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  • Betrifft

    zeitnah

    Kommentar
    Eine ganz kurze Anfrage: wie steigert man das Adjektiv "zeitnah" - zeitnaher oder zeitnäher?

    (Konkretes Bsp.: Dabei ist das Interesse der Privaten umso größer, je sicherer und zeitnaher die Durchführung des Projektes ist.)

    Ich tendiere zu "zeitnäher", bin mir aber nicht ganz sicher.

    Danke für Hinweise.
    VerfasserTraube04 Mär. 05, 10:36
    Kommentar
    Ich würde die gleiche Komparation wie bei "nah" verwenden.

    Martin
    #1VerfasserMartin Stenzer04 Mär. 05, 10:39
    Kommentar
    Ich würde das Wort gar nicht verwenden. Meistens bedeutet es einfach nur "schnell".
    #2VerfasserKarsten (FR)04 Mär. 05, 10:40
    Kommentar
    Also zumindest ich verwende "zeitnah" nicht für "schnell". Wenn, dann eher für "sofort" oder "möglichst bald". ;-)

    Martin
    #3VerfasserMartin Stenzer04 Mär. 05, 10:43
    Kommentar
    @Martin: Danke, aber leider bin ich nicht in der komfortablen Position, den Begriff zu ändern, denn ich muss einen vorgegebenen Text redigieren.

    Ansonsten denke ich auch, dass zeitnah und schnell nicht in jedem Fall synonym verwendet werden können, in diesem Fall wäre die "schnellere Durchführung des Projekts" ja doch etwas anderes als die "zeitnahere Durchführung". Denn zeitnah bezieht sich mE auf den gegenwärtigen Zeitpunkt, während schnell nur den absoluten Zeitraum beschreibt.
    #4VerfasserTraube04 Mär. 05, 10:54
    Kommentar
    Ich würde unbedingt "zeitnaher" gebrauchen, nicht den Umlaut.
    #5Verfassernovember04 Mär. 05, 10:56
    Kommentar
    Sorry, ich meinte @Karsten (FR), denn Martin war ja meiner Meinung.

    Warum "zeitnaher", November?
    #6VerfasserTraube04 Mär. 05, 11:00
    Kommentar
    Ich würde auch zeitnaher (also ohne Umlaut) schreiben.
    Grammatikalisch begründen kann ich das allerdings nicht :-(
    #7VerfasserSimsala04 Mär. 05, 11:06
    Kommentar
    Laut Brockhaus Deutsches Wörterbuch bedeutet *zeitnah/zeitnahe* "gegenwartsnah (u. zeitkritisch)". Da das zugehörige Substantiv "Zeitnähe" ist, dürfte der Komparativ "zeitnäher" sein.

    Im übrigen benutze ich das Wort "zeitnah" fast nicht, denn die Bedeutung, in der es neuerdings meist verwendet wird, ist m.M.n. durch "bald/baldig" gut abgedeckt.
    #8VerfasserMiMo04 Mär. 05, 11:11
    Kommentar
    Da es "nah, näher, am nächsten" muss die Komparation von "zeitnah" identisch verlaufen.

    Ergo: zeitnah, zeitnäher, am zeitnächsten (obwohl es zugegeben etwas merkwürdig klingt/aussieht)

    Martin
    #9VerfasserMartin Stenzer04 Mär. 05, 11:12
    Kommentar
    Beides ist möglich, weil man
    1) davon ausgehen kann, dass "zeitnahe" eine Ableitung von "nahe" ist und daher wie das Ausgangswort gesteigert werden muss oder
    2) weil man das Wort genausogut als eigenständig ansehen und regelmäßig steigern kann.
    Hält man sich an die üblichen Vorgänge der Rechtschreibreform, die bei orthographischen Überlegungen Wörter eher nicht in ihre Bestandteile zerlegt, wäre sogar 2) passender.
    #10Verfassertigger04 Mär. 05, 11:49
    Kommentar
    hm... dann wäre die Komparation in der Tat "zeitnahe, zeitnaher, am zeitnahesten"... aber Traube fragte ja nach "zeitnah" und nicht nach "zeitnahe"... :-P

    Martin
    #11VerfasserMartin Stenzer04 Mär. 05, 11:54
    Kommentar
    Sorry Tigger, aber das ist "wischi-waschi". Die Begründung von Martin (Steigerung entsprechend dem Wortstamm "nahe" wie bei "schwach"/"schwächer", vgl. "leistungsschwächer") leuchtet ein. Was heißt denn, das Wort ist "eigenständig"? Ist eigenständig irgendeine grammatikalische Kategorie?

    Mir leuchtet "zeitnäher" ein und bis zum Beweis des Gegenteils werde ich es fortan also auch verwenden.

    Danke für Euren "Input"!!
    #12VerfasserTraube04 Mär. 05, 11:57
    Kommentar
    Es geht sicher beides. Such dir eins aus. In vielen Regelungen der alten wie der neuen Rechtschreibung inkl. Grammatik gibt es mehrere Möglichkeiten. Sprache ist halt nicht logisch von vorn bis hinten. (Physik auch nicht.)
    #13Verfassertigger04 Mär. 05, 12:05
    Kommentar
    Jede Steigerung von "zeitnah" klingt merkwürdig. Warum soll "zeitnah" denn auch überhaupt steigerbar sein? Nur weil "nah" und "nahe" steigerbar sind? "Blitzschnell" lässt sich auch nicht steigern ...

    Der Beispielsatz von Traube ist schlechtes Deutsch, und zwei Pünktchen über dem "a" ändern das nicht.
    #14Verfassertaciturn06 Mär. 05, 02:33
    Kommentar
    Laut canoo.net geht alles: http://www.canoo.net/services/Controller?disp...

    Ich würde aber "zeitnäher" wählen. "Zeitnaher" klingt komisch.
    #15VerfasserSophil06 Mär. 05, 20:28
    Kommentar
    "(Konkretes Bsp.: Dabei ist das Interesse der Privaten umso größer, je sicherer und zeitnaher die Durchführung des Projektes ist.)"

    @taciturn Wie waere dann aber der o.g. Satz zu formulieren, wenn es tatsaechlich keine Steigerungsform fuer "zeitnah" gibt?
    #16VerfasserChristiane07 Mär. 05, 00:54
    Kommentar
    @ Christiane: Dazu müsste ich erst wissen, in welchem Sinne "zeitnah" im Beispielsatz verwendet wird. Eventuell bieten sich folgende Umformulierungen an: "... je sicherer und frühzeitiger die Durchführung des Projekts ist", "... je sicherer und frühzeitiger das Projekt durchgeführt wird" (besser).

    Übrigens habe ich nicht behauptet, dass "zeitnah" nicht gesteigert werden kann, ich habe nur die bis dahin stillschweigend akzeptierte Prämisse, dass es eine Steigerung gibt, in Frage gestellt. Es gibt einige zusammengesetzte Adjektive, die nicht steigerbar sind: "blitzschnell", "blutjung", "steinalt" ...
    #17Verfassertaciturn07 Mär. 05, 20:02
    Kommentar
    @taciturn:

    Worin liegt denn der Unterschied zwischen dem Infragestellen dieser Prämisse und der Negation der Möglichkeit, das Verb zu steigern? Du BEZWEIFELST also, dass man "zeitnah" steigern kann.

    Die Analogie zu "blitzschnell"/"blutjung"/"steinalt" geht fehl, denn dies sind Adjektive, bei denen die erste Silbe bereits die maximale Steigerung des Wortstamms verdeutlichen sollen ("schnell wie der Blitz").

    "Zeitnah" fällt nicht in diese Kategorie. Die Steigerung ist auch nicht sachlogisch ausgeschlossen, denn ein Ereignis, das am 1. Juli stattfinden soll, ist weniger zeitnah als ein Ereignis, das am 1. April stattfindet.
    #18VerfasserTraube07 Mär. 05, 20:12
    Kommentar
    @ Traube: "[E]in Ereignis, das am 1. Juli stattfinden soll, ist weniger zeitnah als ein Ereignis, das am 1. April stattfindet" -- Das kommt wohl auf den Bezugspunkt an.

    Beispiel:
    "Die Hauptversammlung und die Aufsichtsratsitzung sollen möglichst zeitnah stattfinden." Wenn nun die Aufsichtsratsitzung am 1. August stattfindet, dann wäre die Hauptversammlung am 1. Juli in größerer zeitlicher Nähe (*zeitnäher) zur Aufsichtsratsitzung als die am 1. April.

    Oder benutzt Du "zeitnah" im Sinne von "früh", "bald", "baldig"?
    #19Verfassertaciturn07 Mär. 05, 20:57
    Kommentar
    @Taciturn: Danke, wir kommen dem Kern der Sache näher.

    Zeitnah kann meiner Meinung (ich lasse mich gern eines Besseren belehren) grundsätzlich verschiedene Bezugspunkte haben:

    1. Bezugspunkt: Die Gegenwart (Jetzt). Beispiel: "Die Besprechung sollte möglichst zeitnah stattfinden". Dann wird "zeitnah" synonym für "bald"/"rasch" verwendet.

    2. Bezugspunkt: Ein anderes Ereignis. Beispiel: Deine Hauptversammlung: "Die Hauptversammlung und die Aufsichtsratssitzung sollen zeitnah stattfinden". Hier wird zeitnah im Sinne von "in zeitlicher Nähe" (zu einem anderen Ereignis) verwendet.


    Fraglich ist nun, ob es stimmt, dass "zeitnah" im Sinne der ersten Variante überhaupt im Deutschen benutzt werden kann. Dies unterstellt der Verfasser des von mir zitierten (Ursprungs-)Beispiels. In diesem Sinne verwenden es auch viele Menschen, denen "bald" zu umgangssprachlich klingt. Interessant scheint mir, dass das vermeintliche Synonym "bald" ein Adverb ist, also nicht gesteigert werden kann. Das spräche dafür, dass die erste Variante im Deutschen gar nicht existiert, sondern "zeitnah" nur im Sinne der zweiten Variante verwendet werden kann. Womit Du also Recht hättest.


    #20VerfasserTraube07 Mär. 05, 21:20
    Kommentar
    @ Traube

    Ich höre es auch immer öfter, dass Leute "zeitnah" im Sinne von "bald" oder "baldig" verwenden. Zeitnah werden wir zwei neue Bedeutungen von "zeitnah" bestimmt auch im Duden lesen ;-) Und damit wird diese Verwendung von höchster Stelle abgesegnet sein. Mehr weiß ich nicht dazu zu sagen, ob man "zeitnah" im Sinne von "bald" oder "baldig" verwenden kann. Ich tue es nicht.

    Als ich vor zwei Tagen schrieb, dass ich das von Dir eingangs zitierte Beispiel für schlechtes Deutsch hielt, gingen mir folgende Gedanken durch den Kopf, hier einmal geordnet:

    (1) Ich persönlich verwende das Wort nur selten und dann ausschließlich im Sinne von "in zeitlicher Nähe", d.h. es müssen immer mindestens zwei Ereignisse erwähnt werden. (Es ist m.E. dann ein recht praktisches Wort, wenn die wichtige zeitliche Beziehung zwischen den Ereignissen über deren zeitliche Nähe nicht hinausgeht oder es sich nicht feststellen lässt, welches dem bzw. den anderen vorausgeht; sonst bevorzuge ich konkretere Konstruktionen mit "kurz (da)vor" oder "kurz (da)nach" o.ä.)

    (2) Da nur von der Durchführung des Projektes die Rede war, fehlte mir die Nennung des anderen Ereignisses oder der anderen Ereignisse, zu der die Durchführung des Projektes in größere zeitliche Nähe gerückt werden sollte.

    Fortsetzung folgt ...
    #21Verfassertaciturn08 Mär. 05, 02:35
    Kommentar
    ...

    (3) Ergo: Schon wieder verwendet jemand "zeitnah" im Sinne von "baldig". Und jetzt auch noch im Komparativ! Das wird ja immer schlimmer!

    (4) Die sprachlichen Intuitionen kompetenter Muttersprachler gingen auseinander. Die einen bevorzugten "zeitnäher", die anderen "zeitnaher". Da mir beides merkwürdig vorkam, fragte ich mich: Warum fragt eigentlich niemand, ob man den Komparativ überhaupt bilden kann? Das ist schließlich keine Selbstverständlichkeit. Und so fragte ich selbst: "Warum soll 'zeitnah' denn überhaupt steigerbar sein?"

    Mittlerweile glaube ich aber, dass diese Frage ein Fall von "barking up the wrong tree" war. Es ist die Verwendung von "zeitnah" im Sinne von "baldig", die mich letztlich stört. Den folgenden Satz fände ich nämlich akzeptabel, wenn auch nicht hübsch:

    Ein Geschäftsmann zu seinem Kollegen: "Die Hauptversammlung soll schon vier Wochen vor der Aufsichtsratssitzung stattfinden; ich meine aber, die beiden müssten zeitnäher angesetzt werden."

    In diesem Beispiel haben wir "zeitnäher" übrigens als gesteigertes Adverb.

    P.S.: Demnächst unter neuem Nick: verbose
    #22Verfassertaciturn08 Mär. 05, 02:36
    Kommentar
    @Taciturn/verbose: "Selbst" der Kanzler verwendet das Wort in diesem Sinne: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1...

    Was natürlich gar nichts bedeutet. Ich denke allerdings, dass "zeitnah" tatsächlich nicht steigerbar ist, wenn es - wie in den allermeisten Fällen - adverbial verwendet wird.
    #23VerfasserTraube08 Mär. 05, 11:33
    Kommentar
    "selbst der Kanzler"

    HAHAHAHAHAHAHA HAHAHAHA. HA.
    #24Verfassergroggy13 Mär. 05, 11:09
    Kommentar
    Die Diskussion um Steigerung oder nicht ist müßig, denn "zeitnah" ist so oder so blanker Unsinn, da Zeit nichts ist, dem man nah oder fern stehen kann, wenn schon, dann müsste man

    "terminnah"

    sagen, und wenn man so einen Ausdruck verwendet, dann will man nicht konkret werden (Tage, Wochen etc.), und wenn man nicht konkret werden will, ist "näher" überflüssiger, weil es genauso schwammig ist wie "nah"!
    #25VerfasserAnalyser10 Jan. 08, 16:20
    Kommentar
    @Analyser: Erst denken, dann quatschen (oder Nick ändern).

    Aktuelles Beispiel der Verwendung: "Die Labore sind überlastet. Die Proben von an Influenza Gestorbenen werden zeitnäher auf die neue Virusvariante getestet als die Proben von bereits wieder gesunden Patienten."

    Kontext: Irreführende Darstellung kumulativer Fallzahlen versus Zeitpunkt der Meldung durch die WHO (statt Zeitpunkt der Erkrankung).

    - "Zeitnah" ist hier offenbar passender als "terminnah", "bald" oder "schnell".

    - Der Komparativ ist hier nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig.

    - Der von Taciturn/verbose vermisste zweite Zeitpunkt ist hier - implizit, aber offensichtlich - der Zeitpunkt der jeweiligen Probenahme.

    - Die Verwendung ist hier tatsächlich adverbial, im Ggs. zum Bsp. von Taciturn/verbose (da geht es nicht um ein baldiges Ansetzen, sondern um eine Eigenschaft der Termine - die sollen zeitlich nahe beieinander liegen).
    #26Verfasserrainald62 (287269) 15 Mai 09, 12:30
     
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