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    sei ODER wäre

    Sources

    After my brother fell off the rock, I thought he was dead.


    Nachdem mein Bruder von dem Felsen gestürzt war, dachte ich, er SEI / WÄRE tot.

    Comment

    Könnte sein, dass beides richtig ist, aber der Satz muss Konjunktiv I sein.


    Laut DUDEN:

    Der Konjunktiv I kann gebraucht werden:

    • als Kennzeichnung der indirekten Rede,
    • als Ausdruck eines Wunsches, einer Aufforderung, einer Annahme o. Ä. , die indirekt und mittelbar geäußert werden (z. B. Man folge mir bitte unauffällig. Sie leben hoch!),


    Noch so ein Zweifelsfall: Der Wirt sagte aus, der Mann SEI / WÄRE betrunken gewesen.

    AuthorMarcBerthe (719078)  15 Jun 22, 15:32
    Comment

    Grammatikfragen gehörten eigentlich in die Rubrik "Sprachlabor" weiter unten. Hier geht es offensichtlich um Lehrmaterial mit der Vorgabe, einen Satz mit dem Konjunktiv I (Konjunktiv Präsens) zu bilden.


    Die Duden-Grammatik § 748 ff unterscheidet folgende Funktionsbereiche:

    "Irrealität / Potenzialität" (in der Schule sagten wir Möglichkeitsform.): nur der Konjunktiv II (wäre) verwendet:

    Wunsch: "Ach wäre der Winter schon vorüber!

    Bedingung: "Wenn das Wörtchen wenn nicht wär..." (irreal, da es Bedingungen gibt)

    Aussage: "Sie wäre fast nicht gekommen," kam aber doch.

    Höflichkeit: "Wären Sie bitte so freundlich...?"

    "Referat" (indirekte Rede), theoretisch mit beiden Konjunktiven

    "Sie sagte, er sei / wäre daheim."

    Man vergleicht dabei die Formen der direkten und indirekten Rede; von daher kommt die zeitliche Reihenfolge doch wieder ins Spiel:

    Sie sagte: "Er ist daheim" - "er sei daheim"

    "Er war daheim" - "er sei / wäre daheim gewesen"

    "Er wird daheim sein" - "er werde daheim sein"

    Da wird der Zeitbezug nicht durch "sei / wäre" ausgedrückt, sondern durch die zusammengesetzte Zeitform ("gewesen, werde sein")


    In § 776 schreibt Duden aber für die indirekte Rede vor:

    (i) Konjunktiv I ist zu wählen, wenn die aktuelle Verbform eindeutig als Konjunktiv zu erkennen ist.

    Also "sei, dürfe, könne, möge, müsse, solle, wolle, wisse", nicht "wäre, dürfte..."

    (ii) Steht keine eindeutige Konjunktiv-I-Form zur Verfügung, erscheint der Konjunktiv II: ich darf /dürfe, aber: wir dürfen / dürften.


    Diese Regelung macht die korrekte Verwendung so kompliziert. Manchmal darf man, manchmal nicht.

    #1AuthorRominara (1294573)  15 Jun 22, 16:12
    Comment

    Ist die Antowrt "sei"?


    Konjunktiv I --> Ich dachte, er sei tot. --> Damals dachte ich: "Er ist tot."

    Konjunktiv II -->Ich dachte, er wäre tot. --> Damals befürchtete/wünschte ich, er wäre tot.



    #2AuthorMarcBerthe (719078) 15 Jun 22, 16:12
    Comment

    Damals befürchtete/wünschte ich, er wäre tot. fällt in die Kategorie Irrealität (s. #1), wo der Konjunktiv II Pflicht ist, Ein Satz mit "dachte" kann aber nicht als "wünschte" uminterpretiert werden. Denken = glauben = der Überzeugung sein. Bei denken sind beide Konjunktivformen möglich.

    #3AuthorRominara (1294573)  15 Jun 22, 16:16
    Comment

    Wieso sind bei "denken" beide Konjunktivformen möglich?


    Ich dachte, er sei tot. -> Ich wusste es nicht, also Konjunktiv I.

    Ich nahm an, er sei tot. -> Ich wusste es nicht, also Konjunktiv I.

    Ich befürchtete, er sei tot. -> Ich wusste es nicht, also Konjunktiv I. ("befürchten" ist ein Synonym für "(etwas Schlimmes) annehmen".)


    Aber:

    Ich wünschte, er wäre tot. -> Ich weiß, dass er nicht tot ist, der Wunsch ist irreal, also Konjunktiv II.

    #4Author Raudona (255425) 15 Jun 22, 16:29
    Comment

    Ich greife (wieder einmal) zurück auf Karl Kraus, allerdings muss ich die betreffende Stelle in der "Fackel" erst wieder ausgraben. (Ich habe ziemlich genau diese Frage in einem (ur)alten Faden schon einmal kommentiert.)


    Kurz gefasst:


    Ich dachte, er sei tot.: Ich wußte es nicht, glaubte aber, dass er tot sei.

    Ich dachte er wäre tot: Ich dachte, er sei tot, aber tatsächlich lebte er noch.

    #5AuthorPeterK. (599041) 15 Jun 22, 18:21
    Comment

    #5 überzeugt mich nicht. Für mich ist "ich weiß es nicht, glaube es aber" in Hinsicht auf die Wahl des Konjunktivs identisch mit "ich denke, es ist aber nicht so".


    Ansonsten stimme ich zu 100% Raudonas #4 zu.

    #6Author Selima (107) 15 Jun 22, 18:59
    Comment

    (#6): +1


    #7Author wienergriessler (925617) 15 Jun 22, 19:25
    Sources

    Noch so ein Zweifelsfall: Der Wirt sagte aus, der Mann SEI / WÄRE betrunken gewesen. (#0)

    Comment

    Aus meiner Sicht ist das kein Zweifelsfall. Dass er es "aussagte", wird grammatikalisch behandelt, wie dass er es "sagte", also wird der Konjunktiv der indirekten Rede gebraucht: "... der Mann sei betrunken gewesen". (Ob er es wirklich war, spielt dabei zunächst keine Rolle.)


    "Wäre" ist allerdings korrekt, wenn die Trunkenheit, etwa im Nachsatz, für irreal erklärt wird: "Der Wirt sagte aus, der Mann wäre betrunken gewesen, wenn er den ganzen Sangria getrunken hätte" (was er aber nicht tat).


    Das entspricht auch Peters / Karl Kraus' Nr. 5.


    Wobei daran erinnert werden darf, dass zwischen Konjunktiv I und II nicht immer streng unterschieden wird und mancher sich -- vielleicht mit Recht -- schon zufrieden gibt, wenn ein Konjunktiv überhaupt verwendet wird und als solcher erkennbar ist.

    #8AuthorMr Chekov (DE) (522758)  15 Jun 22, 20:20
    Comment

    Der Kommentar in #6 ist mir nicht klar.


    Inzwischen habe ich die Stelle bei Karl Kraus gefunden: "Sprachlehre" (Februar 1927). Der ganze Absatz ist zu lang um zitiert zuwerden, aber ein paar Auszüge, die meinen Standpunkt verdeutlichen sollen (Orthographie der damaligen Periode):



    "Das ... Amt meldet, die Krankenhäuser wären überfüllt". Man erwartet etwa die Fortsetzung: wenn nicht schleunigst neue eröffnet worden wären. Richtig muss es heißen: "die Krankenhäuser seien überfüllt" oder "daß die Krankenhäuser überfüllt sind". "Sie wären überfüllt" würde geradezu bedeuten, daß das Blatt [Zeitung] die Meldung des ... Amtes als Lüge hinstellen will. Ein Zweifel wäre schon angedeutet durch den Konjunktiv präsentis: "daß sie überfüllt seien".


    Der Konjunktiv perfecti nur dort, wo der des Präsens nicht in Erscheinung tritt, z.B. "er versicherte, daß sie kommen müßten" (statt "müssen"). Sonst aber würde er immer Zweifel an der Aussage bezeichnen.


    Ein vorzügliche Beispiel aus Schiller, das ... nebeneinander die Vermutung der Lüge und die Behauptung der Wahrheit durch Modus wie Tempus ausdrückt:

    Mir meldet er aus Linz er läge krank,

    doch hab' ich sichre Nachricht, daß er sich

    zu Frauenberg versteckt beim Grafen Galls.


    Unmöglich aber ist es, von einem Präsens das Imperfektum des Konjunktivs abhängig zu machen, ohne damit die Aussage als unglaubwürdig oder bedingt hinstellen zu wollen.


    (Zitate Ende)

    Allerdings konzediere ich, dass es hier um die Abhängigkeit von einem Präsens geht, während das Beispiel aus #0/#8 im Imperfekt steht.


    Noch ein Zitat aus dem selben Artikel:

    "Vor dem Konjunktiv wird alles, was Deutsch schreiben möchte, scheu".


    #9AuthorPeterK. (599041)  16 Jun 22, 12:06
     
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