| Kommentar | @Birgila (#62): Meiner Meinung nach ja, eindeutig. Siehe auch Jools' Geschichte in #63. Klar, man kann und sollte sich schon überlegen, was man später mit dem gewählten Studium machen kann, und wenn man dann merkt, dass es für Finno-Ugristen nur einen oder zwei Jobs gibt, vielleicht darüber nachdenken, ob man eine andere Sprache studiert oder ein Nebenfach dazuwählt, das einen weiterbringen kann. Aber sich dann stattdessen ein Fach auszusuchen, das einen nicht interessiert und in dem man sich dann langweilt, bloß, weil dieses Fach bessere Aussichten auf einen Job verspricht, halte ich nicht für sinnvoll. Erstens, weil man in Dingen, für die man sich nicht interessiert, nur selten richtig gut werden kann, so dass man im Zweifel nur mehr schlecht als recht durchs Studium kommt und sich im Anschluß auch nicht gerade die Jobs aussuchen kann, und zweitens, weil ein solches Vorgehen meines Erachtens Streß, Frustration und möglicherweise daraus erwachsende weitere Probleme und Krankheiten fördert (soweit meine amateurpsychologische Sicht der Dinge). So war auch #39 gemeint.
Ich finde aber auch nicht, dass dann der weitere Werdegang in Stein gemeißelt dastehen muss. Mittlerweile gibt es in sehr vielen Bereichen Quereinsteiger, und auch in Deutschland fängt es sich langsam an herumzusprechen, dass man auch in einem anderen als dem zum Studium oder zur Ausbildung "passenden" Beruf gut und erfolgreich sein kann. Viele sind mit 16 oder 18, wenn sie sich entscheiden müssen, zwar in der Lage zu sagen "das interessiert mich" oder "das interessiert mich überhaupt nicht", haben aber noch nicht die Selbsterkenntnis, die Erfahrung und das Selbstbewußtsein, um konkret ihr Führungsqualitäten, ihre kommunikativen Fähigkeiten oder weitere Stärken und Schwächen richtig einschätzen zu können und sagen zu können, welcher Art ihr Job sein soll. Und zumindest zu meiner Zeit wußten am Anfang des Studiums die allerwenigsten, welche Berufsbilder es gibt, die zum Studium passen. Ich hätte zu Beginn meines Studiums auch nicht gedacht, dass ich einmal das machen würde, was ich jetzt mache, schon allein, weil ich gar nicht wusste, dass das geht. Bei uns gab es noch nicht einmal diese Schülerpraktika, die man inzwischen anscheinend routinemäßig macht, so dass ich, bevor ich in den Semesterferien jobbte, nie einen Betrieb von innen gesehen hatte. So ging es einigen meiner Kommiliton(inn)en auch, aber dafür hat man ja auch im Laufe des Studiums Zeit, sich diesbezüglich weiterzubilden, ältere Semester, Assistenten usw. zu fragen, was sie nach ihrem Abschluß machen werden, Kontakte zu knüpfen usw. Und manche meiner ehemaligen Kommilitonen, Chemiker allesamt, fast alle diplomiert und meist auch promoviert (nur wenige haben's vor dem Diplom abgebrochen) sind heute IT-Fachleute, Pharma-Außendienstler oder Versicherungsmakler. In der Forschung arbeiten wohl heute noch die wenigsten. |
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