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    Sprachlabor

    Sind englische Quelltexte kürzer als deutsche Übersetzungen

    Betrifft

    Sind englische Quelltexte kürzer als deutsche Übersetzungen

    Kommentar
    Meine These:

    Ob der deutsche Text länger oder kürzer als der englische Quelltext ist, hängt nicht primär vom Thema ab, sondern von der Sprachgewalt des Übersetzers, bei Fachtexten auch von dessen Kompetenz. Die Behauptung, deutsche Texte seien grundsätzlich länger, ist jedenfalls eine moderne Legende.

    Ich bin kompetent im Bauwesen, Test daher anhand: http://home.howstuffworks.com/house.htm


    "How House Construction Works

    In the United States, there are more than 100 million housing units, and the majority of them are "single family dwellings," or houses. In cities, in the suburbs and in rural communities, houses are a very common sight.

    Have you ever wondered how a house is built? What holds up the ceilings and the walls? What keeps the rain out? What parts go into making a house? How many different people are involved when a house goes up? If you would like to know the answers to questions like these, or if you have simply been curious to know all the steps that go into making a new home, then read on. In this article, you'll learn exactly how houses are built."

    Word XP:
    Acht Zeilen Haupttext (Arial 11 pt.)
    126 Wörter
    681 Anschläge (5,4/Wort)


    Mein Übersetzungsversuch:


    "Wie Hausbau funktioniert

    In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 100 Millionen Gebäude, wovon die Mehrheit Einfamilienhäuser sind. In Städten, Vororten und Landgemeinden sind Häuser ein alltäglicher Anblick.

    Haben Sie sich je gefragt, wie man ein Haus baut? Was Decken und Wände oben hält? Was den Regen draußen hält? Welche Teile im Haus verbaut werden? Wie viele verschiedene Leute an einem Hausbau beteiligt sind? Wenn Sie die Antworten auf solche Fragen wissen möchten oder einfach interessiert sind, alle Abläufe zu kennen, die zu einem neuen Heim führen, dann lesen Sie weiter. In diesem Artikel werden Sie genau erfahren, wie Häuser gebaut werden."

    Word XP:
    Sieben Zeilen Haupttext (Arial 11 pt.)
    103 Wörter (davon fünf Komposita)
    657 Anschläge (6,4/Wort)


    Bitte korrigiert mich, falls bei der Übersetzung Inhalte unterschlagen oder angefügt oder Bedeutungen verzerrt wurden oder die Sprachebene verfehlt...

    Was sind Eure Erfahrungen mit und Meinungen zu diesem Thema?
    Verfassersmalbop20 Mär. 09, 14:22
    Kommentar
    Bei mir sind die Texte auch immer ungefähr gleichlang. Vieles, was im Englischen ziemlich umständlich ausgedrückt wird, kann man auf Deutsch viel kürzer sagen. Wo die Übersetzungen generell länger sind, liegt es meistens am Übersetzer, der nicht in der Lage ist, sich vom Ausgangstext zu trennen und sklavisch der vorgegebenen Struktur folgt.
    Mangelnde sprachliche Kompetenz - so würde ich das auch sehen.
    #1VerfasserIngrid20 Mär. 09, 14:29
    Kommentar
    huhu smalbop!

    ich habe schon in beiden Richtungen jeweils kürzere oder längere Texte herausbekommen, es hält sich ungefähr die Waage, wobei auf Deutsch meist weniger Worte gebraucht werden, die aber dann länger sind ... geht mir mit Französisch und Spanisch ähnlich, enorme Unterschiede in der Textlänge (mehr als 10-15 %) sind aber sehr selten ... liegt vielleicht auch an der Materie, fast nur IT, gelegentlich fachbedingt auch Finanzsachen ... bei (früheren) sozialwissenschaftlichen Texten kam das eher hin, dass die deutschen Texte länger waren, die Konzepte mussten meist mit erläutert werden ... und diese Übersetzung oben (nur überflogen), nix zu mäkeln ...

    :-)
    #2VerfasserLouisa20 Mär. 09, 14:35
    Kommentar
    Zweisprachige Verträge sind bei mir auf Englisch meist kürzer. (Sofern am Ende steht, dass die deutsche Fassung verbindlich ist... :-))

    Ich habe aber gerade einen EU-Leitfaden aus dem gewerblichen Rechtsschutz, da ist meine deutsche Version deutlich kürzer als das englische Original, das extrem umständlich und redundant ist, richtig schlampig gemacht.
    #3Verfassertigger20 Mär. 09, 14:39
    Kommentar
    Was going to say the same as tigger: often the translation is shorter as it's constructed more efficiently than the original.
    #4VerfasserCM2DD (236324) 20 Mär. 09, 14:43
    Kommentar
    Ich stimme dir hinsichtlich der Kompetenz zu, smallbop. Wenn der Übersetzer im Fachgebiet kompetent ist, wird eine Übersetzung automatisch auch zu einer Art Lektorat des Originals. Wenn der Übersetzer dagegen nicht fachkompetent ist, muss er zur Sicherheit am Originaltext kleben und umständliche, ineffiziente Konstruktionen übernehmen, kann also nicht seine (hoffentlich vorhandene) "Sprachgewalt" ausspielen. Nach meiner Überzeugung ist das mit ein Grund für die schreckliche Sprache von Patentanmeldungen/Patentübersetzungen.
    #5Verfasser Mattes (236368) 20 Mär. 09, 14:48
    Kommentar
    Im Bereich der literarischen Übersetzung ist es anders; da wird eine deutsche Übersetzung meist 15 - 20 % länger als der englische Ausgangstext.
    #6Verfasser MiMo (236780) 20 Mär. 09, 14:54
    Kommentar
    When I'm doing tourist translations they are sometimes longer in English because you need to include both the German names of famlous sights etc. and a translation or an indication of what they are in English. Maybe that's one problem of literary translation; that certain things need more explanation for a foreign audience.
    #7VerfasserCM2DD (236324) 20 Mär. 09, 14:58
    Kommentar
    Ergänzung zu #5 (und #3 und#4): Die deutsche Übersetzung wird also dann nicht länger als das Original, wenn das Original nicht gut geschrieben wurde. Da im Bereich Fachübersetzungen die Originale oft von Technikern, Ingenieuren, Forschern, Anwälten geschrieben werden, die meist eine verglichen mit Übersetzern unterdurchschnittliche Sprachkompetenz besitzen, ist das oft der Fall. Literarische Vorlagen werden dagegen eher von Sprachprofis geschrieben. Das könnte den Unterschied, auf den MiMo hinweist, erklären.
    #8Verfasser Mattes (236368) 20 Mär. 09, 15:02
    Kommentar
    Overall and as a gross generalisation, yes, because German is more long-winded as a language.
    #9VerfasserAlan20 Mär. 09, 15:03
    Kommentar
    "Gross" is a good word :-)
    #10VerfasserCM2DD (236324) 20 Mär. 09, 15:06
    Kommentar
    @ Mattes

    Diese "schreckliche Patentsprache" ist aber immer vorhanden, auch wenn es nichts zu übersetzen gab. Als ich zum erstenmal eine Erfindung gemacht hatte und unserem Patentanwalt die Idee beschrieb, hatte ich anschließend auch Probleme, in seinem Entwurf der Patentschrift noch meine Idee zu erkennen - und das lag nicht daran, dass er sie nicht verstanden gehabt hätte. Aber man gewöhnt sich irgendwann daran, dass das in Patentschriften wohl so sein muss, um den Anspruch so weit wie möglich und so eng wie nötig zu fassen... ;-)
    #11Verfassersmalbop20 Mär. 09, 15:06
    Kommentar
    Remove one M4 bolt.
    Eine M4 Schraube entfernen.

    Deutsch ist länger. q.e.d.
    ;-)
    #12Verfassernja20 Mär. 09, 15:08
    Kommentar
    #12
    geht kürzer: 1 M4 Schraube raus

    :-D
    #13VerfasserLouisa20 Mär. 09, 15:14
    Kommentar
    Das liegt aber nicht an der Sprachkompetenz von (Patent)Anwälten.
    Auch Übersetzern sollte klar sein, dass Anmeldungsunterlagen, Ansprüche etc. immer juristisch einwandfrei formuliert sein müssen, da geht es nicht um Eleganz, sondern um absolute Präzision. Patentansprüche klingen wohl in allen Sprachen völlig absurd und der Laie versteht kein Wort, aber das ist ja nun wirklich ein extrem spezialisiertes Gebiet. (Lustig, dass unter den LEOniden so viele mit gewerblichem Rechtsschutz zu tun haben...)
    #14Verfassertigger20 Mär. 09, 15:14
    Kommentar
    @ CM2DD

    Hier liegt dann aber eine besondere Situation vor: Der englischsprachige Tourist hat vom deutschen kulturellen Kontext eben durchschnittlich weniger Ahnung als der deutschsprachige. Jeder gebildete Deutsche weiß, welche Stadt mit "Elbflorenz" gemeint ist, dem Ausländer wirst Du dieses Synonym in der Regel erklären müssen.

    Deutsche Schüler werden getriezt, aus literarischen Gründen Wiederholungen zu vermeiden, deshalb sind Synonyme zumindest in nichtfachlichen Texten alltäglich. Angelsachsen empfinden derlei als kindisch: In dem eingangs zitierten englischen Text kommt ganz ungezwungen achtmal das Wort "house" vor (und einmal "home"). In meiner Übersetzung kommt siebenmal "Haus/Häuser" und einmal "Heim". Und wenn ich weniger auf Kürze als auf Stil Wert gelegt hätte, hätte ich bestimmt noch einige "Bauwerk", "Bau", "Gebäude" im deutschen Text untergebracht.
    #15Verfassersmalbop20 Mär. 09, 15:19
    Kommentar
    Aber, smalbop (Nr. 15): Mir (als ehemaliger deutscher Schülerin) geht es auch in englischen Texten so, dass ich Wiederholungen zu vermeiden versuche. Ist das nur aufs Triezen zurückzuführen, oder wäre es nicht auch im Englischen "besserer Stil"?

    (Interessante Frage übrigens, auch im Zusammenhang mit dem Kalibrationsfaden! Stimme im Übrigen CM2DDs Aussage in Nr. 4 zu.)
    #16Verfasser virus (343741) 20 Mär. 09, 16:08
    Kommentar
    @ virus

    Ich habe mal einen US-Fachartikel über den Einsturz der Twin Towers gelesen. Natürlich lag es in dem Fall nahe, die Versagensmechanismen einander gegenüberzustellen und Punkt für Punkt erst den einen, dann den anderen Turm zu behandeln, aber dieser Text las sich wie ein schamloses copy-and-paste-Produkt. Das war mir selbst in einem Text ohne jeden literarischen Anspruch zuviel. Ich halte es für ausgeschlossen, etwas vergleichbares in einer deutschen Fachzeitschrift von nationalem Rang vorgesetzt zu bekommen.
    #17Verfassersmalbop20 Mär. 09, 16:45
    Kommentar
    [OT Re #11+14]: Ich gebe euch zu einem gewissen Grade recht, aber ich habe mehrfach erlebt, dass genau diese Argumentation als Ausrede verwendet wurde, um über den beschriebenen Vorgang nicht gründlich nachdenken zu müssen. "Wenn das im Original so verklausuliert steht, wird das wohl einen juristischen Grund haben." Kann sein, muss aber nicht. Wenn ich das Original wirklich verstehe, kann ich auch klarer formulieren als im Original, oder sogar Fehler korrigieren, ohne dass das Dokument dadurch im Geringsten an juristischer Verbindlichkeit verliert.

    Ich finde immer mal wieder Fehler in Patentanmeldungen. Oft sind die fehlerhaften Passagen von früheren, längst angenommenen, Patenten übernommen. Falsche Namen von Präparaten, unsinnige Einheiten, usw. Da fragte zum Beispiel einmal eine Patentübersetzerin in einem Übersetzerforum nach der Bedeutung einer unbekannten Einheit ("UU/mg" oder so, ich finde das Posting nicht mehr), und nachdem nachgewiesen wurde, dass das zu 99,5 % ursprünglich ein OCR-Fehler war, bei dem aus einem "µ" ein "U" wurde, wurde mit der Begründung "ist ein Patent, steht in früheren Patenten auch so" "auf Nummer sicher gegangen" und der Unsinn "UU/mg" einfach übernommen. Wohlgemerkt, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was das erste "U" bedeuten könnte.
    #18Verfasser Mattes (236368) 20 Mär. 09, 17:02
    Kommentar
    @ Mattes: Und was, bitte, wären denn "µU/mg" gewesen ? . . .
    #19VerfasserDaddy . . . (533448) 20 Mär. 09, 19:31
    Kommentar
    #20Verfassersmalbop21 Mär. 09, 05:12
     
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