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Das Tempus (Plural = Tempora)

Die sechs Tempora
Tempus und objektive Zeit
Tempus und Sprechzeitpunkt 


Die sechs Tempora

Das Deutsche kennt sechs verschiedene grammatikalische Tempora (Zeiten):

Lateinischer Name Deutscher Name
PräsensGegenwart
Futur I Zukunft
Präteritum
Vergangenheit
PerfektVorgegenwart
PlusquamperfektVorvergangenheit
Futur IIVorzukunft
 
Übersichtstabelle der Funktionen der Tempora

Für die Bildung der verschiedenen Tempusformen, siehe Flexionstabellen Verben.


Tempus und objektive Zeit

Die Namen der verschiedenen Tempora sind nicht viel mehr als reine Namen. Die größte Schwierigkeit bei der Verwendung der Tempora ist die Tatsache, dass es keinen direkten, gradlinigen Zusammenhang zwischen den Namen der Tempora und wirklichen, objektiv messbaren Zeiten gibt. Dies hat unter anderem folgende Gründe:
  • Die objektive Zeit kann nicht nur durch Tempusformen, sondern zum Beispiel auch mit Hilfe von Adverbien ausgedrückt werden:

    Ich fahre jetzt nach Basel
    Ich
    fahre morgen nach Basel.
    Ich
    fahre gestern im Zug nach Basel, als plötzlich ein Bekannter einsteigt.

    Die objektive Zeit ist im ersten Satz gegenwärtig, im zweiten zukünftig und im dritten vergangen. Sie wird durch die Adverbien jetzt, morgen und gestern ausgedrückt. Das Verb (fahre) steht immer im Präsens.
  • Tempusformen können nicht nur zeitliche, sondern auch modale Inhalte bezeichnen:

    Sie wird wohl zu Hause sein.
    Er
    wird wieder einmal nach Basel gefahren sein.

    Das Verb steht hier im Futur I bzw. Futur II. Die Verbform drückt in diesen Sätzen aber nicht Zukünftigkeit, sondern eine Vermutung aus. Die eigentliche Verbhandlung ist gegenwärtig:

    Ich vermute, dass sie (jetzt) zu Hause ist.

    oder vergangen:

    Ich nehme an, dass er (gestern) wieder mal nach Basel gefahren ist.
  • Die Tempusformen drücken immer eine relative Zeit in Bezug auf den Sprechzeitpunkt aus (siehe unten).

Tempus und Sprechzeitpunkt

Die Tempusformen drücken keine objektive Zeit aus. Sie werden immer in Bezug auf den Sprechzeitpunkt verwendet. Der Sprechzeitpunkt ist der Zeitpunkt, in dem der Sprechende/Schreibende sich mündlich oder schriftlich ausdrückt.
  • Wenn etwas in Bezug auf den Sprechzeitpunkt geschehen, abgeschlossen ist, gehört es der grammatikalischen Vergangenheit an.

    Ich habe vor einer halben Stunde ein Brötchen gegessen.
    Im Geschichtsbuch steht: „Kleopatra
    war die Königin Ägyptens.“
  • Wenn etwas in Bezug auf den Sprechzeitpunkt geschehend, nicht abgeschlossen ist, gehört es der grammatikalischen Gegenwart an.

    Ich esse jetzt ein Brötchen
    Antonius sagte: „Kleopatra
    ist die Königin Ägyptens.“
  • Wenn etwas in Bezug auf den Sprechzeitpunkt noch nicht geschehend ist, noch nicht angefangen hat, gehört es der grammatikalischen Zukunft an.

    Ich werde nach der Sitzung ein Brötchen essen.
    Die Seherin prophezeite: „Kleopatra
    wird die Königin Ägyptens sein.




 
 
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