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  • Betreff

    Spiegelmedikament

    [Med.][Substantiv]
    Quellen
    Ausschnitt aus dem Antidepressiva-Artikel von "Wikipedia"

    "Bei einer Vielzahl von Antidepressivatypen entfaltet sich die volle Wirkung erst nach einigen Tagen bis Wochen kontinuierlicher Einnahme. Grund dafür dürfte die neurophysiologische Anpassung des Gehirngewebes sein, die eine gewisse Zeit beansprucht. Dazu gehören Veränderungen in der Empfindlichkeit und Häufigkeit von Rezeptoren und ähnlicher Strukturen. Die dauerhafte Besserung tritt demnach indirekt aufgrund zellulärer Anpassungsprozesse unter konstantem Wirkstoffspiegel auf."

    Es ist auch ein recht gängiges Wort in der Medizin. Deshalb wundert es mich auch das es keine Übersetzung gibt.

    Kommentar
    Ein "Spiegelmedikament" ist ein Medikament das erst durch längere Einnahme einen gewissen Spiegel im Blut bildet und erst dadurch seine Wirksamkeit erlangt.

    Viele Antidepressiva und ähnlich wirkende Medikamente sind Spiegelmedikamente. Sie entfalten die volle Wirksamkeit erst nach 2-3 Wochen der Einnahme und meist auch nur durch den sog. First-Pass-Effekt in der Leber.
    VerfasserGrimeton (899157) 20 Feb. 14, 20:43
    Kommentar
    Bist Du Dir wirklich sicher, dass das deutsche Wort existiert? Ich habe es während meines Studiums und auch nachher im Beruf noch nie gehört.
    Auch das, was Du über den First-Pass Effekt in der Leber schreibst, erscheint mir recht fragwürdig und hat inhaltlich eigentlich nichts damit zu tun, dass es einige Zeit dauert, bis Wirkstoffe im Plasma ein konstantes Level erreichen (Stichwort steady state, wird auch in Deutsch verwendet). Wenn ein Wirkstoff erst nach Metabolismus in der Leber seine Wirkung entfaltet, handelt es sich bei dem Wirkstoff um ein sogenanntes Prodrug, dessen aktive Form erst im Körper gebildet werden muss. Jeder Wirkstoff hat eine Wirkung, wenn er die therapeutische Menge im Plasma erreicht, die Frage ist nur, ob es die gewünschte Wirkung ist und wie stark die Wirkung ausgeprägt ist.


    #1Verfasser spheniscus (301189) 21 Feb. 14, 10:02
    Kommentar
    a place to start would be to check out combinations with blood level
    #2Verfasser hbberlin (420040) 21 Feb. 14, 10:04
    Kommentar
    @Spheniscus
    Ich glaube der Zusammenhang zum First-Pass-Effekt ist so gemeint, dass man relativ viel von der Substanz nehmen muss, weil beim First Pass viel von der Leber eliminiert wird. Ich bin keine Medizinerin, aber für einen Laien klingt das logisch, wenn man nur wenig von der Substanz abkriegt, muss man viel und lange davon nehmen, bis es wirkt.

    @Grimeton
    Wie lautet denn der Satz, den du übersetzen musst? Kann man da nicht drum herum arbeiten: irgendwas mit "drug level in the blood needs to be built up over a period of time in order to produce a therapeutic effect" o. ä.
    #3Verfasser Doris_ (888815) 21 Feb. 14, 10:28
    Kommentar
    Ich habe, wie Spheniscus, den Begriff noch nie gehört. Man unterscheidet zwar grundsätzlich zwischen Wirkstoffen, deren Effekt vom kurzfristigen Erreichen hoher Spiegel abhängt und solchen, die vor allem gleichmäßige Spiegel benötigen, einen fachsprachlichen Terminus kenne ich nicht. In Foren zu Medikamenten findet man ihn aber häufig.

    Ich würde vielleicht als steady state medication übersetzen, obwohl der Begriff anscheinend auch nicht etabliert ist

    Im übrigen sind die konstanten Wirkspiegel der Antidepressiva normalerweise früher erreicht als nach 2-3 Wochen, das wäre sonst eine etwas problematische Pharmakokinetik
    #4Verfasser Miss Take (399408) 21 Feb. 14, 10:29
    Kommentar
    Zustimmung zu #1 und #4: Als Neurobiologe kenne ich zwar Spiegelneurone, aber von Spiegelmedikamenten habe ich noch nie gehört. Gurgeln zeigt aber, dass es ein vielfach von Laien benutzter Begriff ist, der auf Patientenseiten diskutiert wird.

    Die im Wikipediaartikel beschriebenen verzögerten therapeutischen Effekte sind nicht untypisch für Wirkstoffe die im Gehirn wirken (so etwas gibt es auch bei Neuroleptika). Diese Verzögerung hat allerdings wenig bis nichts mit der Pharmakokinetik zu tun, sondern viel bis alles mit der Neuroplastizität (der Fähigkeit neuronaler Netze, auf externe Reize zu reagieren und sich umzustrukturieren; dieser Umbau der Nervenzellen und ihrer Verbindungen ist ein komplexer rückgekoppelter Prozess und nimmt vergleichsweise lange Zeit in Anspruch).
    Dieser therapeutische Effekt stellt sich nur ein, wenn über längere Zeit ein ausreichender Wirkstoffspiegel aufrechterhalten wird, d.h. eine einzelne Dosis entfaltet keine diesbezügliche Wirkung.
    #5Verfasser Oxymorphon (700306) 21 Feb. 14, 11:05
    Kommentar
    #3: Das trifft nur auf Substanzen mit einem (ausgeprägten) First-Pass Effekt und entsprechender Anwendung zu. Auch muss berücksichtigt werden, ob ein aktiver Metabolit gebildet wird oder nicht.
    Soweit ich mich erinnere muss bei oraler Anwendung immer der First-Pass Effekt berücksichtigt werden, bei buccaler, rektaler oder i.v. Anwendung tritt der Wirkstoff unter Umgehung der ersten Leberpassage direkt ins Blut ein.

    Zum Thema Wirkeintritt bei Antidepressiva: nur weil es einige Zeit dauert, bis die antidepressive Wirkung einsetzt bedeutet dies nicht, dass Antidepressiva am Anfang "nicht wirken", eine antriebssteigernde Wirkung setzt relativ schnell ein. Allerdings ist diese Wirkung meist nicht die gewünschte (Haupt)wirkung.

    #5: So pauschal kann man Deine Aussage, dass eine einzelne Dosis keine Wirkung erzielt, nicht stehenlassen. Für Psychopharmaka ist es sicher zutreffend, dass eine Einzeldosis nicht zur gewünschten Wirkung führt, bei Schmerzmitteln, Diuretika, Antihistaminika, ... beobachtet man eine Wirkung schon nach einer Einzelgabe.
    #6Verfasser spheniscus (301189) 21 Feb. 14, 12:05
    Kommentar
    #6: Dann sind wir uns ja einig, denn ich habe in #5 nur Psychopharmaka (bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika) diskutiert.

    Der letzte Satz in #5 war übrigens direkt auf den diskutierten Begriff Spiegelmedikament bezogen und sollte nochmal klarstellen, dass es nicht eine längere Zeit dauert bis ein gewisser Wirkstoffspiegel erreicht wird, sondern dass ein gewisser Wirkstoffspiegel über längere Zeit aufrechterhalten werden muss, damit der therapeutische Effekt in Erscheinung titt.
    Das ist vielleicht in #5 nicht klar geworden.
    #7Verfasser Oxymorphon (700306) 21 Feb. 14, 12:33
    Kommentar
    Ich habe das Wort ausschließlich in Foren gefunden, würde also ein [coll] hinterherschieben. Jedes Medikament braucht einen Mindestspiegel um zu wirken, deshalb stammt der Begriff mit Sicherheit nicht aus der Fachsprache.

    Vorschlag:
    drug with slow onset of action
    #8Verfasser tom310 (792638) 21 Feb. 14, 19:56
    Kommentar
    It's a new one on me, too.
    It takes time for many psychotherapeutic agents to reach their full therapeutic effect. I don't think there's a single word for this type of drug in English.

    Depends on context/sentence construction. Besides "medicine/medication/drug with a slow onset of action" you could also say "medicine/medication/drug that takes time to reach its full therapeutic effect" or "... with a (long) therapeutic time lag".
    #9Verfasser Marianne (BE) (237471) 22 Feb. 14, 14:46
     
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