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    Wissen

    Comment
    I. Hat 'wissen' in folgenden Sätzen die Bedeutung von sein?

    'Sie war daran gewöhnt, ihn in der Nähe zu wissen, sich auf ihn zu stützen.'
    'In ihrem langen Leben als tugendsames Mädchen, das sich nicht schön wußte, hatte noch kein Mann eine solche Geste ihr gegenüber gewagt.'

    Übrigens dieses 'wissen' in den o.g. Sätzen hat meines Erachtens ähnliche Funktion wie 'pflegen'.

    II. Kann man sagen 'Du beziehst Deine Inspiration aus diesem Buch', oder klingt besser 'schöpfen' statt 'beziehen'. Würdet ihr ein anderes Wort statt Inspiration benützen?

    Bitte um Erläuterungen auf deutsch!
    Danke
    Authormyrtl25 Aug 09, 14:50
    Comment
    Ich würde die Bedeutung eher als 'im Bewusstsein haben', 'etw. kennen' erklären.
    Satz 1 bedeutet, dass sie sich seiner Anwesenheit immer sicher ist.
    Satz 2 beschreibt, dass sie sich ihrer Schönheit nicht bewusst ist. (Dürfte sich um Gretchen handeln.)
    #1Authortigger25 Aug 09, 14:55
    Comment
    I.
    Hat 'wissen' in folgenden Sätzen die Bedeutung von sein?

    In etwa.

    anders ausgedrückt kann man nämlich sagen : jdn etw wissen = wissen, dass jmd etw ist.
    Deine Variante ist ein wenig poetisch (m.E.)

    Aber wie pflegen ? Das passt überhaupt gar nicht. Zwei völlig verschiedene Wörter.

    II. Den Satz kannst du verwenden, schöpfen hört sich m.E. besser an, dies bleibt aber dir überlassen. Inspiration ist okay. Du könntest auch Anregung benutzen.
    #2Authornick92 (511654) 25 Aug 09, 14:57
    Comment
    In beiden Beispielsätzen bedeutet die Verwendung von 'wissen' als Verb ein gehobenes Deutsch.

    Im ersten Satz >>'Sie war daran gewöhnt, ihn in der Nähe zu wissen, sich auf ihn zu stützen.'<< kann man 'wissen' ersetzen durch 'haben' (was den Satz *natürlicher* und *üblicher* klingen lässt).<br/>
    Im zweiten Satz >>'In ihrem langen Leben als tugendsames Mädchen, das sich nicht schön wußte, hatte noch kein Mann eine solche Geste ihr gegenüber gewagt.'<< kann man 'wissen' ersetzen durch 'finden/empfinden' - was den Satz ebenfalls *alltagsüblicher* macht.<br/>
    Zu deinem Punkt II: Ohne weiteren Kontext zu kennen, wage ich die Behauptung aufzustellen, dass sowohl 'Inspiration ziehen aus' als auch 'Inspiration schöpfen aus' im Deutschen möglich ist. Eventuell wäre es aber *natürlicher*, wenn man 'dieses Buch inspiriert dich/mich' sagt. Ob anstelle von 'Inspiration' ein anderes Wort besser wäre, weiß ich nicht.
    #3AuthorRiKo25 Aug 09, 15:01
    Comment
    I. Nicht wirklich. M.E. heißt 'wissen' hier 'to know', 'to be aware of'
    She was used to knowing him near, relying on him.
    In her long life ...the girl, fancying herself unattractive, ...

    II. Beziehen wäre mir zu kommerziell (ich beziehe meine Bücher übers Internet)
    Inspiration schöpfen würde ich in zweierlei kontext
    a: mit dem Wort Quelle
    b: Kraft und Inspiration schöpfen
    Allein würde ich bei Inspiration ziehen nehmen
    #4Authorwor (335727) 25 Aug 09, 15:02
    Comment
    wor, 'das Mädchen, das sich nicht schön wusste' bedeutet m.E. nicht das Gegenteil, 'fancying herself unattractive'.
    Es dürfte vielmehr gemeint sein, dass das Mädchen einfach mit dem Konzept Schönheit nichts anzufangen wusste, weil es so naiv/tugendhaft war. Nur die anderen sehen, wie schön es ist.
    #5Authortigger25 Aug 09, 15:22
    Comment
    Es kommt auf die Betonung an
    Sie wusste sich nicht schön - Sie bemerkte nicht, dass sie schön ist.
    Sie wusste sich nicht schön - Sie war in ihren eigenen Augen nicht schön.
    #6Authornick92 (511654) 25 Aug 09, 15:30
    Comment
    @tigger
    Du hast sicher recht. Ich habe mir den Satz noch ein paar mal vorgelesen. Ich hatte 'nicht' auf 'schön' bezogen statt auf wissen, würde das selbst aber so nicht wirklich sagen.
    #7Authorwor (335727) 25 Aug 09, 15:31
    Comment
    Ich habe den Satz spontan wie wie #4 aufgefasst:

    Sie wusste, dass sie nicht schön war.

    Sie weiß, dass er in der Nähe ist.


    Ich versuche herauszufinden, ob man das Nicht-Bewusstein des Sachverhalts überhaupt thematisieren würde:


    Sie wusste ihn nicht in der Nähe = Sie wusste, dass er nicht in der Nähe ist.

    #8Authordagmar25 Aug 09, 16:30
    Comment
    "Sie wusste ihn nicht in der Nähe" halte ich für zweideutig: Meinem Gefühl nach kann das sowohl bedeuten, dass ihr seine Abwesenheit bekann war, als auch, dass ihr seine Anwesenheit nicht bewusst war.

    Beim Mädchen, das 'sich nicht schön wusste' bin ich aber schon aus dem Gretchen-Zusammenhang heraus sicher, dass es sich um das Nichtbewusstsein der tatsächlich objektiv vorhandenen Schönheit handelt. :-)
    #9Authortigger25 Aug 09, 16:46
    Comment
    Die Diskussion um diese Interpretation zeigt einen typischer Fall von Männerdiskriminierung in der heutigen Gesellschaft (ja sogar durch uns Männer!!!):
    Im gesicherten Wissen, dass wir selbst, ohne Anschauen der Person, die Inneren Werte der jungen Frau erkannt hätten, eine Beziehung somit ungeachtet ihres äußeren Erscheinungsbildes hergestellt hätten, gingen wir dennoch ganz selbstverständlich davon aus, dass die Anderen - uns selbst war die junge Dame ja nicht begegnet - in ihrer stereotypen Oberflächlichkeit, natürlich allein des Mädchens körperliche Reize erlegen wären und mussten folgerichtig aus ihrem Beziehungsstand mangelnde Schönheit konstatieren.

    Ich ziehe jedenfalls die Konsequenzen, werde in mich gehen, meditativ meine Mitte suchen, mich zentrieren und zusehen, dass eine solch peinliche Fehlleistung nicht wieder vorkommt.
    #10Authorwor (335727) 26 Aug 09, 12:22
    Comment
    wor, genug der Selbstgeißelung! :-)

    Ohne Kontext (schließlich sehe ich nirgends, worauf tigger die Vermutung, daß es sich um Gretchen handelt, stützt) sind beide Lesarten möglich:
    a) das Mädchen, das sich nicht schön wußte = das ein Wissen von seinem nicht-schön-Sein besaß
    b) das Mädchen, das sich nicht schön wußte = das kein Wissen von seinem Schönsein besaß

    Beide Lesarten sind nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll:
    Das Mädchen in a) erfährt die Aufmerksamkeit des Mannes als außergewöhnlich und im Widerspruch zu seiner Erscheinung stehend, weil nicht zu seinem Nicht-Schönsein (bzw. dem Wissen davon) passend, dasjenige in b) kann sich die Aufmerksamkeit überhaupt nicht erklären, denn es weiß nicht, daß andere es überhaupt für schön halten könnten.
    Die Qualifikation 'tugendsam' allein reicht für meine Begriffe zur Entscheidung dieser Frage nicht aus.

    Zu myrtls Anschlußfrage: 'wissen' kann in manch einem Kontext auch die Funktion eines Modalverbs einnehmen, z. B.: ich weiß mir zu helfen = ich kann mir helfen. Insofern ist es parallel zum ebenfalls modal verwendbaren 'pflegen', natürlich nicht, was die Bedeutung angeht (können vs. ständig/gewohnt sein zu tun).
    #11AuthorPeter <de> (236455) 26 Aug 09, 14:23
    Comment
    Ob der Bildbarkeit beider Varianten hatte ich nie Zweifel.
    Dennoch würde ich für a) wenn, dann:
    ..., die sich unschön wußte
    ..., die sich nicht die Schönste wußte
    nehmen.
    Keine Bedenken hätte ich gegen :
    Sie wußte sie war nicht schön. etc.
    Aber im - wie hier - vorangestellten Fall finde ich die Klammerung (nicht schön) unschön.
    Weiterhin würde im gegebenen Kontext das 'gewagt' nur in einer sehr hässlichen Weise zur Interpretation a) passen.
    #12Authorwor (335727) 26 Aug 09, 15:36
    Comment
    Ach, Peter, mir drängt sich einfach "Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn" so auf. :-)
    #13Authortigger26 Aug 09, 22:18
    Comment
    tigger, ich sage ja gar nicht, daß Du Unrecht hast, ich wollte nur darauf hinweisen, daß wir nix Genaues nicht wissen ;-)

    Übrigens kennst Du die Mangersche Version?
    "Sie, da Gretelein, dat is villaich' aine! Wie der Faust die dat easte Ma' anhaut, sacht die doch glatt: 'Bin kein Frollein, bin auch nich' schön, kann unbeklaidet nach Hause gehn.' Nee, soo 'n Ööösken!!"
    #14AuthorPeter <de> (236455) 26 Aug 09, 23:00
     
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