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    Sprachlabor

    Falsches Deutsch im öffentlichen Raum

    Betrifft

    Falsches Deutsch im öffentlichen Raum

    Kommentar
    Heute fiel mir mal wieder auf, wie viele falsche Deutsch-Konstruktionen im öffentlichen Raum verwendet werden

    ZB

    "In diesem Bahnhof besteht Rauchverbot".
    "Der Zug fährt ab aus Gleis 2".
    (im Parkhaus): IHr Ticket wird produziert etc.

    Wer kennt mehr?
    VerfasserDennis14 Apr. 05, 17:53
    Kommentar
    Über die Abfahrt von Zügen "aus" einem Gleis könnte ich mich regelmäßig aufregen. Wer hat sich nur diese Ansage auf Bahnsteigen ausgedacht? Für mich fährt ein Zug immernoch "von" Gleis xy.
    #1VerfasserKarsten (FR)15 Apr. 05, 08:41
    Kommentar
    Bei der Berichterstattung über den Papst war immer wieder von den "104 Auslandreisen des toten Papstes" die Rede....

    Ich hab mich immer gefragt, warum sie die Leiche noch so durch die Gegend schicken...

    Das war in den letzen Tagen mein persönlicher Aufreger ;-)
    #2VerfasserSimsala15 Apr. 05, 08:44
    Kommentar
    @Dennis:

    Was ist an "Ihr Ticket wird produziert" falsch? Klar, schöner wäre vielleicht "erstellt, gedruckt" oder so...

    Ich musste irgendwann feststellen, dass ich jahrelang "der Schmalz" (also ich meine das Schmalz zum Essen) gesagt habe, weil ich das beim damaligen Stammmetzger immer so gehört und gelesen habe. Ich habe mir das also als Kind/Jugendlicher angeeignet und erst als Erwachsener wurde ich mir dessen bewusst... :-/
    #3VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 08:48
    Kommentar
    "In diesem Bahnhof besteht Rauchverbot"

    Was ist denn daran falsch? Ich nehme mal als Ausrede, dass ich Ausländer bin ;)

    #4Verfasserathos15 Apr. 05, 09:02
    Kommentar
    "besteht" passt irgendwie nicht zum Verbot. Eigentlich "herrschen" Verbote, aber das war ihnen vielleicht zu radikal.
    #5Verfassertigger15 Apr. 05, 09:07
    Kommentar
    ok danke tigger!
    Dachte es könnte daran liegen, war mir aber nicht sicher...

    Naja man lernt nie aus! :)
    #6Verfasserathos15 Apr. 05, 09:14
    Kommentar
    Was ist an "Ihr Ticket wird produziert" falsch?

    Nun, mit dieser Formulierung werden Englischsprachige und erst recht Deutschsprachige im Unklaren gelassen, ob sie eine Strafverfügung erhalten("ticket" = Strafzettel") oder aber eine Eintrittskarte. Verwirrend ist es ferner, wenn einem mitgeteilt wird, dass Belege dieser Art in Produktion gegangen sind. Wo werden sie denn produziert und wann werden sie wohin geliefert?

    Wenn sich die verantwortlichen Herrschaften einen Augenblick in die Lages des Parkhausbenutzters versetzt hätten, dann wäre ihnen vielleicht die Idee gekommen, dass "Ihre Eingabe wird bearbeitet" die richtige Formulierung wäre.
    #7VerfasserSevall15 Apr. 05, 09:24
    Kommentar
    @Sevall: also ich bezweifle ernsthaft, dass Deutschsprachige "im Unklaren gelassen werden, ob sie eine Strafverfügung erhalten("ticket" = Strafzettel") - denn nicht überall in unserer Republik ist "Ticket" auch eine Bezeichnung für den Strafzettel. Hier im RM-Gebiet heißt das Ding u.a. "Knollen". Ticket ist hier absolut unüblich.

    Außerdem sagt man ja auch Parkticket... von daher finde ich, ist es eindeutig, was für ein Ticket da produziert wird.

    "Wo werden sie denn produziert und wann werden sie wohin geliefert?"

    Das ist ja wohl etwas spitzfindig, oder? Wenn ich mein Parkticket ziehe (je nachdem wie das jeweilige System funktioniert), wird doch irgendwas beschrieben/ausgedruckt/was-auch-immer und kommt da irgendwo aus dem Automaten heraus... damit ist denn auch die Frage geklärt, wo es produziert und wohin es "geliefert" wurde.


    #8VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 09:30
    Kommentar
    Viel schöner ist doch:
    Ihr Parkschein wird erstellt. Ganz easy, aber hallo.
    #9VerfasserSleipnir15 Apr. 05, 09:34
    Kommentar
    @Karsten: das geht mir auch so. Ich fahr leider so oft Zug und muß mich deshalb häufig ärgern. Aber es stört nur wenige Leute. Bei LEO haben wir vor geraumer Zeit schon mal darüber gesprochen. Meiner Meinung nach kann ein Zug auch nur "auf" oder "von" einem Gleis ein-/abfahren oder allenfalls "am" Bahnsteig.

    Schön finde ich immer die Unterwegsbahnhöfe oder stattgehabte Veranstaltungen.
    #10VerfasserSelima15 Apr. 05, 09:35
    Kommentar
    @Sleipnir: ja, das ist wirklich schön! Aber das andere besagt im Grunde nichts anderes, abgesehen von der Tatsache, dass ein in D gebräuchlicher Anglizismus (Ticket) anstatt "Parkschein" und ein hochtrabendes Synonym für "erstellen" (produzieren) verwendet wurde...

    Und daher frage ich mich immer noch: was ist daran falsches Deutsch?

    Bei den anderen Beispielen war es ja klar... der Zug fährt ab aus Gleis X - *lol* ;-)
    #11VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 09:37
    Kommentar
    Wieso soll ein Verbot nicht bestehen können?
    Mangelnde Idiomatik kann es nicht sein. In Google finde ich 306 Treffer für "besteht das Verbot" und nur 6 für "herrscht das Verbot".

    Das "Gleis 8" ist aus Sicht der Bahnhofsorganisation ein Bereich, in dem Züge halten. In diesem Sinne endet das Gleis mit dem Bahnsteig. Da die Züge in diesen Bereich ein- und wieder aus ihm ausfahren, ist die Präposition nicht ganz falsch.

    "Das Ticket wird produziert." finde ich hingegen auch etwas kurios. bei "produzieren" denke ich an eine Fabrik. "Erstellt" wäre hier wohl das passendere Wort gewesen.
    #12VerfasserSophil15 Apr. 05, 09:38
    Kommentar
    Wörterbuch der deutschen Sprache

    pro|du|zie|ren [V.3, hat produziert] I [mit Akk.] 1 hervorbringen, erzeugen, herstellen; Waren p.; dieser Betrieb produziert Kleidung 2 [oft iron.] zustande bringen; einen Reinfall p.; er hat eine Fünf in Latein produziert II [refl.] sich p. seine Fähigkeiten zur Schau stellen, etwas vormachen, was man kann; sie produziert sich gern [<lat. producere ”auf den Markt bringen, zum Verkauf vorführen“, eigtl. ”vor–, hervorführen“]

    #13VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 09:43
    Kommentar
    Die Konnotation "Ticket" -- "Parkschein" ist für mich viel stärker als die "Ticket" -- "Knöllchen". Daher kommt die Bezeichnung "Ticket" für ein Knöllchen doch wohl auch: eine ironische Bezeichnung für einen Parkschein.
    #14VerfasserSophil15 Apr. 05, 09:44
    Kommentar
    Tja, Martin, man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, dass alles was jemand von sich gibt, der in einem deutschsprachigen Land lebt, richtig ist und dass es nicht darauf ankommt, den treffendsten Ausdruck zu suchen, damit man sofort verstanden wird. Ist doch das Problem der anderen, wenn sie den Anglizismus ticket nicht oder falsch verstehen. Parkschein und Eintrittskarte sind doch beides bloß Zettel, warum sollte man die auseinanderhalten, nicht wahr?
    #15VerfasserSevall15 Apr. 05, 09:44
    Kommentar
    @Dennis/Tigger: "In diesem Bahnhof besteht Rauchverbot" ist korrektes Amtsdeutsch. "Es besteht ein Verbot" ist bei Behörden ebenso gängig wie "Es bestehen keine Fahndungsnotierungen über diese Person".

    "Es herrscht Rauchverbot" ist hingegen Umgangssprache. Achtung: die Formulierung ist immer "es herrscht/besteht" und niemals "Rauchverbot herrscht/besteht"!
    #16VerfasserFlorentina15 Apr. 05, 09:53
    Kommentar
    @Sevall:

    "Parkschein und Eintrittskarte sind doch beides bloß Zettel, warum sollte man die auseinanderhalten, nicht wahr?"

    Der Strafzettel ist ja auch nur ein Zettel und eignet sich besonders gut zum wegwerfen ;-) ... aber mal ernsthaft: wenn ich ein Ticket an einem Automaten erstellt bekomme, sollte mir klar sein, dass es sich dabei nicht um einen Strafzettel handelt, selbst wenn ich aus einer Region komme, in der die Bezeichnung "Ticket" für Strafzettel üblich ist.
    #17VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 09:58
    Kommentar
    Sophil: Google ist kein hinreichender Beweis für korrektes Deutsch, es kann nur für die tatsächliche Verwendung herangezogen werden - was ja auch ganz nützlich ist, aber gerade nicht zur Debatte steht. ;)
    Und jetzt gleich der Totalwiderspruch:
    Echt, Florentina, ist so? Steht das im Duden? Soll mir auch Recht sein, nach meinem Gefühl herrschen Verbote halt eher als bestehen.
    #18Verfassertigger15 Apr. 05, 09:59
    Kommentar
    tigger: Auch der Duden ist nach deiner Logik kein hinreichender Beweis für korrektes Deutsch, denn er gibt nur den tatsächlichen Sprachgebrauch wieder. Wenn Du in Zweifel ziehst, dass "es besteht" von Ämtern und Behörden laufend verwendet wird, darfst Du ruhig einmal selbst im Internet recherchieren oder persönlich nachfragen.

    Ich hoffe, Deine Formulierung "Verbote herrschen/bestehen" war ein Ausrutscher, denn korrekt ist, wie gesagt, nur "es bestehen/herrschen Verbote". Übrigens, im Duden findest Du keinen Satz mit "Verbot" plus "herrschen". Diese Verb wird normalerweise nur mit Ansichten, Wetterlage und Zuständen aller Art (Mangel, Zuversicht etc.) gekoppelt.
    #19VerfasserFlorentina15 Apr. 05, 10:13
    Kommentar
    Anderes Beispiel (nicht öffentlicher Raum, aber trotzdem): "Diesen Film sehen Sie mit freundlicher Unterstützung von ....".

    Wir brauchen ja keine Unterstützung (allenfalls die von Fielmann) um zu sehen, oder?
    #20VerfasserDennis15 Apr. 05, 10:17
    Kommentar
    @Dennis: da spielt aber auch der Kontext eine Rolle... ohne die "freundliche Unterstützung" (=Geld für Werbung) hätte der Fernsehsender die Rechte für den Film nicht kaufen und wir ihn daher auch nicht sehen können... ;-)



    #21VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 10:20
    Kommentar
    Es ist eine Erscheinung unserer Zeit, dass mehr auf Schnelligkeit und kleinen Preis als auf Sorgfalt Wert gelegt wird. Waren sind nicht mehr ausgereift, Qualität, die ihren Preis hat, wird durch die Schnäppchenmanie bestraft, das Verkaufspersonal schert sich nicht mehr darum, ob die erteilten Auskünfte richtig oder falsch sind, und diese Gundhaltung spiegelt sich natürlich auch in der Sprache wieder. Schnell muss es auch hier gehen und Exaktheit in der Formulierung wird als nutzlos angesehen.
    #22VerfasserIonut15 Apr. 05, 10:20
    Kommentar
    Ich finde es immer schön, wenn in den Nachrichten von schwangeren Frauen berichtet wird.....
    #23VerfasserKiniko15 Apr. 05, 10:25
    Kommentar
    @Kiniko: das ist aber nicht falsch, sondern ein Pleonasmus...
    #24VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 10:26
    Kommentar
    Schwangere Frauen muss nicht unbedingt ein Pleonasmus sein, schließlich können auch 12-Jährige schwanger werden, und die würde ich dann trotz ihrer Mutterschaft als schwangere Mädchen bezeichnen... :-)
    #25Verfassergelsi15 Apr. 05, 10:33
    Kommentar
    @gelsi: hast recht... ein richtiger Pleonasmus ist "schwangere Frau" nicht, zumal Frauen ja auch nicht permanent schwanger sind (dann wäre es aber einer)... jetzt stellt sich die Frage: was ist dann ein "schwangerer Mann"? ;-)
    #26VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 10:35
    Kommentar
    @ Martin S.: Das ist mir schon klar, aber richtig wäre dann "dank" freundlicher Unterstützung von...


    #27VerfasserDennis15 Apr. 05, 10:36
    Kommentar
    Ein schwangerer Mann ist anatomisch fehlgebildet ;-)
    #28VerfasserPanda15 Apr. 05, 10:37
    Kommentar
    @Dennis: ok

    @Panda: einige Frauen fänden es bestimmt toll, wenn auch Männer schwanger werden könnten... oder? ;-)
    #29VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 10:39
    Kommentar
    Ich war zwar noch nicht schwanger, aber ich persönlich würde diese "Aufgabe" nicht abgeben wollen. (Vielleicht seh ich das anders, wenn ich das erste Kind bekommen habe...)
    Könnte mir aber auch vorstellen, das aufzuteilen. Mal sie, mal er. Dann weiss "Mann" wenigstens auch, wie das ist. (Aber wie kommt das Kind raus???)
    #30VerfasserPanda15 Apr. 05, 10:43
    Kommentar
    Nur zum Duden: Die Redaktion orientiert sich zwar am tatsächlichen Gebrauch der deutschen Sprache und entschließt sich dann evtl. zu Neuaufnahmen, das heißt aber trotzdem, dass per definitionem nur das richtig ist, was im Duden steht. (richtig=Standardsprache, sofern der Duden keine Einschränkung macht.)
    #31Verfassertigger15 Apr. 05, 10:45
    Kommentar
    @Panda: jetzt wird's zwar OT, aber ich vermute (und hoffe) per Kaiserschnitt - alles andere wäre ja wohl fies. ;-)
    #32VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 10:45
    Kommentar
    @tigger, lies noch mal genau, dann wirst du feststellen, dass ich damit nur die Idiomatik von "ein Verbot besteht" belegen wollte. Einen Ausdruck kann man als "falsch" bezeichnen, weil er inhaltlich unlogisch, grammatisch falsch oder weil er einfach unüblich (also nicht idiomatisch) ist. Und über letzteres (und nur darauf bezog ich mich) kann einem Google durchaus eine Menge mitteilen.
    #33VerfasserSophil15 Apr. 05, 10:46
    Kommentar
    Als absoluten Brüller empfinde ich "Die Bevölkerung wurde evakuiert", was man so oder ähnlich des öfteren hören kann. Ich frage mich dann, wer aus diesen armen Menschen wohl die Luft herausgepumpt hat.
    #34VerfasserJoker15 Apr. 05, 10:46
    Kommentar
    @Joker: das ist aber nicht falsch... siehe 3.

    aus: Wörterbuch der deutschen Sprache

    e|va|ku|ie|ren [V.3, hat evakuiert; mit Akk.] 1 luftleer machen 2 von Bewohnern räumen; ein Gebiet e. 3 in ein anderes Wohngebiet bringen, aussiedeln; Einwohner e. [<lat. evacuatio, Gen. –onis, ”Ausleerung“, zu vacuus ”leer“]
    #35VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 10:53
    Kommentar
    @Joker: Ich stelle mir immer vor, dass es nicht gerade Luft war, wenn die Bevölkerung evakuiert wurde. Der Begriff hat sich ja schon auf materielle dinge erweitert, wenn gesagt werden kann: Das Stadtviertel musste evakuiert werden.

    Zu den "Schwangeren Männern": Meine Mutter pflegte zu sagen, wenn die Rede auf Wehleidigkeit der Geschlechter kam: "Wenn die Männer die Kinder kriegen müssten, dann wäre die Menschheit schon lange ausgestorben."
    #36VerfasserKarin H.15 Apr. 05, 10:55
    Kommentar
    Also ich weiss noch von meiner letzten Scrabble-Partie, dass meine freundin mich fast ermordet hätte, weil im Duden das Wort "Gay" vorkommt! ;)

    Also soviel ich weiss, kann ein Mann jedenfalls theoretisch schwanger werden...

    #37Verfasserathos15 Apr. 05, 10:56
    Kommentar
    Duden (Universalwörterbuch): "evakuieren"

    1. wegen drohender Gefahr von seinen Wohnplatz wegbringen, vorübergehend aussiedeln

    2. (Technik) ein Vakuum herstellen.


    Der Kontext solcher Meldungen ist eindeutig und die Bedeutung gang und gäbe. Die Formulierung kann eigentlich nur für Techniker amüsant sein, die die Bedeutung 1 nicht kennen!
    #38VerfasserSevall15 Apr. 05, 10:58
    Kommentar
    Okay, aber evakuieren bedeutet doch "entleeren". Sicherlich kann man das mit einem Haus oder einer Stadt machen, aber wohl nicht mit einem Menschen.
    Ich bin mir auch nicht so sicher, ob alles, was die deutsche Sprache im Duden übernommen hat, der einfachen Logik standhält. Dabei fallen mir spontan Begriffe ein, wie Flieger für Flugzeug (obwohl der ja vorn drinsitzt), oder Plastik (die eigentlich beim Bildhauer steht)für Plastwerkstoffe.
    #39VerfasserJoker15 Apr. 05, 11:11
    Kommentar
    @Joker: lies doch noch mal meinen Auszug genau durch...

    e|va|ku|ie|ren [V.3, hat evakuiert; mit Akk.] 1 luftleer machen 2 von Bewohnern räumen; ein Gebiet e. 3 in ein anderes Wohngebiet bringen, aussiedeln; Einwohner e. [<lat. evacuatio, Gen. –onis, ”Ausleerung“, zu vacuus ”leer“]

    unter 3. steht "Einwohner evakuieren" - hier bedeutet evakuieren "in ein anderes Wohngebiet bringen"

    geht also doch... ;-)
    #40VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 11:16
    Kommentar
    Jo, Martin, hab's richtig gelesen. Aber fällt Dir nicht der Widerspruch zwischen dem Einwohner vor der Klammer mit der Bedeutung in der Klammer auf ?
    Wie leert man einen Einwohner aus ?
    #41VerfasserJoker15 Apr. 05, 11:26
    Kommentar
    @Joker: das nennt man glaube ich "gewachsene Sprache"... man sollte vielleicht nicht alles wortwörtlich nehmen... und da evakuieren drei Bedeutungen hat, kann man nicht mit der einen Bedeutung die andere(n) in Frage stellen
    #42VerfasserMartin S.15 Apr. 05, 11:28
    Kommentar
    @Joker: "Okay, aber evakuieren bedeutet doch "entleeren". ... Ich bin mir auch nicht so sicher, ob alles, was die deutsche Sprache im Duden übernommen hat, der einfachen Logik standhält."

    Wer von einer lebenden Sprache Logik fordert, verkennt ihr Wesen. Sprache kommt vom Menschen und der agiert ganz anders als Maschinen, besonders wenn mehrere zusammenkommen und dann interagieren!

    Wenn ich mich auf den Standpunkt stelle, ein Schiff sei ein Seefahrzeug, dann ist für mich der Ausdruck "Raumschiff" unlogisch und falsch. Ebenso ein "Auto", wenn ich danach gehe, dass das die lateinische Vorsible für "selbst" oder "selbständig" ist.

    Zwei Grundsätze, wie Menschen Begriffe kreieren, ist a) Übertragung auf andere Fachgebiete und Situationen b) Tendenz zur Verkürzung und möglichst ökonomischen Sprechweise. So entsteht das "Evakuieren von Menschen" und der "Flieger".
    #43VerfasserMioara15 Apr. 05, 11:32
    Kommentar
    Da stimme ich Euch zu, trotzdem ist es oft amüsant, wenn man den eigentlichen Wortsinn mit dem derzeitigen Gebrauch vergleicht. Deshalb kann man vieles witzig finden, was kaum jemandem auffallen würde.
    #44VerfasserJoker15 Apr. 05, 11:40
    Kommentar
    @ "In diesem Bahnhof besteht Rauchverbot".
    Ich würde sagen, das klingt deshalb für manche ein wenig komisch, weil es die niederdeutsche Variante ist (vgl. niederl. "het verbod bestaat"). Viele Sprecher aus dem niederdeutschen/plattdeutschen Sprachgebiet verwenden unbemerkt/unbewußt gerne "falsche Freunde" aus ihrem Dialekt (selbst wenn sie diesen eigentlich gar nicht können) und halten dies für Hochdeutsch. Weil z.B. die "tagesschau" aus Hamburg kommt, halten außerdem viele Sprecher des Hochdeutschen dieses "Platthochdeutsch" dann gerne für besonders Hoch-deutsch, obwohl das überhaupt nicht stimmt. Daher vermutlich der Eindruck, es klingt wie "Amtsdeutsch". (Ich halte es aber auch nicht für ausgeschlossen, daß viele Behörden sich inzwischen an der Stilistik dieser Varietät des Deutschen orientieren...)

    @ "Der Zug fährt ab aus Gleis 2".
    Ist euch schonmal aufgefallen, daß die Lautsprecheransagen immer dieselbe leiernde Satzmelodie haben? Mir scheint fast so, als ob die Bahnmitarbeiter alle zu einer besonderen Schulung gehen müssen, wo man das lernt. Genauso ist das wohl auch mit dem "aus Gleis 2". Irgendetwas haben sich die Gestalter dieser "Ansagenrhetorikschule" bestimmt gedacht. Hat vielleicht was mit der Akustik auf dem Bahnhof zu tun oder so. Aber zu einer schlüssigen Erklärung bin ich hierbei auch noch nicht gekommen. Vielleicht ist ein Eisenbahner unter uns, der vielleicht mehr darüer weiß?

    @ (im Parkhaus): IHr Ticket wird produziert etc.
    Finde ich genauso greußlich. Ich fühle mich jedes Mal enorm geehrt, was da wegen meinem Ticket für ein Aufwand betrieben wird.
    #45Verfasserhv15 Apr. 05, 12:31
    Kommentar
    @ Duden
    Ewiges Thema. Schriftliches Hochdeutsch entsteht (und verändert sich) aus der Wechselwirkung zwischen Duden und Sprachgebrauch. Der Duden beobachtet die (gehobene) Umgangssprache (z.B. in Druckerzeugnissen) und die professionellen Schreiber schlagen im Duden nach, um stilistisch richtig zu schreiben. Beide Seiten halten sich ungefähr die Waage. Ab und zu kommt eine neue Entwicklung auf und setzt sich durch. Das ist Schrift-Hochdeutsch. Gesprochenes Hochdeutsch wird immer mit einem mehr oder weniger starken lokalen Dialekt-Substrat darunter gesprochen. Die deutschen Dialekte werden in hoch- und niederdeutsche Dialekte eingeteilt. Alles ab der gedachten Linie Ruhrgebiet-Kassel-Magdeburg-Berlin nördlich ist Niederdeutsch. Alles weiter südlich sind Varianten des Hochdeutschen. Wenn ein Oberbayer "Hochdeutsch" spricht oder schreibt, dann spricht er eigentlich nachgemachtes Schrift-Hochdeutsch, beeinflußt durch seinen spezifischen hochdeutschen Dialekt, der wiederum zur oberdeutschen Dialektgruppe gehört: oberbayrisch -> bayrisch -> obderdeutsch -> hochdeutsch
    #46Verfasserhv15 Apr. 05, 12:31
    Kommentar
    Ticket finde ich auch ziemlich hässlich und (wieder mal) ist der Anglizismus ungenauer als das Deutsche, aber vor allem produziert geht nach meinem Gefühl gar nicht.
    Apropos Parkhaus, die "Abholung" ("Bitte vor Abholung des Wagens zahlen") mag eventuell korrekt sein (weiß das jemand sicher?), aber sie ist auf jeden Fall hässlich! Und toll fand ich auch die Schilder: Aufgang und Abgang. Meines Wissens ist ein Abgang, das was im Theater passiert ("Wallenstein geht ab"), aber nicht in einem Parkhaus und sei die Architektur auch noch so bühnenhaft.
    #47VerfasserZoi15 Apr. 05, 12:45
    Kommentar
    @ Nochmal "Bahnansage"
    Habe grade bei der Bahn deswegen angerufen. Es gibt in der Tat ein spezielles Training für die Sprecher der Lautsprecheransagen, und es ist strikt geregelt, wie gesprochen werden soll. Einige Wendungen sind typische "Eisenbahnersprache" und diese geht zurück auf die spezielle Dienstsprache des preußischen Militärs. Im Zuge der Modernisierung der Bahn wird dieser Jargon aber allmählich aufgegeben und besonders im Servicebereich werden jetzt neue Formulierungen gewählt. Ich bleibe in dieser Sache mal am Ball und schreibe hier ins Forum, sobald ich was Neues rausgefunden habe.
    #48Verfasserhv15 Apr. 05, 12:50
    Kommentar
    aus Gleis 2 ist ganz normaler Eisenbahnerjargon - das heißt halt so. Allerdings nur in der Verbindung "fährt aus Gleis 2" - die Version von Dennis "fährt AB aus Gleis 2" sagt m.W. kein Eisenbahner. Woher die Wendung kommt, weiß ich aber auch nicht (und auch nicht, warum analog dazu kein Zug "im Gleis 2" ankommt - habe ich jedenfalls noch nie gehört). Meine Vermutung geht in die Richtung, dass der Zug ja mit dem Verlassen des Bahnhofs in der Regel auch das Gleis verlässt (also aus dem Gleis rausfährt und auf ein anderes Gleis fährt), sobald er die nächste Weiche nach dem Bahnhof passiert hat. (wow, gewagte These! *ggg*)

    Was mich amüsiert hat, als ich das erste Mal in Stuttgart S-Bahn gefahren sind, waren die Ansagen: "Gleis 101 zurückbleiben, bitte" (das arme Gleis, nie durfte es mitfahren!) und "Zug nach Schwabstraße fährt ein" (beide wurden aber inzwischen geändert).
    #49Verfasserskye15 Apr. 05, 12:57
    Kommentar
    @hv: "Viele Sprecher aus dem niederdeutschen/plattdeutschen Sprachgebiet verwenden unbemerkt/unbewußt gerne "falsche Freunde" aus ihrem Dialekt"

    Das ist ein ganz interessanter, neuer Gesichtspunkt. Kannst Du noch einige andere Beispiele für niederdeutsche Einflüsse nennen? Die bundesdeutsche Amtssprache wird ja auch gerne in die österreichische übernommen (z.B. die "Aktenhaltung" oder der "Aktenvorgang"), obwohl es auch genug hausgemachte Termini gibt: So liest man immer wieder, dass Gegenstände "entfremdet" (=gestohlen) wurden und der Posteingang wird hierzulande als "Einlauf" bezeichnet. Damit sind wir bei Zois Ausdrücken mit "Aus", "Ein", "Auf" und "Ab". Zu diesen gehört auch der Ausfluss, der in Politikerreden gerne bemüht wird ("Ausfluss krankhafter Fantansie" usw.)
    #50VerfasserAndi (AT)15 Apr. 05, 13:05
    Kommentar
    @ Andi (AT)
    Da gibt es viele und zwar sowohl in der Amtssprache als auch in der Umgangssprache. Seit ich Niederländisch gelernt habe, fallen mir immer mehr auf. Folgende fallen mir grade spontan ein:

    1. Der Gebrauch der Vergangenheit. Im Niederdeutschen existiert ein kleiner Bedeutungsunterschied zwischen Perfekt und Präteritum. Im Hochdeutschen gibt es diesen Unterschied grundsätzlich nicht.

    2. Artikel bei Eigennamen: "Das ist der Hans" (hochdeutsch) vs. "Das ist Hans" (niederdeutsch)

    3. "verkehrt" (niederdeutsch) vs. "falsch" (hochdeutsch)

    4. umgangssprachl. "echt" adv. (niederdeutsch) vs. "wirklich" (hochdeutsch)

    Wäre mal einen eigenen Faden wert....
    #51Verfasserhv15 Apr. 05, 13:21
    Kommentar
    @hv
    > Habe grade bei der Bahn deswegen angerufen.
    Cool! :-)

    > Der Duden beobachtet die (gehobene) Umgangssprache (z.B. in Druckerzeugnissen)
    Aber der Beruf des Druckers ist doch nahezu ausgestorben, wo bekommen die denn dann noch die Zeugnisse her? ;-)
    #52VerfasserSophil15 Apr. 05, 13:23
    Kommentar
    hv, kannst Du das mit dem Bedeutungsunterschied zwischen Perfekt und Präteritum im Niederdeutschen erklären bzw. an Beispielen demonstrieren?
    #53VerfasserSelima15 Apr. 05, 13:25
    Kommentar
    @Skye: Hast recht, es heißt "fährt aus Gleis 2" (ohne "ab"). Deine These "aus Gleis 2 heraus (auf ein anderes) Gleis" ist sehr gewagt, gefällt mir aber.

    Re Eisenbahnerjargon: auch interessant! d.h. also, da die Eisenbahner einen eigenen Jargon haben, und es um Eisenbahnen geht (die hunderttausende Menschen täglich benutzen) ist es OK, dass wir uns deren komische Sprachgewohnheiten aneignen müssen.

    #54VerfasserDennis15 Apr. 05, 13:50
    Kommentar
    @ Selima
    Leider nicht so richtig. Als Hesse habe ich selbst überhaupt kein entwickeltes Gespür für diesen Unterschied. Mir fällt es nur immer auf, wenn andere mich entnervt "verbessern" wollen. Außerdem hab' ich es in einem Linguistikseminar gehört, finde aber grade die Unterlagen nicht.

    Das einzige, was ich eben zur Hand habe ist eine plattdeutsche Grammatik (Kloock/Viechelmann: "Uns plattdütsch Spraakbook". Da geben sie zum Thema Zeitenfolge folgendes Beispiel:

    Norddeutsches "Hochdeutsch":
    Vergangenes Jahr sind wir in Spanien gewesen und haben viel gebadet. Aber dann explodierte die Autobombe, gerade als wir dieselbe Straße hinuntergingen.

    Kommentar dazu: Präteritum wird gebraucht wenn sich etwas jäh zuträgt ("explodierte") oder wenn sich etwas über längere Zeit abspielt und wie eine Theaterkulisse im Hintergrund zu sehen ist ("hinuntergingen").

    Plattdeutsch:
    Verleden Johr sünd wi in Spanien west un hebbt veel baad't. Avers denn explodeer de Autobomb, jüst as wi de sülvige Straat daalgungen.

    "mein" Hochdeutsch:
    Vergangenes Jahr waren wir in Spanien und haben viel gebadet. Aber dann ist auf einmal eine Autobombe explodiert, gerade als wir dieselbe Straße heruntergegangen sind.
    #55Verfasserhv15 Apr. 05, 13:56
    Kommentar
    @ Dennis
    Nein, der Eisenbahnerjargon hat sich aus Effizienzgründen entwickelt. Früher war die Bahn militärisch organisiert und es gibt noch immer den sog. "Eisenbahnerbefehl", damit alles reibungslos abläuft. Früher hat man sich dabei um die Fahrgäste nicht geschert (dafür waren aber die Züge pünktlich!). Heute werden die Durchsagen im Servicebereich allmählich modernisiert. Dazu mußte aber überhaupt erstmal eine Trennung zwischen Servicebereich und technischem Bereich geschaffen werden. Diese Trennung gab es eben früher nicht.
    #56Verfasserhv15 Apr. 05, 14:01
    Kommentar
    @Dennis: du musst überhaupt nichts. Du kannst für dich persönlich auch sagen, dass dein Zug von Gleis 2/vom Gleis 2/Gleis 2 fährt - das bleibt ganz dir überlassen. Deshalb werden aber Eisenbahner weiterhin "ihre" Form verwenden - und wenn diese durch die von hv angesprochene Modernisierung (wobei ich persönlich "aus Gleis 2" nicht als "unmodern" empfinde) in den Ansagen wegfallen sollte, wirst du sicherlich auf jedem Stellwerk weiterhin hören "356 aus Gleis 2", "1486 Einfahrt nach Gleis 3" etc.
    Viel schlimmer als das "aus Gleis 2" finde ich persönlich die Ansagen, die offenbar aus Computerstimmenfetzen zusammengewürfelt wird (vor kurzem mal in Hannover beim Umsteigen gehört). Das kann man schriftlich leider gar nicht so wiedergeben.
    #57Verfasserskye15 Apr. 05, 14:09
    Kommentar
    @Joker: "evakuieren" bedeutet "A aus B zu entleeren". Im Sprachgebrauch nennt man meist nur entweder A oder B genannt, das andere wird impliziert:

    "die Einwohner werden (aus dem Stadtteil) evakuiert"
    "(die Luft aus dem) Bauteil wird evakuiert".

    Wenn in der technischen Bedeutung meist A nicht genannt wird und in der "Anwohner"-Bedeutung meist B nicht genannt wird, so bedeutet das nicht das eines davon verkehrt ist.


    #58VerfasserMark15 Apr. 05, 14:12
    Kommentar
    An hv:

    Neine, nein, nein!
    "2. Artikel bei Eigennamen: "Das ist der Hans" (hochdeutsch) vs. "Das ist Hans" (niederdeutsch)
    "
    Ist das wirklich wahr?!? Ewig rege ich mich über "der" oder "die" auf, weil ja der Name eben ein Eigenname ist und keine Bezeichnung! Beim Eignenamen kommt kein Artikel! (Klingt für mich immer nach Dialekt oder Kindergartensprache!) Und jetzt sagst Du grad das Gegenteil?? Muss ich etwa umlernen?!?
    #59VerfasserVH (sorry, ist wirklich mein "nick")15 Apr. 05, 14:14
    Kommentar
    @ VH (cool ;-) ):

    >>> "Klingt für mich immer nach Dialekt"
    "der Hans" ist ja auch Dialekt, nur eben aus den hochdeutschen Dialektgebieten. "Hans" ist aber genauso Dialekt, aus dem niederdeutschen Sprachgebiet. Die gemeinsame deutsche Hochsprache, die wir dummerweise auch immer kurz als "Hochdeutsch" bezeichnen, vereinigt in sich Einflüsse aus allen Regionen. Welche Region sich dabei durchsetzt hat aber immer was mit Image zu tun und folgt keinen festgelegten Regeln. Eigennamen ohne Artikel zu gebrauchen ist daher ein "Niederdeutschismus" in der deutschen Hochsprache. Deshalb mußt du nicht umlernen, denn inzwischen haben das ja auch viele Hochdeutsche übernommen. Genauso setzten sich inzwischen auch immer mehr Berliner Gewohnheiten durch (z.B. das hartnäckige überdeutliche Aussprechen vom Schluß-e in "ich habe" statt "ich hab"', eine der wenigen Laute die Berliner nicht verschlucken...).
    #60Verfasserhv15 Apr. 05, 14:30
    Kommentar
    @hv:
    >>hartnäckige überdeutliche Aussprechen vom Schluß-e in "ich habe" statt "ich hab"', eine der wenigen Laute die Berliner nicht verschlucken...). <<

    Dazu fällt mir nur folgendes ein: 'Bilde mal einen Satz mit Kaviar und Kasimir!'

    Na?
    #61VerfasserPeter &lt;de&gt;15 Apr. 05, 14:41
    Kommentar
    @ Peter
    Ich kenne nur: Satz mit "Kanu", "Katze" und noch irgendwas:

    "'k ha nu jar keene Tseene mea. 'k hatt se mir alle ausjebissen"

    Leider fehlt mir der dritte Satz.....
    #62Verfasserhv15 Apr. 05, 14:44
    Kommentar
    hv:
    Na, nun ist mir ja ein Kronleuchter aufgegangen (schäm...und das nach Deutsch-Leistungskurs im Abi! Na, ist auch schon über 20 Jahre her...) Da bin ich doch in die Grube "Hochdeutsch" geplumpst!
    Und wie kommste denn nu jrade uff det Balina Beispiel? Hab ick mia durch meene Tippfehla varratn? ;-)) (Womit wir ein schönes Beispiel für "hab" hätten...)
    #63VerfasserVH15 Apr. 05, 14:46
    Kommentar
    na, denn misste dir det doch von selba klar wern:

    'k ave jar keene (T)seene mea, 'k a si mir alle ausjebissn
    #64VerfasserPeter &lt;de&gt;15 Apr. 05, 14:49
    Kommentar
    @ VH
    Nee, du hast dir überhaupt nüscht verratn. Det wa purer Zufall. ;-) Aber Du hast Recht, genau hab ich das mit dem berlinder Unterschied zwüschen "ha", "hab" und "habe" auch noch nicht verstanden. Da gibt's irgendwie eine Möglichkeit zu betonen, daß irgendetwas WIRKLICH so gewesen ist. Weißt Du, was ich meine? Fällt mir besonders bei bestimmten Frauen auf, so in der Art von: "Ich há-abe (Pause)... diesen Wagen von meinem Freund geschenkt bekommen." oder "Ich há-abe (Pause)... bereits meinen Rechtsanwalt informiert." Aber auch in ganz normalen Situationen ohne diese affektierte Nuance mit steigender Tendenz anzutreffen.

    " 'k habe nu jar keene Tseene mehr" geht ja auch und heißt dann (nach meinem Gefühl) "Ich habe jetzt in der Tat keine Zähne mehr".
    #65Verfasserhv15 Apr. 05, 15:01
    Kommentar
    @ Kronleuchter aufgegangen!

    Der dritte Satz mit "Kammer".

    "kamma nüscht machn"
    #66Verfasserhv15 Apr. 05, 15:06
    Kommentar
    Wenn wir schon bei der Aussprache sind. Kann mir jemand sagen, woher die jüngste Unsitte kommt, Wörter mit -er- statt mit geschlossenem e mit einem offenen ä plus a anstelle des r auszusprechen, z.B. der Berg - der Bääag. Ist das ein Merkmal der Jugendsprache oder nur regional beschränkt?
    #67VerfasserJuba15 Apr. 05, 15:16
    Kommentar
    Ich kenne das umgekehrt: Also, der Ber anstatt der Bär und höre das (zufällig?) immer wieder von Norddeutschen. Ich würde dann am liebsten was sagen, da ich aber selbst einen deutlichen Akzent habe (moselfränkisch, na, weiß jemand, wo man das spricht???), schlucke ich den Kommentar lieber runter.
    #68VerfasserZoi15 Apr. 05, 15:20
    Kommentar
    Mich macht es immer ganz kribbelig wenn Leute aus Westfalen oder dem Ruhrgebiet von den "Italiänern" (mit langgezogenem "ä" sprechen).
    #69VerfasserPilsa15 Apr. 05, 15:40
    Kommentar
    @pilsa: das geht noch... lass die erstmal ein paar italienische Wörter aussprechen, dann dreht sich bei mir der Magen um ;)

    #70Verfasserathos15 Apr. 05, 15:48
    Kommentar
    @Juba
    Der Baeaearg (okay, okay, ich schalte dann mal doch um auf Umlaute),also der Bäärg bzw. die Art der Aussprache/ Intonation ist doch keine Unsitte aus jüngster Zeit. Ich als alte Exil-Ostfriesin (Niedersachsen) sach ma, so schnackt de Lü in Schleswig-Holstien.

    Spätestens durch die Werner-Comics und -filme von Rötger Feldmann - http://www.werner-broesel.de - hat aber meiner Auffassung nach diese Art der Aussprache eine weite Verbreitung unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen des norddeutschen Raumes gefunden. Aber wohl oft auch übertrieben und rein spaßeshalber, während die Kollegen in Schleswig-Holstein das ernsthaft zu betreiben scheinen.
    #71VerfasserAstrid15 Apr. 05, 15:51
    Kommentar
    @Juba

    Hoppla, ich meine natürlich den "Bääag", den Du auch meinst und nicht meine verwirrte Schreibweise oben.
    #72VerfasserAstrid15 Apr. 05, 15:54
    Kommentar
    @Juba, Astrid: Also jugendlicher Jargon ist es sicherlich nicht. Ich habe heute im deutschen Fernsehen drei ausgewachsene Sprecher gehört, die vor Publikum genauso gesprochen haben und völlig unverdächtig weil nicht aus Schleswig-Holstein sind:

    aus der Geschichte läahnen (lernen) (Hr. Wolff bei einer Gedenkrede)
    ein schweres Äahbe (Erbe) (TV-Nachrichtensprecher über die Papstwahl)
    zur Wäah (Wehr) setzen (mdr-Bericht)

    Es ist mir aufgefallen, weil es in meinen Ohren affektiert klingt. Ich habe aber kein System festmachen können, welcher Personenkreis so spricht.
    #73VerfasserSevall18 Apr. 05, 00:40
    Kommentar
    Diese Aussprache gibt es nicht nur bei Wörtern mit e+r, sondern generell bei der Kombination von Selbstlauten mit R, z.B.

    vor Oat (Ort)

    Wir haben es also mit einer generellen Tendenz zu tun, das R durch A zu ersetzen.
    #74VerfasserBettina20 Apr. 05, 00:07
    Kommentar
    Oder "Wuast". Bei solchen Gelegenheiten pflegt mein Schwiegervater immer zu fragen: "Mit wieviel a schreibt man das?"

    Dass das aber affektiert klingen soll, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, das ist eigentlich eher niedriges Sprachniveau.

    Affektiert hingegen klingt (zumindest in heutigen Ohren) das stark betonte und oft rollende R, das unter Rednern in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts als schick galt. Wurrrst, Orrrt, Wehrrrr, Errrbe, ...
    #75VerfasserSophil20 Apr. 05, 08:43
    Kommentar
    @ Bettina
    Daß R zu A wird, ist glaube ich unstrittig. Juba ging es um den Unterschied zwischen E und Ä. (Im übrigen ist das auch keine neuere Tendenz, sondern ein seit langem abgeschlossener historischer Prozeß).

    Was den Unterschied zwischen E und Ä anbetrifft, so ist das meines Wissens ursprunglich wie bei V und F eine rein graphische Konvention, um gleichlautende Wörter unterscheidbar zu machen. Im (Standard)Hochdeutschen wird kurzes, betontes E immer Ä ausgesprochen und langes E immer EE, also
    schnell, weg, Hecke, wenn, Fett = schnäll, wäck, Häcke, wänn, Fätt
    Bär, Weg, Märchen, während, lesen = Behr, Wehk, Mehrchen, wehrent, lehsen

    Wörter, wie "Ähre" und "Ehre" klingen also bei normaler Sprechgeschwindigkeit immer gleich. Durch das Schriftbild, wird aber der Eindruck erweckt, es gäbe einen klanglichen Unterschied, und so wandert dieser als sog. "Hyperkorrektheit" wieder allmählich in die Hochsprache ein, insbesondere wenn schlecht ausgebildete Lehrer oder unwissende Eltern, dies ihren Kindern so beibringen. Dann stimmt es irgendwann wieder. Dies ist in der Tat ein noch nicht abgeschlossener Prozeß.
    #76Verfasserhv20 Apr. 05, 08:50
    Kommentar
    @ Sophil
    Daß es sich auch bei dem R um eine Hyperkorrektheit handelt, sieht man z.B. sehr schön im Kölner Dialekt:

    Im Dialekt sprechen die Kölner auch "Wuas" (oder so ähnlich). Sobald sie versuchen, Hochdeutsch zu sprechen, dann sagen sie überdeutlich "Wuchst".

    Wir Hessen sind übrigens auch nicht besser: Weil man uns immer beibringt, daß "isch", "Büscher", "Lischt" (für "ich", "Bücher", "Licht"), Dialekt ist, sprechen wir wenn wie Hochdeutsch babbeln, lieber mal ein "weisches" CH zu viel und sagen z.B. "kriechich" für "griechisch".
    #77Verfasserhv20 Apr. 05, 08:59
    Kommentar
    @hv: "Im (Standard)Hochdeutschen wird kurzes, betontes E immer Ä ausgesprochen und langes E immer EE"

    So generell kann man das nicht sagen. Das gilt z.B. für "weg" (ä) und "Schnee" (e), aber die Aussprache von Bär ist nicht - wie du meinst - behr, sonder bär, von Märchen ist nicht mehrchen, sondern märchen und von während nicht wehrent, sondern wärent, also immer ein offenes ä.
    #78VerfasserJuba20 Apr. 05, 22:14
    Kommentar
    @ Juba
    In meinen Augen ist das eine Hyperkorrektheit, die vom Schriftbild ausgeht. Es gibt keinen mir bekannten Dialekt, der diese Unterscheidung macht, ergo ist das eine nachträgliche Kunstbildung. Ich habe ja durchaus eingeräumt, daß sich diese Kunstbildung inzwischen soweit verfestigt hat, daß viele das für "richtig" halten. Und was viele über lange Zeit für richtig halten wird irgendwann auch offiziell richtig.
    #79Verfasserhv20 Apr. 05, 22:44
    Kommentar
    @ Juba
    Es gibt übrigens im Internet auch eine Hausarbeit zu diesen Thema: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit... (falls der Link zerbricht: www . hausarbeiten . de/faecher/hausarbeit/lin/9875.html)

    Die Autorin kommt zu folgendem Ergebnis:
    "Die Erläuterungen zur Aussprache der e-Laute in der Sprechwirklichkeit zeigen, was weiter oben schon einmal kurz angesprochen wurde: Eine Normierung der Aussprache in Richtung einer Höchstnorm ist wahrscheinlich unmöglich und unnötig. Unmöglich, weil eine so große Variationsbreite im Bereich der Aussprache besteht, dass sie sich selbst bei bemühten Sprechern nicht auf eine einzige Realisationsweise einschränken lässt, und unnötig, weil derart weitverbreitete ,Normverstöße′ keine Sanktionen hervorrufen - im Sinne von Verurteilung einer andersartigen Aussprache, die nicht den Wörterbuchnormen entspricht - und auch nicht zu Verständigungsproblemen führen. Das Abweichen von starren Aussprachenormen und die Berücksichtigung der tatsächlichen Aussprachevarianten hätten gerade für den Unterricht von Deutsch als Fremdsprache bedeutende Vorteile. Im Sinne Königs würden ausgangssprachenorientierte Lehrnormen den Phonetikunterricht erleichtern, indem man die phonetischen Gegebenheiten der Ausgangssprache mit den Aussprachevarianten des Deutschen vergleicht und so die am leichtesten erlernbare Variante ermittelt."
    #80Verfasserhv20 Apr. 05, 23:05
    Kommentar
    @hv: "Juba ging es um den Unterschied zwischen E und Ä."

    Das ist ein Missverständnis. Ich bezog mich auf die vom Standard Vokal + r abweichenende Aussprache "offenerer Vokal + a". Das ist ein ganz anderes und in der öffentlichen Standardsprache neues Phänomen.

    @hv: "Es gibt keinen mir bekannten Dialekt, der diese Unterscheidung macht"

    Ich bestreite auch gar nicht, dass ein langes E bei "Ähre" oder "Ehre" im Grunde gleich (nämlich geschlossen) ausgesprochen wird, sondern vielmehr dass die anderen Wörter mit langem E in Deiner Aufzählung alle gleich ausgesprochen werden. Das lange E bei Bär Märchen oder während ist kürzer und offener als bei lesen Weg, oder Schnee.

    Gleichlautende Wörter unterscheidbar zu machen halt ich übrigens für einen legitimen, pragmatischen Ansatz und nicht für "Hyperkorrektheit" (kann man "korrekt" überhaupt steigern?). Es ist doch schön, wenn man einen Satz wie "Wenn ich läse, könnte ich mich vielleicht entspannen" auch akustisch von "Wenn ich lese, entspanne ich mich" unterscheidbar macht.

    #81VerfasserJuba21 Apr. 05, 00:06
    Kommentar
    Die einzigen, die richtich Deutsch sprechen, sind wir im Kohlenpott. Alle anderen sprechen Dialekt. Geht ma' inne Volkshochschule ...
    #82VerfasserWolfman21 Apr. 05, 00:24
    Kommentar
    ... dann werdet Ihr auch lernen daß, wenn es um ein Kind geht und ob es etwas kann, es heißt: "Kann dattat?
    Und wenn man sicher ist, daß das Kind das kann, dann heißt es: "... und ob dattatt kann!"
    Soll ich Euch noch mehr lernen?
    #83VerfasserWolfman21 Apr. 05, 00:29
    Kommentar
    @wolfman: Danke aber es reicht mir schon immer wieder raten zu dürfen, wer meine Kumpel meinen könnte wenn er von "ullige" spricht... ;)
    #84Verfasserathos21 Apr. 05, 07:29
    Kommentar
    @ Juba: Ä vs. EE
    Ich kann dem nicht zustimmen, denn ich spreche tatsächlich normalerweise "Behr". Nur wenn ich buchstabieren muß, oder betonen will, daß ich "Bären" und nicht "Beeren" meine, dann sage ich langsam, laut und deutlich "äh". Niemals aber in gewöhnlichen Sprechsituationen und ich möchte wetten, das ist bei Dir nicht anders. (Laß Deine Sprache in normalen Alltagssituationen mal spaßeshalber heimlich aufnehmen und hör Dir an, wie Du dann so sprichst. Du wirst Dein blaues Wunder erleben.) Das ist eben die in der zitierten Hausarbeit genannte Variationsbreite und jeder noch so gut gemeinte Erziehungsversuch scheitert, sobald die Leute wieder in ihr normales Sprechtempo verfallen.
    #85Verfasserhv21 Apr. 05, 07:52
    Kommentar
    @ Juba: R
    Hier verstehe ich nicht was Du meinst. Dazu müßte ich vielleicht wissen, aus welcher Gegend Du kommst, bzw. wo Du aufgewachsen bist. Die Aussprache von "r" nach Vokal ist in jedem Fall "falsch", bzw. nicht Standardhochdeutsch. Was nach dem Vokal stattdessen kommt, ist auch kein "a", sondern eine sog. rhotische Variante des vorangehenden Vokals. Hierfür gibt es in der Internationalen Lautschrift ein kleines Häkchen als spezielles Zusatzsymbol ([ɚ] ich hoffe, daß man das bei LEO sehen kann...). Das klingt ziemlich ähnlich wie ein "a", ist aber keins.

    Das Kölsche "Wuchst" und das (veraltete) Bühnendeutsche "Wurrrst" ist jedenfalls nicht Standard.
    #86Verfasserhv21 Apr. 05, 08:05
    Kommentar
    @ Juba: Hyperkorrektheit
    "Hyperkorrektheit" ist ein anerkanntes Fachwort in der Sprachwissenschaft und bezeichnet das Phänomen, wenn Sprecher eines Dialekts die erlernten Regeln der Standardsprache auf Fälle ausdehnen, für die sie eigentlich nicht gelten. Hyperkorrektheit ist übrigens genauso wie Nachlässigkeit ein wesentlicher Faktor von sprachlichem Wandel.

    Ich glaube, Du hast ein etwas falsches Verständnis davon, was eine Standardsprache ist. Insbesondere im Deutschen ist das ja auch relativ kompliziert, weil das "Hochdeutsche" ja ein Kunstprodukt ist. Es handelt sich dabei um eine von der lutherischen Bibelübersetzung ausgehende Kunstsprache, die sich parallel neben den Dialekten entwickelt hat und je nach Region auch noch lokaltypisch eingefärbt wurde. In anderen Ländern ist das etwas eindeutiger: In England ist die Sprache des Königshauses ausschlaggebend, in Frankreich der Dialekt von Paris (glaube ich zumindest???), in Rußland ist es das Russisch von Dostojewskij. Für das Deutsche fehlt ein solches klares Vorbild und der Standard entsteht in einer Wechselwirkung zwischen öffentlichem Sprachgebrauch und Duden-Redaktion.

    Keine Standardsprache der Welt ist übrigens "lupenrein" und "wohlgeformt". In jedem Fall erweist sich die Umgangssprache als deren wirkliche Basis und bringt dabei mitunter so manche Stilblüte hervor.
    #87Verfasserhv21 Apr. 05, 08:19
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    Kaum zu glauben, dattattatt kann!
    #88VerfasserSophil21 Apr. 05, 11:40
    Kommentar
    @hv: Die Aussprache von "r" nach Vokal ist in jedem Fall "falsch"

    Dann würde ich sehr gerne hören, wie du „Erbe“ oder „Ort“ aussprichst! Willst Du allen Ernstes behaupten, das „r“, das bei diesen Wörtern in sämtlichen deutschen Theatern gesprochen wird, sei eine „falsche“ Aussprache?

    @hv: „Was nach dem Vokal stattdessen kommt, ist auch kein "a".

    Du meinst den abgeschwächten Gutturallaut, der nach offenem O klingt und im Auslaut gesprochen wird (z.B. bei Tante). Diesen meine ich aber nicht (der wäre ja nichts Außergewöhnliches), sondern deutlich artikulierte Vokale - z.B. O-A-T (Ort) – die fast mit einem Hiatus wie bei „Theater“ ausgesprochen werden.

    @hv: „wenn Sprecher eines Dialekts die erlernten Regeln der Standardsprache auf Fälle ausdehnen“

    Das nennt man Generalisierung, die man auch bei Kinder beobachtet, wenn sie die erlernten Partizipalformen der Verben analog auf alle Zeitwörter übertragen und „gesingt“ und „gefindet“ sagen. Egal wer von „Hyperkorrektheit“ spricht, diese Wortbildung ist und bleibt semantischer Unsinn und klingt sehr nach coolem Yuppie-Deutsch („Überkorrekt“ mag ja noch irgendwie hingehen, aber „hyper“?)

    Was Standardsprache ausmacht, ist ganz im Gegenteil eine ganz einfache Sache. Es ist ein aktueller Sprachzustand, den man in den Massenmedien und auf den Bühnen praktiziert. Die historische (diachrone) Entwicklung ist interessant, aber völlig irrelevant. Wer den aktuellen Zustand unvoreingenommen und rein gegenwartsbezogen (synchron) betrachtet, kennt keine Kategorien wie „lupenrein“ oder „wohlgeformt“.

    Du denkst offensichtlich in Vorschriften (präskriptiv), wenn Du von Erziehungsversuchen sprichst und offensichtlich meinst, man müsse die Sprecher zu einem bestimmten „richtigen“ Sprachgebrauch erziehen. Wer hingegen beschreibend (deskriptiv) denkt, der kann akzeptieren, dass die Sprache in verschiedenen Kommunikationssituationen verschieden gebraucht wird, ohne dass eine der Varianten „falsch“ oder „höhersprachlich“ ist.
    #89VerfasserJuba21 Apr. 05, 19:15
    Kommentar
    @ hv

    Sorry, aber der Kölner im Dialekt sagt nicht Wuas(o.ä.) sondern Wooosch. Ich habe mit Absicht drei o geschrieben, weil es dort eine eigentümliche Sprachmelodie gibt, das erste o mit relativ hoher Stimme, das zweite tief und das dritte wieder hoch.
    #90VerfasserBuerolyriker22 Apr. 05, 08:50
    Kommentar
    @ Wolfman

    Dat brauchße uns nich lernen. Dat könnŽn wir au. Diesma obŽn Blaach wat daaf oder nich. "Daaf dattat"? "Dat daaf dat"! "Dattattat daaf!"
    #91VerfasserBuerolyriker22 Apr. 05, 08:58
    Kommentar
    Nochmal zur allgemeinen Frage, warum ein Zug 'aus' einem Gleis fährt: Ich würde mal sagen, aus dem gleichen Grund, aus dem man mit einem Ballon 'fährt' und nicht 'fliegt' - Es ist eben eine Art 'Fachsprache', und da ist dann ja alles anders als im normalen Leben.
    #92VerfasserClaus22 Apr. 05, 09:22
    Kommentar
    @ Bürolyriker
    Danke für die "Wooosch", ich hatte mir beinahe sowas gedacht. "Wuas" klingt irgendwie mehr nach Norddeutschland. Aber es ist jedenfalls kein "r" drin. Die Melodie ist sozusagen das historische Überbleibsel davon. Dafür ist es überdeutlich, wenn ein Kölscher hochdeutsch spricht, er sagt eben "Wuchst" oder "Spocht".

    @ Juba
    Also wegen dem "r" muß ich jetzt doch erst mal wissen wo du herkommst. Sonst verstehe ich gar nicht, was Du meinst. Hier in Hessen sagt man natürlich "Oat" und "Eabe". "Theater" spricht man auch "Thejater". Meinst Du vielleicht das eher norddeutsche Ooat mit langem Vokal? (Mist, daß hier irgendwie mein phonetisches Alphabet nicht funktioniert.) Was für ein "r" wird denn Deiner Meinung auf Bühnen bei "Ort" und "Erbe" gesprochen? Zungenspitzen-r oder Zäpfchen-r, oder gar ein stimmhafter Guttural ohne Vibration?

    "Generalisierung", bzw. "Analogie" ist was anderes, denn das passiert innerhalb einer Sprache. "Hyperkorrektheit" beschreibt nur die Wechselwirkung zwischen Umgangs- und Hochsprache. Den Begriff findest Du auch in einschlägigen Fachwörterbüchern. Ich habe ihn leider nicht erfunden.
    #93Verfasserhv22 Apr. 05, 09:30
    Kommentar
    @ Juba
    Mir ist auch der Unterschied zwischen "deskriptiv" und "präskriptiv" geläufig. Als Wissenschaftler denke ich natürlich eher "deskriptiv" und stelle deshalb "deskriptiv" in Bezug auf den sprachsoziologischen Sachverhalt fest, daß (z.B. bei der AUssprache von "ä") es einen Einfluß der präskriptiven Institution Schriftsprache auf die aktuelle Umgangssprache gibt, ohne dabei bewerten zu wollen, ob das positiv oder negativ ist. Es ist einfach Fakt und löst möglicherweise einmal einen tatsächlichen Sprachwandel aus. Es wäre nicht das erste Mal.

    Standardsprache auf den Gebrauch in den Medien und Institutionen zu beschränken halte ich für zu kurz gesprungen, denn dort benutzt man ja immer den Duden, um die Einheitlichkeit zu gewährleisten. Der Duden umgekehrt beobachtet die aktuelle Sprache in den Medien, um auf dem Laufenden zu bleiben. So ergibt sich eine stabilisierende Wechselwirkung.

    Theatersprache würde ich aber ausklammern. Das ist eine ziemlich exotische Sprachnische mit eigenen Gesetzen.
    #94Verfasserhv22 Apr. 05, 09:31
    Kommentar
    Was mich in den letzten paar Jahren zunehmend nervt, ist der Gebrauch des "Universalrelativpronomens":

    Der Mann, was über die Straße ging
    Das Kind, was die grüne Hose anhatte

    ....
    #95VerfasserKln22 Apr. 05, 09:56
    Kommentar
    @ Kln
    Das hab ich ja noch nie gehört. Ts-s.

    Bei uns benutzt man stattdessen "wo":

    Der Mann, wo über die Straße ging
    Das Kind, wo die grüne Hose anhat

    #96Verfasserhv22 Apr. 05, 10:02
    Kommentar
    ... und wieder einmal ist die Unkaputtmachbarkeit der deutschen Sprache bewiesen!
    #97VerfasserHofnarr22 Apr. 05, 10:04
    Kommentar
    Mein Liebling: "Bitte Ticket stecken"
    Zu finden an diversen Parkhausausfahrten im Esslinger Raum.
    #98Verfassersere22 Apr. 05, 10:06
    Kommentar
    Das mit dem "was" hört man laufend im Fernsehen und Radio, übrigens in der Regel von den gleichen Leuten, die das mit dem e, ee, ä, ää etc. verbreiten.

    Von den Inhalten bzw. Nichtinhalten, die damit einhergehen, will ich gar nicht reden,
    #99VerfasserKln22 Apr. 05, 10:55
     
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