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1.3.2.4.2.1 Indirekte Rede

 
Im Deutschen ist es möglich, Aussagen in der indirekten Rede wiederzugeben.

1.3.2.4.2.1.a Direkte Rede

 
Wenn eine Aussage einer anderen Person oder eine eigene Aussage zitiert wird, kann dies im Deutschen durch die direkte Rede wiedergegeben werden.
Examples
Er sagt: „Ich habe mich getäuscht.“ Sie behaupten: „Wir haben es nicht getan.“
Ich antwortete: „Mein Name ist Ferdinand.“
 
Die direkte Rede verlangt ein einleitendes Verb wie sagen, behaupten, fragen, meinen, denken usw. Das Gesagte wird wörtlich wiedergegeben und in geschriebenen Texten in Anführungszeichen gesetzt.

1.3.2.4.2.1.b Umsetzung der direkten Rede in indirekte Rede

 
Es ist im Deutschen auch möglich, Aussagen in der indirekten Rede wiederzugeben.
Mit dem Konjunktiv:
Er sagt, er habe sich getäuscht.Sie behaupten, sie hätten es nicht getan.
Ich antwortete, mein Name sei Ferdinand.
Mit einem Nebensatz (und Konjunktiv):
Er sagt, dass er sich getäuscht habe. Sie behaupten, dass sie es nicht getan hätten.
Ich antwortete, dass mein Name Ferdinand sei.
Andere Möglichkeiten statt indirekter Rede:
Infinitivkonstruktion:Sie behaupten, es nicht getan zu haben.
Modalverb:Sie wollen es nicht getan haben.
Quellenangabe:Nach ihrer Aussage haben sie es nicht getan.

1.3.2.4.2.1.c Indirekte Rede und Konjunktiv

 
In der indirekten Rede wählt man normalerweise den Konjunktiv I.
Es ist aber auch möglich, den Indikativ, den Konjunktiv II oder die Formen mit würde zu verwenden (siehe → Tabelle). Es gibt beinahe keine festen Regeln dafür, welche Form man wählt. Die Wahl ist in vielen Fällen nicht eine Frage der Grammatik, sondern eine Frage des Stils (siehe → Stilistische Kriterien). Grammatikalisch gesehen gelten für die indirekte Rede die folgenden Regeln:
 
Der Konjunktiv I ist im Prinzip immer richtig.
Dabei werden die Indikativformen der direkten Rede wie folgt durch die Formen des Konjunktivs I ersetzt:
Direkte Rede:Indirekte Rede:
Indikativ Präsens: => Konjunktiv I Präsens:
Er sagt(e): „Das Kind hat Hunger.“Er sagt(e), das Kind habe Hunger.
Indikativ Präteritum, Indikativ Perfekt, Indikativ Plusquamperfekt: => Konjunktiv I Pefekt:
Er sagt(e): „Das Kind hatte Hunger.“
Er sagt(e): „Das Kind hat Hunger gehabt.“
Er sagt(e): „Das Kind hatte Hunger gehabt.“
Er sagt(e), das Kind habe Hunger gehabt.
Indikativ Futur I: => Konjunktiv I Futur I:
Er sagt(e): „Das Kind wird Hunger haben.“Er sagt(e), das Kind werde Hunger haben.
Indikativ Futur II: => Konjunktiv I Futur II:
Er sagt(e): „Das Kind wird Hunger gehabt haben.“Er sagt(e), das Kind werde Hunger gehabt haben.
 
Wenn die indirekte Rede nur durch den Konjunktiv ausgedrückt wird, darf nicht der Indikativ gewählt werden. Der Grund dafür ist, dass die indirekte Rede immer mit mindestens einem Mittel (Konjunktiv oder Nebensatz) gekennzeichnet werden muss.
Direkte Rede:Indirekte Rede mit Nebensatz:Indirekte Rede nur mit Konjunktiv:
Sie sagt: „Ich bin müde.“Sie sagt, dass sie müde sei.
(Auch: Sie sagt, dass sie müde ist.)
Sie sagt, sie sei müde.
(NICHT: Sie sagt, sie ist müde.)
 
Wenn in der direkten Rede der Konjunktiv steht, muss auch in der indirekten Rede der Konjunktiv stehen.
Examples
Direkte Rede:Sie sagte: „Ich käme, wenn ich Zeit hätte.“
Indirekte Rede:Sie sagte, dass sie käme, wenn sie Zeit hätte.
Sie sagte, sie käme, wenn sie Zeit hätte.

1.3.2.4.2.1.d Tabelle: Ersatzformen direkte Rede / indirekte Rede

Die Tabelle zeigt, wie die Verbformen der direkten Rede in der indirekten Rede ersetzt werden. Welche der verschiedenen Ersatzformen gewählt wird, hängt unter anderem von stilistischen Kriterien ab (siehe unten).
Direkte Rede:Indirekte Rede:
Indikativ Präsens:
Er sagt(e): „Ich finde es gut.“
Konjunktiv I Präsens:
Er sagt(e), er finde es gut.
Er sagt(e), dass er es gut finde.

Konjunktiv II Präteritum:
Er sagt(e), er fände es gut.
Er sagt(e), dass er es gut fände.

würde + Infinitiv Präs. (Konjunktiv II Futur I):
Er sagt(e), er würde es gut finden.
Er sagt(e), dass er es gut finden würde.

Nur mit Nebensatz:
Indikativ Präsens:

Er sagt, dass er es gut findet.
Er sagte, dass er es gut findet.
Er sagte, dass er es gut fand.
Indikativ Präteritum:
Er sagt(e): „Ich fand es gut.“
Indikativ Perfekt:
Er sagt(e): „Ich habe es gut gefunden.“
Indikativ Plusquamperfekt:
Er sagt(e): „Ich hatte es gut gefunden.“
Konjunktiv I Perfekt:
Er sagt(e), er habe es gut gefunden.
Er sagt(e), dass er es gut gefunden habe.

Konjunktiv II Plusquamperfekt:
Er sagt(e), er hätte es gut gefunden.
Er sagt(e), dass er es gut gefunden hätte.

würde + Infinitiv Perfekt (Konjunktiv II Futur II):
Er sagt(e), er würde es gut gefunden haben.
Er sagt(e), dass er es gut gefunden haben würde.

Nur mit Nebensatz:
Indikativ Präteritum:
Er sagt(e), dass er es gut fand.
Indikativ Perfekt:
Er sagt(e), dass er es gut gefunden hat.
Indikativ Plusquamperfekt:
Er sagt(e), dass er es gut gefunden hatte.
Indikativ Futur I:
Er sagt(e): „Ich werde es gut finden.“
Konjunktiv I Futur I:
Er sagt(e), er werde es gut finden.
Er sagt(e), dass er es gut finden werde.

würde + Infinitiv Präsens (Konjunktiv II Futur I):
Er sagt(e), er würde es gut finden.
Er sagt(e), dass er es gut finden würde.

Nur mit Nebensatz:
Indikativ Futur I:

Er sagt(e), dass er es gut finden wird.
Indikativ Futur II:
Er sagt(e): „Ich werde es wohl gut gefunden haben.“
Konjunktiv I Futur II:
Er sagt(e), er werde es wohl gut gefunden haben.
Er sagt(e), dass er es wohl gut gefunden haben werde.

würde + Infinitiv Perfekt (Konjunktiv II Futur II):
Er sagt(e), er würde es wohl gut gefunden haben.
Er sagt(e), dass er es wohl gut gefunden haben würde.

Nur mit Nebensatz:
Indikativ Futur II:

Er sagt(e), dass er es wohl gut gefunden haben wird.

1.3.2.4.2.1.e Stilistische Kriterien

Die oben stehende Tabelle zeigt, dass es beim Ersatz der Verbformen in der indirekten Rede immer mehrere Möglichkeiten gibt.
 
Im Prinzip steht die indirekte Rede im Konjunktiv I.

Von dieser Grundregel wird unter anderem abgewichen, wenn ...
• die indirekte Rede durch einen Nebensatz mit dass ausgedrückt wird. Dann kann auch der Indikativ stehen.
• die Formen des Indikativs und des Konjunktivs I gleichlautend sind. Dann wird der Konjunktiv II oder die würde-Form bevorzugt.
Direkte Rede:Indirekte Rede:
Der Mann behauptet: „Ich habe bereits bezahlt.“Der Mann behauptet, dass er bereits bezahlt habe.
Der Mann behauptet, dass er bereits bezahlt hat.
Sie sagten: „Wir finden den Weg nicht.“Sie sagten, sie fänden den Weg nicht.
Sie sagten, sie würden den Weg nicht finden.
(Statt: Sie sagten, sie finden den Weg nicht.)
Ich antwortete: „Ich heiße Ferdinand.“Ich antwortete, ich hieße Ferdinand.
Ich antwortete, ich würde Ferdinand heißen.
(Statt: Ich antwortete, ich heiße Ferdinand.)
Er behauptet: „Ihr habt mich bestohlen.“Er behauptet, wir hätten ihn bestohlen.
Er behauptet, wir würden ihn bestohlen haben.
(Statt: Er behauptet, wir haben ihn bestohlen.)
 
Die würde-Formen werden vor allem in der gesprochenen Umgangssprache verwendet. In der geschriebenen Standardsprache bevorzugt man die Formen des Konjunktivs II.
 
Eine Ausnahme bilden ungebräuchliche, als geziert empfundene Formen des Konjunktivs II. Hierzu gehören vor allem unregelmäßige Formen mit Umlaut.
In diesen Fällen wählt man auch in der Standardsprache meist die würde-Formen.
Examples
Er dachte, sie würden ihn erschießen (Statt: sie erschössen ihn).Sie sagten, die Quellen würden nach Schwefel stinken (Statt: die Quellen stänken nach Schwefel).
Er behauptet, dass die Mücken ihn nie stechen würden (Statt: dass die Mücken ihn nie stächen).
 
Wenn das Verb in der 2. Person Singular oder Plural steht, ziehen viele die Formen des Konjunktivs II (bzw. die → würde-Formen) den als veraltet oder gehoben empfundenen Formen des Konjunktivs I vor.
Examples
Man behauptet, du hättest das absichlich getan (Statt: ...du habest das absichtlich getan).Sie sagte, du würdest nicht zu mir passen (Statt: ...du passest nicht zu mir).
Er sagt, ihr hättet unrecht (Statt: ...ihr habet unrecht).Ich dachte, ihr wärt schon weggegangen (Statt: ...ihr seiet schon weggegangen).
 
Bei sein wird aber meist Konjunktiv I in der 2. Pers. Singular verwendet.
Examples
Ich dachte, du sei(e)st schon weggegangen.
 
 
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