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1.3.6.4.1 Reflexive Verben

 
Reflexive Verben sind Verben, die mit dem Reflexivpronomen sich stehen. Das Reflexivpronomen hat die Rolle eines Objekts im Satz und bezieht sich zurück auf das Subjekt des Satzes.
Man unterscheidet bei den reflexiven Verben:
1.3.6.4.1.a "Echte" reflexive Verben
1.3.6.4.1.b Reflexive Verbvarianten
1.3.6.4.1.c Reflexiv verwendete Verben
Zudem treten reflexive Pronomen bei der Bildung des Passivs auf:
1.3.6.4.1.d Reflexive Formen zum Ausdruck des Passivs

Für weitere Details siehe auch:
1.3.6.4. Reflexive und reziproke Verben
1.3.6.4.1.1 Flexion der reflexiven Verben


Beispiele für reflexive Verben:
    sich beeilen, sich ärgern, sich rasieren
Beispiele
Ich schäme mich. Du eignest dir neue Fertigkeiten an.
Liebeskummer lohnt sich nicht.
Wir fürchten uns vor der Dunkelheit.
Ihr habt euch selber eingeladen.
Sie zweifeln an sich.
Ebenfalls mit sich stehen:
1.3.6.4.2 Reziproke Verben

1.3.6.4.1.a "Echte" reflexive Verben

 
"Echte" reflexive Verben sind Verben, die immer mit einem Reflexivpronomen stehen müssen.
Beispiele für "echte" reflexive Verben mit Dativ:
sich etwas aneignen (ich eigne mir etwas an)sich etwas einbilden
sich etwas anmaßen usw.
 
Erkennungsmerkmale für "echte" reflexive Verben sind unter anderem:
• Das Reflexivpronomen kann nicht weggelassen werden.
• Das Reflexivpronomen kann nicht durch ein anderes Pronomen oder ein Substantiv ersetzt werden.
• Nach dem Reflexivpronomen kann nicht gefragt werden.
Beispiele
Obligatorisch:
Ich beeile mich. NICHT: Ich beeile.
Der Mann bildet sich etwas ein. NICHT: Der Mann bildet etwas ein.
Nicht ersetzbar:
Ich beeile mich. NICHT: Ich beeile euch.
Ich beeile die Kinder.
Der Mann bildet sich etwas ein. NICHT: Der Mann bildet ihnen etwas ein.
Der Mann bildet seinem Sohn etwas ein.
Nicht erfragbar:
Ich beeile mich. NICHT: Wen beeile ich?
Der Mann bildet sich etwas ein. NICHT: Wem bildet der Mann etwas ein?

1.3.6.4.1.b Reflexive Verbvarianten

 
Reflexive Verbvarianten liegen vor, wenn ein Verb mit und ohne Reflexivpronomen stehen kann und abhängig davon unterschiedliche Bedeutungen oder Satzkonstruktionen hat.
Beispiele
Reflexive Verbvariante:Nicht reflexive Verbvariante:
• sich ärgern = Ärger empfinden • ärgern = Ärger verursachen
Ich ärgere mich. Ich ärgere ihn.
• sich auf jemanden verlassen = auf jemanden vertrauen • jemanden verlassen = bei jemandem weggehen
Sie verlässt sich auf ihren Mann. Sie verlässt ihren Mann.
sich vor jemandem fürchten • jemanden fürchten.
Wir fürchten uns vor ihnen. Wir fürchten sie.
 
Die reflexive Verbvariante verhält sich wie ein "echtes" reflexives Verb:
• Das Reflexivpronomen kann nicht weggelassen werden.
• Das Reflexivpronomen kann nicht durch ein anderes Pronomen oder ein Substantiv ersetzt werden.
• Nach dem Reflexivpronomen kann nicht gefragt werden, ohne dass dadurch ein inkorrekter Satz entsteht oder die Bedeutung des Verbs sich ändert.
Beispiele
sich ärgern = "Ärger empfinden" NICHT: Ich ärgere. → falsch
NICHT: Ich ärgere ihn.→ Bedeutung ändert sich von "Ärger empfinden" zu "Ärger verursachen"
NICHT: Wen ärgere ich?→ Bedeutung ändert sich von "Ärger empfinden" zu "Ärger verursachen"
sich vor jemandem / etwas fürchten NICHT: Wir fürchten vor ihnen. → falsch
NICHT: Wir fürchten euch vor ihnen. → falsch
NICHT: Wen fürchten wir vor ihnen? → falsch

1.3.6.4.1.c Reflexiv verwendete Verben

 
Reflexiv verwendete Verben sind Verben, bei denen das Reflexivpronomen an der Stelle eines anderen Pronomens oder eines Nomens steht. Die Bedeutung des Verbs ändert sich dabei nicht.
Beispiele
Reflexive Verwendung:Nicht reflexive Verwendung:
Der Mann wäscht sich. Der Mann wäscht den Wagen.
Der Frisör rasiert sich. Der Firsör rasiert den Kunden.
Du widersprichst dir. Du widersprichst der Direktorin.
Sie achten gut auf sich. Sie achten gut auf ihn.
 
Das Reflexivpronomen übernimmt im Satz dann die Rolle eines Objektes, wenn das Objekt mit dem Subjekt identisch ist. In diesem Fall muss ein Reflexivpronomen verwendet werden.
Beispiel
Der Mann wäscht sich. NICHT: Der Mann wäscht den Mann. / Der Mann wäscht ihn.
 
Reflexivpronomen können die Rolle aller Arten von Objekten übernehmen.
Beispiele
Akkusativobjekt: Er wäscht sich.
Du hast dich verletzt.
Dativobjekt: Du widersprichst dir häufig.
Er gönnt sich eine Pause.
Präpositionalobjekt: Achtet gut auf euch!
Sie adressieren den Brief an sich.
Genitivobjekt (gehoben, selten): Damit spotten sie ihrer.
 
Erkennungsmerkmale reflexiv verwendeter Verben:
• Das Reflexivpronomen kann durch ein anderes Pronomen oder ein Substantiv ersetzt werden, ohne dass sich die Bedeutung des Verbs ändert.
• Das Reflexivpronomen kann verneint werden.
• Das Reflexivpronomen kann mit selbst (umgangssprachlich auch selber) verstärkt werden.
Beispiele
Ersetzung:
Er rasiert sich. Er rasiert den Kunden.
Er rasiert ihn.
Achtet gut auf euch! Achtet gut auf die Kinder!
Achtet gut auf sie!
Er rasiert sich. Wen rasiert er?
Sie adressieren den Brief an sich. An wen adressieren sie den Brief? An sich.
Verneinung:
Er rasiert sich. Er rasiert nicht sich, sondern den Kunden.
Er gönnt sich eine Pause. Er gönnt nicht sich, sondern nur den anderen eine Pause.
Verstärkung:
Er rasiert sich. Er rasiert sich selbst.
Sie adressieren den Brief an sich. Sie adressieren den Brief an sich selbst.
Sie hat sich zur Party eingeladen. Sie hat sich selbst zur Party eingeladen.

1.3.6.4.1.d Reflexive Formen zum Ausdruck des Passivs

 
Reflexive Formen mit sich werden auch zum Ausdruck des Passivs verwendet.
Reflexivkonstruktion mit unpersönlichem sich
Beispiele
Die Tür öffnet sich. vs. Die Tür wird geöffnet.
Es wird sich schon eine Lösung finden. vs. Es wird schon eine Lösung gefunden werden.
Die neue CD verkauft sich gut. vs. Die neue CD wird gut verkauft.
Beispiele
Die Fenster lassen sich öffnen. vs. Die Fenster können geöffnet werden.
Der Stoff lässt sich gut waschen. vs. Der Stoff kann gut gewaschen werden.
Der Umweltskandal ließ sich nicht verbergen. vs. Der Umweltskandal konnte nicht verborgen werden.
 
 
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