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  • Betrifft

    versandt oder versendet?

    Kommentar
    Wenn ich in irgendeinem Zusammenhang in Aussicht stelle, dass ein Dokument an einem bestimmten Datum "rausgeschickt" wird, muss es dann heißen:

    - Das Dokument wird am ...... versandt. ODER
    - Das Dokument wird am ...... versendet.

    (Bitte keine Hinweise in der Art, dass ich doch einfach ein anderes Verb als "versenden" benutzen soll.)

    Vielen Dank für Hinweise!
    VerfasserTLE15 Jul. 05, 11:50
    Kommentar
    ...versandt...
    #1VerfasserKasimir15 Jul. 05, 11:58
    Kommentar
    Es ist tatsächliches beides erlaubt. 'Versandt' wird allerdings in Germanistenkreisen als die schönere Variante angesehen.
    #2VerfasserRiKo15 Jul. 05, 12:01
    Kommentar
    a) senden (i.S.v. schicken), sandte, gesandt
    b) senden (i.S.v. über den Äther ausstrahlen), sendete, gesendet

    'versenden' wird gem. a) konjugiert; gem. b) kenne ich nur den scherzhaften Ausdruck 'das versendet sich', wenn man sagen möchte, daß ein Patzer nicht so schlimm war und die Aufmerksamkeit sich bald wieder dem weiteren Geschehen zuwenden wird.
    Bei 'aussenden' ist der Unterschied zwischen stark als auch schwach gebeugtem Verb wie bei der Grundform.
    #3VerfasserPeter <de>15 Jul. 05, 12:06
    Kommentar
    Sehr gut. Vielen Dank, Peter <de>.

    Das leuchtet wirklich ein. Also ist nur "versandt" richtig.
    #4VerfasserTLE15 Jul. 05, 12:10
    Kommentar
    @TLE: War mir ein Vergnügen. In Deinem Beispiel: ja. Und bitte 'als auch' durch 'und' ersetzen zu wollen.
    #5VerfasserPeter &lt;de&gt;15 Jul. 05, 12:16
    Kommentar
    Danke für die Erklärung, Peter. Ich war auch immer der Meinung, man müßte "gesandt" sagen, wenn es sich um Briefe handelt (und "gesendet" nur, wenn es sich um einen Fernsehprogramm o.ä. handelt.) In Österreich wurde ich aber immer "ausgebessert" (und ausgelacht), wenn ich (im Büro, zum Beispiel) "gesandt" schreiben/sagen wollte.
    #6VerfasserMary (nz/a)15 Jul. 05, 12:21
    Kommentar
    @Mary: Dann frag' beim nächsten Mal einfach mal, ob die BRÖ 'Gesendete' oder 'Gesandte' in ihre Botschaften schickt :-)

    Dazu gibt es das schöne Bismarcksche Bonmot: Er war zwar Gesandter, aber kein geschickter.
    #7VerfasserPeter &lt;de&gt;15 Jul. 05, 12:33
    Kommentar
    Wenn es um Menschen geht, stimme ich zu. Auf jeden Fall "Abgesandte".

    Im alltäglichen Sprachgebrauch werden aber auch immer wieder Briefe "versendet" - und ist das denn überhaupt bei E-Mails(die ja Dokumente sind, welche "über den Äther" gehen)...?

    Ist es nicht so, dass sich die schwache Form im Sprachgebrauch immer weiter durchsetzen wird, no matter what? Denkt an "backen"!
    #8VerfasserKat15 Jul. 05, 16:21
    Kommentar
    Es ist richtig, dass der allgemeine Sprachgebrauch das Deutsche hier schon weitgehend "verwässert" hat. In Outlook hat man ja auch diese Rubrik "Gesendete Objekte", die eigentlich "Gesandte Objekte" heißen müsste.

    Aber die Tatsache, dass sich eine "falsche" Form nach und nach durchsetzt und dadurch irgendwann (auch) zur "richtigen" geworden ist, sollte einen ja nicht daran hindern, die ursprünglich allein richtige Form zu verwenden, oder?
    #9VerfasserTLE15 Jul. 05, 18:20
    Kommentar
    @TLS: "Gesendete Objekte" ist auch allerschlechterstes Deutsch. Es müsste heißen "Abgeschickte Nachrichten/Mitteilungen"! Aber viel zu viele Leute nehmen ja alles, was gedruckt ist, für gottgegeben und plappern es nach. Insoferne dürfte Microsoft auch das Gefühl dafür, was richtig oder üblich ist, beeinflussen.
    #10VerfasserMurad04 Dez. 05, 16:48
    Kommentar
    Für mich klingt "versandt" etwas veraltet.
    #11VerfasserJan04 Dez. 05, 16:54
    Kommentar
    @Peter:
    Bismarck biss Mark, bis Mark Bismarck biss.
    #12Verfasseroio04 Dez. 05, 17:27
    Kommentar
    In Süddeutschland, Österreich, Schweiz usw. sagt man normalerweise in beiden Fällen "geschickt" "zugeschickt" "verschickt" usw. und vermeidet damit das angesprochene Problem.
    #13VerfasserLeseratz08 Dez. 05, 16:19
    Kommentar
    (Bitte keine Hinweise in der Art, dass ich doch einfach ein anderes Verb als "versenden" benutzen soll.)
    #14Verfassersagte TLE (i.V.)08 Dez. 05, 16:27
    Kommentar
    Für eine plausible Erläuterung mit Beispielen und einer Wortliste empfehle ich die beiden - zumindest für Sprachinteressierte - hochinteressanten Bände "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod".

    (Habe die korrekte Erklärung momentan nicht zur Hand. :-(
    #15VerfasserAlchemist08 Dez. 05, 17:51
    Kommentar
    Wie stets mit den "Sende"formen beim Rundfunksender?
    #16Verfasserduscholux08 Dez. 05, 18:07
    Kommentar
    Hallo alle, ich bin einer von diesen altmodischen Menschen, der noch in den Duden guckt. Band Nr. 9 (Richtiges und gutes Deutsch) kann ich nur wärmstens empfehlen, und der gibt mir unter dem Stichwort "senden":
    "Das Verb 'senden' hat die Formen 'sendete', 'gesendet' und 'sandte', 'gesandt'. Im Bereich der Technik werden nur die Formen mit 'e' gebraucht ... In der Bedeutung "schicken" sind beide Formen gebräuchlich, die Formen mit 'a' sind jedoch häufiger."
    #17VerfasserAndreaP09 Dez. 05, 13:56
    Kommentar

    Hallo AndreaP und alle...

    Die Erklärung ist sehr einfach!


    senden, sendete, gesendet

    versenden, versendete, versendet

    benützt man bei allen geschickten Sachen, die man nicht berühren kann:

    E-Mail, Funkspruch, Radio, Fernsehen, usw...., z.B. das Hauptwort Sendung!


    senden, sandte, gesandt

    versenden, versandte, versandt

    benützt man bei allen anderen geschickten Sachen, die man berühren kann:

    Ansichtskarte, Brief, Paket, usw...., z.B. das Hauptwort Versand!

    Einfach und klar, nicht wahr!? 

    #18Verfasser Sakarakas (1271659) 04 Jun. 19, 12:56
    Kommentar

    Ich habe darüber schon mal gelesen und eben nochmal zur Sicherheit nachgesehen ("Im Zweifel für den Genetiv" aus dem Dudenverlag). Demnach ist es so, dass im technischen Bereich nur die Formen mit "e" gebraucht werden (sendete, gesendet) und ansonsten beides geht - also sowohl mit "e" als auch mit "a" (sandte, gesandt).

    #19Verfasser Pippilotta007 (1196225) 04 Jun. 19, 13:26
    Kommentar

    #18: Einfach und klar, aber nicht wahr!


    Schon vor dreizehneinhalb Jahren hat AndreaP in den Duden (Band 9) geschaut (#17), und an dessen Aussage hat sich seither nichts geändert. Auch #19 bringt da nichts Neues. Was "im Bereich der Technik" bedeutet, ist zwar ein wenig unklar, ich denke aber, damit ist ausschließlich die Bedeutung "drahtlos ausstrahlen" gemeint. Dabei wird kein konkreter Empfänger genannt, im Vordergrund steht einfach die Verbreitung. In dieser Verwendung ist "senden" nicht durch "schicken" ersetzbar, das Verb kann kein Dativobjekt regieren. In der Bedeutung "schicken" dagegen sind beide Formen möglich und üblich, egal, ob die verschickten Sachen anfassbar sind oder nicht:


    Ich habe dir einen Brief / eine Karte / eine E-Mail / eine Nachricht gesandt/gesendet.

    #20Verfasser dirk (236321)  04 Jun. 19, 13:46
    Kommentar

    zu #18: Das ist übrigens genauso einfach, klar und wahr wie die Behauptung, dass das in #18 mehrfach verwendete Verb "benützen" falsches Deutsch sei. ;-)

    #21Verfasser harambee (91833)  04 Jun. 19, 14:04
    Kommentar

    "Ich habe dir einen Brief / eine Karte / eine E-Mail / eine Nachricht gesandt/gesendet."


    Für "...einen Brief..." ist "gesendet" richtig nur wenn es elektronisch gemacht wird, sonst falsch, 

    und wenn "...eine Karte..." eine Ansichtskarte ist, dann ist "gesendet" sicher falsch!

    Grundsätzlich: Man soll sich an die Grundregel halten, nicht fassbar - gesendet, versendet

    und fassbar - gesandt, versandt! Dabei kann man keinen Fehler mehr machen! OK?

    Es ist  schon verwunderlich, dass man diese Regel nicht kennt und nicht beherrscht!

    Schöne Grüße

    P.S.

    Sehr viele Menschen verwechseln auch die Begriffe anscheinend und scheinbar!

    Ich habe schon "Einigen" den Unterschied erklärt!



    #22Verfasser Sakarakas (1271659) 04 Jun. 19, 14:09
    Kommentar

    zu # 21:

    benützen und benutzen, beide Zeitwörter sind gleich richtig, und gleich "falsch"!

    #23Verfasser Sakarakas (1271659) 04 Jun. 19, 14:13
    Kommentar

    zu # 21:

    benützen und benutzen, beide Zeitwörter sind gleich richtig, und gleich "falsch"!


    Das ist mir sehr wohl bekannt, aber wie hier im Forum schon mehrfach belegt wurde, gilt das eben auch für versendet und versandt bei Briefen und Karten. Da helfen auch wiederholte unbelegte Beteuerungen, dass eines falsch ist, nicht. Man kann das bedauern, aber das ändert auch nichts.

    #24Verfasser harambee (91833)  04 Jun. 19, 14:16
    Kommentar

    Die Sprache lebt und ändert sich ständig.

    Die falschen Wörter werden nach längerer Zeit "plötzlich" richtig.

    Durch die Schlamperei(en) wird die Sprache immer weniger schön!

    Die Regeln gibt´s immer weniger, die Ausnahmen und "Freiheiten" immer mehr.

    Die Unsicherheit und Verwirrung beherrschen sowohl die geschriebene als auch die gesprochene Sprache!

    P.S.

    Partizip Perfekt von dem Zeitwort winken gehört in die Gruppe der falsch verwendeten Wörtern, die heute richtig sind. Also: winken, winkte, ……..?

    #25Verfasser Sakarakas (1271659) 04 Jun. 19, 14:31
    Kommentar

    Grundsätzlich: Man soll sich an die Grundregel halten, nicht fassbar - gesendet, versendet

    und fassbar - gesandt, versandt! Dabei kann man keinen Fehler mehr machen! OK?

    Es ist  schon verwunderlich, dass man diese Regel nicht kennt und nicht beherrscht!


    Könntest du bitte einen Beleg für diese angebliche Grundregel liefern?


    Und dein PS verstehe ich nicht. Willst du sagen, winken - winkte - gewinkt sei richtig oder falsch?

    #26Verfasser dirk (236321)  04 Jun. 19, 14:36
    Kommentar

    Ach wie schön, mal wieder jemand, der aus dem Nichts hereingeschneit kommt, uns erklärt, was wir hier jahrelang falsch gemacht haben, Regeln aufstellt, die sonst niemand kennt und über einen angeblichen „Sprachverfall“ lamentiert. Waren das noch Zeiten, als alle sauberes Ur-Indogermanisch gesprochen haben …


    Durch die Schlamperei(en) wird die Sprache immer weniger schön!


    Richtig. Deswegen erlaube ich mir auch darauf hinzuweisen, dass in der geschriebenen Sprache der Genitiv immer noch stilistisch deutlich besser ist als eine Konstruktion mit von. Und dass der Genitiv Plural von Wort nach wie vor der Wörter lautet. Aber das weißt du ja sicher alles :-).

    #27Verfasser JanZ (805098) 04 Jun. 19, 14:42
    Kommentar

    zu # 26

    gewinkt ist richtig, aber das fasche gewunken setzt sich immer mehr durch!

    Leider!

    #28Verfasser Sakarakas (1271659) 04 Jun. 19, 15:04
    Kommentar

    Naja, ich denke ja, dass viele von uns bei LEO gelernt haben, dass die deutsche Sprache vielfältiger ist, als wir oft denken. Auch mir geht es so, dass ich "hat einen Brief gesendet" wohl nicht nutzen würde, aber ich habe durch viele Diskussionen hier gelernt, dass es deshalb nicht unbedingt falsch ist. Ebenso kommt mir benützen nicht über die Lippen, aber ich akzeptiere natürlich, dass es eine akzeptierte Form ist.

    #29Verfasser harambee (91833)  04 Jun. 19, 15:05
    Kommentar

    Durch die Schlamperei(en) wird die Sprache immer weniger schön!


    Alle Sprachen befinden sich in stetigem Wandel. Das ist so, seit die ersten Menschen anfingen, sich durch lautliche Artikulation über komplexe Sachverhalte auszutauschen. Erst mit der Erfindung der Schrift begann man überhaupt, Regeln und Grammatik zu definieren, um einheitliche Standards auch über größere räumliche Distanzen zu schaffen. Solche Regeln sind aber nicht per se "schön", sondern passen sich -- mit einem gewissen Zeitverzug -- an den Sprachwandel an. Und das ist gut so. Was heute noch als "unschön" oder "falsch" gilt, ist morgen Standard; was heute "richtig" ist, klingt morgen hoffnungslos altertümlich. Schon die Sprache Goethes und Schillers wirkt auf uns heute irgendwie "staubig", von der Luthers gar nicht zu reden. 


    Veränderungen bei der Verbflexion sind ein typisches Beispiel für den Sprachwandel. Dabei geht die Tendenz in der Regel weg von der starken und hin zur schwachen Beugung. Manchmal aber auch umgekehrt, wie an der Ausbreitung des Partizips "gewunken" zu erkennen ist.


    Das Verb "senden" befindet sich in einem solchen Wandelprozess. In seiner klassischen Bedeutung als Synonym von "schicken" -- mit Akkusativ- und Dativobjekt -- wurde es früher und wird es immer noch überwiegend stark gebeugt. Die schwache Beugung nimmt aber zu, und das hat nichts damit zu tun, ob das, was versendet wird, anfassbar ist oder nicht. Natürlich waren versendbare Objekte in früheren Zeiten in der Regel irgendwie anfassbar, aber man kann auch z. B. jemandem eine Nachricht senden, indem man sie mündlich überbringen lässt. Für die Verbflexion spielt es keine Rolle, ob die Nachricht auf Papier steht, im Gehirn eines Überbringers oder im Speicher eines Computers existiert. In allen Fällen kann man sagen, die Nachricht wurde jemandem gesandt oder gesendet. Die schwache Beugung ist weder "falsch" noch "unschön", sondern nur neuer.


    Nun hat das Verb "senden" aber seit vielleicht 150 Jahren eine weitere Bedeutung erhalten, nämlich "über eine Funkanlage ausstrahlen", in der es auch grammatisch von der Urbedeutung abweicht. Es kann nämlich in dieser Bedeutung kein Dativobjekt regieren (nicht: "das Fernsehen sendete mir einen Film"), und es kann sogar komplett intransitiv sein ("RTL sendet seit 20 Jahren"). Dieses Verb wird (laut Duden außer in der Schweiz) immer schwach gebeugt.

    #30Verfasser dirk (236321)  04 Jun. 19, 15:55
    Kommentar

    Bravo!

    DANKE

    #31Verfasser Sakarakas (1271659) 04 Jun. 19, 16:48
    Kommentar
    Nach so viel Präskriptivismus ist die Antwort von dirk sehr erfrischend. Ergänzen kann man da vielleicht noch, dass man natürlich sehr wohl „versandt“ für schöner befinden kann – aber im Bewusstsein, dass es sich dabei um eine subjektive Vorliebe handelt. Auch ist was man gerade als schön oder richtig empfindet nicht nur abhängig vom kodifizierten Standard (der dem Sprachgebrauch ausserdem immer nachhinkt), sondern auch von sozialen, politischen und kulturellen Gegebenheiten und Veränderungen. So oder so, was die Leo-Community diskutiert ist immer wieder sehr interessant - deswegen ein Danke an alle für die Beiträge!
    #32VerfasserLommelun (309103) 13 Mär. 20, 12:13
    Kommentar

    Ich habe schon "Einigen" den Unterschied erklärt! (#22)


    Schade, dass dies ein altern Faden ist, sonst hätte noch jemand Sakarakas die Verwendung von Anführungszeichen erklären können.

    #33Verfasser Gibson (418762) 13 Mär. 20, 13:29
    Kommentar

    Und dass man „einige“ immer klein schreibt, selbst wenn es ohne Substantiv steht.

    #34Verfasser JanZ (805098) 13 Mär. 20, 13:42
    Kommentar

    Weiters würde ich dieser Diskussion zu Präskriptivismus noch gerne hinzufügen, dass sehr oft fälschlicherweise angenommen wird, dass Wörter "falsch" gesagt wurden und deswegen heute akzeptiert werden, nur weil sie vom (künstlichen!) Standard abweichen, wenn in Wirklichkeit die Alternative älter ist als der Standard.. nur eben regional und aus einer Region die nicht den Standard beinflusste.


    "versendet" ist älter als der Duden. Das wurde in der süddeutschen/österreichischen Sprache bereits verwendet bevor es überhaupt ein Standarddeutsch (und damit ein "richtig" oder "falsch") gab. Nur basiert Standarddeutsch eben auf Dialekten in denen "versandt" üblicher war, und somit wurde "versendet" nachträglich als "falsch" deklariert.


    Leute die heutzutage mit Standarddeutsch aufgewachsen sind, oder aus Regionen kommen wo der gesprochene Dialekt nahe an Standarddeutsch ist, glauben fälschlicherweise, dass es immer "versandt" war und irgendwann dann irgendwer angefangen hat "versendet" zu sagen. Die Realität ist, dass es je nach Region schon immer beides gab, nur eines wurde standardisiert und das andere nicht.



    #35Verfasser DerManiac (1326746) 27 Mai 21, 16:20
    Kommentar

    Es gibt sicherlich Beispiele für Fälle, in denen es so war, aber hast du auch Belege dafür, dass das speziell bei "versendet"/"versandt" der Fall ist?

    #36Verfasser JanZ (805098) 27 Mai 21, 16:30
    Kommentar

    Wenn man "versendet" bei books.google.com eingibt und auf das 19te Jahrhundert filtert, findet man es in zahlreichen Schriften (ich zähle 245 Ergebnisse), eine überwiegende Mehrheit davon Österreichisch. Ein Beispiel wäre "Pflanzenreich" (der erste Band einer Reihe zum Thema Warenkunde) von Wenzel Brozowksy, von 1869. Dort kommt das Wort 61 mal vor, meist im Bezug auf Versand von Waren. Das ist damit älter als der Duden. Ob das damit älter als Standarddeutsch ist ist bestreitbar (wann hat Standarddeutsch denn wirklich genau begonnen?) aber zumindestens schonmal ein Beleg dass es lange vor dem Duden regional gebräuchlich war.


    Selbst Grimm hat zahlreiche Beispiele für "versendet", manche aus dem 12. Jahrhundert. Grimm selbst schreibt als Beispiel: "ich habe gestern an ihn eine anzahl warenproben versendet"

    #37Verfasser DerManiac (1326746)  27 Mai 21, 17:04
    Kommentar

    Gemeinhin sagt man ja, die starke Verbformen seien älter. Sprachkritiker fühlen sich dann dazu hingerissen, die schwachen Formen als neumodische Schlampereien zu bewerten ...


    Wenn man den Sprachwandel betrachten möchte, lohnt sich immer ein Blick in das Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Und da steht in diesem Falle beim Verb 'senden' Erstaunliches:


    im gebrauch der umgelauteten und nicht umgelauteten formen des perf. im nhd. ist keine feste gewohnheit zu beobachten, die formen werden im allgemeinen unterschiedslos verwendet


    und weiter


    dem neueren sprachgefühl scheint sandte näher zu liegen als sendete


    Es folgen etliche Beispiele von Goethe und Schiller, die beide Formen scheinbar willkürlich verwendeten, auch in Fällen, wo die schwache Form heute seltsam klingt. Abgesehen davon, dass die scheinbare Willkür dem Versmaß geschuldet sein könnte, haben auch die Brüder Grimm schon beobachtet, dass es zuweilen auch einen Wandel von einer existierenden schwachen zurück zur starken Flexion geben kann.



    #38Verfasser ghost_4 (1278168)  27 Mai 21, 17:52
    Kommentar
    Echte Verständnisfrage: wenn das wirklich eine „scheinbare“ Willkür bei Goethe ist, müssen sie ja doch ein System dahinter gehabt haben - ist dieses System bekannt? (Scheinbar: etwas ist nicht, wie es scheint und der Sprecher weiß, dass es nicht so ist; hier also: die Vergangenheitsformen wurden gar nicht willkürlich genutzt, es sieht nur so aus))
    Oder ist „anscheinend“ gemeint im Sinne von „wahrscheinlich“ (anscheinend: der Sprecher ist sich nicht sicher, ob die Aussage so stimmt)?
    #39Verfasser Qual der Wal (877524)  28 Mai 21, 11:07
    Kommentar

    Du verwechselst das Adjektiv "scheinbar" und das Adverb "scheinbar".


    Die Definition "etwas ist nicht, wie es scheint und der Sprecher weiß, dass es nicht so ist" trifft nur auf das Adjektiv zu, also in so Phrasen wie "der scheinbare Widerspruch ist gar keiner" oder "der scheinbare Frieden trügt".


    Im Satz "Es folgen etliche Beispiele von Goethe und Schiller, die beide Formen scheinbar willkürlich verwendeten" ist es aber ein Adverb. Die adverbiale Nutzung von "scheinbar" ist immer synonym zu "anscheinend".

    #40Verfasser DerManiac (1326746) 28 Mai 21, 11:21
    Kommentar
    Nun, abgesehen davon, dass mir diese Unterscheidung völlig neu ist, hat Ghost_4 „scheinbar“ einmal als Adverb, einmal adjektivisch benutzt. Welche Bedeutung ist dann jetzt gemeint?
    #41Verfasser Qual der Wal (877524) 28 Mai 21, 12:04
    Kommentar

    Duden Universalwörterbuch kennt kein Adverb scheinbar, nur das Adjektiv in adverbialer Verwendung:

    Das Adverb anscheinend besagt, dass etwas allem Anschein nach tatsächlich so ist, wie es sich darstellt. Es ist also nicht synonym zum Adjektiv scheinbar. In der Alltagssprache wird scheinbar allerdings häufig adverbial im Sinne von anscheinend verwendet.


    Duden Band 9 schreibt:

    Die Unterscheidung zwischen den beiden Wörtern ist relativ jung, sie wurden erst im 18. Jh. gegeneinander abgegrenzt und differenziert. So wird in der Alltagssprache weiterhin scheinbar im Sinne von »anscheinend« verwendet.

    #42Verfasser dirk (236321)  28 Mai 21, 12:12
    Kommentar

    Die Unterscheidung kannst du im Duden nachlesen. Dort gibt es "scheinbar - Adverb - umgangssprachlich".


    Stimmt, hab übersehen, dass es zweimal genutzt wurde. Finde es ist aber immer klar:


    die beide Formen scheinbar willkürlich verwendeten: hier wird es adverbial genutzt, also heißt es "anscheinend".


    dass die scheinbare Willkür dem Versmaß geschuldet sein könnte: Hier wird gemutmaßt, dass es vielleicht aufgrund des Versmaßes sein könnte, und es also nicht eine wirkliche, sondern nur eine scheinbare Willkür ist.

    #43Verfasser DerManiac (1326746)  28 Mai 21, 12:13
    Kommentar

    Die adverbiale Nutzung von "scheinbar" ist immer synonym zu "anscheinend".


    Dieser Behauptung möchte ich doch vehement widersprechen. Auch, wenn es in der Alltagssprache oft nicht unterschieden wird, so bedeuten die Aussagen "das Bild stammt scheinbar von van Gogh" und "das Bild stammt anscheinend von van Gogh" doch eigentlich etwas elementar Verschiedenes.

    #44Verfasser dirk (236321)  28 Mai 21, 12:18
    Kommentar
    Danke dirk, so kenne ich es auch.
    #45Verfasser Qual der Wal (877524) 28 Mai 21, 12:21
    Kommentar

    Nachdem das hier ne Diskussion über Präskriptivismus war, und es offensichtlich darum ging, dass jemand bemängeln wollte, dass scheinbar nicht wie vorgeschrieben verwendet wurde, basierte ich mein Argument eben auch auf Präskriptivismus. Und Duden schreibt vor:


    scheinbar - Adverb - umgangssprachlich:

    Bedeutung: anscheinend


    Das Adverb anscheinend besagt, dass etwas allem Anschein nach tatsächlich so ist, wie es sich darstellt. Es ist also nicht synonym zum Adjektiv scheinbar. In der Alltagssprache wird scheinbar allerdings häufig adverbial im Sinne von anscheinend verwendet.


    > Auch, wenn es in der Alltagssprache oft nicht unterschieden wird, so bedeuten die Aussagen "das Bild stammt scheinbar von van Gogh" und "das Bild stammt anscheinend von van Gogh" doch eigentlich etwas elementar Verschiedenes.


    Nachdem du zwischen Alltagssprache und "tatsächlicher" Bedeutung unterscheidest, dürftest du einen Beleg dafür haben, dass diese tatsächlich unterschiedlich sind, oder?

    #46Verfasser DerManiac (1326746)  28 Mai 21, 12:34
    Kommentar

    Duden schreibt nicht vor, sondern stellt nur fest, dass "scheinbar" umgangssprachlich oft adverbial im Sinne von "anscheinend" verwendet wird. Diese Tatsache kritisiert zwar mancher, bezweifelt aber niemand.


    Deine Ausführungen lesen sich aber so, als sei der adverbiale Gebrauch von scheinbar generell umgangssprachlich und deshalb immer mit anscheinend austauschbar. Das sehe ich eben anders, und das habe ich mit den Beispielen erklärt:


    Das Bild stammt scheinbar von van Gogh -> es sieht aus wie von van Gogh gemalt, ist aber mit Sicherheit eine Fälschung.

    Das Bild stammt anscheinend von van Gogh -> es gibt ausreichend Hinweise für die Annahme, dass das Bild tatsächlich von van Gogh stammt.


    Das sind zwei verschiedene, völlig schriftsprachkonforme Aussagen, die sich nur durch das Adverb (bzw. adverbial gebrauchte Adjektiv) unterscheiden.

    #47Verfasser dirk (236321) 28 Mai 21, 14:46
    Kommentar

    Ich denke du hast recht. Was mich aus der Bahn geworfen hat ist, dass es einen extra Eintrag für "scheinbar" als Adverb gibt, wo es nur die eine Definition gibt (die die "anscheinend" bedeutet) aber keinen Eintrag für das standardsprachlich adverbial gebrauchte "scheinbar". Das klang für mich so als gäbe es das standardsprachliche adverbiale "scheinbar" gar nicht. Wahrscheinlich ist das so, weil die umgangsprachliche Nutzung nur adverbial existiert und daher einen eigenen Eintrag als Adverb bekommt, während die standardsprachliche Nutzung sowohl als reguläres Adjektiv als auch adverbial existiert, und daher nur einmal definiert wird (und dann eben als Adjektiv).

    Deine Beispielsätze halfen mir da auch überhaupt nicht, weil die in meinem Sprachgebrauch komplett synonym sind. Ich würde da gesprochen nur durch Tonlage unterscheiden (das "scheinbar" betonen wenn ich anzeigen will, dass es NUR Schein ist)


    So nenebei: Das ist anscheinend ;-) auch so eine Sache wo die umgangssprachliche Nutzung älter ist als das standardsprachlich Vorgeschriebe... Grimm hat nämlich auch "scheinbar" als Synonym zu "anscheinend"

    #48Verfasser DerManiac (1326746)  28 Mai 21, 15:24
    Kommentar
    Aber was ghost_4 jetzt gemeint hat, wissen wir immer noch nicht. 😉
    #49Verfasser Qual der Wal (877524) 28 Mai 21, 15:48
    Kommentar

    Als seltener Gast im Englisch-Forum bin ich gerade etwas schockiert darüber, dass offenbar noch niemand in diesem Faden darauf hingewiesen hat, dass sendete und sandte beides schwach gebeugte Verbformen sind.

    Der sogenannte Rückumlaut in sandte (auch z.B. in wandte / wendete) ist heute auf nur wenige Verben beschränkt, war in früheren Jahrhunderten deutlich verbreiteter.

    #50Verfasser Ludwig (236353)  28 Mai 21, 21:02
    Kommentar

    Du hast recht, Ludwig, was ich vor zwei Jahren in #30 geschrieben habe, stimmt so nicht. Sandte, gesandt sind keine "starken" Verbformen im eigentlichen Sinn, sie folgen der "regelmäßigen" oder "schwachen" Konjugation, bis auf den Ablaut. Danke für den Hinweis.

    #51Verfasser dirk (236321) 28 Mai 21, 22:46
    Kommentar

    Offenbar ist der grimmsche (früher: Grimmsche) Begriff Rückumlaut nicht besonders bekannt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckumlaut


    Dort steht unter anderem: "Im Neuhochdeutschen zeigen schließlich nur noch wenige Verben Rückumlaut (brennen, denken, kennen, nennen, rennen, senden, wenden)."

    #52Verfasser Ludwig (236353)  31 Mai 21, 07:31
    Kommentar

    Danke für den Link, Ludwig, das war mir nicht bekannt.

    Aber fehlen in der Liste der neuhochdeutschen Verben, die dieses Phänomen aufweisen, dann nicht können, mögen und dürfen?

    #53Verfasser dirk (236321)  31 Mai 21, 07:48
    Kommentar

    Das Stichwort zu #53 heißt Präteritopräsentia.

    #54Verfasser Ludwig (236353) 02 Jun. 21, 21:16
    Kommentar

    OT - Danke, Ludwig! Dieses Wort hab ich stundenlang gesucht und nicht gefunden!

    Hast Du vielleicht auch noch eine gute Eselsbrücke zum Merken? ;-)

    #55Verfasser manni3 (305129)  03 Jun. 21, 11:57
     
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