•  
  • Betreff

    Turco e l'idea

    [Lit.][veraltet]
    Quellen
    ACMET
    Sandrin, colei ch'è teco è quella appunto
    che piace agli occhi miei.
    SANDRINO
    Belisa è questa.
    BELISA
    La vostra serva umil.
    (prendendola per un braccio)
    ACMET
    Dunque vien meco.
    BELISA
    Olà, signor, che impertinenza! Abbiate
    più rispetto di me.
    (si distacca sdegnosamente)
    ACMET
    Tu non dicesti
    che sei la serva mia?
    BELISA
    Turca è l'idea.
    ACMET
    Dunque non m'ami?
    BELISA
    Acciò ch io v'ami, a voi
    tocca a ispirarmi amor.
    Kommentar
    Das obige Zitat stammt aus einem Libretto von Giambattista Casti (Il re Teodoro in Venezia, Wien, 1784 mit Musik von Paisiello uraufgeführt).
    Casti war bekannt für zeitpolitische Satire, das Libretto ist auch kurz vor dem zweiten Türkenkrieg (Österreich+Rußland gegen das Osmanische Reich 1787) entstanden.

    Ich frage mich jetzt in diesem Zusammenhang, ob das Adjektiv "turco" noch eine weitere Bedeutung haben könnte als eben einfach nur "türkisch" - das wäre für Casti fast ein wenig zu platt.

    Verfassermaurice.chales.de.beaulieu (468946) 15 Jan. 11, 18:19
    Kommentar
    Ohne Kontext habe ich hier in etwa "abwegig/wild/fremdartig" verstanden.

    Hintergrund (und bitte, ich rede jetzt vom 18. Jahrhundert!): Seit mindestens zwei hundert Jahren hatten Piraten im nordwestlichen Mittelmeer Angst und Schrecken verbreitet, die Meisten davon waren Türken oder wurden mit den Türken identifiziert, sodass im kollektiven Bewusstsein "der Türke" einen besonders grausamen und barbarischen Gegner darstellte.

    Nachdem ich das Libretto gefunden habe, würde ich hier mit "typisch Türke" übersetzen. Vom Anfang an Acmet, ein Türke, wird von Belisa wegen seiner stolz-herrisch-ungehobelten Art aufgezogen und sie will ihm seine Machomanieren austreiben:

    BELISA
    ..Prendermi spasso
    con quel turco vogl'io. Vo' che conosca
    qual differenza passa
    fra una schiava circassa
    e una donna europea..
    ..
    ACMET
    (presenta con aria autorevole un anello a Belisa)
    Prendi questo gioiello: amami e taci.
    BELISA
    Che rozzo modo è quello
    d'offrir doni a una giovine che s'ama?
    ..
    BELISA
    Scuso l'ardire, Acmet, e accetto il dono.
    .. Bravo davver: da un turco
    tanto non attendea..


    Ich meine also, spezifisch an der Stelle ist mit "Turca è l'idea" in etwa "türkische Vorstellung" oder besser "typisch Türke!" gemeint.

    Ich nehme an, dass im Kontext des ganzen Libretto die Figur Acmet die expansionistische, ungehobelte türkische Macht personifiziert, der das kultivierte Europa (Belisa) bessere, bescheidenere Manieren beizubringen zu wissen wird.
    #1VerfasserMarco P (307881) 15 Jan. 11, 19:48
    Kommentar
    Stilistisch finde ich "typisch türkisch" etwas unpassend, und überhaupt scheint mir die Referenz an Türkisches hier schwierig, weil der moderne Deutsche etwas ganz anderes im Sinn hat, wenn er an "typisch tükisch" denkt, nämlisch das Stereotyp "Was guckst du?" und Muttis mit Kopftuch. Und man muss die Spannungen zwischen türkischen und deutschen Deutschen ja nicht unnötig verstärken, indem man "türkisch" als negativ besetztes Adjektiv verwendet. Wenn du das ungehobelte, wilde, grausame transportieren willst, sag doch "barbarisch". Aber "femdartig", "abwegig" etc. ist doch super.
    Aber ich nehme an, m.c.d.b. will das gar nicht übersetzen, sondern nur verstehen.
    #2Verfassertigrottello (765426) 16 Jan. 11, 11:23
    Kommentar
    Deswegen hatte MarcoP ja explizit auf den geschichtlichen Hintergrund verwiesen. Zudem hat er es ja auch nicht übersetzt, sondern erklärt. Und zwar, aus damaliger Sicht gesehen, gut - wie ich finde.
    #3VerfasserDanita (660763) 16 Jan. 11, 11:37
    Kommentar
    Danita... klar hat er das gut erklärt. Ich bezog mich darauf: "würde ich hier mit "typisch Türke" übersetzen". Da hat das Übersetzerhirn angefangen zu rattern und zu klappern ;-)
    #4Verfassertigrottello (765426) 16 Jan. 11, 12:03
    Kommentar
    Ok. ;-)
    #5VerfasserDanita (660763) 16 Jan. 11, 12:40
    Kommentar
    Es kann rattern und klappern, aber in dem kurzen Stück sagt Belisa vier oder fünf Mal "turco", und jedesmal mit der gleichen herabsetzenden Betonung. Habe ich in #1 zitiert, du hast es nicht gelesen.

    Acmet ist nun mal Türke, ich würde es albern finden, im ganzen Libretto den Begriff mit "unseren Bruder mit Migrationshintegrund" wiederzugeben. Oder wir machen aus ihm kurzerhand einen Taliban. Dann passt alles wieder.

    Es kann sein, dass aus heutigem und deutschem Sicht dieses Werk rassistisch und volksverhetzend ist und in Deutschland verboten und anschliessend verbrannt werden sollte, da bin ich völlig deiner Meinung. Aber wenn in einem Original "Scheisstürke" steht, da muss ein seriöser Übersetzer eben "Scheisstürke" schreiben**. Du möchtest Buchausgaben ad usum delphini wieder einführen, stimmt?

    ** Und dann in einer Fussnote ausgiebig die historischen Hintergründe auseinandersetzen, klar. Oder den Auftrag ablehnen, das ist auch eine Möglichkeit.
    #6VerfasserMarco P (307881) 16 Jan. 11, 22:22
    Kommentar
    Jo, hab ich gelesen. An der Stelle würde ich das auch stehen lassen, ich finde es nur an der von m.c.d.b. zitierten Stelle sperrig und unnötig. Wenn ohnehin noch klargemacht wird, was Belisa von Türken hält. Ich halte auch nichts von Bowdlerisierungen.
    #7Verfassertigrottello (765426) 19 Jan. 11, 20:28
    Kommentar
    ich würde den Begriff "Türke" heute in keinstem Fall mit pejorativem Beigeschmack benützen - ich habe lange in einem sarrazinschen Problemkiez, nämlich Berlin Neukölln, gewohnt und weiß das kulturelle Nebeneinander sehr zu schätzen.

    In diesem Fall ist es jedoch so, daß die türkischen Verhaltensweisen in der Opera buffa der Zeit - also der komischen, italienischen Oper, durchaus karikiert werden, auch in dem vorliegenden Fall handelt es sich um eine Persiflage - immerhin ist der hier erwähnte Acmet III ein enttrohnter türkischer Sultan. Alleine schon dieser Umstand würde auch meiner Meinung nach darauf hindeuten, daß es sich hier um eine relativ abfällige Bemerkung handeln müsste.

    Und gerade in Anbetracht der klugen Analyse von Marco P., die ja auch vor dem Hintergrund eines Kriegs zwischen Österreich und der Türkei wirklich Sinn macht, denke ich, daß diese Wendung durchaus als negativ zu verstehen ist (auch wenn sie nicht meine Meinung wiedergibt!).

    Dennoch zur ursprünglichen Frage und um Missverständnisse im heutigen Kontext zu vermeiden: Gäbe es eine Möglichkeit, das "turco" in diesem Zusammenhang eine andere Bedeutung haben könnte als eben einfach nur "türkisch"?
    #8Verfassermaurice.chales.de.beaulieu (468946) 31 Jan. 11, 14:44
     
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  
 
 
  • Pinyin
     
  • Tastatur
     
  • Sonderzeichen
     
  • Lautschrift
     
 
 
:-) automatisch zu 🙂 umgewandelt