| Kommentar | Tja, Gibson, ich glaube, dass jede Sprache Vertreter braucht, die als "Betonköpfe, Puristen, Pedanten" und was weiß ich noch ... auf "Althergebrachtes" und auch auf "gute, alte Regeln" pochen, sich dafür "prügeln" (als "altmodisch" bezeichnen - und noch mehr ...) lassen, bloß um die Sprache(n) halbwegs am Leben und verständlich zu erhalten. Gäben wir "Pedanten" jeder Strömung widerstandslos nach, nur weil "das die Mehrheit halt schon so verwendet" oder irgendeine Modeströmung etwas gerade für "cool" erklärt, dann wäre unsere Sprache wohl schon auf "Hey mann, cool, mann, ich tu grad mit dad chatten und er schnallt auch, das (ecce!) du eine voll krasse alte bist"-Niveau angelangt.
Dass die Sprache Veränderungen unterliegt und auch unterliegen soll, ist klar, natürlich und wünschenswert. Dass es auf unterschiedlichen Sprachebenen auch unterschiedliche Auslegungen gibt, ist ebenfalls natürlich. Aber ein gewisses Regelwerk sollte man doch immer zugrunde legen, wenn man nicht in "Sprachanarchie" enden will. Es stellt sich halt die Frage, bis zu welchem Grad man die Veränderungen zulässt und wer diesen "Grad" festlegt. Und auch, in welchem Tempo diese Veränderungen vor sich gehen sollen. Weil eine "Mehrheit" den 2. Konjunktiv nicht mehr verwendet, lassen wir ihn wegfallen? Weil eine "Mehrheit" keinen Genitiv mehr bilden kann, lassen wir ihn kurzerhand sterben? Weil eine Mehrheit die Groß- und Kleinschreibung nicht mehr korrekt beherrscht, lassen wir sie überhaupt entfallen? Weil eine Mehrheit den Deppenapostroph in jedem Satz verwendet, lassen wir ihn auch gelten?
Mag sein, dass ich empfindlicher bin als andere, da ich im Beruf täglich mit dem sichtbaren Verfall der "guten alten deutschen Hochsprache" konfrontiert bin. Da kommen mir Ausdrücke, Schreibweisen und Grammatik"abänderungen" unter, dass man es nicht für möglich hielte ... vielleicht deshalb meine besondere Empfindlichkeit bei diesem Thema ...
Ich vergleiche es mal mit dem Tempolimit von 50 km/h, das auf dem Streckenabschnitt von A nach B besteht. Wenn mich ein Führerscheinneuling fragte, ob es hier erlaubt sei, 60 zu fahren, antwortete ich: "Nein, ist es nicht." Dann kommen welche, die argumentieren: "Aber die Mehrheit hält sich ohnehin nicht dran, also kannst Du getrost auch 60 fahren." Gut - ich fahre vielleicht auch mal 60 km/h, wenn die Sichtverhältnisse und die Umstände es zulassen ("Umgangsfahrweise" ;-)), aber Tatsache ist und bleibt: Es ist nicht korrekt. Der nächste Befragte fährt vielleicht nicht 60, sondern 100, weil er fordert, man solle da überhaupt nicht so kleinlich sein und die Verkehrsregeln viel großzügiger auslegen. Und wieder einer meint, man solle Tempolimits generell abschaffen, weil es gefühlsmäßig jedem freistehen sollte, so zu fahren, wie er es wünscht. Übrig bleiben der arme, ratlose Führerscheinneuling mit seiner Frage "ob es erlaubt sei, hier 60 zu fahren" - und ein Streckenabschnitt A-B, auf dem ein ziemlich verwirrendes (und manchmal auch gefährliches) Durcheinander herrscht.
Und nun lege ich meinen Sicherheitsgurt an, stelle "Tempomat auf 50 km/h" :-) und überlasse die Straße wieder anderen. :-) |
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