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  • Betreff

    baila morena

    Quellen
    Hallo leos,

    Es gibt von Zucchero ein Lied namens Baila morena.
    Der Refrain geht folgendermaßen:

    Baila, baila morena
    bajo de esta luna llena,

    Die zweite Seite heißt wohl unter dem Mond? Nur was ist mit baila morena gemeint? Dunkler Tanz?!

    Würde mich sehr über eine Antwort freuen :)
    Danke!!
    Verfasserkati08 Dez. 10, 21:07
    VorschlagSeite = Zeile
    Quellen
    Ich mein natürlich, die zweite Zeile, sorry :)
    #1Verfasserkati08 Dez. 10, 21:08
    VorschlagSeite = Zeile
    Quellen
    Ich mein natürlich, die zweite Zeile, sorry :)
    #2Verfasserkati08 Dez. 10, 21:08
    Kommentar
    Baila, baila morena - das heisst "Tanz, tanz, Brünette/Dunkelhaarige/Dunkelhäutige!

    Bajo esta luna llena - unter diesem vollen Mond/Vollmond
    #3Verfasser................................08 Dez. 10, 21:41
    Kommentar
    Liebe Kati, Du meinst natürlich weder Seite noch Zeile, Du meinst natürlich (¿wie natürlich ist das eigentlich?) Vers......
    #4Verfasser qarikani (380368) 08 Dez. 10, 23:11
    Kommentar
    Du meinst natürlich .... Vers......

    Nein, so natürlich ist das keineswegs.

    Im ( noch ziemlich) katholischen Lateinamerika stimmt dieser Satz sicher. In Deutschland muss man damit vorsichtig sein, denn im protestantischen Sprachgebrauch ist Vers - Strophe.
    ('Wir singen jetzt das Lied Nr.x, Vers 1, 3 und 5!')

    Und deshalb meint Kati eben doch Zeile, und um ganz sicher zu sein, um was es geht, kann man sogar Verszeile sagen, also eine rhythmisierte Zeile, selbst wenn sich manch' Gebildeter ob dieser Tautologie mit Graus abwendet.
    #5Verfasser costeña (589861) 09 Dez. 10, 06:55
    Quellen
    Edgar Allan Poe
    Die Logik des Verses

    siehe auch:
    Edgar Allan Poe
    Das poetische Prinzip
    Kommentar
    @costeña: dazu paßt auch die Auffassung Edgar Allan Poes:

    Poe schreibt:

    Der Vers, vom lateinischen vertere, wenden, hat seinen
    Namen vom Wenden oder Neuanfangen einer Versfußreihe.
    So ist ein Vers, genau genommen, eine Zeile. In dieser Hinsicht
    jedoch habe ich es vorgezogen, nur das letztere Wort zu verwenden;
    das erstere dagegen in dem zu Beginn des Artikels definierten allgemeinen Sinn.
    [Beginn des Artikels:]
    Das Wort "Vers" wird hier nicht in seinem strengen oder ursprüng-
    lichen Sinn gebraucht, sondern bietet sich als der bequemste Aus-
    druck an, will man allgemein und ohne Pedanterie all das bezeich-
    nen, was mit Rhythmus, Reim, Metrum und Versbildung zusammenhängt.
     
    #6VerfasserTölpel09 Dez. 10, 07:37
    Kommentar
    Also die Sache ist kompliziert. Ich muss zugeben, dass der allgemeine deutsche Sprachgebrauch Vers und Strophe gelegentlich synomymisiert. Im Spanischen gibt es diese Konfusion auch. Das geht aber eindeutig gegen die literaturwissenschaftliche Praxis, sowohl der Germanisten als auch der Hispanisten. Poe ist in diesem Zusammenhang keine Autorität, denn der Sinn des englischen verse ist verschieden vom deutsch/spanischen Vers/verso. Falsche Freunde, wie man so schön sagt.
    Tatsächlich geht die Gleichsetzung von Vers und Strophe im Deutschen auf das lutheranischen Kirchenlied zurück. Das hatte aber da einen Sinn, entsprach doch idealerweise eine Liedstrophe einem Bibelvers. Mit Vers war also nicht die Strophe gemeint, sonder der Bibelvers.
    #7Verfasser qarikani (380368) 09 Dez. 10, 13:53
    Kommentar
    Voll einverstanden mit dem Gesagten, nur die Konsequenz hier ist anders. Eben weil man um mögliche Missverständnise weiß, deshalb kann man auch innerhalb der Literaturwissenschaft Zeile sagen, wenn man Vers meint. Diese beiden Begriffe werden jetzt synonym verwendet, um sich deutlich vom Lutherschen Sprachgebrauch abzuheben - und deshalb darf die liebe Kati in der Anfrage ruhig auf die Zeile in einem sichtlich lyrischen Text verweisen und muss nicht korrigiert werden.

    Das Problem könnte sich demographisch lösen. Demnächst werden nicht mehr allzu viele bei Vers an Luther denken, und dann ist der Begriff wieder völlig frei für die Literaturwissenschaftler.

    #8Verfasser costeña (589861) 09 Dez. 10, 14:31
    Kommentar
    @quarikani:

    Wenn ein Spanier etwas über Verskunst schreibt, dann gilt das
    deiner Meinung nach nur für spanische Verse. Gell?

    Das hast du nicht gesagt, gebe ich zu. Aber bei Poe unterstellst
    du diese eingeengte Sichtweise.
    Der Artikel Die Logik des Verses betrifft Grundprinzipien
    abendländischer Versdichtung.

    Im übrigen spiegelt Poes Einordnung von Vers und Strophe unsere
    heutige Sichtweise wieder, bloß daß Poe genau wußte, wovon er
    redete (im Gegensatz zum Umgangssprachler).
    #9VerfasserTölpel09 Dez. 10, 14:31
    Kommentar
    Also wenn ich mal ein wenig google dann wird meine Vermutung bestätigt. Eine Zeile ist eindeutig definiert. Ein Vers kann auf eine Zeile gequetscht sein, muß es aber nicht. Er kann auch über einen Abschnitt gehen.

    Hier wäre dann wohl beides richtig, finde ich :-)
    #10Verfasser Hans (DE) (686996) 09 Dez. 10, 15:01
    Kommentar
    OK, Costeña, ich hätte kati nicht korrigieren sollen. Der allgemeine Sprachgebrauch gibt ihr Recht. Ich bleibe allerdings dabei, dass streng genommen, ein Vers eben ein Vers und keine Strophe ist. Es sei Dir übrigens unbenommen, von Verszeile zu sprechen oder von Zeile schlichtweg, sofern Du den Unterschied beachtest: Ein Vers hat mit Rhythmus zu tun, eine Zeile mit seiner graphischen Darstellung.
    Der kleine Wiki-artikel ist übrigens sehr präzise.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vers
    Ebenso und noch klarer die Einladung zu einer Vorlesung an der Uni Düsseldorf:
    http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/l...

    Tölpel: Es ist mir schon klar, dass Poe im zitierten Text sich nicht ausschliesslich auf Dichtung auf Englisch bezieht, aber er reflektiert eben auf Englisch, und das englische Wort verse hat eben eine viel breitere Bedeutung als der deutsche Vers oder der spanische verso. Genau das autorisiert ihn zu seinen Überlegungen. Die deutsche Übersetzung des Poetextes ist jedenfalls ungenau, wenn nicht zumindest in einer Fussnote auf diese Tatsache hingewiesen wird.
    #11Verfasser qarikani (380368) 09 Dez. 10, 18:21
    Kommentar
    @qarikani #11:

    Übersetzung ungenau?

    Na, dann bitte ich um die entsprechenden Zitate im originalen
    Poe-Text in Englisch. Das dürfte kein Problem sein, wenn man
    solche Behauptungen aufstellt.

    Mein deutscher Text stammt aus dieser Quelle (soll nicht ein-
    schüchtern, muß bloß belegt werden):

    E.A.Poe Band 10
    Herausgegeben von
    Kuno Schumann und
    Hans Dieter Müller

    Deutsch von
    Richard Kruse,
    Friedrich Polakovics und
    Ursula Wernicke

    Manfred Pawlak usw. usw.

    Originalausgabe
    Walter-Verlag AG Olten 1966


    #12VerfasserTölpel09 Dez. 10, 19:17
    Kommentar
    Was für eine Behauptung habe ich aufgestellt?
    #13Verfasser qarikani (380368) 09 Dez. 10, 20:25
    Quellen
    @qarikani sagte:
     
    Die deutsche Übersetzung des Poetextes ist jedenfalls ungenau.
    Kommentar
    Um diese Behauptung zu begründen, müßte man mindestens neben den
    von mir zitierten deutschen Text den Originaltext Poes stellen,
    damit sich jeder ein Bild machen kann.

    Bloß behaupten reicht nicht.
    #14VerfasserTölpel09 Dez. 10, 20:34
    Kommentar
    Tölpel: wenn der Übersetzer verse mit Vers übersetzt und nicht zumindest auf die unterschiedliche Bedeutung dieser beiden Wörter hinweist, ist die Übersetzung ungenau oder irreführend.... da gibt es nichts zu belegen. Es reicht, wenn Du die Definition von verse und Vers im Wörterbuch oder in der Wiki nachschlägst. Was ich nicht weiss, ist, ob der Übersetzer/Herausgeber tatsächlich nicht irgendwo auf diesen Unterschied aufmerksam macht.
    #15Verfasser qarikani (380368) 09 Dez. 10, 21:00
     
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