Ich sehe das anders als Gibson.
Als "woke" werden auch Menschen bezeichnet, die ähnlich der Halal-Polizei andere Leute bevormunden, canceln oder anderweitig schassen (Stichwort Cancel Culture), die nicht ihrem vorwiegend links-ideologischen Ideal folgen. Mir ist auch der Gegenbegriff "unwoke" schon untergekommen, der als Adjektiv die liberale Denkrichtung und damit die Gegenbewegung begleitet.
Kontrolle und Konsequenzen finden definitiv statt. Nicht-Konformisten mit den woke-Idealen, werden von Veranstaltungen ferngehalten oder anderweitig zum Schweigen gebracht. Vor diesem semantischen Hintergrund versteht sich auch die negative Konnotation und der Überwachungs- bzw. Sanktionierungsaspekt.
Ich kann meine Nachbarn überwachen und bei "Fehlverhalten" - auch schon dem "Neger" - den gleichgesinnten Internetmob und ebensolche Medien auf sie los lassen, die ohne rechtsstaatliche Objektivität sanktionieren.
Innerhalb von größeren Konzernen und vor allem auf dem Campus der meisten westlichen Universitäten existieren mittlerweile regelrechte Denunzianten-Policies, die sogar fordern, solches "Neger-Sagen" sofort einer bestimmten Sittenpolizei (meistens getarnt als Diversity-Beauftragte) zu melden, was für Betroffene tatsächlich ganz schön unschön werden kann (ob das Vergehen nun tatsächlich begangen wurde, oder nicht).
Jedenfalls würde ich - wie auch immer man das Thema an sich bewertet - eine Aufnahme von woke (Adj.) als Lemma befürworten.
Belege:
https://www.vice.com/en/article/n7wdyx/unwoke...
https://www.ndr.de/kultur/kulturdebatte/Cance...
https://www.jamesgmartin.center/2020/09/woke-...
https://www.dailysignal.com/2020/07/20/im-a-l...