Werbung - LEO ohne Werbung? LEO Pur
LEO

Sie scheinen einen AdBlocker zu verwenden.

Wollen Sie LEO unterstützen?

Dann deaktivieren Sie AdBlock für LEO, spenden Sie oder nutzen Sie LEO Pur!

 
  •  
  • Übersicht

    Land und Leute

    Dem chinesischen Chef kontra geben

    Betrifft

    Dem chinesischen Chef kontra geben

    Kommentar
    Hallo!

    Seit ein paar Monaten arbeite ich jetzt in einem großen Shanghaier Design Institut als Architekt und bin in der Zeit mit meiner selbständigen Art zu denken immer wieder angeeckt. Problematisch ist auch, daß ich den Chinesen quasi von ihrem deutschen Partner aufgedrückt worden bin, als sein Vertreter in China. Daraus ergibt sich ein heftiger Machtkampf der beiden Chefs, dem Chinesen hier in Shanghai und dem Deutschen zu Hause. Mit der Folge, dass mich der Chinese letzte Woche quasi degradiert hat, vom "Director of Architects" auf der Visitenkarte zum einfachen Zeichner, angeblich, damit ich lerne, wie die Chinesen arbeiten.

    Das kann ich so nicht auf mir sitzen lassen (auch wenn es sich auf das Gehalt nicht auswirkt). Natürlich kann ich auf meinen Arbeitsvertrag verweisen, aber wie mache ich das, ohne den Chef zu verärgern? Ich bin ja nicht zum ersten Mal in China, weiß wie wichtig Hierarchien hier sind, und natürlich muß ich mich auch anpassen. Aber den Auftrag "Von heute an werde ich ein perfekter chinesischer Architekt" will und kann ich nicht erfüllen. Wie bringe ich das dem Chef bei? Oder sollte ich lieber das Weite suchen? Mein deutscher Chef unterstützt mich leider gar nicht.

    Bitte gebt mir ein paar Tips. Ich will nicht alles gleich an den Nagel hängen.
    Danke.
    Verfasser Archinese (610335) 23 Aug. 09, 18:44
    Kommentar
    @ Archinese:

    Ich muß vorweg sagen, daß ich noch nie einen chinesichen Chef hatte, und ich wahrscheinlich in der Einstellung sowieso etwas diplomatischer bin, egal ob der Chef Chinese ist oder nicht.

    Bei solche Sachen, finde ich, soll man immer sachlich bleiben, egal was für eine Nationalität der Chef hat und aus welcher Kulturkreis er kommt.

    Auch wenn du den Titel des "Director of Architects" hast oder hattest in der Firma, aber wenn dein chin. Chef dich "degradiert" hat, und dein deutscher Chef dich da nicht unterstützt, würde ich vorsichtig sein, da du dann keinen "Gefährten" hast.
    An deiner Stelle würde ich um Unterstützung auf höhere Ebene in der Firma suchen und auch sehr selbstkritisch an sich rangehen, ob du selber nicht bei irgendetwas zu weit gegangen warst oder irgendwelche Fehler gemacht hast.

    Ich bin der Ansicht, daß zwar die chin. Kultur sehr auf das Gesicht bedacht ist, ( was ich persönlich auch nicht so gut finde ) und man schon bis zu einer gewissen Grad auch anpassen soll ( diplomatisch ).
    Aber wenn man selber nichts falsch gemacht hat, dann, finde ich, muß man sich auch nichts gefallen lassen.
    Der Tonfall und die Sachlichkeit bei solchen Gesprächen ist natürlich sehr wichtig.

    Ich finde, man soll nicht alles " wie du selbst" sagtest gleich an den Nagel hängen, nur weil irgendeiner einem "dumm ankommt". ( Es ist ja auch meist die anfängliche Frust, die einem zu diese Gedanken führt ! ) Man soll schon Durchhaltevermögen beweisen.
    Aber ehrlich gesagt, zu lang würde ich nicht meine Energie für so etwas verschwenden. Ich bin der Ansicht, daß man lieber in einer Firma arbeiten soll, wo man seine Energie für die Projekte einsetzt und wenn möglichst mit nette Kollegen und Chef, anstatt seine Energie bei solche Machtkämpfe zu vergeuden.

    Aber jeder hat natürlich andere Prioritäten und Ziele ! Viel Glück und Erfolg bei der Sache !!!
    #1Verfasser soldier (313210) 24 Aug. 09, 01:00
    Kommentar
    @ soldier:

    Ja, eben, das "Gesicht". (Da hatten wir neulich einen Schmunzler im Kundengespräch: Dem Kunden reichte die Nutzfläche nicht, also meinte einer der amerikanischen 华侨:“给我面积,给我面子!”, fand ich ganz gut, vor allem Shanghainesisch vernuschelt klingt es fast gleich).

    Andererseits kann es mit meinem "Gesicht" als 老外 eh nicht so toll sein. Ich blieb ruhig, der Chinese ist aus der Haut gefahren und ist über den deutschen Chef hergezogen, der hätte keine Ahnung usw. Ich persönlich wurde nicht angegriffen, aber ich müsse noch "viel lernen". Und das ist, wie ich das sehe, schon eine sehr harsche Kritik. Wobei er recht hat, denn natürlich kenne ich nach 4 Monaten nicht alle Baustandards in China und muss mich auf die Art zu arbeiten noch einstellen. Was aber eben nicht rechtfertigt, mich zum Kopieren von Zeichnungen abzustellen.

    Nein, so schnell gebe ich nicht auf, immerhin wollte ich schon lange in China arbeiten. Und wenn das nicht die richtige Firma ist, woanders werden auch Leute gebraucht.
    #2VerfasserArchinese (上班)24 Aug. 09, 03:34
    Kommentar
    OT:

    Das mit der Fläche muss natürlich heissen:
    “我给你面积,你给我面子。”
    #3VerfasserArchinese (上班)24 Aug. 09, 03:36
    Kommentar
    #1 @Archinese

    ist ganz schwierig, in so ner Sandwich-position zwischen Chinesischen und Deutschen Chefs zu stecken. Nimm es nicht zu persönlich, sachlich bleiben, so wie Soldier vorgeschalgen hat. Ich würde auch "das weite suchen". Aber ich glaube nicht, ehrlich gesagt, dass dasselbe Problem anderswo nicht existiert, denn sowie ich mich an den Docufilm "Vogelnest" erinnern kann, ist der Konflikt zwischen einheimischen Architekbüros und ihren ausländischen Partnern immer vorprogramiert. Vielleicht bin ich zu pessimistisch...

    #4VerfasserCN?DE24 Aug. 09, 12:53
    Kommentar
    In diesem speziellen Fall würde ich jetzt schon aktiv nach anderen Arbeitgebern suchen als mir über den aktuellen noch weitere Gedanken zu machen.

    Egal was du auch machst, du wirst in dem Spiel immer die A...karte haben. Verkaufe dich nicht in diesem oft lächerlichen Kompetenzgerangel der Chinesen unter Wert.

    Es sei denn natürlich, du möchtest deine selbständige Art zu Denken zugunsten deines für dich denkenden Chefs aufgeben.

    Mach dasselbe was dir passiert ist übrigens mal mit einem Chinesen der in Deutschland eingesetzt wird....wenn er nicht schon auf der Stelle vor unterdrückter Wut einfach so platzt, so wird er in Zukunft bestimmt nicht mehr alles für die Firma geben, sofern er noch andere Möglichkeiten hat.

    Warum solltest du es also anders machen? Wer einmal erlebt hat, was richtiger Stress mit seinem chinesischem Chef bedeutet, der weiß, dass er schleunigst nach etwas anderem suchen sollte.
    #5Verfasser Dennis-TW (618080) 25 Aug. 09, 11:36
    Kommentar
    Danke für Eure Unterstützung.

    Ich bin auch schon auf der Suche nach was Neuem, muss aber noch ein Projekt abschliessen (was mir wiederum etwas Luft verschafft).

    Eigentlich finde ich die Vermittlertätigkeit zwischen China und Deutschland ja gerade spannend, setzt aber Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten voraus, was in diesem Fall leider nicht gegeben ist.
    #6VerfasserArchinese (上班)25 Aug. 09, 12:17
    Kommentar
    @ Archinese:

    "Eigentlich finde ich die Vermittlertätigkeit zwischen China und Deutschland ja gerade spannend, setzt aber Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten voraus, was in diesem Fall leider nicht gegeben ist."

    Eben, eben ! Sonst bin auch deine Meinung, dass es sehr spannend wäre. Die Selbstständigkeit beim Denken ist eigentl. das A und O eines guten Angestellten. Jemand, der nur auf Befehl reagiert, ist etwas überholt und ist "selten" gut für eine Firma.
    Da ist was neues Finden auf jeden Fall der bessere Weg.
    #7Verfasser soldier (313210) 25 Aug. 09, 12:30
    Kommentar
    @ Dennis-TW

    "Mach dasselbe was dir passiert ist übrigens mal mit einem Chinesen der in Deutschland eingesetzt wird....wenn er nicht schon auf der Stelle vor unterdrückter Wut einfach so platzt, so wird er in Zukunft bestimmt nicht mehr alles für die Firma geben, sofern er noch andere Möglichkeiten hat."

    Das ist wahr, weil er weiss was der Mobbing-Vorwurf in Deutschland für den Vorgestzten bedeutet, und ein Gericht Arbeitsgericht heisst. Das ist alles anders in Festland China. Arbeinehmerschutz ist so gut wie nichts! Was kann man in so ner grosser Umfeld machen? Ständiges Arbeitgeberwechelsn ist auch keine Lösung. Am besten sich selbstständig machen. Auch dann gibt's Diktator, die Kunden, und die sind keineswegs besser als der alte Chef...
    #8VerfasserCN?DE25 Aug. 09, 13:21
    Kommentar
    @CN?DE

    Oh ja...ich hab da als Freelancer so manche Kunden....

    Aber der Vorteil ist, dass man normalerweise eine ganze Reihe von Kunden hat und man davon dann nur ein Teil an der Pfeife rauchen kann, die anderen sind meistens voll und ganz in Ordnung.

    Als normaler Arbeitnehmer hat man aber weniger Streuung, d.h. man kann nicht mal so eben einen "schlechten" Chef durch mehrere "gute" Chefs aufwiegen.

    Jetzt in Zeiten der Krise allerorten wäre es finanziell vielleicht besser, mich wieder als normaler Angesteller zu verdingen, aber die ein Mal gewonnene Freiheit lässt man so schnell nicht wieder los. ;)
    #9Verfasser Dennis-TW (618080) 25 Aug. 09, 14:21
    Kommentar
    Mich irritiert, daß Dir Dein deutscher Vorgesetzter keinen Rückhalt gibt. Wenn Du die Schnittstelle zwischen Deutschland und China bildest, würde er doch bei einer Kündigung Deinerseits die gesamten Expansionsabsichten Richtung chinesischen Marktes riskieren. Das kann nicht in seinem Interesse sein !
    Außerdem müßte mittlerweile jeder deutsche Unternehmer über die Andersartigkeit in fremden Märkten informiert sein und so eine Niederlassung oder Zusammenarbeit baut man doch nicht in zwei Tagen auf ???
    Daß chinesische Chefs deutsche Expatriates als 'Überwacher' betrachten, kann ich sogar nachvollziehen.
    #10VerfasserEl boludo26 Aug. 09, 11:17
    Kommentar
    Boludo, ich glaube, mein Posting Nr. 6 sagt alles, mehr möchte ich zu der Sache nicht sagen. Nur soviel: ich bin nicht als Aufpasser gekommen, hab mich auch nie so gegeben oder gefühlt. Daß es Vorbehalte gegenüber vor die Nase gesetzten Ausländern gibt, ist klar. Es ging mir nicht darum, diese Sache breitzutreten, sondern ich wollte lieber Tipps im Umgang mit chinesischen Vorgesetzten. Ich war zwar schon öfter in China, hab aber vorher nie hier gearbeitet.

    Nochmal danke für Eure Tipps und Unterstützung. Inzwischen ist die Stimmung auch wieder etwas ruhiger geworden, meine "Degradierung" erscheint mir weniger schlimm (weil ich der Director eh nur auf dem Papier war), in einer ruhigen Minute werde ich das Thema sicher noch einmal mit dem Chef besprechen. Und ich kann die Veränderung mit einer gewissen Ruhe angehen.
    #11VerfasserArchinese (加班)26 Aug. 09, 16:38
    Kommentar
    Viele Chinesische Chefs haben einen anderen Stil von Personalführung. Viele sind launisch, manchmal kindisch, und nehmen kein Blatt vor den Mund. Dass, dein Chef zur dir "noch viel lernen muss" gesagt hat, finde ich schon krass. Sie sind so hemmungslos, weil verbale Ausrutsche von Vorgesetzten nie ein Grund für fristlose Kündigung seite Mitarbeiters darstellen kann. Solche Verhalten finde ich idiotisch, weil sie sich selbst disqualifizieren. Darum schwere Wörte aus dem Mund eines Chinesischen Chefs darfs du nicht gleich gewichten als die aus deinem deutschen Chef. Vielleicht weisst der Chinese nach zwei Tagen selbst nicht mehr, was er gesagt hat. Darum meine ich, dass du es nicht viel zu persönlich nehmen sollst. Irgendwie finde ich es sogar einfacher, mit solchen Chefs umzugehen als die, die immer seine Gedanken verhüllen. Die Lage ist also ernst, aber nicht hoffnungslos :) Heute bin ich wohl zu optimistisch.
    #12VerfasserCN?DE26 Aug. 09, 23:03
    Kommentar
    @ CN?DE

    Oh ja, die ersten Sätze unterschreibe ich sofort, launisch (ja!!!), kindisch (oho!), ich hab ihn ja schon bei anderen Mitarbeitern erlebt, hätte also wissen müssen, was auf mich zukommt.

    Also, ruhig bleiben und ihm durch meine Leistung "Gesicht geben". Außerdem hat er sehr viel unternommen, daß ich mich in Shanghai auf Anhieb wohlfühle: super Wohnung, ein Klavier, Mitgliedskarte in einem edlen Fitnessklub. Da sollte ich mich dankbar zeigen und machen, was er sagt. 哈哈

    Interessanterweise ist das Ergebnis des Ausrasters ganz anders, als es letzte Woche aussah: Meine Kollegen sind aufgewacht und beziehen mich mehr in ihre Arbeit ein, ich bin endlich nicht mehr der "Vorzeige-Ausländer". Und nein, ich kopiere keine PLäne mehr...
    #13Verfasser Archinese (610335) 27 Aug. 09, 02:32
     
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  
 
 
 
 
 ­ automatisch zu ­ ­ umgewandelt