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Das Modalverbwollen

Wille, Absicht
Zukunft
Notwendigkeit
Zitat „Behauptung“ 
als Vollverb


Wille, Absicht

Die Hauptbedeutung von wollen ist "Wille, Absicht":

Viele Pensionierte wollen nach Spanien umziehen.  =  Viele Pensionierte haben die Absicht/den Willen, nach Spanien umzuziehen.
Ihr wolltet uns nie besuchen.  =  Ihr hattet nie den Willen, uns zu besuchen.
Ich will dir meine Geburtsstadt zeigen.  =  Ich habe den Willen/die Absicht, dir meine Geburtstadt zu zeigen.

Der durch wollen ausgedrückte "Wille" kann unterschiedlich stark sein, von einer Forderung bis hin zu einem Wunsch:

Ich will sofort Ihren Vorgesetzten sprechen!
Ich will mir eine neue Hose kaufen.
Ich will dir sehr gern helfen.

wollen und mögen

Beim Wunsch berühren sich die Bedeutungen von wollen und mögen:

Ich will/möchte dir gern helfen.

Dies gilt insbesondere für die Vergangenheit, da mögen mit der Bedeutung "Wunsch" in den Vergangenheit fehlt.

Ich wollte dir gerne helfen.

Siehe mögen mit der Bedeutung "Wunsch".

wollen mit unbelebtem Subjekt

Das Subjekt von wollen kann auch unbelebt sein, obwohl nur Menschen (und ggf. Tiere) einen eigentlichen Willen haben. "Wille" ist dann im übertragen Sinn zu verstehen. Unbelebte Subjekte kommen häufig in verneinten Sätzen vor.

Der Deckel will wieder einmal nicht aufgehen.
Die Vorstellung wollte kein Ende nehmen.

Vergleiche unten wollen "Notwendigkeit".


Zukunft

Die Hauptbedeutung "Absicht" kann so abgeschwächt sein, dass wollen viel weniger die modale Bedeutung "Absicht'" als die zeitliche Bedeutung "Zukunft" hat. Dies gilt vor allem für die erste Person (ich, wir):

Ich will hier auf dich warten.  =  Ich werde hier auf dich warten.
Wir wollen uns bemühen, unsere Daten ständig aktuell zu halten.  =  Wir werden uns bemühen, unsere Daten ständig aktuell zu halten.


Notwendigkeit

Wenn wollen mit einem Infinitiv Passiv (= Partizip Perfekt + sein oder werden) kombiniert wird, drückt es "Notwendigkeit" aus. Das Subjekt ist unbelebt:

Autofahren will gelernt sein.  =  Autofahren muss man lernen.
Die Entscheidung will gut überlegt sein.   =  Man muss/sollte sich die Entscheidung gut überlegen.
Weinflaschen wollen richtig gelagert werden.   =  Weinflaschen müssen richtig gelagert werden.

Es handelt sich hier um einen Spezialfall der Verwendung von wollen mit umbelebtem Subjekt.


Zitat „Behauptung“

Mit wollen kann ausgedrückt werden, dass jemand etwas von sich behauptet, das der Sprecher/Schreiber nicht unbedingt glaubwürdig findet:

Er will den alten Baron noch gekannt haben.  =  Er behauptet, dass er den alten Baron noch gekannt habe.
Der Verdächtige wollte an jenem Abend zu Hause gewesen sein.   =  Der Verdächtige behauptete, er sei an jenem Abend zu Hause gewesen.
Ihr wollt also die besten Schüler der Klasse sein.   =  Ihr behauptet also, die besten Schüler der Klasse zu sein.


wollen als Vollverb

wollen kann auch als Vollverb verwendet werden:

Dein Vater will, dass du deine Mutter wieder einmal besuchst.
Wir wollen hier keine Schmarotzer.
Ich will ein Bier!





 
 
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