Advertising
LEO

It looks like you’re using an ad blocker.

Would you like to support LEO?

Disable your ad blocker for LEO or make a donation.

 
  •  
  • Subject

    Denkhülse

    Sources

    Wer ist warum so bösartig? Die Antwort in der taz: Die Tötung von Feinden rufe „bei manchen, offenbar vor allem jungen Männern“ etwas hervor, „was nur noch als Blutrausch bezeichnet werden kann“. Das ist eine unverfängliche Denkhülse, die sich noch dazu ubiquitär anwenden läßt: Ob deutsche Neonazis, serbische Milizen oder somalische Schlagetots – überall verkörpern halbstarke Machos das Übel schlechthin. (https://taz.de/!1561445/)

    Authornycdem (357399) 27 Sep 22, 13:08
    Comment

    I think it's a play on Worthülse - empty phrases, verbiage

    #1Author Gibson (418762) 27 Sep 22, 13:18
    Comment

    Zustimmung zu #1


    Ich hatte an 'stereotype' gedacht, aber Gibsons Übersetzungsvorschlag ist passender, da konkreter.


    (Der taz-Artikel ist vom 24.5.1994.)

    #2Author karla13 (1364913) 27 Sep 22, 13:24
    Comment

    Wait, Gibson, did you suggest a translation?

    I think stereotype would work, but I think cliché might be better.


    Or one could go baroque...

    non-threatening, hollow chestnut dressed up as a thought



    #3AuthorAE procrastinator (1268904) 27 Sep 22, 14:03
    Comment

    No, I only tried to explain the meaning. As I don't think 'Denkhülse' is a real word, you have some flexibility for the English.


    I don't like either cliché or stereotype that much, precisely because they are estabished terms.

    #4Author Gibson (418762) 27 Sep 22, 14:10
    Comment

    Irgendwas mit "Schubladendenken"? AWWDI

    #5Author B.L.Z. Bubb (601295) 27 Sep 22, 14:12
    Comment

    Re #3 @AE procrastinator


    Ich hatte "empty phrases" bzw. "empty verbiage" (auch) als Übersetzung gelesen.


    Stimmt, cliché ist besser als stereotype, sagt die DMS, haha.


    hollow chestnut dressed up as a thought

    (Klar, typische taz-Sprache – SCNR) 😉



    Edit: #5, 6 waren eben noch nicht da.

    #6Author karla13 (1364913)  27 Sep 22, 14:17
    Comment

    Objection sustained. Hmm.

    non-notion

    naught-thought

    Potemkin thought

    facade of a notion/idea/thought/concept


    wonder if nycdem actually wants a translation...



    #7AuthorAE procrastinator (1268904) 27 Sep 22, 14:23
    Comment

    "pre-fabricated thought"?

    #8Author B.L.Z. Bubb (601295) 27 Sep 22, 14:25
    Comment

    Re #8, that's an interesting idea. Pre-fab notion?

    Re #6, in-box thinking?


    Re typische taz-Sprache: yes, well, I did say baroque... and seven words for the price of one, what a bargain!

    #9AuthorAE procrastinator (1268904)  27 Sep 22, 14:29
    Comment

    Zu #4


    I don't like either cliché or stereotype that much, precisely because they are estabished terms.

    Stimmt zwar, aber es dürfte schwierig sein, ein ähnlich gutes "Wortspiel" wie Worthülse Denkhülse aus einem vorhandenen englischen Wort zu erzeugen.


    Beide Wörter bringen doch genau das zum Ausdruck, worum es geht, und jeder versteht sie.


    [(Wenn es jetzt natürlich darum ginge, den Schreibstil der taz aus dem Jahre 1994 in der Übersetzung abzubilden, dann hätte man viel zu tun (→ DER SPIEGEL).]


    Edit: Wieder zu langsam für #7, 8, 9.

    #10Author karla13 (1364913)  27 Sep 22, 14:33
    Comment

    Re #9


    Re typische taz-Sprache: yes, well, I did say baroque...

    (I)sch_weiß, war doch nur ein kleiner Scherz... 😉

    ... and seven words for the price of one, what a bargain!

    Das ist allerdings ein Argument! 😀


    wonder if nycdem actually wants a translation...

    Mee too.


    Pre-fab notion und in-box-thinking sind doch prima Vorschläge.

    #11Author karla13 (1364913) 27 Sep 22, 14:42
    Comment

    Denkhülse verstehe ich als 100%-iges Synonym zu Klischee zw. Stereotyp und nehme es einfach als Wortschöpfung, ohne jegliche Zuordnung zum vermuteten Schreibstil einer bestimmten Zeitung aus einer bestimmten Epoche. Ich sehe kein Wortspiel darin, sondern lediglich eine Analogiebildung zu Worthülse, und habe nicht den Anspruch, allgemeine Wortbildungsvorgänge im Deutschen in einem konkreten englischen Text nachvollziehen zu wollen.


    Etwas Besseres als "established terms" kann dem Übersetzer gar nicht passieren, wenn er beim Zielpublikum verstanden werden will und wenn er nicht der Philosophie anhängt, dass man es einem übersetzten Text unbedingt ansehen muss, dass er eine Übersetzung ist.


    in-box thinking ist zu unspezifisch. Ich wüsste auch nicht, wie man es mit "die sich noch dazu ubiquitär anwenden lässt" kombinieren könnte.

    #12AuthorRominara (1294573)  27 Sep 22, 14:47
    Comment

    I was interested by that ""die sich noch dazu ubiquitär anwenden lässt" phrase, pleasingly non-baroque and I had never seen ubiquitär used that way before, I didn't know it could be. I don't think you could do it in English, though usage varies, maybe some people would.


    in-box thinking, and of a type applicable to situations everywhere.


    But I agree that doesn't seem to catch quite the same meaning.

    You could move the word-play (or spontaneous word formation) to that part of the sentence -

    non-threatening cliché, and one that is also (conveniently) omni-applicable (... that doesn't sound like the taz to me either though)

    #13AuthorAE procrastinator (1268904)  27 Sep 22, 15:19
    Comment

    Re #13

    I was interested by that ""die sich noch dazu ubiquitär anwenden lässt" phrase, pleasingly non-baroque and I had never seen ubiquitär used that way before, I didn't know it could be.

    Ich halte das Wort, in diesem Zusammenhang verwendet, für passend. Dem intellektuellen taz-Leser traue ich zu, es auf Anhieb zu verstehen. Ich würde es hier gleichsetzen mit großflächig (verbreitet).


    in-box thinking, and of a type applicable to situations everywhere.

    Gefällt mir gut, würde noch harmless oder innocuos voranstellen (unverfängliche Denkhülse).


    non-threatening cliché, and one that is also (conveniently) omni-applicable.

    Auch gut. Könnte man statt omni... auch overall-applicable sagen?


    Ich halte in dem Artikel die Wortneuschöpfung Denkhülse für recht gelungen, und auch das Schlagetots gefällt mir.



    Re #12

    Ich hatte mein "Wortspiel" extra in Anführungszeichen gesetzt, weil ich selbst mit der Wortwahl nicht 100%ig zufrieden war. Analogiebildung oder Wortneuschöpfung passen tatsächlich besser.

    #14Author karla13 (1364913)  27 Sep 22, 16:06
    Comment

    Könnte man statt omni... auch overall-applicable sagen?

    Hmm. I don't think so, overall applicable sounds more like applicable in most ways or applicable on the whole, to me.

    If you are thinking what I think you are thinking, you are right: omni-applicable does sound more like universally applicable than it should. It would mean applicable everywhere and at all times. Whereas ubiqutious doesn't have that temporal dimension.

    #15AuthorAE procrastinator (1268904)  27 Sep 22, 16:24
    Comment

    Ich habe den Text gelesen und interpretiere "Denkhülse" nicht so sehr als Klischee, sondern als Tunnelblick, als Denk-Korsett: Man muss nicht differenzieren, man hat eine einfache Erklärung, die alle anderen Faktoren ausblendet (und immer "passt").


    EDIT: Harmlos? Das finde ich nicht.

    #16Author Raudona (255425)  27 Sep 22, 17:17
    Comment

    Rominara, so ziemlich jede Übersetzung hat zwei Ebenen: Inhalt und Stil. Beides sollte im Idealfall gut wiedergegeben werden.


    Meine erste Assoziation, schon bei Öffnen des Fadens, war "lazy thinking", falls das jemanden inspiriert.

    #17Author Gibson (418762)  27 Sep 22, 17:27
    Comment

    Re #15


    Hmm. I don't think so, overall applicable sounds more like applicable in most ways or applicable on the whole, to me.

    Thanks for the explanation.


    If you are thinking what I think you are thinking, you are right:

    Aptly put, hehe. 😉


    ... omni-applicable does sound more like universally applicable than it should. It would mean applicable everywhere and at all times. Whereas ubiqutious doesn't have that temporal dimension.

    Exactly. Anyway, I was only nitpicking...

    #18Author karla13 (1364913) 27 Sep 22, 17:48
    Comment

    Re #16


    Ah super, dass du den Artikel auch gelesen hast.


    Ich verstehe nämlich etwas nicht:

    Die Antwort in der taz: Die Tötung von Feinden rufe „bei manchen, offenbar vor allem jungen Männern“ etwas hervor, „was nur noch als Blutrausch bezeichnet werden kann“.


    Was bedeuten die Anführungszeichen in diesem Satz? Gab es eine Umfrage in der taz-Redaktion, und das sind Zitate von Redakteuren? Ist für mich nicht so eindeutig.


    EDIT: Harmlos? Das finde ich nicht.

    LEO übersetzt unverfänglich mit harmless oder innocous. Da ich Letzteres nicht kenne und daher kein Sprachgefühl dafür habe, habe ich einfach beide Wörter genannt, ohne damit inhaltlich zu werten.

    #19Author karla13 (1364913) 27 Sep 22, 19:25
    Comment

    Re # 19: Was bedeuten die Anführungszeichen in diesem Satz? Gab es eine Umfrage in der taz-Redaktion, und das sind Zitate von Redakteuren? Ist für mich nicht so eindeutig.


    I know you weren't asking me ; )

    but it seems quite clear to me that the quotes come from a taz piece that angered the author of this opinion piece. Already at the start of the fourth para. they write "Sogar in der taz scheinen... ethnische Grenzen auf " , with reference to Rwanda. There follows another quote in that paragraph from the taz, and then, their attention turns to a more general issue, but when they return specifically to the topic of Rwanda in the paragraph your quotation is from, they write "Die Anwort in der taz:"


    Re #15: Denkkorsett.-Denktunnel.. hm. That doesn't really make sense to me with "sich überall anwenden lässt." To me that makes the Denkhülse sound like something one adopts out of convenience, like Gibson's "lazy thinking" (which, however, does not fit that well with unverfänglich for me...).


    That kind of takes me back to BLZ Bubb's prefabricated thought (#8), though. Maybe something along those lines?

    Non-threatening, ready-to-wear notion... and one that is, conveniently, one-size fits all?

    #20AuthorAE procrastinator (1268904)  28 Sep 22, 09:59
    Comment

    Re #20


    I know you weren't asking me ; )

    ... but I really do appreciate your answer!

    Danke, das macht Sinn. Ja, nun verstehe ich die Zusammenhänge.


    Re #15: Denkkorsett.-Denktunnel.. hm. That doesn't really make sense to me with "sich überall anwenden lässt." To me that makes the Denkhülse sound like something one adopts out of convenience, like Gibson's "lazy thinking" (which, however, does not fit that well with unverfänglich for me...).

    Zustimmung.


    Non-threatening, ready-to-wear notion... and one that is, conveniently, one-size fits all?

    JA!


    Noch eine Frage zu 'innocuous', wenn du erlaubst. Würde das hier als Entsprechung zu 'unverfänglich' passen?

    Wie gesagt, da ich das Wort gestern erst bei LEO kennengelernt habe, habe ich leider kein "Gefühl" dafür. Danke.

    #21Author karla13 (1364913)  28 Sep 22, 10:13
    Sources

    https://www.dwds.de/wb/verf%C3%A4nglich

    "harmlos" and "verfänglich", which it defines as "peinlich, bloßstellend".

    https://www.duden.de/rechtschreibung/verfaenglich

    sich möglicherweise so auswirkend, dass jemand dadurch in Schwierigkeiten, Verlegenheit o. Ä. kommt

    Comment

    I have to admit that I haven't come across "unverfänglich" very often in the wild, so to speak. I've always thought it meant non-threatening, but now that I've looked it up, that doesn't seem the best choice..


    The definitions I found seem to cover a fairly broad range of possible meanings...

    Innocuous means harmless, and it is often used in relation to appearance, so it looks to me like it should work for some uses of unverfänglich.

    "Seemingly innocuous" and "apparently innocuous" are both strong collocations, and they seem to fit well with unverfänglich in the duden defintion.

    "Anodyne" also means harmless in a way, according to MW "not likely to offend or arouse tensions"

    I'm not sure what to suggest for the not "peinlich, bloßstellend" meaning dwds, other than the rather obvious "not likely to embarrass anyone"



    #22AuthorAE procrastinator (1268904)  28 Sep 22, 10:49
    Comment

    Re #22


    Danke für die Links zu 'verfänglich'.


    I've always thought it meant non-threatening, but now that I've looked it up, that doesn't seem the best choice..

    Das stimmt, non-threatening ist nicht die allerbeste Wahl ;-) 'unverfänglich' heißt so viel wie harmlos; kein Misstrauen/ keine Fehleinschätzungen hervorrufend. Eine unverfängliche Situation ist "eindeutig", nichts Schlechtes sollte sich daraus entwickeln.


    Innocuous means harmless, and it is often used in relation to appearance, so it looks to me like it should work for some uses of unverfänglich.

    Ja, das scheint mir auch so.


    "Seemingly innocuous" and "apparently innocuous" are both strong collocations, and they seem to fit well with unverfänglich in the duden defintion.

    Das sehe ich anders. Wenn eine Situation unverfänglich ist, ist sie ja gerade nicht "seemingly", sondern eindeutig. "Seemingly/ apparently innocuous" würde ich mit "vorgeblich/ scheinbar unverfänglich" übersetzen.


    I'm not sure what to suggest for the not "peinlich, bloßstellend" meaning dwds, other than the rather obvious "not likely to embarrass anyone".

    Ja, ich denke, das ist eine Möglichkeit. Je nach Kontext auch "not likely to expose anyone".

    #23Author karla13 (1364913) 28 Sep 22, 12:09
    Comment

    #20: Re #15: Denkkorsett.-Denktunnel.. hm. That doesn't really make sense to me with "sich überall anwenden lässt."


    Gemeint ist nach meiner Interpretation, dass bei jeder Form von Gewalt, die von Gruppen verübt wird, dieser Ansatz (junge Machos, Blutrausch ...) verwendet werden kann, der andere Faktoren ausblendet - also Tunnelblick auf den einen Faktor. Und "unverfänglich", weil man nicht Gefahr läuft, z.B. rassistisch genannt zu werden. Man kann dabei sozusagen nichts falsch machen.


    EDIT: #23 war eben noch nicht da.

    #24Author Raudona (255425)  28 Sep 22, 12:10
    Comment

    Re 24 and 23: Thank you both.


    I'd say innocuous is the best of a bad bunch of options right now. I feel sure there is a better word out there for unverfänglich in a meaning of not going to get the reference person(s) into trouble/discredit or embarass them, though.


    I keep thinking of the verb "compromise" in the meaning of to expose to suspicion, discredit, or mischief. But while you can still use "compromising" in that sense (compromising material), non- or uncompromising would not be understood in that way here.

    Hm.

    Maybe one could use (reassuringly) inoffensive in this context?


    Re: Denkhühlse as blocking out other factors. Overly simplistic? Single-track?

    An innoffensive ready-made explanation, simplistic enough to be applicable anywhere.

    ?

    I need to get to work now!


    #25AuthorAE procrastinator (1268904)  28 Sep 22, 13:12
    Comment

    “It’s a no-risk / risk-free thought-cliché and one moreover that, etc.”

     

    —is the best I can come up with at the moment. I think “thought-cliché” is legitimate if one’s wanting to underline the aspect of oft-repeated, hackneyed, stock thought as against expression. It also has the advantage of getting away from what otherwise would be too clichéd, flat, i.e., when “cliché” stands on its own.

    #26AuthorBion (1092007)  28 Sep 22, 14:20
    Comment

    Supposed to be working, but

    Re no. 26:

    I think thought-cliché is a great idea. I associate it with the idea that one doesn't have to bother to think for oneself, which seems right on. It sounds nice and taz-ish to me too.


    Added late:

    Risk-free/no-risk are definitely possibiities, but I think am still leaning towards something like "nicely innocuous" "nicely non-provocative". I am thinking "nicely" might signal a subjectivity indicating that the potential threat (which in this case does not exist) would be directed against the reference person. But maybe I'm thinking in circles...

    #27AuthorAE procrastinator (1268904)  28 Sep 22, 14:50
    Comment

    Wie #27 halte ich bions 'thought-cliché auch für sehr gelungen.


    I am thinking "nicely" might signal a subjectivity indicating that the potential threat (which in this case does not exist) would be directed against the reference person. But maybe I'm thinking in circles... [...]

    Hier kann ich dir, ehrlich gesagt, nicht mehr folgen, aber das liegt eher an mir als an dir. 😉


    #28Author karla13 (1364913) 28 Sep 22, 20:30
     
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  
 
 
 
 
  automatisch zu   umgewandelt