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1.3.2.4.2.6.2 Der Konjunktiv II im Hauptsatz

Der Konjunktiv II drückt einen möglichen, angenommenen, nur gedachten aber nicht realen Sachverhalt aus. In dieser Funktion kommt er aber in einem unabhängigen Hauptsatz nur selten vor. In Hauptsätzen steht der Konjunktiv II in folgenden Fällen:

1.3.2.4.2.6.2.a Weggelassener irrealer Bedingungssatz
1.3.2.4.2.6.2.b Irrealer Wunschsatz
1.3.2.4.2.6.2.c Irreale Modalverbkonstruktion
1.3.2.4.2.6.2.d Höflichen Aufforderungen und Aussagen
1.3.2.4.2.6.2.e Feststellung eines mühsam erreichten Resultates
1.3.2.4.2.6.2.f Zweifelnde Fragen und Vermutungen

1.3.2.4.2.6.2.a Weggelassener irrealer Bedingungssatz

Häufig kann bei einem allein stehenden Hauptsatz mit Konjunktiv II ein irrealer Bedingungssatz ergänzt werden. Es handelt sich dann eigentlich nicht um einen unabhängigen Hauptsatz, sondern um ein unvollständiges Konditionalgefüge (siehe → Irrealer Bedingungssatz):
Beispiele
Das wäre schön! = Es wäre schön, wenn es so wäre.
Ich würde das nicht tun. = Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich das nicht tun.
Sie wäre sicher einverstanden. = Sie wäre sicher einverstanden, wenn sie hier wäre.

1.3.2.4.2.6.2.b Irrealer Wunschsatz

Ein irrealer Wunschsatz drückt einen nicht erfüllbaren Wunsch aus. In irrealen Wunschsätzen steht entweder wenn oder das finite Verb an erster Stelle:
Beispiele
Wenn er doch endlich käme!Käme er doch endlich!
Wenn ich nur nichts gesagt hätte!Hätte ich nur nichts gesagt!
Wenn es doch nur nicht so schmerzen würde!Würde es doch nur nicht so schmerzen!
 
Die mit wenn eingeleiteten Wunschsätze sind in ihrer Form identisch mit → irrealen Bedingungssätzen. Die irrealen Wunschsätze sind eng mit ihnen verwandt. Die Wunschsätze lassen sich dann auch zu vollständigen Konditionalgefügen erweitern:
Beispiele
Wenn er doch endlich käme! = Ich wäre froh, wenn er endlich käme.
Hätte ich nur nichts gesagt! = Es wäre besser, wenn ich nichts gesagt hätte.
Auch bezüglich der würde-Formen gelten die gleichen Kriterien wie beim → irrealen Bedingungssatz.

1.3.2.4.2.6.2.c Irreale Modalverbkonstruktion

Die irreale Modalverbkonstruktion ist mit dem irrealen Wunschsatz verwandt. Sie bezieht sich auf etwas in der Vergangenheit Geschehenes, das nicht hätte geschehen müssen/sollen/dürfen, respektive auf etwas in der Vergangenheit nicht Geschehenes, das hätte geschehen müssen/sollen:
Beispiele
Sie haben den Unruhestifter eingeladen. Es gab Streit. Sie hätten den Unruhestifter nicht einladen sollen.Er hat nicht gut aufgepasst. Sie haben ihn wieder bestohlen. Er hätte besser aufpassen müssen.
Das wusste ich nicht, weil du es mir nicht gesagt hast. Du hättest mir das früher sagen können.Ihr habt den Hund geschlagen. Ihr hättet ihn nicht schlagen dürfen.
 
Diese Modalverbkonstruktion wird mit dem Konjunktiv II Plusquamperfekt der Modalverben müssen, sollen und dürfen gebildet. Auch können kommt vor, wobei es die Bedeutung von sollen oder müssen erhält:
Du hättest mir das früher sagen können = sagen sollen oder sagen müssen.
 
Die Modalverbkonstruktion kann auch als verneinte Frage formuliert werden, die vor allem mit können oft als Vorwurf gemeint ist:
Beispiele
Hättest du mir das nicht früher sagen können?Hätte er nicht besser aufpassen können/müssen/sollen?

1.3.2.4.2.6.2.d Höfliche Aufforderungen und Aussagen

Der Konjunktiv II wird auch in höflichen Bitten und Aufforderungen verwendet. Er klingt weniger schroff als der Imperativ oder der Indikativ. Eine Aufforderung wird oft in eine Frage umgewandelt. Höfliche Fragen werden oft zusätzlich mit können erweitert, etwas weniger höfliche Aufforderungen mit sollen.
Beispiele
Reich mir bitte das Salz!Würdest du mir bitte das Salz reichen?
Könntest du mir bitte das Salz reichen?
Zeigen Sie mir bitte den Weg zum Bahnhof!Wären Sie so freundlich, mir den Weg zum Bahnhof zu zeigen?
Verlassen Sie das Zimmer!Sie sollten das Zimmer verlassen.
Würden Sie bitte das Zimmer verlassen?
Könnten Sie bitte das Zimmer verlassen?
 
Auch für die Formulierung von vorsichtigen, unaufdringlich gemeinten Aussagen und Fragen wird der Konjunktiv II verwendet:
Beispiele
Ich würde Ihnen empfehlen, telefonisch einen Tisch zu reservieren.Ich wüsste schon, was ihr tun könntet.
Dürfte ich Sie etwas fragen?Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Bar um Mitternacht geschlossen wird.
 
Der Konjunktiv II von mögen ersetzt hier wollen oder ein Vollverb:
Beispiele
Wir wollen Sie darauf hinweisen, dass...Wir weisen Sie darauf hin, dass...

1.3.2.4.2.6.2.e Feststellung eines mühsam erreichten Resultates

Der Konjunktiv II drückt auch ein (meist mühsam) erreichtes Resultat aus. In diesem Falle ist der genannte Sachverhalt nicht irreal, sondern wirklich:
Beispiele
Da wäre dann endlich Ihre Bestellung! = Hier ist endlich Ihre Bestellung!
Das hätten wir geschafft! = Wir haben es geschafft!
Somit wäre dieses Problem gelöst. = Somit ist dieses Problem gelöst.

1.3.2.4.2.6.2.f Zweifelnde Fragen und Vermutungen

Der Konjunktiv II wird auch für zögernde, zweifelnde Fragen und Feststellungen/Vermutungen verwendet. Am häufigsten geschieht dies mit sein und den Modalverben können, sollen, müssen und dürfen:
Beispiele
Könnte er doch Recht haben?Hätte er doch Recht haben können?
Wäre so etwas möglich?Sollte sie wirklich so etwas gesagt haben?
Was er sagt, könnte stimmen.Ich weiß nicht, ob sie hier sind. Sie könnten auch schon nach Hause gegangen sein.
Es müsste/sollte/dürfte möglich sein, ihn zu erreichen.Wir müssten/sollten/dürften eigentlich bald ankommen.
 
 
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