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    Language lab

    Kyiv statt Kiew - Sprache macht Politik

    Topic

    Kyiv statt Kiew - Sprache macht Politik

    Comment

    ‚Kiew' ist die russische Schreib- und Sprechweise. Sie wird von manchen Ukrainern als eine Anspielung auf die frühere Vorherrschaft Russlands gedeutet. 

    https://www.deutschlandfunk.de/kyiv-statt-kie...


    Statt Weißrussland Belaruss, statt Kiew Kyiv, da hat man es nicht leicht alles richtig zu machen. Ich wüsste auch gar nicht so genau, wie ich Kyiv aussprechen muss.


    Da gibt es noch mehr Beispiele, ein polnischer Bekannter schrieb mir (auf Deutsch) und berichtete von der Situation aus Oberschlesien, wo er wohnt, da kommen jetzt viele Flüchtlinge an. Oberschlesien, das hätte ich mich nicht getraut zu sagen, nachher denkt man noch ich wäre ein Nazi oder so. Wie die Gegend da im Südosten Polens aber auf PC heißt, weiß ich gar nicht.


    Man kann durch Namen von Städten und Landschaften eine politische Botschaft rüberbringen. Nur blöd, wenn man es unbewusst macht und es falsch gedeutet wird.

    Authorzacki (1263445)  09 Mar 22, 09:41
    Comment

    Wie man Kyiv spricht, kannst Du Dir bei Wikipedia anhören: https://de.wikipedia.org/wiki/Kiew


    Wenn man ahnt, dass man mit einem Begriff auf vermintem Gelände ist, einfach nachfragen oder nachschlagen (https://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesien). Ansonsten kann man immer einen Zusatz anfügen, der zeigt, dass Du den Begriff nicht revisionistisch verwendest, z.B. "ehemaliges". Und wenn das ein Pole so schreibt, dann kannst Du das auch so verwenden im Gespräch mit ihm. Warum nicht.

    #1Author Selima (107) 09 Mar 22, 09:50
    Comment

    Respectable US media sources (such as NPR) are trying to use "Kyiv" (usually pronounced as one syllable, as if it were written "Keev" (non-phonetically, but some folks give it a barely detectable second syllable)) instead of the Russian "Kiev" (two syllables). I appreciate that, but you can tell that it's hard to break old habits. It's not uncommon to hear a reporter say the former at the start of a sentence and the latter just a bit later.


    #2Author hbberlin (420040) 09 Mar 22, 09:52
    Comment

    Bei Oberschlesien sehe ich das Problem nicht, denn es ist eine noch heute übliche geografische Bezeichnung, die es in mehreren Sprachen gibt. Schwieriger ist es bei Ortsnamen.

    #3Author JanZ (805098) 09 Mar 22, 09:54
    Comment

    Oberschlesien ist ein geographischer Begriff (der polnische Name Górny Śląsk bedeutet wörtlich dasselbe).


    Ich halte es für Unfug, die Verwendung dieses deutschen Namens mit Revanchismus gleichzusetzen. Wir sagen ja auch nicht Milano, Pari oder Chöbenaun, wenn wir von Mailand, Paris und Kopenhagen sprechen. Und wer polnisch spricht, sagt Norymberdze und Kilonia, ohne damit Besitzansprüche auf Nürnberg und Kiel auszudrücken.


    Etwas anderes ist es nur, wenn es tatsächlich keine etablierten deutschen Ortsnamen sind, sondern aufgezwungene (Hindenburg für Zabrze oder Litzmannstadt für Lódz). Die sind tatsächlich zu meiden.

    #4Author mbshu (874725) 09 Mar 22, 09:57
    Comment

    Na, die Kętrzyner lassen sich heute auch nicht alle gern als Rastenburger bezeichnen, obwohl der polnische Name (benannt nach Wojciech Kętrzyński, einem polnisch-nationalistischem Historiker) jünger ist und der deutsche Namen Rastenburg durchaus etabliert - der originale prussische war Rastekaym und der vom dt. abgeleitete polnische Rastembork.

    #5Author Selima (107)  09 Mar 22, 10:03
    Comment
    Ich sehe das wie mbushu, historisch gewachsene (nicht spontan aus politischem Willen erfundene) deutsche Namen sind nicht unbedingt schlechter als für Deutsche kaum auszusprechende Originalnamen. Da kann man es auch übertreiben.

    Unser Oberbürgermeister spricht von unserer ukrainischen Partnerstadt auch immer mit dem deutschen Namen. Der ist allerdings deutlich anders als der russische Name der Stadt.
    #6Author Dodolina (379349) 09 Mar 22, 10:12
    Comment

    Was sagt ihr zu Tallinn? Nicht richtig so? Das war ja auch eine politische Entscheidung.


    PS: Belarus mit einem s 😉


    Preisfrage: wie heißt der selbsternannte belarussische Präsident mit Nachnamen?

    #7Author las. (377311)  09 Mar 22, 10:16
    Comment

    Manche deutschen Namen kommen auch einfach so außer Gebrauch, so hieß Lyon früher mal Leyden, was ganz ohne Revanchismusverdacht niemand mehr sagt. Als ich mit Freunden 2004 in Vilnius war, habe ich auch noch versucht, den deutschen Namen hochzuhalten, heute nicht mehr.

    #8Author JanZ (805098) 09 Mar 22, 10:19
    Comment

    zur Preisfrage #7: Da hört man zumeist Lukaschenko, aber auch manchmal die Form Lukaschenka. Ich vermute, die letzte ist richtig?

    #9Authortelly (520167) 09 Mar 22, 10:35
    Comment

    Hören sollte man eigentlich immer Lukaschenka, weil die russische Form auf -o auch so ausgesprochen wird 😉. Im Weißrussischen wird es halt auch so geschrieben. Und das Thema Sprache ist da, soweit ich weiß, ein noch heißeres Eisen als in der Ukraine.

    #10Author JanZ (805098) 09 Mar 22, 10:39
    Comment

    Ich höre und lese (Stand heute früh) immer nur Lukaschenko


    Bei wikipedia sieht man das wohl anders, das ist mir neu (auch Stand heute)


    Aljaksandr Ryhorawitsch Lukaschenka ist ein belarussischer Politiker und seit 20. Juli 1994 der faktische Machthaber von Belarus. Wikipedia


    Ich sage auch Alexander statt Aljaksandr, irgendwo hört es auf mit korrekter Aussprache.

    #11Authorzacki (1263445)  09 Mar 22, 10:41
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    Ein Freund wurde 1943 in Neisse geboren, das damals in der zu Preußen gehörenden Provinz Oberschlesien lag. Als 1946 die Deutschen aus Schlesien vertrieben wurden, wurde die Stadt umbenannt in (polnisch) Nysa.

    Da in seinem bundesdeutschen Pass als Geburtsort "Neisse (Oberschlesien)" eingetragen war, bekam er bis 1989 kein Visum für einen Besuch seiner Geburtsheimat. Da er nicht nur deutsche, sondern auch polnische Verwandte hat, beschloss er eines Tages, für seinen Geburtsort den alten lateinischen Namen Nissa zu nennen. Das hat zwar weder die deutsche noch die polnische Bürokratie beeindruckt, doch wenn er irgendwo seinen Geburtsort angeben muss, schreibt er seitdem "Nissa (Neisse / Nysa)".

    #12Author MiMo (236780) 09 Mar 22, 10:46
    Comment

    Ich höre auch nur ausnahmsweise mal Lukaschenka statt Lukaschenko.


    Es ist schwierig mit der "richtigen" Aussprache, gerade bei Umschriften, man kann sich nicht überall auskennen. Wer sagt schon fēngshuǐ oder kamikaze (mit weichem S) im Deutschen? Obwohl man bei Nachrichtensprechern schon erwarten würde, dass sie mal nachschlagen würden ...

    #13Authortelly (520167) 09 Mar 22, 10:49
    Comment

    Kyiv wird, genau wie Kiew, immer mit zwei Silben ausgesprochen. Nur mit zwei i - also statt [Kijef] sagt man [Kijif].

    Man sollte aber dazusagen: Für gut die Hälfte der Ukrainer ist Russisch Muttersprache (unabhängig von der tatsächlichen "ethnischen Zugehörigkeit"), und diese wurde (und wird), entgegen Putins Behauptungen, nie "unterdrückt".

    #14AuthorKübelchen (837721) 09 Mar 22, 10:53
    Comment

    Zurück zu Kiew vs. Kyjiw.


    Ich gebe zu, die zweite Variante ist optisch nicht sehr gut. Optisch wäre ich für Kiїw (aber ich sehe auch, dass die Punkte nicht auf einem Level sind, das ist schade). Das i ist ein ​ɪ wie in "Mitte". Das ї ist wie j+ɪ. Wenn man schnell spricht wären alle Vokale in der Mitte einfach ein längeres ɪ, bzw. 2 Mal ɪ.

    #15Author las. (377311) 09 Mar 22, 10:55
    Comment
    Wik linked an article that several of us in the Rest der Welt thread found interesting, including notes on Russian prepositions.

    related discussion: Neuigkeiten vom Rest der Welt 7 - #173

    There was also one in the Guardian before that, but without much other information.

    related discussion: Neuigkeiten vom Rest der Welt 6 - #288 #288g
    #16Author hm -- us (236141)  09 Mar 22, 10:57
    Comment

    Wenn man schnell spricht wären alle Vokale in der Mitte einfach ein längeres ɪ, bzw. 2 Mal ɪ.


    Dann wäre Kiew nicht Ki-ew sondern ein "ie" und Kiew reimt sich auf Brief?

    #17Authorzacki (1263445)  09 Mar 22, 11:00
    Comment

    #16


    Zu den Präpositionen (das Thema an sich ist auch schon ca. 30 Jahre alt) gibt es aktuell den Witz (ja, es gibt jetzt sehr viele Witze, man muss das alles irgendwie psychisch verarbeiten), und der geht so:


    Die russischen Soldaten dachten, sie fahren auf (na) die Ukraine, müssten aber feststellen, dass sie in* (v) die Ukraine fahren.


    *Witzerklärung: "in" als "in die Erde rein", siehe 12.000 tote russische Soldaten.

    #18Author las. (377311) 09 Mar 22, 11:03
    Comment

    #17


    Nein, ich sprach aber auch nicht von der Aussprache von Kiew.


    Ki-jew auf Russisch hat auch ein anderes i Vokal als Ki-jiw auf Ukrainisch (daher versucht man das mit Kyjiw darzustellen, was aber auch unglücklich ist, weil das zweite Vokal auch so ist also Ky-jyw. Wir könnten uns auf Ki-jiw einigen, wobei i jeweils wie im Deutschen Wort "Mitte" ausgesprochen wird, nicht wie in Brief (das wäre das "i" in Ki-ew (Kie-jew).


    #14


    Ich bin mir gerade wegen "w" vs "f" unsicher. Die russische Form wäre wahrscheinlich mit "f". Aber die ukrainische Form doch mit "w" oder einem "w" ähnlichen Laut.

    #19Author las. (377311) 09 Mar 22, 11:21
    Comment

    Aber die ukrainische Form doch mit "w" oder einem "w" ähnlichen Laut.


    Laut Wikipedia sogar u-ähnlich: [ˈkɪjɪu̯]

    #20Author JanZ (805098) 09 Mar 22, 11:26
    Comment

    #20


    Ja, ich hab mir gerade Forvo angehört.


    Ich denke, das sind teilweise regionale Unterschiede. Von kurzem u (fast wie polnisch, ich kenne das auch so) bis w, aber ob die regionalen Unterschiede der ukrainischen Muttersprachler bis f gehen, weiß ich nicht, das ist nicht ausgeschlossen.


    Aber das ist weniger die Frage, denke ich, da man das auf deutsch automatisch mit Auslautverhärtung ausspricht, oder? Die Vokale machen die Probleme und die Schreibweise, denke ich.

    #21Author las. (377311) 09 Mar 22, 11:30
    Comment

    OT No. 8: Danke für Lyon = Leyden! Wiki hat sogar Welsch-Leyden, das werde ich mal in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen für meine nächste Reise über Mömpelgard hinaus. Zunächst geht es aber nach Pest-Ofen.

    #22Author mbshu (874725) 09 Mar 22, 12:23
    Comment

    #8 Als ich mit Freunden 2004 in Vilnius war, habe ich auch noch versucht, den deutschen Namen hochzuhalten


    Oha. "Reval" kenn ich ja noch von alten Landkarten, aber wie Vilnius mal auf Deutsch hieß, musste ich jetzt echt nachschlagen.

    #23Author Kapustiner (1229425)  09 Mar 22, 20:26
    Comment

    Interessant. Reval hätte ich wahrscheinlich auch 2004 nicht mehr gesagt.

    #24Author JanZ (805098) 09 Mar 22, 20:36
    Comment

    Reval (ohne Filter) wird weiterhin geraucht (und deshalb auch gesagt).

    #25Author MiMo (236780) 09 Mar 22, 20:44
    Comment

    Pardon, aber Vilnius (Litauen) hieß deutsch Wilna, Reval ist das estische Tallinn.

    #26Author Peter <de> (236455)  09 Mar 22, 21:32
    Comment

    das estnische (es fristet im Osten ein Nischendasein ...)

    #27Author mbshu (874725)  09 Mar 22, 22:22
    Comment

    #26: Hat jemand das Gegenteil behauptet?

    #28Author JanZ (805098) 09 Mar 22, 22:29
    Comment

    Danke fürs Nachreichen, mbshu (ich höre immer unsere estnischen Nachbarn von Eesti sprechen, das färbt offenbar ab ...). Mit Deiner Parenthese kann ich aber nicht viel anfangen, offen gestanden.


    JanZ, vielleicht habe ich etwas überlesen oder die Diskussion der #8 (in ##23ff.) nicht richtig verstanden, aber ich fand, es sollte mal klar gesagt werden ;-)

    #29Author Peter <de> (236455)  09 Mar 22, 22:31
    Comment

    Charkiw oder Charkow, das ist auch so eine Stadt die sich durch die "richtige" Aussprache in verschiedene Lager aufteilen lässt.

    #30Authorzacki (1263445) 09 Mar 22, 22:54
    Comment

    #29: Vermutlich eine Eselsbrücke für Est - Nisch

    #31Author penguin (236245) 09 Mar 22, 23:41
    Comment

    Aaaaah-jà! Bedankt, penguin.

    #32Author Peter <de> (236455) 09 Mar 22, 23:44
    Comment

    Bezüglich polnischer Namen auf ehemals deutschem Gebiet: Ich finde in der Alltagssprache beispielsweise Bad Ziegenhals, Thorn, Bromberg,... nicht unbedingt revisionistisch oder rechts konnotiert. Höchstens von einer Verwenung auf polnischem Territorium (also bei einem Besuch) oder gegenüber Pol:innen würde ich vielleicht absehen, aber die Leute, mit denen ich spreche, können mit Głuchołazy, Torún oder Bydgoszcz noch weniger anfangen...


    Auch sehe ich nicht unbedingt, dass, wenn ich z.B. Pommern oder Oberschlesien verwende, ich Ansprüce auf diese Gebiete erheben könnte. Zur Not sage ich noch klarer "ehemaliges Ostpreußen/Oberschlesien" o.Ä.


    Bei aktuell oder in jüngerer Zeit umstrittenen Gebieten (Kyjiw/Kyiv!) ist es nochmal was anderes. Ich kann aber mir bekannten Deutschen nicht erklären, dass Raman Pratassewitsch und kein "Roman Protassewitsch" (wie sie es überall hören und lesen) entführt und widerrechtlich festgenommen wurde.

    #33Author BenatarsComrade (1182552) 10 Mar 22, 01:27
    Comment

    Ob etwas revisionistisch verstanden wird, kann ich als Sprecher ja nicht bestimmen - das entscheidet (bewußt oder unbewußt) der Empfänger der Mitteilung. Danach sollte sich dann die Formulierung/Wortwahl des Sprechers richten (oder nicht, wenn er andere Ziele als eine einvernehmliche Kommunikation anstrebt).


    Reval kenne ich dank Bergengruen aus Mutter Bücherschrank :-)

    #34Author Selima (107)  10 Mar 22, 06:59
    Comment

    Ich muss gestehen, dass ich den Trend zur quasi-zwanghaften Verwendung „autochthoner“ Ortsnamen sehr kritisch sehe. Wenn eine Stadt oder ein Gebiet überregionale Bedeutung hat, dann gibt es eben auch Namen in anderen Sprachen, zumal bei Nachbarländern. Wenn ich als Österreicher von Prag, Brünn, Pressburg oder Laibach spreche (statt Praha, Brno, Bratislava oder Ljubljana) stelle ich damit herrschende Macht- und politische Verhältnisse ja in keiner Weise in Frage. Gerade noch die (Haupt-)städte westlicher Länder dürfen „deutsch“ ausgesprochen werden (Rom, Lissabon, Lon-dón, Pa-rihs …), alles andere, vermitteln uns die Medien, ist nicht mehr P.C. „Moskwa“ ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, Beijing naturgemäß längst etabliert.


    Jetzt diskutieren wir eben über die Transliteration bzw. den deutschen Namen von Київ.

    #35Author Carullus (670120) 10 Mar 22, 08:06
    Comment

    #29: Ich gebe zu, es war ein bisschen wie in diesen Rätseln: "Peter wohnt rechts neben dem Trompeter, der nicht Klaus mit Vornamen heißt, aber über Herrn Meyer, der nicht Klavier spielt." Aber wenn man es genau liest, sieht man eigentlich, dass wir die Städtenamen nicht verwechselt haben.


    #30: Das Problem stellt sich bei fast allen ukrainischen Städtenamen. Die alle hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen.

    #36Author JanZ (805098)  10 Mar 22, 15:40
    Comment

    #35 Wenn ich als Österreicher von Prag, Brünn, Pressburg oder Laibach spreche (statt Praha, Brno, Bratislava oder Ljubljana)


    Mir als Nichtösterreicher sind Bratislava und Ljubljana geläufiger. Bei Pressburg und Laibach müsste ich erst überlegen, was gemeint ist.


    Prag und Brünn sag ich allerdings auch.

    #37Author Kapustiner (1229425) 10 Mar 22, 16:44
    Comment

    Jetzt diskutieren wir eben über die Transliteration bzw. den deutschen Namen von Київ.


    Über die Transliteration von Київ brauchen wir nicht zu diskutieren, die lautet Kiïv. Was wir diskutieren, ist, ob wir vom russischen oder vom ukrainischen Namen ausgehen und wie wir diesen dann ins Deutsche übertragen.


    Dass "Beijing naturgemäß längst etabliert" ist, halte ich übrigens für ein Gerücht. Nach meiner Wahrnehmung haben die olympischen Winterspiele in den deutschen Medien überwiegend "in" Peking stattgefunden.

    #38Author JanZ (805098) 10 Mar 22, 16:57
    Comment

    Diskutieren wir über die Transliteration oder die Transkription? Das ist nicht dasselbe, da die Transkription im Gegensatz zur wissenschaftlichen Transliteration ohne Sonderzeichen und Akzente auskommt.


    Die Transskription des ukrainischen Київ ist Kijiw.


    Das Auswärtige Amt schreibt im Übrigen nach wie vor Kiew.

    #39Author ghost_4 (1278168) 10 Mar 22, 18:24
    Comment

    Transliteration und Transkription sind ja in der einschlägigen DIN geregelt, da kann man nicht sooo viel falsch machen.


    Der Punkt ist, dass die im Deutschen üblichen Schreibungen ukrainischer Ortsnamen sich historisch bedingt eher am Russischen als am Ukrainischen orientieren (Kiew, Charkow usw.).


    Die Ukrainisierung solcher Ortsnamen im Deutschen (also jetzt Kijiw, Charkiw usw.) ist in erster Linie ein political statement, würde ich mal sagen.


    Gilt analog auch fürs Englische.

    #40Author Kapustiner (1229425) 10 Mar 22, 19:57
    Comment

    Falls jemand genauer nachsehen will :


    https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/neu...

     Umschrift des russischen Alphabets

     ... ISO      International Organization for Standardization                             ISO 9               (1995)

    DIN       Deutsches Institut für Normung & Deutsches Bibliotheksinst.DIN 1460        (1982)

    GOST  Gosstandart Rossii                                                                           ST SEV 1362 (1978)

    BSI       British Standards Institution & Chemical Abstracts Service     BS 2979         (1958)

    ALA     American Library Association & Library of Congress                 CS, no. 119   (1976)

    Duden Dudenverlag                                                                                       Duden, Bd. 1 (1991)...


    https://home.uni-leipzig.de/krueger/lehress/u...

     Die deutschen Transliterations- und Transkriptionssysteme für Ukrainisch nach DIN 1460 (bzw. Duden, 22. Auflage, 2000, für Russisch) ...


    #41Author no me bré (700807) 10 Mar 22, 21:01
    Comment

    #40 Kijiw


    Korrektur: Kyjiw. Ich vergesse immer, dass das ukrainische Alphabet noch so ein Spezial-I hat.


    So viel zu "da kann man nicht sooo viel falsch machen". 😉

    #42Author Kapustiner (1229425) 11 Mar 22, 16:10
    Comment

    OT: Gibt es einen Faden mit Ortsnamen, die auch als Vornamen verwendet werden? Athina Onassis, Paris Hilton, Keith Jarrett ...

    #43Author mbshu (874725)  11 Mar 22, 17:47
    Comment

    Kiew oder Kyiv?:

    Vier Buchstaben für die Freiheit

    Warum Ukrainerinnen und Ukrainer fordern, die Schreibweise ihrer Städtenamen zu ändern.

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/ukraine-...




    #44Authorzacki (1263445) 20 Mar 22, 23:54
    Comment

    Ist Keith ein Städtename?

    #45Author Selima (107) 21 Mar 22, 08:13
    Comment

    Stadt wäre vielleicht ein wenig zu viel gesagt, aber immerhin hat es einen eigenen Bahnhof:


    https://www.google.com/maps/place/Keith,+Vere...

    #46Authorzacki (1263445) 21 Mar 22, 08:24
    Comment

    #46: No, the real Keith is here:

    https://www.google.de/maps/place/Keith+SA+526...

    #47Author Stravinsky (637051) 21 Mar 22, 08:33
    Comment
    Ich frage mich zur Zeit auch immer, ob ich zum reaktionären alten Eisen gehöre, weil ich meine, dass man doch von Lemberg sprechen könnte statt vom (für die meisten Reporter und für mich) schwer auszusprechenden Lwiw. :-)
    #48Author Qual der Wal (877524) 21 Mar 22, 22:22
    Comment

    Altes Eisen weiß ich nicht, aber ein heißes ist es auf jeden Fall 😉.

    #49Author JanZ (805098) 21 Mar 22, 22:30
    Comment

    Wenn man sich die Geschichte anschaut, ist es m.E. eine gute Idee, die aktuelle Selbstbezeichnung zu verwenden.


    Apropos Geschichte anschauen: Wer wie ich (und viele der Anwesenden) mit einer geteilten Wetterkarte* aufgewachsen ist, musste sich nach 1990 erst einmal anschauen, was hinter dem gefallenen Eisernen Vorhang so existiert. Als ich mich Anfang der Neunzigerjahre auf eine Stelle in Litauen bewarb, musste ich tatsächlich auf der Karte suchen. Und ich glaubte viele Jahre lang, Bratislava sei der einheimische Name für Breslau, bis ich mal von Österreich aus eine Hundeausstellung in, nun ja, Preßburg besuchte.


    Wir wohnen in einem dieser Viertel, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden und Straßennamen nach den "verlorenen Gebieten" tragen (Danziger Straße, Memeler Straße usw.). Über 70 Jahre nach der Neuordnung Europas finde ich das ziemlich anachronistisch ...


    Natürlich gibt es herkunftssprachliche Bezeichnungen, die schwieriger auszusprechen sind. Aber man kann ja versuchen, sich anzunähern. Bei Peking -> Beijing hat das wohl einigermaßen geklappt.


    Wo will man anfangen, wo will man aufhören? Wo ist die Balance zwischen Bequemlichkeit und übertriebener Korrektheit? Bratislava finde ich jetzt nicht so viel schwieriger als Preßburg, Lwiw ist zwar schon ein anderes Kaliber, aber man kann sich ja an der Transkription entlanghangeln. Ich hätte bis vor kurzem nicht gewusst, wo das überhaupt liegt - und dann muss ich gar nicht erst mit "Lemberg" anfangen, sondern kann gleich die Selbstbezeichnung nutzen.



    *Für die Jüngeren und diejenigen, die nicht in Westdeutschland aufgewachsen sind: Bis 1989/90 wurde in den Nachrichten von ARD und ZDF am Ende eine Wetterkarte eingeblendet, die ganz Deutschland zeigte, aber mit einer deutlichen Grenze zwischen BRD und DDR. Damit wurde einerseits der Alleinvertretungsanspruch symbolisiert, andererseits wurde für das Publikum in der DDR ein weiterer Anreiz geschaffen, Westfernsehen zu schauen.

    #50Author Raudona (255425)  22 Mar 22, 09:02
    Comment

    NB. Peking und Beijing sind beides korrekte Umschriften aus dem Chinesischen - Beijing aus Mandarin und Peking aus der in Hongkong und Kanton (Provinz Guangdong) gebräuchlichen Sprachvariante, die der Wades-Giles-Transkription zugrundeliegt.

    #51Author mbshu (874725) 22 Mar 22, 09:54
    Comment

    #51: Peking / Beijing war nur ein Beispiel für erfolgreiche Umgewöhnung zur "schwierigeren" Variante.


    Aber den Hintergrund, der mir nicht bekannt war, finde ich interessant. Sollte ich dann "Peking" sagen, um die Unabhängigkeitsbestrebungen von Hongkong zu unterstützen?

    #52Author Raudona (255425) 22 Mar 22, 11:27
    Comment

    Also, ich sage immer Peking, ohne das jetzt genau begründen zu können. Ich denke mir nichts Politisches dabei. Und Xianggang, das werde ich wohl auch nie sagen, nur um den Chinesen einen Gefallen zu tun. Irgendwo hört es auf.

    #53Authorzacki (1263445) 22 Mar 22, 11:35
    Comment

    #51: Peking / Beijing war nur ein Beispiel für erfolgreiche Umgewöhnung zur "schwierigeren" Variante.


    Wie weiter oben schon geschrieben, halte ich die gar nicht für so erfolgreich, denn die meisten mir bekannten Medien (Privatpersonen sowieso) schreiben und sprechen von Peking. Abgesehen davon halte ich die Aussprache von Beijing (wenn man sich nicht gerade an den Tönen versucht) nicht wirklich für schwieriger. Wie bei den meisten Namen ist es eher Gewohnheitssache, wobei ich nicht immer der Meinung bin, dass man die bisherigen Gewohnheiten tatsächlich aufgeben muss.


    Sollte ich dann "Peking" sagen, um die Unabhängigkeitsbestrebungen von Hongkong zu unterstützen?


    Halte ich (falls das ernst gemeint war) mit der Begründung für relativ unsinnig, denn Peking liegt nun mal nicht im kantonesischen Sprachgebiet. Da könntest du genauso Madril sagen, weil das der baskische Name für Madrid ist.

    #54Author JanZ (805098)  22 Mar 22, 11:40
    Comment

    Das war ernst gemeint.


    Ich habe einige Jahre in Vilnius / Wilna / Wilno gelebt und sehr genau hingehört, wie die litauischsprechende Bevölkerung das ausspricht. In Madrid / Madril täte ich das dann sicherlich genauso (auch wenn da wohl weniger Menschen Litauisch sprechen, haha).

    #55Author Raudona (255425) 22 Mar 22, 12:02
    Comment

    Ich habe einige Jahre in Vilnius / Wilna / Wilno gelebt und sehr genau hingehört, wie die litauischsprechende Bevölkerung das ausspricht.


    Und? Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie etwas anderes als Vilnius sagt, weil das nun mal der litauische Name ist. Das sagt für sich aber noch nichts darüber aus, wie man die Stadt in anderen Sprachen und insbesondere im Deutschen nennt.

    Und den Vergleich zu Madrid verstehe ich noch weniger. Willst du darauf achten, wie Basken in Madrid den Städtenamen aussprechen? Und wenn ja, warum? Nur weil das baskische Sprachgebiet zufällig teilweise im selben Land liegt?

    #56Author JanZ (805098)  22 Mar 22, 12:30
    Comment

    Sagt einer von euch "Jeruscha'lajim"? Ich höre es seit Ende der siebziger Jahre von einem Bekannten, der Verwandte dort hat, sonst hat es bisher niemand in meinem Bekanntenkreis so ausgesprochen.

    #57Author Reeva (908916) 22 Mar 22, 12:47
    Comment

    Ich bin der Meinung, dass Namen vor allem aussprechbar sein sollen. Wie oben schon gesagt, werden Ortsnamen (vorwiegend aus diesem Grund vermutlich) schon angepasst, seit es Ortsnamen gibt, deshalb finde ich nicht, dass man jetzt generell überall die landeseigene Aussprache lernen muss.


    Wenn es politisch nachvollziehbare Gründe gibt (wenn z.B. ein Staat sich umbenennt), können wir uns dem gerne anschließen, aber dann bitte den deutschen Lauten angeglichen. Bei 'Lwiw' hört's bei mir auf. Warum kann man keine Transkription finden, die sich dem Deutschen einfügt? Die echte Aussprache kriegen wird doch sowieso nicht hin. Das ist mehr virtue signalling für mich als alles andere.

    #58Author Gibson (418762)  22 Mar 22, 12:50
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    Okay, das "Vilnius"-Beispiel muss ich weiter ausführen: Litauen war im Laufe der Geschichte ganz oder teilweise unter russischer, deutscher, polnischer Herrschaft. Litauisch als Sprache der Gebildeten entwickelte sich erst so richtig, als es im Zarenreich verboten wurde - vorher sprachen Adelige und Gebildete Deutsch oder Polnisch, je nach Region. Die Russifizierung wurde u.a. durch Ansiedlung russischer Bauern vorangetrieben. Während der Sowjetunion gab es einen massiven Zuzug russischsprachiger Menschen, die von der litauischen Bevölkerung nicht besonders geschätzt wurden: Sie wurden als Besatzer betrachtet, hatten in der Regel keinerlei Motivation, Litauisch zu lernen.


    Gleichzeitig gab und gibt es einen großen Anteil polnischsprechender Menschen mit litauischer Staatsangehörigkeit.


    Fazit: Man hört vor Ort verschiedene Varianten des Namens der Hauptstadt und "outet" sich durch die Wahl der Variante. Sich für "Vilnius" zu entscheiden ist da nicht besonders schwer, allerdings ist das -nius eine Sprechsilbe, die ungefähr wie "nüss" klingt. (Wenn ich in Deutschland über meine Zeit dort spreche, sage ich eher "Will-ni-jus", damit man mich versteht. Da Litausch heutzutage mit dem lateinischen Alphabet geschrieben wird, gibt es ja auch keine Transkription.)


    Lwiw finde ich jetzt nicht soooo schwierig, auch wenn ich bei den Aussprachebeispielen im Google Translator und anderen Quellen hinten eher ein L als ein W höre - wie würdest du das denn transkribieren, damit es sich "dem Deutschen einfügt"? (Hinweis: Der Sprecher, der "Lwiw" auf Wikipedia ausgesprochen hat, ist Pole.)


    Wenn's virtue signalling ist - bitteschön. Zurzeit ist das m.E. so nötig wie selten.

    #59Author Raudona (255425) 22 Mar 22, 13:21
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    Auf einer Ausspracheseite z.B. steht:


    Klingt wie

    le-wif


    Damit kann ich leben. Aber 'lw' ist kein im Deutschen extistierender Laut. Wenn man es aber sowieso nicht sprechen kann, warum dann schreiben? Ich verstehe das wirklich nicht. Was ist falsch daran, andere Alphabete/ Zeichensysteme auf deutsche Laute herunterzubrechen?


    Wenn du es nicht schwierig findest, 'lw' zu sagen, hast du eine andere Zunge als ich.

    #60Author Gibson (418762) 22 Mar 22, 13:32
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    Nicht ganz dasselbe, aber ich bin seit fast vierzig Jahren mit einem Mladen befreundet. Das sind im ersten Anlauf drei Silben (Mmmm-laden oder Me-laden), beim dritten Mal klappt das auch zweisilbig.

    #61Author Raudona (255425) 22 Mar 22, 13:35
    Comment

    Ich glaube, die Beurteilung eines Lautes oder einer Lautkombination als "schwierig" differiert auch unter Menschen derselben Muttersprache stark.


    #59: Dass Litauen lange unter verschiedener Fremdherrschaft war, ist mir bekannt. Aber mir ist noch nicht ganz klar, als was man sich beim Namen der Hauptstadt "outen" können soll und warum.

    #62Author JanZ (805098) 22 Mar 22, 13:47
    Comment

    Als Russe (Besatzer) bzw. pro-russisch, Pole (?) oder patriotischer (den Russen nicht wohlgesonnener Litauer), nehme ich an.

    #63Author grinsessa (1265817) 22 Mar 22, 13:54
    Comment

    Ich glaube, die Beurteilung eines Lautes oder einer Lautkombination als "schwierig" differiert auch unter Menschen derselben Muttersprache stark.


    Mit Sicherheit. Deshalb plädiere ich ja dafür, sich auf Laute zu beschränken, die im Deutschen vorkommen. Ich kann z.B. das 'R' rollen, finde aber deshalb nicht, dass es Teil der offiziellen deutschen Namensgebung sein sollte.


    Raudona, das erklärt mir aber noch nicht, was der Vorteil ist, 'Lwiw' statt z.B. 'Liwif' zu schreiben, oder von mir aus auch 'Liwiw'. Ich habe auch kein Problem damit, wenn z.B. Engländer unsere Umlaute unter den Tisch fallen lassen. Die bedeuten ihnen nichts und werden nicht gesprochen, also kann man doch auch die Punkte schlicht streichen.

    #64Author Gibson (418762) 22 Mar 22, 13:55
    Comment

    Raudona, das erklärt mir aber noch nicht, was der Vorteil ist, 'Lwiw' statt z.B. 'Liwif' zu schreiben, oder von mir aus auch 'Liwiw'.


    Der Vorteil ist, dass es näher an der Originalschreibweise ist, und man keine Regel definieren muss, wie man im Original nicht oder anders geschriebene Laute schreibt. Du hast ja selber schon drei unterschiedliche Schreibweisen verwendet. Transkriptionen schaffen ohnehin schon Verwirrung durch unterschiedliche Versionen für unterschiedliche Zielsprachen, die man so noch vergrößern würde.

    #65Author JanZ (805098)  22 Mar 22, 14:11
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    die man so noch vergrößern würde.


    Das könnte man ja problemlos einheitlich regeln, indem z.B. das Auswärtige Amt maßgeblich ist. Und 'näher an' ist ja auch nicht 'identisch', also gibt es auch dort offensichtlich Spielraum.

    #66Author Gibson (418762) 22 Mar 22, 14:20
    Comment

    Mit Verweis auf meine No. 4 bleibe ich bei Lemberg.


    P.S. Die gleichnamige Rebsorte (auch Blaufränkisch genannt) hat ihren Namen von Lemberg in der Steiermark.

    #67Author mbshu (874725)  22 Mar 22, 14:24
    Comment

    #66: Naja, die Frage ist generell, wie nah an der Aussprache man transkribiert. Für das Kyrillische ist es bisher eigentlich so, dass mit wenigen Ausnahmen die Schreibweise transkribiert wird, das heißt, ein kyrillischer Buchstabe entspricht immer demselben lateinischen Buchstaben oder Buchstabenkombination (nicht zwangsläufig auch umgekehrt). Eine Transkription nach Aussprache, bei der dann zum Beispiel auch unbetonte russische o wie a geschrieben werden müssten und einiges mehr, müsste erst mal jemand erfinden, und dann müssten wir uns alle auch wieder daran gewöhnen, weil wir dann mit Namen wie Garbatschof und Nowasibirsk konfrontiert wären.

    #68Author JanZ (805098)  22 Mar 22, 14:28
    Comment

    Mein Präferenz wäre halt, dass, welche Parameter auch immer man zu Grunde legt (ich habe keine Ahnung vom kyrillischen Alphabet), es zu einem sprechbaren Ergebnis führt. Für nicht so sinnvoll halte ich einen Namen, bei dem 80% der Leute denken "Hä? Wie spricht man das denn?" und im Folgenden meist etwas sagen wie "Liwiff oder wie immer das heißt". Das macht die Unterhaltung sehr lang ;-)


    mbshu, wäre mir auch recht, aber dafür ist es vermutlich zu spät.

    #69Author Gibson (418762)  22 Mar 22, 14:38
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    Sprechbar für wen? Wir waren uns ja einig, dass es da ganz unterschiedliche Ansichten gibt. Ich behaupte, "lw" problemlos auch ohne Sprossvokal aussprechen zu können, aber mein Name fängt ja auch mit Zb an 🙂. Und viele slawische Sprachen (auch lateinisch geschriebene) haben nun mal Konsonantencluster, die für Nicht-Muttersprachler eher schwierig sind. Da kann ich ja nicht einfach nach Gutdünken Vokale einfügen (welche auch?), nur damit deutsche Muttersprachler es besser sprechen können.

    #70Author JanZ (805098) 22 Mar 22, 14:42
    Comment

    Da kann ich ja nicht einfach nach Gutdünken Vokale einfügen (welche auch?), nur damit deutsche Muttersprachler es besser sprechen können.


    Worum nicht? Haben wir schon bei 'Jehova' gemacht, meines Wissens. Ich halte das für kein sonderlich großes Problem. Und "Sprechbar für wen?" habe ich doch jetzt schon ein paar Mal erklärt, dachte ich.


    (Japanisch tut das meines Wissens auch - in westliche Lehnwörter werden großzügig Vokale eingestreut, damit man es besser aussprechen kann.)

    #71Author Gibson (418762) 22 Mar 22, 14:48
    Comment

    Haben wir schon bei 'Jehova' gemacht, meines Wissens.


    Da wurden einfach Vokale von einem ganz anderen Wort genommen und statt der im Hebräischen tatsächlich gesprochenen (aber nicht geschriebenen) eingefügt. Ein bisschen so, als würde man Lewew schreiben, weil es ja auf Deutsch Lemberg heißt.


    Japanisch tut das meines Wissens auch - in westliche Lehnwörter werden großzügig Vokale eingestreut, damit man es besser aussprechen kann.


    Nicht nur aussprechen, sondern auch schreiben. Und wenn das alles so klar und eindeutig ist, wie würdest du den Städtenamen denn nun schreiben? Du hast ja schon mehrere Varianten präsentiert. Wir haben nämlich im Gegensatz zu den Japanern keinen festen Sprachgebrauch für solche Sprossvokale, daher wird es auch mit der eindeutigen Schreibweise schwierig.

    #72Author JanZ (805098)  22 Mar 22, 14:58
    Comment

    --> #71


    Im Japanischen werden keineswegs "in westliche Lehnwörter großzügig Vokale eingestreut", sondern die japanische Sprache setzt sich zusammen aus einer bestimmen Anzahl von Silben, die entweder nur einen Vokal enthalten (a, e, i, o, u) oder einen Konsonanten plus einen Vokal (ka, ge, pi, bo, ru usw.). Dieser Grundstruktur ist auch die japanische Silbenschrift (Hiragana und Katakana) angepasst, in der es nur Silbenzeichen gibt, aber keine Zeichen (Buchstaben) für alleinstehende Konsonanten. Wenn also z.B. das deutsche Wort "Arbeit" als Fremdwort ins Japanische übernommen wird (es bedeutet dort Job oder Nebenerwerb), dann muss man, um es japanisch schreiben zu können, mit den Silbenzeichen für "a, ru, ba, i, to" (arubaito) schreiben, weil es in der Silbenschrift keine Zeichen für ein alleinstehendes "r" oder "t" gibt. Die Vokale "u" und "to" werden also nicht großzügig eingestreut, sondern gezwungenermaßen mitgeschleppt, weil ohne sie kein Silbenzeichen möglich ist.


    Arbeit =

    a ru ba i to

    アルバイト

    あるばいと


    #73Author MiMo (236780)  22 Mar 22, 16:14
    Comment

     Und wenn das alles so klar und eindeutig ist, wie würdest du den Städtenamen denn nun schreiben? 


    Wie oben schon gesagt, würde ich das tatsächlich einem offizielles Organ überlassen (statt dass jeder sich etwas bastelt oder irgendwann die Masse entscheidet, wie beim grammatischen Geschlecht). Es ist mir ja ziemlich egal, welche Version genommen wird, solange es diese Lautfolge im Deutschen gibt.

    #74Author Gibson (418762) 22 Mar 22, 19:29
    Comment

    Jaja, das Auswärtige Amt:


    Amtlich festgelegt werden hier nur die Staatennamen und die Namen der Dienstorte deutscher Auslandsvertretungen. Allgemeine Richtlinien für Städtenamen gibt es nicht, aber folgende Empfehlungen:

    - Bei Städten empfehlen wir die Benutzung des im deutschen Sprachraum gebräuchlichen deutschen Namens, sofern ein solcher schon vor 1933 existiert hat.

    - Anderssprachige Ortsnamen können je nach Textsorte vor allem bei der ersten Erwähnung in Klammern hinzugefügt werden, wenn das zur Vermeidung von Unklarheiten oder Missverständnissen erforderlich ist.


    Dementsprechend "Kiew" und "Lemberg", aber komischerweise "Charkiw" und "Dnipro".

    #75Author Kapustiner (1229425) 22 Mar 22, 19:44
    Comment

    Die Vokale "u" und "to" werden also nicht großzügig eingestreut, sondern gezwungenermaßen mitgeschleppt, weil ohne sie kein Silbenzeichen möglich ist. (#73)

     

    @MiMo: Deine Japanischkenntnisse sind meinen weit überlegen (ich habe nur lange Zeit als einziger gaijin unter lauter Japanern gelebt), aber meinem Eindruck nach werden diese „eingestreuten“ Vokale nicht nur gezwungenermaßen im Silbenzeichen mitgeschrieben, sondern auch ziemlich deutlich mitgesprochen. Donald Duck z.B. ist für uns dreisilbig, was „meine“ Japaner lustig fanden, weil sie den Namen viel umständlicher als ドナルドダック (Donarudo Dakku) aussprechen. (Aber bitte korrigiere mich, wenn ich hier etwas Falsches schreibe.)

    #76Author Stravinsky (637051) 22 Mar 22, 21:22
    Comment

    #75: Nach dieser Empfehlung wären Breslau statt Wrocław, Bromberg statt Bydgoszcz, Thorn statt Torún, Königshütte statt Chorzów etc. gültig. Gültig wäre aber auch beispielsweise Hindenburg statt Zabrze (denn die Umbenennung erfolgte 1915!), oder?


    https://de.wikipedia.org/wiki/Zabrze#Fu%C3%9F...


    Die Landgemeinde Zabrze wurde am 21. Februar 1915 auf Beschluss des Landkreises und mit diesem zu Ehren des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg in „Hindenburg O.S.“ (O.S.=Oberschlesien) umbenannt.

    #77Author BenatarsComrade (1182552) 22 Mar 22, 21:36
    Comment

    Edit:

    Statt "Die Vokale "u" und "to" werden also nicht großzügig eingestreut, (...)", muss es heißen "Die Vokale "u" und "o" werden also nicht großzügig eingestreut, (...)"


    --> #76


    Wie die "eingestreuten" bzw. "gezwungenermaßen mitgeschleppten" Vokale konkret ausgesprochen werden, hängt von von der Sprachbildung der jeweiligen Personen ab. Japaner, die keine Fremdsprachenkenntnisse haben und somit nicht wissen, dass die entsprechenden Vokale "mitgeschleppt" sind, sprechen die Vokale so aus, wie die Silbenschrift sie vorgibt, während die Leute mit Fremdsprachenkenntnissen diese Vokale dämpfen oder nicht aussprechen.


    Der erste, größere Teil der japanischen Muttersprachler sagt für アルバイト [arubaito], der zweite, kleinere Teil sagt [ar'bait'].

    #78Author MiMo (236780)  23 Mar 22, 02:37
    Comment

    1) Japanisch: MiMo hat absolut recht. Das sage ich als japanisch sprechende Person, die aktuell und seit 21 Jahren mit Japanern für eine japanische Institution arbeitet. Zu behaupten, dass die Japaner aus Jux und Tollerei Vokale einstreuen und spasseshalber mitsprechen klingt mir schon allzu sehr nach negativem Vorurteil.

    2) YHWH: Nachdem ich derzeit berufsbegleitend Theologie studiere, darf ich hier sagen, dass YHWH von Juden NICHT ausgesprochen wird. Seit der Zerstörung des jerusalemer Tempels wird der Name auch nicht mehr im kultischen Zusammenhang ausgesprochen, seine eigentliche Aussprache ging daher über die Jahrhunderte verloren. Das ehyer ascher ehyer wird von Juden mit "Adonai", oder öfter "HaSchem" alternativ ausgesprochen. In der REÜ der Bibel wird an der Stelle HERR eingefügt. Jehova - später auch Jahwe - geht auf einen Dominikanermönch zurück und wurde seit ca. dem 16. Jahrhundert als Aussprache des ehyer ascher ehyer verwendet. Es ist in höchstem Maße unwahrscheinlich, dass das Tetragramm YHWH jemals tatsächlich so ausgesprochen wurde (der Mönch hatte einen kleinen Fehler gemacht).

    Das sind die oft ungeahnten Fallstricke, wenn man sich bemühen möchte, Wörter "original" auszusprechen.😉

    #79Author Pinscheline (1070141) 23 Mar 22, 09:14
    Comment

    Zu behaupten, dass die Japaner aus Jux und Tollerei Vokale einstreuen und spasseshalber mitsprechen klingt mir schon allzu sehr nach negativem Vorurteil.


    Von Jux und Tollerei und spaßeshalber war allerdings, soweit ich das in Erinnerung habe, auch keine Rede.


    #77: Das könnte der Grund sein, warum Margarete Stokowski (Spiegel-Kolumnistin) nach eigener Angabe "Hindenburg" als Geburtsort im Ausweis stehen hat. Das gilt wohl für die deutschen Behörden noch immer als offizieller deutscher Name, obwohl Frau Stokowski erst 1986 geboren wurde. Ich fände schon, dass in Ausweise der Name in der Landessprache gehört. Aber ein Bekannter von mir hat in seinem italienischen Ausweis auch "Francoforte-sul-Meno" stehen.

    #80Author JanZ (805098) 23 Mar 22, 09:21
    Comment

    Danke, MiMo und Pinscheline, so viel spannendes neues Wissen für mich!

    #81Author grinsessa (1265817) 23 Mar 22, 09:23
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    #80 Etwas OT: Bei der Übertragung von ausländischen Geburtsorten verlassen (verließen?) sich deutsche Behörden zumindest in Einzelfällen auf die Expertise der betroffenen Person. Ich kannte mal einen Iren, der die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte und im Führerschein als Geburtsort "Cork, Südirland" stehen hatte. Er erklärte, damit betonen zu wollen, dass er aus dem freien Teil Irlands stamme.


    Das war allerdings zu Zeiten der grauen Führerscheine.

    #82Author Raudona (255425) 23 Mar 22, 14:24
    Comment

    #64 ff.: Auch wenn ich es mir ein paar Tage verbissen habe - jetzt muss es doch raus: Die Idee, Städtenamen, die von einem in ein anderes Buchstabenalphabet (!) 1 : 1 übertragbar sind, in irgendeiner Weise zu verändern, indem man Buchstaben einfügt oder ähnliches, damit Deutsche es besser aussprechen können, finde ich, gelinde gesagt, absurd.


    Wenn man es aber sowieso nicht sprechen kann, warum dann schreiben? Ich verstehe das wirklich nicht. Was ist falsch daran, andere Alphabete/ Zeichensysteme auf deutsche Laute herunterzubrechen?

    Viele Deutsche können kein englisches th aussprechen - soll das jetzt aus allen englischen Städtenamen entfernt werden, weil "man" es sowieso nicht sprechen kann?

    Dass der Vergleich mit dem Japanischen hinkt, wurde ja schon angesprochen, weil das einfach kein Buchstaben-, sondern ein Silbenalphabet ist.


    "lw" am Wortanfang ist im Übrigen im Ukrainischen wie im Russischen selten, mir zumindest fällt kein einziges weiteres Beispiel ein. Und die Aussprechproblematik, weil ungewöhnlich, ist ebenso dieselbe. Nur, dass es keine wirkliche Problematik ist.

    Auch im Deutschen gibt es seltene Lautkombinationen - Mäuschen mit "s-ch" zum Beispiel. "s-ch" ist auch kein "deutscher Laut", aber nur, weil Lautkombinationen selten sind, muss man kein Problem daraus machen. "s" und "ch" sind beides deutsche Laute - das gleiche gilt für "l" und "w", und die Lautkombination "lw" tritt deutlich häufiger auf als "s-ch", ob nun bei der Malve, beim Revolver, bei Calvin Klein oder im Mineralwasser Alwa - nur, dass sie bei Lwiw halt am Wortanfang steht.


    Nein, es ist nicht und war nie "Liwiff", sondern einfach Lwiw. Wenn ein paar Deutschmuttersprachler "Liwiff" draus machen, sei's drum - das ist genauso wenig schlimm wie die Deutschmuttersprachler, die auf Englisch kein "th" aussprechen können und ein "s" oder sogar "f" draus machen, es stört nicht die Kommunikation, man weiß, was gemeint ist. Korrekt ist das natürlich trotzdem nicht, und genausowenig wie deswegen im Englischen auf einmal alle "th" zu "s" oder "f" umgeschrieben werden sollten, sollte man aus "Lwiw" auf einmal irgendetwas anderes machen.


    Diese für mich absolut nicht nachvollziehbaren "80 %", die das angeblich nicht aussprechen können, halte ich wirklich für sehr, sehr weit hergeholt. Ich denke, dass es, im Gegenteil, mindestens 80 % mit ein bisschen Goodwill sehr wohl aussprechen können, wenn vielleicht auch nicht alle perfekt.

    #83AuthorKübelchen (837721)  23 Mar 22, 23:06
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    Die Idee, Städtenamen, die von einem in ein anderes Buchstabenalphabet (!) 1 : 1 übertragbar sind, in irgendeiner Weise zu verändern, indem man Buchstaben einfügt oder ähnliches, damit Deutsche es besser aussprechen können, finde ich, gelinde gesagt, absurd.


    Ach? Dass der Name einer Stadt von überregionaler Bedeutung in anderen Sprachen an lokale Aussprachegepflogenheiten angepasst wird ist ja nun wirklich nichts Neues oder Ungewöhnliches: Neuyork (New York) haben wir uns abgewöhnt; aber Brüssel (Bruxelles/Brussel); Mailand (Milano), Florenz (Firenze), Genua (Genova) und Venedig (Venezia); Nizza (Nice/Niça/Nissa), Kopenhagen (København) oder Lissabon (Lisboa) sagen wir schon noch. Was, bitte, ist das anderes als „Buchstaben einfügen oder ähnliches, damit Deutsche es besser aussprechen können“?


    Generell haben andere Sprachen da weit weniger (bis keine) Berührungsängste: „Den Haag“ wird im Englischen ganz selbstverständlich zu „The Hague“; „Innsbruck“ zu „Inspruck“, „Tirol“ zu „(the) Tyrol“ usw. Von Petitessen wie Umlauten reden wir da noch gar nicht. 


    Und warum auch nicht? Exonyme sind ein uraltes linguistisches Phänomen. Erst in den letzten Jahren hat sich im deutschen Sprachraum schleichend die Auffassung verbreitet – von Teilen der Medien und selbsternannten progressiven Kreisen tatkräftig unterstützt – dabei handle es sich quasi um Kulturimperialismus oder jedenfalls etwas Unanständiges, und man habe gefälligst ausschließlich Endonyme zu verwenden, idealerweise in Kombination mit möglichst originalgetreuer Aussprache.


    Um mit Wikipedia zu sprechen: [A]uch das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen im Hinblick auf die eigene Sprache [sind] entscheidende Faktoren im Umgang mit Exonymen. Spanische oder französische Muttersprachler etwa unterscheiden sich in diesen beiden Punkten beträchtlich von deutschen Muttersprachlern; letztere sind im Vergleich deutlich eher bereit, fremdsprachige Lautungen zu übernehmen.

    #84Author Carullus (670120)  24 Mar 22, 07:17
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    die Lautkombination "lw" tritt deutlich häufiger auf als "s-ch", ob nun bei der Malve, beim Revolver, bei Calvin Klein oder im Mineralwasser Alwa - nur, dass sie bei Lwiw halt am Wortanfang steht.


    In all diesen Beispielen sind aber das L und das W in verschiedenen Silben, bei Lwiw aber nicht.

    Daher sind all diese Beispiele nicht mit Lwiw vergleichbar, denn die Silbentrennung und der Vokal davor und danach machen die Aussprache dieser Beispiele unproblematisch.


    Ein L am Wortanfang gibt es im Deutschen eben nur mit einem folgenden Vokal.

    Als eine Silbe kann ich Lwiw auch nicht aussprechen. Das klingt bei mir wie ein alleinstehendes L (wie es Erstklässler sagen, die noch Buchstaben mit Lauten statt den Namen bezeichnen) und dann ein wiw.


    Lembergs deutsche Partnerstadt verwendet auf der eigenen Webseite zu den Partnerstädten die Schreibweise Lviv im Text, gibt aber auch Lemberg an.

    #85Author Dodolina (379349) 24 Mar 22, 08:06
    Comment

    Einige der genannten Städtenamen haben wir uns aber nicht irgendwie gefügig gemacht, sondern sind einfach bei älteren Namensformen geblieben, während die Landessprachen die Namen weiterentwickelt haben:


    lat. Florentia -> Florenz

    lat Genua -> Genua

    lat./goth. Olissipona bzw. Olisibona -> Lissabon

    #86Author Selima (107) 24 Mar 22, 08:18
    Comment

    Das Argument mit den alten Namen ist aber schwierig, wenn es eine multikulturelle Geschichte gibt, in der die Landessprache einer Stadt mehrfach gewechselt ist.


    Nach Wikipedia wäre dann auch Lemberg der "Originalname" für Lwiw:

    Nach historischen Quellen wird angenommen, dass unter König Kasimir dem Großen das deutsche Kolonisationswerk in der Umgebung von Lwiw begründet wurde. In polnisch oder lateinisch geschriebenen Urkunden taucht der Name des Ortes 1342 erstmals als Lamberg auf.


    #87Author Dodolina (379349)  24 Mar 22, 08:46
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    #84: Das sind aber zwei Paar Schuhe. Gegen Exonyme habe ich auch nichts, aber Gibson ging es ja um Umschriften aus anderen Schriftsystemen, die gleich für Deutsche "aussprechbar" gemacht werden sollen. Da stimme ich Kübelchen zu. Die meisten Exonyme zumindest für westeuropäische Städte dürften auch nicht der besseren Aussprache dienen, jedenfalls finde ich Firenze oder Nice nicht schwieriger auszusprechen als Florenz oder Nizza (letzteres ist übrigens einfach der italienische Name, weil die Stadt lange zu Italien gehört hat).


    "lw" am Wortanfang ist im Übrigen im Ukrainischen wie im Russischen selten, mir zumindest fällt kein einziges weiteres Beispiel ein.


    Naja, diverse Formen von lew "Löwe" halt, wovon der Städtename vermutlich auch abgeleitet ist.

    #88Author JanZ (805098) 24 Mar 22, 09:31
    Comment

    Königsberg (1283-1945) fällt mir noch ein. Danach wurde sie nach einem russischen Revolutionär benannt. Da kennt man die Aussprache auch nicht so richtig, ob es auf dem ersten oder dem zweiten i betont werden muss.


    Archangelsk sollte nach einem Vorschlag in Putingrad umbenannt werden. Das finden nicht alle so eine gute Idee: Nobody's going to screw up a town with that name,” argues Aleksandr Donskoi, who served as mayor of Arkhangelsk from 2005 until 2008.

    Und Städtenamen nach Personen sind manchmal kurzlebig, wie man an Stalingrad, Leningrad oder Karl-Marx-Stadt sieht.


    Vielleicht ereilt Königsberg auch das Schicksal einer Rückbenennung aber da weiß ich zu wenig über den Revolutionär Kalinin, ob seine Ideen und Taten immer noch angesehen sind heutzutage.

    #89Authorzacki (1263445) 24 Mar 22, 09:37
    Comment

    Ich zitiere hier nochmal den oben verlinkten Wikipedia-Artikel:

    Es gibt Bezeichnungen für die lange Zeit multiethnische Stadt in vielen Sprachen: ukrainisch Львів Lwiw, russisch Львов Lwow, polnisch Lwów, jiddisch לעמבערג Lemberg oder dialektal לעמבעריק Lemberik, armenisch Լվով Lwow, ungarisch Ilyvó, deutsch Lemberg, französisch Léopol und italienisch Leopoli, beide aus lateinisch Leopolis‚ Löwenstadt‘.



    Wie machen das eigentlich die Franzosen und Italiener oder die Jiddisch-Sprecher, stellen sich da jetzt auch alle auf das ukrainische Lwiw um?

    Oder ist das ein deutsches Phänomen, dass hier eine alte deutsche Bezeichnung aktiv aufgegeben wird?


    Edith meint, die französische Wikipedia schreibt Lviv und erwähnt nur auch den alten französischen Namen, also analog zur deutschen Wikipedia. Die italienische Wikipedia schreibt ungeniert überall weiter Leopoli.

    #90Author Dodolina (379349)  24 Mar 22, 09:41
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    Naja, da hat man das Problem, das man in Osteuropa häufig hat: Im Gegensatz zu den deutschen Namen waren französische oder italienische dort nie offiziell, so dass man nicht mit dem Argument kommen kann "Das heißt jetzt anders".

    #91Author JanZ (805098) 24 Mar 22, 09:59
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    #84: Wie #88 - das sind zwei Paar Schuhe. Es geht mir nicht um Übersetzungen bzw. Exonyme (also Lemberg statt Lwiw - das finde ich nicht grundsätzlich problematisch; Moskau statt Moskwa sowieso), sondern um die Umschrift.


    #85: Ein L am Wortanfang gibt es im Deutschen eben nur mit einem folgenden Vokal.

    Wie gesagt, im Ukrainischen (und im Russischen) ist das auch nicht anders, das ist keine typische Lautkombination.

    Als eine Silbe kann ich Lwiw auch nicht aussprechen. Das klingt bei mir wie ein alleinstehendes L (wie es Erstklässler sagen, die noch Buchstaben mit Lauten statt den Namen bezeichnen) und dann ein wiw.

    Aber damit kann man doch schon was anfangen. Ein paar Mal mit Wörtern kombinieren, die auf Vokal auslauten ("Wir sehen heute Lwiw" -> "heut-elwif"), der Rest ist reine Gewöhnungssache, würde ich sagen.

    Und selbst wenn am Ende nur "Li-wiff" rauskommen sollte, fände ich das in Ordnung.

    Aber stattdessen auf einmal "Liwiff" zu schreiben, finde ich nach wie vor eine sehr... merkwürdige Forderung.


    #88: Der Löwe ist mir auch kurz darauf eingefallen, zumindest in seinen Ableitungen. Aber da hört's dann auch schon auf.

    #92AuthorKübelchen (837721)  24 Mar 22, 11:03
    Comment
    So, we can't mention the war in Ukraine, but we can mention the cities. Where evidently nothing more significant than language difference is happening. Nothing to see here, move along.

    If it's merely an aesthetic choice, surely Lemberg is very ugly and Lviv is very sleek.

    But who knew that there was yet a third option?

    Seriously, I assumed the Univisión reporters were broadcasting from some unknown minor western city named 'Leópolis' because they had probably arrived too late to get a hotel room in grossly overcrowded Lviv. I had no idea it was the same place.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Lviv
    https://es.wikipedia.org/wiki/Leópolis


    #93Author hm -- us (236141) 24 Mar 22, 11:46
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     klingt mir schon allzu sehr nach negativem Vorurteil. (#79)


    Abgesehen davon, dass ich, wie schon angemerkt, nichts von 'Jux und Tollerei' geschrieben habe: Was für ein Vorurteil genau meinst du? Dass die japanische Sprache Lehnwörter angleicht, ist eine Tatsache, und zudem ja nichts ansatzweise Negatives. Mir ist nicht klar, was du mir unterstellen möchtest.


    Gegen Exonyme habe ich auch nichts, aber Gibson ging es ja um Umschriften aus anderen Schriftsystemen, die gleich für Deutsche "aussprechbar" gemacht werden sollen. (#88)


    Ich sehe wenig Unterschied, ob ich Aussprache, Schreibweise oder sonst was im Deutschen verändere. Ich sehe es wie Carullus, der es so gut ausgedrückt hat, dass ich seine Argumente nur wiederholen würde.

    #94Author Gibson (418762) 24 Mar 22, 11:56
    Comment

    #89: Zu Königsberg wollte ich mich eigentlich zurückhalten, weil ich schon viel zu viel in Richtung Litauen abgelenkt hatte. Aber da du es ansprichst ... Die Frage ist dann, wie weit man zurückgehen will. Historisch war das Gebiet nämlich mal "Klein-Litauen" (Mažoji Lietuva) oder "Preußisch-Litauen". Ich kannte eine Litauerin, die dieses Gebiet ausschließlich Mažoji Lietuva nannte.


    Genau dieses historisierende Spiel - "ich gehe so weit in der Geschichte zurück, bis es in mein Narrativ passt" - spielt ja gerade jemand als Begründung. Heim ins Reich und so.

    #95Author Raudona (255425) 24 Mar 22, 12:01
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    Genau dieses historisierende Spiel - "ich gehe so weit in der Geschichte zurück, bis es in mein Narrativ passt" - spielt ja gerade jemand als Begründung. Heim ins Reich und so.


    Zwischen "ich benutze den alten Namen in meiner Sprache" und "ich möchte das wieder in mein Reich eingliedern" sind ja noch himmelweite Unterschiede.


    Ersteres gibt es bei vielen Orten, dass es eben in verschiedenen Sprachen auch verschiedene Bezeichnungen gibt. Auch das Zurückgehen auf die lateinischen Ursprünge von Florenz und Genua (s. #86) ist ja ein Zurückgehen, bis die Bezeichnung passt.


    Und normalerweise stört sich da auch keiner dran.

    Ich habe ein gewisses Verständnis, dass die Ukrainer jetzt die russischen Namen loswerden wollen, samt ihrer im Westen gebräuchlichen Transskriptionen (Kiew -> Kyiv, Charkow -> Charkiw).

    Aber althergebrachte deutsche Namen wie Lemberg haben damit ja nichts zu tun, denn der russische Name ist wieder ganz anders.

    #96Author Dodolina (379349) 24 Mar 22, 12:12
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    @95: Na ja, wenn eine Stadt vor 739 Jahren so genannt wurde oder gegründet (?) und 662 Jahre so hieß, dann ist das schon ziemlich lange. Wie man davor das Gebiet nannte, ist noch einmal eine andere Frage. Von mir aus soll das Gebiet Klein-Litauen heißen, aber wenn ich das sage, werde ich garantiert nicht verstanden. Also kann ich mir das sparen.

    #97Authorzacki (1263445)  24 Mar 22, 12:14
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    Recently, I've been seeing the name "Odesa" for what I previously new as "Odessa." At least according to Lexico, the former is the Ukrainian spelling.

    #98Author hbberlin (420040) 24 Mar 22, 13:22
    Comment

    So, we can't mention the war in Ukraine, but we can mention the cities. 


    Do not mention the war, it is a "special military operation".

    #99AuthorBubo bubo (830116) 24 Mar 22, 15:17
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    Edit to #98: previously knew


    So, we can't mention the war in Ukraine, but we can mention the cities. 

    Do not mention the war, it is a "special military operation".


    Does that mean that if we refer to it as a "special military operation" we can talk about it here? Tovarich Putin would possibly be pleased with that.


    #100Author hbberlin (420040)  24 Mar 22, 15:27
    Comment

    #98 Recently, I've been seeing the name "Odesa" for what I previously new as "Odessa." At least according to Lexico, the former is the Ukrainian spelling.


    That's right. Ukrainisch Одеса, russisch Одесса.


    Für die deutsche Transkription würde das übrigens keinen Unterschied machen, weil das stimmlose s (с) zwischen Vokalen grundsätzlich als "ss" wiedergegeben wird.

    #101Author Kapustiner (1229425) 24 Mar 22, 18:09
    Comment

    Ich habe das jetzt nicht so 100% genau untersucht aber ich habe den Eindruck, in den Fernsehnachrichten vom ZDF sprechen sie jetzt nur noch von Lemberg.


    Laut Angaben aus Kiew gibt es wieder Gespräche zwischen den Konfliktparteien. Der russische Angriff geht weiter, auch Lemberg ist betroffen.

    https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19-uhr/u...


    Russische Raketen treffen ein Treibstofflager in Lemberg.

    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/biden-...


    Bisher sei Lemberg mit "einzelnen Nadelstichen" davongekommen, so ZDF-Korrespondent Jörg Brase.

    https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmaga...


    Ob das jetzt zufällig so ist oder ob sich das dahin so schleichend entwickelt hat oder offiziell vom Sender so entschieden wurde, weiß ich nicht.


    #102Authorzacki (1263445) 28 Mar 22, 11:18
    Comment

    Na super. Hingegen nutzen ARD und auch ntv und RTL durchgehend "Lwiw" - wenn man bei der Suche "Lemberg" eingibt, wird man auf "Lwiw" weitergeleitet.


    Teilen sich die Öffentlich-Rechtlichen jetzt in unterschiedliche Fraktionen? Allerdings benutzen beide (und auch die Privaten) ziemlich durchgängig "Kiew".

    #103Author Raudona (255425) 28 Mar 22, 12:47
    Comment

    Ich habe gerade mal gegooglet, wie Lembergs deutsche Partnerstadt das handhabt.

    Da werden beide Schreibweisen parallel verwendet, zumindest in Überschriften. Im Text wird dann meist nur Lwiw verwendet.

    Selbst im Straßenpflaster sind dort beide Namen vertreten.

    #104Author Dodolina (379349) 28 Mar 22, 13:15
    Comment

    @ 103:


    Im Jahr 2012 fand ja die Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine und Polen statt (klingt momentan irgendwie unglaublich weit weg). Da fanden ja Spiele u. a. in Lemberg / Lviv statt. Und ich kann mich erinnern, dass ich mich über die Uneinheitlichkeit gewundert habe, dass in den Übetragungen manchmal der Ort Lemberg und manchmal Lviv bezeichnet wurde. Ob das an ARD/ZDF lag, kann ich mich gar nicht mehr erinnern.


    Wobei ich das per se jetzt nicht ausschließen würde: Warum auch sollten alle öffentlich-rechtlichen Sender denselben Styleguide verwenden?

    #105AuthorRheiner (762589) 28 Mar 22, 14:00
    Comment

    Aber der Name Lemberg kommt ja weder aus dem Russischen noch aus der Nazizeit. Den sehe ich als nicht so problematisch an.


    Ein ganz anderes Kaliber wäre es natürlich, wenn die heute-Leute von "Lwow" reden würden.

    #106Author Kapustiner (1229425) 28 Mar 22, 16:08
    Comment

    Laut Wikipedia gibt es mindestens 20 geografische Objekte, die Lemberg heißen. Der Name kann sich allerdings von unterschiedlichen älteren Formen herleiten:


    Lamberg - Lehmberg - Lengenberg - Lewenberg - Lindberg

    #107Author MiMo (236780) 28 Mar 22, 19:46
    Comment

    ... gibt es mindestens 20 geografische Objekte, die Lemberg heißen 


    Das erinnert mich an den Taxifahrer, der uns nach Hause fahren sollte und damit anfing, uns einen Vortrag zu halten, wie viele Orte in der Umgebung den gewünschten Namen hätten ... Das war in dem Fall genau so unerheblich wie in #107

    #108Author penguin (236245) 30 Mar 22, 09:20
     
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