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leo-ende
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Languages designed to kill unsuspecting foreigners

15 replies   
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As (almost) everyone here surely knows, a common mistake that English speakers learning German make is assuming that "Gift" is a cognate. It, in fact, is not - saying "I would like to buy a gift for my wife - we had a fight earlier today" could lead to jail time rather than a pleasant shopping experience. This is the case for almost all uses of Gift in German, with two exceptions that I'm aware of: the first is its presence in Mitgift (dowry) and the second I have only ever come across in Goethe's Faust, which is "Gift" in the meaning of Geschenk. Of course, there's also a "Mitgift" in the death and agony inducing sense when one gets married, but most Germans just call that the Schwiegermutter ba dum tish.

It occurs to me that this also occurs in French - it's relatively easy if you don't keep track of your s's to order the poison instead of the fish.


Two questions: does anyone who has better access to German etymological resources than me know when, approximately, Gift became poison and why "Mitgift" did not? Second, are there similar confusions with poison in other languages that could lead to a non-informed person making some dangerous mistakes?
AuthorLonelobo (595126) 22 Aug 10, 22:49
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This will probably not answer your question, but it is a nice comment :
http://www.arte.tv/de/Alle-Rubriken/675290.html
das Gift
Bald ist Weihnachten – Zeit der Geschenke und Gaben. Nun, so einfach ist das nicht. Waltraud Legros erklärt uns die Zweideutigkeit dieser Begriffe.
So erstaunlich es klingen mag: das Wort GIFT kommt direkt vom Verb "geben", genau wie "die Gabe". Und lange Zeit bedeutete "Gift" auch die Gabe, das Geschenk. Im Englischen bedeutet "gift" übrigens immer noch Geschenk oder Begabung. Und das Vermögen, das die junge Braut in die Ehe mitbringt, heißt im französischen "la dot" - kommt also deutlich vom Verbum "donner", "geben" - während die deutsche Braut immer noch eine "Mit-gift" bekommt! Wie aber konnten aus ein und demselben Verb - "geben" - zwei so gegensätzliche Begriffe wie Gabe und Gift hervorgehen?

Die französische Vokabel für Gift, nämlich "poison" stellt uns vor dieselbe Frage. "Poison" kommt vom lateinischen "potio". Doch auch hier haben sich aus ein und demselben Wort zwei gegensätzliche Begriffe gebildet: "la potion", nämlich der Heiltrunk, und "le poison", das Gift. Wäre also die hilfreiche oder schädliche Wirkung ein und desselben Mittels, ein und derselben Geste nur eine Frage der Dosierung? Anders gesagt: wäre etwa Gift im Grunde nur ein Zuviel des Guten? Genau! Und vielleicht enthält tatsächlich im Grunde jedes Geschenk sein Quentchen Gift: es verpflichtet.

Das hatten die Indianerstämme der Nordwestküste Amerikas sehr wohl verstanden und eine erstaunliche Art des Kriegführens ersonnen: der Stammeshäuptling beschenkte seinen Rivalen ostentativ mit unermesslichen Gütern. Dieser musste auf die Herausforderung antworten, das heisst überbieten, was eine neue Herausforderung darstellte und so weiter bis zum Ruin des einen oder anderen. Hier wird die Geste des Gebens deutlich zur Geste der Demütigung des Beschenkten, - wird die Gabe zu Gift. "Gabe" und "Gift" im deutschen, potion und poison im französischen sind also Wörter die uns daran erinnern, dass Gut und Böse aus demselben Stoff gemacht sind und dass alles, auch das Geben, eine Frage der vernünftigen und aufmerksamen Dosierung ist.

Text: Waltraud Legros
Bild: Joris Clerté

Erstellt: 24-11-04
Letzte Änderung: 10-09-09
#1Authorno me bré (700807) 22 Aug 10, 22:56
Comment
and the second I have only ever come across in Goethe's Faust, which is "Gift" in the meaning of Geschenk.

Bist du dir sicher?

--------------------

Gift auf Englisch und Deutsch haben beide dieselbe Wurzel: to give bzw. geben.

Duden Herkunftswörterbuch:
Gift:
- Althochdeutsch/Mittelhochdeutsch: gift = "das Geben; Gabe; Übergabe; Gift" (vgl. u.a. aengl.: gift "Gabe, Geschenk, Mitgift")
- Die alte Bedeutung "Gegebenes, Gabe" ist heute nur noch in den Zusammensetzungen Mitgift und Handgift (schweiz., Schenkung) erhalten
- die heute allein übliche, schon für das Althochdeutsche bezeugte Bedeutung "Gift" ist Lehnbedeutung nach griechisch-spätlateinisch "dosis", das eigentlich "Gabe" bedeutet, aber auch als verhüllender Ausdruck für Gift gebraucht wurde.
- ein euphemistischer Ausdruck für Gift ist z.B. auch frz. "poison", eigentlich Trank (lat. potio).
#2AuthorSarah22 Aug 10, 23:02
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Ja, bei Goethe gab es noch beides (Faust I. V, 1053).

Mit dem Bedeutungswechsel ging auch ein -zur Unterscheidung wichtiger- Genuswechsel einher:
Die Gift = Gabe
Das Gift = Gift
#3Authorjudex (239096) 22 Aug 10, 23:05
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@2: "Bist du dir sicher?"

Well, no. That's why I asked - although I guess I thought it was clear from my question that I recognized that at some point German and English "Gift" had a common root, as indicated by my noting that Mitgift still had the same meaning of "Gift" as in contemporary English and that Goethe used the word Gift to mean Geschenk quite some time ago, suggesting that they have since diverged - I asked about the etymology and if anyone knew when "Gift" became poison.

Perhaps it's a language barrier thing and I'm reading sarcasm into your response that isn't actually there?
#4AuthorLonelobo (595126) 22 Aug 10, 23:11
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Ihr habt natürlich recht!

Aus Faust II:

"Des Kaisers Wort ist groß und sichert jede Gift" 

Interessant! Wisst ihr vielleicht, wie lange das Wort "Gift" im Sinne von "Geschenk" im Neuhochdeutschen noch im Gebrauch war?

#5AuthorSarah22 Aug 10, 23:12
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Sarkasmus? Nein, das war eine ernstgemeinte Frage.
#6AuthorSarah22 Aug 10, 23:13
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I asked about the etymology and if anyone knew when "Gift" became poison.

Wie ich bereits geschrieben habe, hatte das Wort Gift die Bedeutung von "todbringende Substanz" schon im Althochdeutschen, daneben gab es aber noch die weitere Bedeutung "Geschenk". Im Laufe der Zeit fand eine Bedeutungsverengung auf "todbringende Substanz" statt.

Wann genau diese Bedeutungsverengung ihren Abschluss gefunden hatte, sagt der Duden leider nicht.
#7AuthorSarah22 Aug 10, 23:18
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Goethe hat es im Faust sicher schon etwas altertümelnd verwendet. Man kann also davon ausgehen, daß, spätestens um 1800, die Bedeutung Geschenk verschwunden war.
#8Authorjudex (239096) 22 Aug 10, 23:26
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@8: Danke, das hatte ich auch vermutet, deshalb war ich ja so überrascht.

Die entsprechenden Referenzwerke kann man bei Google-Books leider an den entscheidenden Stellen nicht einsehen :-(, aber zumindest bei Luther, also im Frühneuhochdeutschen, war die Verwendung von "Gift" in beiden Bedeutungen anscheinend noch gängig.
#9AuthorSarah22 Aug 10, 23:35
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@6: Sorry, my mistake then. I misinterpreted your post. Thanks for your help with the etymology!
#10AuthorLonelobo (595126) 22 Aug 10, 23:36
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@10: :-)
#11AuthorSarah22 Aug 10, 23:38
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Die Fundstelle in Faust I, die ich aus dem Kluge habe, trägt übrigens IMO nicht. Interessant ist, daß es da "der Gift" ist:

Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas,
Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben:
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt.
#12Authorjudex (239096) 22 Aug 10, 23:44
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aus Kluge (1975)
Gift, n. früher auch f. m. (so noch Goethe 1801 Faust I V.1053).
...
Noch Goethe schreibt Gottes wahre Gift.
Als Euphemismus, gewiss unter Einfluss des Ersatzes von lat. venenum durch gr.-lat. dosis, ist ahd. gift an die Stelle von luppi, mhd. lupper 'venenum' gerückt. Das zunächst wie 'Gabe' feminine 'venenum' erfährt differenzierenden Genuswechsel: vom 16. - 19. Jh. ist gift 'venenum' f. m. und n. Das zuerst 1595 belegte N. hat sich durchgesetzt.
...
In Österreich bed. 'vergeben' heute noch 'Gift eingeben'. Engl. gift 'Gabe' stammt aus dem Altnord.


s. a. GRIMM
#13Authormanni3 (305129) 22 Aug 10, 23:53
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Adelung (1811) sagt, dass "Gift" mit allen drei Geschlechtern vorkommt, in der (schon damals veralteten) Bedeutung "Gabe" allerdings nicht männlich. Die Goethestelle aus Faust I ist schon deshalb kein Beleg. Die Stelle, die judex in #12 zitiert, schildert die alchimistische Herstellung einer Arznei, vermutlich Quecksilberchlorid, aus "Leu" (Quecksilber) und "Lilie" (Salzsäure bzw. der weißliche Niederschlag derselben) -- Faustkommentar von A. Schöne. "Brautgemach" usw. sind alles "geheime" Bezeichnungen der Alchimisten. Bei Isaac Newton findet sich ähnlich esoterisches Vokabular auf Englisch.

Faust II, 10927 dagegen ist einschlägig. Insgesamt werden nur zwei Goethezitate aus dem 19. Jh. mit der Bedeutung "Geschenk" gefunden. Im Barock (z.B. Opitz) kommt es häufiger vor. Umgekehrt ist die übertragene Bedeutung "Zorn" (in der Kollokation "Gift und Galle speien") bis auf Luther zurückverfolgbar.

Es existiert also eine mehrere Jhh. währende Parallelität, bis sich die Bedeutung "gefährliche Substanz" mit der Festlegung auf den sächlichen Artikel im 18. Jh. durchsetzt und im 19. abgeschlossen wird, wohl über die beschönigende Lehnübersetzung "dosis = Gabe", wie eben schon manni3 angemerkt hat. So auch Paul, DWB.
#14AuthorsebastianW (unplugged)23 Aug 10, 03:35
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...wie eben schon manni3 angemerkt hat: Entschuldigung, diese Verbindung hat auch schon sarah in #2 zitiert.
#15AuthorsebastianW + Edith23 Aug 10, 03:39
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