be two or three
    Apples I didn't pick upon some bough.
    But I am done with apple-picking now.
    Essence of winter sleep is on the night,
    The scent of apples; I am drowsing off.
    I cannot shake the shimmer from my sight
    I got from looking through a pane of glass
    I skimmed this morning from the water-trough,
    And held against the world of hoary grass.
    It melted, and I let it fall and break.
    But I was well
    Upon my way to sleep before it fell,
    And I could tell
    What form my dreaming was about to take.
    Magnified apples appear and reappear,
    Stem end and blossom end,
    And every fleck of russet showing clear.
    My instep arch not only keeps the ache,
    It keeps the pressure of a ladder-round.
    And I keep hearing from the cellar-bin
    That rumbling sound
    Of load on load of apples coming in.
    For I have had too much
    Of apple-picking; I am overtired
    Of the great harvest I myself desired.
    There were ten thousand thousand fruit to touch,
    Cherish in hand, lift down, and not let fall,
    For all
    That struck the earth,
    No matter if not bruised, or spiked with stubble,
    Went surely to the cider-apple heap
    As of no worth.
    One can see what will trouble
    This sleep of mine, whatever sleep it is.
    Were he not gone,
    The woodchuck could say whether it's like his
    Long sleep, as I describe its coming on,
    Or just some human sleep.

    by Robert Frost
    #73Verfasser biachle (475767) 12 Okt. 08, 11:57
    Kommentar
    .. ich bin immer wieder begeistert über diese Gedichtesammlung!
    Und hier ist noch etwas, was ich mag (mit einer Widmung an Heinz H. *smile*):



    aus: "Die fünfte Jahreszeit" von Kurt Tucholsky

    “ Wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –
    dann ist die fünfte und die schönste Jahreszeit...“
     
    Nun ruht es.
    Die Natur hält den Atem an;
    ...
    Nun ist alles vorüber:
    geboren ist,
    gereift ist,
    gewachsen ist,
    gelaicht ist,
    geerntet ist.
    Nun ist es vorüber.
    ...

    Es ruht.
    Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht,
    im Licht sind
    wirklich schwarze Töne,
    tiefes Altgold liegt unter den Buchen
    ...

    Kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still.

    Blank sind die Farben,
    der See liegt wie gemalt,
    es ist ganz still.

    Boot, das flußab gleitet,
    Aufgespartes wird dahingegeben,
    es ruht.

    So vier, so acht Tage –
    und dann geht etwas vor.
    Eines Morgens riechst du den Herbst.

    Es ist noch nicht kalt;
    es ist nicht windig;
    es hat sich eigentlich gar nichts geändert –
    und doch alles.
    Es geht wie ein Knack durch die Luft-
    es ist etwas geschehen.
    ...

    Das Licht ist hell,
    Spinnfäden schwimmen durch die Luft,

    alles hat sich einen Ruck gegeben,
    dahin der Zauber,
    der Bann ist gebrochen –
    nun geht es in einen klaren Herbst.
    ...

    Wieviele hast du?
    Dies ist einer davon.





    #74Verfasser novemberEuel (240499) 12 Okt. 08, 12:24
    Kommentar
    Gedanken zum Herbst

    Eine trübe, kaltfeuchte Wagenspur:
    Das ist die herbstliche Natur.
    Sie hat geleuchtet, geduftet, und trug ihre Früchte. - Nun, ausgeglichen,
    hat sie vom Kämpfen und Wachsen genug. -
    Scheint’s nicht, als wäre alles Betrug gewesen, was ihr entwichen?!

    Das Händesinken in den Schoß, das Zweifeln am eignen, an allem Groß,
    das Unbunte und Leise,
    das ist so schön, dass es wiederjung
    beginnen kann, wenn Erinnerung, es nicht klein machte, sondern weise.
    Ein Nebel blaut über das Blätterbraun, das zwischen den Bäumen den Boden bedeckt.
    Wenn ihr euren Herbst entdeckt:
    Dann seid darüber nicht traurig, ihr Fraun.
    (Joachim Ringelnatz)
    #75Verfasser moustique (308708) 12 Okt. 08, 19:23
    Kommentar
    novemberEuel, danke für die Widmung. Ich fühle mich gebauchpinselt :-)
    Über das Wochenende bin ich mit der Bahn nach Nürnberg gereist, durch leuchtend gelbe Wälder, die mit flammendem Rot durchsetzt, noch mit allen Schattierungen von Grün konstrastierten. Und auch Nürnberg selbst präsentierte sich in dieser herrlichen Farbenpracht; als Zugabe der Natur sozusagen.

    Schön finde ich auch...

    Komm in den totgesagten Park

    Komm in den totgesagten Park und schau:
    Der schimmer ferner lächelnder Gestade
    Der reinen Wolken unverhofftes Blau
    Erhellt die Weiher und die bunten Pfade.
    Dort nimm das tiefe Gelb - das weiche Grau
    Von Birken und von Buchs - der Wind ist lau
    Die späten Rosen welkten noch nicht ganz
    Erlese Küsse sie und flicht den Kranz
    Vergiss auch diese letzten Astern nicht
    Den Purpur um die Ranken wilder Reben
    Und auch was übrig blieb von grünem Leben
    Verwinde leicht im herbstlichen Gesicht.

    Stefan George
    #76VerfasserHeinz H (243376) 12 Okt. 08, 22:21
    Kommentar
    Herbsthauch

    Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
    Hoffst du von Tagen zu Tagen,
    Was dir der blühende Frühling nicht trug,
    Werde der Herbst dir noch tragen!
    Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
    Immer zu schmeicheln, zu kosen.
    Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
    Abends verstreut er die Rosen.
    Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
    Bis er ihn völlig gelichtet.
    Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
    Was wir geliebt und gedichtet.

    (Friedrich Rückert)
    #77Verfasser biachle (475767) 13 Okt. 08, 11:53
    Kommentar
    Erntelied

    Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
    Hat Gewalt vom höchsten Gott,
    Heut wetzt er das Messer,
    Es schneidt schon viel besser,
    Bald wird er drein schneiden,
    Wir müssens nur leiden.
    Hüte dich schöns Blümelein!

    Was heut noch grün und frisch da steht,
    Wird morgen schon hinweggemäht:
    Die edlen Narzissen,
    Die Zierden der Wiesen,
    Die schön' Hyazinthen,
    Die türkischen Binden.
    Hüte dich schöns Blümelein!

    Viel hundert tausend ungezählt,
    Was nur unter die Sichel fällt,
    Ihr Rosen, ihr Lilien,
    Euch wird er austilgen,
    Auch die Kaiser-Kronen,
    Wird er nicht verschonen.
    Hüte dich schöns Blümelein!

    Das himmelfarbe Ehrenpreis,
    Die Tulipanen gelb und weiß,
    Die silbernen Glocken,
    Die goldenen Flocken,
    Senkt alles zur Erden,
    Was wird daraus werden?
    Hüte dich schöns Blümelein!

    Ihr hübsch Lavendel, Rosmarein,
    Ihr vielfärbige Röselein.
    Ihr stolze Schwertlilien,
    Ihr krause Basilien,
    Ihr zarte Violen,
    Man wird euch bald holen.
    Hüte dich schöns Blümelein!

    Trotz! Tod, komm her, ich fürcht dich nicht,
    Trotz, eil daher in einem Schnitt.
    Werd ich nur verletzet,
    So werd ich versetzet
    In den himmlischen Garten,
    Auf den alle wir warten.
    Freu' dich du schöns Blümelein.

    (aus: Des Knaben Wunderhorn, erschienen 1806-08)
    Arnim/Brentano (Hrsg.)
    #78Verfasser moustique (308708) 13 Okt. 08, 13:24
    Kommentar



    Mörike, Eduard (1804-1875)

    Septembermorgen

    Im Nebel ruhet noch die Welt,
    Noch träumen Wald und Wiesen:
    Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
    Den blauen Himmel unverstellt,
    Herbstkräftig die gedämpfte Welt
    In warmem Golde fließen.


    Langsam verliere ich den Überblick.Ich hoffe, ich habe jetzt nicht gedoppelt.

    Schönen Start in die neue Woche an alle
    #79Verfasser Chaostranslater (459860) 13 Okt. 08, 14:25
    Kommentar
    Ist doch so schlimm nicht, wenn ein Chaostranslator den Überblick verliert, oder? ;-))

    An eine matte Herbstfliege

    Wanken dir die matten Füße,
    ist der Flügel Schwung erlahmt?
    Traurig schleichst du an dem Fenster,
    das einst deine Spiele sah:
    Ach, der Sommer ist verronnen,
    und der raue Winter naht.

    Doch sieh meine welken Knie,
    sieh das Antlitz totenbleich,
    sieh der Augen mutges Feuer,
    von der Krankheit Hauch gelöscht;
    ist denn schon mein Herbst gekommen,
    eh mein Sommer noch erschien?

    Franz Grillparzer
    #80VerfasserHeinz H (243376) 13 Okt. 08, 18:04
    Kommentar
    Herbst

    Astern blühen schon im Garten;
    Schwächer trifft der Sonnenpfeil
    Blumen, die den Tod erwarten
    Durch des Frostes Henkerbeil.

    Brauner dunkelt längst die Heide,
    Blätter zittern durch die Luft.
    Und es liegen Wald und Weide
    Unbewegt im blauen Duft.

    Pfirsich an der Gartenmauer,
    Kranich auf der Winterflucht.
    Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
    Welke Rosen, reife Frucht.

    Detlev von Liliencron
    #81VerfasserHeinz H (243376) 14 Okt. 08, 14:26
    Kommentar
    @Heinz H
    Vielen Dank für Deine Nachsicht (ist das schon Altersweisheit?)
    Aber Du weißt ja: Nomen est Omen :(

    Als ich heute morgen den Garten aufgeräumt habe, ist mir wieder folgendes Lied eingefallen (oder ist es doch ein Gedicht?)- es passte wie die Faust aufs Auge


    Letze Rose in unser'm Garten,
    so alleine musst du verblüh'n.
    Willst noch immer auf Sonne warten,
    doch der Herbstwind zieht über's Land.

    Längst verwelkt sind alle Blumen,
    all' ihr Glanz ging längst dahin.
    Letzte Rose in unserem Garten,
    so allein musst du verblüh'n


    (So oder so ähnlich heißt es - Verfasser mir leider nicht bekannt)
    #82Verfasser Chaostranslater (459860) 14 Okt. 08, 14:30
    Kommentar
    @ chaostranslater: war das nicht ein Lied? Evtl. von Heintje??? Irgendwie erinnert mich der Text so an meine Oma und die war der totale Heintje-Fan.


    Mählich durchbrechende Sonne
    Schönes,
    grünes, weiches
    Gras.

    Drin
    liege ich.

    Inmitten goldgelber
    Butterblumen!

    Über mir ... warm ... der Himmel:

    Ein
    weites, schütteres,
    lichtwühlig, lichtblendig, lichtwogig
    zitterndes
    Weiß,
    das mir die
    Augen
    langsam ... ganz ... langsam
    schließt.

    Wehende ... Luft ... kaum merklich
    ein Duft, ein
    zartes . . . Summen.

    Nun
    bin ich fern
    von jeder Welt,
    ein sanftes Rot erfüllt mich ganz, und
    deutlich . . . spüre ich . . . wie die
    Sonne
    mir durchs Blut
    rinnt.

    Minutenlang.

    Versunken
    alles . . . Nur noch
    ich.

    Selig!

    (Arno Holz)
    #83Verfasser biachle (475767) 14 Okt. 08, 15:24
    Kommentar
    @biachle
    ich hoffe nicht !!

    Ich habe irgendetwas irisches (Traditional) im Hinterkopf.

    Na ja, Chaos lässt grüßen.

    Vielleicht fällt mir ja morgen so etwas Schönes ein, wie Dir heute.
    Gefällt mir echt gut. :-)
    #84Verfasser Chaostranslater (459860) 14 Okt. 08, 15:58
    Kommentar
    @chaostrainer, Altersweisheit... ich habe da so meine Zweifel:-).
    Dass dir beim Aufräumen deines Gartens eine letzte Rose ins Auge fiel, ist durchaus zu begreifen und dann ist es bis Heintje (es ist tatsächlich Heintje gewesen, biachle) natürlich nicht weit. Google hat den Text für mich gefunden. Hier ist er noch einmal komplett (inklusive aller so wichtigen Lalas) ganz speziell für biachles Oma...

    Letzte Rose in unserm Garten

    Letzte Rose in unserm Garten
    Die verborgen im Laub ich fand
    Willst noch immer auf Sonne warten
    Doch der Herbstwind weht übers Land

    Längst verwelkt sind alle Blumen
    All ihr Glanz ging längst dahin
    Letzte Rose in unserm Garten
    So alleine musst du verblühn

    La la lah lah
    La la la lah lah
    La la lah lah
    La lah la lah

    La la lah lah
    La la la lah lah
    La la lah lah
    La lah la lah

    Längst verwelkt sind alle Blumen
    All ihr Glanz ging längst dahin
    Letzte Rose in unserm Garten
    So alleine musst du verblühn
    So alleine musst du verblühn


    Ja, das ist schon herzergreifend... und man konnte auf YouTube sehen, dass Paul Dahlke und Margarethe Haagen nur mit Mühe die Tränen zurückhalten konnten.
    #85VerfasserHeinz H (243376) 14 Okt. 08, 16:28
    Kommentar
    Herbstlied

    Der Frühling hat es angefangen,
    Der Sommer hat's vollbracht.
    Seht, wie mit seinen roten Wangen
    So mancher Apfel lacht!

    Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
    Er teilt sie fröhlich aus.
    Und geht dann wie am Bettelstabe,
    Ein armer Mann, nach Haus.

    Voll sind die Speicher nun und Gaben,
    Dass nichts uns mehr gebricht.
    Wir wollen ihn zu Gaste laden,
    Er aber will es nicht.

    Er will uns ohne Dank erfreuen,
    Kommt immer wieder her:
    Lasst uns das Gute drum erneuen,
    Dann sind wir gut wie er.

    August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)

    #86Verfasser Chaostranslater (459860) 15 Okt. 08, 08:14
    Kommentar
    Ein japanisches "Haiku"
    (die kleinste, natur- und jahreszeitenverbundendste aller Lyriformen, denn beginnt man es zu lesen, ist es schon vorbei u. hallt doch lange nach)

    Vollmond im Herbst
    die ganze Nacht
    ging ich um den See
    (Matsuo Basho, 1644-1694)
    #87Verfasser moustique (308708) 15 Okt. 08, 08:34
    Kommentar
    Die Scharen von mächtigen Raben

    Es fliegen im Abend tief über die Ähren
    Die Scharen von mächtigen Raben,
    Wie Geheimnisse lautlos, die sich begraben,
    Wie Gedanken, die sich im Zwielicht mehren.

    Und es hängen die Ähren zum Straßengraben,
    Als ob sie Sehnsucht nach Menschen haben.
    Es steht noch ein Mäher im Klee, im dunkeln;
    Du hörst nicht die Sense, du siehst nur ein Funkeln.

    Es huscht noch ein Vogel schnell in die Hecke,
    Die Feldwege schlängeln sich hinter Verstecke,
    Die Raben kreisen und machen Runden,
    Tauchen unter und sind in der Erde verschwunden.

    (Max Dauthendey)

    #88Verfasser biachle (475767) 15 Okt. 08, 10:48
    Kommentar
    Die Malve

    Wieder hab ich dich gesehen
    blasse Malve! Blühst du schon?
    Ja, mich traf ein schaurig Wehen
    All mein Frühling welkt davon
    Bist du doch des Herbstes Rose
    der gesunkenen Sonne Kind
    bist du starre, düftelose
    deren Blüten keine sind.
    (Uhland, Ludwig (1787-1847
    #89Verfasser moustique (308708) 16 Okt. 08, 09:20
    Kommentar
    Lass rauschen, immer rauschen!

    Nun wird so braun und falbe
    Das schöne Sommerlaub;
    Schon rauscht es von den Bäumen
    Und ist der Winde Raub.

    Bald fällt durch kahle Reiser
    Der kalte Schnee herab;
    Der Wald ist öd' und traurig,
    Die Erde wie ein Grab.

    Schon sind mit dürrem Laube
    Die Pfad' im Wald bestreut,
    Als sollten wir nicht wandeln,
    Wo wir uns jüngst gefreut.

    Lass rauschen, immer rauschen!
    Die Hoffnung bleibt besteh'n,
    Die Hoffnung auf den Frühling,
    Die kann kein Wind verweh'n.

    August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
    (1798-1874)
    #90Verfasser Chaostranslater (459860) 16 Okt. 08, 09:36
    Kommentar
    Schloss im Herbst

    Durch düstre Turmkronen, wo vom Gemäuer
    Sand hinstiebt und große schwarze Vögel
    gespenstisch rauschend durch morsche Luken flattern,
    läuft der Sturm, in Nächten, wenn der rote Vollmond
    funkelnd zwischen grauen Wolken liegt,
    stöhnt und läuft durch weite öde Säle,
    wo aus verwitterten Wänden dunkle Bilder
    trüb herschimmern, in vergilbten goldnen Rahmen
    über dämmrig schauernde lange Korridore,
    bleiche Gänge, steile Stufen,
    in den Park, der wie smaragdene Brandung
    an die Mauern drängt, purpurumraschelt
    vom Prunkgewand des Herbstes, und der rote Mond
    webt seltsam um das glühe Laub der Eschen und
    der Schlinggewächse, die die alten tiefen Brunnen
    umsponnen halten, deren Rauschen
    lange starb in einer schwülen Sommernacht.

    (Ernst Stadler 1883-1914)
    #91VerfasserHeinz H (243376) 16 Okt. 08, 11:33
    Kommentar
    Ich habe gestern ein tolles Kürbisrisotto gegessen, hier das Rezept:

    2 Hokkaido-Kürbisse ja ca. 800 gr.
    1/4 L Gemüsebrühe
    1 Zwiebel
    2 EL Butter
    300 gr. Risottoreis
    2 EL Olivenöl
    ca. 40 gr. Parmesan
    Salz, Pfeffer

    einige Salbeiblätter

    Backofen auf 175 Grad vorheizen, einen Kürbis schälen und Kerne entfernen und in Stücke teilen, den anderen vorsichtig aushöhlen, das entnommene Fruchtfleisch ebenfalls in Stücke schneiden. ca. 600 gr. Fruchtfleischwürfel in Alufolie wickeln und für 30 Minutem in Backofen bissfest garen.
    In der Zwischenzeit: In einem weiten Topf Butter und feine Zwiebelwürfel anschwitzen, Reis dazu, kurz anbraten, Brühe in kleinen Mengen zugeben und jeweils solange rühren, bis die Brühe aufgesaugt wurde, dann weitere Brühe zufügen usw. zusammen mit der letzten Brühe die Kürbiswürfel zugeben, wenn auch das letzte Wasser aufgenommen wurde mir Salz, Pfeffer und geriebenem Parmesan würzen.
    Salbeiblätter in Öl in einer Pfanne bei mittlerer Hitze knusprig braten.
    Risotto in den ausgehöhlten Kürbis füllen un mit Salbei garnieren. Schmeckt einfach super, entweder pur oder als Beilage zu Fisch, oder Geflügel.
    #92Verfasser biachle (475767) 16 Okt. 08, 12:36
    Kommentar
    @moustique #65, die "Exemplarische Herbstnacht" von Erich Kästner gibt es auch vertont, sparsame Melodie, von Arno Assmann gefühlvoll vorgetragener Text. "Ein Erich-Kästner-Cocktail" nennt sich das Ganze, mit weiteren u.a. von Kate Kühl, Günther Pfitzmann, Ursula Herking, Helen Vita und Edith Hancke gesungenen Kästner-Texten. Auch Erich Kästner selbst kommt in dieser Sammlung zu Wort. Mein Favorit dabei ist "Das Eisenbahngleichnis", von Uwe Friedrichsen gesungen. Das nur so als empfehlende Bemerkung.

    Auch wenn etwas unerledigt geblieben ist, muss ein jeder sich Zeit nehmen und stillsitzen und beobachten, wie sich das Laub verfärbt.

    Elizabeth Lawrence.
    #93VerfasserHeinz H (243376) 16 Okt. 08, 23:03
    Kommentar
    Mann, Biachle, mir läuft das Wasser im Mund zusammen, und ich finde hier in England einfach keine Hookaidos! Muss nochmal auf den Markt gehen, im Supermarkt ist es jedenfalls Fehlanzeige.
    #94Verfasser Lady Grey (235863) 16 Okt. 08, 23:16
    Kommentar
    und auch Hokkaidos habe ich noch keine gefunden ;-)
    #95Verfasser Lady Grey (235863) 16 Okt. 08, 23:19
    Kommentar
    @ #87
    Hallo moustique, bitte hier entlang:
    Siehe auch: Haiku 27
    Herzlich willkommen und viel Spaß! ;o)
    #96Verfasser Moggl (345881) 16 Okt. 08, 23:32
    Kommentar
    @91: -- wunderbar, Heint H.!! .. und irgendwie erscheint vor meinem geistigen Auge die Rocky Horror Picture Show der alten 70ger Jahre. *bigsmile*
    #97Verfasser novemberEuel (240499) 16 Okt. 08, 23:46
    Kommentar
    @ Heinz H./#93
    Vielen Dank für Deinen Tipp. Gerne werde ich mich bemühen, an diesen "Cocktail" heranzukommen. Vertont kenne ich bis jetzt nur einige Gedichte von Brecht/Eisler/Weill, gesungen von Milva.

    @ Moggl/#96
    Ein "merci" auch an Dich für Deinen Hinweis betr. den Haiku-Faden. Den hatte ich bis jetzt nicht entdeckt. Noch bin ich nicht durch mit dem Lesen aber gelacht habe ich schon viel. Es scheinen da viele kreative Köpfe am Werk zu sein......

    Der Herbsttag

    Die Bäume stehn der Frucht entladen,
    Und gelbes Laub verweht ins Tal;
    Das Stoppelfeld in Schimmerfaden
    Erglänzt am niedern Mittagsstrahl.
    Es kreist der Vögel Schwarm, und ziehet;
    Das Vieh verlangt zum Stall, und fliehet
    Die magern Aun, vom Reife fahl.
    O geh am sanften Scheidetage
    Des Jahrs zu guter letzt hinaus;
    Und nenn ihn Sommertag und trage
    Den letzten schwer gefundnen Strauß.
    Bald steigt Gewölk, und schwarz dahinter
    Der Sturm, und sein Genoß, der Winter,
    Und hüllt in Flocken Feld und Haus.

    Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet
    die Freuden im Vorüberfliehn,
    Empfängt, was kommt unüberraschet,
    Und pflückt die Blumen, weil sie blühn.
    Und sind die Blumen auch verschwunden;
    So steht am Winterherd umwunden
    Sein Festpokal mit Immergrün.

    Noch trocken führt durch Tal und Hügel
    Der längst vertraute Sommerpfad.
    Nur rötlich hängt am Wasserspiegel
    Der Baum, den grün ihr neulich saht.
    Doch grünt der Kamp vom Winterkorne;
    Doch grünt beim Rot der Hagedorne
    Und Spillbeern, unsre Lagerstatt!

    So still an warmer Sonne liegend,
    Sehn wir das bunte Feld hinan,
    Und dort, auf schwarzer Brache pflügend,
    Mit Lustgepfeif, den Ackermann:
    Die Kräh'n in frischer Furche schwärmen
    Dem Pfluge nach, und schrein und lärmen;
    Und dampfend zieht das Gaulgespann.

    Natur, wie schön in jedem Kleide!
    Auch noch im Sterbekleid wie schön!
    Sie mischt in Wehmut sanfte Freude,
    Und lächelt tränend noch im Gehen.
    Du, welkes Laub, das niederschauert,
    Du Blümchen, lispelst: Nicht getrauert!
    Wir werden schöner auferstehn!
    (Voss, Johann Heinrich (1751-1826)

    #98Verfasser moustique (308708) 17 Okt. 08, 07:18
    Kommentar
    "Ihr Blätter wollt ihr tanzen?",
    so rief im Herbst der Wind.
    "Ja, ja wir wollen tanzen,
    ja, ja wir wollen tanzen,
    komm hol uns nur geschwind."
    "Nun ziehen wir zum Feste,
    nun ziehen wir zum Feste,
    nun tanzen wir uns satt."

    "Ihr Blätter wollt ihr tanzen?",
    so rief der Wind.
    Da fuhr er durch die Äste,
    pflückt Blatt um Blatt.

    "Ihr Blätter wollt ihr tanzen?",
    so rief im Herbst der Wind.
    "Ja, ja wir wollen tanzen,
    ja, ja wir wollen tanzen,
    komm hol uns nur geschwind."
    "Nun ziehen wir zum Feste,
    nun ziehen wir zum Feste,
    nun tanzen wir uns satt."

    (Heidi Lindner)
    #99Verfasser biachle (475767) 17 Okt. 08, 09:05
    Kommentar
    # 95 Ladygrey, dann versuch es alterneativ mit Butternut Kürbis, schmeckt auch super lecker (ist nur leider nicht so wunderschön orange) und müßte in GB leichter zu bekommen sein, dann evtl. Kürbisstücke nicht ganz so lange backen, damit diese nicht zu weich werden.
    Jetzt hab ich Hunger....
    #100Verfasser biachle (475767) 17 Okt. 08, 09:09
    Kommentar
    @novemberEuel, speziell für dich, die du das Düstere, Nebulöse, Novemberulöse zu mögen scheinst, entnommen aus "Die Blumen des Bösen". *Grusel-grusel*

    Nebel und Regen

    Herbstende, Winter, Frühlingsschlamm und Regen,
    Euch stillen Zeiten schlägt mein Herz entgegen,
    Der kalte Dämmer eures Nebelgrau's
    Umhüllt wie Bahrtuch mich und Totenhaus.

    Wenn eisige Winde durch die Ebnen fegen,
    Die Wetterfahnen kreischend sich bewegen,
    Dann breitet, wilder als im Lenzgebraus,
    Die Seele ihren Rabenfittich aus.

    Denn nichts ist süsser für ein Herz voll Trauer,
    Auf das der frostige Reif sich niedersenkt,
    Ihr bleichen Himmel, unsrem Land geschenkt,

    Als eurer ewigen Dämmrung fahler Schauer.
    Wenn nicht zu zwein in mondlos stiller Nacht
    Wir Brust an Brust den Schmerz zur Ruh gebracht.

    Charles Baudelaire

    @biachle und Ladygrey: Es hilft, wenn man Kürbisgerichten Kurkuma zugibt. Kurkuma ist nicht nur ein empfehlenswertes und gesundes Gewürz, sondern intensiviert auch die Farbe durch das darin enthaltene Curcumin.
    #101VerfasserHeinz H (243376) 17 Okt. 08, 11:06
    Kommentar
    Biachle, "Ihr Blätter wollt ihr tanzen" ist doch ein Kinderlied, oder?
    Butternut squash ist schon ganz nett, aber ich liebe diese "fette", cremige consistenz von Hokkaido... mal schauen, ob ich einen finde. Und ich benutze den sowieso oft für Curries, wo auch sicher Kurkuma drin ist. Oder ich dünste ihn einfach nur und esse ihn dann mit Olivenöl und Knoblauch.
    #102Verfasser Lady Grey (235863) 17 Okt. 08, 11:44
    Kommentar
    Wenn der frische Herbstwind weht

    Wenn der frische Herbstwind weht,
    geh ich durch die Felder.
    Schicke meinen Drachen hoch
    über alle Wälder.

    Und er wackelt mit dem Ohr,
    wackelt mit dem Schwänzchen.
    Und er tanzt den Wolken vor,
    hui ein lustig Tänzchen.


    Werde am Wochenende zu einem Drachenfest gehen und mir kalte Füße und eine rote Nase holen

    Schönes Wochenende an alle


    #103Verfasser Chaostranslater (459860) 17 Okt. 08, 19:57
    Kommentar
    @Heinz H:

    "Der kalte Dämmer eures Nebelgrau's
    Umhüllt wie Bahrtuch mich .."

    Ich bin hingerissen, danke! Baudelaire hat es auf den Punkt gebracht. .. jetzt muss ich nur auf die Dunkelheit warten und es fehlt mir noch ein einsames Schloss mit einem hohen Turm. *smile*
    #104Verfasser novemberEuel (240499) 18 Okt. 08, 13:48
    Kommentar
    Ein Herbstabend

    Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten
    Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,
    Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn
    In kühlen Stuben jener Bett bereiten.
    Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten
    Sich über braune Jauche. Mägde gehn
    Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn
    Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.
    Für Einsames ist eine Schenke da;
    Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,
    Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.
    Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.
    Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen
    Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen.

    Georg Trakl (1887-1914)

    novemberEuel, ein einsames Schloss* könnte ich dir wohl bieten, ohne Turm jedoch.
    *ein Vorhängeschloss :-)
    #105VerfasserHeinz H (243376) 19 Okt. 08, 11:58
    Kommentar
    Erntedankfest

    Wir pflügen und wir streuen
    den Samen auf das Land,
    doch Wachstum und Gedeihen
    steht in des Himmels Hand:
    der tut mit leisem Wehen
    sich mild und heimlich auf
    und träuft, wenn heim wir gehen,
    Wuchs und Gedeihen drauf

    Er sendet Tau und Regen
    und Sonn und Mondenschein
    und wickelt seinen Segen
    gar zart und künstlich ein
    und bringt ihn dann behende
    in unser Feld und Brot
    es geht durch unsre Hände,
    kommt aber her von Gott.

    Was nah ist und was ferne,
    von Gott kommt alles her,
    der Strohhalm und die Sterne,
    das Sandkorn und das Meer.
    Von ihm sind Büsch und Blätter
    und Korn und Obst von ihm
    das schöne Frühlingswetter
    und Schnee und Ungestüm.

    Er läßt die Sonn aufgehen,
    er stellt des Mondes Lauf;
    er läßt die Winde wehen
    und tut die Wolken auf.
    Er schenkt uns soviel Freude,
    er macht uns frisch und rot;
    er gibt den Kühen Weide
    und seinen Kindern Brot.

    (Matthias Claudius)


    Ich gebe es zu, ich bin ein bisschen spät dran ...
    #106Verfasser biachle (475767) 19 Okt. 08, 15:55
    Kommentar
    Der Herbst

    So komm, du wilder West,
    und sing geheimnisvoll und runenkundig
    in meinen Kiefern und Wacholderbüschen
    das uralt düstere Jahreslied des Todes!
    Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden,
    reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab,
    auf dass mein Fuß sie raschelnd von sich stoße.
    So wie von jenem Ahorn taumelnd dort
    die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln,
    lass all des Sommers gaukelnde Gestalten
    zu krausen Scharen windgewiegt
    ins graue Land Vergessenheit hinflattern!
    Und dann, oh West, oh wilder West,
    saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten
    dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich
    hohnlachend jenen Spukgestalten nach
    und brause, laut aus vollen Lungen tobend,
    über das Sommerglück, das du zerstört!

    Gustav Sack (1885- 1916)



    #107VerfasserHeinz H (243376) 20 Okt. 08, 09:47
    Kommentar
    Ich wünsche Dir die zärtliche Ungeduld des Frühlings,
    das milde Wachstum des Sommers,
    die stille Reife des Herbstes und
    die Weisheit des erhabenen Winters.

    (Irischer Segenswunsch)
    #108Verfasser biachle (475767) 20 Okt. 08, 10:43
    Kommentar
    Statt eines Gedichtes ein paar gesammelte Gedanken zum Kürbis an diesem farbenfrohen sonnigen Herbsttag:

    Der Kürbis entwickelte sich von der Wild- zur Kulturpflanze. Erst Ende des 15. Jahrhunderts (nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus) fand er seinen Weg nach Europa.
    Der Weg des Kürbis ist begleitet durch Sagen, Geschichten u. Bräuche.
    In einem Traumbuch (1551) ist vom Traum vom Kürbis die Rede (übrigens deute dieser Traum auf eine vergebliche Hoffnung hin, da der Kürbis ausser Wasser nicht viel zu bieten habe).
    Im Märchen "Aschenbrödel" wird aus einem Kürbis eine Kutsche gezaubert.
    In Irland gibt es doch die Geschichte des "Jack-o´-lantern". Er war alt u. geizig u. soll dem Teufel so viele Streiche gespielt haben, dass er als er starb sogar von der Hölle ausgesperrt wurde u. dazu verdammt war ewig auf der Erde herumzuwandern mit einer Laterne um eine Bleibe zu finden. Darum stellt man in der Nacht auf Allerheiligen ein Licht auf den Fenstersims.
    In Griechenland nennt man Jemanden mit beschränkter Auffassungsgabe einen "Pompion".
    Die Amerikaner nennen in "pumpkin". Der Ausdruck "Halloween" ist (soweit mir bekannt) abgeleitet von "All Hallow’s Eve", bzw. von "der Abend vor Allerheiligen". (Ist "Halloween" also das amerikanische Allerheiligen?;-)
    Zuletzt noch ein paar Worte von Johann Wolfgang von Goethe. Er spielte auf einen dummen Menschen an mit den Worten:
    " Wer glaubst du denn zu sein, dass du mich schelten willst, du Kürbis?"
    #109Verfasser moustique (308708) 20 Okt. 08, 13:29
    Kommentar
    Da bleibt mir nur noch hinzufügen, dass der Kürbis von HP Kerkeling in einem seiner wunderbaren "Hannilein"-Sketche, bei der Beschreibung seiner Sandkastenliebe mit folgendem enigmatischen Satz geadelt wurde:
    ".. und beim Plumpsackspielen, da war die wie ein Kürbis so schnell!"
    #110Verfasser Lady Grey (235863) 20 Okt. 08, 13:57
    Kommentar
    Halloween - auch das gehört zum Herbst

    nur nochmal kurz zur Erinnerung, was wir da eigentlich feiern, wenn wir es denn feiern

    Keltische Ursprünge

    Schon die frühen Kelten kannten ein herbstliches Fest, das sie "Samhain" nannten - erst später, im christianisierten Schottland, kam der Name "Hallowe'en" auf. Samhain bedeutete das Ende der dritten und letzten Ernte pro Jahr, den Beginn des Winters.

    Zugleich galt der Herbst als Jahreszeit der Geister: Herumspukende Seelen sollten besänftigt werden, indem man ihnen "soul cakes" opferte. Der irische Brauch, solche Kuchen einzusammeln und dafür viel Glück zu wünschen, ist wohl der Ursprung des "trick or treat", an dem heute die Kinder so viel Spaß haben. Auch das Streiche spielen gab es schon: Da wurden der Überlieferung nach Zauntore ausgehängt oder Klohäuschen umgestürzt! Der Halloween-Brauch wurde vor allem von den Iren mit in die "Neue Welt" gebracht, als sie während der Hungersnöte zwischen 1830 und 1850 in großer Zahl in den USA einwanderten.
    #111Verfasser Chaostranslater (459860) 20 Okt. 08, 15:27
    Kommentar
    Halloween - auch das gehört zum Herbst

    nur nochmal kurz zur Erinnerung, was wir da eigentlich feiern, wenn wir es denn feiern

    Keltische Ursprünge

    Schon die frühen Kelten kannten ein herbstliches Fest, das sie "Samhain" nannten - erst später, im christianisierten Schottland, kam der Name "Hallowe'en" auf. Samhain bedeutete das Ende der dritten und letzten Ernte pro Jahr, den Beginn des Winters.

    Zugleich galt der Herbst als Jahreszeit der Geister: Herumspukende Seelen sollten besänftigt werden, indem man ihnen "soul cakes" opferte. Der irische Brauch, solche Kuchen einzusammeln und dafür viel Glück zu wünschen, ist wohl der Ursprung des "trick or treat", an dem heute die Kinder so viel Spaß haben. Auch das Streiche spielen gab es schon: Da wurden der Überlieferung nach Zauntore ausgehängt oder Klohäuschen umgestürzt! Der Halloween-Brauch wurde vor allem von den Iren mit in die "Neue Welt" gebracht, als sie während der Hungersnöte zwischen 1830 und 1850 in großer Zahl in den USA einwanderten.
    #112Verfasser Chaostranslater (459860) 20 Okt. 08, 15:28
    Kommentar
    @ Chaostranslater/
    Gestatte mir ausnahmsweise noch eine kleine Ergänzung zu Samhain:

    Es war ein Mondfest, d.h. eigentlich fiel es auf den Neumond rund um den Novemberanfang, doch der übliche Termin für Samhain war die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November.
    Man sagt in dieser Nacht sei die Grenze zwischen der Dieswelt und der Anderswelt sehr dünn u. die Geister der Toten würden ihren Familien und Freunden einen Besuch abstatten (darum das Anzünden der Kerzen).
    Samhain liegt Beltane im Jahreskreis genau gegenüber u. zusammen bilden sie ein ganzes ( wie Yin u.Yang).
    Manche sagen aber auch Samhain sei das Neujahrsfest der Hexen.:-), da die Kelten einen anderen Kalender führten und alles mit der Nacht (das neue Jahr in der dunklen Zeit) begann (deswegen auch der Neumond). Samhain stellte ein geeigneter Zeitpunkt für den Beginn dar, da zu dieser Jahreszeit ein absoluter Tiefpunkt erreicht war, von dem aus dann neu begonnen werden konnte. In früherer Zeit gab es nur zwei Jahreszeiten u. da kennzeichnete Samhain den Beginn des Winters.
    #113Verfasser moustique (308708) 20 Okt. 08, 16:14
    Kommentar
    Sind Euch die Gedichte ausgegangen?:-)

    Die Ballade vom Ritter Kunkel

    Es ritt der edle Ritter Kunkel
    durch einen Wald, der still und dunkel.
    Als plötzlich, jäh und ungestüm
    ein grauslich graues Ungetüm,

    ein richtig schlimmes Drachenvieh,
    das Feuer, Gift und Galle spie,
    sich fliegend näherte dem Reiter
    und sprach: »Bis hierher und nicht weiter!«

    Der edle Ritter zog am Zügel,
    dann seinen Degen, stieg vom Bügel
    und mutig, ohne banges Zagen
    ging er dem Drachen an den Kragen.

    Gar bald gelang’s ihm hintern Ohr’n
    das Scheusal schmerzhaft anzubohr’n,
    worauf es »Au!« schrie nach dem Stich
    und flugs nach oben hin entwich.

    Der Ritter reinigte den Degen
    und ritt, nun auf befreiten Wegen,
    dorthin, wohin er vorhin wollte
    (wozu es fast nicht kommen sollte).

    Das Volk begrüßte ihn mit Tüchern
    und bald schrieb man von ihm in Büchern,
    weil er der erste war, wie’s hieß,
    der einen Drachen steigen ließ.

    (Heinz Erhardt)
    #114Verfasser moustique (308708) 21 Okt. 08, 13:19
    Kommentar
    @ moustigque
    Halloween ist ein so komplexes Thema, das reicht bestimmt für etliche Beiträge. :-)

    #114 ich fürchte, das Gedicht fällt noch unter das Urheberrecht. Bitte das nächste Mal einfach nur verlinken, das würde gehen. :-(


    Müller, Clara (1861-1905)

    Träume nur, Seele ...
    In den verdämmernden Herbsttag hinein
    zauberst du lachenden Sonnenschein,
    und aus der Blätter vergilbendem Flor
    blühen dir duftige Veilchen empor,
    träumende Seele.

    Tönt denn der Glocken dumpfhallender Klang
    dir wie ein schmetternder Lerchengesang?
    Siehst du der Erde verweintes Gesicht,
    fühlst du die eisigen Nebel denn nicht,
    träumende Seele? -

    Träume nur, träume ... der Frühling ist weit;
    Rosen hat's nimmer im Winter geschneit -
    dumpf nur und klagend, verweht vom Nordwest,
    läuten die Glocken zum Totenfest.
    Träume nur, Seele ...



    Wieso ist mein letzter Beitrag denn doppelt drin?????
    Gerade erst gesehen. Entschuldigung. Chaoten und Technik ergänzen einander anscheinend optimal. Sorry nochmal.
    #115Verfasser Chaostranslater (459860) 21 Okt. 08, 14:30
    Kommentar
    Singin' in the Rain

    I'm singin' in the rain,
    Just singin' in the rain,
    What a glorious feeling,
    I'm happy again!
    I'm laughing at clouds,
    So dark, up above,
    The sun's in my heart
    And I'm ready for love.
    Let the stormy clouds chase
    Ev'ryone form the place,
    Come on with the rain,
    I've a smile on my face.
    I'll walk down the lane
    With a happy refrain,
    And singin', just singin'
    In the rain.



    Jetzt bitte alle mitsingen .... sonst holt uns alle, bei dem nassen Wetter, die Novemberdepression ein!
    #116Verfasser biachle (475767) 22 Okt. 08, 09:06
    Kommentar
    Pflaumenregen
    (Friedrich Güll)

    Es steht ein Baum im Garten
    von Pflaumen voll und schwer.
    Die Kinder drunten warten
    und lauschen ringsumher:
    Ob nicht der Wind ihn rüttelt
    und all die Pflaumen schüttelt,
    daß alle purzeln kreuz und quer.

    Da horcht, wie's rauscht und rappelt!
    Im Wald wacht auf der Wind.
    Schon zischelt er und rappelt
    und trappelt her geschwind,
    und wiegt und biegt die Äste,
    dass fast in ihrem Neste
    die Finken nimmer sicher sind.

    Nun fällt ein Pflaumenregen,
    der aber macht nicht nass.
    Im Gras herumzufegen,
    ist da der größte Spaß.
    O Wind, o Wind, o rüttle,
    o Wind, o Wind, o schüttle,
    wir krapsen ohne Unterlass.


    @ biachle
    Nee, keine Winterdrepession
    Ich habe heute so gute Laune, das reicht für das gesamte Forum.
    Verteile ganz großzügig an alle: alberne und übermütige Laune.
    (Mal sehen wann der Dämpfer kommt)
    #117Verfasser Chaostranslater (459860) 22 Okt. 08, 09:21
    Kommentar
    Und wenn wir schon am Singen sind, dann passt in diesen trüben regnerischen Herbsttag auch noch der trotz widriger Umstände wunderschöne Song

    Stormy Weather

    by Harold Arlen and Ted Koehler

    Don't know why, there's no sun up in the sky
    Stormy weather, since my man and I ain't together
    Keeps raining all the time

    Life is bare, gloom and misery everywhere
    Stormy weather, just can't get my poor old self together
    I'm weary all the time, the time, so weary all of the time

    When he went away, the blues walked in and met me
    If he stays away, old rocking chair will get me
    All I do is pray, the lord above will let me
    walk in the sun once more

    Can't go on, everything I had is gone
    Stormy weather, since my man and I ain't together
    Keeps raining all the time
    Keeps raining all of the time

    I walk around heavy-hearted and sad
    Night comes around and I'm still feeling bad
    Rain pourin' down, blinding every hope I had
    This pitter andd n patter and beating, spattering driving me mad
    Love, love, love, love, the misery will be the end of me

    When he went away, the blues walked in and met me
    If he stays away, old rocking chair will get me
    All I do is pray, the lord above will let me
    Walk in the sun once more

    Can't go on, everything I had is gone
    Stormy weather, since my man and I ain't together
    Keeps raining all the time, the time
    Keeps raining all the time
    #118VerfasserHeinz H (243376) 22 Okt. 08, 09:21
    Kommentar
    @ Chaostranslater # 115

    Natürlich, daran habe ich nicht gedacht, tut mir leid. Hier liefere ich die Verlinkung nach:

    # 114 http://www.sabon.org/heinz-erhardt-gedichte/i...
    #119Verfasser moustique (308708) 22 Okt. 08, 12:00
    Kommentar
    Die Ratten

    Im Hof scheint weiß der herbstliche Mond.
    Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.
    Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;
    Da tauchen leise herauf die Ratten

    Und huschen pfeifend hier und dort
    Und ein gräulicher Dunsthauch wittert
    Ihnen nach aus dem Abort,
    Den geisterhaft der Mondschein durchzittert

    Und sie keifen vor Gier wie toll
    Und erfüllen Haus und Scheunen,
    Die von Korn und Früchten voll.
    Eisige Winde im Dunkel greinen.

    Georg Trakl (1887 - 1914)
    #120Verfasser moustique (308708) 22 Okt. 08, 12:49
    Kommentar
    Die Vogelscheuche

    Die Raben rufen: „Krah, krah, krah!
    Wer steht denn da, wer steht denn da?
    Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht
    vor dir mit deinem Brillengesicht.

    Wir wissen ja ganz genau,
    du bist nicht Mann, du bist nicht Frau.
    Du kannst ja nicht zwei Schritte gehn
    und bleibst bei Wind und Wetter stehn.

    Du bist ja nur ein bloßer Stock,
    mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock.
    Krah, krah, krah!"

    Christian Morgenstern (1871 – 1914)
    #121VerfasserHeinz H (243376) 22 Okt. 08, 22:28
    Kommentar
    Mir wird so lyrisch
    (Musik: Peer Raben)

    Mir wird so lyrisch,
    wenn die Blätter fallen,
    wenn alles nach Untergang riecht.
    Ich gehe,
    und jeder Schritt
    bringt mich näher an ein Geheimnis.
    Ich stehe
    und bin so voller Gefühl.

    Mir wird so chaotisch,
    wenn über mir die Krähen kreisen,
    wenn die Natur im Nebel steht.
    Ich lausche
    und höre von fern ein Geflüster.
    Ich schließe die Augen,
    und der Wind ist ein Kuß.

    Ich möchte so gerne wahnsinnig sein.

    Doch, ach,
    mein Kopf ist so klar,
    und alles ist Verstand.
    Der Herbst ist nur eine Jahreszeit,
    und ein Blatt ist ein Blatt,
    und die Angst ist die Angst,
    und die Krähen sind schwarze Vögel,
    und die Stimmen sind meine Gedanken,
    und ich bin nur ich,
    und der Wind
    Ist nur eine Bewegung der Luft.
    Und wo ich stehe,
    Ist nur der Mittelpunkt des Nichts

    http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/liedert...
    #122Verfasser biachle (475767) 23 Okt. 08, 10:36
    Kommentar
    Der Herbst mir jeden Spaß verdirbt,
    wenn er die Gesundheit ruiniert.
    Die Nase tropft wie ein Wasserhahn,
    rauhe Taschentücher reiben dran.
    Her mit dem Medikamentenkram!

    Decke hoch bis zu beiden Ohren,
    mit den Fingern im Wick-Döschen bohren.
    Warme Socken, dicke Schluppen,
    Heizung an im ganzen Schuppen.

    Ich beschimpft als "kleines Zimperlieschen",
    lass mir doch den Abend nicht vemiesen!
    Den Fernseher an, die Rübe aus,
    Tee und Kekse griffbereit neben mir.
    Herbst: Ich zeig dir die warme Schulter,
    das versprech ich dir!





    ______________________

    Ist von mir, hihi :)
    #123VerfasserGloin alKzar (383923) 23 Okt. 08, 10:58
    Kommentar
    @Gloin alKzar
    *LOL*
    Falls Du aus eigener Erfahrung gedichtet hast - Gute Besserung !!


    Fülle

    Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
    Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
    Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte,
    Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.

    Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
    Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
    Die trunknen Wespen summen in die Runde:
    "Genug ist nicht genug!" um eine Traube.

    Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
    Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
    Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
    Genug kann nie und nimmermehr genügen!
    Conrad Ferdinand Meyer
    (1825-1898)
    #124Verfasser Chaostranslater (459860) 23 Okt. 08, 13:18
    Kommentar
    Ich habe gerade wieder einmal die Gedichte im Schnelldurchgang überflogen und festgestellt, dass chaostranslator unter #72 bereits die Morgenstern'sche Vogelscheuche zum besten gegeben hatte. Sorry, wegen der Wiederholung.
    Irgendwie bleibe ich immer wieder bei Georg Trakl hängen, wenn ich Herbstgedichte suche. Er spricht mich plötzlich sehr an. Vorher hatte ich leider keinen so richtigen Draht zu ihm. Deshalb hier ein weiteres Gedicht von ihm.

    Landschaft

    Septemberabend; traurig tönen die dunklen Rufe der Hirten
    Durch das dämmernde Dorf; Feuer sprüht in der Schmiede.
    Gewaltig bäumt sich ein schwarzes Pferd; die hyazinthenen Locken der Magd
    Haschen nach der Inbrunst seiner purpurnen Nüstern.
    Leise erstarrt am Saum des Waldes der Schrei der Hirschkuh
    Und die gelben Blumen des Herbstes
    Neigen sich sprachlos über das blaue Antlitz des Teichs.
    In roter Flamme verbrannte ein Baum; aufflattern mit dunklen Gesichtern die Fledermäuse.

    Georg Trakl (1887-1914)

    @Gloin alKzar, schöner Beitrag. Ich hoffe, der "Wasserhahn" tropft inzwischen nicht mehr :-)




    #125VerfasserHeinz H (243376) 23 Okt. 08, 15:29
    Kommentar
    Hier ein Klassiker (den ich bis jetzt noch nicht gelesen habe). Er hat mir in der Schule etliche freie Stunden "gestohlen", bis der Lehrer endlich zufrieden war mit meiner Interpretation und der Betonung. Noch heute kommen bei mir "gemischte" Gefühle auf, wenn ich dieses Gedicht lese, damals habe ich es regelrecht "gehasst"...:-)

    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
    Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
    Und kam die goldene Herbsteszeit
    Und die Birnen leuchteten weit und breit,
    Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
    Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
    Und kam in Pantinen ein Junge daher,
    So rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
    Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
    Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn".
    So ging es viel Jahre, bis lobesam
    Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
    Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
    Wieder lachten die Birnen weit und breit;
    Da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
    Legt mir eine Birne mit ins Grab."
    Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
    Trugen von Ribbeck sie hinaus,
    Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
    Sangen "Jesus meine Zuversicht".
    Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
    "He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?"

    So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
    Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
    Der neue freilich, der knausert und spart,
    Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
    Aber der alte, vorahnend schon
    Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
    Der wußte genau, was er damals tat,
    Als um eine Birn' ins Grab er bat,
    Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
    Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

    Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
    Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
    Und in der goldenen Herbsteszeit
    Leuchtet's wieder weit und breit.
    Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
    So flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
    Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn,
    Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn."

    So spendet Segen noch immer die Hand
    Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

    Fontane, Theodor (1819-1898)
    #126Verfasser moustique (308708) 24 Okt. 08, 11:00
    Kommentar
    Juhu, ich kann es noch auswendig!

    Dankeschön, mit meiner Gesundheit geht es langsam aber sicher wieder bergauf. Der Verschleiß von sieben Taschentuchpäckchen ist auf drei Päckchen pro Tag zurückgegangen... meine Geheimwaffe: Meditonsin :)
    #127VerfasserGloin alKzar (383923) 24 Okt. 08, 11:23
    Kommentar
    @Gloin alKzar:
    Damit der Taschentuchkonsum noch weiter sinkt ....
    http://jumk.de/hausmittel/erkaeltung.shtml


    Der Schnupfen

    Ein Schnupfen hockt auf der Terasse,
    auf daß er sich ein Opfer fasse

    - und stürzt alsbald mit großem Grimm
    auf einen Menschen namens Schrimm.

    Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
    und hat ihn drauf bis Montag früh.

    (Morgenstern Christian)
    #128Verfasser biachle (475767) 24 Okt. 08, 14:29
    Kommentar
    Es ringt der Regen mit dem Winde

    Es ringt der Regen mit dem Winde,
    Es ringt der Segen mit dem Fluch,
    Es ringt das Alter mit dem Kinde,
    Es ringt die Sage mit dem Buch.

    Es kämpft die Tugend mit dem Bösen,
    Es kämpft die Arbeit mit dem Gold,
    Es kämpft ein jeglich, jeglich Wesen:
    Ob es, und ob es nicht gewollt!

    Friederike Kempner (1836-1901)

    #129Verfasser Chaostranslater (459860) 24 Okt. 08, 19:06
    Kommentar
    Nachbarn

    Im Herbst sammelte ich alle meine Sorgen
    und vergrub sie in meinem Garten.
    Und als der April wiederkehrte und
    der Frühling kam, die Erde zu heiraten,
    da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen,
    nicht zu vergleichen mit allen anderen Blumen.
    Und meine Nachbarn kamen, um sie anzuschauen,
    und sie sagten zu mir:

    Willst du uns, wenn der Herbst wiederkommt,
    zur Saatzeit, nicht auch Samen dieser Blumen geben,
    damit wir sie in unseren Gärten haben?

    Khalil Gibran (1883-1931)
    #130VerfasserHeinz H (243376) 24 Okt. 08, 20:42
    Kommentar
    @ Heinz H
    Dein Gedicht hat mich wieder mal nachdenklich gemacht. Es war mir total unbekannt. Ich werde es bestimmt in meine Privatsammlung aufnehmen.


    Apfelkantate

    Der Apfel war nicht gleich am Baum
    Da war erst lauter Blüte.
    Das war erst lauter Blütenschaum
    und lauter Lieb und Güte.
    Dann waren Blätter grün an grün
    und grün an grün nur Blätter.
    Die Amsel nach des Tages Mühn,
    sie sang ihr Abendlied gar kühn
    und auch bei Regenwetter.
    Der Herbst, der macht die Blätter steif
    der Sommer muss sich packen.
    Hei! Dass ich auf die Finger pfeif
    da sind die ersten Äpfel reif
    und haben rote Backen.
    Und was bei Sonn` und Himmel war
    erquickt nun Mund und Magen
    und macht die Augen hell und klar.
    So rundet sich das Apfeljahr
    und mehr ist nicht zu sagen.

    (Matthias Claudius)
    #131Verfasser Chaostranslater (459860) 27 Okt. 08, 09:14
    Kommentar
    Heinz H, das Gedicht hat mich sehr gerührt! Was für ein schöner Gedanke, und was für ein guter Anfang für die Woche.

    #132Verfasser Lady Grey (235863) 27 Okt. 08, 10:13
    Kommentar
    @Chaostranslator, das ist doch sehr zu begrüßen, wenn man durch etwas zum Nachdenken angeregt wird. Viele Menschen sind so sehr auf das Vorausschauen fixiert, dass sie das Nachdenken vergessen oder ganz vernachlässigen.
    Übrigens finde ich den überwiegenden Teil der hier eingebrachten Gedichte sehr lesenswert; auch deine Claudius'sche Apfelkantate, die mir bisher unbekannt war, ebenso wie dein Beitrag von Friederike Kempner. Weiter so! (Das gilt natürlich auch für alle anderen)

    Nebel

    Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört.
    Blutlose Bäume lösen sich in Rauch.
    Und Schatten schweben, wo man Schreie hört.
    Brennende Biester schwinden hin wie Hauch.
    Gefangne Fliegen sind die Gaslaternen.
    Und jede flackert, dass sie noch entrinne.
    Doch seitlich lauert glimmend hoch in Fernen
    Der giftge Mond, die fette Nebelspinne.
    Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen,
    Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht.
    Und stechen stumm die weißen Elendsaugen
    Wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht.

    Alfred Lichtenstein (1889-1914)
    #133VerfasserHeinz H (243376) 27 Okt. 08, 10:15
    Kommentar
    Verklärter Herbst

    Gewaltig endet so das Jahr
    mit goldnem Wein und Frucht der Gärten,
    rund schweigen Wälder wunderbar
    und sind des Einsamen Gefährten.

    Da sagt der Landmann: Es ist gut.
    Ihr Abendglocken lang und leise
    gebt noch zum Ende frohen Mut.
    Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

    Es ist der Liebe milde Zeit.
    Im Kahn den blauen Fluss hinunter,
    wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
    das geht in Ruh und Schweigen unter.

    Georg Trakl (1887-1914)
    #134VerfasserHeinz H (243376) 28 Okt. 08, 09:12
    Kommentar
    Der Herbstwind rüttelt die Bäume
    Heinrich Heine (1797-1856)

    Der Herbstwind rüttelt die Bäume,
    Die Nacht ist feucht und kalt;
    Gehüllt im grauen Mantel,
    Reite ich einsam im Wald.

    Und wie ich reite, so reiten
    Mir die Gedanken voraus;
    Sie tragen mich leicht und luftig
    Nach meiner Liebsten Haus.

    Die Hunde bellen, die Diener
    Erscheinen mit Kerzengeflirr;
    Die Wendeltreppe stürm ich
    Hinauf mit Sporengeklirr.

    Im leuchtenden Teppichgemache,
    Da ist es so duftig und warm,
    Da harret meiner die Holde --
    Ich fliege in ihren Arm.

    Es säuselt der Wind in den Blättern,
    Es spricht der Eichenbaum:
    "Was willst du, törichter Reiter,
    Mit deinem törichten Traum?"
    #135Verfasser Norbert Juffa (236158) 28 Okt. 08, 09:38
    Kommentar
    Herbst - Halloween-Irland

    Das aus Irland nicht nur das Halloween-Fest kommt, zeigt nachfolgendes Lied/Gedicht. Es ist ein Reiselied, das aus der traditionell-keltischer Spiriualität entstammt.
    Es ist zwar nicht speziell auf den Herbst gemünzt, aber es schließt den Herbst auch nicht explizit aus.


    Ein irisches Reiselied

    Möge die Straße uns zusammenführen
    und der Wind in deinem Rücken sein.
    Sanft falle Regen auf deine Felder
    und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

    Führe die Straße, die du gehst,
    immer nur zu deinem Ziel bergauf.
    Hab', wenn es kühl wird, warme Gedanken
    und den vollen Mond in dunkler Nacht.

    Hab' unter'm Kopf ein weiches Kissen,
    habe Kleidung und das täglich Brot.
    Sei über vierzig Jahre im Himmel,
    bevor der Teufel merkt du bist schon tot.

    Bis wir uns mal wieder sehen,
    hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt.
    Er halte dich in seinen Händen,
    doch drücke seine Hand dich nicht zu fest.





    #136Verfasser Chaostranslater (459860) 28 Okt. 08, 14:51
    Kommentar
    Lyrisch bin ich leider nicht so bewandert, deshalb kann ich Euch kein neues Gedicht beitragen, dafür aber ein Hausmanns-Gericht-Gedicht. Genau das richtige nach einem ausführlichen Herbstspaziergang, auch in einer Schiffsküche gut hinzukriegen, ein Herbst-Eintopf (oder genauer Einblech) vom Feinsten. Für mich der Beweis das die einfachsten Dinge oft die besten sind.

    (für zwei gierige Esser)
    Ein tiefes Backblech mit (Oliven-) Öl benetzen. Mit gut unter fließendem Wasser gebürsteten, ungeschälten geachtelten Kartoffeln, Süßkartoffeln oder einer Mischung aus beidem bedecken. Nach Belieben mit Rosmarinnadeln, grobem Meersalz, Pfeffer oder Cayennepfeffer gut würzen, eventuell noch ein paar Knoblauchzehen grob gehackt darüber. Jetzt das ganze gut durcheinanderschütteln wie Blätter bei einem herbstlichen Föhnsturm. Obendrauf sechs dicke englische Bratwürste (in Deutschland vielleicht Polnische oder dicke Rostbratwürste, aber nichts geht über englische Würste). Das ganze bei 180 Grad Celsius für etwa 50 Minuten oder bis die Kartoffeln weich und an den Ecken karamellisiert sind und die Würste schön knusprig und braun.

    #137Verfasser Lady Grey (235863) 28 Okt. 08, 21:44
    Kommentar
    Tage wie dieser…

    Tage wie dieser,
    düster und trüb,
    vom Nebel geblendet.

    Tage wie dieser,
    einsam und finster,
    vom Wind ertastet.

    Tage wie dieser,
    kalt und frostig,
    von der Erde erdrückt.

    Tage wie dieser,
    elend und übel,
    von der Luft gegerbt.

    Versüßen das Leben.

    Denn wie sinnvoll könnte das Leben erscheinen,
    wären stets die guten Dinge nur sichtbar?
    Melancholie und Trauer,
    eröffnen die Türen.
    Denn an Tagen wie diesem
    wird das Glück erst sichtbar.


    (Autor mir unbekannt)
    #138Verfasser Chaostranslater (459860) 30 Okt. 08, 10:41
    Kommentar
    Der Schnee

    Wann der kalte Schnee zergangen,
    Stehst du draußen in der Tür,
    Kommt ein Knabe schön gegangen,
    Stellt sich freundlich da zu dir,
    Lobet deine frischen Wangen,
    Dunkle Locken, Augen licht,
    Wann der kalte Schnee zergangen,
    Glaub dem falschen Herzen nicht!

    Wann die lauen Lüfte wehen,
    Scheint die Sonne lieblich warm:
    Wirst du wohl spazierengehen,
    Und er führet dich am Arm,
    Tränen dir im Auge stehen,
    Denn so schön klingt, was er spricht,
    Wann die lauen Lüfte wehen,
    Glaub dem falschen Herzen nicht!

    Wann die Lerchen wieder schwirren,
    Trittst du draußen vor das Haus,
    Doch er mag nicht mit dir irren,
    Zog weit in das Land hinaus;
    Die Gedanken sich verwirren,
    Wie du siehst den Morgen rot -
    Wann die Lerchen wieder schwirren,
    Armes Kind, ach wärst du tot!

    (Joseph von Eichendorff)


    #139Verfasser biachle (475767) 30 Okt. 08, 13:07
    Kommentar
    Weil doch heute Halloween ist:

    Hexerei...
    (Johann Wolfgang von Goethe)

    Aus ein mach zehn,
    und zwei lass gehen,
    und drei mach gleich,
    so wirst du reich.
    Verlier die Vier!
    Aus fünf und sechs,
    so sagt die Hex,
    mach sieben und acht,
    so ist`s vollbracht:
    und neun ist eins,
    und zehn ist keins.
    Das ist das Hexeneinmaleins


    Aber heute ist nicht nur Halloween, sondern vielmehr auch Reformationstag. Dazu ein paar Gedanken und Rückbesinnung.
    31. Oktober Reformationstag

    Am Tag vor Allerheiligen hat Luther seine 95 Thesen zum Ablass veröffentlicht. Daher gilt dieser Tag als Beginn der Reformation. Dieser Gedenktag wurde von Georg II. von Sachsen 1667 auf den 31. Oktober festgelegt, nachdem er auch am Geburtstag Luthers, dem 10. November, am 18. Februar, seinem Todestag oder am 25. Juni, der Übergabe der Confessio Augustana an den Kaiser, gefeiert worden war. Am Reformationstag versichern sich die evangelischen Christen ihres Ursprungs und der Motive der Reformation.






    #140Verfasser Chaostranslater (459860) 31 Okt. 08, 10:21
    Kommentar
    Ich lieb den Herbst

    Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
    In stillen Nebeltagen geh
    Ich oft durch Fichtenwald und seh
    Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
    Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
    Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
    Zu kauen, lächeln zu zerstören
    Den Traum, dem wir so gern gehören.
    Fern des Spechtes scharfer Schrei!

    Das Gras schon welk... schon starr vor Kühle,
    Von hellen Schleiern überhaucht.
    In mir das Weben der Gefühle,
    Das Herz in Bitternis getaucht...

    Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
    Soll, was da war, nie wieder sein?
    Die Fichten nicken dunkel, hören
    Gelassen zu und flüstern Nein.

    Und da: ein ungeheures Lärmen,
    Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
    Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
    Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

    Iwan S. Turgenjew (1818-1883)

    @Chaostranslator: Autoren, die solch schöne Texte schreiben, hätten es eigentlich verdient, bekannt zu sein :-)


    #141VerfasserHeinz H (243376) 31 Okt. 08, 10:30
    Kommentar
    Die Mühlen

    Die vielen Mühlen gehen und treiben schwer.
    Das Wasser fällt über die Räder her
    Und die moosigen Speichen knattern im Wehr.

    Und die Müller sitzen tagein, tagaus
    Wie Maden weiß in dem Mühlenhaus.
    Und schauen oben zum Dache hinaus.

    Aber die hohen Pappeln stehn ohne Wind
    Vor einer Sonne herbstlich und blind,
    Die matt in die Himmel geschnitten sind.

    Georg Heym (1887-1912)
    #142VerfasserHeinz H (243376) 02 Nov. 08, 11:08
    Kommentar
    Friedrich Rückert (1788-1866)

    Ein Seufzer

    Schlimme Lose,
    Dass der Himmlischen Zorn
    Jeder Rose
    Beigegeben den Dorn;

    Aber schlimmer,
    Dass die Rose verblüht,
    Und noch immer
    Sticht der Dorn im Gemüt.
    #143Verfasser Chaostranslater (459860) 03 Nov. 08, 11:56
    Kommentar
    Ein weiteres habe ich noch gefunden von Hermann Lingg
    http://www.zeno.org/Literatur/M/Lingg,+Herman...

    Rotkehlchen

    Schwalben waren schon lang
    Fort und auf der Reise,
    Nur ein Rotkehlchen sang
    Lieblich und leise
    Unter dem Dach
    Eines Hauses, das, halb zerstört,
    Allmählich zusammenbrach.
    Es wurde von niemand gehört,
    Und dennoch sang es. Das Moos
    Wuchs auf der Schwelle,
    Die Steine bröckelten los,
    Des Abendlichtes Helle
    Schlief in den Zimmern allein,
    Die Stürme gingen aus und ein
    In dem großen verödeten Gang,
    Aber das Rotkehlchen sang.
    Lust und Freude war entflohn,
    Alles war aus,
    Es wußte nichts davon;
    Es sang im öden, verfallenden Haus
    Mit einem eignen lieblichen Ton.
    #144Verfasser moustique (308708) 03 Nov. 08, 12:39
    Kommentar
     
    An eine matte Herbstfliege

    Wanken dir die matten Füße,
    ist der Flügel Schwung erlahmt?
    Traurig schleichst du an dem Fenster,
    das einst deine Spiele sah:
    Ach, der Sommer ist verronnen,
    und der raue Winter naht.

    Doch sieh meine welken Knie,
    sieh das Antlitz totenbleich,
    sieh der Augen mutges Feuer,
    von der Krankheit Hauch gelöscht;
    ist denn schon mein Herbst gekommen,
    eh mein Sommer noch erschien?

    Franz Grillparzer (1791-1872)


    Für Heinz H:
    dies hat keinerlei Bezug zu irgendwelchen Wahlen, noch hege ich irgendwelche Hintergedanken mit diesem Gedicht. :-))


    #145Verfasser Chaostranslater (459860) 04 Nov. 08, 17:33
    Kommentar
    Herbst

    Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf.
    Felder gilben, Wälder ächzen überall.
    Wie Blätter fallen draußen alle Tage,
    Vom Zeitwind weggeweht.
    Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen,
    Ob draußen tost Vergänglichkeit,
    Im Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen:
    Die Stadt dampft heiß in Unrast ohne Zeit.

    (Gerrit Engelke 1890-1918)

    Chaostranslator, ich bin ja schon froh, wenn du dieses Gedicht nicht auf mich gemünzt hast ;-)
    #146VerfasserHeinz H (243376) 05 Nov. 08, 07:45
    Kommentar
    Herbst

    Astern blühen schon im Garten,
    Schwächer trifft der Sonnenpfeil.
    Blumen, die den Tod erwarten
    Durch des Frostes Henkerbeil.

    Brauner dunkelt längst die Heide,
    Blätter zittern durch die Luft.
    Und es liegen Wald und Weide
    Unbewegt in blauem Duft.

    Pfirsich an der Gartenmauer,
    Kranich auf der Winterflucht.
    Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
    Welke Rosen, reife Frucht.

    (Detlev von Liliencron, 1844-1909)


    @Heinz H
    Das würde ich nie und nimmer wagen. Vermittele ich den Eindruck als wenn ich mit dem Holzhammer in der Hand um mich schlagen würde?
    Dein Gedicht 'Herbst' gefällt mir gut - leider lässt es sich nicht vermeiden, dass, je weiter der Herbst fortschreitet, die Themen ernster und trauriger werden. :(
    #147Verfasser Chaostranslater (459860) 05 Nov. 08, 10:01
    Kommentar
    Kaum zu glauben, es gibt mich noch, ich bin nicht von der Arbeit erschlagen worden...


    Herbst

    Ich sah den Wald sich färben,
    Die Luft war grau und stumm;
    Mir war betrübt zum Sterben,
    Und wußt' es kaum, warum.
    Durchs Feld vom Herbstgestäude
    Hertrieb das dürre Laub;
    Da dacht' ich: deine Freude
    Ward so des Windes Raub.

    Dein Lenz, der blütenvolle,
    Dein reicher Sommer schwand;
    An die gefrorne Scholle
    Bist du nun festgebannt.

    Da plötzlich floß ein klares
    Getön in Lüften hoch:
    Ein Wandervogel war es,
    Der nach dem Süden zog.

    Ach, wie der Schlag der Schwingen,
    Das Lied ins Ohr mir kam,
    Fühlt' ich's wie Trost mir dringen
    Zum Herzen wundersam.

    Es mahnt' aus heller Kehle
    Mich ja der flücht'ge Gast:
    Vergiß, o Menschenseele,
    Nicht, daß du Flügel hast.

    Emanuel Geibel (1815-1884)

    #148Verfasser biachle (475767) 05 Nov. 08, 13:42
    Kommentar
    Herbst

    Graue Nebelschwaden wallen
    In den Tälern, um die Höhen.
    Bleich und bleicher scheint die Sonne,
    Ohne Licht und ohne Wärme.

    Öde Felder, kahle Fluren,
    Wo in Duft man sonst gewandelt -
    Scharfer Wind durchfaucht die Wälder
    Und das Laub stiebt von den Bäumen.

    Eichhorn sucht das warme Nest schon,
    Wenn zu rau die Lüfte blasen,
    Sang und Lieder sind verstummet,
    Nur der Häher krächzt und kreischet.

    Und so rückt der Winter näher,
    Langsam, tappend, aber ständig
    Kürz're Tage, läng're Nächte,
    Mit dem Reif, dem weißen kalten.

    Scheiden, scheiden klagt's in Tönen,
    Klagt's in Blicken, weint's verstohlen
    Wieder nah't das große Sterben
    Und das Bahrtuch wird gebreitet.

    Heinrich Kämpchen (1847-1912)
    #149VerfasserHeinz H (243376) 06 Nov. 08, 08:48
    Kommentar
    November

    Immer hin und wieder
    Strebt der Blütenzweig im Wind,
    Immer auf und nieder
    Strebt mein Herz gleich einem Kinde
    Zwischen hellen, dunklen Tagen,
    Zwischen Wollen und Entsagen.
    Bis die Blüten sind verweht,
    Und der Zweig in Früchten steht,
    Bis das Herz der Kindheit satt,
    Seine Ruhe hat
    Und bekennt: voll Lust und nicht vergebens
    War das unruhevolle Spiel des Lebens

    Herman Hesse
    #150Verfasser Chaostranslater (459860) 06 Nov. 08, 11:40
    Kommentar
    Ich lieb den Herbst

    Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
    In stillen Nebeltagen geh
    Ich oft durch Fichtenwald und seh
    Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
    Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
    Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
    Zu kauen, lächeln zu zerstören
    Den Traum, dem wir so gern gehören.
    Fern des Spechtes scharfer Schrei!

    Das Gras schon welk...schon starr vor Kühle,
    Von hellen Schleiern überhaucht.
    In mir das Weben der Gefühle,
    Das Herz in Bitternis getaucht...

    Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
    Soll, was da war, nie wieder sein?
    Die Fichten nicken dunkel, hören
    Gelassen zu und flüstern Nein.

    Und da: ein ungeheures Lärmen,
    Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
    Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
    Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

    Turgenjew, [Turgenjev] Iwan S. (1818-1883)

    #151Verfasser biachle (475767) 06 Nov. 08, 12:01
    Kommentar
    # 145, hhmmmmm, was es doch für Zufälle gibt, na dann will ich es Dir glauben.....:-P

    Es wird immer schwieriger Herbstgedichte zu finden, auch wegen der Urheberrechte. Ich hoffe, das geht so in Ordnung:

    http://www.gss.ucsb.edu/projects/hesse/auskla...

    Ausklang
    Wolkenflug und herber Wind
    Kühlt mich, der ich krank gewesen.
    Träumend wie ein stilles Kind
    Ruh ich aus und bin genesen.

    Nur ein Klang in tiefer Brust
    Ist von meinem armen Lieben,
    Dämpfend alle laute Lust,
    Leis und trauernd überblieben.

    Diesen namenlosen Klang,
    Während Wind und Tannen rauschen,
    Kann ich Stunden, Tage lang
    Schweigend hingegeben lauschen.
    #152Verfasser moustique (308708) 06 Nov. 08, 14:48
    Kommentar
    November

    Solchen Monat muss man loben:
    Keiner kann wie dieser toben,
    Keiner so verdrießlich sein
    Und so ohne Sonnenschein!
    Keiner so in Wolken maulen,
    Keiner so mit Sturmwind graulen!
    Und wie nass er alles macht!
    Ja, es ist 'ne wahre Pracht.

    Seht das schöne Schlackerwetter!
    Und die armen welken Blätter,
    Wie sie tanzen in dem Wind
    Und so ganz verloren sind!
    Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
    Und sie durcheinanderwirbelt
    Und sie hetzt ohn' Unterlass:
    Ja, das ist Novemberspaß!


    Und die Scheiben, wie sie rinnen!
    Und die Wolken, wie sie spinnen
    Ihren feuchten Himmelstau
    Ur und ewig, trüb und grau!
    Auf dem Dach die Regentropfen:
    Wie sie pochen, wie sie klopfen! Schimmernd hängt's an jedem Zweig,
    Einer dicken Träne gleich.

    O, wie ist der Mann zu loben,
    Der solch' unvernünft'ges Toben
    Schon im Voraus hat bedacht
    Und die Häuser hohl gemacht!
    So, dass wir im Trocknen hausen
    Und mit stillvergnügtem Grausen
    Und in wohlgeborgner Ruh
    Solchem Greuel schauen zu!

    Heinrich Seidel (1842-1906)

    Hallo biachle, schön dass Du wieder Zeit für uns findest.

    Hallo moustique, ja das stimmt, langsam wird es schwerer, noch schöne Herbstgedichte zu finden, vor allem, wenn man nicht in Trauer und Leid versinken will - und das wollen wir hier ja schließlich nicht !!!!!

    (Aber bald bricht ja der Winter an :-))

    Schönes, erholsames Wochenende wünsche ich allen, die hier mal reinschauen.
    #153Verfasser Chaostranslater (459860) 07 Nov. 08, 09:54
    Kommentar
    Kartoffellied

    Pasteten hin, Pasteten her,
    was kümmern uns Pasteten?
    Die Kumme hier ist auch nicht leer
    und schmeckt so gut als bonne chere
    von Fröschen und von Kröten.

    Und viel Pastet und Leckerbrot
    verdirbt nur Blut und Magen.
    Die Köche kochen lauter Not,
    sie kochen uns viel eher tot;
    Ihr Herren, lasst Euch sagen!

    Schön rötlich die Kartoffeln sind
    und weiß wie Alabaster!
    Sie däun sich lieblich und geschwind
    und sind für Mann und Frau und Kind
    ein rechtes Magenpflaster.

    Matthias Claudius (1740-1815)
    #154VerfasserHeinz H (243376) 09 Nov. 08, 20:10
    Kommentar
    Wein vergoldet jeden Tag

    Wein vergoldet jeden Tag,
    Scheucht hinweg des Daseins Plag,
    Macht die Menschen froh und heiter,
    Ihren Geist sehr viel gescheiter,
    Lässt das Leben schön erscheinen,
    Die Gedanken Gutes meinen,
    Lässt uns all zu Freunden werden,
    Friedlich wird es dann auf Erden.
    Wer den Wein so klug genießt,
    Freude aus den Sternen liest,
    Merkt an seines Herzens Schlag:
    Wein vergoldet jeden Tag

    (Bacchus)
    #155Verfasser Chaostranslater (459860) 10 Nov. 08, 19:46
     Beitrag #156­ wurde gelöscht.
    Kommentar
    Bastelt eigentlich noch einer von Euch eine Martinslaterne? Ich habe schon Käseschachteln gehortet und mir heute Wachsmalkreiden besorgt und werde morgen ein paar basteln: Papier in Pfannentechnik dekorieren, einen Kerzenhalter für eine Christbaumkerze in die halbe Käseschachtel bauen, das bunte, halb-durchsichtige Papier drumherumkleben, oben verstärken, zwei Löcher hinein und an einem Draht an ein Stöckchen hängen. Leider wird wohl hier in England niemand mit mir singend durch die Straßen ziehen, deshalb spare ich mir vielleicht das aufhängen und stelle mir sie nur so ins Zimmer.
    #157Verfasser Lady Grey (235863) 10 Nov. 08, 20:17
    Kommentar
    Gutern Abend ladygrey

    fängst du nicht etwas früh an mit basteln? -:)
    Bei uns sind morgen (11.11.) die Laternenumzüge. Kindergärten und Grundschulen ziehen mit ihren Laternen durch die Straßen, angeführt vom St. Martin auf dem Pferd.

    Und nein, ich bastele nicht mehr. Mein Bedarf ist gedeckt. Erst als Kind meine eigenen Laternen basteln und dann für den Chaostranslater-Nachwuchs. Als Belohnung sind die Dinger dann auch noch abgefackelt.
    Nee, nee, Pause und auf Enkel warten.

    http://www.heimwerker.de/heimwerker/service-l...

    Hoffentlich funktioniert dieser Link - sind schöne Anregungen drin.

    Viel Spaß

    Schade, dass keiner mit Dir durch die Staßen zieht. (Aber dann kann Deine Laterne wenigstens nicht vom Regen durchweicht werden.



    #158Verfasser Chaostranslater (459860) 10 Nov. 08, 20:29
    Kommentar

    Die Rosen im Garten

    Die Rosen im Garten blühn zum zweiten Mal.
    Täglich schießen sie in dicken Bündeln in die Sonne.
    Aber die schwelgerische Zartheit ist dahin,
    mit der ihr erstes Blühen sich im Hof
    des weiß und roten Sternenfeuers wiegte.
    Sie springen gieriger,
    wie aus aufgerissenen Adern strömend,
    über das heftig aufgeschwellte Fleisch der Blätter.
    Ihr wildes Blühen ist wie Todesröcheln,
    das der vergehende Sommer
    in das ungewisse Licht des Herbstes trägt.


    Stadler, Ernst (11.81883-1914)
    #159Verfasser biachle (475767) 10 Nov. 08, 21:27
    Kommentar
    @ladygrey

    jetzt hast Du mich angesteckt, ich habe gerade den Kühlschrank geplündert und tatsächlich eine Käseschachtel gefunden. Irgendwo habe ich sicher auch noch ein bisschen Transparentpapier ... *Geschenkpapierstapeldurchwühle* Ich weiss genau, da war doch noch irgendwo ... Jetzt fehlt mir nur noch ein Henkel und ein Stab.

    *Sing* Laterne, Laterne Sonne Mond und Sterne
    #160Verfasser biachle (475767) 10 Nov. 08, 21:39
    Kommentar
    chaostranslater, danke für diesen interessanten und sehr ergiebigen Link!

    Herbsttag

    Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    Und auf den Fluren lass die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
    Dränge sie zur Vollendung hin und jage
    Die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    Und wird in den Alleen hin und her
    Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

    Rainer Maria Rilke
    (1875 - 1926)


    #161VerfasserHoldastern (337608) 10 Nov. 08, 21:54
    Kommentar
    Ach wie schön, Biachle! Kindliche (oder kindische) Übersetzer im Geiste vereint :-)
    #162Verfasser Lady Grey (235863) 10 Nov. 08, 22:56
    Kommentar
    ladygray und biachle ich hör' Euch schon singen:

    Ich geh mit meiner Laterne
    und meine Laterne mit mir.
    Da oben leuchten die Sterne
    und unten da leuchten wir.
    Laternenlicht,
    verlösch mir nicht!
    rabimmel, rabammel, rabum.

    Ich geh` mit meiner Laterne
    und meine Laterne mit mir.
    Da oben leuchten die Sterne
    und unten da leuchten wir.
    Mein Licht ist aus,
    ich geh` nach Haus.
    rabimmel, rabammel, rabumm

    Vielleicht sitze ich morgen am Fenster und scheue Euch zu.


    #163Verfasser Chaostranslater (459860) 10 Nov. 08, 23:23
    Kommentar
    oooops

    Ich schaue Euch natürlich zu.

    Holdastern, gehst du auch mit in diesem Zug?
    #164Verfasser Chaostranslater (459860) 10 Nov. 08, 23:25
    Kommentar
    Der elfte November, Sankt Martin.

    Trotz feuchter Kälte ziehen Kinderscharen mit leuchtenden Laternen und eben solchen Augen singend durch die Straßen. Sicherlich haben sich schon viele gefragt woher diese Tradition der Martinszüge wohl kommen mag. Oder ob, und wenn ja welche, es noch weitere althergebrachte Bräuche an Sankt Martin gibt.

    Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn, in dem damals zum römischen Weltreich gehörenden Sabaria geboren. Während seiner Zeit als römischer Legionär nahm er den christlichen Glauben an. Später wurde er Mönch und im Jahre 372 n. Chr. Bischof von Tours. Er verstarb 397 in Candes. Seine Berühmtheit verdankt er folgender Legende:

    Es war in einer sehr kalten Nacht. Überall lag hoher Schnee und Eiszapfen hingen von den Bäumen. Der römische Soldat Martin ritt auf seinem Pferde an einen vor Kälte zitternden Bettler heran. Der arme Mann saß im Schnee und hatte keine warme Kleidung. Der Bettler sah zu Martin auf und flehte um Hilfe. Voll von Mitleid teilte Sankt Martin mit seinem Schwert seinen wärmenden Umhang. Die eine Hälfte überließ Martin dem armen frierenden Mann und rettete ihn damit vor dem Tod. Als der Bettler sich bedanken wollte, ritt Martin mit seinem Teil des Umhangs davon.

    Sankt Martin

    In alter Zeit hatte der Martini eine sehr hohe Bedeutung und von den etlichen Traditionen haben einige bis in unsere Zeit hinein überlebt. Am elften November endete im Mittelalter das bäuerliche Arbeitsjahr. So wurden die Ernterträge verkauft und mit den Erlösen der jährliche Pachtzins gezahlt. Es wurde Saatgut für das nächste Jahr und neues Vieh auf den Märkten erstanden. Auf den Schlachtfesten gab es ein fröhliches Feiern, das wir heute noch in der traditionellen Martinsgans oder den Martinswecken, Stutenkerlen und Martinsbrezel wiederfinden.

    Es begann auch die 40tägige Vorweihnachtliche Fastenzeit, an die der heutige Karnevalsbeginn allerdings nur noch sehr schwach zu erinnern vermag.

    Die bei uns sehr beliebten Martinsumzüge mit Laternen, großem Martinsfeuer und hoch zu Ross reitenden Sankt Martin finden jedoch erst seit vergleichsweise geringer Zeit statt. Sie haben ihren Ursprung im späten neunzehnten Jahrhundert und verbreiteten sich vom Rheinland aus. Als Höhepunkt der Umzüge wird die Legende des Sankt Martins nachgestellt.

    Das Erlebnis eines lodernden Feuers und die leuchtenden Laternen zu einer langen Kette in der Dunkelheit aufgereiht ist für Kinder immer wieder etwas ganz Besonderes.


    Aber das wussten wir ja alle noch :-)

    Und damit wünsche ich allen viel Spaß, die heute mit der Laterne um die Häuser ziehen.





    #165Verfasser Chaostranslater (459860) 11 Nov. 08, 09:06
    Kommentar
    chaostranslater, da, wo ich zur Zeit wohne, gibt es diese Umzüge leider nicht (einen gibt es zwar im Süden des Landes und hie und da gibt es einen Gottesdienst, wo die Legende zumindest vorgelesen wird). Ich muss dann schon nach Deutschland rüber. Aber, als ich noch Kind war, in meiner Heimat, da gab es diese Sankt Martin Umzüge, wie auch das Sternsingen als auch den Karneval. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mit voller Inbrunst als Kind das Lied vom Posting 163 gesungen habe. Herrlich! Das sind Momente im Leben, die ich nicht missen möchte. Kindliches Glück im reinsten Zustand! Ja, dann wünsche ich Dir ein frohes Martinsfest!
    #166VerfasserHoldastern (337608) 11 Nov. 08, 10:13
    Kommentar
    Der Herbstwind rüttelt die Bäume,
    Die Nacht ist feucht und kalt;
    Gehüllt im grauen Mantel,
    Reite ich einsam im Wald.
    Und wie ich reite, so reiten
    Mir die Gedanken voraus;
    Sie tragen mich leicht und luftig
    Nach meiner Liebsten Haus.

    Die Hunde bellen, die Diener
    Erscheinen mit Kerzengeflirr;
    Die Wendeltreppe stürm ich
    Hinauf mit Sporengeklirr.

    Im leuchtenden Teppichgemache,
    Da ist es so duftig und warm,
    Da harret meiner die Holde -
    Ich fliege in ihren Arm.

    Es säuselt der Wind in den Blättern,
    Es spricht der Eichenbaum:
    Was willst du, törichter Reiter,
    Mit deinem törichten Traum?

    Heine, Heinrich (1797-1856)


    ich denke, den Umzug mit Laterne muß ich leider verschieben hier stürmt und regnet es zu sehr...


    #167Verfasser biachle (475767) 11 Nov. 08, 14:02
    Kommentar
    Schöner Herbst

    Das ist ein sündhaft blauer Tag!
    Die Luft ist klar und kalt und windig,
    weiß Gott: ein Vormittag, so find ich,
    wie man ihn oft erleben mag.
     
    Das ist ein sündhaft blauer Tag!
    Jetzt schlägt das Meer mit voller Welle
    gewiß an eben diese Stelle,
    wo dunnemals der Kurgast lag.
     
    Ich hocke in der großen Stadt:
    und siehe, durchs Mansardenfenster
    bedräuen mich die Luftgespenster ...
    Und ich bin müde, satt und matt.
     
    Dumpf stöhnend lieg ich auf dem Bett.
    Am Strand war es im Herbst viel schöner ...
    Ein Stimmungsbild, zwei Fölljetöner
    und eine alte Operett!
     
    Wenn ich nun aber nicht mehr mag!
    Schon kratzt die Feder auf dem Bogen –
    das Geld hat manches schon verbogen ...
    Das ist ein sündhaft blauer Tag!
     
    Kurt Tucholsky (1890-1935)
    #168VerfasserHeinz H (243376) 11 Nov. 08, 15:21
    Kommentar
    Berliner Herbsturlaub

    Denn, so um'm September rum,
    denn kriejn se wacklije Beene –
    die Fliejen nämlich. Denn nun rummeln se so
    und machen sich janz kleene.
    Nee –
    fliejn wolln se nich mehr.

    Wenn se schon so ankomm, 'n bisken benaut...
    denn krabbeln se so anne Scheihm;
    oda se summ noch'n bisken laut,
    aba mehrschtens lassen ses bleihm...
    Ne –
    fliejn wolln se nich mehr.

    Wenn se denn kriechen, falln se beinah um.
    Un denn wern se nochmal heita,
    dann rappeln se sich ooch nochmal hoch,
    uin denn jehts noch'n Sticksen weita –
    Aba fliejn... fliejn wolln die nich mehr.

    Die andan vom Somma sind nu ooch nich mehr da.
    Na, nu wissen se – nu is zu Ende.
    Manche, mit so jelbe Eia am Bauch,
    die brumm een so über de Hände...
    A richtich fliejn wolln se nich mehr.

    Na, und denn finste se morjens frieh,
    die liejen se denn so hinta
    de Fenster rum. Denn sind se dot.
    Und wir jehn denn ooch in 'n Winta.
    Wie alt bist du eijentlich –?

    – Ick? Achtunnfürzich. –
    – Kommst heut ahmt mit, nach unsan Lokal? –
    – Allemal.

    Kurt Tucholsky (1890-1935)

    Blättere gerade wieder einmal in meinem Tucholsky...
    #169VerfasserHeinz H (243376) 12 Nov. 08, 09:35
    Kommentar

    Mondnacht

    Es war, als hätt' der Himmel
    Die Erde still geküsst,
    Dass sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müsst.
     
    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis' die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.
     
    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (* 10. März 1788 Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neisse)


    Heinz H.
    Danke für den Herbsturblaub. Sollte mich vielleicht auch mal wieder mit Tucholsky beschäftigen
    #170Verfasser Chaostranslater (459860) 12 Nov. 08, 11:27
    Kommentar
    Man merkt, dass der Herbst sich dem Ende zuneigt. Die Ideen scheinen nicht mehr zu sprudeln. Hier noch einmal ein Versuch, bevor der Faden in der Versenkung verschwindet.

    Nikolaus Lenau (1802-1850)

    Herbstklage

    Holder Lenz, du bist dahin!
    Nirgends, nirgends darfst du bleiben!
    Wo ich sah dein frohes Blühn,
    Braust des Herbstes banges Treiben.

    Wie der Wind so traurig fuhr
    Durch den Strauch, als ob er weine;
    Sterbeseufzer der Natur
    Schauern durch die welken Haine.

    Wieder ist, wie bald! wie bald!
    Mir ein Jahr dahingeschwunden.
    Fragend rauscht es aus dem Wald:
    'Hat dein Herz sein Glück gefunden?'

    Waldesrauschen, wunderbar
    Hast du mir das Herz getroffen!
    Treulich bringt ein jedes Jahr
    Welkes Laub und welkes Hoffen.


    Allen ein schönes Wochenende.
    #171Verfasser Chaostranslater (459860) 14 Nov. 08, 16:34
    Kommentar
    Liebe Freunde und Feinde des Herbstes,

    wenn der Oktober sich dem Ende zuneigt, erinnere ich mich gern an eine wunderschöne Konzerttour Barry Manilows durch Deutschland im Herbst 1994, während der er den nicht minder schönen Song "When October goes" (CD: Paradise Café) brachte. Und während die Blätter von den Bäumen hinab auf die trostlosen Straßen fallen, rinnen mir manchmal die Tränen über das Gesicht ...

    And when October goes
    The snow begins to fly
    Above the smokey roofs
    I watch the planes go by

    The children running home
    Beneath a twilight sky
    Oh, for the fun of them
    When I was one of them

    And when October goes
    The same old dream appears
    And you are in my arms
    To share the happy years

    I turn my head away
    To hide the helpless tears
    Oh how I hate to see October go

    I should be over it now I know
    It doesn't matter much
    How old I grow
    I hate to see October go
    (Lyrics: Johnny Mercer, Music: Barry Manilow)

    Allen weiterhin einen schönen Herbst,
    BeaW
    #172VerfasserBeaW (508137) 15 Nov. 08, 19:07
    Kommentar
    Schöne Lyrik, BeaW. Hier nun aus dem reichen englischsprachigen Herbstfundus ein schönes Gedicht...

    Gathering Leaves

    Spades take up leaves
    No better than spoons,
    And bags full of leaves
    Are light as balloons.
    I make a great noise
    Of rustling all day
    Like rabbit and deer
    Running away.
    But the mountains I raise
    Elude my embrace,
    Flowing over my arms
    And into my face.
    I may load and unload
    Again and again
    Till I fill the whole shed,
    And what have I then?
    Next to nothing for weight,
    And since they grew duller
    From contact with earth,
    Next to nothing for color.
    Next to nothing for use.
    But a crop is a crop,
    And who's to say where
    The harvest shall stop?

    Robert Frost (1874-1963)
    #173VerfasserHeinz H (243376) 16 Nov. 08, 10:48
    Kommentar
    Hier noch ein abschließendes Gedicht zum Herbst, das in den Winter überleitet:


    Leuchtend am Himmel der Sonne Gang

    ( Richard Weitbrecht )

    Glühend der Wälder Pracht,
    Aber verstummt der Vöglein Gesang,
    Aber ein Reif in der Nacht.

    Blümlein erfroren allüberall,
    Schmerzendes Sonnenlicht,
    wie ein glühender Abendstrahl
    Auf ein sterbend Gesicht.

    Rascher hinunter die Sonne geht,
    Todesschauern im Wald -
    Blätter gefallen, Blumen verweht.
    Winter, Winter ist's bald.


    Und das war der Herbst 2008 bei LEO:


    Bunt sind schon die Wälder,------------>Joh. Fr. Reichardt)
    Rondel--------------------------------->Georg Trakl
    Herbsttag------------------------------>Rainer Maria Rilke
    Septembermorgen------------------------>Eduard Mörike
    Die große Fracht des Sommers----------->Ingeborg Bachmann
    Das Lied vom Kirschbaum---------------->Hebel, Johann Peter (1760-1826)
    In meinem kleinen Apfel
    Herbstweh------------------------------>Joseph Freiherr von Eichendorff
    "Ein Igel ist auf einem Blatt---------->Josef Guggenmos
    Der Schnupfen-------------------------->Christian Morgenstern
    (1871-1914)
    Welkes Blatt--------------------------->Hermann Hesse
    Im Herbst------------------------------>Wilhelm Busch
    (1832-1908)
    Das Laub fällt von den Bäumen,--------->Siegfried August Mahlmann (1805)
    Mit gelben Birnen hänget--------------->Friedrich Hölderlin
    Nun ist der Wein bereits -------------->Robert Gernhardt
    Herbstlied----------------------------->Friedrich Hebbel, 1813-1863)
    Nebel---------------------------------->Nikolaus Lenau (1802-1850)
    Herbst--------------------------------->Theodor Storm (1817 - 1888)
    Das bunte Blattwerk fällt herab-------->Moggl (09/2008)
    Herbst--------------------------------->Karl-Heinz Wienke, 1978
    Schauspieler Herbst-------------------->Gabriele Lins
    Autumn -------------------------------->by Joy Cagil
    Spaziergang am Herbstabend------------->(Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863)
    Herbstgefühl--------------------------->Nikolaus Lenau
    Im Nebel------------------------------->Hermann Hesse (1905)
    Wenn der frische Herbstwind weht------->Verfasser unbekannt
    Die Blätter fallen--------------------->Rilke, Rainer Maria (1875-1926)
    Herbstsonett--------------------------->Stefan Zweig
    Autumn days are here again!------------>John Muir
    Herbstlied----------------------------->Johann Gaudenz von Salis-Seewis
    (1762-1834)
    Dies ist ein Herbsttag,wie ich keinen sah->Hebbel, Christian Friedrich (1813-1863)
    Ach, jetzt kommt die Zeit-------------->Moggl 10/08 (plötzlicher Einfall
    Der Wetterhahn------------------------->Wilhelm Busch
    Die Motte------------------------------>Gedicht von Klopfstock
    Septembertag--------------------------->Christian Morgenstern
    Herbstanfang--------------------------->Christian Möslang:
    Honied yellow dripping gold,----------->S.K.Lindeman)
    Ah Sunflower--------------------------->William Blake (1757-1827)
    Die Sonnenblume------------------------>Johann Wolfgang von Goethe
    Jetzt ist es Herbst-------------------->Max Dauthendey
    Herbstabend---------------------------->Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern
    Die Schwalben-------------------------->Julius Sturm (1816-1886)
    Spätherbstnebel,----------------------->Heinrich Heine
    Ich liebe das Novembergelb------------->(Alex. Smith)
    Goldene Welt--------------------------->Georg Britting
    Exemplarische Herbstnacht-------------->(Erich Kästner)
    Frühherbst----------------------------->(Agnes Miegel)
    Vom Bäumlein,das andere Blätter hat gewollt-->Rückert, Friedrich (1788-1866)
    Der herbstliche Garten----------------->Georg Heym
    [Graue Blätter]------------------------>Max Dauthendey
    (1867 - 1918)
    Oktoberlied---------------------------->Storm, Theodor (1817-1888
    Die Vogelscheuche---------------------->Christian Morgenstern
    (1871 – 1914)
    After Apple Picking-------------------->by Robert Frost
    Die fünfte Jahreszeit------------------>Kurt Tucholsky
    Gedanken zum Herbst-------------------->(Joachim Ringelnatz)
    Komm in den totgesagten Park----------->Stefan George
    Herbsthauch---------------------------->Friedrich Rückert
    Erntelied------------------------------>Arnim/Brentano
    Septembermorgen----------------------->Mörike, Eduard (1804-1875)
    An eine matte Herbstfliege------------->Franz Grillparzer
    Herbst--------------------------------->Detlev von Liliencron
    Letze Rose----------------------------->unbekannt
    Mählich durchbrechende Sonne----------->(Arno Holz)
    Herbstlied----------------------------->August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)
    Haiku" -------------------------------->Matsuo Basho, 1644-1694
    Die Scharen von mächtigen Raben-------->Max Dauthendey
    Die Malve------------------------------>Uhland, Ludwig (1787-1847
    Lass rauschen, immer rauschen!--------->August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
    (1798-1874)
    Schloss im Herbst---------------------->(Ernst Stadler 1883-1914)
    Der Herbsttag-------------------------->Voss, Johann Heinrich (1751-1826)
    "Ihr Blätter wollt ihr tanzen?--------->Heidi Lindner)
    Nebel und Regen------------------------>Charles Baudelaire
    Wenn der frische Herbstwind weht------->???
    Ein Herbstabend------------------------>Georg Trakl (1887-1914)
    Erntedankfest-------------------------->Matthias Claudius)
    Der Herbst----------------------------->Gustav Sack (1885- 1916)
    Ich wünsche Dir die zärtliche Ungeduld->(Irischer Segenswunsch)
    Die Ballade vom Ritter Kunkel---------->(Heinz Erhardt)
    Träume nur, Seele---------------------->Müller, Clara (1861-1905)
    Singin' in the Rain?
    Pflaumenregen-------------------------->Friedrich Güll
    Stormy Weather.........................>Harold Arlen and Ted Koehler
    Die Ratten----------------------------->Georg Trakl (1887 - 1914)
    Die Vogelscheuche---------------------->Christian Morgenstern (1871 – 1914)
    Mir wird so lyrisch-------------------->Musik: Peer Raben)
    Der Herbst mir jeden Spaß verdirbt----->Gloin alKzar   
    Fülle---------------------------------->Conrad Ferdinand Meyer
    (1825-1898)
    Landschaft----------------------------->Georg Trakl (1887-1914)
    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland----->Fontane, Theodor (1819-1898)
    Der Schnupfen-------------------------->(Morgenstern Christian)
    Es ringt der Regen mit dem Winde------->Friederike Kempner (1836-1901)
    Nachbarn------------------------------->Khalil Gibran (1883-1931)
    Apfelkantate--------------------------->(Matthias Claudius)
    Nebel---------------------------------->Alfred Lichtenstein (1889-1914)
    Verklärter Herbst---------------------->Georg Trakl (1887-1914)
    Der Herbstwind rüttelt die Bäume------->Heinrich Heine (1797-1856)
    Ein irisches Reiselied----------------->???
    Tage wie dieser------------------------>???
    Der Schnee----------------------------->(Joseph von Eichendorff)
    Hexerei-------------------------------->(Johann Wolfgang von Goethe)
    Ich lieb den Herbst-------------------->Iwan S. Turgenjew (1818-1883)
    Die Mühlen----------------------------->Georg Heym (1887-1912)
    Ein Seufzer---------------------------->Friedrich Rückert (1788-1866)
    Rotkehlchen---------------------------->Hermann Lingg
    An eine matte Herbstfliege------------->Franz Grillparzer (1791-1872)
    Herbst--------------------------------->Gerrit Engelke 1890-1918)
    Herbst--------------------------------->Detlev von Liliencron, 1844-1909)
    Herbst--------------------------------->Emanuel Geibel (1815-1884
    Herbst--------------------------------->Heinrich Kämpchen (1847-1912)
    November------------------------------->Herman Hesse
    Ich lieb den Herbst-------------------->Turgenjew, [Turgenjev] Iwan S. (1818-1883
    Ausklang ------------------------------> ?
    November------------------------------->Heinrich Seidel (1842-1906)
    Kartoffellied-------------------------->Matthias Claudius (1740-1815)
    Wein vergoldet jeden Tag--------------->(Bacchus)
    Die Rosen im Garten-------------------->Stadler, Ernst (11.81883-1914)
    Herbsttag------------------------------>Rainer Maria Rilke
    Ich geh mit meiner Laterne------------->?
    Der Herbstwind rüttelt die Bäume------->Heine, Heinrich (1797-1856)
    Schöner Herbst------------------------->Kurt Tucholsky (1890-1935)
    Berliner Herbsturlaub------------------>Kurt Tucholsky (1890-1935)
    Mondnacht------------------------------>Freiherr von Eichendorff
    Herbstklage---------------------------->Nikolaus Lenau (1802-1850)
    And when October goes------------------>Barry Manilow
    Gathering Leaves----------------------->Robert Frost (1874-1963)
    Leuchtend am Himmel-------------------->Reichard Weitbrecht

    (puuh - hoffentlich frisst LEO meine Formatierung nicht)

    Außerdem gab es noch viele Wortbeiträge u.a. zu Rezepten, zum Laternenbasteln, zu ganz außergewöhnlichen Farben, die der Herbst uns schenkte. Einige 'fluffige' Bemerkungen als Vor- oder Nachwort zu den Gedichten.

    #174Verfasser Chaostranslater (459860) 21 Nov. 08, 18:40
     
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